Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^5 für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-
v***|*w A«W vv l U l r; VUlU| VV' > ■
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei JmSlPluPr Liersfeld. ^ür die Redaktion nerantmorM<s> Strnni Sims in fk»mf«rx
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Kreisblatt
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage'
Zernsprech-klnschlutz Nr. 8
Nr. 387.
Dienstag, den 8. Dezember
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Aus der Heimat.
* (Keine Einberufung des ungedienten Landsturms.) Wie von zuverlässiger militärischer Seite mitgeteilt wird, ist im Bezirk des 11. Armeekorps an eine Einberufung des ungedienten Landsturms vorläufig noch nicht zu denken. Die Meldung eines auswärtigen Blattes, die die Einberufung des ungedienten Landsturms als nahe bevorstehend bezeichnete, ist daher falsch.
§ Hersfeld, 7. Dezember. (Beförderung rufst s ch e r l a n d w i r t s ch a ft l i ch e r A r b e i t e r.) Ueber den Verbleib der in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten russischen Arbeiter nach Beendigung der Herbsternte sind von den zuständigen Verwaltungsbehörden mit Rücksicht auf den Kriegszustand besondere Anordnungen getroffen. Zu ihrer Durchführung wird für den Bereich der Eisenbahnverwaltung folgendes angeordnet: 1. An männliche russische Arbeiter im Alter von 17 bis 45 Jahren dürfen Fahrkarten nicht ausgegeben werden. 2. An männliche russische Arbeiter unter 17 und über 45 Jahren sowie an alle weiblichen russischen Arbeiter dürfen Fahrkarten nur verabfolgt werden: a. nach einer Station eines Neutra' ...aates und nur b. bei Vorzeigung eines von vtr gesandtschaftlichen oder konsularischen Vertretung dieses neutralen Staates visierten Paffes. Nach Lösung der Fahrkarte wird der Paß von der Ortspolizeibehörde noch mit dem Vermerk versehen: „Ausreise nach......ist genehmigt. Die Ortspolizeibehörde (Stempel und Unterschrift.)" 3. Ausnahmsweise dürfen Fahrkarten nach deutschen Stationen an die unter 1 und 2 bezeichneten russischen Arbeiter und Arbeiterinnen nur ausgegeben werden, wenn a. die Genehmigung des zuständigen Landrats zum Antritt einer neuen Arbeitsstelle erteilt ist, b. wenn zur Behebung eines wirtschaftlichen Notstandes oder zur Durchführung größerer Meliorationsunternehmungen durch eine Behörde oder mit behördlicher Genehmigung bis dahin arbeitslose russische Arbeiter in bestimmte unter Arbeitermangel leidende Gebiete geleitet werden.
8 Hersfeld, 7. Dezember. (Rückkehr der österreichisch- ungarischen (galizischen) Saisonarbeiter in die Heimat.) Die nach Oesterreich - Ungarn heimkehrenden Saisonarbeiter können fortan die Heimkehr nur über Glatz - Mittel - walde nach Wichstadtl-Lichtenau - unter Ausschluß der östlich gelegenen Einbruchsstationen Wyslowitz, Oswiecim und Oderberg — bewerkstelligen. Fahrpreisermäßigung für Arbeiter-Gesellschaftsfahrten IV. Klasse wird den österreichisch-ungarischen (galizischen) Saisonarbeitern auf den preußisch-hessischen Staatsbahnen nur gewährt, wenn die Transporte über Glatz-Mittelwalde geleitet werden. Arbeiter, die zum vollen Fahrpreise fahren wollen, können Fahrkarten nur über diesen Weg erhalten.
):( Hersfeld, 7. Dezember. Seitens eines Stengen Bürgers wurde dieser Tage der Stadt das ihm zu stehende Q u a r t i e r g e l d, in Höhe von 4^ in Anbetracht der großen Anforderunges, welche folge Kriegsausbruches an den Stadtsackel aestell werden, zur Verwendung für Arme zur Verfug g gestellt. — Gewiß eine schone Handlungsweise, welche Nachahmung verdient.
