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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^-$3 für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ~ f < zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

/51 r< 11 Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im JuflSOKUI amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-5lnschluh Nr. 8

Nr. 297. Sonnabend, den 19. Dezember 1914

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Bus der Heimat

* Wie schreibt man andas Rote Kreuz in Genf? Personen, die sich wegen Ermittelungen und Auskünften an den internationalen Ausschuß des Roten Kreuzes in Genf mit Beziehung auf deutsche Kriegsgefangene im Auslande wenden, müssen zur schnelleren Erledigung ihrer Gesuche diese sehr leserlich auf Briefpapier von großem Format schreiben. Der Umschlag muß die Aresse tragen:Rotes Kreuz (Croix-rouge), Agence des Prisionniers de guerre Genf (Schweiz)". Der Umschlag muß offen bleiben. Der Brief ist unfrankiert abzusenden, es ist für An- wort keine Briefmarke, kein Rückschein und keine Antwortpostkarte beizufügen. Die Briefe an das Rote Kreuz in Genf und von ihm sind portofrei. Niemals sind Postkarten zu Schreiben an das Rote Kreuz zu verwenden.

8 Hersfeld, 18. Dez. Die in Halle a. S. erscheinende ZeitungDer Praktische Landwirt", G. m. b. H., die nach eigener Angabe unter den deutschen Landwirten ungefähr 70 000 Abonnenten hat, betreibt in Ver­bindung mit dem Abonnement seit Jahren eine Sterbegeld- und Unfallversicherung, deren Been­gungen derartig gehalten sind, daß sich der Verlag seinen Verpflichtungen im Schadenfalle jederzeit ent­ziehen kann und auch entzieht, wie zahlreiche Klagen aus den Kreisen der Landwirte beweisen. Die Zeitung hat seit einiger Zeit auch eine Viehverficherung un Anschluß an das Abonnement eingerichtet, ^eder Besteller der Zeitung, hat die Wahl, sich der sterbe« neld- und Ustfall- oder der Viehversicherung anzu- schließen. Durch den AusdruckViehversuherung', wie er auf den Anpreisungen ohne jede Einschränkung gebraucht wird, lassen sich viele Landwirte zur Be­stellung des Blattes bewegen, weil sie glauben, daß die Versicherung etwa entstehende Viehverluste (durch Tod und notwendiges Töten), ohne Rücksicht auf die Ursache des Verlustes, decke. Erst nachdem gegen Be­zahlung des Bezugsgeldes die näheren Bedingungen ausgehändigt worden sind, merken die Landwirte, daß sich die Versicherung nur auf Tod infolge von Unfall erstreckt, also keine allgemeine Viehverstcherung ist. Es stellt sich dann weiter heraus, daß der Vreh- versicherungsschutz nur von Vierteljahr zu. Viertel­jahr gewährt wird, und zwar stets nach Ablauf der ersten 6 Wochen jedes Vierteljahrs. Die ersten. 6 Wocher bilden die Karenzzeit, während welcher eine Entschädigungspflicht für den Verlag nicht, besteht. Die Bedingnngen der Sterbegeld- und Zufall-wie auch der Viehversicherung/sindLwidsrfprechend inso­fern, als darin gesagt ist, daß es sich lediglich um eineGratisunterstützung" undfreiwillige Zuwen­dung" handele, deren Gewährung tm Belieben be» Verlags stehe. Andererseits spricht der Verlag von Ansprüchen", er vereinbart einen Gerichtsstano, jo- daß der Leser annehmen muß, daß für den Verlag eine bindende Verpflichtung zur Entschädigung vor- liege. Tritt ein Versicherungsfall ein, so pflegt der Verlag seine Zahlungspflicht zu bestreiten und ver­gleichsweise einen kleinen Betrag anzubieten, mit d sich der Geschädigte in den meisten Fallen zufrieden gibt, weil er die Kosten und Muhe eines Prozeffes Deut. Die von den Landwirten.unterschriebenen

