Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-klnschlutz Nr. 8
Nr. 885. Sonnabend, den 5. Dezember 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Hus der Heimat.
* (Kriegsunter st ütznng der Familien der ausgedienten Mannschaften.) Das Reichsgesetz vom 28. Februar 1888 über die Kriegsunterstützung erstreckt sich nur auf die Familien der Mannschaften der Reserve, der Landwehr, der Ersatzreserve, der Seewehr und des Landsturms. Die Bundesregierungen haben nun angeordnet, daß den Familien derjenigen Mannschaften, welche ihre aktive Dienstzeit im Herbst d. I. vollendet haben und nicht zur Entlassung gekommen sind, vom 1. Oktober 1914 die Familienunterstützung nach Maßgabe der gesetzlichen Voraussetzungen (Bedürftigkeit) zu gewähren ist.
-g- Hersfeld, 4. Dezember. Am gestrigen Tage ließ der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz die ihm von den Mitgliedern in reicher Zahl übermittelten „Fünfgabenpakete" an die Abnahmestelle n unseres 11. Armeekorps weitergehen. Da der Zweigverein von den ihm durch die gütigen Spender zur Verfügung gestellten Geldmitteln auch noch den Betrag von 1500 Mk. für diese Weihnachtsspende verwendete, konnten Gaben für 1985 Soldaten abgesandt werden, so daß zu deren Beförderung ein ganzer Waggon erforderlich war. Allen Mitgl iedern, di durch ihre Gaben halfen, unseren Kriegern, die diesmal Weihnachten fern der Heimat und ihrem häuslichen Herde feiern, ein Zeichen der Liebe zu senden, mögen herzlichsten Dankes versichert sein.
):( Hersfeld, 4. Dezember. Gestern Nachmittag gegen 51/2 Uhr wurde der 16jährige Kontorlehrling K 0 n st a n t i n L ö h r von seiner Mutter mit einer Schußwunde im Kopfe in der Wohnung tot aufge- funden. Der junge Mensch war einige Tage wegen Unwohlsein zu Hause und hat hier mit einem T e s ch ing herumhantiert. Unter welchen Umständen der Unglücksfall vor sich ging war nicht festzustellen, da die Mutter auf kurze Zeit aus der Wohnung auch sonst Niemand weiter zu Hause war. Jedenfalls dürfte dieser Fall wiederum eine Warnung für die Eltern sein Kinder mit Schußwaffen nicht spielen zu lassen.
):( Hersfeld, 4. Dezember. Von den Lehrern der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule sind 4 Herren zu den Waffen einberufen worden, und 5 Schüler sind mit Beginn des Krieges als Kriegs- freiwillge eingetreten. Einer der Schüler ist 16 Jahre, die anderen 17 Jahre alt. Zu dem Luftschifferbataillon in Brüssel ist einer von den 5 Schülern gegangen. Wegen seiner Tapferkeit hat der Zeichenlehrer Ziems das Eiserne Kreuz erhalten; auch haben bis jetzt mehrere frühere Schüler der gewerblichen Fortbildungsschule dieselbe Auszeichnung erhalten.
):( Hersfeld, 4. Dezember. Dem Leutnant und Adjutant im 3. Bataillon, Landwehr-Jnfanterie- Regiment 87 Römmelt, früher Sekretär am hiesigen Landkrankenhaus, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
Caffel, 3. Dezember. (Räuberischer Ueberfall.) Der Wirt des Ständeplatz-Restaurants Herr Pseper wurde in vorvergangener Nacht gegen 12 Uhr, nachdem er sein Lokal geschlossen hatte und, die Kasiette in der Hand, sich nach seiner im vierten Stock gelegenen Privatwohnung begeben wollte, von einem Menschen überfallen, der sich im Hausflur versteckt gehalten hatte. P. setzte sich kräftig zur Wehr und wurde dabei von dem Räuber mit einem Mester durch die Hand gestochen. Als Frau P. ihrem Manne zu Hilfe kam, flüchtete der Räuber, indem er aus dem Flurfenster auf den Hof sprang und durch die neue Straße nach dem Platz der ehemaligen Garde du Corps-Kaserne entkam. Er soll aber erkannt sein, sodaß es hoffentlich bald gelingen wird, ihn der verdienten Strafe zuzuführen.
Göttingen, 2. Dezember. In der Nikolaistraße wurde gestern abend von einem Automobil das siebenjährige Töchterchen des Schweizers B. überfahren und schwer verletzt. Das Kind stand auf der Straße und hatte die Signale überhört.
