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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger ^

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- - .

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei jiPtSluUPT Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

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Zernfprech-Anschluh Nr. 8

Nr. 384. Freitag, den 4. Dezember 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag hielt am Mittwoch eine Sitzung ab, um über eine neue Kreditvorlage der Regierung zu beschließen. Der Andrang zu dieser Sitzung war fast noch stärker, als zu der vom 4. August. Zahl­reiche Abgeordnete erschienen in feldgrauer Uniform, und der Saal war fast lückenlos besetzt. Die Tribünen waren übervoll. Präsident Dr. Kaempf eröffnete um 1,45 Uhr unter lautloser Stille die Sitzung mit einer Ansprache, in der er die Mitglieder herzlich begrüßte,

irauer wann

Na

das Gegenteil getan,

und der großen Ereignisse gedachte, die sich seit dem 4. August abgespielt hatten. Die Einigkeit des deutschen Volkes, seine Opferfreudigkeit und wirt­schaftliche Stärke, wie seine militärische Macht zu Wasser und zu Lande habe sich in diesem Kriege, der ein Volkskrieg sei, glänzend bewährt. In den letzten Monaten habe sich eine Fülle weltgeschichtlicher Er­eignisse zusammengedrängt, und Dank gebühre den Kämpfern, den höchsten Regierungsstellen, wie allen Deutschen, die bemüht waren, die Leiden des Krieges zu mildern. Im Vertrauen auf die gerechte Sache wehre sich Deutschland, wenn es sein müsse, gegen eine ganze Welt. (Beifall.) Der Präsident gedachte sodann der verstorbenen Abgg. Dr. Semler (nl.), Ritter (fonf.), Metzger (Soz.), Dr. Braband (Fortschr.) und des als Kriegsfreiwilliger gefallenen Dr. Frank (Soz.). Unter starker Spannung ergriff nun der in selb Uniform erschienene Reichskanzler Dr. v. Skti Hollweg das Wort und übermitt.lte zunächst die herz­lichen Wünsche und Grüße des Kaisers an den Reichs­tag, um zugleich der ganzen Nation zu danken für die beispiellose Aufopferung, die geleistet wurde und noch geleistet werden wird. Das Haus nahm dies mit stürmischem Beifall auf. Redner gedachte der Waffenbrüderschaft mit Oesterreich-Ungarn, auf die Deutschland stolz sein könne. Der Arm des neuen Verbündeten, der Türkei, reiche bis an die Welt­machtstellung unserer Gegner. Der Kanzler ging im einzelnen auf die inzwischen bekanntgewordene Tat­sache ein, daß die Neutralität Belgiens schon zu Be­ginn des Krieges nicht mehr bestand und von Eng­land verletzt war. Dieses kounte den Weltkrieg ver­hindern, wenn es in Petersburg erklärt hätte, daß es nicht gewillt sei, einen Kontinentalkrieg der Groß­mächte aus dem Konflikte Serbiens mit Oesterreich enUtehen zu lassen. Dann wäre auch Frankreich zum Nachgeben gezwungen gewesen. England habe aber das Gegenteil getan, wie die jetzt bekannten Schrift­stücke unwiderleglich bewiesen haben. Es ließ den ungeheuerlichen Krieg kommen, weil ihm die Gelegen­heit günstig schien, sich seines größten weltwirtschaft­lichen Gegners zu entledigen und trage mit Rußland die Verantwortung für diesen Krieg. (Stürm. Bei­fall.) Die Neutralität, die England schützen wollte, ließ es von Japan China gegenüber ungestört ver­letzen. Deutschland mußte gegenüber der Tripelentente eine Verständigung versuchen, um die Kriegsgefahr zu bannen. Gleichzeitig mußte es seine Wehrmacht verstärken. Während Deutschland eine Verständigung mit England versuchte, war dieses bestrebt, jetne Be­ziehungen zu Rußland und Frankreich zu vertiefen und militärische Abmachungen mit den beiden Machten zu treffen, die auch Deutschland nicht unbekannt blieben, das daraus seine Folgerungen zog. Aus alles öres gebe es nur eine Antwort: Deutichland laße sich nicht vernichten! (Stürm. Beisall.) Unsere sinanzlellen und militärischen Kräfte haben sich glänzend bewahrt, kein Mann, keine Frau entziehe sich der Mitarbe t. Und wenn diese sittliche Größe unseres Volkes m Waffen von unseren Gegnern als Militarismu , al barbarisch geschmäht werde, so sei es stolz genug, sich nicht darum zu grämen. (Sturm. Verfall.) W einer Zaubergewalt seien die trennenden niedergesunken, die wir gegeneinander «Umrichter hatten in Mißverstand und Mißtrauen.^Es sei w "me Erhebung und wie eine Beglückung über das kommen, daß endlich der ganze Unrat weggefegt wurd , daß noch der Mann gelte, dem andern die Hano reichend für heiliges Ziel. Wenn der Kriegvorüber sei, dann werden die Parieren ^ber^ ohne sie gebe es kein politisches Leben. Aber w wollen dafür kämpfen, daß es dann nur noch Den geben darf. Der Kanzler schloß mit den Worten^. Für den jetzt verstummten Heldenmut der dra tzen gefallen Soldaten Deutschlands einigen wir, uns m dem Gelöbnis, auszuhalten bis zum letzten Hauch, damr unsere Enkel und Söhne sicher sind vor sremder Ge walt und Drohung. Dieses Gelöbnis wird hinaus fallen zu den Kämpfenden, zu dem Herzblut Te ,uh lands, für das wir bereit sind, alles Hersuseben. Wir hauen durch, bis wir einen Frieden haben, m dem wir deutsches Volk und deutsche Kraft entfalten

