teilt* -äs Kriegsbericht zu E-enstöchau zu fünfzehn Jahren Zuchthaus. Bei der Ueberftthrung ins Zuchthaus Ratiöor entfloh Grotzbera, wurde aber nach vergeblichem Haltgebot von dem ihn begleitenden Wächter erschossen.
Abschlachtung von Flüchtlingsvieh.
Zur Abschlachtung der durch die Flucht der Besitzer in den Landestellen an der russischen Grenze herrenlos gewordnen Rinder, dre bisher zum großen Teil nach Berlin verschickt wurden, sind jetzt durch die Heeresverwaltung 15 Oberschlächter mit 35 Gesellen nach dem Osten geschickt worden In -er letzten Zeit sind, wie die „Allgemeine ,Fleischerzeitung" mitteilt, wöchentlich über 1000 solcher Tiere in Berlin geschlachtet worden. Naturgemäß waren alle diese Tiere in vollständig herabgekommenem Zustand. In ihren Mägen wurden vielfach die unverdaulichen Reste von Baumrinde und kleine Steine gefunden.
Spionage in Belgien.
Der Amsterdamer „Telegraaf" meldet, Bürgermeister Braun von Anseele sei mit mehreren angesehenen Bürgern als Geiseln festgenommen worden, da ein englischer Fliegerangriff und Bombenwurf auf verborgene Benzintanks in Gent unternommen worden sei und diese Tatsache der Tätigkeit von Spionen zugeschrieben werde. — In Ostende sollen laut „Handelsblad" 430 Personen, meist Engländer und Franzosen unter dem Berdacht verhaftet worden sein, den Verbündeten Spionendienste geleistet oder die englische Flotte durch Signalgebung unterstützt zu haben.
Die Lektion.
Aus Budapest wird der „Frankfurter Zeitung»" folgendes Kasernenhof-Geschichtchen erzählt: Ein Oberst kommt gerade dazu, wie ein Leutnant einen Rekruten, den er zu drillen hat, am Ohr zieht, und macht dem Temperamentvollen Vorwürfe, daß er jetzt mit den Men- schen, die ihr Leben dem Vaterlande opfern, so grob umgehe. Der Leutnant entschuldigt sich: „Der Kerl ist so dumm! Ich kann ihm nicht das Einfachste beibringen . . . . — „Man erreicht alles mit Geduld," entgegnete der Oberst und beginnt vor dem Leutnant die Arbeit selber. »Wie heißt der Oberst des Regiments?" fragte er den Rekruten. Prompte Antwort: „Jllosvay György." „Nein, Du irrst Dich. So hieß er früher. Jetzt ists ein anderer. Also wie heißt der?" Prompte Antwort: „Jllosvay György." Der Oberst wird etwas eindringlicher: „Du irrst, dieser Oberst ist tot und begraben. Sieh her, ich bin es, der jetzt Oberst ist. Ich heiße Ko- vacs Janos. Kovacs Janos heißt Dein Oberst. Also wie heißt Dein Oberst?" Prompte richtige Antwort: „Kovacs Janos." Der Oberst sieht den Leutnant triumphierend an, als wenn er sagen wollte: „Sehen Sie, es geht, wenn man nur will, und fragt den Rekruten weiter: „Und wie heißt denn Du?" Prompte Antwort: „Kovacs Janos." Der Oberst, ein wenig nervös: „So . . . so, und wie heißt Dein Vater?" Die gleiche Antwort: „Kovacs Janos." Nun verläßt selbst den Oberst die Ruhe: „Dummer Kerl!" schreit er und — haut dem Aermsten eine herunter ... Da salutiert der Leutnant und sagt dem Oberst: „Melde gehorsamst: Der Mann heißt wirklich so, wie der Herr Oberst selber, und sein
Vater heißt auch so!"
Fröhlicher Krieg.
