Wen alles eher als grausam sind. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz be inden sich die reichsten Prognzen in deutschem Besitze. DieranzöNsN englischen Truppen kämpfen todesmutig, aber die Deut? scheu gewinnerr allmählich Terrain undeine«M-a wird der Widerstand gebrochen sein Deutsch and ist für eine jahrelange Kriegführung vorbereitet Die nnae- brochene Kriegsbegeisterung und Mora, sowie die g"än zende Verpflegung der deutschen Truppen lassen keinen Zweifel, daß Deutschland Sieger bleibt. Auch im Osten werden das bessere Kommando und die größeren Fähig, ketten entscheiden. Englands Hoffnung, Deutschland auszuhungern, ist eitel; Deutschland ist bis zur kommenden Ernte gut verproviantiert und steht finanziell besser da, als die anderen kriegführenden Staaten. Ueber die Türkei erklärte Freiherr von der Goltz, daß er mit großer Befriedigung auf die gegenwärtige Armee der Türkei blicke, welche während der letzten Jahre große Fortschritte gemacht habe. Er sei überzeugt, daß sich die Türkei glänzend rechtfertigen werde.
Wie die „Nürnberg" unterging.
Die Verfolgung des kleinen deutschen Kreuzers
„Nürnberg" dauerte, wie die Londoner „Daily Mail" sich ans Nenyork kabeln läßt, drei Stunden. Die Aufforderung des verfolgenden englischen Flaggschiffes, des Panzerkreuzers „Shannon", sich zn ergeben, beantwortete die „Nürnberg" mit dem Signal: „Deutsche Kriegsschiffe ergeben sich nicht!" Das nun beginnende Gefecht dauerte 40 Minuten bis zn dem Augenblick, wo die Geschütze der „Nürnberg" schon unter Wasser lagen und nicht mehr feuern konnten. Während der Kreuzer „Nürnberg" in die Tiefe rauschte, brächte die Mannschaft drei Hnrras anf den Kaiser aus. worauf der englische Kreuzer „Shannon", der mit seinen großen 23-Zenti- meter-Geschützen die „Nürnberg" zerstörte, salutierte.
Neuyorker Blätter melden aus Buenos Aires, daß das deutsche Kreuzergeschwader zwischen ein japanisches und ein englisches Geschwader geraten sei. Die „Scharn- Horst" feuerte bis zum letzten Augenblick. Ihre Kanonen standen schließlich schon unter Wasser.
Die „Dresden" entschlüpft?
»a* Bon der holländischen Grenze, 13. Dezember. Aus gestern abend vorliegenden Londoner Meldungen der holländischen Blätter ist nach der „Köln. Ztg." nichts Näheres über die Seeschlacht bei den Falklaudsiuseln zu ersehen. Dem „Telegraaf" wird gemeldet, daß die „Drosden" doch wohl entschlüpft sein müsse.
Ein tapferes Wort des Admirals v. Spee.
Graf von Hoensbroech teilt der „Dtsch. Tagesztg." ein bezeichnendes Wort des bei den Falklandsinseln gefallenen Vizeadmirals Grafen v. Spee mit: Als Graf v. Spee vor zwei Jahren die Heimat zur Auslandsreise verließ, wurde er von Verwandten gefragt, was er tun werde, wenn inzwischen Krieg ausbräche. Er antwortete: „Dann hoffe ich, mich mit vielen Engländern auf dem Meeresgrunde wiederzufinden." Wahrlich ein Wort, würdig des tapferen Seemanns, das verdient, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Die Besatzurrg des „Monmouth" und des „Good Hope" haben tue Wahrheit des Ausspruchs des Vizeadmirals erfahren, und wenn er jetzt mit seinem Flaggschiff in die Tiefe gefahren ist, so hat er doch schon im Voraus sein Seemannswort durch seinen Sieg bei Sante Maria eingelöst.
Leipzigs Teilnahme an dem Untergang des Kreuzers „Leipzig".