wollen als freies Volk! Das Haus hatte sich erhoben und brach in stürmischen, anhaltenden Beifall aus. Abg. Haase (Soz.) und Abg. Dr. Spähn (Ztr.) im Namen aller übrigen Parteien sprachen ihre Zu­stimmung zu der Vorlage aus, wobei ersterer die Aufhebung der Beschränkungs-Presse verlangte. Das Haus nahm in allen drei Lesungen die Vorlage an. Als Präsident Dr. Kaempf die Einstimmigkeit fest­stellte, rief Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) laut in den Saal: Nein. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte sonst zu. Nachdem das Haus noch die kaiser­liche Botschaft betr. Vertagung des Hauses bis zum 2. März 1915 entgegengenommeu hatte, schloß Präsident Dr. Kaempf die Sitzung nach kurzen Ausführungen mit dem Ruf Seine Majestät der Kaiser, das deutsche Volk, unser Volksheer unsere Marine und unser Vaterland leben hoch. Das Haus stimmte stürmisch ein. Schluß ^6 Uhr.

Hus der Heimat.

):( Hersfeld, 3. Dezember. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde aus Rotenburg Unter­offizier Paul Gorsky Res.-Jnf.-Regt. 32.

):( Hersfeld, 3. Dez. Nach eingezogener Auskunft, wird mit der Auszahlung der Q n a r t i e r g e l d e r in den ersten Tagen begonnen und zwar kommt zu­nächst das Qnartiergeld für das 3. Batl. Res.-Jnf.- Regt. Nr. 71 zur Auszahlung. Letztere wird Straßen­weise vorgenommen werden.

):( Hersfeld, 3. Dez. Um Irrtümer und Weit­läufigkeiten wie bisher mehrmals vorgekommen für die Folge zu vermeiden, wird hiermit darauf hinge­wiesen, daß die Adresse der h i e s i g e n a m t l i ch e n Stelle für Liebesgaben wie folgt lautet: Ab­nahmestelle I des XL Armeekorps Cassel Albrechtstraße 25/27 (Schmidt & Keerl.)