In der „Kölnischen Volkszeitung" lesen wir eine von einem Kompagnieführer auf dem westlichen Kriegsschauplatz geschriebene Feldpostkarte, deren Form dem Orte der Herkunft entspricht, aber auch in ihrer frischen Kürze die echte Kriegsstimmung unserer Truppen getreu widerspiegelt: „Schützengraben, halb voll Wasser. Draußen schneit's, regnet's und schtetzts. Alan sticht, mordet, wirft Granaten unter Hurra und Donner. Wir sind naß wie junge Hunde, schmutzig wie Schweine, behaart wie Affen, singen 80 Meter vor dem Feinde und sind puppenlustig. Wir hausen in Erdhöhlen, die uns über dem Kopf zerschossen werden, kriechen wieder heraus wie Kaninchen, leben von Schweinen, Ochsen Hühnern, Gulasch, Reis. Schneiden uns die Haare treppen- förmig, schreiben bei Kerzenstummeln und kochen darauf zu gleicher Zeit. Sind wieder Urmenschen und hausen so. Freuen uns auf Bajonettangriff, da Luftveränderung. Wir kämpfen mit Engländern, Belgiern, Franzosen, Indern und andern mehr. Habe bereits lange das Eiserne Kreuz und lebe für König und Vaterland."
Politische Rundschau.
Mandatsnie-erleguug des Abg. Liebknecht? Im Reichstage verlautete, daß der Abg. Liebknecht nach den Vorgängen am Mittwoch beabsichtige, sein Mandat uie- derzulegen. Eine Bestätigung war bisher nicht zu erlangen. Jedenfalls hat er seine politische Rolle endgültig, auch in der Partei, ausgefptelt.
Nteoergeschlagenes Strafverfahren. Gegen den Abgeordneten Ledebour war wegen Aeußerungen über den Massenstreik eine Voruntersuchung wegen Verstoßes gegen 8 HO St.G.B. eingeleitet worden. Jetzt ist ihm von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt worden, daß durch Erlaß vom 13. v. M. das gerichtlich noch nicht einge- leitete Strafverfahren gegen ihn und drei Genosien wegen Bergehens gegen § 110 St.G.B. niedergeschlagen worden sei.
Kleine üadirldife»
Die Tat eines Geisteskranken. Meldungen aus dem niederrheinischen Orte Geröt zufolge hat der Kapitän a. D. Bernhard Krützberg sein Haus in Brand gesteckt. Vorher versuchte er seiner Schwiegertochter den Hals zu durchschneiden, brächte ihr jedoch nur lebensgefährliche Schnittwunden bei. Durch die Hilferufe der sc------ verletzten Frau wurden die Nachbarn aufmerkfan
liche Schnittwunden bei. Durch die Hilferufe der schwer- verletzten Frau wurden die Nachbarn aufmerttam und konnten sie aus dem brennenden Hause retten. Krütz- berg ist verschwunden. Man nimmt an, daß er in den
Weg e n" Brandst'iftung verurteilt. Am 25. November d. I zündett vor dem pfälzischen Orte Einselthum bei Kirchheimbolanden der 20jährige Dienstknecht Heinrich Läbr aus Niederhochstadt bet Landau einem Landwirt, bei dem er in Dienst stand, aus Rache die FeMeuer an. Der Schaden beträgt 12 öis 15 000 Mark. Das Standgericht ah Kaiserslautern verurteilte den Lahr wegen Brandstiftung zu neun Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Die Höhe der Strafe erklärt iich aus den für die Zeit des Kriegszustandes verschärften Etrasdesttmlnungen.
Ein Zllegerbries aus Dem Osten.
.Wir sitzen hier noch immer in dem herrlichen Schloß "hlen uns riesig wohl, und fehlen tut uns wtrk- L nur ^S Eine: der gute Wein geht zu Ende ch sehr bedauerlich. Gestern endlich waren et- M in den «SoIIm; die Gelegenheit mußte aus
genutzt werden. Zwei Flugzeuge sollten los, wir waren nicht an der Reihe. Es war ein wahnsinniger Wind. Auf einmal heißt es, Flugzeug . . .-. . . muß fliegen, da ein anderes nicht flugfähig war. Na, dann los. Ich mußte bei dem Gedanken lacyen, bei solchem Winde zu fliegen. Also fertig gemacht, unser liebes Maschinchen, das nun bereits schon sieben Schußlöcher besitzt, aus dem Zelt heraus, eingestiegen, meinem kleinen Äi-Ba- Bo guten Tag gesagt, und dann ging es fort.
