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chener teitt mit, daß 5er Kampf in Nordfrankreich nach längerer Ruhepause von neuem entbrannt ist Ute windeten griffen gestern auf der Linie Hollebecke-By- schaete an. Verschiedene deutsche Laufgräben wurden genommen und eine Anzahl Kriegsgefangener SS Die Verbündeten haben Terrain gemonnen gemacht. . Die angeblichenErfolge" der Franzosen wissen wir hier gebührend zuwürdigen". 51 romeu

Gewaltige Offiziersverluste im englischen Expeditionskorps.

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runter 15 Generale, 108 Oberste 322 Majore 1123 Hauptleute, 2303 Leutnants. *

Die Türken in der Nähe des Roten Meeres,

i ,Rotterdam, 18. Dezember. DerMattino" er- semB. T." anf dem Umwege über Syrakus aits Aegypten, daß die türkischen Truppen und die Be- ^uinen fünfzehn Meilen vom Snezkanal entfernt in der Nähe des Roten Meeres stehen. jT. U.) ^ , ßtiegsalletlcL

Neue indische Truppen in Marseille eingetroffen.

i ^^L.Basel, 18. Dezember. (WTB.) Laut Baseler Nachrichten trafen in Marseilles 50 000 Gurkhas ein i Die Trnppen sollen nach dem Norden gebracht werden.

Ein russischer Pauzerzug in die Luft geflogen.

. ** Budapest, 18. Dezember. (L.-A.) Wie der Kor- reipondent desBester Naplo" meldet, ist ein von Lem- berg mit Munition und Lebensmitteln nach dem Kriegs­schauplatz abgegangener russischer Pauzerzug auf der Strecke tu die Luft gesprengt. Die Ursache ist unbe­kannt. (T. U.)

Wie es in Polen aussieht.

Der römischeMessagero" veröffentlicht, demB. Lok.-Anz." zufolge, ein Telegramm aus Warschau, das das Elend in Russisch-Polen schildern Das Thermo­meter ist auf 8 Grad Kälte gefüllten. Hunderte von Verwundeten treffen täglich in Warschau ein. Viele von ihnen haben Starrkrampf und erfrorene Glied- maßen. Dazu kommen zahllose verarmte Flüchtlinge: 15 000 von ihnen fallen schon der Sinnenpflege zur Last. Das Land, das für eine Milliarde Getreide erzeugte, ist eines großen Teiles seines Viehbestandes beraubt, an Lebensmitteln ist Mangel, die Kohlen-, Metall- und ' Textilindustrie, die Werte in Höhe von 750 Millionen Rubel herstellten, sind lahmgelegt, weil die Kohlenbe- zirke in den Händen der Deutschen sind. Ueber 300 000 Arbeiter sind brotlos. Auf dem Wege nach Skiernewice sah der Korrespondent namenloses Elend. In Skierne- wice herrscht Hungersnot: die Hälfte der jüdischen Ein­wohner, die den ganzen Handel innehatten, ist wegen Spionageverdachts ausgewiesen, alle ihre Lüden sind geplündert und zerstört. Die Bevölkerung sagt, daß die Deutschen ihres Sieges sicher seien und nach der Be­strafung Frankreichs und Rußlands mit England ab­rechnen würden.

Ein Entrüstungsschrei über französische Kriegführung.

