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Srleasallerlei.

Ei« österreichischer Orden für Prinz Joachim

Dem Prinzen Joachim von Preußen ist für 'seine Tapferkeit im Gefecht bei Kutno vom Kaiser Fran? S? das österreichisch-ungarische MilitärverdienW der Kriegsdekoration verliehen worden. Der Prinz be­sitzt bereits das Eiserne Kreuz erster Klasse *

General v. Woyrsch Generaloberst.

Wie dieSchlesische Zeitung" berichtet, hat der Ge­neral der Infanterie v. Woyrsch, der vom Kaiser anläß­lich seiner Anwesenheit bei der ihm unterstelltenArmee- abteilung zum Generalobersten ernannt wurde, dies dem Oberpraslüenten der Provinz Schlesien in einem Briefe mitgeterlt, in dem es heißt:... Ich weiß es und bin stolz darauf, daß ich diese er neu ÄS

bin stolz darauf, datz ich diese erneute Auszeichnung lediglich der allergnadigsten Anerkennung der guten Leistungen meines braven Landwehrkorps zn verdanken habe, das treue Wacht hält an der Grenze unserer lieben Heimatprovmz Schlesien."

Zar Nikolaus besucht Verwundete.

Der Kaiser von Rußland hat die aktive Armee Ver­lagen und begibt sich nach verschiedenen Städten Mittel- und Südrutzlands, um Verwundete zu besuchen.

Feindliche Fliegerbomben bei Freibnrg (Breisgau).

Feindliche Flieger warfen Freitag mittag in der Nähe von Freiburg (Breisgau Bomben ab, anscheinend vier. Es schien auf einen Bahnübergang abgesehen zu sein.

948 gefallene Juristen.

948 Juristen sowie Reichs- und Verwaltungsbe­amte sind bisher nach der Statistik der Deutschen Juri- sten-Zeitung auf Grund des amtlichen Materials im Kriege gefallen. Darunter befinden sich 6 Rechtslehrer, 212 Räte aus Ministerien, höhere Rechnungs- und Ver­waltungsbeamte, Richter, Staatsanwälte, 178 Rechtsan­wälte 260 Assessoren, 292 Referendare usw.

Drei englische Uniformfabriken in die Lnst geslogen.

DemCorriere della Sera" wird aus London ge­meldet: In der Nähe von Bradfort fand am Donners­tag eine Explosion in drei Fabriken statt, die Khaki­uniformen verfertigen. Die Fabriken flogen in die Luft. Ein Gebäude in der Nähe der Fabriken wurde zer­trümmert und alle Häuser in einem Umkreise von meh­reren Meilen schwer beschädigt. Da die Explosion wäh­rend der Frühstückszeit stattfand, wurden nur zehn Per­sonen getötet und fünfzehn verwundet. Einige von die­sen arbeiteten eine halbe Meile von dem Unglücksort entfernt.

Englands Zeppelin-Angst.

Welche Aufregung die von den Luftschiffen drohende Gefahr in England verursacht, geht aus den Erörterun­gen über die neuen Vervollkommnungen der Zeppeline hervor. Man will wissen, die Deutschen hätten ein Gas entdeckt, das nur ein Fünfzehnte! von der Schwere des Wasserstoffs habe, und ein Metall, das ebenso starr sei wie Stahl und nur ein Drittel so schwer wie Aluminium. Man hat sich nun an den berühmten Chemiker Sir Wil­liam Ramsey gewandt, und der antwortete beruhigend, datz es ganz gewiß kein Gas und auch kein brauchbares Metall von so geringem Gewicht gebe. Das wird sich wohl buchstäblich so verhalten: welcher Art die Ver­besserungen der deutschen Luftschiffe sind, das braucht das Ausland vorläufig auch nicht zu wissen. Nach einer andern Richtung aber geht Ramsey jedenfalls irre. Er ftfU in betreff der Bombenwürfe hinzugefügt haben: Das ist kein Krieg, das ist Mord, und aus Mord steht der Galgen. Wenn es allgemein bekannt gemacht wird, daß die Beteiligung an einer Zeppelinbemannung diese Strafe nach sich zieht, so wird sich niemand mehr zu so barbarischen Abenteuern hergeben." Der berühmte Chemiker hat von völkerrechtlichen Begriffen keine Ah­nung, sonst wüßte er, daß solche Bombenwürfe aner­kannt statthafte Mittel der Kriegführung sind: auch hat er vergessen, daß englische (und französische) Flugzeuge Bomben auf deutsche Städte abgeworfen haben. Ferner könnte er sich sagen, daß Deutschland Gelegenheit genug haben würde, Vergeltung zu üben wegenermordeter deutscher Kriegsgefangener" denn so würden die ge­henkten oder sonst als Gefangene vom Leben zum Tode gebrachten deutschen Luftschiffer zu bezeichnen sein.