Wenn ich bisher geglaubt, ich hätte Böen erlebt, W hatte ich mich allerdings geirrt, so etwas Unverschäm- tes von Böen hätte ich mir niemals vorgestellt, vor allem diese unangenehmen Vertikalböen! In 500 Meter- Höhe kamen wir so gut wie gar nicht vorwärts, ich sagte daher meinem Führer: „Es hat keinen Zweck, es ist zu starker Wind". Also runter. Wie wir landen, fragt uns lakonisch ein Abteilungsführer, weshalb wir landen. Ich meldete ihm, es sei ein derartiger Sturm, daß ich glaubte, nicht mehr znrückzukommen, da wir beim Rückstug Gegenwind hatten. Er meinte, es wäre nicht so schlmnn, wir würden es vielleicht doch schaffen. Na, das ich ließ ich mir nicht zweimal sagen. Also wieder hoch, nochmals diesen herrlichen Tanz.
Wie wir nun 800 Meter hoch waren, geschah etwas sehr Witziges: wir flogen nicht etwa vorwärts, nein, der Wind war so stark, daß wir ganz unmerklich rückwärts flogen. Wir stiegen deshalb immer höher und in 1000 Meter Höhe endlich kamen wir langsam vorwärts, und in 1100 Meter Höhe ging es so leidlich. Nun Kehrt und zur Allsführung des Auftrages. Mit Rückenwind ging es auf unser Ziel los. Wir kamen in dicke Wolken, drüber war ausgeschlossen, wäre auch weniger angenehm, also drunter. Schade, unsere schöne Höhe mußten wir aufgeben, also auf 700 Meter weiter. Da sah ich auch schon die erste russische Infanterie-Stellung, dahinter eine Halbbatterie und etwas weiter die nächste. Endlich, endlich eine große Wolkenlücke! Nun hieß es schleunigst wieder hoch, und unser liebes Maschinchen hatte in kurzer Zeit wieder 1200 Meter erreicht. Unten wynmelte es von Russen, in einzelnen Ortschaften war es schwarz von allen möglichen Truppen. Leider konnten wir nicht den ganzen Auftrag ausführen, da wieder mal unter uns in 800 Meter Höhe alles dick von Wolken war. Nichts war vom Erdboden zu sehen, alles graue Wolken, es ging nunmehr der Sonne nach ungefähr nach Hause.
Da — eine Wolkenlücke, Donnerwetter, ein Dorf, das stark befestigt ist mit Infanterie- und Artillerie- Werken, — Herrgott, wie mag das Dorf heißen! Ich hatte infolge der Wolken keine Ahnung, wo ich war, und da kamen schon wieder Wolken. Ich war wütend bet dem Gedanken, womöglich nicht herauszubringen, wie das Nest hieß. Zeit konnte ich nicht verlieren, kurz entschlossen machte ich eine große Schleife, das Wegenetz war schnell ausgezeichnet, ebenso die Stellung am Dorf, und kaum war ich fertig, so war schon alles von Wolken wieder verdeckt. Nun hatte ich Zeit, auf der Karte die Wege mit einer Skizze zu vergleichen, und Gott sei Dank, ich hab's gefunden! Da bekomme ich einen Schups von meinem Führer, ich drehe mich um, er deutet nach unten, ich kann nichts sehen als Wald und einen schmalen Weg. Er deutet nochmals, nun nehme ich mein Glas, und sehe unten alles voll von Kolonnen und Wagen. Also schleunigst aufnotiert.