Gegen die französischen Kriegsmethoden wird in derFrankfurter Volksstimme" nachstehender Protest von einem Mann erhoben, der bei den letzten Reichs­tagswahlen sozialdomokratischer Kandidat war.. ..Ue- berhaupt komme ich mehr und mehr zu der Ueberzeu­gung, daß die Franzosen gegen ihr eigenes Land und ihre Leute keine Rücksicht kennen. Vor einigen Tagen wurden ein Mädchen von etwa 20 Jahren und zwei kleine Kinder schwer durch eine französische Granate ver­letzt. Die Franzosen schreiben von deutschen Barbaren: sie sollten nur mal sehen, wie ihre Bevölkerung einzig und allein durch mS ernährt wird und welch freund­licher Verkehr zwifchen uns und der Bevölkerung herrscht, dann würden die Herrschaften bald mit ihren Vorwürfen am Ende sein. Was sagt die zwuiuerte Welt aber zu folgender Tatsache? Gestern blieb in einer Schießscharte an unseren Schützengräben ein fran­zösisches Infanteriegeschütz stecken. Als wir es heraus- machten, fanden wir, daß das Geschoß vorn platt gefeilt war und hinter der Spitze eingekerbt ist, also 10 zurecht- gefeilt, daß es viel schlimmer als ein Dum-Dum-Geschoß wirken muß. Wer einen solchen Schutz bekommt, ist verloren, denn ein solches Geschoß reitzt saustgrotze Lo­cher. Das gefundene Geschoß ist dem Bataillonsstab 2/88 übergeben und wird jedenfalls ans Hauptquartier geschickt. Ich hätte es selbst nicht geglaubt, wenn uy es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Unsere ganzen Kameraden sind über eine solche Kampfesweise empört. Sorgen Sie dafür, daß es der zivilisierten Welt bekannt wird. Wir reinigen unsere Geschosse von jedem biß« egner treiven solche Gemem-

chen Schmutz, und die Gegner treiben solche Gemem- heiten. Was. so frage ich als Sozialist, sagen dazu un­sere Genossen in Frankreich, was sagen Guesde, was Viviani dazu? Sie sind als Staatsmänner mit für solche Missetaten verantwortlich, und ich weist nicht, was ich noch von allen halten soll, wenn sie nicht bald dafür sorgen, daß solche barbarischen Gemeinheiten unterblel- ben. Ich wünschte, diese meine Zeilen erreichterl diese Genossen, denn ich nehme an, sie wissen selbst nicht, was in ihrem Heere geschieht. Wenn es Ihnen möglich ist, zu bewirken, daß die französischen Genossen diesen Brief zur Kenntnis erhalten, fo tun Sie dieses im Interesse der Menschlichkeit!" Wehrm. M. Schnabrich (Hanau).

Kreuzerattacke.

Von Konteradmiral z. D. S ch l i e p e r.

Die Kunde von dem gelungenen Vorstoß unterer Kreuzer gegen die beiden englischen befestigten Kusten- plätze Scarborough und Hartlepool wirb für alledeut' fesien Leser eine Wohltat nach dem Schmerz über die Kunde von der Falkland-Seeschlacht gedeutet haben. Nicht als ob dieses Gelingen einen Ersatz für wlche großen Opfer bedeuten könnte, nein, aber man wwd das Gefühl haben, wie der Wagemut, der Entschluß und derWille zum Sieg" durch nichts, auch nicht durch ernen Falklandstag an Bord unserer Schiffe etwa gelahmt ÄÄ-Ä ÄÄ-~« U»

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an firt und Stelle die Vorliebe des Engländers für das WoA Scarborough" kenn engelernt haben, umzuer- messen wie dort gerade die Begrüßung durch deutsche Granaten als etwas besonders Schmerzliches a

ÄÄ uSrn 5B&Ä f» Ä Kr eitöIifKi Kreitkräfte entgegengeSracht wird. Sehen JE. fMK Falle wieder von dem materiellen Schaden ab^ so stelle? wir doch wiederum eine Durchlöcherung des Nimbusschleiers" fest, der bisher sowohl in den Augen unserer englischen Gegner a^-auch aridererVöl- ker das Wortenglische Seeherrschaft zu umaeoen schien. - ' -

Der^moralische Eiltöruck dieser Attacke Bet den eng- i M^^chlachtenlenkern wird sicherlich nicht gering fein.

