Hers seid er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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für den Kreis Hersfeld
Willst
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 883. Donnerstag, den 17. Dezember 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Gedenket allzeit
des
Roten Kreuzer!
Bus der Heimat.
^Paketeandeutsche Kriegsgefangene in Frankreich erleiden dadurch Verzögerungen, daß die französischen Eisenbahnstationen, denen die Beförderung dieser Pakete obliegt, die Aufschriften nur schwer oder gar nicht entziffern können, weil sie häufig unleserlich und mit deutschen Buchstaben geschrieben sind. Es empfiehlt sich daher, daß die Absender mindestens den Namen der BestimmungsEisenbahnstation, sofern diese bekannt sind, sonst den Bestimmungsort in der richtigen französischen Schreibweise und in lateinischen Buchstaben groß und deutlich angeben. Ist der Aufenthaltsort des Empfängers nicht bekannt, so kaun das Paket auch ohne diese Angabe abgesandt werden; aber auch dann ist möglichst deutliche Schrift und, wenn bekannt, die Angabe der „Region" oder des Landesteils, wo der Empfänger sich befindet (Nord-, Südfrankreich) sehr zu empfehlen.
*(VergevungvonHeere-ölieserungen an Handwerker-Bereinigungen.) Dabei Heereslieferungen auch das Handwerk nach Möglichkeit berücksichtigt werden soll, hat das Kriegsministerium die Materialbeschaffungsstellen angewiesen, bei Vergebung von Heereslieferungen, die eine Ausführung durch Handwerksvereinigungen vertragen, diese Vereinigungen in erster Linie heranzuziehen und hierbei die Vermittlung der Hauptstellen für Verdingungs- wesen beim deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag in Anspruch zu nehmen. Die vereinzelt ausgesprochenen Besorgnisse, daß das Handwerk zu Gunsten der Industrie von einer Beteiligung an staatlichen Arbeiten zurückgehalten werde, sind daher nicht begründet.
):( Hersfeld, 16. Dezember. Der heutige Weihnachtsmarkt wies nur eine geringe Anzahl von Verkaufsständen auf, der Besuch war, wohl wegen des regnerischen Wetters, schwach. — Auf dem Schweinern a r k t ging der Handel bei in die Höhe gegangenen Preisen flott. Das Paar Ferkel kostete 20—25 Mk.
-n- Sieglos, 16. Dezember. Weil er wichtige Befehle unter heftigem feindlichem Artilleriefeuer den vordersten Schützenreihen überbrachte, erhielt der bei der 12. Comp. Res. Jnf.-Regt. 71 eingestellte verheiratete Reservemann Hch. A l l e n d o r f von hrer aus dem westlichen Kampfplätze das Eifer n e K r e u z und wurde zum Gefreiten befördert. — Ein ^,Gott hilf!" den deutschen Kriegern im West rote im Ost.
Cassel, 14. Dez. Der älteste Unteroffizier des 11 Armeekorps ist wohl der 65jährige ^izefeldwebel Wilhelm Matz beim Rekrutendepot des ; * - Regiments Nr. 167 in Cassel, in Friedenszeiten Friseur- und Perückenmacher-Ehrenobermelster in Muhlhausen i. Th, Herr Matz der zu den Mitkämpfern von 1870/71 gehört, wurde dieser Tage als er anf Urlaub in seiner Heimat weilte, von der Mühlhauser 3won95- innung der Friseure und Periickenmacher eine Ehrenurkunde überreicht, tn dem ihm der Dank fu I 30jährige Tätigkeit als VoFandsmiW ausgesprochen wird. Zu Beginn dieses Fahr ) ihn die Innung zum Ehrenobermeister ernannt.
Cassel 15. Dezember. Tödlich verbrüht wurde da^ 2jährige Hühnchen eines in der^Müllergape^w h»^ haften Arbeiters, das während einer kurze ^'-er heit der Mutter in einen Kübel mit geiBern ^aii gestürzt war Das Kind verstarb unter entsetzlichen Qualen. . „
SÄ^ zugetragen. Ein scheu ß^^o^^^^^^ ^1 ^^ ein hct) auf den Viehhändler K. Pl. a" u°e x^nte und stieß Pl. durch das rechte Bem. ^as ^gerissen nach langen Mühen von Anem ^ wurde durch werden. Der arg verletzte Viehyano ^n- die Sanitätskolonne verbunden und dem Lanorr»
izefeldwebel Infanterie-
Rückfalldiebstahl wurde in gestriger s-rrasr»»
sitzung dem schon vielfach vorbestraften Arbeiter Konrad Schilling zur Last gelegt. Er befand sich im letzten Sommer in Großalmerode. Da er arbeitslos war, und keine Unterkunft hatte, nahm ihn der Kuhhirte aus Barmherzigkeit zu kleinen Htrtendiensten gegen fwie Kost und Logis an. Am 14. August, als er mähen sollte, war er verschwunden, mit ihm aber auch die Garderobe und Wäschestücke des Schäfers. Die Strafkammer verurteilte den alten Sünder zu 6 Mon. Gefängnis.