Wieder nach einiger Zeit eine große Wolkenlücke. Da liegt eine Ortschaft, an der abgekocht wird, und auf allen Straßen, die hinführen, von Norden und Osten, lauter Kolonnen, Kavallerie ist auch dabei, aber nirgends Infanterie. Diese Russenbande versteckt sich nänu lich jedesmal, nun war noch dazu Wald da, daher war nichts von Infanterie zu sehen. Da vorne im Dorf steht aber doch etwas? Richtig, eine Kompagnie Infanterie, und wie wir näher kommen und sie uns jedenfalls bemerken, stellt sich alles ganz an die Häuser heran, dicht an die Mauern, und hätte ich sie nicht vorher gesehen, sie wären mir ganz sicher entgangen, denn jetzt war kaum noch etwas zu erkennen. Dann weiter ein kleiner Trupp, zwei Halbzüge, die bei unserer Annäherung sich ganz auf die Straße verstreuten und ein feines Feuer- chen auf uns eröffneten. Merkwürdigerweise diesmal kein Treffer.
Nun ging's direkt nach Hause. Dauerte das lange, bei dem Gegenwind, außerdem kamen wieder dicke Wolken. Als wir dann über eigenen Truppen waren, flogen wir unter den Wolken weiter, der Gleitflug war großartig. Jetzt waren wir wieder im schönen Böen- revier, so als Nachtisch. Bein, Gleitflug war es am tollsten, Donnerwetter, was wurden wer gesamtsten, vor allem auf und ab, seitwärts macht uns nichts mehr, daran gewöhnt man sich, aber diese unangenehmen Ber- ttkalböen! Wie wir gelandet waren, erfuhr ich, daß das andere Flugzeug, das auch starten sollte, Kehrt gemacht hatte, wegen der Wolken. Mütterchen, was hüpfte mein Herz vor Freude, wie weitete sich meine Brust bei dem Gedanken: „Du, Du, hast als Einziger durchgehalten und bringst so großartige Meldungen!" «chnell ins Auto zum Schloß, und eine eingehende Meldung abge- stattet. Dankbar schüttelte unser Abteilungsführer mir die Hand, alle gratulieren mir. Es war ein schöner Augttlblick, den ich so leicht nicht vergehe. . . ngc.
Staatssekretär Sols im Kugelregen.
Aus Brüssel wird dem „Berl. Lok.-Anz." von ®"6ÄÄÄ-: @WW«Mt Soli mit ein paar Herren m Auto nach Antwerpen, um sich dort einmal Ktegenen Augen umzusehen. Freilich konnte er auch nur konstatieren, was schon andere vor ihm gesehen hatten, nämlich, daß von Aufnahme des wirtschaftlichen Gebens noch keine Rede ist, wenn auch das straßenbild ein stellenweise recht belebtes ist. Von Antwerpen ging die Fahrt in das eigentliche Etappengebiet. Zunächst mal nach Brüaae, und von da an oie See. Man kam durch Ostende in das die Engländer von ihren Schiffen aus eben noch h nestigefunkt hatten. Wie man feststellen konnte —"ohne Sinn und Verstand, da die deutschen Stellungen absolut außer Schußweite lagen. Die Fahrt aina dann weiter bis Nienport, von wo man nach Dix- murden vorstoßen wollte. Jetzt kam der Wagen in bereits recht bedenkliches Gebiet. Man erkundigte sich bei ein p!ar Posten hinter einem Dörfchen namens Beest und erhielt die Antwort, ja, man könne wohl auf der ^“S SÄÄ Km fttni Minuten am», fer Straße entlang gerollt, als es plötzlich unheimlich zu pfeifen anfing. Es dauerte auch gewiß nicht sehr lange, bis die Insassen des Wagens merkten, was ihnen da mit erstaunlicher Hartnäcngkett an den Nasen vorbei- zischte. Zum ueberfluß kamen auch Schrapnells und klärten die Gemüter noch weiter auf. Man erkannte auch, daß man eine ausgezeichnete Scheibe bildete. Denn die Sachlage war diese: Die Chaussee geht wie ein leicht erhobener Damm durch das tiefer liegende Land. Unö sechshundert Meter von der Chaussee entfernt zogen sich varallelzuihr die englischen Schützengräben bin. auS
denen unausgesetzt auf das Auto gefeuert wurde. Eilt! verdammt ungemütliche Situation. Sie wurde kritisch, als plötzlich mit lautem Knall ein Reifen platzte. Eine Kugel hatte den Weg hindurch gefunden. In solchem Augenblick bremst jeder Chauffeur, das ist nun mal so. Also der Wagen hält, und der Chauffeur springt ab, um sich — unter dem Kugelregen — den Schaden zu besehen. Es geht doch nichts über das berufliche Interesse. Der Chauffeur kümmert sich eben um sein ka- pntes Rad. Na. der Wagen hätte nun wirklich eine ordentliche Minute zu halten brauchen — und der Kladderadatsch war fertig. Eine bessere Zielscheibe konnten sich die Engländer gar nicht wünschen als den Wagen, der auf der Höhe hielt und gegen den Mittags- himmel sich abhob. Das war nun doch überflüssig. Also packte einer der Insassen den übel-neugierigen Chauffeur beim Schlafittchen, schob Um in den Wagen und nun — los!