sie unsichtbaren Früchte, die derartige -Ä^?^bmungen zur See hervorbringen. Sie treten nicht in bte Erscheinung in Form von soundso viel To- und Verwundeten, wohl aber in Gestalt anderer Maßnahmen bezw. Unterlassungen, die uns wieder gün= ftig sind. Nicht zum mindesten und das wollen wir nicht unterschatzen erfrischt solcher Erfolg die Stim- mung unserer blauen Jungen, die, obgleich sie es sicher­lich an Bord ihrer modernen, mit Dampfheizung und Trockenkammern ausgerüsteten Schiffe vielfach besser haben als ihre feldgrauen Kameraden im Schützengra- ben, immerhin doch nicht aufSeerosen" gebettet sind. Wir wollen aus diesem trefflichen Kreuzervorstotz nicht mehr machen, als er war, aber wir möchten den Tapferen doch gern die Quittung ausstellen: Bravo ihr Draufgänger, und weiter so! Wir haben euch verstanden und die Engländer auch!

(Berl. Lok.-Anz.)

Vermischtes.

Einbrecher zu Hause und auf Reise». Als reifenbe Einbrecher entpuppten sich drei Lebemänner, die eine Zeitlang in Berliner Weinlokalen verkehrten, bis sie letzt in einem Cafee Unter den Linden mit ihren Damen" von der Kriminalpolizei Überrascht unb fest- genommen wurden. In einem Pensionat in der Char- lvttenstratze wohnten zwei junge Männer, die sich Ge­brüder Josef und Johann Meyer nannten, viel auf Reisen waren und auf großem Fuße lebten. Jedesmal wenn sie von ihren Abstechern nach Süd- und West- deutschland zurückkehrten, gaben sie das Geld mit vol­len Händen aus unb waren in den Weinwirtschaften, die sie mitDamen" besuchten, flotte und gern gesehene Gäste. Ein dritter Bruder, Wilhelm Meyer, kam oft zu Besuch und machte, ebenfalls mit einer Freundin, alle Zechereien und Vergnügungen mit. Eines Morgens waren die Lebemänner plötzlich verschwunden. Als die Wirtin den Kaffee brächte, waren die Betten leer nnb unberührt. Zu ihrem Schrecken sah die Frau, daß die beiden Mieter ihr auch noch einen Schreibtisch erbrochen und daraus eine Kassette mit Kriegsanleihen und 500 Mark in Papiergeld mitgenommen hatten. In derselben Nacht war auch in eine der Weinwirtschaften, die die Gebrüder Meyer" zu besuchen pflegten, eingebrochen worden. Die Kriminalpolizei fand sie mit ihrenDa­men" in einem Cafee Unter den Linden und nahm alle drei fest. Sie entpuppten sich als drei Brüder Josef, Johann nnb Wilhelm Brennert aus Trier. Josef und Johann, die schon mit Zuchthaus bestraft finb, wurden bereits von dort gesucht. In ihrer neuen Behausung, die nun auch ermittelt wurde, fand die Kriminalpolizei noch allerhand wertvolle Beutestücke von ihren Ein­bruchsreisen nach West und Süd, dazu noch 2000 Mark hartes Geld und 1200 Mark in Papier.

Sachlinarsch im Argonnerwald.

Ein Feldpostbrief des Hauptmanns M. S.

Unser engerer Verband war, zwei Bataillone stark, mit anderen Truppen südlich M. in Bereitschaft. Es ist dies ein herrlich auf weithin sichtbarer Bergeskup- pc gelegenes Städtchen, einst ein Idyll auch im Innern, jetzt ein übelriechender, da und dort noch qualmender Trümmerhaufen, von Franzosen nnb Deutschen wieder­holt beschossen. Vor uns tobte die Schlacht, die sich um den Besitz der mächtigen, stellenweise fast undurchdring­lichen Wälder südlich von M. und nordwestlich von S. drehte. Ein Regiment nach dem anderen war m dem unheilvollen Wald verschwunden. Die Mulde, das große Reservoir, aus dem diese Angriffsbewegung ge­speist wurde, war denn auch den Franzosen höchst nn= bequem, nnb so dauerte es nicht lang, bis die Grana­ten vor, neben und hinter uns einschlugen.