Erfurt, 2. Dezember. (Kriegsgericht.) Aus der Untersuchungshaft vorgeführt und von Soldaten scharf bewacht nahmen die gefangenen Turkos Herm Kessem und Muhamed Ouis aus Algier am der Anklagebank Platz. Die Anklage lautet auf Raub den sie im Gefangenenlager zu Erfurt im November einem dritten Turko gegenüber begangen haben tonen. Die durch zwei Dolmetscher (französisch und arabisch) erleichterte Beweisaufnahme erbrachte daß Kessem beim Spiel dem Turko Abdilla, der einem Belgier Geld wechseln wollte, dieses fortgenommen und seinem
Kameraden Outs gegeben hatte. Der Bestohlene hat von dem Gelde nichts wieder bekommen. Die Angeklagten wurden nicht wegen Raubes, sondern nur wegen einfachen Diebstahls einem Kameraden gegenüber zu je 9. Monaten Gefängnis verurteilt. — In derselben Sitzung erhielt der Zivilgefangene französische Eisenbahnbeamte Artur Deparis aus Croix Fensonne wegen tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten drei Jahre Gefängnis. Deparis hatte im Franzosenlager am 7. Nov. einen Unteroffizier, der ihn einer Ungehörigkeit halber zur Rede setzte, zu würgen versucht.
Dörfles b. Coburg, 2. Dezember. Weil ihr Bräutigam im Felde gefallen ist, hat sich am Sonnabend die 19jährige Wächter von hier von einem Eisenbahnzuge überfahren lassen. Sie war sofort tot.
Aus der Rhön, 2. Dez. Im Kreise Gersfeld ist infolge des Krieges eine größere Anzahl von Orten ohne Lehrer. Die Schulen werden von den Lehrern in den benachbarten Orten mitversehen. Eine ehemalige Lehrerin, deren Gatte im Felde steht, hat für die Kriegsdauer die Verwaltung einer Schulstelle übernommen.
Hanan, 2. Dezember. Im Lazarett zu Groß- auheim, wo er die sorgsamste Pflege genoß, erhängte sich in einem Anfall von Schwermut der verwundete Krieger Hennig. Er hinterläßt eine Frau mit zwei kleinen Kindern.
Wiesbaden, 2. Dezember. Eine interessante Trauung fand dieser Tage auf dem hiesigen Standesamte statt. Ein Offiziersstellvertreter, seines Zeichens Diplom-Ingenieur, der schwerverw ndet nach hier, kam und längere Zeit in einem hiesigen Lazarett gepflegt wurde, hat seiner Dankbarkeit für die besonders mühsame Fürsorge, deren er sich zu erfreuen hatte, dadurch Ausdruck verliehen, daß er seine Pflegerin, eine Privatschwester, zum Traualtar führte.
Keine Einschriinlung
der Weihnachtreinlaufe.
Weihnachten, das Fest der Liebe und Freude, ruckt immer näher, nur noch einige Wochen und wir treten wieder unter den helleuchtenden Tannenbaum, um aus den Händen der Eltern und Freunde Weihnachtsgaben iU emvfanaen. Mit bewundernswerter Krastentfal- tung hat unser gesamtes deutsches Wirtschaftsleben die Wirren des Krieges bislang überstanden. Ein kurzes Schwanken unter dem ersten Eindruck des überraschend und überwältigend hereinbrechenden Ereignisse? und bereits nach Wochenfrist stellte sich die vom Frieden her gewohnte Ruhe und Stetigkeit tn allen Orten wieder ein. Unendlich viel haben dazu allerdings die glänzenden Waffenerfolge unserer Heere beigetragen, die den deutschen Boden vom Feinde freigehalten und durch ihre siegreichen Angriffe das Zutrauen zu einem gesicherten Fortbestande unserer Volkswirtschaft schnell befestigt haben. Dank gebührt auch unserer gesamten Bevölkerung, die nach Kräften dazu beiträgt, alle Schwierigkeiten zu uberwinden. Sie hielt sich tapfer fern von der verschüchterten Aengstlichkeit, die in Besorgnis eines etwaigen un- nünftiaen Ausganges dieses Weltkrieges durch kleinlichste Sparsamkeit und Einschränkung aller über das Notbedürfttge hinaus liegenden Kaufe für die Zukunft Kräfte aufsammeln möchte. Sie hatte von vornherein Vertrauen au unseren siegreichen Heeren und der Sicherheit unseres deutschen Wirtschaftslebens, das sich auch besonders in dem glänzenden Refultat unterer Milliarden-Kriegsanlethe ausdruckte.