Der Rat der Stadt Leipzig hat, wie das „L. T." berichtet, aus Anlaß des Unterganges des Kreuzers „Leipzig" ein Telegramm an das Reichsmarineamt gerichtet, in dem es heißt: „Schmerzbewegt gedenken wir in tiefster Dankbarkeit der tapferen, heldenmütigen Besatzung. Ihre Namen werden in unserem Rathause verewigt werden und Zeugnis dafür ablegen, daß sie dem Vaterlande die Treue gehalten bis zum Tode." Für die Hinterbliebenen der Mannschaften des Kreuzers „Leipzig" wurden 6000 .^ bewilligt.
Ein Seegefecht in der Ostsee?
t* Berlin, 14. Dezember. lT. U.) Von den südöst- lichen Schären Stockholms trifft eine Mitteilung ein, daß mehrere Personen eine heftige, aber nur kurze Kanonade gehört haben, die auf ein Seegefecht irgendwo in der Rigaer Bucht oder Windau schließen sätzt. So erzählt ein Einwohner der Insel Ramandö, daß er letzten Donnerstag vormittags zwischen 11 und 12 Uhr eine heftige Kanonade vom Meere in südöstlicher Richtung eine Entfernung von 100 bis laO
gehört habe, die er au
Kilometer geschätzt 5ai
Hilfskreuzer „Prinz Eitel Friedrich" im Kampf?
w- Amsterdam, 14. Dezember. lT. U.) Am 10. November wurde aus der Richtung der chilenischen Insel Mocha heftiges Feuer gehört. Man glaubt, daß hier ein Kampf stattgefunden hat zwischen dem Hilfskreuzer Prinz Eitel Friedrich" und einem englischen Kriegsschiff. Eine englische Flotte soll Schiffe mit Lebensmitteln und Kohlen erbeutet oder in Grund gebohrt haben.
Neue Bemühungen für Weinachtsfrieden.
Aus dem Haag meldet der „H. K.": Verschiedene große katholische Zeitungen Hollands und Frankreichs behaupteten, die kürzliche Blättermeldung, dan der Papst einen Waffenstillstand für Weihnachten zu erzielen trachte, dementieren zu können. Daraufhin hat die holländische Friedensliga beschloßen, durch das Auflegen internationaler Listen die Königin der Niederlande zu ersuchen, durch ihre Vermittlung einen achtundvierzig, bündige« Waffenstillstand herbeiz«führe«.
Wie die „Frankfurter Zeitung" aus London erfährt, haben verschiedene Parteien im amerikanischen Senat eine Resolution eingereicht, in der zur!Feier des Weihnachtsfestes auf Herbeiführung eines Waffensttll. standes von 20 Tagen gedrungen wird.
Kleine Kriegsnachrichten.
Kaiser Franz Joseph hat „dem.siegreichen> Armee- «ihrer" Generalobersten v. Woyrsch das Milttürver- djcustkreuz 1 Klaffe mit der Kriegsdekoration verliehen.
D-r Sien" ,"änliche WtdW« d-MM- ««»«« Juternicrunftslaaer der Monarchie und &^^^^^ ^!^^ ^^ lobend über die Verpflegung und Unterkunft der Jnter- nU 1 Nach "Blättermeldungen wurden von d^n russtfchen Belagerungstruppen vor Przemysl ein ge »ata»one gefesselt abtransportiert, die nicht zum Angriff au o
°"W “ÄCÄ V »« »«»«•« T°m°I-r Ä-U-"? dine«
SÄ Ä Ägi^fe dort von holländischen -Kriegsschiffen internte
Heit der französischen Nation bleibe von folchn T reie« unverichA. ^ ^^t aus Rabat (Marokko) vom oo November- Militärische Sachverständige sind der bissen Ctümme» t« Innere« HfinitMr da die xanu
»er Araber auf europäische Organisation schließett lasse. Telegraph" meldet aus Kapstadt vom 10. Dc- nicht entschieden, was mit den An» fuorern 8er Aufrührer geschehen wird. Sie werden wahrscheinlich zur Aburteilung vor eine aus Richtern zu- lammengesetzte Kommission gestellt werden.
