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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^-^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- & . -, zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei AüfkwlNÜf Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. *

ßwAt^MA^ Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

MmölilU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 299

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

ÜWEWtttzrWBÜH!

Bus der Heimat.

* (Verbot der Versendung von Zünd­hölzern mit der F e l dp ost.) Im Publikum ist vielfach die Meinung vertreten, daß es zulässig ist, an die Truppe im Felde mit der Feldpost auch Zündhölzer zu versenden, wenn sie in feste, gegen Druck wider­standsfähige Behältnisse, Blechkästenund dergleichenver- packt sind. Diese Ansicht ist unzutreffend, und geeignet dem Absender unter Umständen eine schwere Verant­wortlichkeit aufzubürden. Amtlicherseits wurde mit Rücksicht auf die wiederholt vorgekommenen Selbst­entzündungen von Postsendungen, und die dadurch hervorgerufenen umfangreichen Brände vor der Ver­sendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Feld­post dringend gewarnt. Erst vor kurzem wieder ist ein Kraftwagen auf einer Etappenstraße wahrscheinlich infolge von Selbstentzündung der Postsendung in Brand geraten, und zwei Drittel der Ladung dabei eingebüßt worden. Zu den feuergefährlichen Gegen­ständen gehören auch Reib oder Streichzünder und Zündhölzchen jeder Art, einschließlich der im Geschäfts­verkehr als Wachskerzchen bezeichneten Wachsstreich­hölzer,- sie dürfen unter keinen Umständen, mag die Verpackung nach Ansicht des Erzenge cs oder Absenders auch noch so dauerhaft und sichernd eingerichtet sein, mit der Post, auch nicht als Beipack zu Feldpostbriefen usw. versandt werden. Wer dem Verbot zuwieder- handelt, kann nicht nur die Allgemeinheit empfindlich schädigen, sondern hat auch mit seiner Person vorbe­haltlich der Bestrafung uach den Gesetzen für jeden entstehenden Schaden zu haften.

* Der goldene Sonntag, der in Friedens­zeiten ein von jedem kaufmännischen Angestellten geradezu gefürchteter Tag ist, scheint in diesem Jahre etwas von seinem sonstigen Charakter eingebußt zu haben. Wohl war auch diesmal der Andrang in den Geschäften ein ziemlich erheblicher gibt es doch selbst in der jetzigen Zeit noch Menschen, die sich erst im letzten Augenblick auf ihre Einkäufe besinnen müssen. Und fast nur solche Menschen pflegen all­jährlich die Käuferschar des goldenen Sonntags dar- zustellen. Aber trotzdem verlief in diesem Jahre alles weniger nervös und aufgeregt. Angesichts der finanziellen Beschränkung, die jeder Einzelne diesmal mehr oder weniger verspüren mußte, trat die über­wiegende Anzahl der Käufer bereits mit wohler­wogenen Vorsätzen auf den Plan, und die Einkäufe vollzogen sich rascher und bestimmter. Mancher über­flüssige Tand ist zwar auf dem Lager des Geschäfts­mannes verblieben. Dafür ist jedoch in anderen Gegenständen ein ziemlich starker Umsatz zu ver­zeichnen gewesen. Und daß sich im allgemeinen für jeden Geschäftsmann ein zumindest befriedigendes Weihnachtsgeschäft ergeben haben möge, das ist der Wunsch, den wir an dieser Stelle ihnen allen auv- fprechen wollen.

* (Die Meldepflicht Verwundeter.) Auf Anordnung des stellvertretenden Generalkom­mandos des XI. Armeekorps wird wiederholt darauf hingewiesen, daß sich alle verwundeten oder genesenden Militärpersonen, die von den Truppen beur aubt sind oder aus einem Militärlazarett in eine nicht unter militärischer Aufsicht stehende Privatpflegestatte uber- wiesen sind, innerhalb 24 Stunden bei dem Polizei- ?evier anzumelden haben, in dessen Bereich sie wohnen. Hierbei'ist der Militär-Urlaubspaß vorzulegen. .Sollte sich der'Tag des Ablaufs des Urlaubs ändern, so und die Militärpersonen verpflichtet, sich erneut bei dem Polizeirevier zu melden. Verwundete oder genesende Wilitäroerfonen, welche die Meldung versäumen, Wen M gewärtig daß sie polizeilich dem Reserve­lazarett zugeführt werden.

