Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Zerzselder
für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 283.
Donnerstag, den 3. Dezember
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* (3 u r Verlängerung der Wechsel- p r o te st f r i st.) Von amtlicher Seite wird geschrieben: Nachdem der Bundesrat durch Bekanntmachung vom 18. November die Protestfrist für Wechsel, die in Elsaß-Lothringen, in der Provinz Ostpreußen oder in einzelnen Kreisen Westpreußens zahlbar sind, sowie für solche im Stadtkreise Danzig zahlbaren gezogenen Wechsel, die als Wohnort des Bezogenen einen in Ostpreußen oderineinemder beteiligten westpreußischen Kreise liegenden Ort angeben, um weitere 30 Tage, also insgesamt auf 150 Tage verlängert hat, ist die Postordnung vom 20. März 1900 entsprechend geändert wordrn. Ferner hat die Postordnung folgende beachtenswerte Aenderung erfahren: Während der Geltung der Bestimmungen über die Verlängerung der Fristen des Wechsel- und Scheckrechts kann der Auftraggeber verlangen, Haß der Wechsel- mit dem Postprotestauftrage schon am zweiten Werktage nach dem Zahlungstage des Wechsels nochmals zur Zahlung vorgezeigt und, wenn anch diese Vorzeigung oder der Versuch dazu erfolglos bleibt, protestiertwerde. Dieses Verlangen ist durch den Vermerk „Ohne die verlängerte Protestfrist" auf der Rückseite des Postprotestauftrags auszudrttcken. Es können mithin künftig aufgeliefert werden a) Postprotestaufträge mit dem Vermerk „Ohne Protestfrist", b) Postprotestaufträge mit dem Vermerk „Ohne die verlängerte Protestsrist" und c) Postprotestaufträge ohne jeden Vermerk. Während bei den unter a) bezeichneten Postprotestaufträgen sogleich nach der ersten 'vergeblichen Vorzeigung oder dem ersten Versuche der Vorzeigung Protest erhoben wird, sind sie unter b) und c) aufgeführten Postprotestaufträge, soweit, nicht eine zweite Vorzeigung überhaupt ausgeschlossen ist, wie z. B. im Falle ausdrücklicher Zahlungsverweigerung bei der ersten Vorzeigung, nochmals zur Zahlung vorzuzergen und erforderlichenfalls zu protestieren, und zwar die unter b) am zweiten Werktage nach dem Zahlungstage des Wechsels, die unter c) bei Ablauf der verlängerten Wechselprotestfrist.
* (Kleine Gewichtsüberschreitungen bet Feldpo st briefen gestattet.) Wie gemeldet wird, soll bei portopflichtigen Feldpostbriefen fortan über die Überschreitung dervorgeschriebenen Gewichtsgrenze bis zu 10 Prozent des Höchstgewichts hinweggesehen werden, so daß künftig, solange das Merst- gewicht 250 Gramm beträgt, ein Uebergewicht von 2a Gramm, und bei Zulassung von 500 Gramm-Feldpostbriefen ein Uebergewicht von 50 Gramm gestattet ist.
zulässigen
Post- und
* (Allmonatlich eine Pfundpaket- woche.) Feldpostbriefe im Gewicht von mehr als 250 Gr. bis 500 Gr. werden voraussichtlich allmonatlich einmal für die Dauer einer Woche zugelasten werden. Eine häufigere Zulassung ist nicht angängig. Die Beförderung von Paketen bis zu 5 Kilogramm, neben den jederzeit durch Vermittlung der Ersatztruppenteile und Etappenbehörden Aulantgeu Sendungen, wird nach einer zwischen der Post- und der Heeresverwaltung getroffenen Vereinbarung gleichfalls tunlichst einmal monatlich für acht Tage zu gelassen. Die Bestimmungen über die Beschaffenheit der Verpackung der Pakete werden durch die Heeresverwaltung nach den Erfahrungen der beiden ersten Paketwochen geregelt werden.
):( Hersfeld, 2. Dezember. Vom 1. Dezember ab gilt für Postanweisungen nach Oesterrelch-Ungarn mit Bosnien-Herzegowina und Liechtenstein der Ern- zahlungskurs 100 Kronen - 81 Mk.
§ Hersfeld, 2. Dezember. Dem hiesigen Zweig- dortigen Sammelstelle für all ö^®“^ unsere allerherzlichsten und tiefgefühltesten auszusprechen. Wir ersehen daraus, wie im deutschen Vaterland die Opfer, die wir ur und durch d e Allgemeinheit bringen, anerkannt werden, und treuen uns feststellen zu können, wie innig dre ferne Heimat unser gedenkt und uns, die wir hier draußen im welschen Lande stehen, nicht vergißt.