Englands Spionsgrnsel.

Aus Melbourne meldet das Reutersche Bureau: In dem Besitz eines naturalisierten deutschen Professors, der vor kurzem Australien mit einer Gesellschaft Ge­lehrter besucht hat, wurde eine gewisse Menge Waffen und Dum-Dum-Geschosse gefunden. Er wurde verhaftet, als er im Begriff war, abzureisen. Er hatte in seinen Unterkleidern wertvolle militärische Aktenstücke ver­borgen. Gegenwärtig ist er interniert. Bei mehreren Deutschen sind militärische Skizzen gefunden worden. (Es ist kaum etwas Alberneres zu erfinden als das Vor­stehende, in dem man wieder einen Beleg, einmal für die Berichterstattung des Reuterschen Bureaus und zum andern für die Voraussetzung der geistigen Minderwer­tigkeit bei den Lesern der englischen Wett erblicken kann, denen man solche Dinge zu glauben zumutet.)

Aus einem englischen Gefangenenlager.

Im Konzentrationslager zu Lancaster, wo ungefähr 2000 Deutsche und Oesterreicher gefangen gehalten wer­den, ist es Mittwoch mittag, nach einer Meldung der Franks. Ztg.", wieder zu einer Aufruhrszene gekom­men, als einer der Gefangenen, her beweisen konnte, daß er Franzose von Geburt sei, und her vorgab, im fran­zösischen Heer Dienst nehmen S» wollen, die Erlaubnis erbtest das Laaer zu verlassen. Er rühmte lich voryer, daß er'aus der Gefangenschaft befreit werde, was Anlay gegeben habe' daß von allen Seiten auf ihn eingedrungen und er mißhandelt wurde. Hierauf griff die Wache ml gefälltem Bajonett ein und verwundete eine Anzahl der Gefangenen.

Ein weiblicher Rekrut.

in SÄWäM

^infferfntrn SJlit anderen ostpreußischen Flüchtlingen EMBÄ

ihrer Mitmenschen zu leben, widerstrebte ihr. Kurz ent­schlossen ließ sie sich die Haare schneiden, verschaffte^ßch lft?t diesen wurde sie dort eingekleidet, bezog mit Vitt^e - quartier, machte die militärischen Mbungen und Marich^ mit, ohne daß man in dem.Uschen, zarten Rurur ein Mädchen vermutete. Endlich gelang es ihr nicht meyr, em Smm mantite ReWeKft inJ'^eSitUntii ®n< FA.SMW»

Politische Rundschau.

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von Flotow aus Gesundheitsrücksichten einen längeren Urlaub antreten muß, hat Se. Mai. der Kaiser den Fürsten von Bülow mit der Führung der Geschäfte der Kaiserlichen Botschaft in Rom beauftragt. Fürst- low' der im 66. Lebensjahre steht, kehrt jetzt an die Stelle zurück, von der er im Jahre 1897 schied, um das Staats- letretariat des Auswärtigen zu übernehmen.

Kleine Iladiridifen.

