Einzelbild herunterladen
 
  

Sersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei .Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Miller

für den Kreis Hersfeld

Wlott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernfprech-Nnschluh Nr. 8

Nr. 888. Sonntag, den 8. Dezember 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Aus der Heimat«

* Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augenblickliche Be­urteilung der Kriegslage wie für die spätere Ge­schichtsschreibung, gehen aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zuständige Stelle ist in unserer Provinz das Rektorat der Uni­versität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeines Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden; die Einsender mögen deshalb angeben, was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Be­wohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Umfange nachkommen werden.

):( Hersfeld, 4. Dezember. Die diesjährigen Generalversammlungen des Verbandes der landwirt­schaftlichen Genossenschaften und der Zentral- genoffenschaftskasse für den Regierungsbezirk Capel und angrenzende Gebiete fanden am 28. November d. I. in den Stadtsälen zu Marburg unter zahlreicher Beteiligung statt. Herr Verbandsdirektor Böhm- Cassel eröffnete nach einer patriotischen Ansprache bte Versammlung und erstattete einen erschöpfenden Jahresbericht, aus dem hervorging, daß die Zahl der Mitglieder auf 11000 gestiegen und die Entwicklung der Genossenschaften eine sehr gute ist. Der Krieg habe bis heute in keiner Weise nachteilig auf die Genosten- schasten eingewirkt, diese seien in der gegenwärtigen ernsten Zeit vielmehr den Mitgliedern zu einer starken wirtschaftlichen Stütze geworden. Wie groß das Ver­trauen zu den Genossenschaften sei, habe bei Ausbruch des Krieges die geringe Abhebung der Sparguthaben und seitdem der überaus große Zufluß von Sparein-

e=

des Krieges die geringe Abhebung der Sparguthaben und seitdem der überaus große Zufluß von Sparein­lagen bewiesen. Der Gesamtumsatz betrug 54 Millionen und das eigene Vermögen stieg auf 1,6 Millionen Mark. Der Bericht des Herrn Verbandsrevisors Henke über die bei den Genossenschaften vorgenommenen Revisionen wurde mit Beifall ausgenommen. Nach Erstattung des Berichts über die vorgenommene Prüfung der Jahresrechnung und Bilanz, die in allen Teilen, aber ganz besonders ihres rechnerischen Er­gebnisses wegen sehr befriedigte, wurde der Vorstand ohne Debatte wegen seiner Geschäftsführung entlastet. In den Aufsichtsrat der Zentralgenossenschaftskasse wurde an Stelle des ausgeschiedenen Herr Albracht - Bühle Herr Gutsbesitzer Ritter - Asterode ge­wählt, im übrigen fanden Aenderungen in der B setzung der Vorstands- und Aufsichtsratsämter nicht statt. Der Vertreter des Reichsverbandes der deutschen landw. Genossenschaften Berlin hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen einstündigen Vortrag über das Thema:Der Krieg und die Landwirtschaft und führte in vortrefflicher Weise vor Augen, welche Auf gaben besonders in der gegenwärtigen ernsten Zeit der Landwirtschaft auf produktivem Gebiete zufallen. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Bürgermeisters Massie Niederzwehren erreichte die schön verlaufene Tagung ihr Ende.

):( HerSfeld, 5. Dezember. ZV e r m i ß t.) «ermißt werden: 1. der Wehrmann Heinrich Craß, 3. Ersatz- Kompagnie Jnf.-Regt. 167, ist im September von Cassel abgerückt und unterwegs entweder zum 99 oder 148. Jnf.-Regt. versetzt. Seit 24. September hat seine Frau nichts wieder von ihm gehört. 2. Johann Heinrich Röß ist mit einem Ersatz-Kommando dem Jäger-Baillon 9tr. 11 in Marburg nachgesandt worden und hat auch seit Anfang Oktober kein Lebenszeichen mehr gegeben. Alle Kameraden, welche irgend eine Auskunft über den Verbleib der Genannten zu geben imstande sind, werden herzlich hierum gebeten und zwar an Frau Röß> Kalkobes bei Hersfeld, Frau Craß, Hersfeld, Untere Frauenstraße 14.

):( Hersfeld, 5. Dezember. Zum Oberleutnant be- sördert wurde Leutnant L e i ch t e n st e rn ?m Feld.- Art.-Regt. Nr. 83, kommandiert zur Dienstleistung als Jnfp.-Offizier für die Verstärkung der hiesigen Krlcas- Ichnle, zuM Oberstabsarzt der Stabsarzt der Res. Tr.

M a tz d o r f Res.Jnf.-Regt. 71.

Rotenburg a. Fulda, 4. Dezember. (An schweres Vrandunglück hat sich am gestrigen Nachmittage in dem benachbarten Dorfe Lispenhausen ereignet. Bet einer Feuersbrunst, welche in dem Wohnhause des Tagelöhners Heinrich Becker plötzlich entstanden war, erlitt das zweijährige Kind der Eheleute Becker der­

artig schwere Brandwunden, daß es trotz aller ärzt­lichen Hilfe nach kurzer Zeit seinen Verletzungen erlegen ist.