"^°tlo Yeleorapti" meldet: Das englische Kriegs- amt plant, die Lerritorialmiliz in England mit bannte n^Menen Khakiuniformen ansznriisten, die über der Zt- vilkleidnna und Sommeruniform getragen werden iol» alle wollenen Khakiuniformen für die Mann- tchaften an der Front gebraucht werden.
krlensallerlel.
Italienisches Lob des deutschen Kaisers.
- ** Mailand, 13. Dezember. (T. U.) In einem bemerkenswerten Leitartikel befaßt sich die „Perseve. ranza" mit der Tätigkeit Kaiser Wilhelms und sagt, diese sei geradezu wunderbar. Die physische Kraft und die Energie dieses Herrschers sei wirklich erstaunlich, wenn man daran denke, wieviel Sorgen und welch große Verantwortlichkeit den Kaiser bedrängen. Anch stehe er so vielem feindlichem Haß und Spott nichtachtend gegenüber. Der Glauben an einen endlichen Erfolg ‘ verlasse ihn nicht, und diesen Glauben vermöge er auch auf die Soldaten und die ganze Nation zu übertragen.
Abermals Flieger über Freiburg.
Freiburg, i. Br., 14. Dezember. (T. u.) Feind- uche Flieger warfen gestern nachmittag zwischen ^8 und 3 Uhr über der Stadt Bomben ab. Eine Bombe schlug in das Haus Unterlinden 7 ein und richtete Schaden an. Ein auf dem Dache stehendes Mädchen wurde erheblich verletzt. Zwei weitere Bomben schlugen an einem Orte ein, wo sich zahlreiche Spaziergänger aushielten. Zwei Personen erlitten Verletzungen durch Bombensplitter. Einige weitere Personen sollen anf dem Rotteck-Platz verletzt worden sein.
Eine französische Patrouille gefangen genommen.
-^ Karlsruhe, 13. Dezember. (T. U.) Aus Straßburg wird gemeldet: Die „Straßburger Post" meldet, daß bayerische Landsturmleute unweit Zabern eine französische Patrouille festgenommen haben. Die Patrouille hatte die Verbindung mit ihrer Truppe verloren und war in den Vogesen mehrere Tage hungernd umher- geirrt.
Portugal wartet noch.
o-t Wien, 13. Dezember. (T. U.) Die „Reichspost" erfährt von diplomatischer Seite, daß ein Eingreifen Portugals in den Krieg derzeit noch nicht zu erwarten sei. Die Unzufriedenheit wächst und die Gefahr von Unruhen zwingt die Regierung zur Vorsicht.
Ein holländischer Dampfer untergegaugen.
6-* Bordeaux, 14. Dezember. (WTB.) Der holländische Dampfer „Pogas" ist gestern mittag nahe Min- dello untergegangen. 24 Personen ertranken, 4 Personen wurden gerettet.
Frankreich hat die Jahresklasse 1915 einberufen.
»■»> Bordeaux, 14. Dezember. (WTB.) Die Jah- resklaffe 1915, sowie die Zurückgcstelltcu aus 1913 und 1914, insgesamt 220 000 Mann, sind nunmehr einbernfcn.
Die Verbündeten bombardieren belgisches Eigentum.
>♦ Amsterdam, 14. Dezember. (WTB.) Das „Allgemeine Handelsblad" berichtet aus Beurne: Die Verbündeten haben sich bisher vergebens angestrengt, einige Stellungen des Aserkanals zu besetzen. Heute wurde es nötig, infolge der deutschen Stellungen das Eigcntnm der belgischen Bundesgenossen zu bombardieren.
