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[ Dom österr.-ungar. Generalstab ^
»e* Wien, 29. November. (WTB.) Laut amtlickem Bericht verlief der Sonnabend in Ästisch-Pol?n «nd Wef^alizien sehr rvhig. In den Karpatheit wurden WÄW^.MKM'LLE Russen geschlagen «Nd zu- rückgedrangt und 15 000 Gefangene gemacht.
Die Operationen gegen die Serben.
Wien, 29. November. Vom südlichen Krieasschau- Vlatz wird amtlich gemeldet: Gegner leistet in d?r jetzigen Gefechtsfront verzweifelten Widerstand und versucht, durch heftige Gegenangriffe, die bis zum Bajonett- kampfe gedeihen, unsere Borrückung anfzuhalten. Die ant östltchen Kolnbaraufer stehenden eigenen Truppen haben stellenweise wieder Raum gewonnen. Die über Baljevo und südlich vorgerückten Kolonnen haben im allgemeinen die Höhen östlich des Ljig-Flusses und der Linie Suvobor-Stratzendreieck östlich Uzice erreicht. Gestern wurden insgesamt zwei Regimentskommandante«, nennzehn Offiziere und 1245 Mann gefangen genommen.
Die Verluste der Rüsten in Polen.
Die „Nationalztg." meldet aus Mailand: Der Berichterstatter des gewiß nicht deutschfreundlichen „Carriere della Sera" meldet seinem Blatte, daß die Verluste der Russen in den letzten Kämpfen, die seit Ende vorletzter Woche im Gange sind, nahezu 120 000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen betragen. Die finnländischen Regimenter. Sie in der Schlacht mitkärnpf- ten, hätten fast die Hälfte ihres gesamten Bestandes ein- gebützt. Es ist auch zwecklos, so schreibt der Berichterstatter, zu leugnen, daß etwa 65 000 Unverwundete den Deutschen in die Hände gefallen seien.
Der russische Generalstab warnt vor gewissen Siegesgerüchten.
Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: Angesichts der verschiedenen Gerüchte, ine über den Umfang der russischen Steges zwischen Weichsel und Warthe (!) Umläufen, erklärt der Große Generalstab, daß diese Gerüchte zum Teil vonPrivatkorrespondenzen genährt sind, die einigen Zeitungen vom Kriegsschauplätze zugingen. Der Große Generalstab warnt vor diesen Gerüchten, die durch die Tatsachen nicht begründet sind und mit Bor behalt ausgenommen werden müssen. Wie zu Anfang des Krieges, weist der Generalstab auf die Notwendigkeit hin, alle Nachrichten, die nicht aus amtlicher Quelle stammen, mit Vorbehalt aufzunehmn. Zweifellos ist der deutsche Plan, die russische Front auf dem linken Weichselufer zu umspannen und einen Teil der russischen Armee einznkreisen, vollständig gescheitert. Es geht aus den Mitteilungen des Generalstabs des Generalissimus hervor, daß die Deutschen gezwungen sind, sich von Az- gow und Tuszin über Brzeziny auf Strytow unter für sie äußerst ungünstigen Bedingungen zurückzuziehen. Beim Rückzug erlitten die Deutschen ungeheure Verluste. Indessen sind die Kämpfe noch nichts vollendet. Die Schlacht entwickelt sich an der ganzen Front sehr günstig für uns. Aber der Feind setzt seinen hartnäckigen Widerstand fort, und es ist unmöglich, den Kampf als, beendet anzusehen. Es ist nötig, seine endgültigen Ergebnisse abzuwarten mit der festen Sicherheit, oatz die russischen Truppen von dem Bewußtsein der Notwendigkeit durchdrungen sind, ihre heldenmütigen Anstrengungen zu Ende zu führen, um den Widerstand des Feindes endgültig zu brechen.
Der löbliche Versuch des russischen Generalstabs, ine Wahrheit zu sagen, hält, wie der zweite Teil der amtlichen Auslassung beweist, nicht eben lange vor. Aber es ist immerhin bezeichnend, daß man es sogar in Rußland für notwendig hält, von der englischen ^ügenbe- richterstattung abzurücken, um die unausbleibliche Enttäuschung nicht allzu groß werden zu lassen.
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Die Korrespondenz „Rundschau" meldet aus Kopenhagen: Trotz der Versuche der russischen Regierung, die um sich greifende revolutionäre Strömung, die sich zugleich nachdrücklich gegen den Krieg wendet, zu unterdrücken, greift diese Bewegung in zahlreichen russischen Städten doch immer mehr um sich. Vertrauliche Berichte der Obergendarmerie bestätigen, daß die revolutionäre Bewegung in Rußland in letzter Zeit zunimmt.