Schon hatten auch die Engländer den Zielpunkt gefunden. Denn kaum rollte der Wagen davon, so flogen die Kugeln und Schrapnells an die eben verlassene Stelle. Zum Glück war man nicht mehr weit von Dix- mutden. Als man durch die ersten Häuser Deckullg hatte, wurde gehalten und der Wagen repariert. Aber nun tauchte die Frage auf: wie aus dem verflixten Nest wieder herauszukvinmen? Delln unterzukommen ist da nicht. Alles zerschosseu. Unsere 42er haben da Hineingefunkt und ganze Häuser von oben runter in den Keller spediert. Ein bißchen Besatzung liegt allerdings in Dixmutben. Sie kampiert in den paar Kellern, die noch bewohnbar sind, weiß aber auch nicht recht, wie man aus dem Nest wieder in tueuschlichere Gegenden kommt. So entschließt man sich denn, auf kleinen Wegen, die anscheinend auf der den Schützengräben entgegengesetzten Seite aus der Stadt führen, sein Glück zu versuchen und gelangt schlicßltch nach erheblichen Miihfeligkeitell auf eine Straße, die nach Gent leitet.
Die Sache ging noch gut, sieht man, wunderbarer- weise. Sie hätte ebenso gut unterwegs mit einer Katastrophe enden können. Und die Insassen des Wagens sind der Meinung, wenn sie sich die Sache nachträglich überlegen, so wlißten sie nicht, wie sie eigentlich heil aus dem Schießstand herauskommen konnten.
Eine Predigt im Schützengraben.
Fast behaglich war es geworden in unserem Schützengrabelr. In den letzten Tagen hatten wir ihn immer mehr in die Tiefe gebaut unö für die stattliche Größe unseres herzlich verehrten Majors auch ein ordentlich Stück in die Breite gearbeitet. Teile einer Bettstatt, ausgehängte schwere Weidellgatter, mit Stroh und Erde bekleidet, gaben Schutz gegen Schrapttellkugelu und auch gegen Regen und nächtliche Kälte. Wenn freilich die Granaten ihr teuflisch-boshaftes giftiges Krachen über uns losließen, war die Gemtitlichkett ive- niger verlockend- und die französische 8lrttllerie schoß gut, das mußte man ihr lassen. Solange sie ihre eisernen Walzen hinter uns tns Dorf Hinei,ifandte, ltbte das wütende Heulen der gezüchtigten Lust eine geradezu einschläfernde Wirkung aus. Zu nierfwüröigl Erst wenn die ausgefpiene petroleumltchthelle Flamme in unsern Graben hineingrellte, gefolgt von dem inörde- rischen Krachen und betäubenden Schwefelgeruch, kroch alles dicht an die dem Feind zngekehrte Wand des Schützengrabens heran, um sich, soweit überhaupt möglich, gegen das gefräßige tückische Eisen zu schützen.