-n- Niederaula, 3. Dezember. Die' Ortspruppe Niederaula Deutschen Flotten-Vereins hatte in ver­gangener Woche die Freude, eine größere Sendung Liebesgaben für unsereblauen Jungen" an die Sammelstelle Wilhelmshaven abführen zu können. Eine Geldsammlung bei den Mitgliedern der Ortsgruppe und den Freunden der Flotte im Aulagrund und Umgegend hatte den ansehnlichen Be­trag von rd. 284 Mk. ergeben, für welchen hauptsäch­lich wollenes Unterzeug, wollene Wasche und Strick- sachen, sowie Tabak, Zigarren, Rum, Pfeifen, Messer und dergleichen nützliche Gegenstände befchafft wurden. Allen Spendern von Geldbeiträgen, besonders aber auch den Frauen, Jungfrauen und Schulmädchen von Niederaula, die sich durch Anfertigung der Strick,achen und Hemden sehr verdient gemacht haben, gebührt die höchste Anerkennung und der wärmste Dank der Orts-

Ö Raffel, 1. Dez. Im Kriegsgefangenenlager in Niederzwehren wurde auf Grund einer Anordnung des Kaisers, die besagt, daß die in der frapzöstichen Armee als Soldaten dienenden katholischen Priester die aleicke Behandlung genießen sollen, rote Offizrete, die Zahl der dort befindlichen Geistlichen fcstgestellt Es sind dereu 7, die jetzt nach Münden uberfuhrt werden sollet-Gestern vorinittag traf ein Sonder- rua mit etwa 600 gefangenen Russen von dem öst­lichen Kriegsschauplatze ein, die dem Gefangenenlager bei Niederzwehren zugeführt wurden.

Mühlhausen, 2. Dezember. Die 12jährigePslege- tnshfer eines Arbeiters hat gestern nachmittag am Tonberae den Strohschuppen des in ihrer Nachbarschaft W°dn-Un Arb-it-rs £ in «rand geftedl. Das iVcuet konnte von den Anwohnern bald gelöscht werben. Das Mädchen ist der Brandstiftung uberfuhrt worden, behauptet aber, von seiner Mutter dazu verfuhrt worden zu sein.

Niederorickel 2. Dezember. Der Lehrer Karl Klaus von Hi?r sollte auf dem östlichen Kriegsschalt- platz nach den an die Eltern gelangten glaubwürdigen Mitteilungen den Heldentod fürs Vaterland gestorben sein. Wer beschreibt aber das Erstaunen und die Freude der Eltern zugleich, als sie gestern, mehrere Wochen nach dem vermeintlichen Tode ihres Sohnes, von ibm ein eigenhändig geschriebenes Lebenszeichen erhielten.Lehrer Klaus schreibt seinen Eltern aus einer Stobt im sibirischen Gouvernement Tobolsk, daß er am 20. September im Kampf mit den Runen schwer verwundet und dadurch in russische Gefangen- schast geraten sei. Nachdem er vier Wochen m einem Lazarett in Warschau zur Heilung gelegen habe, |et er$oon da mit noch anderen "Leidensgefährten per Bahn und Schiff nach Sibirien transportiert. Die Freude über den wiedergewonnen Sohn ist bet der Familie Klaus natürlich groß.

Hünfeld, 1. Dezember. Die Leiterin der hiesigen höheren Mädchenschule, Frl. Anna Volkemer, bestand

vor der Kgl. Prüfungskommission in Cassel die Rektvrenprüfung.

Sulzbach a. M., 1. Dezember. Der mit dem Eisernen Kreuz, mit der Tapferkeitsmedaille und mit dem Verdienstkreuz der Bäuerischen Krone ausge­zeichnete Lehrer ©rüneroalb von Sulzbach ist jetzt zum dritten Male verwundet vom Felde wieder zurückgekommeu.

Wiesbaden, 1. Dezember. Vom Schicksal ereilt wurde jetzt ein Heiratsschwindler, der schon lange Zeit hindurch hier uud in der Umgebung sein Wesen trieb. Er gab sich als Doktor aus, wußte sich mit großer Gewandtheit heiratslustigen Damen zu nähern und diese in gehöriger Weise auszubeuten. Er roiirbe deshalb schon lange steckbrieflich verfolgt. Es gelang ihm aber immer, sich der Gerechtigkeit zu entziehen. In der letzten Zeit trieb er sich in Heidelberg, Mann­heim, Diez, Limburg usw. herum, jetzt aber wurde er in der Wohnung seiner Mutter sestgeuvmmeu und in Sicherheit gebracht.

