Das Ringen um die Entscheidung im Osten.
Neue Erfolge -er deutsch-österreichischen Waffenbrüder. Die strategische Lage in Polen. Kämpfe in Westgalizien. Von der Westfront, v. d. Goltz in Konstantinopel. Rennenkampf vergiftet?
[ Aus dem großen Hauptquartier j
tat Großes Hauptquartier, 7. Dezember, vormittags. (Amtlich. WTB.) Vom westlichen Kriegsschauplatz und dem östlich der Masurischen Seenplatte liegen keine -eson-eren Nachrichten vor.
In Nordpolen haben wir in langem Ringen um Lodz durch Zurückwerfen -er nördlich, westlich und südwestlich dieser Stadt liegenden starke» russischen Kräfte einen durchgreifenden Erfolg errungen. Lodz ist in unserem Besitz. Die Ergebnisse der Schlacht lassen sich bei -er Ausdehnung -es Kampffeldes noch nicht übersetzen. Die russischen Verluste sind zweifellos sehr groß. Versuche der Russen, aus Südpolen ihren bedrängten Armeen im Norden zu Hilfe zu kommen, wurden durch das Eingreifen österreichisch-ungarischer nud deutscher Kräfte in Gegend südwestlich Piotrkow vereitelt.
Oberste Heeresleitung.
Vom österr.-ungar. Generalstab
tat Wien, 7. Dezember. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart nachmittags 6 Uhr: Das Ringen um die Ent- scheiduug auf dem russischen Kriegsschauplatz dauert an.
Oesterreichisch-nngarische und deutsche Truppen wiesen im Angriffe im Raume südwestlich Piotrkow die über
Noworotomsk nordwestlich vorstrebenden rnssischen
Kräfte zurück, indes deutsche Truppen de» Feind zum
Weichen zwangen. In Westgalizien sind gleichfalls größere Kämpfe im Gange. Ihr Ergebnis steht noch aus. In diesem Ringen nahmen unsere und deutsche Trrrppen gestern weitere 1500 Russen gefangen.
In den Karpathen wird weitergekämpft. An mehreren Stellen hat der Feind starke Kräfte wieder hinter dem Gebirgskamm zurückgezogen.
Der Stellvertreter des Chefs -es Generalstabes, von Hoefer, Generalmajor.
Eine kriegerische Großtat.
^ Berlin, 8. Dezember. (WTB.) Die Rundschau schreibt: Hindenburg und seine Truppen haben einen großen, glänzenden Sieg errungen, der sich würdig den kriegerischen Großtaten der Geschichte anreiht und nicht nur für den Feldzug gegen Rußland, sondern für den ganzen Krieg von Entscheidung sein kann. Der „L.-A." sagt: Der Besitz dieser großen Fabrikstadt ist, anders als in den Anfangswochen des Krieges, dem Feind diesmal nach hartem Kampf abgetrotzt worden: deshalb wird er nun auch mit fester Hand behauptet werden, und wir können sicher sein, daß die Zeit der Russenherrschaft für Lodz vorüber ist.
Russisches über Lodz.
tat Petersburg, 8. Dezember. (WTB.) Bei der Beschießung von Lodz wurden viele Häuser der vornehmsten Stadtteile zerstört. Die Explosion eines großen Gasbehälters erleuchtete die Stadt für einen Augenblick taghell: gleich darauf herrschte tiefste Finsternis. Es herrscht Mangel an Lebensmitteln.
Die strategische Lage in Polen.
Der „Pester Lloyd" bringt Mitteilungen, die in die Strategie der jüngsten Kämpfe in Polen einigen Einblick gewähren. Danach verläuft die Front in Polen über Lowicz-Lodz-Sieradz, dann weiter im stumpfen Winkel bis nach Krakau. Die Kampflinie im Norden hat das Gesicht gegen Südost mit dem äußersten linken Flügel an Warschau lehnend. Eine neuerliche Zernie- rung von Warschau dürfte diesmal einen ganz anderen Charakter haben, zumal keine neuen russischen Armeen anf dem östlichen Weichselufer bereitstehen dürften. Heute hat Rußland fast seine gesamte Macht bereits eingesetzt, sogar orei in Reserve gehaltene Armeen stehen seit über einer Woche im Kampfe. Die an der Bsura vorgerückten deutschen Truppen bedrohen den Rückzug der russischen Mitte auf Warschau. Wenn die Operationen weiter regelrecht verlausen, so dürfte es nur den an der Bsura stehenden russischen Kräften gelingen, nach
Im feinen Osten.