Andenbura heißen. Aus Zabrze wird gemeldet: Die Gememdevertretung von Zabrze hat einstimmig beschlossen, die Umwandlung des Namens Zabrze in Hindenburg zu beantragen, und den Gene- ralfeldmarschall von Hindenburg telegraphisch um Zu­stimmung gebeten.

3^4 Jahre Zuchthaus für eine Gesundbeterin. Eine cmpftnbliche Strafe erhielt eine Gesundbeterin vor dem Schwurgericht Augsburg. Sie hatte zahlreiche arme Frauen in München und Augsburg bei der Ausübung ihres Gewerbes um ihr Letztes bestohlen und betrogen. Die Strafe lautete auf drei Jahre sechs Monate Zucht­haus und 300 Mark Geldstrafe.

Im letzten Augenblick vom Tode ereilt. Der auf den Möller-Schächten in Gladbeck i. W. beschäftigte acht­zehnjährige Bergmann Reidick wollte zum Militär ein- treten, um in Feindesland für sein Vaterland zu kämp- fen. Sein Wunsch hat sich nicht erfüllt. In der letzten Arbeitsschicht, zu der er in den Schacht fuhr, kam er durch einen Betriebsunfall zu Tode.

Er will keinen Verwundeten aufnehmen. Amtlich wird in Dtagdeburg folgendes mitgeteilt: Der Hausbe­sitzer, Friseur Adolf Wölkner hier, Bärstraste 5 wohn­haft, hat, trotzdem er bis jetzt noch keine Einquartierung gehabt hat, einen ihm vom städtischen Einquartierungs- bureau überwiefeuen verwundeten Soldaten nicht aus­genommen unter der Begründung, daß er keinen Platz und keine Zeit habe. Eine gutherzige, minder bemittelte Frau nahm sich des Verwundeten in liebevoller Weise an. Andernfalls wäre natürlich die Unterbringung auf Kosten des rücksichtslosen Hauswirts erfolgt.

Vermischtes.

Der kugelfeste Generalfeldmarschall. Man weiß, daß der fast 80jährige Graf Häseler bei den Soldaten im Ruf steht,kugelfest" zu sein, und es gibt sogar viele gebildete Feldgraue, denen dieUnverletzbarkeit" des alten Recken zu denken gibt. Es ist wiederholt vorge­kommen, daß er Infanterie-Angriffe in der Schützen­linie zu Pferd im Schritt mitgeritten hat. Während rechts und links die Schützenlinien von einer Gelände- deckung zur anderen sprungweise gebückt vorliefen und dabei trotzdem zum Teil erhebliche Verluste hatten, blieb der Feldmarschall und seine Begleiter, deren Silhouetten von weit her für den Feind erkennbar sein mußten, wie durch ein Wunder unverletzt, obgleich die Franzosen zeitweise sogar mit Maschinengewehren auf ihn ge­schossen haben. Die Schützengräben, in denen die In­fanterie tief in Deckung eingegraben liegt, hat er eben­falls oft, trotz des feindlichen Feuers im Schritt abge­ritten. Eine von Offizieren verbürgte Episode, die dem unerschrockenen Feldmarschall erst in den letzten Tagen passierte, scheint seineKugelfestigkeit" fast zu bestätigen. Graf Häseler war nach einem Gefecht zu einer Abteilung Feldgrauer geritten, die gerade dabei waren, etwa drei­hundert gefangen genommene Belgier zu entwaffnen. Plötzlich drückte ein Unterleutnant, durch das begeisterte Hurra der Leute auf die wichtige Persönlichkeit des eben angekommenen deutschen Generals aufmerksam gemacht, aus nächster Nähe eine Nepetierpistvle dreimal hinter­einander ab. Eine Kugel traf das Pferd, das sofort zu- sammenbrach, die zweite ging fehl, aber die dritte war in die Schulter des Grasen gegangen. Der hinterlistige Belgier wurde sofort unschädlich gemacht, aber der alte Feldmarschall besah nur mit einem mitleidigen Blick sein Reitpferd und erlöste es durch einen Schuß von seinen Qualen. Dann faßte er in die Schultergegend und holte eine plattgeschlagene Kugel hervor. Sie war auf die Schnalle seines Hosenträgers gegangen und da han­gen geblieben. Der Jubel der Soldaten laßt nch denken.

