Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei ^Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
Äreisölott
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 390. Freitag, den 11. Dezember 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Gedenkt allzeit des Roten Kreuzes!
Bus der Heimat.
* (Ein freiwilliges Skikorps.) Im Einverständnis mit den einschlägigen Kriegsministerien organisiert der Deutsche Skiverband im Verein mit dem Deutschen und Oesterreichischen Skibund ange- hörigen deutschen Vereinen ein für den bevorstehenden Winterfeldzug bestimmtes Deutsches Freiwilliges Skikorps, dessen Aufstellung laut Anordnung in München erfolgt. In einem Aufruf, der uns zur Veröffentlichung zugeht, heißt es: Skiläufer Deutschlands ! Ihr, die ihr noch nicht in der Front steht, — jetzt ist für euch die Zeit gekommen, zu der ihr euch neuerdings dem Vaterlande nutzbringend zur Verfügung stellen sollt. Das, was Ihr in Friedenszeiten gelernt, es soll jetzt dem Vaterlande geweiht sein. Auf denn! Ihr Skiläufer, die ihr euch sonst um diese Jahreszeit vorbereitet habt zum friedlichen Wettkampf und zu Fahrten in unseren heimatlichen Wäldern und Bergen, rüstet euch und meldet euch umgehend zum „Deutschen Freiwilligen Skikorps!" Zeigt, daß wir Skiläufer ohne Unterschied einmütig durchdrungen sind von dem Verlangen, jetzt dort mit- zuwirken am große Werke, wo wir auch in Friedenszeiten keine Mühe und Gefahr gescheut haben: auf schneebedecktem Boden. Laßt uns den frevelhaften Friedensstörern mit festem klaren Blick mit unserem in jahrelanger Uebung gestählten Körper und Geist die Macht deutschen Willens entgegenstellen für Kaiser und Reich. Der Ausschuß zur Bildung des Deutschen Freiwilligen-Skikorps. Auskunft und die für die Meldung nötigen Papiere durch das Büro des Deutschen Freiwilligen-Skikorps, Schwanthalerstraße 87 in München.
* An das Reichsbankdirektorium sind in letzter Zeit mehrfach Wünsche ergangen, bei allen Reichsbankstellen Einkaufsstellen für altes entbehrliches Schmucksilber und alte Goldmünzen ohne numismatischen Wert einzurichten. Diese Anregungen sind abgelehnt worden, weil die Reichsbankstellen gegenwärtig in einem Maße in Anspruch genommen sind, daß sie neben den sonstigen Geschäften sich nicht noch mit dem Ankauf von Silber- und Gold-Gegenstände besassen können. Dahingegenwerden vonderKönigl. Sächsischen Münze bezw. den staatlichen Hüttenwerken in Frei- berg Gold- und Silbersachen angekauft.
* (Weihnachtspaketverkehr.) Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketadreße rst für die Zeit vom 12. bis einschließlich 24. Dezember weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Auslande gestattet.
* Die zum Besuche kranker und verwund e t e r d e u t s ch e r K r i e g e rv o r g e se h e ne Fahrpreisermäßigung wird nunmehr auch auf Reisen bis zu den deutsch-österreichischen Grenzstationen gewährt, wenn die zu Besuchenden ^n österreichischen oder ungarischen Lazaretten lregen Ferner ist die Fahrpreisermäßigung auch auf Resten. ausge- dehnt, die im Falle des Ablebens kranker oder verwundeter Krieger zu dieser Beerdigung von Angehörigen unternommen werden.
* (Begnadigung zurückkehrender Fahnenflüchtiger.) Der Kaiser hat, wie im „Armeeverordnungsblatt" bekanntgegeben wird, g- nehmigt, daß die Versäumnis der dreimonatigen .vriff, die in den Erlassen vom 12. und 29. August 1914, b treffend Begnadigung zuruckkehrender Aremden- legionäre und sonstiger Fahnenflüchtiger wwied wegen Wehrpflichtverletzung Verurteilten vorgesehen ist, kein Hindernis der Begnadigung fern soll, wenn die Einhaltung der Frist nicht ausführbar war.