Aus dem türkischen Hauptquartier.
Die Türken nahe vor Batum.
Konstantinopel, 29. November. Das Hauptquartier teilt unterm 28. mit: Unsere Truppen im Tschuruk-Tale warfen einen Ausfallsversuch der Rüsten in der Gegend der Flußmündung zurück? die Geschütze der Landbefe- stigungen von Batum nahmen an diesem Kampfe teil, aber ohne jeden Erfolg. Unsere Truppen drangen in die Gegend von Atschara, zehn Kilometer südöstlich von Batum, vor.
Die Russen behaupten in ihren amtlichen Mitteilungen, daß unsere Truppen im Kaukasus besiegt und auf Erzerum zurückgegangen seien. Diese Nachrichten sind vollständig falsch. Unsere Truppen sind bereit znr Offensive gegen den Feind, der keinerlei Bewegung außerhalb seiner befestigte« Stellungen gemacht hat uud im Gegenteil noch den Kampf im freien Felde eine weite Strecke vor unsere« siegreichen Truppe« zvrückge- wiche« ist.
Mehrere Tausend Somalireiter ziehen gegen Aegypten.
»-* Konstantinopel, 30. November. (WTB-) Nachdem die Muselmanen im Somililand erfahren haben, daß an der Grenze von Aegypten Muselmanen mit den Engländern im Kampfe stehen, ziehen mehrere tausend Somalireiter gegen Aegypten.
Der Aufruhr in Aegypten.
os* London, 30. November. Mnd. T. U) Die Aufstandsbewegung in Oberägypten laßt sich nicht:mehr wegleugnen. Die offizielle Preste gibt einige Unruhen zu, ' ehr zurückhaltender Weise nur von ei-
1 Eingeborenen im ägyptischen Sudan, averlässigen Meldungen zufolge, soll
leug...... — .,,_-- spricht jedoch in sehr ner Erregung der Eingeboren
Privaten, jedoch zuverlässigen Meldungen smmge, w« es jedoch schon am 10. November m Abu-Hammed und El Orfa zu offenem Aufruhr eingeborener agyp ischer Regimenter gekommen sein. Die betreffenden Regimenter waren in die heißen Gegenden des oberen Nil straf- verschickt worden, und der Geist der Revolte gahrte sett langem unter ihnen. Sendboten der Z^nussi sollen ue vom Ausbrechen des Heiligen Krieges benachrichtigt haben, worauf sie ihre englischen Offiziere ermordeten und sich den bereits aufständischen Arabern «»schlössen.
Neue französische Niederlagen in Marokko.
4 te Madrid, 30. November. (T. U.) Nach Meldungen aus Tanger haben die Truppen des Obersten Laverdure, die bereits am 13. November Bet Khenifra eine schwere Niederlage erlitten, am 24. d. M. auf dem Wege von Tadla nach Fez eine neue noch schwerere Schlappe erhalten. Oberst Laverdure beabsichtigte, mit 8000 Mann den 6000 Mann starken Kolonnen des Generals Henry entgegenzuziehen, um mit diesen vereint
die in Fez eingeschlossene Bemtzung zu befreien. Kurz vor seinem Zusammentreffen mit General Henry wurde er von überlegenen Streitkräften während des Marsches durch eine Talschlucht Überfälle« und zum Kampfe in sehr ungünstiger Position gezwungen. Nachdem 148 euro- patfdte Soldaten und sieben Offiziere gefallen, und eine Reche anderer verwundet worden waren, gelang es dem Obersten durch einen Sturmangriff, nach Norden durch- zubrechen. Er mubte jedoch alle Geschütze und das gesamte Wagenmaterial in den Händen der Feinde lassen. Der Generalresident von Marokko Liautey hat katego- rrsch von der französischen Regierung die Absendung von Verstärkungen verlangt.
Die Folgen der Burenerhebung.
Verminderte Staatseinnahmen.
Die „Times" meldet aus Kapstadt vom 26. Nvvem- ber: Die Staatseinkünfte weisen eine Verminderung von ungefähr 500 000 Pfund für den Monat auf. Die Abnahme sei hauptsächlich dem unvermeidlichen Rück- gang an Zolleinnahmen und der Lahmlegung der Dia- mantenindustrie zuzuschreiben. Die Verminderung der Staatseinnahmen am Ende des Finanzjahres werde voraussichtlich 3 bis 8« Millionen Pfund Sterling betragen.
Das wankende Ansehen Englands in Südamerika.