Sie Verluste unserer Feinde.

Ueber die Verluste unserer Feinde in den ersten vier Kriegsmonaten wird der KorrespondenzHeer und Po­litik" von militärischer Seite geschrieben:

In einem Teil der ausländischen Presse, so z. B. inHet Nieuws van den Dag" werden die deutschen Armaden über die Verluste unterer Feinde angezwei- felt Wir müssen uns bei unseren Mitteilungen bei der Anzahl der Gefangenen natürlich auf die betref­fenden Nachrichten der fremden Zeitungen verkästem Um aber die Sachlage für uns nicht günstiger zu oestal-

als sie tatsächlich ist, verwenden wir nur die Mit­teilungen, welche Blätter wieTimes",Corriere della Sera" und andere Zeitungen bringen, die wegen ihrer offenbaren Abneigung gegen Deutschland durchaus un- nertänlich sind. Die Angaben dieser Zeitungen sind nächstens für unsere Feinde günstig, sodaß uns kem Mensch den Vorwurf machen kann, wir hatten zuviel 0eia§L, hauptsächlichsten Verlust erlitten bisher die Russen Heute, nach den letzten schilleren Verlusten,

Russen in Polen gehabt haben, betragt die ^Lt?abl der russischen Verluste fast 1% Millionen Menschen In den beiden großen Schlachten in Ost- vreußen verloren sie 127 000 Gefangene, davon in Tan-

Q9nM und bei den masunschen <-een 3n000. Besten anderen Gefechten in Ostpreußen wurden 11000 A°k^-Up gemacht In den letzten Wochen matten mtrÄoo gefangene und in den Vorgefechten mehr als 25 000 Sie Äste an Toten und Verwundeten wa- itnneheiier betrugen sie doch in der Schlacht bei Taunenberg all^ Mann. Falsch ist Die An-

dieser Zahl bereits die Gefangenen ein- Kecknet'sindDie Gefangenen müssen besonders be- werden Die letzten Kämpfe in Polen kosteten

Rüsten allein ungefähr 115 000 Gefangene, wenn An die öste?reichische Beute mit einberechnet Be,on- Ä ^»6 waren die Verluste bei der ersten Bestürmung von BzemK Sie betrugen rund 50 000 Mann, all diese Kämpfe zusammen, dann ergibt SS Sanngenen, loten und Verwundeten 1» Mtl-

lionen Manm 3jü^en Verluste berichtet der Corriere della Sera", daß das französische Heer bisher mindestens 50 Prozent an Toten, Verwundeten und Banaenen hatte. Es sollen fast eine Million fein. Zenn man di? Gefangenen abrechnet, die sich auf rund ÄS teufen Sie »elgU«c Settafte tHÄ ÄÄ ÄinÄ RuL. mer vom 2 Dezeuiber, daß allein in der Schlacht in Flandern England einen Verlust von 50000 Mann aus-

zuweisen hat. Wir wissen, daß die Verluste Englands in dieser Schlacht größer sind, da besonders die indischen Truppen ungeheure Verluste hatten. Aber selbst die Angaben derTimes" als wahrgenommen, hat England schon 130 000 Mann verloren. Das ist für die geringe Anzahl von Truppen recht beträchtlich. Insgesamt kann man annehmen, daß unsere Feinde bisher einen Ge- samtverlust von 2% Millionen Mann gehabt haben, der allerdings wieder durch die Heilung einer großen Anzahl Verwundeter eine Einschränkung erfahren hat. Die un­geheuren russischen Verluste, die in jedem kleinen Tref­fen beträchtlich wachset!, kommen auch in der Tatsache zum Ausdruck, daß Rußland bereits seinen unausgebil- deten Landsturm einberufeu hat.