§ Hersfeld, 10. Dez. Die nächstjährige Aufnahme- prüfung in die Kgl. Präparandenanstatten su Eschwege, Fritzlar und Rinteln findet am 30. März statt. An der Kgl. Präparandenanstalt zu Niederzwehren wird keine Aufnahmeprüfung mehr abgehalten- die n - lassungsprüfung daselbst beginnt am 22. März. D Aufnahmeprüfung in das Kgl. Lehrerinnememlnar zu Rotenburg findet am 29. und 30. März statt di Entlassungsprüfung beginnt am 1. März.
):( Hersfeld, 10. Dez. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, Postsekretär Hahn, bei der Feldpostexpedition der 2. Reserve Division und Unteroffizier Emil Kaspar Res.-Feld.-Art.-Regt. 18.
):( Hersfeld, 10. Dez. Verlustliste 95. Wehr- mann Adam Schirm Hersfeld, schw. verw. — Wehrmann Konrad Willhardt,Oberaula,gefallen.—Gefreiter Johs. Schrön, Solms,verw. — Wehrmann Johs. Schön, Heimboldshausen, vermißt seit 12. 11. 14. — Kriegs- freiw. Adam Sandrock, Unterneurode, gefallen. — Pionier Georg Heinrich Hobert leicht veriv. und vermißt.
):( Hersfeld, 10. Dezbr. Den Heldentod für das Vaterland starb am 7. Dez. an der Spitze seiner Kompagnie anf dem westlichen Kriegsschauplatz der Hauptmann der Landwehr im Landw.-Res.-Jnf.-Regt. Nr. 32 Buchdruckereibesitzer Dr. j ur. Paul Schneider aus Kassel, Mitinhaber und Verleger der Hessischen Post und Kasseler Stadtanzeiger.
Schenklengsfeld, 9. Dezember. Die auf den 10. und 22. Dezember 1914 anberaumten Gerichtstage in Heringen sind aufgehoben. Es ist ein Gerichtstag in Heringen auf den 17. Dezember 1914 bestimmt.
Schenklengsfeld, 10. Dez. Der schon vielfach vorbestrafte Invalide Heinrich G. aus Schenklengsfeld war wegen Unterschlagung eines Zwanzigmarkscheines, den er auf der Dorfstraße gefunden und für sich behalten hatte, vom Schöffengericht zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den Schein behalten, trotzdem er wußte, daß das Kind eines im Orte ansässigen Händlers einen solchen zum Umwechselnfge- geben worden, auf der Straße verloren hatte. Der Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein. In gestriger Strafkammersitzung behauptete er absolut schuldlos zu sein. Er habe den (Zwangtgmarkschein nicht gesunden, und wenn er sich auch zu der Zeit als das Kind des Händlers den von seinem Vater erhaltenen Schein verloren, auf dem gleichen Wege gebückt und etwas von der Erde aufgehoben habe, so sei es nicht der Schein gewesen, sondern ein Zehnpfennigstück, das ihm selbst entfallen sei, als er auf dem Wege gewesen, sich Kautabak zu holen. Das Geld, das er besessen, sei ehrlich erworbenes gewesen nnd nicht der Erlös des Zwanzigmarkscheines. Auf Grund der Beweisaufnahme kam die Strafkammer zu der Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und verwarf die Berufung desselben kostenpflichtlg.
Raboldshausen, 10. Dez. Für das Geschäftsjahr 1915 sind für den Gerichtstag in Raboldshausen folgende Tage bestimmt: 8. und 29. Januar, 19. Februar, 12. März, 9. April, 7. Mai, 4. Juni, 2. Juli, 20. August, 24. September, 15. Oktober, 5. und 26. November und 17. Dezember.