Cassel, 4. Dezember. In der Schönfelder Straße gerieten gestern nachmittag zwei Schuljungen im Alter von 10 und 11 Jahren in einen Streit. Dabei zog plötzlich der erst 10 Jahre alte Sohn eines Schuh­machers ein Taschenmesser und versetzte seinem Gegner, dem 11 Jahre alten Sohn eines Arbeiters aus der Kochstratze, einen solchen wuchtigen Stich in die Schlag­ader des rechten Oberschenkels, daß ein Blutstrahl hoch aufspritzte und der Junge in Gefahr war, zu verbluten. Zum Glück kam gerade ein Eisenbahnbe­amter vorüber, der als Sanitäter ausgebildet ist. Er legte schnell einen Notverband an. Ein Arzt ordnete dann die Ueberführung des verletzten Knaben in das Diakonissenhaus an. Außer der schweren hat der Junge noch zwei weitere geringfügige Messerstich- Verletzungen davongetragen.

Heringe«, 3. Dez. Schwergeprüft wurde die Familie Grütz in Herfa. Nachdem erst in voriger Woche bei ihr die Nachricht eintraf, daß kurz hintereinander zwei Söhne auf dem Felde der Ehren den Heldentod fanden, kam die traurige Nachricht, daß auch der dritte Sohn gefallen ist.

Oberaula, 4. Dez. Der Kgl. Forstassessor Otto Borgmann, Leutnant und Adjutant bei der Land­sturminspektion z. Zt. Rudzenny, erwarb sich auf dem östlichen Kriegsschauplatze das Eiserne Kreuz.

Marburg, 3. Dez. Dem Bürgermeisteramte in Neustadt ging von dem betreffenden Hauptmanu die Mitteilung zu, daß der Reservist Heinrich Lvtz gefallen sei. Beigefügt war die Nnaa^ des Ortes, sowie der Tag des Todes. Wie erstaunten aber die Angehörigen des angeblich Gefallenen, als dieselben eine Karte aus einem Berliner Lazarett erhielten, wodurch der Soldat mitteilt, daß er bei guter Pflege in Berlin sei, und hoffe in nicht zu ferner Zeit wieder bei ihnen zu sein. Lotz .hat einen Schuß erhalten, welcher oberhalb des Herzens den Körper durchbohrte und ohne lebens­gefährliche Verletzungen den Körper wieder verließ. Obige Tatsache zeigt wieder, daß Angehörige Gefallener oder Vermißter doch nicht alle Hoffnung zu begraben brauchen.

Wanfrieb, 4. Dezember. Gestern abend kurz nach Einfahrt des um 1/28 Uhr von Eschwege eintreffenden Zuges wurde beim Bahnübergang eine männliche Leiche aufgefunden, der der Kopf abgefahren war. Neben der Leiche stand der Regenschirm mit aufge- hänatem Hut. Die Person des Toten wurde als die des Landwirts Karl Kaufhold aus Hildebrandshausen festgestellt. Nach Lage der Sache liegt unzwenAhaft Selbstmord vor. Schon seit Jahren machten sich bei ihm Spuren von Geistesstörung bemerklich.

Saalfeld (Thüringen), 4. Dezember. Hier wurde sestaesteüt daß gegen 1500 Zentner Kartoffeln ver- fügbar sind. Wenn die Besitzer diese jetzt nicht zum Ver­kauf bringen, soll die Polizei entschreiten.

Hann.-Miinden, 4. Dezember. In Hess. Steinberg stürzte heute vormittag der Kohlenverlader Sauer tn ben drei Meter tiefen Rutsch-Schacht, brach das Genick und war sofort tot.

Lanaenselbold, 2. Dezember. Dank der Opfer- williakeit Sr. Durchlaucht des Prinzen Alfons von 8»XM

U^.bVL"°N Ms-in^m Heimatblatt" gegründet worden, das den Kriegsteil­nehmern unentgeltlich zugefandt wub.

3 Dezember. Eine Auswechselung

Nmndn. W-r ünd SurM hier einigen.

aoiii.lkni.s-» 3. Dez. Die Stadtverordneten be­schlossen die neue Straße von der Feldmühle bis zur Kaserne'Hindenburgstraße" zu nennen.

^-»a 5 Dezember. Die Carl Zeißstiftung mininte % 000 m für einen neuen Lazarettzug der S adt Zena Me Gesamt betragen 40000 Mark. Den Rest bringen die Stadtgemeinde und bte Ein­wohnerschaft auf.

o D-r Der Arbeiter Sch. verletzte sich vor , *®0f'Aine?n rostigen Nagel. Trotzdem die Ver- lesuna anfänglich eine geringfügige war, mußte er dem KrankeAus zugeführt werden. Hier verstarb

be-

er heute.