Roman von O. Elster.
42) (Nachdruck verboten.)
Und sie wandte sich ab und schritt rasch davon, ohne sich noch einmal umzusehen. Wenn sie es getan, dann würde sie vielleicht doch zu ihn zurückgekehrt sein, wenn sie den tiefschmerzlichen Ausdruck in seinem blassen Gesicht gesehen, wenn sie bemerkt hätte, wie er unwillkürlich die Hände nach ihr ausstreckte und wie ihr Name flüsternd auf seinen Lippen schwebte.
Nur eines Augenblicks bedarf es ja, daß die Flammen zweier Herzen zusammenschlagen: aber ein Augenblick genügt auch, um zwei Herzen auf ewig zu trennen.
In beiden Herzen loderte die Flamme, aber Stolz und Trotz ließen die Flammen nicht rein emporlodern, sondern unterdrückten sie, daß sie schwelend am Boden bahinkroch, ohne die Kraft zu besitzen, das Gestrüppe zu durchbrechen, das ihre Herzen überwucherte.
So schieden sie, und als Ellen seinen Blicken ent- war- da sank er auf seinen Sitz zurück, stiitzte d « E^ogen^auf die Knie und verhüllte das Gesicht in , po saß er lange da — unb um ihn brausten ^ Wogen des Weltmeeres und sangen
E?d^/s Lied vom Scheiden und Meiden, das Lied, das in jedes Menschen Leben so schmerzlich, so tiefer Wehmut voll hmeinklingt mit ernstem Klang.
^^"^ strahlte vom blauen Himmel hernieder. Wollte sie dem bauaeu Serien Trost bringen? Wollte sie mit ihrer Wärme den eisigen Än £tif?°IM 068 Rotzes lösen, der sich um üjre
^ber auch die Sonne verschwand. Im Nordwesten Allste sich eine schwarze Wolkenwand empor und verschlang den blauen Himmel, die goldenen Strahlen der Finstere Schatten flogen über die See deren Wellenschlag lOhgftrx Wär- und deren Rauschen sich in
Warschau zurückzukehren. Dagegen müßte die russische Mitte die Richtung auf Jwangorod nehmen. Weiter heißt es: Den Russen ist es trotz Einsetzen starker Reserven nicht gelungen, in der Gegend Czenstochan Vorteile zn erringen. Im Süden hält Krakau den Feind im Schach.
Die Russen sind auf der ganzen Westfront znr Defensive übergegangen.
» Petersburg, 8. Dezember. (WTB.) Ein deutscher Korrespondent meldet, daß die Russen auf der ganze» Westfront zur Defensive übergingen. Die französische Militärpresse schreibt den Hauptanteil am Lodzer Erfolge der Vorzüglichkeit der deutschen Verkehrsmittel zn.
Ausländische Urteile.
Die Petersburger Korrespondenten der dänischen Zeitungen melden, daß die russische Armee auf der Westfront allgemein zur Defensive übergehe, und daß mutmaßlich die Linie Warschau-Jwangoroö die natürliche Verteidigungsstellung für die weiteren Kämpfe sein werde. Warschau ist wieder polizeilich und militärisch abgesperrt.
Nach einer Genfer Meldung der „Nat.-Ztg." fehlen seit zwei Tagen in der französischen Presse alle Privat- telegramme russischer Korrespondenten über die Lage in Polen. Paris erwartet schon seit fünf Tagen vergebens die angekündigten russischen Siegesberichte.