):( Hersfeld, 7. Dez. (Aus de» Verlustlisten^)
Jakob Herg^rt,'Hersfeld, I. v. - Zr -Re Wilhelm Kleinkauf, Reilos, schw. verw - Rest August Vogr, Obergeis, verw. — Res. Wilhelm HofmanmH s , verm. — Jakob Hebel, Kemmerode gef. - Gesr. Jaroo Henkel, Asbach, l. v. - Res. -Bernhard Lowenberg Schenklengsfeld, l. v. - Wehrm. Andreas Dopest Obergeis, gef. — Wehrm. Heinrich Kühn, Eitrch g l- Wehrm. Wilhelm Schuch, Kr^heim, gef. • Joh. Götz, Herfa, gef. - Wehrm. Heinrich jg Mecklar, schw. v. - Wehrm. Konrad Schuster, ~t>er
geis, schw. verw. — Gefr. Georg Werner, Bengendorf, verm. — Wehrm. Heinrich König, Kirchheim, verm. — Wehrm. Karl Bock, Oberhann, verm. — Res. Heinrich Strauch Obergeis, verm. —
Wanfried, 4. Dezember. In der Nähe des hiesigen Bahnhofs wurde heute nacht ein Mann, welcher die Geleise überschreiten wollte, von einem Zuge erfaßt, überfahren und auf der Stelle getötet. Wie festgestellt wurde, heißt der Getötete Kaufhold und stammt aus Hildebrandshausen.
Eine Bestie in Menschengestalt.
Aus Nordfrankreich erhält die Cass. A. Z. von einem Kriegsteilnehmer folgenden Feldpostbrief:
Es war nach der Erstürmung von H . . . Etwa 1,2 Stunde war das Dorf schon im Besitze der Deutschen. Der Feind hatte sich etwa 1—2 Kilometer zurückgezogen und jenseits des Dorfes an einem Waldrande eine neue Stellung bezogen. Hunderte von Leichen bedeckten den Boden, hell leuchtete der Schein des brennenden Dorfes über das Schlachtfeld.
Nachdem alle Häuser der genommenen Ortschaft von den Unsrigen durchsucht waren, erhielt ein Feldwebel den Befehl, mit einem Gefreiten und 3 Mann das Schlachtfeld abzupatrouillieren und die neuen Stellungen des Feindes zu erkunden.
Wir machten uns sofort auf den Weg. Die Krankenträger, sowohl die unsrigen, als auch die feindlichen, waren schon eifrig an der Arbeit. Die französischen Ambulanzen trachteten vornehmlich danach, möglichst nur Verwundete ihrer Nation abzutrans- portieren, nahmen jedoch auch mitunter deutsche mit. Ebenso ging es auf unserer Seite. Hier und da fand auch ein Austausch zwischen deutschen und französischen
Verwundeten statt.
Nach einigen hundert Metern Wegs trafen wir mit anderen Patrouillen zusammen, mit denen wir unsere Beobachtungen austauschten.
Auch viele Engländer, sowohl Tote als auch Verwundete lagen am Boden. Plötzlich wurden wir auf ein Geräusch aufmerksam, welches aus einiger Entfernung hörbar wurde. Es war ein verwundeter englischer Infanterist, der vor Schmerzen stöhnte und fortwährend nach Wasser verlangte. Einer unserer Begleiter reichte ihm seine Feldflasche hin, deren Rest er mit einem Zug austrank. Nachdem wir noch seine Lage verbessert hatten, wandten wir uns zum Gehen. Doch noch keine 10 Schritt waren wir gegangen, als binter uns ein Schuß krachte. Leider traf auch, die Kugel ihr Ziel, das ihr das Auge des hinterlistigen Schützen gegeben hatte. Einer unserer Kameraden stürzte tot zu Boden, von der Kugel des schurklgen Engländers durch den Kopf getroffen. Doch da kannte auch unsere Wut keine Grenzen mehr. Der Feldwebel zog den Degen und gab dem verruchten Meuchelmörder den Todesstoß. Leider war unserem Kameraden nicht mehr zu helfen. Schon in wenigen Sekunden war er verschieden.
Als wir dann danach den englischen „Ehrenmann einmal etwas näher untersuchten, entdeckten wir außer verschiedenen Brustbeuteln mit namMten Geldbeträgen, nicht weniger als 20 wertvolle Ringe und 6 frisch abgeschnittene Finger mit Ringen bei ihm die er, wie sich am anderen Morgen beim Ve- araben der Toten herausstellte, den umliegenden Ge- aUenen und Verwundeten, ganz gleich, ob sie noch
allenen und «erwunoerea, ebten oder schon tot waren, abgeschnitten hatte.
Durch die Lupe.
