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Bezeichnend ist, wie die Größe Hinbenburgs sich in der russischen Vorstellung wideLspiegelt Mag darin auch mancher Zug dem russischen BUdungsstand ent­sprechend etwas grob ausfallen, so ist das Ganze doch ein Bewers für den nachhaltigen und tiefen Eindruck den Hindenburgs Siege bis jetzt schon im russischen Volke hinterlassen haben.

Die russischen Berichte.

Petersburg, 1. Dezember. (Jnd. T. Uj Die offiziellen Berichte melden unentwegt große Erfolge der russischen Waffen, geben aber dennoch die angeb­lich aus strategischen Gründen bedingte Rückwärtsbe- wegung der Armeen der Generale Rnski und Iwanow sowie eines Teiles der Truppen des Generals Rennen­kampf z«. Aus verschiedenen Anzeichen ist zu schließen, daß die deutschen Truppen sich von neuem Warschau bedrohlich nähern. Es bestätigt sich, daß wieder ein Zep­pelin über der Stadt erschienen war und mehrere Bom­ben abgeworfen hat, die schweren Schaden anrichteten.

Der ägyptische Krieg.

** Athen, 1. Dezember. (T.-U.) Nach Meldung aus Alexandrien halten große Mengen irregulärer tür­kischer Kavallerie zusammen mit vorzüglich bewaffneten Beduinenstämmen fast die ganze Sinai-Halbinsel be­setzt. Sie überschritten die ägyptische Grenze nördlich Akaba und lieferten den dort aufgestellten englischen Grenztruppen heftige Gefechte. Vor ihrer numerischen Ueberlegenheit mußten sich die Engländer zurückziehen.

Wie es in Südafrika aussieht.

Aus dem Haag wird dem „Hann. Cour." gemeldet: Die Zeitung „Nieuwe Courant" erhielt einen Brief ihres Korrespondenten aus Kapstadt, woraus hervorgeht, daß die Engländer eine strenge Herrschaft in Südafrika ein- geführt haben, unter der die belanglosesten Redensarten mit Gefängnis von 6 Monaten bis z« einem Jahr be­straft werden. Die Zensur unterdrückt alle Nachrichten. Trotzdem sind Briefe aus Pretoria nach Kapstadt ge­kommen, aus denen hervorgeht, daß Pretoria Anfang November durch 4000 Aufständische mit Geschützen be­lagert worden ist, und daß im Freistaat 15 000 A«f- ständische, in sieben Kommandos eingeteilt, zusammenge­zogen würden.

Was die Bnrenerhebung England kostet.

Aus Rotterdam wird berichtet: General Smuts hatte im September gesagt, daß 24 Millionen genügen würden, um die Operationen in Südafrika bis zum April im Gange zu halten. Als aber die Erhebung Dewets aus- brach, stellte es sich heraus, daß die 24 Millionen schon Ende November aufgebraucht sein würden. Für die Aktion gegen Dewet ist nämlich eine beträchtliche Ver­größerung der Truppenmacht der Union nötig gewesen. Dabei ist der Ertrag der Zölle sehr stark zurückgegarrgen, und die Diamantenindustrie steht fast still.

Der Krieg in den Kolonien.

Kämpfe im Kongo.

o-K- Zürich, 1. Dezember. (T. u.) Französische Blät­ter melden nach der „Köln. Ztg." aus dem Kongo: Bel­gische Truppen haben am 9. Oktober nach einem heftigen Treffen bei Konango den Vormarsch auf deutsches Ge­biet fortgesetzt. In einem Gefecht am 29. Oktober habe eine belgische Abteilung eine deutsche Abteilung geschla­gen. Ebenso seien im Norden von Ubangi deutsche Kräfte von Franzosen und Belgiern geschlagen worden. Der gesamte belgische Kongo sei nunmehr von den Deutschen gerämm.^e Kindliche Kriegsberichterstattung zur Ge­nüge bekannt ist, wird man gut tun, die deutschen Mel­dungen über die angeblichen Gefechte abzuwarten.

Vor der Reichstagstagung.

Ueber die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern des Reichstages, so schreibt der „B. L.-A", können naturgemäß Einzelheiten nicht angedeutet wer­den, da sie streng vertrauluh waren. So viel darf aber gesagt werden, daß die Mitteilungen des leitenden Staatsmannes über die Gesamttage durchaus zuversicht­lich klänge«, sowohl über die im Westen, wo es nach un­seren gegenwärtigen Stellungen ausgeschlossen erscheint, daß der Kriea von dorther je in unser Vaterland getra­gen werden konnte, als auch über die durchaus günstige Lage im Osten. Unter solchen Umständen besteht eine Uebereinstimmung zwischen der Regierung und den Volksvertretern darin, daß nur ei« Friede geschloffen werden darf, der absolute Dauer verspricht und der uns für alle dargebrachten Opfer an Gut und Blut entschä­digt.