Bedingung,

Bestellscheine lauten meistens auf ein 1 weise auf 5 Jahren und enthalten die daß der Bezug st

abÄe^ ÄÖeiä weiter"

spät erfolgt zurück und liefert die ö

Werden die Nachnahmen über das Bezugsgeio w eingelöst, so droht der Verlag durch Bermurerung eines Inkasso-Bureaus mit Klage und . beim zahlen häufig weiter, weil sie glauben, I ß ^^ Verlage befindliche Bestellschein pe ^3» ß^en Da die Leser einen Nachweis nDt m H aus dem ersichtlich ist, wann der Bezug b 0 9 so können sie in der Regel nicht feststellen,^oo^.m Kündigung rechtzeitig eingereicht wurde Vertreter der deutschen Landwirte, LandwcrN^ kümmern der Landeskulturrat jur d ^ ^ett Sachsen, die Genossenschaften £p^ttrotÄ^ der Christliche Bauverein in Bayern, sowie ^ sondere auch der Bund der ^anbro bereits Königliche Bayersche Staatsregierung h finden vor dem Bezüge der Zeitung sewarn .. .wissen- sich aber immer noch Abnehmer,dieüch flen losen Agenten zum Bezüge der Zeitung oew^u lassen.

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eine große Sendung Liebesgaben an die Abnahme- stellen 2 in Cassel zur Weiterbeförderung an die von dem Zweigverein besonders bezeichneten Truppenteile abgehen lassen. Die Sendung enthielt: 160 wollene Hemden, 100 dicke Unterhosen, 46 gute Strickjacken, 300 Paar Strümpfe, 90 gestrickte Kopfschützer, 11 Ohren­schützer, 35 Paar Pulswärmer, 16 Paar Kniewärmer, mehreren Schals, 65 Paar Handschuh, Tabak und Ci­garren. Die Anfertigung der Wollsachen war wieder zum größten Teil von den Damen des Nähvereins in freundlicher Weise übernommen. Beim Stricken der Strümpfe, Kopfschützer usw. hatten sich viele Frauen und junge Mädchen unserer Stadt und einiger be­nachbarter Gemeinden, besonders aus Kleba, Nieder- aula,Allmershausen,Gittersdorf, Heenes, derGlimmes- mühle, Oberhaun und Unterbaun mit großem Eifer beteiligt. Allen gütigen Spendern und treuen Helfe­rinnen, sei auch an dieser Stelle für ihre Gaben und Mitarbeit herzlichst gedankt.

Raboldshausen, 15. Dez. Auf landrätliche An­ordnung sind für die Daner des Kriegszustandes sämtliche Gast- und Schankwirtschaften in den länd­lichen Gemeinden des Kreises Homberg abends 10 Uhr zu schließen. Eine Ueberschreitung dieser Feier- abendstuude wird unnachsichtlich bestraft.

Breitenbach, 15. Dezember. Ein Unglücksfall er­eignete sich auf dem Gute des Oekonomen Schreiber hier. Eins der Dienstmädchen verletzte sich durch die Aehrenspitze eines Strohhalmes geringfügig am Fuß- nnd ist trotz der leichten Verwundung an Blutver-

Sng schwer erkrankt. Dieser Vorfall diene zur M.nung, auch die kleinsten Wunden zu beachten.

Ziegenhain, 14. Dez. Im Alter von 77 Jahren verschied gestern in Marburg Herr Superintendent a. D. Karl Gleim. Er wirkte hier 8 2 Jahre segens­reich und siedelte nach seiner Pensionierung nach Marburg über. Im Kriege 1870-71 war er Feld­prediger,' er war Ritter mehrerer Orden. Er er­freute sich überall höchster Wertschätzung.