):( Hersfeld 2. Dezember. An dem ausgezeichneten Verlaufe unserer Mobilmachung hatbekanntlich * Verbot alkoholischer Getränke auf den Bahnhöfen nnd während der Truppentransporte nach all
gemeiner Meinung einen erheblichen Anteil, und bei den außerordentlichen Anstrengungen, die unseren Armeen in den Schlachten in den heißen August- und Septembertageu zugemutet werden mußten, hat es sich ebenfalls vortrefflich bewährt. Bei dem plötzlichen Eintritt naßkalter Witterung und den dadurch bei manchen Soldaten bedingten Darmstörungen war das Verlangen der Truppen nach alkoholischen Getränken, besonders Rum und Arrak, wegen der vorübergehenden Erwärmung der Haut und des subjektiven Wohlbefindens, das sie erregen, begreiflich. Sollte wegen der Witterungs- oder Gesundheitsverhältnisse künftig auf alkoholische Getränke zurückgegriffen werden müssen, so wird in erster Linie die gelegentliche Ausgabe einer Weinportion, am besten Rotwein, an die Truppen erfolgen. Die Mäßigkeitsbestrebungen in der Armee werden im übrigen auch weiterhin nachdrücklich gefördert werden.
):( Hersfeld, 2. Dez. Der am Sonntag abend vom Turnverein Hersfeld mit so großem Beifall aufgenommene 2. Volksunterhaltuugsabend wird auf vielseitigen Wunsch nochmals wiederholt und zwar, wie aus der heutigen Anzeige ersichtlich, am Freitag den 4. De zember, abends8Uhr. Der Reinertrag ist für das „Rote Kreuz" b e - st i m m t. Programme, welche zum Eintritt berechtigen, find im Vorverkauf in den beiden hiesigen Buchhandlungen zu haben und wird schon jetzt darauf hingewiesen, daß mindestens 500 Stück am Freitag früh verkauft sein müssen, andernfalls der Abend nicht stattfinden kann.
):( Hersfeld, 2. Dez. Der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz konnte heute schon wieder eine bedeutende Sendung Liebesgaben abgehen lassen. Dieselben wurden der Hauptsammelstelle des Central- Komitees der Deutschen Berede vom Roten Kreuz in Berlin „Am Karlsbad 10" zur Verwendung für die Lazarettkranken im Etappengebiet überroiefen. In der Sendung befanden sich 105 gute wollene Hemden, 60 Unterhemden, 87 dicke Unterhosen, 60 starke Strick- jacken, 100 Leibbinden, 200 Paar Strümpfe, 100 Paar Pulswärmer, 50 Kniewärmer, 59 Kopfschützer, 8 Schals nnd 8 wollene Decken; außerdem noch Cigarren für 100 Mk. und eine Kiste z. T. ausgelaffener Speck. Viel treue Arbeit war nötig, um diese Sendung fast gleichzeitig mit der in voriger Woche der Abnahme,telle n zu Cassel für die Truppen unseres 11. Armeekorps übermittelten fertig zu stellen. Den Damen des Nah- vereins, die in der Anfertigung der Liebesgaben so unermüdlich sind, sowie den fleißigen großen und kleinen Helferinnen aus unserer Stadt, und den umliegenden Ortschaften, besonders aus den Gemeinden Allmershansen, Gittersdorf, Heenes, Kleba, Nieder- aula, Unterhaun, Oberhaun und Rotenee.dte sich so eifrig am Stricken der Strümpfe nsw. beteiligten, sei auch an dieser Stelle herzlichst Dank gesagt.
Schenklengsfeld, 1. Dezember. Der auf den 17. Dezember 1914 festgesetzte Gerichtstag in Phrlippsthal wird aufgehoben. Es soll statt dessen am 2J. Dez. 1914 ein Gerichtstag in Philippstal abgehalten werden.
Bebra, 30. November. (Postdirektor Grieneisen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.) Dem Vorsteher des hiesigen Postamts, Herrn Postdirektor lArieneisen zurzeit Feldpostmeister im Heere, ist das Eiserne KreLz zweiter Klasse verliehen worden.
Cassel, 1. Dezember. Wegen schweren Diebstahls hatte sich gestern vor der Strafkammer der 16jährige Fürsorgezögling Walter St. von hier zu verantworten Wie die Beweisaufnahme ergab war er aus der Anstalt Rengshau,en sortgelaufen. Bei der Tante in Lispenhausen suchte und fand er Obdach. Hier erbrach er einen verschlossenen Koffer der Tante, in dem er Geld vermutete und entwendete aus einer Staucht einen Hundertmarkschein. Mit diesem machte er uch heimlich davon. Als man ihn bald Darauf festnahm, be ab er aerade noch zehn Mark. Die Strafkammer billigte ihm mit Rücksicht auf seine Jugend mildernde Umstände zu und verurteilte lhn zu zwei Monaten Gefängnis.