Die Sozialdemokratie wird den geforderten Krediten zusttmmen.

est Berlin, 1. Dezember. (WTB.) Dem „Vor­wärts" zufolge wird die sozialdemokratische Retchstags- fraktion den geforderten Krediten dem Reichstage zn- stimmen.

Die Neutralen.

Spanien bleibt neutral, wenn seine Retttralität respektiert wird.

** Rom, 1. Dezember. (T. U.) Der spanische Bot­schafter in Rom erklärte, einer Meldung der „Tribuna zufolge, Spanien werde nentral bleiben, es sei denn, daß eine Verletzung der spanischen Neutralität durch eine der kriegführenden Parteien die spanische Regierung zur Annahme einer anderen Haltnng zwinge.

Die Stimmung in Amerika.

Der amerikanische Botschafter James W. Gerard in einer Unterredung, die er bei einem voruver- rchen hatte, auch aus die Vereinigten Staaten an

kam in einer Unterredung, die gehenden Aufenthalt in Münck fcemfffi sprechen. Er fet0^ ÄmÄ^^

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Ungarns «mzuschlagen beginne. In nicht zu langer Zeu werde, wie der Botschafter glaube, die Sympathie der großen Kreise der Amerikaner auf der Seite des Rechtes und der Gerechtigkeit sein. firiegsalletleL

Bernde Flieger über dem »afen kreisten, sobald aber

‘ Wie ÖM 3tocto.3«te vom Romanshorner Schweizer Ufer du^ verschiedene Augen-

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Kunde von den Vorgängen in FriedrtchSyafen erhalten. Jedenfalls ist festgestellt worden, daß bet dem kürzlich abgeschossenen Brtgs nicht nur genaue militärische Kar­ten von FriedrichShafen, sondern auch ein» verblüffend genauer Plan des ganzen Zeppelinareals mit sorgfäl­tiger Einzeichnung der Standorte von Ballonabwehr- kanonen gefunden wurden.

Ehrung des Generalfeldmarschalls von Hindenburg durch den Kaiser Franz Josef.

_ , ** Posen, 1. Dezember. (WTB.) Kaiser Franz Josef richtete an Generalfeldmarschall von Hinden- burg und Generalleutnant von Lndendorf herzliche Glückwunschtelegramme znr Beförderung und ernannte Generalfeldmarschall von Hindendnrg zum Oberstinha­ber des Infanterie-Regiments Nr. 69.

Die Mißachtung der Samariter durch Frankreich.

w> Frankfurt a. M., 1. Dezember. (T. U.) Aus Paris meldet man der „Frkf. Ztg.": Ueber die Kriegs- gerichtsverhandlung gegen die Mitglieder des deutschen Feldlazarettes bei Pervnne bringen die Pariser Zei­tungen nur kurze, von derEensnr znsammengestrichene Berichte. Man ersieht hieraus, daß die angeklagten Dia­konissinnen die Beschuldigung, daß sie Leibwäsche, Hand­tücher und Verbandsmaterial sich angeeignet hätten, in unzweideutiger Weise entkräfteten. Sie hatten alles von den französischen katholischen Schwestern, die an ihrer Seite tätig waren, zum Geschenk erhalten für die dent- schen Soldaten. Die französischen Schwestern wollten damit ihren Dank für die Hingabe der deutschen Diako­nissinnen zum Ausdruck bringen. Trotzdem hat das französische Kriegsgericht neun der Angeklagten zu Ge­fängnis bis zu neun Monaten verurteilt.

Ein neues Opfer der Minen.

®e* Aarmouth, 1. Dezember. (T. U.) Eines der hie­sigen kleinen Küstenschiffe stieß beim Fischfang in der Nordsee auf eine Mine. Es hatte eine Mannschaft von nenn Personen, die wahrscheinlich alle nmkamen. In der Nähe befindliche Boote haben während der Nacht eine Explosion gehört. Die Lichter verschwanden und das Fahrzeug sank. Bei Tagesanbruch wurde das Wasser von Schiffen nach der Mannschaft abgesncht, man konnte jedoch von ihnen keine Spur mehr entdecken.

Brot-, Zucker- und Kohlennot in Paris.