Abschttttelnng voreiliger Friedensvermittler.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie der „Figaro" mitteilt, soll der frühere Herausgeber des „Journal d'Allemand" in Genf für die Gründung eines deutsch- ranzösischen Friedenskomitees tätig sein. Wir wollen eststellen, daß amtliche deutsche Kreise mit dieser zweck- ofeu Propaganda nichts zu tun haben.
Die verhinderte Verproviantiernng Italiens.
Da ein Dutzend nach Italien bestimmter Getreidedampfer von den Franzosen und Engländern festgehalten wird, hat die Mailänder Getreidegenossenschaft einen geharnischten Protest an die Regierung gerichtet und deren Schutz verlangt.
Japan und die deutschen Südsee-Jnseln.
Auf eine Interpellation in der japanischen Kammer erwiderte nach der „Franks. Ztg." der Minister des Aeußern, die Besetzung der deutschen «lldsec-Jnseln werde so lange aufrechterhalten werden, wie es den Interessen Japans geraten erscheine. Wettere Ansprüche seien wohl angemeldet, die Prüfung werde jedoch erst bei der Friedenskonferenz erfolgen.
Vermischtes«
Ein Ehepaar mit seinen drei Kindern in den Tod. In einem Hause der Fischeldorfer Straße in dem Vororte Borna bei Chemnitz wurde am Donnerstag früh der Kaufmann Saupe erhängt aufgefunden, während seine Frau und seine drei Kinder im Alter von 4, 7 und 9 Jahren mit Leuchtgas vergiftet waren. Der Ehemann war kürzlich zum Militär ein berufen und es scheint, daß geschäftliche Schwierigkeiten der Grund zu ö*C^Im Streiti erschossen. Der Fuhrmann Kalinski in Essen wurde von dem Schutzmann S. im Verlaufe eines Streites erschossen. S., der von Kaltnski und mehreren anderen Personen hart bedrängt wurde und zu seiner ^ei^rmasse aretsen mußte, wurde von einem der Be- teiffien Öu4e nen Schutz in den Oberkiefer verwundet. Die Täter wurden noch in der Nacht verhaftet
Der Vespermannsche Millionen-Erbschaftsschwindel. Im August d. I. machte durch die Presse eine Nachricht die Runde nach der ein in Amsterdam verstorbener holländischer Staatsangehöriger mit dem deutschen Namen Nesvermann eine Summe von angeblich l4^ Ptillionen unterlassen habe. Das kaiserlich deutsche Gouverne- mentskonsulat für die Niederlande teilt nun auf die diesbezügliche Anfrage eines der zablrelchen Interessenten fol» „Es handelt sich bei der Vespermann- schen Millionenerbschaft um eine der vielen Lchwtndel- nachrichten über Riesennachlässe, die namentlich aus Wand von Zeit zu Zeit ihren Weg in die deutsche Pttsie finden, und die sich bisher noch stets als gegen- ''““»ßÄ^ ?«,»™ »« er- heHera Robert Paulka in Hamburg, die schon häufig an Anastzuständen gelitten baue, brächte am Sonntag ihre
Kinder umS Leben, indem sie ihnen die Kehle burch- scknitt Daraus brA fi* selbst eine unbedeutende 8lln?ttvmnde am Halse bei. Die Frau, die augenschein- H$tn einem A fall von Irrsinn gehandelt hat, wurde W «oltzet^fanaene der Sharitee zngeführt. ^
Unfall eines Lazarettzuges Die Konichnbe O fiAfmhirpftirtit üliindien teilt mit. Am 11 • Tezencoer H Tm Hh von Saarbrücken kommender und nach Korlsrube be im -r mit 260 Berioundelen besetzter La. ^Ät/ua in der Stcktton Robrbach bei St. Jngbert auf den m dritten Gleis stehenden Güterzug 2888 aufge- I
fahren. Beide Lokomotiven des Lazarettzuges sowie ein hinter der Lokomotive laufender Heizwagen und zwei Wagen am hinteren Teile des Lazarettzuges sind dabei entgleist. Vier Wagen des GüterzugeS wurden zertriim- mert. Der Lokomotivführer der Borsvantilvromotive des Lazarettzuges wurde leicht verletzt. Sonst sind keine Berletznttgen eingetreten. Die Ursache ist noch nicht end- gültig festgestellt.
was unsere Gesaiiliene» erzählen.