* <1915 9 Der Kalender für das nächste Jahr be­ginnt mit einem Freitag im Schöne des Vollmonds. Die Fastnacht ist eine kurze, denn schon am 17. Feb­ruar werden wir den Aschermittwoch haben. Ostern fällt auf den 4 und 5. April, der Weiße Sonntag aus den 11. April, der Himmelfahrtstag auf den 13. ^t«,

MerW

Dienstag während Maria Himmelfahrt diesmal auf einen Sonntag trifft und daher nicht besonders gefeiert wird Einen Doppelfeiertag gibt es außer d.n drei Hauptfesten nur am 31. Oktober und 1.-November (Sonntag und Allerheiligen). Die vier Ouatember sind verzeichnet am 24. Februar, 26. Ma., 1a. wepti.

Dienstag, den 22. Dezember

und 15. Dezember. Die vier Jahreszeiten wechseln am 21. März, 22. Juni, 24. September und 22. Dez. Bei uns sichtbare Sonnen- oder Mondfinsternisse finden nicht statt.

* DasEiserneKreuzwurde verliehen: Dem Obermusikmeister Karl Sandow, dem Leiter der Regi- ments-Kapelle des 2. Kurhessischen Feld-Artillerie- Regiments Nr. 47 in Fulda.

):( Hersfeld, 21. Dezbr. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde Herr Kreistierarzt S u d e r, von hier.

Cassel, 19. Dez. Der Vorsteher des 5. Polizei-Re­viers in der Unterneustadt, Polizeikommissar Krützel- mann, ist als Polizei-Inspektor nach Brüssel versetzt worden.

Cassel, 16. Dezember. Tödlich verbrüht wurde das 2jährige Söhnchen eines in der Müllergasse wohn­haften Arbeiters, das während einer kurzen Abwesen­heit der Mutter in einen Kübel mit heißem Wasser gestürzt war. Das Kind verstarb unter entsetzlichen Qualen.

Hann.-Münden, 18. Dezember. Eine seltsame Fügung des Geschicks hat besonders hart die Geist­lichen unserer Stadt betroffen: In sämtlichen Familien, die erwachsene Söhne ins Feld sandten, hat der Welt­krieg Opfer gefordert, in der des Superintendenten St. sind sogar 2 Söhne auf dem Felde der Ehre ge­blieben. Auch der bis vor kurzem im Nachbarstädtchen Hedemünden ansässige Superintendent M., der jetzt in Göttingen amtiert, hat bereits 3 seiner 4 Söhne dem Vaterland geopfert, während der vierte sich in englischer Gefangenschaft in Südafrika befindet.

Erfurt, 17. Dez. Den Arbeiter Paul Uschner aus Leipzig, der im September d. I. mittels eines ge­fälschten Militärfahrscheins von Halle a. S. nach Er­furt die Eisenbahn benutzt hatte, traf eine sechs- monatige Gefängnisstrafe. Zwei Monate wurden durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet.

Mühlhausen, 19. Dezember. Gestern vormittag fand unter überaus großem Andrange von Land­wirten in derGrünen Linde" die Versteigerung von 40 erbeuteten Pferden statt. Etwa 30 davon waren zweijährige Fohlen. Der höchste Preis für ein Pferd betrug 1020 Mk., der billigste für ein lahmes Tier 125 Mark.

Anspach i. Th., 19. Dezember. Ein blühendes Geschäft macht, wie dieFranks. Ztg." meldet, gegen­wärtig eine hier weilende Frau, die sur gutes klingendes Geld den Frauen und Bräuten von den Kriegern das Blaue vom Himmel herunterwciy= sagt." Der Zudrang zu dieser Pythia ist außer­ordentlich groß und schwillt von Tag zu Tag mehr an Und keine der grauen geht von der Wahrsagerin unbefriedigt fort, denn alle hören nur Gutes von den draußen kämpsenden Männern. Gegen die Dumm­heit kämpfen die Götter doch vergebens.