Die ruhige Sicherheit, die bis letzt in unserem Volke geherrscht hat, muß jetzt auch gegenüber dem Weihnachtsbedarf Platz greifen. An manchen stellen wird der Einwand gemacht werden, für große ^eih- ?acktsaeschenke sei die Zeit zu ernst, man mune das Geld i?u ammenbalten usw. Man bedenkt letber nicht, daß üb?ra?oße Sparsamkeit gerade in der Weihnachtszeit gar nicht am Platze ist. Das Weihnachtsgefchaft ist für manchen Kaufmann das ausschlaggebendste Geschäft in seiner Jahresbilanz, mit dem er manche Ausgabe des Jahres und manchen Verlust decken
Viele Erwerbszweige sind überhaupt vom Weihnachtsgeschäft abhängig, z. B. die Spielwaren- Heimarbeit. Dieser Industriezweig zumal, der bereits in -kriedenszAten schwer um ein Da ein zu kampsen batb'ivürde bei unzureichendem Weihn-chisnerk-uf vollständig zerstört werden. Und wie es mit der Svielwarenindustrie ist, so ist es auch mit manchen anderen Erwerbszweig«, die besonders auf das ritS 6er »Änfcl, der stets zu «eihn-chl-u sein bestes Geschäft macht, weiter die Manufaktur- KnrtmSden Me %ben für Lebensmittel und Kolonial- waren ufw Ste alle werden den empfindlichen Schaden
leiden, wenn das kaufende Publikum in den nächsten Wochen aus seiner Zurückhaltung nicht herauStritt, wenn es ängstlich überlegt, ob dieses oder jenes wegen der ernsten Zeiten nicht lieber vom Weihnachtstisch fortbleiben könne. Im Gegenteil, auch hierin muß sich der Opfersinn unserer Bevölkerung betätigen, und jeder muß mit dazu beitragen, daß auch der Geschäftsmann am Heiligen Abend ein zufriedenes Gesicht machen kann. Haben die Kaufleute zu Weihnachten nicht genügend von ihren Waren absetzen können, bann sieht es im kommenden Jahre in ihren Geschäftsbüchern nicht gut aus. Darum mache jeder nach feinen Verhältnissen seine Einkäufe auch für das diesjährige Weihnachtsfest,- falsche Sparsamkeit ist in dieser Zeit nicht am Platze. Es ist eine soziale Pflicht aller Kreise, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß auch trotz des Krieges der diesjährige Weihnachtsmarkt auf der Höhe gehalten wird.
Unsere Feldpost.
Zu verschiedenen Wünschen des Kriegsausschusses für das Deutsche Papierfach hat sich die Reichspost- verwaltung im Einverständnis mit der Heeresverwaltung wie folgt geäußert:
1. Die Retchspvstvcrwaltung kann in Uebereinstimmung mit der Heeresverwaltung nicht anerkennen, daß eine andere Organisation der Feldpost erforderlich ist. Insbesondere halten beide Verwaltungen es nicht für angängig, Feldpostanstalten bei kleineren Truppenverbänden als den Divisionen einzurichten.
2. Der Fuhrpark der Feldpost, namentlich der Bestand an Kraftfahrzeugen, ist stets dem Bedürfnis entsprechend verstärkt worden. Zurzeit sind, abgesehen von den bei eintretendem Bedarf von militärischer Seite hilfsweise hergegebenen Fahrzeugen, rund 550 Postkraftwagcu den Feldpostdienststellen Werwiesen.
3. Feldpostbriefe im Gewicht von mehr als 250 bis 500 Gramm werden voraussichtlich allmonatlich einmal für die Dauer einer Woche zugelassen werden, Eine häufigere Zulassung ist nicht angängig.
4. Die Beförderung von Paketen bis 5 Kilogramm neben den jederzeit durch Vermittlung der Ersatz- Truppenteile und Etappenbehörden zulässigen Versendungen wird nach der zwischen der Post- und Heeresverwaltung getroffenen Vereinbaruuggleichfalls tunlichst einmal monatlich für acht Tage zugelassen werden.
5. Die Bestimmungen über die Beschaffenheit der Verpackung dar Pakete werden durch die Heeresver- waltnng nach den Erfahrungen der beiden ersten Paketwochen geregelt werden.
Bindenburg!
Wer trieb die russischen Horden fort, Wer schlug sie bisher immerfort, Wer trieb sie in den See unb Sumpf, Wer spielte aus den letzten Trumpf? Es war Feldmarschall von Hindenburg, Der haut sie feste von hinten durch.
Wer hat auf Ostpreußens fruchtbaren Feld, So manche tausend Russen gestellt?
Gar mancher Kosak von des Zaren Armee Bekam seinen Lohn im russischen Klee! Das tat Feldmarschall von Hindenburg, Der haut sie stets von hinten durch!
Ganz Deutschland und auch Oesterreich Und sicher auch mancher im Zarenreich Schaut hin auf dich du mutiger Mann, Weil deine Parole stets „an den Feinde ran", Das wünscht allerdings der Russe nicht, Er macht dazu ein betrübt Gesicht und denkt: Das ist schon wieder der Hindenburg, Der haut uns noch alle von hinten durch.
Zur Strafe für all' ihre Greuel auf Ostpreußens
Fluren
Versank mancher Russe im See der Masuren, Nur schade daß nicht auch Herr Nikolajewitsch Hinein kam in den Dreck und Glitsch, Doch wartet nur, es läuft so leicht keiner fort, Bis jetzt fand sich nur noch nicht der rechte Ort. Schon fingen die Tapfern den Gouverneur Und seit versichert sie kriegen noch mehr, Denn unter Feldmarschall von Hindenburg, Da haute euch ein jeder von hinten durch.
Und die er gefangen, die leiden nicht Not, Ach Deutschland hat ja noch soviel Brot! Sogar auf des Russen verwöhnten Aptitt, Nimmt Rücksicht Herr Hindenburg (über Geschmack m , er nie stritt).
„Petroleumbrot" das befahl er zu essen, Damit sie nicht zu schnell ihre Schandtat vergessen Hurra Feldmarschall von Hindenburg, Hau' feste die Bande von hinten durch.
W. B.