Eschwege, 15. Dezember. Auf eigenartige Weise einer schweren Verwundung entgangen ist der Musketier Mihm von hier. Bei einem Gefecht im Westen traf ein Geschoß seinen Brustbeutel und blieb dort stecken, nachdem es die darin befindlichen Geldstücke usw. — etwa 20 Stück — durchschlagen oder verbogen hatte. Der beschädigte Brustbeutelinhalt ist zurzeit im Schaufenster der Zigarrenhandlung Schäfer, Am Stade, ausgestellt.
Marburg, 14. Dezember. (Auch ein Opfer des Krieges.) Am 10. Dezember starb am Typhus, den er sich bei Erfüllung seiner Pflicht als Arzt im Feld zuzog, der Privatdozent für Chirurgie an der hiesigen Universität Dr. med. Martin Heyde, Stabsarzt d. R., Ritter des Eisernen Kreuzes, im Alter von 34 Jahren.
Bad Kleinern (Waldeck), 14. Dezember. In der Wese ertrunken. Der Müllergeselle Daniel Lötzerich von hier, der in der oberhalb des Dorfes gelegenen Mahl- und Schneidemühle des Gutsbesitzers Wilhelm Althof im Dienste stand, ist in der vergangenen Nacht, als er sich vom Dienste auf den Heimweg begeben wollte, in die hochangeschwollene Wese gestürzt, vermochte sich nicht mehr zu helfen, ging unter und ist ertrunken. Er stand hoch in bett fünfziger Jahreu.
Rudolphshan, 15. Dez. Der Unteroffizier der Reserve und Zugführer im Reserve-Jnfanterie-Regt. Nr. 71 Emil Schramm Lehrer zu Rudolphshan, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
Finder- und Bergelohn.
Das Oberkommando in den Marken gibt den Finderlohn, der für Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke sowie für scharfe Patronen und für die TeUe der verschossenen Munition einschließlich der Bergungs- kosten fortan zu gewähren ist, folgendermaßen an. Es ist zu gewähren: . m
1. für sortiertes Messing, Kupfer, Bronze, Aluminium, Zink, Blei sowie für Jnfanteriemunltion für das Kilogramm 25 Pfg.
•2. für Eisen mit anhaftenden anderen Metallen (Artilleriesprengstücke) für das Kilogramm 3 Pfg.
3. für Eisen ohne anhaftende Metalle für das Kilogramms PM-xi e Bekleidung, blanke oder Handfeuerwaffen, Ausrüstungsgegenstucke jeder Art) für das Kilogramm^ 15 Wg^ertsachbn Q^ne Rücksicht auf die Höhe 5 vom Hundert des Betrages oder des Ab- schätzungswertes. h^^^ders wertvolle und schwer oder ae ährlich zu bergende Gegenstände (Feldstecher, Fernrohre "kunstvolle Apparate, Wagen, Maschinen- aewebre Pferde, Vieh) je nach dem Wert des Stückes und nach der Schwierigkeit seiner Bergung 5 brs 7 »oin Hundert des Abschätzungswertes.
7 Scharfe Artilleriemunition (Blindgänger) soll rneaen der Unfallgpfahr von Unberufenen nicht be- Mrt werden K "nd sichere Angabe der Fundstelle wird ein Lohn von >0 Pfg. für jede 9“"SÄ"n erhalten ■» obtg-r Säte, wenn für alle noch nicht erledigten Ansprüche auf Berge- ""^A Mwe1ch"u^e??Ä Genehmigung des Kriegs- ^EÄÄ -"- »oUen Find°r-»hn° den beflndttche Waffen, Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke und Munitionsteile an die Polizei- oder Mili- behörden abliefern, wozu hiermit Aufforderung ergeht.
Sammlungen für einen Flottenersatz unnötig und unerwünscht!