Der Korrespondent der „Times" in Washington meldet vom 27. November: Nach Berichten aus Südamerika ist der Seebandel namentlich an der Westkiiste durch die Tätigkeit der deutschen Kreuzer außerordentlich behindert. Die britische Schiffahrt soll beinahe aufgehoben sein. Es wäre zwecklos, die Tatsache zu verkennen, daß unsere Unfähigkeit, die See in diesem Teile der Erdkugel von den die Handelsschiffe verfolgenden Deutschen zu säubern, eine ungünstige Wirkung auf nnser Prestige zu haben beginnt.
Die neue Kriegssitzung des Reichstags.
Besprechungen des Kanzlers mit den Parteiführern.
oe* Berlin, 30. November. (T. U.) Am Mittwoch den 2. Dezember um 4 Uhr nachmittags wird der Reichstag abermals zusammentreten, um über die Nachtragskredite zu beraten, die der Krieg erfordert. Um der Sitzung eine gleiche geschlossene Einmütigkeit zu geben, wie der ersten, hat nach einer Meldung des „Lok.-Anz." der aus dem Hauptquartier zurückgekehrte Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg gestern im Laufe des Tages Besprechungen mit den Parteiführern. Diese werden heute mit ihren Fraktionen Rücksprache nehmen.
Ueber die Stimmung Berliner maßgebender Kreise unterrichtet auch nachstehendes Telegramm der "Magd. Ztg." aus Berlin:
Das Ergebnis der Beratungen der Parteiführer mit dem Reichskanzler und der Reichstagsfraktionen unter sich wird selbstverständlich geheim gehalten, doch kann über die Stimnmng in Regierungs- und parlamentarischen Kreisen mit aller Bestimmtheit doch soviel mitge- teilt werden, daß trotz der umgehenden Gerüchte eine Neigung znm Friedensschluß nirgendwo vorhanden ist. Die Friedensgerüchte werden allerorts als leeresGerede abgetan, und das mit Recht, denn zum Friedensschluß liegt heute noch nicht die geringsteVeranlassung vor. Einmal, weil man sich an den maßgebenden Stellen der Verpflichtungen gegenüber berechtigten Empfindungen des deutschen Volkes wohlbewutzt ist, das nach den gebrachten Opfern mit Recht von einem faulen Frieden nichts wissen mag. Sodann, weil bisher noch keine endgültige Entscheidung auf den Schlachtfeldern gefallen ist, wenn auch die militärische Gesamtlage für uns befriedigend ist. Unsere tapferen Truppen im Westen haben den Krieg auf französischen Boden getragen und stehen dort in ganz unüberwindlichen Defensivstellungen, die uns nach menschlichem Ermessen davor sichern, daß je der Krieg in unser Land getragen werden könnte. Wann im Westen die Offensive wieder zu ergreifen ist, hängt von den Umständen ab. Darf es sonach als ausgeschlossen gelten, daß wir dort wieder zurückgedrängt werden konnten, so bietet auch andererseits die Lage im Osten nicht den geringsten Anlaß zu Befürchtungen. Generalfeldmarschall v. Hindenbnrg hat sich bisher noch jeder russischen Uebermacht überlegen gezeigt, und deshalb dürfen wir auch auf jenem Teil des Kriegsschauplatzes der Entwicklung der Dinge mit vollster Zuversicht entgegenblicken. Auch die wirtschaftliche und politische Lage ist durchaus befriedigend.
kriMallerlel.
Ein preußischer Landtagsabgeordneter gefallen.
Wie die „Ostpreußische Zeitung" meldet, ist der konservative Landtagsabgeordnete Oberförster Ernst Meyer aus Tawellningken am 23. November den Heldentod gestorben. — Oberförster Meyer vertrat im Landtag den 1. Wahlkreis im Regierungsbezirk Gumbinnerr.
375 Millionen FranW Kriegskontribution für Belgien.
w Brüssel, 29. November. (T.-U.) Die Kriegskontributton für Belgien ist angesichts der schwierigen Umstände endgültig auf 375 Millionen Franks festzusetzen. Die Bank Societe generale wird von anderen Banken gestürtzt und zu einer Notemisiion von 420 Millionen ermächtigt, von denen 375 Millionen der deutschen Verwaltung übergeben werden sollen. In Antwerpen wird eine Filiale der Reichsbank eröffnet.
46 deutsche Heeresangehörige in Holland in Freiheit gesetzt.