Aus einem der gedämpften Berichte, die aus Paris in die Außenwelt dringen, nämlich einer Darstellung des Algemeen Handelsblad, läßt sich einiges über die Ver­sorgung von Paris und Frankreich mit Brot, Zucker und Steinkohle ersehen. An Brot ist insofern Not, als diejenigen Pariser, die an Feinbrot gewöhnt waren, sich

mit sogenanntem hausbackenen Brot begnügen müssen. So will es der Generalgewaltige, der Militärgouver­neur, der Mann, der die Bewohner der lebenslustigen Sauptstadt auch zwingt, um 8 Uhr abends hübsch nach ause zu gehen, denn um diese Stunde müssen die Wirt­schaften geschlossen sein. Was den Zucker angeht, so ist er von 70 Centimes im Juli auf 1,10 Franken Anfang November gestiegen und steigt noch fortwährend. Es kommt schon vor, daß in dem einen oder andern Laden der Vorrat zur Neige geht, und daß nur bevorzugte Kunden überhaupt noch Zucker erhalten. Frankreich er­zeugt jährlich 300 000 Tonnen Zucker, die es selbst ver­braucht. Die Fabriken liegen in dem jetzt vom Feind besetzten Gebiet. Aus dem Ausland werden noch 400 000 Tonnen eingeführt. Deutschland und Oesterreich haben einen Ueberschuß von 2,39 Millionen Tonnen jährlich.

In gewöhnlicher Zeit kommt gegen Ende Oktober Kohle aus England über Rouen und von den andern Bezugsquellen, namentlich Belgien, über die Kanäle ein; jetzt aber sind die 15 000 Tonnen, die täglich in Paris eingehen sollten, auf 6- bis 7000 Tonnen gesunken.

Kohle

Zwei Kriegsidylle.

Eine unserer Batterien reitet durch ein brennends Dorf. Der Führer erhält den Befehl, die Batterie im Galopp durch das Dorf an den Feind zu führen. Eben will er den Befehl weitergeben, da bleibt sein Auge starr auf dem Kandarenzügel des nächsten Pferdes haften. Dort schaukelt sich in aller Ruhe ein kleines Kanarien- vögelchen. — Als das Gefecht etwas nachgelassen hatte und nur noch vereinzelt Schrapnellwölkchen über unsern Stellungen an den Gegner erinnerten, schickte ein Of­fizier einen Mann aus, um Milch zu holen. Zahlreiche Rinder irren nämlich Tag und Nacht zwischen den-feind­lichen Stellungen umher. Die Gegner halten sie zur Be­lustigung unserer Leute oft für Kavallerie-Patrouillen. Unser Kanonier hatte bald eine Kuh auf gefangen und fina an zu melken. Aber schon nach wenigen Minuten er”|ien er wieder mit dem fast leeren Eimer: Gerade als ich zu melken anfing, haben sie mir die Kuh tot- geschossen.

Gericht und Recht«

Das Kriegsgericht in Neubrejsach hatte laut „Straß- buraer Post" vom 24. November in einer tu Misthaufen abgehaltenen Sitzung wieder über zwei Fälle schweren Landesverrats zu befinden. Verurteilt wurde zunächst der Handlungsvertreter Albert Bechetn aus Steinbach bei Mülhausen, dem nachgewiesen wurde, daß er den Franzosen die deutschen Stellungen und ^ruppenbewe- gungen verraten hat, zu zwölf Jahren Zuchthaus. Zwei weitere Mitangeklagte mußten wegen Mangelsanaus- reichenben Beweisen freigesprochen werden. Ebenfalls zu zwölf Jähret Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust wurde der Kellner Ebele aus Mülhauien verurteilt, der überführt wurde, zwei Schutzleute an die Franzosen ver­raten und ihre Verhaftung veranlaßt zu haben.

Bestrafung eines Heereslieferanten. Bom Landge­richt Karlsruhe wurde der Weinhändler s. wegen Ber- lenuna des § 329 R.-Str.-G.-B. zu zehn Wochen Gefäng­nis verurteilt. Er hatte für den Fall eines Krieges durch Vertrag mit der Militärbehörde der Verpflegung der Brunnen auf einer badischen Bahnstation übernommen. E? Kß verdorbenes Misch und schlechte Suppe auste - S DieTruppen wiesen diese Kost größtenteils mit Entrüstung zurück und te^eu starke Neigung, S. heran- »ubolen und dem ordentlichen Strafverfahren vorzugrei- fen 1 Die Leute blieben infolge des Vorfalles auf der auSaeaebenbat". Dem Urteil kann man nur ^stimmen Äe Handlung des Weinhändlers iit um fo vÄweAlicher ass bekanntlich die Mtlitärverwcul.ung Preise zah^ die Verwendung der besten Qualitäten voraussetzen sollte.