Von den verschiedensten Seiten sind Anregungen an Leitungen sowie an Behörden und Vereinigungen ergangen, zwecks Ersatzes der untergegangenen deutschen Kreuzer eine Sammlung einzuleiten, um so schnell als
möglich diese Schiffe ersetzen zu können. Ebenso sind Personen am Werke, eine Sammlung durchzuführen um dem Kaiser als Weihnachtsgeschenk ein Schiff zu scheuten. So sehr der patriotische gute Wille aner- kannt werden soll, der diesen Anregungen und Sammlungen innewohnt, so sehr sind letztere den leitenden Stellen des Reiches lind and) des ReichsmarineamteS unerwünscht, weil hieraus vollkommen falsche Schlüsse im Auslande gezogen und gegen uns erfolgreich aus- genutzt werde«. Tatsächlich hat der Reichstag alle geforderten Mittel für die Landesverteidigung opferfreudig bewilligt, sodaß private (Sammlungen jeder Art unnöig sind. Die vom Reichstag bewilligten 10 Milliarden Mark gestatten den Ersatz von Schiffen ganz nach Wunsch unserer Admiralität; wenn daher in den Sanimlungsaufrufe» betont wird, daß durch die Sammlungen der notwendige schnelle Ersatz von Schiffen aller Art für unsere Flotte ermöglich werden soll, so ist diese Auffassung durchaus falsch «nd nur geeignet, im Auslande die uns sehr nachteilige Meinung aufkommen zu lassen, als ob der Ersatz unserer Schiffe nur durch Privatsammlttnge« zu ermöglichen wäre. Englische Zeitungen lügen das ihrem Publikum bereits vor unter Berufung auf derartige Sammlungsaufrufe. Will man sammeln, so tut man am besten, dies für Hinterbliebene unserer Krieger — Soldaten und Marinetruppen — zu tun ; für den Ersatz von Schiffen lasse man das Reichsmarineamt sorgen, das, wenn nötig, die Mittel beschaffen wird.
Ein Baterunler in Kriegrzeit
Unser Vater in bem Himmel
Ach, erhöre unsre Bitt.
Wende ab dies Kriegsgetümlnel, Vor dem Feinde uns behüt.
Stehe unserm Herrscher oei, Wahre ihm des Volkes Treu.
Wollest Deinen großen Namen Bei uns lassen heilig sein, Laß im Kamps auch unsre Mannen Nur Dich fürchten ganz allein, Daß auch unsre Feinde sehn, Dich auf deutscher Seite stehn.
Herr, Dein Reich laß zu uns kommen Jetzt in unser Vaterland
Mehr die Scharen rechter frommen Halt den bösen Feind im Bann. Send' uns Deinen heilgen Geist, Der den Weg zum Frieden weist.
Mög' Dein Wille auch geschehen
Hier bei uns im Erdental Wie bei Dir in Himmelshöhen, Wehre unsern Feinden all, Halte Du stets treue Wacht Ueber unserer Heeresmacht.
Unser Brot gib uns auch heute Gib uns unser täglich Teil, Gib uns unser Feind zur Beute Unserm Vaterland zum Heil. Laß uns auch stets dankbar sein, Wenn Du uns wirst Sieg verleih».
Und vergib uns unsre Schulden In dem aufgezwungnen Krieg. Unrecht wollest Du nicht dulden Drum verleihe uns den Steg. Wollst den Feinden auch verzeihn Ach, Herr laß bald Frieden sein.
Steh uns immer treu zur Seite Führ uns in Versuchung nicht. In den schweren Prüfungszeiten Leuchte uns Dein Angesicht. Laß uns immer standhaft sem, Ach, Herr höre unser Schrein.
Wollest endlich uns erlösen Hier in diesem Jammertal Von dem Uebel, von dem Bösen, Schütze uns vor Not und Qual. Schütze unser Vaterland, Vor der Feinde Mord und Brand.
Dein Herr sind ja alle Reiche Hier und dort in jener Welt Deine Macht ist ohnegleichen Dir ist alles unterstellt. Deine Kraft und Herrlichkeit Währet bis in Ewigkeit.
Drum so bitten wir htenieden Vater in dem Himmelreich Schenke uns recht bald, den Frieden, Schütze unser Deutsches Reich. Ach, Herr höre uuser Flehn, Amen, ja es soll geschehn.
Schwarz im Dezember 1914. !
D. Gremm.