Hana«, 3. Dezember. In dem Dorfe Ravolz-

hausen im Kreise Hanan sind in letzter Zeit in kurzer Folge verschiedene Brände ausgebrochen, beten Ent­stehung, wie ein Ausschreiben der Staatsanwaltschaft dartut, nur aus vorsätzliche Brandstiftung zurück- geführt werden kann. Auf die Entdeckung des Täters hat die Hessische Brandversicherungsaustalt in Cassel nunmehr eine Belohnung von 800 Mark ansaesetzt.

Hana«, 3. Dez. Prinz Wilhelm von Hessen ist von seiner Verwundung Brustschutz vollständig ge­nesen. Er hat sich zu seinem Regiment ins Feld zu- rückbegeben.

Winke für Liebesgaben.

Ein Landsturmmann, der die gewaltigen Märsche bis dicht vor Warschau mitgemacht hat, schreibt, wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung (Nr. 293) be­richtet, folgendes nach der Heimat:

Tiefgerührt sind wir von der liebevollen Sorgfalt, die unsere Frauen auf die Herstellung der gestrickten Liebesgaben verwendet haben, und gewiß wirb ihnen unser herzlicher Dank große Freude bereiten. Aber leider muß ich in diese Freude einen Tropfen Wermut hineinmischen. Die Leibbinden und Kniewärmer haben beim Infanteristen die unangenehme Eigenschaft zu rutschen, die ersteren nach oben, die letzteren nach unten. Da wir nun tage- und wochenlang keine Ge­legenheit hatten, uns umzukleiden, so bleibt einem, um sich von den drückenden Wülsten zu befreien, meist kein anderes Mittel übrig, als sie zu zerschneiden; und all die große Mühe war umsonst und die Liebes­gabe hat ihr«n Zweck versehlt. Darum, verehrte fleißige Frauen, laßt es Euch auf die paar Reihen von Schlingen, die jene (> .;:. Teile zu einer ganzen Unterhose vereinigen, nicht anfonunen, bann ist dem Rutschen abgeholfen und der Beschenkte, der bisher über die zwei Gegenstände nur geteilte Freude em­pfand, wird von der einen, ganzen Sache mit einer Freude und wirklichen Nutzen Gebrauch machen. Und nun zu den männlichen Gebern. Eure als Feldpost­brief gesandten Tabakpäckchen, die man wenigstens ab und zu einmal erhält, sind gewiß alles Dankes wert. Aber habt Ihr schon einmal bedacht, daß die Zigarre doch erst nach dem Kaffee schmeckt, und daß es noch wichtiger ist einen schmackhaften Kaffee zu haben? Hierzu fehlt es aber an Zucker. Wer tagaus, tagein zum Frühstück schwarzen, bitteren Kaffee mit trockenem Kommißbrot genießen muß, der empfindet es schon als eine hocherfreuliche Abwechselung, wenn er sich den Kaffee wenigstens hin und wieder einmal ver­süßen kann. Darnm bitte au Stelle der Zigarren- briese manchmal auch ein Päckchen Stückzucker. Schließlich noch ein dritter Wunsch. Der Hauptgrund, weshalb die Krieger sich so selten umkleiden können, ist der Mangel an Licht. Man kommt aus dem Schützengraben in die Dunkelheit zur Abwechselung in eine Ortsunterkunft. Mit Mühe fühlt man sich in dem unbekannten Raume zurecht, um einen Platz zum liegen zu erwischen. Der Raum ist knapp, einer liegt neben dem andern. Wollte man hier im Finsteren an ein Umkleiden und an ein Auspacken des Tornisters denken, so würden die Sachen im Stroh verschwinden. Noch vor dem Morgengrauen wird aber wieder ausgerückt. Ein Zusammensuchen ist dann auch nicht möglich. Um nun keine Verluste an den unersetzlichen Habseligkeiten zu erleiden, unter­läßt man den Wechsel und verschiebt die Gelegenheit dazu von einem Tage zum anderen. Darum bitte Kerzen, und nicht zu dünn, die im Brotbeutel beim Marsch zerbrechen, sondern hübsch dicke. Eine Kerze im Weihnachtspaket soll uns zudem noch den Lichter­glanz des ganzen Christbaumes ersetzen.

Coldatentod.

Auf sandigem Feld, im Sumpf und Moor Liegt ein Soldat nicht ausgefunden Zwei Tage und zwei Nächte schon Mit schweren Wunden unverbunden Durst ihn quält und fiebernd wild Im Todeskampf den Kopf erhoben. Ein letzter Traum, ein letztes Bild, Sein brechend Auge schaut nach oben, Die Sense klingt auf Schilf und Boden Er sieht sein Dorf im Arbeitsfrieden Ade, ade du Heimatland

Er beugt sein Haupt er ist verschieden. F. L.

Gedenket allzeit

des

Roten Kreuzes!