Aus dieser ungemütlichen Lage würben wir am vorgeschrittenen Nachmittag durch den Befehl befreit, uns der Vorwärtsbewegung anzusthließen. Zugleich er­fuhren wir, daß in dem Wald sich noch Abteilungen und also geboten sei. Wir nähern uns dem Wald,- noch Gruppen versprengte Franzwen befanden: Vorsicht lagen die Leichen der Angreifer und Verteidiger, nieder­gemähtwie die Blumen im Maien" an ben Wald­rändern, am Weg, im Dämmern des Waldinnern. Ich ^^^^/^^^ Franzosen auf die Bäume Maschineuge- wehre gebracht, daß beren vierzehn heute früh genom­men worden, daß aber auch vor allem einzelue Franzo­sen, besonders Turkos, noch immer in diesem dichten Blattqewirr säßen, war den Mannichaften bekannt. So wars kein Wunder, daß bald einer den Umriß eines Franzosen in einem Baum gewahrte und eh wirs uns versahen, knallte es Hundertsach gegen die Wipfel. Aeste brechen, werden für wankende Franzosen gehal­ten ziehen noch heftigeres Feuer auf sich,- durchgehende Bagagen, die in die Kolonne rennen, Meldereiter, die Uwe Pferde nicht mehr bemeistern: es war mit einem- male ein unbeschreibliches Chaos. Nun - es wurde entwirrt: aber etwas recht Schlimmes war nicht mehr w machen der Zeitverlust. Denn noch vor sinken­der Dämmerung sollten wir an einer bestimmten Stelle am ienMigen Rand des Waldes stehen Wir mar­schieren auf grundlosen Waldwegen vorwärts, so ichnell wir vermögen, aber mühsam muß der Fuß bet jedem Schritt wieder aus dem tiefen, zähen Lebm gezogen wer­den so wird der Schritt langsamer und langsamer, der

WeÄuS^^^ » «UM-N, w waren w r wohl am Ziel? Wars so, dann wars zeitig XX Und wir waren streng nach der Karte marschiert wohl zwanzig Offiziere hatten kozusaaen jeden Lchiiti kontrolliert Aber wir hätten schon längst am Wald­rand stehen kniissen. Sollten wir irregcganaen sein? Wir traten an dm Waldrand heraus sagten Pa- Ä S ÄS; « ÄÄ randes stimmte nicht: das Wegnetz am der Karte war falsch eingezeichnet wie wir jetzt feststellten und wie uns

Wer Senw ^ 6rchliedel @luni,e.

Aber schon färbte das Tageslicht lich gelblich, als wir die Gewißheit bekamen, jetzt in der verlangten Richtung, aber offenbar noch nicht auf dem rechten Weg zu sein. Vor uns zog sich ein liebliches Wiesentälchen hin, etwa

Schritt breit, rechts und links in zartem Bogen sich zusammenschiebend und dem Durchblick sich entziehend. Wer während wir bisher einen leidlichenWeg marschiert waren führte weder über den Wiewngrund ein Pfad weiter noch auch tat sich jenseits im dichten Waldge- ^üvv'eine Pforte auf. Jedenfalls mußte den Truppen kurze Rast gegönnt werden, zumal dicht bei der Lvwe eine Quelle ein klares, tiefes Wasserbecken speiste. Wäh­rend wir uns an dem köstlichen Naß labten, sank die Dämmerung nieder. Aber gleichzeitig wurde es rechw und links, etwa 600 bis 1000 Meter entfernt, ani jen­seitigen Waldrand lebendig,- sehen konnten wir die

Stellen infolge der Schwittgung des WiesengrundeS nicht, aber lebhaftes Infanterie« und Maschinengewehr- feuer tönte zu uns herüber. Offenbar war da ein Kampf im Gang,- sollten wir in diesen eingreifen? Nein, wir hatten den strikten Befehl, an den jenseitigen Waldrand dlkk-chzustotzen,- auf ein Abenteuer durfterl sich unsere zwei Bataillonchen nicht einlassen. Mithin auf Gott ver­traut, und ohne Weg mitten zwischen den beiden Ge­fahren oder Gefechten in den Wald hinüber!