Mainz, 1. Dezember. Ein Zeuge aus Bischofsheim wurde an der hiesigen Strafkammer uernommen. Auf die Frage des Vorsitzeuden nach seinem Berufe meinte der Zeuge naiv, er seiKriegsbremser!" Schallende Heiterkeit brach über den neuen, recht nützlichen Be­ruf aus. Der Zeuge ist während des Krieges Hilfs- bremser und glaubte, er sei deshalbKriegsbremser!" Der Mann hatte seinen Beruf zweifellos zu spät cr= sannt; rechtzeitig und an der richtigen Stelle hätte er sich viele Menschen zu Freuuden gemacht. Jetzt hat das Bremsen leider keinen Zweck mehr.

Der Krieg.

Ausdehnung der Familieunterstltstnng.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung kündigt folgende Erweiterung des Persoueukreises für die Familtenunterstützungen an:

Die Retchsregierung hat neuerdings wettere Richt- linien bezüglich der Anwendung des Gesetzes vom 28. Februar 1888 in der Fassung des Gesetzes vom 4. August 1914 betr. Famtlieuunterstützungeu aufgestellt uud den Bundesregierungen zur Beachtung empfohlen. Es handelt sich dabei um eine recht bedeutende Er­weiterung des Personenkreises der Anspruchsbe- rechttgten. Ueber weitere Ergänzungen schwebeuzurzeit noch Verhandlungeri mit den beteiligten amtlichen Stellen. Im einzelnen seien aus dem Rundschreiben folgende Punkte hervorgehvben.

1. Im Falle der Bedürftigkeit sind auch den Stief- eltern,Stiefgeschwistern ».Stiefkindern des in denDienst Eingetretenen Familienunterstützungen zu gewähren, insofern sie von ihm unterhalten worden oder das Unterhaltungsbedürfnis erst nach erfolgtem Dienst- eintritt desselben hervorgetreten ist. Unter denselben Voraussetzungen sind auch deu unehelichen mit in die Ehe gebrachten Kindern derEhesrau'die Unterstützungen zu gewähren, auch wenn der,Ehemann nicht ihr Vater ist. Elternlose Enkel des Einberufenen sind den ehe­lichen Kindern des Eingetretenen gleichzustelle».

2. Nicht nur deu Familien der Mauschafte» des Beurlaubtenstandes, sondern auch denjenigen aller übrigen im wehrpflichtigen Alter stehende» Mann­schaften, welche infolge der kriegerischen Ereignisse nicht mehr in der Lage waren, in die Heimat z»rück- zukehren, sind im Falle der Bedürftigkeit Unter­stützungen zu gewähren, sofern glaubhaft gemacht wird, daß sie als Gefangene im feindlichen Auslaut» zurück­gehalten werde», wobei kein Unterschied zu machen ist, ob sie vom Feinde als Kriegsgefangene oder Zivilgefaugene behandelt roerben.

3. Gemäß § 10 Abs. 5. a. a. O. werden die Unter­stützungen, falls der in den Dienst Eingetretene vor seiner Rückkehr verstirbt oder vermißt wird, so lange gewährt, bis die Formation, welcher er angehörte, auf den Friedensfuß zurückgeführt oder aufgelöst wird: insoweit jedoch den Hinterbliebenen auf Grund des Gesetzes jvom 17. Mai 1907 rstewilligungeu gewährt werden, fallen die durch das Gesetz geregelten Unter­stützungen fort. Die Bestimmung ist so auszulegen, daß zwischen dem Fortfall der Familienuttterstützung und dem wirklichen Bezüge der Hinterbliebenenrente eine Unterbrechung nicht eintreicu soll.. . .

Dies gleiche gilt, wenn der in den Dienst Einge­tretene infolge einer Verwundung oder Krankheit als felddienst- oder garnisondienstunsähig zur Entlassung kommt uud ihm eine KriegsinvOlidenrente zusprechen wird.

Strickt putewärm.r

für unsere Truppen im Felde!