Von eine m Kriegsfreiwilligen.
Der Zivilist, der in den Zeitungen von der großeir Zahl unserer Kriegsgefangenen liest, kommt — tntö das ist nach den trüben Erfahrungen, die wir in der ersten Zeit gemacht haben, gut so wenig oder gar nicht mit diesen Gefangenen in Berührung. Höchstens sieht er sie in den Konzentrationslagern von ferne. Anders der Feldsoldat, der die Gefangenen macht oder sie bewacht. Wer da draußen unter unseren Feldgrauen ein wenig Sprachkenntrrtfse besitzt, kann interessante Studien machen.
Ein englischer Jnfallterist, der einen Schuß durch den Unterkiefer bekommen hatte, lag vor Vipern fast in der Mitte zwischen den feindlichen Schützengräben, die hier nur etwa 80 Meter auseinander waren. Eilten ganzen Tag hatte der arme Kerl dort schon gelegen, unö sein Klagen und Wimmern tönte fortwährend an unser Ohr, mußte aber muf) von den Engländern drüben gehört werden. Einer unserer Unteroffiziere wachte den Engländern Zeichen, sie müßten den Verwundeten holen, wir würden nicht schieben. Als Antwort pfiff dem armen Unteroffizier eine Kugel am Ohr vorbei, und eine zweite traf ihn in die Schlllter. In der Nacht versuchten drei Refervisten, an den Verwundeten heranzukommen. Kaum hatten die Engländer das Vorhaben bemerkt, als ein mörderisches Feuer auf die drei eröffnet wurde, so daß sie unver- richteter Sache wieder zurückkehren mußten. Erst in der Morgenfrühe gelang es, die Aufmerksamkeit der Feinde abzulenkeu und den Schwerverwundeten in den deutschen Schützengraben zu holen. Sprechen konnte der Mann nicht mehr, da die Wunde in Eiterung übergegangen war: aber als er in Sicherheit ivar, drlickte er den beideit Feldgrauen, die ihn herausgeholt hatten, immer und immer wieder die Hand, zog aus seinen zahlreichen Taschen alles, waö er an Tabak und Zigarettenpapier besaß und drückte es öen Soldaten in die Hände. Es war schon ein alter Soldat, der in den Reihen seiner Kameraden vielleicht schon in Indien und Südafrika gefochten hatte: aber nie werden wir, die wir dabei gewesen sind, den Blick vergessen, den dieser Engländer zu dem Graben seiner Kameraden hinüberwarf, und nie dieses wüteride ohnmächtige Schütteln der Faust.
Einen anderen rothaarigen Engländer nahmen wir eines Tages mit samt seiner Ausrüstung gefangen. Als wir ihm an seinem eigenen Gewehre die Vorrichtung zeigten, die das Abschneiden der Geschosse ermöglicht, und ihm erklärten, daß seine Kameraden mit diesen Dum-Dum-Geschossen auf uns feuerten, tat der gerissenen Gentlemann außerordentlich erstaunt und meinte: diese Erfindung hätten ivohl die Deutschen gemacht, denn die Engländer hätten die Schneidevorrichtung an dem Sicherungsflügel ihrer Gewehre bislang noch gar nicht gekannt. Der gute Mann ließ sich auch nicht verblüffen, als wir ihm ans seiner eigenen Patronentasche drei solche abgeschnittene Patronen vorzeigten, sondern erklärte frech und fröhlich, die hätten wir ihm wohl erst in die Tasche praktiziert.