M »reiitzischtii GiWutn im todt

Aus einer dem Landeisenbahnrat vorgelegte Denk­schrift ist zu ersehen, in welchem Maße sich drepreußischen Staatseisenbahnen den Bedürfnissen d^ 5krreges an- vaßten Trotz der ungeheuren Ansprüche der Mobll- machung gelang es doch, die großen «tadte und die Zentren der Industrie derartig mit allem,Notwendigen zu versehen, daß nirgends eine wirkliche Not emtrat. Als dann die Mobilmachung beendet war, konnte man wieder an die wirtschaftlichen Aufgaben der Cnen= hslfinen Senfen Der Krieg hatte dadurch, daß ergänze a?oüe Grenzen dem Verkehr sperrte und daß der Ver­kehr von und nach der See ganz aufhörte, Deutschlands Wirschaft auf sich selbst angewiesen und die Eisenbahnen muhten sich der neugeschaffenen Lage anpapen. Zu- nnrhst hie Bergung der Ernte drängte, erhielten all? Landwirtschaftttchen Arbeiter, die dabei behilflich sein solltenfreieFahrt. Die landwirtschaftlichen Produkte wurden durch neue Tarife begünstigt, so daß z. B. die Fracht für den Zentner Kartoffeln vom Osten nach Süd-oder Westdeutschland nur 40 - 50 Pfennige be­trägt. Noch größer war die Ermäßigung bet dem Trnngnort frischer Kartoffeln in die Trockenanstalten, Kartoffelmehl wurde tarifarisch ebenso wie frische Kar- toffeln^behandelt, um seine Verwendung bei der Brot- bereituna tunlichst zu verbilligen. Groye Tartser- Mäßigungen wurde auch den Ruhrkohlen zu Teil, aus die das nördliche Deutschland nun, da die englischen Kohlen ausblieben, ausschließlich angemmen war. Desgleichen allen für die wirtschaftliche Wleöeryer- stelluna Ostpreußens dienenden Materialien: Land- Wirttchajttiche Maschm-n, »"h-u"^

und auch von Vieh. Dem Bestreben, die Kohlen mehr

ig bei der «ror Große Tarifer

1914

durch Koks zu ersetze«, kamen gleichfalls Ermäßigungen der Tarife entgegen. Die Eisenbahnen selbst gingen znr Koksfeuerung über. Bekanntlich erzielt dte Koks- industrie wichtige Webenprodittte, besonders das als Düngemittel wichtige Ammoniak. Auch der Personen- verkehr paßte sich der Not der Zeit an. Fahrpreiser­mäßigung wird gewährt bei Besuchen der Angehörigen von Verwundeten und zuweilen auch von Unver- wundeten, für die aus dem Ausland eintreffenden Deutschen und für die vstprenßischen Flüchtlinge, Liebesgaben nach Ostpreußen und Sendungen des Roten Kreuzes wurden gleichfalls umsonst befördert. Allen Ansprüchen auf Tarifermäßtguug sonnte freilich nicht entsprochen werden, ganz ging es nicht an, die Rück- sichten auf die Staatsfinanzen außer Acht zu lassen.

So hat die Eisenbahn auch im Dienste der Volks­wirtschaft das Ihrige getan. Was sie im Dienst der Heeresleitung getan hat, wissen wir alle, und werden demnoch stauneu, wenn ihre Leistungen erst im 3u= sammenhang bekannt sind. Schon nach Vollendung der Mobilmachung spendete ihr der Kaiser hohes lLob, und welche Ansprüche sind nicht seither an sie gestellt worden! Der Feind aber weiß, wie sie erfüllt worden sind und spendet widerwillig dempreußischen Schaffner" die wohlverdiente Anerkennung.

Zchmiilkt Kit Lmrette mit ionntnariin!