Caffel, 16. Dezember. Das Oberverwaltungs­gericht zu Berlin, die höchste Instanz im Verwaltungs­streitverfahren, beschäftigte soeben ein Rechtsstreit, in dem als Kläger der Althändler K. zu Caffel dem hiesigen Polizeipräsidenten gegenüber stand. K. war wegen Hehlerei zu Gefängnis verurteilt worden, und diese Bestrafung gab der Polizei Veranlassung, betm Bezirksausschuß gegen K. auf Untersagung des Trödelhandels zu klagen, weil sie für dargetan er­achtete, daß Tatsachen vorlagen, welche den K. als unzuverlässig in seinem Gewerbe erscheinen ließen (8 35 der Gewerbeordnung.) K. hatte rn zahlreichen Fällen Zink und altes Eiseil von einem Arbeiter ge­kauft, der in einer Casseler Fabrik, die Zink ve^ arbeitet, beschäftigt war. Der Arbeiter hatte sich jeden Tag ein wenig mitgenommen, undwennetne arößere Menge vorhanden war, die Abfälle zu K. getragen. Der Althändler behauptete, nicht gewußt hnben daß der Verkäufer in der Fabrik beschäftigt war er erklärte vielmehr, ihn für einen selbständigen Klempnermeister und den wirklichen Eigentümer der Abfälle gehalten zu haben. Das Gericht ging jedoch

aus daß er von dem Arbettsverhaltnis des Verkäufers Kenntnis hatte, und dann hätte ihm die Sacke zweifelhaft vorkommen muffen. Der Bezirks- anssckuß würdigte die Handlung des K. ebeuw wie Sei- StrslfXter unb erkannte dem Klageantrage des Volideivräsidenten entsprechend auf Untersagung, des Trödelhandels. Gegen das Urteil legte K. Berufung beim Oberverwaltungsgericht ein. Der.^^Lr^ acktete die Sache noch nicht für ipruchreif. Er beschloß, das Amtsgericht zu einer Vernehmum; des betreffenden 91 rßeiterS au ersuchen, um dadurch festzustellen, ob »er «eHagte wirMch von dem Arbetts-erh-ltniS Kenntnis hatte.

Krankender«, 16. Dezember. Der als tot ge­meldete und von seinen Angehörigen betrauerte Ge- Seite bGeorg Kohl aus Birkenbrlnghasungen bat jetzt aus englischer Gefangenschaft an feine An- a?bÄen die schriftliche Nachricht gelangen äffen, daß er von schwerer Verwundung nahezu geheilt fei und es ihm sonst gut gehe.

Marburg, 17. Dez. Der 1«*^

tKrankenvflege, Oberprändent verleit n ^ SX Gras von SeSS ne6 t G-mMinn-n besichtigten vorgestern unter Führung des «anSrotS von t-bw-nstein die hiesigen Lazarette.

«eLW»i^ sortieren. Der Fremdeversetzte demGendarmen einen ^cklaa über den Kops, traf aber glücklicherwerfe nur den H^elm. Nach vieler Mühe gelang es dem Beamten, den rabiten Gesellen zu fesseln und ihn zuerst nach

Lichtenau, dann nach Cassel in sicheren Gewahrsam zn bringen. Der Verhaftete gab an, daß die Waren (Delikatessen, Wurst usw.) aus einem Einbruch in der Hohenzollernstraße zu Cassel stammten.

Obersnhl, 17. Dezember. (Ein Attentatsversuch auf einen Streckenbeamten.) In der Nacht zum 15. Dezember wurde stuf den Streckeilläufer Joh. Lvreuz aus Obersuhl auf der Strecke zwischen Obersuhl und Bosserode beim Kontrollieren der Strecke ein Re­volver-Attentat verübt. Die Schüsse verfehlten jedoch ihr Ziel. Von dem Täter fehlt jede Spur.

Göttingen, 16. Dezember. Ein 19 Jahre altes Mädchen aus Seesell hat sich heute vormittag in seiner elterlichen Wohnung mit einem Revolver durch einen Schnß in die rechte Schläfe getötet. Die Tat dürfte aus Gram über den Tod ihres im Felde gefallenen Bräutigams geschehen sein.

Ohrdruf i. Thür., 15. Dezember. Auf dem Truppen­übungsplatz Ohrdruf sind gegenwärtig französische Gefangene damit beschäftigt, einen schmalspurigen Schienenstrang vom Bahnhof nach dem neuen Baracken­lager anzulegen. Die Arbeiten schreiten rasch vor­wärts. Das jetzige neue Barackenlager beiHunds- brunn" wird noch bedeutend erweitert, so daß dann im neuen Lager gegen 20 000 Gefangene weiter unter­gebracht werden können.