Sonst aber war's recht gemütlich dort unten in der Erde. Mit Heller Freude wurden allemal unsere D= Züge begrüßt: so nannten wir die Geschosse unserer schweren Artillerie, weil sie liber uns öahinfauften wie das rhytmische Ttt-Ttt-Ttt eines I»-Zuges. Diese „Grütze aus der He»nat" belebten die Stimmung autzer- ordentlich. Viel Geschichtchen gingen um; manchen Scherz und frohes Lachen gab's dort bei uns Troglo- dyten. Alte Nummern der Kölnischen Zeitung wurden begierig gelesen und besprochen. Der Tabaksbeutel wanderte kameradschaftlich von Hand zu Hand. Ein Glück, daß ich ihn noch kurz vor diesem unterirdischen Lebensbeginn gefüllt hatte. Da wird von einem Feldgrauen ein kleines Paketchen hereingebracht. Der Herr Major und ich ordnen den traurigen Inhalt: Erkennungsmarke, Brustbeutel, Notizbuch, Briefe, ein Bild....
Ich lese die Zeilen eines jungen Kriegsfreiwilligen, den man gefunden hatte, kalt und starr, gefallen für sein Vaterland in edler, hochgemuter Begeisterung: die letzten Worte eines jungen Menschen, für den das Leben noch ein reiches, jauchzendes Glück in der Zukunft bereitgehalten hatte. „Eine Kugel kam geflogen . . ." Da hatte das Leben die glückbergende Hand schließen müssen vor dem Tob, hatte es nicht ansgeben können, das weltenweite, beseligende Jugendglück. Und wett, weit hinten im Vaterland war in dieser Stunde ein Mädchen, das noch voll bangender Sehnurcht harrte auf einen Gruß der Liebe, einsam geworden, toöelnfam, ohne Liebe. Und wußte es noch nicht,- und hoffte in diesem Augenblick noch, hoffte, wie nur Liebe hoffen kann. Mit stiller Wehmut las ich das Vermächtnis oes Gefallenen, so schlicht, so aus heiligstem, jugendfrom- mem, innerstem Erleben heraus geboren, so herzbrechend in Ahnung des öüfteren Geschicks, und doch so tapfer, daß sich mir die Augen feuchteten. Dann: eine herzliche Bitte an den Kameraden, der ihn finden würde, letzten Gruß und letztes Gedenken an sein einsames Lieb. „Wenn du diese Zeilen erhälst, bin ich nicht mehr unter den Lebenden ... Du bist frei. . . Mein letzter Gedanke und Atemzug ein Segenswunsch für dich . . . Dein R. H."
Still, feierlich still war's um mich geworden, während ich die letzten heißen Lebenswünsche und Gebete eines Helden und das Bild seines Herzltebs und einen innigen, tapferen Brief von ihr etnschlotz in einen Briefumschlag. Die weihevolle Andacht und das treue Gedenken an einen gefallenen Kameraden ging um Ich schrieb ein paar Worte innigster Herzensteilnahme der traurigen Sendung als Geleit. Wir fühlten es alle ob.wir ihn gleich nicht gekannt hatten, da er etwas Großes, Gemeinsames, das uns mit ihm verband das uns jetzt erleben ließ, ruhiger und besinnlicher als so oft in den Gerechten, das alte Soldatenlied: Ich hatt' einen Kameraden. Dr Tod sah uns an, alle, ernst, stumm, und wir sannen: Morgenrot Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod . . . Wer ist der nächste? Ich? Du? Und daheim auch vergeblich harrende Liebe? Tapferes, deutsches Mädchen in der Ferne. Gott gebe dir Kraft, dein Lebenslcio zu tragen. Du hast dem Vaterland dein größtes Opfer gebracht, das Opfer deiner Liebe. Mit stolzem Weh! Dein Opfer hat uns eine große, ergreifende Predigt geh^""^ -*1— ^—? schütternden Feldgottesdi
jalten, einen schweigenden, ei« denft im Schützengraben.
(Köln. Ztg.)