Der „Daily Telegraph" meldet aus Petersburg: Seit drei Tagen nehmen die Deutsche» sehr kräftig die Offensive mit enormen Truppenkonzentrationen im Nordwesten Polens auf. Die Deutschen beherrschen zum Heranführen ihrer Truppen die Eisenbahnen von Tborn über Wlozlawek nach Lowitsch, von Kalisch über Lodz nach Lowitsch, sowie von Lodz nach Koluszki (die Warschau mit Czenstochau verbindet). In russischen Militärkreisen gebe man zu, daß -er deutsche Feldzugsplan sehr geschickt aufgebant sei nn- meisterhaft abgewickelt werde.
Rennenkampf vergiftet?
Der Reitergeneral, der im ostasiatischen Kriege durch sein Draufgängertum sich eine starke Popularität unter den russischen Soldaten erwarb und seither in Rußland als einer der großen Heerführer künftiger Kriege Vorschußlorbeeren erwarb, scheint vom Schauplatz der Ereignisse zu verschwinden. Die Nachrichten, die über ihn an die Oesfentlichkeit gelangen, widersprechen sich zwar. Noch vor wenigen Tagen hieß es, Paul von Rennenkampf sei in die vizekömgliche Stellung im Kaukasus auserlesen, für die jetzt natürlich ein General der geeignete Mann wäre. Bald darauf aber vernahm man, zuerst aus Rumänien, dann aus englischen Blättern, daß Rennenkampf seine Armee, die bei der Einkreisung deutscher Kräfte in Nordpolen Mitwirken sollte, zu spät herangeführt habe und deshalb in Ungnade gefallen sei. Nach einem Bericht soll der General abberufen, nach einem andern sogar verhaftet worden sein, was dann vermutlich das Vorspiel einer kriegsgerichtlichen Verhandlung wäre. Aus Rumänien wird nun der „Franks. Ztg." von einer anscheinend gut unterrichteten Seite mitgeteilt, daß man in Odssea an den Tod Rennenkampfs glaubt, der vergiftet worden sein soll. Natürlich fehlt jede Möglichkeit, diese widerspruchsvollen Nachrichten nachzuprüfen, es ist aber anzunehmen, daß die Petersburger Telegraphenagentur sofort ein Dementi bereit hätte, wenn ihnen jeder tatsächliche Grund fehlte.
Von -er Westfront.
tat London, 8. Dezember. (WTB.) Laut „Daily Mail" ist eine große Schlacht zwischen Venne un- Npern im Gange. Die Admiralität macht die Beseitigung oder Veränderung aller Feuerschiffe und Schiffahrtszeichen sowie Löschung der Leuchttürme bekannt.
Der Prinz von Wales an -er Front.
Recht eintönig wirken Schilderungen der englischen Kriegskorrespondenten über die Tätigkeit des Prinzen von Wales im britischen Hauptquartier. So erzählt die „Times", der Prinz habe Schützengräben besucht, er habe sich dem feindlichen Artilleriefeuer ausgesetzt, sei vom frühen Morgen an unterwegs, arbeite den ganzen Tag, mache sich mit den Stellungen der Truppen bekannt und nehme seine militärischen Pflichten sehr ernst. Der Prinz werde von allen bewundert, die mit ihm in Berührung kommen. Der schwächlich aussehende Prinz sei bis zum Eintritt in die Front des englischen Ex- peöitionsheeres im Heere fast gar nicht bekannt gewesen.
ein unheimliches Grollen zu verwandeln schien. Der Wind pfiff durch das. Takelwerk, und die Maschinen ächzten und stöhnten, daß der ganze mächtige Bau des Dampfers erzitterte.
Schwer lastete das dunkle Wolkengewölbe des Himmels auf der stark rollenden See, die, vor kurzem iwd) von leuchtendem Blau, jetzt eine düstere, schwarze Färbung angenommen hatte. Eine dumpfe Stille herrschte: der Sturm war noch nicht erwacht, er schien im Schlafe Kraft sammeln zu wollen oder auch heranzuschleichen wie ein gewaltiges Raubtier, das dann mit plötzlichem Sprung seine Beute übersällt. Und das Meer ahnte das Nahen des Sturmes: es rauschte und brauste in seinen Tiefen und atmete in schweren Wogen, die, dickflüssig scheinbar, wie geschmolzenes Blei sich dem Schiff ent- gegenwälzten, das sich ächzend und schwer stampfend weiterkämpfte.