Gaffel, 9. Dezember. (Ein jugendlicher Räuber.) Ein junger Mensch N. war seit einigen Tagen von hier verschwunden und hatte sich bettelnd umherge- trieben. So kam er vorgestern nach Großalmerode. Hier betrat er den Laden des Bäckermeisters Ließe und verlangte Brot zu kaufen. Während Frau L. an der Ladenkasse beschäftigt war, .suchte er diese zu berauben, indem er die Frau bet Seite stieß und gegen die Wand drückte. Auf die Hilferufe der Ueber- fallenen kamen aber Leute herbei, vor denen der Räuber entfloh. Er wurde jedoch eingeholt und der Polizei übergeben. Gestern wurde er bereits der Staatsanwaltschaft hier vorgefuhrt.
g Dezember. Wegen Ausbruchs der Maul- und KlLenseuche fit im Regierungsbezirk Easielöie Abhaltungen von Viehmärkten und ahnlicheu Ver- anstaltunaen mit allerkeinschränkenden Bestimmungen verboten" worden für den Kreis Witzenhausen (Nieder- gandern, Werleshausen), Eschwege (Hoheneiche, AI- Gen, VogelSburg und Lberdone sowie Stadt Eschwege.)
q Dez (Selbstmord am Grabe). Am aestrMen Nachmittag wurde ein 51 Jahre alter Mann
Grabeseiner Frau im Friedhofs-Remer in der Näbe des Lieckershäuser-Weges im bewußtlosen Zu- smnde aumefunden. Die Kugel hatte ihn den Ober- kovf^ durch bohrt. Der Lebensmüde ist der Milchhandler ShJH non hier. Er wnrde verbunden und durch die freiwillige Sanitätskolonne in das Laud- krankenhaus gebracht.
G-rttunaen 9. Dezember. Aus dem Orte Herfa bei Gerstun gen' sind alle drei Söhne des Landwirts Grütz di? am Kriege teilnahmen, den Heldentod gestorben.
Eisenach. 9. Dezember. (Entsprungen.) In Eise- nack ist ant Dienstag abend ein dort verhafteter, feit
'tettsil-ckbrieflich verfolgter Mann entsprungen, öe? im VeÄcht der Spionage steht. Der Entsprungene »-V«?nm Albrecht und trägt einen abgetragenen Waffenrock d^r Gardefüsiliere mit abgetrennten Kragen
litzen und einen Onntlen Jnfanteriemantel. ®etnc Vorderzähne weisen große Gvldblvmben auf. Der Entsprungene tritt meistenteils als Verwundeter auf.
Lenderscheid b. Frielendorf, 6. Dez. Geringfügiger Ursache wegen geriet der Schneider G. mit dein Arbeiter H. in Streit, in dessen Verlauf ersterer letzterem einen Stich in den Unterleib beibrachte. (Nach Anlegung eines Notverbandes durch Sanitätsrat Dr. Henkel wurde der Schwerverletzte dem Krankenhalls Hephata zugeführt. Die Verletzung ist derartig schwer, daß man für das Leben Befürchtungen hegt.
Hannover, 5. Dezember. Im benachbarten Letter ist am Donnerstag ein Schulkuabe von einem Soldaten, der Wachtpostdienst hatte, aus Unvorsichtigkeit erschossen. Der Soldat hat, nachdem er die Folgen seines Handelns erkannte, sich selbst zu erschießen versucht. Er verletzte sich durch einen Bauchschuß und wurde in bedenklichem Zustand ins Lazarett gebracht. Das Mitgefühl mit den Eltern des Knaben sowie auch mit dem unglücklichen Wachtposten ist allgemein.
Düsseldorf, 9. Dezember. Der Kaufmann Gustav Nahrhaft in Düsseldorf, Inhaber der Firma Hettlage v. H., Mitglied des Verbandes erstklassiger Spezialgeschäfte für Herrn- und Knaben-Bekleidung e. V., Sitz Düsseldorf, hat für die Beschaffung eines Ersatzkreuzers für die Emden 25 000 Mk. gespendet. Das Staatssekretariat des Reichsmarineamts hat die Spende vorbahaltlich der allerhöchsten Genehmigung angenommen und zugleich „im Namen der Kaiserlichen Marine wärmsten Dank für diese hochherzige Zuwendung und für die dadurch betätigte patriotische Gesinnung" ausgesprochen.________________________
Weihnachten im Feld.