Heraus aus dem Feuer der Granaten, aus dem feuchten Schützengraben, aus der tosenden Schlacht! Wieder in die Heimat, auf treuem Vaterlandsboden, unter liebenden Menschen! Markige Soldaten, vor dem Feinde fest wie Eisen und Stahl, haben sich der Träne nicht geschämt als sie die opferwillige Liebe empfanden, mit der sie im heimatlichen Lazarett un­entwegt umgeben werden.

Was der rauhe Krieger im Felde nicht zeigen durfte, brach sich echt menschlich Bahn im Hafen der Ruhe. Tiefer, sinnender Ernst liegt auf dem Antlitz so vieler Verwundeter. Lebenslustige Jünglinge reiften in wenigen Monaten zum Mann. Das Er­lebte will vom Auge nicht weichen, die Schrecken des Krieges zittern noch lange nach in der Seele, wenn das Schlachtfeld weit in der Ferne liegt. Und durch Schmerz und Seelenpein ringt sich belebend immer wieder der eine hehre Gedanke durch: Wir kämpften und bluteten für Ehre und Freiheit, für unser Vater­land. Da ist es Pflicht der Nächstenliebe und vater­ländischen Geistes, allen den Tapferen, die ihr Blut Hingaben für den Schutz der Heimgebliebenen, das Leben in der Heimat, auf dem Krankenlager, lieb und leicht zu gestalten. In der liebevollen Pflege unserer Verwundeten ehren wir das ganze deutsche Heer. Wir alle wissen, mit welcher Sehnsucht sie ihre Heilung erwarten, um aufs neue an die Front hin- anseilen und immer wieder ihr ^ebeii einsetzen zu können zum Schutze des Vaterlandes. Gewiß, man tut viel aus vollem Herzen. Mehr noch kann ge­schehen! Auch in unscheinbaren Freuden, die tief ans Innerste greifen, zeigt sich die Liebe. Längst ist es ein schöner Brauch, unsere Krankenstuben in Friedens- zeiten mit Blumen zu schmücken, soweit nicht der Arzt gegen allzu schwer duftende Kinder Floras berechtigte Bedenken hat. Ein dankenswerter Appell an alle Gärtner und Gartenbesitzer war es daher:Bildet allerorten Zentralen, wo Blumen, die nicht stark duften, für unsere Lazarette gesammelt und verteilt werden! Keine einzige Blume sollte nutzlos verblühen, ohne kranken Kriegern einen Gruß der Liebe zu spenden, ihnen neue Hoffnung in Leidenstage zu flechten!* Der Sommer mit seiner Blütenpracht ist ins Meer der Vergangenheit geflossen. Den Herbstblumenflor hat der nahende Winter erstickt. Du schöner, deutscher Wald, gib aus deinem Reichtum lachendes Grün für unsere Verwundeten! Erfülle mit deinem würzigen, kräftigenden Tannenduft jedes Lazarett, jedes Schmerzenslager! Erfreue und be­glücke die Tausende von Helden, die unseres deutschen Waldes volle Herrlichkeit vielleicht auf Monate hin­aus nicht schauen und atmen dürfen! Ist das Liebcs- opfer, das wir bringen sollen, gar sv schwer? Unser deutscher Wald ist lebensgeschwettt wie unser Deutsches Reich. Tannengrün mit Tannenzapfen und mit Bändern in den Farben aller deutschen Gaue wird die Verwundeten begeistern, wird ihnen wachrufen, daß das Deutsche Reich so festgewurzelt steht wie die deutsche Tanne, wird ihre Gedanken hell und licht entführen zu den Lieben, die zur Weihnachtszeit nicht am Krankenlager weilen können . . . und zu den tapferen Kameraden wett draußen an der Stätte deutschen Freiheitskämpfer Mögen daher auch die staatlichen Forstverwaltungen mit vollen Händen geben! Unsere Krieger verdienen es, daß der deutsche Wald, der immerdar deutsch bleiben soll, sie ehrt und schmückt mit dem, was jedem Deutschen ans Herz ge­wachsen ist.