Sie tapferen Sieben

gegen- if Lyck

Aus Ostpreußen wird demHanu. Kur." geschrieben: Als sich im August die kleine deutsche Besatzung Lycks vor den anrückenden russischen Truppen zurückziehen mußte, geschah es so schnell, daß es nicht mehr möglich war, einen Außenposten davon rechtzeitig zu benachrich­tigen. Die sieben Mann sahen deshalb kurz nach Mit­tag eine große Truppenmacht vor sich, die den gegen­überliegenden Wald belebte und anscheinend aus Lyck vorrückte. Trotzdem harrten sie an ihrem Brücken- posten alls. Eine russische Vorhut, die ivvhl das Ge­lände erkundete, wurde mit Schnellfeuer begrüßt. Die Russen glaubten, einen größeren deutschen Posten vor sich zu haben und zogen sich wieder in den Wald zurück. Ein zweiter Vorstoß von den Russen wurde von den Sieben mit derselben Bravour abgeschlagen. In die­sem Kampf wurde jedoch auch einer von den sieben Brückenwächtern verwundet. Als es Abend geworden ivar, glaubten die sieben Wackeren, da am Walde schier unübersehbare Truppenmassen auftauchten, doch besser zu tun, sich in die Stadt znrückzuzieben. Der verwun­dete Kamerad wurde von ihnen in die Stadt getragen. Diese war zu ihrem Erstaunen aber bereits von ihrem Truppenteil geräumt. Ihr Versuch, ihm nachzueilen, wurde vereitelt, weil sie alle Straßenausgänge von den Russen besetzt fanden. Sie saßen nun in der Falle und mußten damit rechnen, in russische Gefangenschaft zn geraten. Da halfen jedoch die Lycker. Der Verwundete wurde schnell ins Lazarett geschafft, und die übrigen sechs verbarg eine Bäckersfrau in ihrem tiefen, schwer auffindbaren Keller. Erst am nächsten Morgen rückten die Russen in Lyck ein. Sie waren erstaunt, kein deut­sches Militär mehr vorzufinden. ........ ten, hatten sie geglaubt, die St>

Wie sie selbst erzähl­ten, hatten sie geglaubt, die Stadt crovern zu müssen. Die sieben Brückenwächter hatten sie mit ihrem Schnell­feuer derart getäuscht, daß sie eine größere deutsche Truppenmacht vor sich zu haben glaubten, und es des­halb vorgezogen, nicht noch, ivie es zuerst geplant worden war, am vergangenen Abend in Lyck einzurttcken. Nun wurden alle Ecken und Winkel der Stadt nach versteck­ten deutschen Soldaten durchsucht. Die sechs im Bäcker- keller wurden jedoch nicht gefunden: Die Bäckersfrau wachte für ihre Schutzbefohlenen. C. ../..:. " nicht nur mit Essen, sondern beschaffte ihnen auch Z kleider. Da die Russenherrschaft in Lnck aber noch lange zu dauern schien, war es nicht möglich, die Soldaten immer im Keller zu verbergen. Es wurden daher Hand-

Sie versorgte sie 1 ihnen auch Zivil­

werfer gewonnen, die sich bereit erklärten, sie als Ge­sellen einzustellen. Der eine wurde Bäcker, der andere Schuhmacher, der dritte Tischler usw. Verstanden sie das angenommene Handwerk auch nicht, so machten sie sich doch nützlich, so gut es ging, und vor allem: sie konnten den Russen ruhig unter die Augen treten. Als dann die Befreier Lycks in die Stadt ein zogen, schlüpften die Sechs schleunigst wieder in ihre Uniformen und meldeten sich dem Oberst. Der alte Soldat lächelte, klopfte die ehrsame Bäckersfrau auf die Schulter:Das haben Sie brav gemacht V sagte er. Dieses Lob war der wackeren Frau der schönste Lohn, den sie je im Leben erhalten hatte._____________________________________________

3tn Ueberschwemmunnsgehiet her gier.