Drüben undurchdringliches Gestrüpp. Wohl eine Stunde mag der Eintritt in den Wald gedauert Haveu, denn er erfolgte in langer Reihe, einer hinter dem an­dern,- wir alle hatten die Empfindung: wenn der Geg­ner eine einzige Patrouille von rechts oder liliks vor- schickt, finb wir verloren. Aber es tam keine uns umso rätselhafter, als Patrouillen, die wir seitlich hinausschickten, nur 40 50 Meter rechts und links von uns angeschossen wurden. So ließen wir alles auf sich beruhen und zogen lautlos unseres Weges. Nie hätte ich es für möglich gehalten, daß bayerische Infanterie- stiefel so lautlos durch Waldgezweig tappen könnten.

Nun herrschte tiefe Nacht,- bald sah man die Hand nicht mehr vor den Augen. Wir suchien uns weglofe Bahn, Hand in Hand hintereinander schreitend. Rechts und links von uns von Zeit zu Zeit rasendes Feuer- gerassel,- so gings eine Stunde und eine zweite. Ab und zu hörte man ein Zweiglein knacken, hört einObacht, Wurzel" vom Vordermann, vernimmt leises Klirren eitles Kochgeschirres. Da plötzlich geht ein Ruf durch die Reihe. Matt schimmerll vor mir weiße Armbinden: wir waren an eine versprengte württembergische Sani­tätsabteilung geraten, von derselbeti Brigade, an die wir Anschluß suchen sollten. Wir nahmen sie auf, aber sie konnten uns nicht führen, sie waren ja versprengt. So gings noch eine dritte Stunde weiter, bann schien der Wald der endlose Wald versperrt und ver­rammelt. Also Halt machen und den Morgen erwarten, war die trübselige Losung. Viele bleiben stehen, um so zu schlafen,- bald werden sie inne, daß dies für den Menschen eine Unmöglichkeit ist. Andere kauern sich auf den moorigfeuchten Boden nieder, halb neben, halb nn- tereinanber; aber von da steigt mit eisigem Schauer die Kälte des Waldes auf und kriecht uns in die erstarren« den Glieder, man taumelt empor.

Mitternacht zieht langsam, langsam vorüber. Wie­der in einiger Entfernnng an drei, vier Stellen rasen­des Feuergefecht, dann Grabesstille. Plötzlich zerreißt ein Schutz in unseren Reihen das Todesschweigen. Ei­nem Mann war die Sicherung seines eigenen Gewehres aufgertssen: Handschutz. Wieder Grabesstille, wieber von Zeit zu Zeit jeues tolle Schnellfeuer im Wald.

Stunde schleicht heran, Stunde schleicht davon: fünf Uhr zeigen uns die lenchtenden Zifferblätter. Schwad) samt man neben sich die Umrisse von Bäumen unter­scheiden. Wer gerade in Ermattung hingesunken ist, wird geweckt,- es ist die gefährlichste Zeit jetzt, vor Sonnenaufgang. Schon kann man Bewegungen unter­scheiden, hält Bäume nicht mehr für Menschen.Nur auf Befehl eines Offiziers darf geschossen werden," ist die Losung. Slher siehe kriecht da nicht was heran? Jst's nicht rot, was da an seinen Füßen Oerfcbinnucrt? Natürlich. Irgend ein Phantast denkt nicht an den Be­fehl, reißt sein Gewehr au die WangeFranzosen!" und schon schnalzt's. Heraus die Schlitzenpfei- fen:Stopfeu!" Aber von dort schießt's hex. Wahrhaftig! Also doch Franzofen? Ein letzter Versuch. Wir Offiziere pfeifen wie rafenb, brüllen unserStop­fen!" Es wird ruhig. Wir schreien wie aus einem Munde:Wer ist da?"Bayern" ertönts, aber sofort setzt das wahnwitzige Geknatter von Neuem ein.Feu­ern" war statt Bayern verstanden worden, und den Leu­ten schien es aus unserem Munde zu kommen. So pfiffen Hunderte deutscher Geschosse hin und her, und manches traf. Die Offiziere huschten die Reihen ent­lang und rüttelten die Leute auf. Endlich, endlich trat Ruhe ein. Ein Wunder, wie wenig getroffen war, ein Zeichen, wie wenig Sinn es hat, zu schießen, ohne zie­len zu können.