Aus gefangenen Jridern ist weder mit guten Worten, noch durch Drohungen auch nur ein Wort heraus- zubringen. Die Leute sehen starr an ihren Wächtern vorbei und tun, als wenn die Deutschen auf der Welt überhaupt nicht vorhanden wären. Um so redseliger sind die Belgier. Belgische Soldaten stecken immer voller Neuigkeiten. Woher sie alles wissen, ist uns oft unklar gewesen, aber so oft einer von uns sich ihnen näherte, riefen sie ihn heran und fragten: „Wissen Sie schon, daft die Russen vor Berlin stehen?" — „Haben Sie schon gehört, dast Straftbnrg von den Franzosen genommen ist?" — Solche und andere Neuigkeiten wissen die Belgier immer, und wenn man mit Menschen- und mit Engelzungen redete, sie würden sich vom Gegenteil niemals überzeugen lassen.
Am interessantesten ist es, mit gebildeten Franzosen zu plaudern. Die Franzosen sind ewig erstaunt: einmal darüber, daß Deutschland so viele Soldaten hat, dann auch, daft alle belgischen Bahnhöfe von den Deutschen besetzt sind, und am allermeisten wohl darüber, daft sie so gut behandelt werden. Mehr als ein Franzose hat mir erklärt, daft die grofte Masse des französischen Volkes, soweit sie nicht selbst davon betroffen ist, dem Kriege teilnahmslos nud unlustig gegenttber- steht. Ein Kunstmaler aus Toulouse sagte mir: „Was wollen Sie? Was verstehe ich vom Kriege? Ich bin erst seit fünf Tagen Soldat und habe in diesen fünf Tagen zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Gewehr geschossen!"
Anderen wieder ist das Schicksal ihres Vaterlandes
nicht so gleichgültig. Sie sind schwermütig und hcrab- gestimmt, und wenn man sie fragt, dann klingt aus allen ihren Antworten immer wieder heraus: „Es hat ja doch alles keinen Zweck!" Und in dieses Gefühl der Nutzlosigkeit dieses Krieges gegen Deutschland mischt sich immer eine leise verhaltene Wut gegen die Engländer, die sie „so schmählich im Stich gelassen haben."
Ein grelles Schlaglicht aus diese Stimmung der Franzosen wirft eine kleine Begebenheit, die sich aus dem Bahnhöfe in Eourtrai ereignete. Ich stand mit aufgepflanztem Seitengewehr vor einem Viehwagen Wache, in dem sich fünf Engländer und drei Franzosen befanden. Einer der Franzosen bat mich um eine Zigarette. Ich gab sie ihm und riet ihm — halb im Scherz —, er möge sich doch von seinen Freunden, den Englän- bern, die ja reichlich mit Tabak versehen seien, Zigaretten geben lassen. Darauf wandte der Mann den Kopf verächtlich zu den Engländern und knirschte einen Fluch durch die Zähne. Erstaunt brach ich in die Worte aus: „Aber das sind doch Eure Freunde?" Da lachte der französische Soldat geringschätzig auf: „Freunde mit Gewalt!" — Das also ist die Stimmung der französischen Soldaten gegen ihre englischen Freunde, und ganz ähnlich ist die der Engländer. Als ich einen Engländer fragte, wie ihm die französischen Soldaten gefielen, antwortete er lachend: „Sie sehen gut aus, aber im freuet habe ich noch keinen gesehen!"
dem Bahnhöfe in Eourtrai ereignete.
________________________________(Hannvv. Tgbl.)
Weitere Drahtnachrichten.
Zur Reichstagsersatzwahl iu Hamburg.
Hamburg, 14. Dezember. Eine Vertrauens- männerverfammlunfi der fozialdemokratischen Partes im dritten Hamburger Wahlkreise hat gestern für back er» ledigte Mandat des isteichsiagsavgeorbneten Wilhelm Metzger das BürgerschaftSmitglied Heinrich Stubbe auf- gestellt.