Ein Gefreiter aus einem im Ueberschwemmungs- gebter des Vier stehenden Pionierbataillon gibt im B. T." in einem Feldpostbrief von seiner Lage fol­gende Schilderung: Nach furchtbaren Kämpfen und hei­ßer Arbeit war es uns gelungen, in dieser wasserreichen Gegend vorwärts zu kommen. Eines Abends wollte sich alles zur Rllhe begeben, viele schliefen anch schon, als wir plötzlich unter Wasser gesetzt wurden, und zwar mit solcher Gewalt, daß wir binnen einiger Minuten bis an die Knie im Wasser standen. Was blieb uns nun anderes übrig, als zurückzugehen, denn die Feinde hatten an der See alle Schleusen aufgemacht und woll= ten uns so ertrinken lassen. Am Morgen, als wieder Ebbe eintrat, wagten sie es sogar, auf uns einen Sturm-

angriff zu unternehmen, und mitHot" und Trom­peten erstürmten sie den leeren Schützengraben, denn wir lagen ja ein ganzes Stück zurück und hatten ihnen den Plan gründlich versalzen. Als wieder Flut kam, sahen wir von den Feinden Tote und Verwundete zu Hunderten schwimmen, aber auch manchen von uns . . . Ich bin am liebsten mit vorn, womöglich heißt es noch, ich will mich drücken, nein, immer vorn will ich sein, um meine Pflicht zu erfüllen. Nun sitzen wir hier, ha­ben nichts zu essen, kein Wasser ist zu kriegen, und Hunger haben wir, daß einem der Magen knurrt, als wenn im Bauch Kegel gefpielt wird. Kein Licht darf brennen, überhaupt kein Feuer, sogar jedes Gepolter ' t Nagel eingeschlagen

soll vermieden werden. Wenn ein Nagel etngefchlagen wird, muß erst Moos oder Tuch unter das Holz ge­packt werden, also alles umständlich, aber wir kriegen die Feinde so sachte klein. Heute haben unsere braven Regimenter . . . sich erlaubt, 000 Franzosen und das Regiment . . . 1000 von derselben Sorte gefangen zu nehmen. Ich schreibe diesen Brief in der Pause, habe sechsmal angefangen, immer mußte ich wieder weg, des­halb bitte ich Euch, doch A. sie s die Briese zu geben, damit sie alles zu hören bekommt und sich nicht ängstigt, denn das muß ich für die größte Torheit halten, daß Ihr Euch um mich ängstigt. Die Hauptsache ist hier, daß ich meine Pflicht tue, alles andere ist Nebensache. Ich liege hier in meinem Bett und schreibe auch hier, am Tage hatte ich keine Zeit. Nun werdet Ihr denken: Im Bett, ja, ist ja schön! Ja, aber was. für ein Bett. Da wenig Platz ist, bekommt jeder ein Stück Wald, zwei Meter lang, 80 Zentimeter breit. Da wird ein Loch ge­graben, dann Stroh hinein, den Mantel drauf, ein gu­tes Gewissen als Kopfkissen und ein Gebet als Ku- decke, da schläft man wie ein Graf. Nur darf das Koch nicht tiefer sein als 1,40 Meter, weil man in Notfällen gleich ichußbereit sein muß. Will man abends schreiben, wird 40 Zentimeter tiefer eine Decke gemacht. Dann kann man denn Licht brennen, sodaß es die Franzosen nicht sehen, aber auf dem Bauche muß man liegen, wenn man schreibt, so wie ich es jetzt tue, es ist sehr um- ständlich, aber es geht.

Weitere Drahtnachrichten«

Bergwerksnnattick in Japan.

** Hokkatto, 5. Dezember. (WTB.) Bei einem Bergwerksunglück wurden 437 Personen getötet.