Rotterdam, 29. November. (T.-U.) Der holländische Kriegsminister hat laut Meldung des „Alkmaarer Uonrant" 46 in Bergen interniert gewesene Ängehö- N des deutschen Heeres in Freiheit setzen lassen, Es besinden sich unter ihnen auch drei Offizi^e, nämlich Hauptmann Stephan und die Leutnants Berner und Gölldner sowie Proviantmeister Werner.
Ein Deutscher in Casablanca von den Franzoseu erschossen.
Berlin, 29. November. (T.-Uö Von der in Berlin lebenden Gattin eines der in Marokko kriegs- gefangenen deutschen Kaufleute wird im „B. T. nutge- teilt daß das Schicksal der von Casablanca weggebrack- ten deutschen Kolonie sehr traurig ist. Vierzehn ^euttche sind von Sebdou im Bezirk Oran, wo sie anfangs weilten einige Tage später plötzlich nach Casablanca gebracht worden, um vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Sie sind der Aufwieglung der Bevölkerung, gegen die ^roiiÄDfen beschuldigt. Die Hoffnung, daß ihnen kein Haar gekrümmt werden würde, hat sich nicht erfüllt. Am 5 November ist der deutsche Postmeister von Ca- sablanca erschossen worden. Ein Kaufmann namens Mi t bei dem ein Gewehr und Munition gefunden wurde wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Dio Tatsache bestätigt ein vom 6. November datierter Brief ein?s in Casablanca lebenden Engländers.
Der österreichisch-ungarische Konsul Schwimmer von den Franzosen wieder freigelassen.
^ Messina, 30. November. (WTB.) Der auf einem italienischen Dampfer am 22. November von - nem französischen Kriegsschiff mit seiner Familie an- gehattene Kneichisch-ungarische Konsul Schwimmer
ist uns Reklamation der italienischen Regierung gestern tu Messiua freigelassen worden.
Verschärfte Maßregeln gegen die Panikmacher in Paris.
w> Genf, 30. November. (WTB.) In PariS wurden durch Maueranschlag verschärfte Maßregeln gegen die Panikmacher bekannt gegeben.
Japans weitere Teilnahme am Kriege.
** Christianta, 29. November. (T.-U.) Dem „Temps" wird aus Tokio gemeldet: Der japanische, Premierminister Graf Oknma erzählte, daß Japans Teilnahme am Kriege nicht mit der Eroberung Kiautschous abgeschlossen sei. Dentschland dürfe damit rechnen, daß es während des Krieges weiter dem japanischen Heers und der Flotte begegnen werde.
Drei japanische Dainpfer vernichtet.
w Ans der Schweiz, 30. November. (T.-U.) Aus Tokio wird nach der „Franks. Ztg." gemeldet: Nachträglich wird bekannt, oie „En d 'n" noch die japanischen Dampfer „Suwarnara" und Kitano Maru" mit englischen Soldaten und die „Kawata Marn", also drei japanische Dampfer versenkt hat.
König Albert von Belgien verwundet.
o-*' Brüssel, 30. November. (T. U.) Hier verlautet nach einer Meldung der „Deutschen Tagesztg." baß König Albert in den Kämpfen an der Äser am Arms verwundet worden ist. Der hiesige Chtrnrg Depage sei znm König berufen worden.
Das Schicksal der deutschen Missionare iu Indien.
Der schwedische Missionar Sandgrell, der aus Mudra (Indien) nach Schweden heimgekehrt ist, teilte mit, daß alle deutschen Missionare in Indien, auch die nicktwehr- Pflichtigen, von den Engländern verhaftet und interniert worden sind.
Bei der Verabreichung von Liebesgaben tödlich verunglückt.
Das Neue Waldeilburger Tageblatt meldet: Auf der schlesischeu Gebtrgsbnhu Glatz—Dittersbach siud Sinnt» abend nachmittag von einer Anzahl Frauen, die auf offener Bahnstrecke nahe Wttstegtersdorf SolBateu eines Militärzuges Liebesgaben in die Abteile reichten, drei durch einen den Militärzug tiberholenden Personenzug überfahren und getötet lvorden.
Choleraverdächttge Russen in Ulm.
Nach einem vom stellvertretenden Generalkounuando des 13. Armeekorps genehmigten Bericht des Süddeutschen Korrespondenzbureaus aus Ulm, sind dort unter den mehrere tausend Mann betragendell russischen Gefangenen elf choleraverdächttge Krankheitsfälle vorge- kommen, denen bis jetzt vier Russen erlegen sind. Ein bakteriologischer Nachweis für asiatische Cholera liegt bisher nicht vor. Es ftnö aber alle Vorsichtsmaßregeln getroffen worden.
Vermischtes.