Eisenach, 14. Dezember. Ein schwerer Unglücks- fall ereignete sich am Neubau der Fahrzeugfabrik. Einem dort an einem Aufzug beschäftigten Arbeiter siel ein Kalkkasten auf den Kopf, sodaß der Bedauerns­werte eine schwere Verletzung der Schädeldecke davon- trug. Vor Schreck hat sich der Unglückliche außerdem die Zunge durchgebissen. Er wurde ins Diakonissen- Haus gebracht.

Wiesbaden, 16. Dezember. Der 53jährige frühere Schlosser Lingemann aus Mecklar im Kreise Hersfeld wurde von der Strafkammer wegen schwerer Dieb­stähle in 19 Fällen, die er bei kiesigen Geschäftsleuten begangen, eines einfachen Diebstahls, einer Fund­unterschlagung und falscher Namensnennung bei seiner Festnahme zu 6 Jahren Zuchthaus, eine Woche Haft und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Seine Ehefrau erhielt wegen Hehlerei drei Monate Gefängnis.

Nordhansen, 16. Dezember. Dem in England er­schossenen Marineoffizier Hans Lody soll in seiner Vaterstadt Nordhausen eine Erinnerungseiche gepflanzt werden.

Kobur«, 17. Dez. Ein spaßiger Vorfall ereignete sich auf dem hiesigen Postamte. Wie ein hiesiges Blatt schreibt, trat eine Bauersfrau an den Schalter und verlangte 10 Stück Zehnpfennig-Marken. Nachdem sie die Marken in Empfang genommen hatte, wollte sie sich entfernen. Das diensttuende Fräulein ersuchte um Bezahlung, worauf die Bauersfrau siegesbewußt antwortete, daß sie das Geld in den Briefkasten ge­worfen habe. Sie entfernte sich dann mit den Worten: So ist es halt, wenn wer sich auf d'r Post net aus- kennt."

Fulda, 15. Dezember. Die Maul- und Klauen­seuche, welche in verschiedenen Viehbeständen in unserem Kreise herrscht, ist nun auch in der Stadt Fulda selbst, und zwar unter dem Viehbestände des Fuhrunternehmers Alfons Wiegand, Frankfurter Straße, amtlich festgestellt worden.

Frankfurt a. M., 17. Dez. Nachts gegen elf Uhr schellte eine unbekannte Dame an der Tür einer Pension im Westend und fragte, ob sie ein Zimmer haben könne. Sie gab an, staatlich angestellte Lehrerin in Bonn zu sein, und beabsichtige, in den nächsten Tagen nach Heidelberg zu fahren, wo sie wegen einer Augenkrankheit eine Kur mitmachen müsse. Die Fremde frühstückte und dinierte am anderen Tag undentfente sich unter dem Vorwand, eine Besorgung zu machen. Sie erschien aber nicht mehr, und mit ihr waren ein Schirm, eine Bluse und ein anderer Gegenstand ver­schwunden, Auf diese Weise wurden eine Anzahl Pensionsinhaberinnen geschädigt. Die Schwindlerin die in einem Fall der Pensionsmutter aus nicht er­sichtlichen Gründen einen Gärtner mit einem Blumen- forb und einen K ürbis nebst der unbezahlten Rechnung zusandte, wardas einundzwanzigjährige Dienstmädchen Anna Hill aus Hasselbach im Obertaunuskreis. Die schon vorbestrafte Person beschwindelte auch zahlreiche Geschäftsinhaber. Sie kam alsFrau Doktor" suchte Waren aus, die sie in ihre Wohnung bestellte und nahm gleich einen Teil der Sachen mit, ohne zu zahlen. Die aufgegebene Adresse war natürlich fingiert. Die Strafkammer hielt elf vollendete und drei versuchte Betrugssälle, sowie zwei Diebstähle für erwiesen und verurteilte sie zu fünfzehn Monaten Gefängnis Ge­samtstrafe.