Eine Viertelstuiwe noch, dann ist es soweit Tag, baß wir den Marsch wieder aufnehmen können. Da wir den Punkt nicht wissen, an dem wir stehen, können wir die Richtung auf unser Ziel nur im allgemeinen aufnehmen. Aber siehe, es summt uns wie von selbst eine Strafte zwischen die Flifte und führt uns in der gewünschten Richtung. Sicherungen vor uns melden: Der Waldrand in Sicht", neue Meldung trifft ein: Etwa 200 Meter vor dem Walde schwach besetzte fran­zösische Scbühengräbeu". Wir fassen den Waldrand, wir suchen Anfchluft nach rechts und links. Da bringt, als die Sonne eben goldig emporftcigt, die eine Patrouille die Meldung:50 Meter rechts von uns liegen die Württemberger", die andere Patrouille meldet:100 Meter links von uns liegt das Schwester-regiment uu« serer Brigade, das gestern selbständig verwendet war". Der Anschluft war gefunden! Hurra!

Was wir an diesem Tage sonst noch erlebt, baß wir viele kleine französische Abteilungen im Walde wegfingen, baß wir vier Stunden in furchtbarem Gra­natfeuer dort vorne lagen, mit jeder Lage den Tod er« wartend, der denn auch reiche Erute hielt, daß wir dann aus dem abends 6 Uhr bezogenen Biwak von neuem durch die Granaten aufgescheucht wurden, und wiederum hungrig eine Stunde weiter rückwärts end­lich auf dem AckerbodenRuhe" fanden das alles ge­hört nicht zu dieser Episode. Wohl aber, was wir auf diesem letzten Marsch sahen. Denn noch bei Tage, aber diesmal auf der Strafte, überschritten wir jenen idylli­schen Wiesengrund, jetzt in umgekehrter Richtung, als am Abend vorher. Da sahen wir denn, in welch un­begreiflich gnädiger Weise wir gestern an unserem Ver­derben vorbeigekommen sind. Drei Wege führten in den ominösen Waldteil jenseits des idyllischen Wiesen- grundes: zwei an den beiden Ausgängen, einer in der Mitte, dieser bog am jenseitigen Wiesensaum im rech­ten Winkel ab, zog sich ein Stück den Weldsaurn hin und nahm dann seine ursprüngliche Richtung wieder auf. Diese Strafte hätten wir kommen müssen, wenn die Waldwege auf unseren Karten richtig eingezeichnet gewesen wären. Diesen Weg aber hatten die Franzosen aus einem verkleideten Schützengraben im nächsten Be­reich ihres Infanterie- und Maschinengewehrfeuers. Kein Zweifel, wären wir diese Strafte gezogen: Unsere Sicherungen Hätten sie ruhig passieren lassen: zehn ge­gen eins aber zu wetten, baß wir die Stellung nicht entdeckt hätten, aber weggefegt worden wären wir wie die Spreu vom Sturmwind, ehe wir nur die Gewehre an die Backen gebracht hätten.

Und die wilden Angriffe, die wir so oft in der Nacht an jenen drei Stellen gehört hatten, waren gar keine Angriffe gewesen: Die Franzosen hatten einen solchen gefürchtet und ihm vorbeugen wollen. Jedenfalls woll­ten sie die Waldhälfte so lange als möglich hatten. Wie schlecht ihnen dies gelungen ist, zeigt unser Kampieren in ihrem Rücken zur selben Zeit, da sie wie toll nach vorn pfefferten. Die Abteilungen, die uns in der Mor­genfrühe in die Hände gelaufen waren, gehörten zu den Besatzungen jener Stellung.

So sonderbar geht's zuweilen zu int Kriege. Kann man aber das alles noch Zufall nennen?" (Mün. N. N.)