(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)
Gebern Feinde stolz gewachsen - sieht im fernen Russisch-Polen — man die tapf ren deutschen Heere — Mw Entscheidungsschlag ausholen. - Unsre Krwgsbe- rsihterstatter - kü in kurzer Frist - auf dem Kampfplatz gegen Rußland — großes zu erwarten ist, __daß auch Oesterreichs tapfre scharen — Stetes mal mit viel Geschick - in die Kämpfe e»ngegriffen, - und mit reichem Waffenglück. — — — Serbien liegt tau am Boden - halb unbrauchbar ist sein Heer, - gegen Oesterreich vor^uaeben, — daran denkt es langst nicht mehr - nur verzweifelt wehrt es jetzt noch - von sich ab das Strafgericht, — Doch schon heute scheint es sicher — es entgeht der Strafe nicht. —--Auch der Russe sieht entschwinden — seine Macht aus dem Balkan, - den Neutralen drohen wollen, - wie er früher es getan, — hat er langst schon aufgehoben, — weil ihm kein Erfolg erblüht, - weil in Bukarest und Sofia - niemand Rußlands Karren zieht - England schließlich das am meisten — stets bisher das Maul aufriß, — sieht schon heute seine Herrschaft — in AegYPten ungewiß, - sieht schon jetzt die Flammen lodern, - die der Islam dort entfacht, - die mit scharfen Zähnen nagen — an der einst so festen Macht.
— Selbst der Franzmann muß erleben, daß in seinen Kolonien — die Empörung und der Aufruhr — immer weit're Kreise zieh'n. — Darum mag mau ohne Sorge — und mit hoffendem Vertrau'» — der Entwicklung dieses Krieges — unsrerseits entgegenschau'n, — wenn auch nicht in kurzen Wochen — schließlich die Entscheidung naht, - einmal wird es doch gelingen — unsrer Feinde- Neidersaat — bis zur Wurzel auszu- rotten, — zu vertilgen all' die Nattern, bis in halb Europas Städten — Deutschlands, Oesterreichs Fahnen flattern. Walter-Walter.
3m Schützengraben im Argonnenwald.
Tief verschanzt im Schützengraben, Kahles Dickicht ringsumher, Liegen wir schon viele Wochen, Unserm Vaterland zur Wehr.
Minen krachen, Kugeln pfeifen, Und GranateNjschlager» ein, Selbst der großen Mörser Krachen, Hört man von^Verdun herein.
Viele Tage sind vergangen, Seit man dieses Schauspiel sieht,
Tag und Nacht sind wir gestanden, Haben nach bem Feind gezielt.
Doch nach dieser langen Dauer, Hatt uns nichts mehr ganz entzückt,
Uns ergreift ein kühler Schauer, Alles ist entzwei geknickt
Armer Franzmann, bu^wirft staunen, Wenn du deine Heimat siehst,
Die ob deiner üblen Launen, Deutsche Artillrie beschießt.
Selbst ihr ärmesten Bewohner
Seid an diesem Greuel schuld, Die uns, sonst bekannt als Schoner, Hat entrissen die Geduld.
Darum sind -auch wir gekommen
Zu dem Roten Hosenmann,
Haben alles weggenommen, Was man eben nehmen kann.
Doch welch ein Trost hier für uns Krieger, Gehet der Gedank an Euch zurück,
Die ihr beschenkt mit Liebesgütern, So manchen der verlassen ist.
So manche Sehnsucht nach der Heimat Ermuntert unsern schweren Stand, So mancher nimmt zur Abendstunde Noch Rückblick in sein Vaterland.
Wo noch kein Aestchen.ist zerbogen, Und noch kein Stein von» andern fiel, Wo noch sein Feind das Land durchzogen, Ihr, meine Lieben, das ist viel.
Ihr. habt noch Frucht genug zu Hause,
Und alles, was ihr nötig habt, Dagegen hier im Feindeslande
Ist nichts als ein Soldatengrab.
Die Dörfer sind zu Schutt geworden, Die Saat ist in die Erd gedrückt,
Das Vieh schon längst geschlachtet warben Und auch das Obst ist abgepflückt.
Der Hunger wächst an allen Enden
Und Elend herrscht bald überall,
Die kleinen wie die großer» Hütten, Verwendet man als Krankensaal.
Darum seid ihr auch, ihr Lieben, Von keiner solchen Not bedrückt,
Wie dieses Land, wo wir hier liegen Das sich seither Frankreich genannt.
Drum wollen wir in guter Hoffnung
Mit festem Mut und Gottvertraun Nur vorwärts unsre Bahnen lenken, Und stets 311 Gott empor nur schaun.
Denn er ists, dem wirs zu verdanken, Der unsre Schlacht geleitet hat,
Der an der Spitze stets gestanden, Ihr» danken wir es früh und spat,
Bet' ihr auch für uns arme Krieger, Die hier sind im Argonnenwald,
Sie möchte» ziehn zur Heimat wieder, Auf Wiedersehn zur Weihnachtszeit!
Untffz. b. Res. Sauer, 12/128.
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!