Der Geschworene mit dem falschen Namen. Vordem Schwurgericht in Salerno (Uuteritalien) ereignete sich ein Borfall, der wohl einzig dasteht in der Gertchts- praxis. Das Gericht hatte bereits 24 Tage lang gegen die Brüder d'Alesstv wegen Mordes mit) gegen die Brüder diNapolt di Ciporra wegen Anstiftung zum Mord des Vincenzo Lamberti verhandelt, urrd es waren etwa 100 Zeugen verhört worden; auch hatten die Zivil- partei, der Staatsanwalt und einige Verteidiger bereits plaidiert. Als nun der Präsident „Gesckworenen- appell" hielt und dabei zuni Aufruf des zehnten Geschworenen fam, der unter dem Namen Michele Mar- ruso eingeschrieben war, erklärte dieser, er yetße nicht Marrusv, sondern Michele Mazzici von Altavista Ci- rentina! Man kann sich die Verblüffung der Anwesenden vorstellen! Die Sitzung mußte unterbrochen wer» den und nach Anhörung der Zivttpartei, der Verteidiger und des Staatsanwalts erklärte der Präsident das ganze Gerichtsverfahren für ungültig und verurteilte den seltsamen Geschworenen zur Tragmig sämtlicher Verhandlungskosten, die sich auf viele tausend Lire belaufen.
Der Millionendefraudant Herrncan«. Zu der Verhaftung des Direktors vom Pfvrzhe>iiner Bankverein wird noch bekannt: Der seit Ende Juli d. I. flüchtig gewordene Direktor des Pforzheimer Bankvereins, Fritz Herrmann, hat sich in Karlsruhe dem Gericht freiwillig gestellt und wurde verhaftet. H. war Eude Juli nach dem Eingeständnis seiner Berfehlirng nach Frankfurt a. M. gereist, um dort womöglich bares Geld aufnehmen zu rönnen, mit dem er hoffte, die nächsten Verpflichtungen decken zu sönnen. Bet der inzwischen eingetretenen Kriegsgefahr konnte er aber seinen Plan nicht durchführen. Sie beiden Direktoren des Bankvereins, Herrmann und Krämer, haben schon seit Jahren spekuliert. Im Jahre 1907 hatte infolgedessen Krämer beim Bankverein ein Guthaben von 50 000 ./Z, während Herrmann ihm 170 000 .U. schuldete. Als man dahinter kam, mußten sie sich verpflichten, künftige jede Spekulation zu unterlassen. Sie kümmerten sich aber nicht um das Versprechen; denn die am Ende Juli aufgenommene Bilanz zeigte nach dem „Hannov. Tgbl.", daß die Verluste aus den Spekulationen der beiden sich auf mehr als acht Millionen Mark belaufen. Direktor Krämer be-- sindet sich schon seit Mitte August in Untersuchungshaft.
Weitere Drahtnachrichten.
Gcbnrtstagswttnsche für den Kanzler.
>♦ Berlin, 30. November. (WTB.) Der Kaiser und König sandte an den Reichskanzler zu dessen gestrigem Geburtstag ein überaus herzliches Glückwunschtelegramm, auf das der Reichskanzler mit einem ehrfurchtsvollen Danktelegramm antwortete.
»s* München, 30. November. (T. u.) König Ludwig bat an den Reichskanzler zu dessen Geburtstag ein Glückwunschtelegramm gerichtet, in dem es heißt: Gott erhalte Ihnen die Kraft, die schwere und verantwortungsvolle Aufgabe zum Heile des deutschen Volkes zu erfüllen. Felsenfest ist nnser Vertrauen ans den Sieg der deutschen Waffen und ans Deutschlands glückliche Zukunft.
Wechsel in der deutschen Botschaft in Rom?
w> Frankfurt a. M., 30. November. (T. U.) Der „Franks. Ztg." wird aus Mailand gemeldet: Der Cor- rtere della Sera" erfährt von einer hochgestellten Persönlichkeit, daß der deutsche Botschafter von Flotow wirklich ruhebedürftig sei und für einige Zeit an die Riviera reisen werde. Ueber seinen Ersatz durch den Fürsten Bülow sei noch nichts bekannt. Hierzu Bemerft die „Frkf. Ztg.": Nach unserem Wissen dürfte die Nachricht von einer Beurlaubung des Herrn von Flotow aus Rücksicht auf seine angegriffene Gesmidheit richtig sein. Als fein Stellvertreter ist ein durch seine frühere Tätigkeit in Italien bekannter Staatsmann Bestimmt.
(Fürst Bülow war 1893 bis 1897 Botschafter in Rom.)