Und plötzlich erfolgte der Sprung des Raubtiers. Ein greller Blitzstrahl zerriß, gleich einem aufleuchtenden Signal, das dunkle Gewölbe des Himmels: rollend und krachend fuhr der Donner einher, und fauchend und heulend schlug der Orkan seine Krallen auf Meer und Dampfer, daß jenes zischend und schäumend emporfuhr und dieser sich zitternd und ängstlich in das Wellental verbergen zu wollen schien.
In unendlichen Fluten klatschte der Regen herab, die Finsternis noch vermehrend und das Deck des Dampfers mit kalten Strömen überflutend.
Auf dem Dampfer hatte man alle Vorbereitungen getroffen, um das Unwetter gebührend zu empfangen. Ruhig, wenn auch schwer kämpfend, verfolgte er feine Bahn durch die aufgewühlten Wogen, durch die Finsternis der Nacht. durch Sturm und Negenfluten. In dem hellcrleuchtctcn Salon der ersten Kajüte, wo fast alle Passagiere versammelt waren, merkte man kaum etwas von dem Unwetter da draußen, wenn nicht das schwere Siampfeil des Schiffes und das zeitweilige Aufheulen des Nebelhornes gewesen wäre, das der Gesellschaft -te
Das belgische Heer von -er Front zurückgezogen.
Die Ueberreste der belgischen Armee, im ganzen höchstens 50 000 Kampffähige, sind nach einer Meldung der „Maadeb. Ztg." aus Brüssel, nunmehr endgültig von -er Kriegsfront zurückgezogen und nach dem Pariser Festungsgebiet gebracht worden. Das Offizierkorps ist zur Hälfte anfgerieben. In einzelnen Regimentern fielen sämtliche Offiziere.
Die schwere Niederlage -er Franzosen in Marokko.
Zuverlässige Nachrichten aus Marokko bestätigen die schwere Niederlage der Franzosen bei Kenifra, südlich von Mekines. Die Verluste der Franzosen betrugen dreißig Offiziere und achthundert Mann. Ferner erbeuteten die Berber acht Geschütze. Die Nachricht hat in ganz Marokko große Bewegung hervorgerusen. Besonders hat die Eroberung der Geschütze Eindruck gemacht. Die Franzosen bringen jetzt alle aus Marokko herans- gezogenen Truppen über Marseille wieder znrück.
Die Bewachung -er belgischen Grenze.
tat Rotterdam, 8. Dezember. (T. U.) Dem „Nieuwe Rotterdamschen Courant" wird aus Koewacht geschrieben, daß die Bewachung der belgischen Grenze mit jedem Tag schärfer wird. Es ist streng verboten, Briefe und andere Schriftstücke von Belgien nach Holland zu schmuggeln.
Damit ist, wie die „Rhein. Wests. Ztg." bemerkt, dem Unwesen der „neutralen" belgischen Berichterstattung in holländischen Blättern bis auf einige noch nicht entdeckte trübe Brunnen Einhalt getan.
Ostende in Flammen?
tat Rotterdam, 8. Dezember. (T. U.) „Daily Chro- nicle" meldet aus Dünkirchen, daß Ostende, das sich in den Händen der Deutschen befindet, in Brand steht.
Bei dieser englischen Quelle ist Vorsicht geboten.
Neugruppierung in Serbien.
Wien, 7. Deember. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Die mit der Einnahme Belgrads bedingten Operationen erfordern nunmehr die Umgruppierung nnserer Kräfte, deren Einzelheiten sich na- tnrgemätz der allgemeinen Verlautbarung entziehen.
Fluchtartiger Rückzug der Serben.
tat Sofia, 8. Dezember. (T. U.) Die Blätter melden vom Kriegsschauplatz, daß der Rückzug der serbischen Armee allmählich den Charakter der Ueberstttrznng an- nehme. Die österreichisch-ungarischen Vorhuten schneiden immer wieder größere versprengte Abteilungen, die dem fliehenden Gros nicht rasch genug folgen können, von der Rückzugslinie ab. Die Einnahme von Belgrad wird von den Militärkritikern nicht nur als moralischer, sondern auch als taktischer Erfolg bezeichnet, da die österreichische Armee durch den Besitz von Belgrad sich die kürzere Etappenlinie und die direkte Verbindung mit dem Hinterland gesichert hat, sowie den Ausgangspunkt der wichtigsten Eisenbahnlinie nach Südserbien.