Fbrinashausen, 30. Nov. Eine schwere Bluttat ereignete sich in einer hiesigen Gastwirtschaft am gestrigen Abend. Mehrere junge Burschen waren in Streitigkeit geraten, indessen Verlauf eru Beteiligter das Messer zog und seinem Gegner, den 19jährigen Dr-h-r G-^ in di- link-, Bruftt-tt- stach. Nach 10 Minuten verschied der Getrogene. Der Täter ein 18jähriger Mensch wurde heute morgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt.
Corbach 29. November. Ein schwerer Unglücksfall, der zwei Menschen das Leben gekostet hat, ereig- nete sich in der gestrigen Nacht im Dorfe L-rlbach bet Brilon. Die drei weiblichen Familienangehörigen eines zum Kriegsdienste eingezogenen Bäckermeisters, die Ehefrau, die Mutter und ein Kind, hatten einen Ofen im Schlafzimmer stark geheizt, bevor sie stch
zum Schlafe niederlegten. Während der Nacht entwickelten sich infolge einer schadhaften Stelle am Ofen giftige Kohlengase. Am andern Morgen wurden alle drei in bewußtlosem Zustande aufgefnnden. Die von einem herbeigeholten Arzt angestellten Wiederbelebungsversuche waren nur bei der Ehefrau erfolgreich, Mutter und Tochter starben.
Frankfurt a. M., 30. November. Die Frage „Wem gehört das Geschoß'?" ist hier praktisch gelöst. In einem der vielen hiesigen Privatlazarette, dem der Frau von Weinberg, pflegt die liebenswürdige Lazarettmutter die aus dein Körper der Verwunbeten herausgeschnittenen Geschosse in Silber umfassen zu lassen, worauf sie mit dem Schlachtort und mit dem Datum der Schlacht versehen werden. Der gepflegte und der geheilte Verwundete erhält dann beim Abschied das so hergerichtete Geschoß zum Andenken.
Frankfurt a. M., 1. Dezember. Der Buchbinder Ernst Gast knüpfte mit einer Köchin ein Verhältnis an und versprach ihr die Ehe, nachdem er festgestellt hatte, daß Ersparnisse da waren. Eines Tages kam er gelaufen und erzählte der Braut, seine Mutter sei in Erfurt gestorben, er müsse hin, um 20 000 Mark zu erben. Hoffnungsvoll gab die Braut das Reisegeld her. Dann wieder brauchte er Geld für einen Anwalt, und kurz und gut, im Ganzen nahm er der Köchin 430 Mark ab. An's Heiraten dachte er nicht. Den gleichen Schwindel hat er in Dresden getrieben. Die Strafkammer verordnete ihm zur Besserung achtzehn Monate Zuchthaus.
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend
dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Sektion Sersfeld
Frl. Jakob, hier M. 10,—
Herrn Hegemeister Gute, hier „ 2—
Ungenannt „ 8.—
Verzicht auf Zeugengebühren „ 0.50
Firma A. & S. Katz, Schenklengsfeld (Erlös aus Feldpostkarten) „ 10— Sammelbüchse Heer, Stiftsschenke „ 15.95 Herrn Jakob Plaut H., Schenklengsfeld „ 3—
Schule in Unterweißenborn „ 11,60 Frl. Elisabeth Behm, hier „ 50— „ E. H., hier „ 5—
Frau Mares, Soislieden „ 5— Herrn Pfarrer Paulus „ 8— „ Börgermstr. a. D. Reuber, Rotensee „ 3— Frau Bingel, hier „ 15.—
--$TT42Ü5
heutiger Bestand M. 21.313.—
Für die notleidenden Ostprenßen: Kirchengemeinde Unterhaun M. 200.— „ Oberhaun „ 59— Gemeinde Reckerrode „ 107,65 Gemeinde Gerterode „ 5.— Herrn Dr. Berlit, hier „ 10.— Kirchengemeinde Rotensee „ 73.— 45l6a Bestand „ 494.94 heutiger Bestand &E 949.59
Für die Krieger im Felde:
Gemeinde Frielingen
M. 45.20
„ Willingshain
„ 89.-
„ Gersdorf
„ 87,20
„ Heddersdorf
„ 40—
„ Allendorf
„ 37,70
„ Hilmes
„ 50.-
Ungenannt
„ 200.-
Skatgewinn Gesellschaft „Verein"
4.22
Schulkinder in Herfa
21—
2 Einwohner in Herfa
20.—
Stenographenverein „Schriftheil"
8.15
Herrn Kommerzienrat Fritz Rechberg, hier „ 1000.-
Frau Eduard Braun, hier
„ 500—
Herrn Ludwig Braun, hier
„ 800—
Ungenannt
„ 50-
M. 2402.47
Bestand
„ 2488,08
M. 4885.55
heutiger Bestand
Für die Marine:
Frl. Elisabeth Behn, hier
M. 50—
Herrn Adolf Behn, hier
„ 20.......
M. 70—
Bestand
„ 287—
heutiger Bestand
M. 351—