Mit starkem Herzen müssen wir diesmal dem Weihnachtsfest entgegengehen. Sonst ist es gerade dasjenige Fest, das am meisten auf das Gemüt zu wirken pflegte, das selbst den kühlsten Rechner und Verstandesmenschen einmal weich zu stimmen pflegte und das von jeher den Deutschen mit seiner heiligen Freude und seinem innigen Familienleben das liebste aller Feste gewesen ist. Gerade deshalb wird an den Weihnachtstagen die Trennung unserer tapferen Krieger von der Heimat auch so besonders schmerzlich empfunden werden. Die einsamen Mütter und Frauen, Schwestern und Bräute, die in diesem Jahre in Trauer oder doch in ernster Sorge unter dem Weihnachtsbaum sitzen, werden eine reine Freude auch bei denen nicht hoch kommen lassen, die vom Kriege nicht so unmittelbar betroffen sind. Wie wenig sind auch die letzteren? Die allgemeine Wehrpflicht, die in keinem Lande so gründlich durchgeführt worden ist wie in Deutschland, läßt eigentlich jedes deutsche Herz an dem großen allgemeinen Schicksal persönlich mittragen. Eben dadurch wird im Grunde unser ganzes Volk zu einer einzigen großen Familie. Wir müssen in dieser Familie in den heiligen Bauden, durch die sie zusammengehalten wird, in diesem schick- salsvollen Jahre Trost und Erhebung suchen; müssen in dieser Liebe zu unserem Volke das finden, was unserer Liebe in der eigenen Familie durch den Krieg entzogen ist. So wird das Weihnachtsfest für uns zwar schwerer zu feiern sein, als gewöhnlich, aber feiern dürfen wir doch und erst recht. Feiern in einer frommeren und erhabeneren Stimmung! Ein Fest der Trauer folls und darfs nicht werden, trotz aller bitteren Opfer, die wir schon haben bringen müssen und die uns im weiteren Verlaufe des Krieges noch bevorstehen. Nein, ein Fest der Liebe soll es bleiben und ein Fest der Hoffnung. Der Stern von Bethlehem, der aufging mitten in finsterer Nacht, sei uns ein Sinnbild für die großen Hoffnungen, die uns auch leuchten mitten in der Nacht des Krieges, uns und unserem Volke! Von Anfang des Krieges an haben wir unserem Vaterlande gelobt, für sein Dasein und für seine Freiheit alles einzusetzen, was wir sind und was wir haben. Stark und stolz haben wir uns aufgerichtet in diesem heiligen Entschluß. Wir wissen ja, daß unser Vaterland bleiben wirb, auch wenn wir nicht mehr sein werden. Unsern Kindern und Kindeskindern wird es Grundlage des Lebens und des Glücks sein, wenn wir es jetzt hochhalten, und müßten wirb auch mit unserem Blute bezahlen. In solchem heiligen Glauben an die Zukunft und Ewigkeit des Vaterlandes und in solchem Pflichtgefühl hat sich dje erweiterte Familie des ganzen deutschen Volkes zusammengefunden. Möge uns das schöne Familienfest der heiligen Weihenacht in solchem Zusammenhalt und in solcher Hingabebereitschaft für das Ganze neu bestärken. Wett und frei müssen unsere Herzen werden, um ganz in sich aufnehmen den weihevollen allgemeinen Gedanken des Vaterlandes. So wird Kraft in der Stimmung sein neben dem Ernst, wenn wir die Kriegsweihnacht feiern, im Felde draußen oder daheim, in Trauer oder Sorge, auf jeden Fall aber in fester Zuversicht zu Gott und unserem deutschen Reich.