Fleisch und schlechte Suppe auötei- wiesen diese Kost größtenteils mit

Vermischtes*

Das Erbe des Königs Karl. Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Bukarest: Nach nunmehr vorliegender vor­läufiger Schätzung beträgt der Nachlaß bee3 KönigS Karl E Rumänien 50 Millionen Kronen. Davon sind 12 Binnen ben von der Königin Elisabeth errichteken Äw&Ä&n o-nn». ®U «u»M«°« l"

der Bibliothek haben eilten Wert von 20 Millionen Kro­nen. Diese fallen dem Staate au. Der jetzige König erbt 15—17 Millionen Kronen. Wie aus dem ‘Testament hervorgeht, hatte der König das Erträgnis der zwölf königlichen Güter fast ausschließlich allgemeinen und Wohltätigkeitszwecken gewidmet, barunter fünf Milli­onen für neue Schnellfeuergeschütze, viele Millionen für den Ausbau der Flotte und der rumänischen Hafen.

Verhaftung eines schweren Verbrechers. Der Schmied Adolf Rahmer, ein von den Russen in Jnster- burg aus dem Zuchthause freigelassener Verbrecher, ist am Montag in Schweidnitz festgenommen worden, nadj- dem er eine Reihe [dunerer Einbrüche in Gastwirtschaften von Schweidnitz und anderen Städten Schlesiens ver­übt hatte.

Der Pfendo-Arzt als Dieb. Ein falscher Arzt, der lange Zeit in Berlin und Vororten sein Unwesen ge­trieben hat, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Eitl 31 Jahre alter, aus Frankfurt a. M. gebürtiger früherer Privatlehrer Max Schulz führte sich in Pensionaten und bei Zimmervermieterinnen als Dr. Schulz oder Dr. Krause em unter dem Vormunde, daß er ein Zimmer mieten wolle. Wenn er dann bei der Be- fmnigung geeignete Wertsachen zum Stehlen fand, so schickte er die Begleiterin mit der Bitte weg, ihm Papier oder einen Bleistift zum Allfschreiben seines Namens zu holen. Während die Damen dieser Bitte llachkamen, steckte er die Wertsachen ein und verschwand damit. In der letzten Zeit untzte er in seiner Art den Krieg aus, indem er jetzt nicht mehr als Chariteearzt, sondern als Arzt vom Roten Kreuz auftrat. Die wiederholten War­nungen der Presse unb der Kriminalpolizei vor dem Gauner hatten endlich Erfolg. Eine Dame dnrchschaute den vergeblichen Mieter und sorgte dafür, daß er fest* genommen wurde. Er hat in Berlin über 150 Diebstähle verübt.

Die Granate im Bett. Schweizerische Blätter be­richten ans Markirch im Elsaß, daß dort ein Oberbahn- asststent in seinem Bett eine französische Graliate ge­funden habe. Das nnheimliche Ding, das eine «äuge von 67 Ztm. nnd einen Surdnncffcr von 17 Ztm. hat, bet einem Gesamtgewicht von 85 Pfund, hatte in schrä­ger Richtung sämtliche Stockwerke des dreistöckigen Hall- ses bis zum untersten durchschlage» und war dann, ohne zu krepieren, spurlos verfd)wunben, bis mau sie endlich im Bett entdeckte. Ein Feuerwehrmann holte den un­angenehmen Schlafgast ab.

Der Bildungsstand der kämpfenden Heere. Wenn man die im gegenwärtigen Weltkrieg kämpfenden Heere auf ihren Bildlingsstand mitcinanber vergleicht, so ist es das russische Heer, das bei weitem die größte Anzahl von Analphabeten aufzuweisen hat. Auf 1000 russische Sol- baten nämlich kommen 617, die nicht lesen noch schreiben können, und selbst der serbische Bilndesbruder hat es darin weiter gebracht, da man im serbischen Heer nur 434 Anal­phabeten auf 1000 Soldaten, in Belgien 92, in Frankreich 30, in England 10. Ziehen wir auch noch die Heere Italiens und der Schweiz in Betracht, die zwar nicht am Kampfe tetlnehmeu, so sind von 1000 italienischen Sol­daten 306, von 1000 schweizerischen 3 des Lesens und Schreibens nicht mächtig. So ehrenvoll nun die schlvei- zerische Zahl auch ist, so wird sie doch von der deutschen Leistung noch erheblich übertroffen. Denn unter 1000 zum Heeresdienst eingezogenen Deutschen findet sich noch nicht einmal ein Analphabet, da der Prozeatsaß 0,5 be­trägt. Also erst unter 2000 deutschen Soldaten einer, der nicht lesen und schreiben taun. Daran erkennt man so recht die Barbaren!