Der Kampf nm den Loveen.
^ Ragusa, 8. Dezember. (T. U.) Die Geschütze aus dem Loveen schweigen. Das letzte Bombardement des Loveen hat die schwersten Verheerungen angerichtet und eine neue Ausstellung von Geschützen ist gänzlich unmöglich. Häufig erscheinen österreichische Flieger über Cetinje und Antivari und werfen Bomben ab. Wegen der großen Not in Montenegro erschienen in der letzten Zeit wiederholt montenegrinische Familien, welche baten, auf österreichisch-ungarischen Boden übertreten zu dürfen.
Aus dem türkischen Hauptquartier.
»-$.■ Konstantinopel, 8. Dezember. (WTB.) Das Große Hauptquartier meldet neue Erfolge aus der Gegend von Adschara und die Besetzung eines wichtigen rnssischen Stützpunktes in Aserbeidschan, 70 Kilometer von der Grenze.
Amerikanische Zeitungen über Dewet.
tat Nenyork, 8. Dezember. (T. U.) Amerikanische Zeitungen beschäftigen sich mit der Gefangennahme Dewets. Er verdiene die Todesstrafe wegen Hochverrates. Die Engländer sollten jedoch unter Umständen Großmut üben, denn ihn als Verräter standrechtlich erschießen lassen, würde ein Akt politischen Wahnsinns sein. Eine Exekution würde mehr Feindseligkeit unter den Buren hervorrufen, als Dewet selbst anrichten könnte. Einzelne Zeitungen melden sogar, Dewet sei in den letzten Jahren geistig nicht normal gewesen.
Es handelt sich hier wohl um die Auslassungen deutschfeindlicher Blätter, die mit derartigen Meldungen einen bestimmten Zweck verfolgen.
Nähe der Gefahr mit seinem unheimlichen Ton immer wieder ankündigte. Dann ward es plötzlich lautlos still in dem Salon: jeder horchte gespannt auf und auf jedem Gesicht machte sich ein sorgenvoller oder ängstlicher Ausdruck geltend.
Während Ellen sich in ihre Kabine zurückgezogen hatte, saß ihre Mutter im Salon, mit ängstlichem Gesicht auf die ermutigenden Worte Wittkovens hörend, der an ihrer Seite Platz genommen hatte, indes Fred schweigend dasatz, eine Zigarette nach der andern rauchend. Er war mit seinen Gedanken weit fort: das Unwetter kümmerte ihn wenig, der Plan des neuen Unternehmens, das er mit Wittkoven verabredet hatte, beschäftigte ihn, und ungeduldig sah er der Beendigung der Reise entgegen, um sogleich an die Verwirklichung ihres Planes zu gehen.
„Wir haben nichts zu fürchten, gnädige Frau," sagte Wittkoven zu Frau Melanie, die schreckhaft zusammen- fuhr, als das Nebelhorn wieder sein unheimliches Heulen ertönen ließ. „Unsere großen Passagierdampfer sind so stark gebaut und mit allen Sicherheitsvorrichtungen versehen, daß ein noch so schwerer Seegang und starker Sturm ihnen nichts anhaben können. Namentlich nicht auf offener See, wo keine gefahrvolle Küste in der Nähe ist oder kein Zusammenstoß mit einem anderen Schiff droht. . ."
Ein krachendes, splitterndes Geräusch unterbrach seine Worte. Bis in die tiefste« Fugen erschütterte der mächtige Bau des Schiffes, das plötzlich von einer unsichtbaren Gewalt hoch emporgehoben wurde, um im nächsten Augenblick in einem Abgrund zu versinken und hilflos hin- und herzutaumeln.
Alle sprangen auf und sahen sich entsetzt an.
Was war geschehen? — War der Dampfer auf ein Riff geraten? War er mit einem anderen zusammen- gestotzen? Waren seine Schrauben gebrochen,, daß er ein hilfloses Spjel der empörten Wogen war?