London bei Tage. Es ist schon mancherlei über das veränderte Bild berichtet worden, das die Utiefenftabt an der Themse jetzt bei Nacht bietet, während der die Zeppelin-Angst die britische Metropole zu Finsternis verdammt hat. Aber auch bei Tage hat London nicht mehr sein gewöhnliches Aussehen, unb der Korrespondent der „Gotenburger Handels- und Schiffahrtszeitung" weif? dafür allerlei Einzelheiten zu erbringen. „Ich habe heute", so schreibt der schwedische Journalist, „ganz von* don auf demDach eiues Omnibusses durchquert und von dem erhöhten Ausguck einen Blick auf das äußere Leben der Riesenstadt geworfen. Die Veränderungen im Stadtbilde sind schon in den äußersten Vororten augen­fällig. Diese sonst rein englischen Viertel scheinen plötz­lich von Fremden überschwemmt zu sein, denn fast bei jedem Schritt hört-man flämische unb französische Laute. In den Fenstern sieht man Anpreisungen in diesen bei­den Sprachen. Vor den Zeitungsanslagen sind zahl­reiche belgische und französische Blätter zit sehen. Der Omnibus fährt an dem großen Felde vorbei, das nach einer Richtung hin in Richmond Parc auslälift. Das ist seit Jahrhunderten der Uebungs- und Paradeplatz des englischen Militärs. Während der letzten Jahrzehnte aber diente der Hübsche Platz nur der Erholung der Bür­ger: jetzt werden hier Soldaten ausgebildet, einige schon in Khaki, die meisten noch in Zivil, weil es an Uniformen fehlt. Neben kräftig entwickelten Männern sieht man auch lange Kolonnen von Rekruten, die aus den ärmeren Stadtvierteln zu stammen scheinen. Viele sind blaß und unterernährt. Leute, wie man sie in den dunklen Industrievierteln findet. Gleich in der Nähe ist ein Fußballplatz. Junge, kräftige Männer ergeben ftd) hier dem Spiel, während Hunderte andere zllschauen. Dieser Gegenstand zeigt, daß es noch Bevölkerungs­schichten gibt, die unbekümmert um den Kampf ums Dasein, den Endland kämpft, ihre Kräfte auf den Sport verschwenden. Es sind eben mit dem Fnßballspvrt so große finanzielle Interessen verknüpft, daß man ihn nicht ohne weiteres aufgeben kann. Auch in den großen fiauvtftrahen von London merkt man die Veränderung urch den Krieg, wie z. R. in Bondstreet. Der Luxus ist geschwunden, teils freiwillig, teils aus hartem Zwang. Und die Luxusgeschäfte sind meist leer. In den Kassen der vornehmen Kaufhäuser in Regentstreet herrscht Ebbe. „Piccadilly Circus", der Mittelpunkt des Londoner Ver­gnügungslebens, sieht auch anders als sonst aus. Der Verkehr ist hier bedeutend geringer geworden, wie auch die Zahl der Autobusse in den Hauptstraßen der Stadt erheblich kleiner als sonst ist. Linie auf Linie ist einge- zopen worben; etwa tausend Wagen sind für das Heer requiriert und hinter der Schlachtfront in Belgien und Frankreich. Die VarieteeS und Theater fpielen zwar, aber die Theater führen nur noch ein tristes Dasein, schon weil das ganze Nachtleben aufgehört hat.

Die Schreibselige. Ein junges Mädchen aus Höchst a. M. hat seinem im Felde ftebeuben Bräutigam in den ersten 15 Wochen des Krieges 184 Briefe geschrie­ben, also auf den Tag rund zwei Briefe, und der Schatz erhielt auch wirklich alle 184 Briefe.

Weitere Drahtnachrichten.

Dyuamitanschlag in Finnland.

»«* Stockholm, 1. Dezember. (T. U.) Nach einer russischen Depe.khe aus der finitifdien Hauptstadt Tanner- fors wurde ein Diebstahl von 300 Kilogramm Dynamit entdeckt. In der folgenden Nacht wurde durch einen un­bekannten Täter die bei Pyä-Jävri befindliche große Brücke i« die Luft gesprengt. Es handelt sich um eine wichtige finnische Brücke.