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hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- . .

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei j)Ct5luU^T

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

für den Kreis Hersfeld

rx n ii Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im / 1501011 amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- , holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 381

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat

* Ueber den Stand der ländlichen

Fortbildung s schulen vor Ausbruch des Krieges ' Kahlen kurz Aufschluß geben. Die

au marschiert hinter Schlesien

mögen folgende Zahl

Provinz Hessen-Nasß unter den preußischen Provinzen mit der Zahl ihrer Fortbildungsschulen an zweiter Stelle; es waren im Etatsjahr 1913 deren 959 vorhanden. Die Ausgaben betrugen 164 082 Mark. Die Schülerzahl war 15 536. In 230 Schulen waren über 20 Schüler. Der Unter­richt wurde in 82 025 Stunden durch 1253 Lehrkräfte erteilt, unter denen 11 Geistliche sich befanden. Gegen das Vorjahr sind 21 Schulen mehr vorhanden gewesen. Der Regierungsbezirk Cassel weist mit 560 Fortbil­dungsschulen die meisten auf. Die meisten Fortbil­ldungsschulen hat der Kreis Gelnhausen mit 55, dann folgen Eschwege mit 42, Schlüchtern mit 40, Melsungen mit 89 und Marburg mit 38 Schulen.

* sWeihnachtssendungen.) Die Refchs- Postverwaltung richtet auch in diesem Jahr an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssendungen bald zu beginnen, damit die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammen­drängen. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlichen Be- föröerungsfristen einzuhalten und namentlich auf weite Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfcste zu üb»rnehmen, wenn die Pakete erst am 22. Dezember oder noch später eingeliefert werden. Zur Beschleunigung des Betriebs trägt es wesentlich bei, wenn die Pakete frankiert aufgeliefert, d. h. die zur Flankierung er- forderlichen Marken schon vom Absender auf die Paketkarte geklebt werden. Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist für die Zeit vom 12. bis einschließlich 24. Dezember weder i deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland

m inneren

gestattet.

* (Kein Zündholzmangel.) Wie der Ver­ein deutscher Zündholzfabrikanten mitteilt, ist die Besorgnis der Bevölkerung vor einer erheblichen Preissteigerung der Zündholzvorräte im Kleinhandel durchaus ungerechtfertigt. Nach der Ueberzeugung des Vereins werde es möglich sein, das Paket Zünd­hölzer während der ganzen Kriegszeit zu einem Höchstpreise von 35 Pfg. im Kleinhandel abzugeben. Die Herstellung ist nirgends ins Stocken geraten.

* (Keine unpraktischen Liebesgaben!) Dem Feldbriefe eines Offiziers entnimmt dieKreuz- Ztg." folgende beachtenswerte Fingerzeige: ,,®lan ahnt gar nicht, mit was für unpraktischen Liebes­gaben oft der Mann überschwemmt wird. Das, was hauptsächlich gebraucht wird, kommt seltener. Hierzu rechne ich: Elektrische Taschenlampen mit. Ersatz- batterien und -Birnen, Lichte, Streichholzbehälter aus Metall (für Schweden), Luntenfeuerzeuge mit langer Lunte, aber nicht zum Drehen, sondern zum Streichen Zigarren Zigaretten, Pfeifentabak, Nähzeug mit feld­grauen Knöpfen, Sicherheitsnadeln, Handtücher, seise, Notizbücher, Briefpapier, Bleistifte, Schokolade, Tee, Kakao, Bouillonwürfel und zur Ausfüllung des Ge­wichts viele Zeitungen zwecks Verteilung an Unte^ Offiziere und Mannschaften im Schützengraben. Auch halten doppelte Fußsohleneinlagen, aus Ze'tungs- Papier geschnitten, den Fuß warm. Ich wäre Euch sehr dankbar, wenn Ihr für möglichste Verbreitung dieser Wünsche Sorge tragen würdet."

gspräsidenten in Lüneburg, auf !k. als des Schadens, den er durch

* (Interessante G er ichtse nt s ch e i du ng.) Das Oberlandesgericht Celle hat kürzlich enw für alle Landwirte wichtige Entscheidung gefallt. Bei einer Besichtigung des Viehbestandes emes Viehhändlers n Winsen an der Luhe stellte der Veterinarrat wst, daß 27 Schweine an Maul- und Klauenseuche litten. Er ordnete ihre sofortige Tötung an und bestimmte, van ihr Fleisch zum Abdecker kommen sollte. Da der Viehhändler keine Entschädigung für bte getöteten Tiere bekam, so verklagte er den Fiskus, vertreten durch den Regierungspräsidenten in Luneburg, aus Zahlung von 608 Mk. als des Schadens, den er durch die Tötung der Schweine erlitten. Er begründete seine Forderung damit, daß er nur deshalb der ^Uu g der Tiere zugestimmt habe, weil der Beterinarrat^rh erklärt habe, er bekomme den Wert der Schweine er­setzt. Durch dieses Versprechen, daß ihm dre Tiere er­setzt werden sollten, habe der Beterinnarrat. alo Be- treter der Regierung einen Vertrag abgeschloyem Der Fiskus wandte ein, daß nach 8 »7 des Reichsve - Ncherungsgesetzes jemand nur dann Ersatz verlangen könne, wenn die Tiere ohne oder gegen den Killen des Eigentümers auf ortspolizeiliche Anordnung ge-

inen Vertrag abgelegenen ^ daß nach § 57 des Reichsver- ms wht hnttn Krsat< verlangen

Dienstag, den 1. Dezember

tötet seien. Das sei aber hier nicht der Fall. Der Kläger habe vielmehr der Tötung zugesttmmt, die dann auf Veranlassung des Magistrats der Stadt Winsen ausgeführt sei. Auf einen Vertrag könne sich der Kläger nicht stützen, weil der Veterinärrat nicht be­fugt sei, Verträge für den Staat abzuschließen. Auch habe ihm dieser keine Entschädigung zugesichert, sondern nur in Aussicht gestellt. Das Landgericht Lüneburg schloß sich diesen Ausführungen an und wies die Klage ab. Auch das Oberlandesgericht Celle kam zur Abweisung der Klage. Es kann keine Rede davon sein, daß der Veterinärrat kraft Amtes oder allgemeiner Ermächtigung befugt sei, eine Entschädigung für die geschlachteten Tiere zu versprechen. Wie die Beweis- aufnahme ergeben habe, habe er dem Kläger nur seine Verwendung für eine Entschädigung aus öffentlichen Mitteln versprochen, also nur Aussicht auf eine Ent­schädigung gemacht.

§ Hersfeld, 30. Nov. Nach einer Mitteilung der schweizerischen Postverwaltung läßt Frankreich Postpakete mit Wertangabe von Kriegsgefangenen und für solche nicht zu. Es dürfen also nur Post­pakete ohne Wertangabe und ohne Nachnahme ange­nommen werden.

).( Hersfeld, 80. November. Aus denVerlust- listen: Res. Peter Ruhn, Niederjossa, schw. v. Gefr. Heinr. Bodes, Obergeis, gefallen. Res. Philipp Klaus,' Schenklengsfeld, verm. Pionier Heinrich Kehl, Biedebach, gefallen.

§ Hersfeld, 30. November. Nach einer Mitteilung des Reichspostamts sind von jetzt ab nach Groß­britannien Postanweisungen für Kriegsgefangene oder von solchen zugelassen. Die Postanweisungen sind auf der Vorderseite des für den Auslandsverkehr bestimmten Formulars mit der Adresse des Königlich Niederländischen Postamts in s'Gravenhage zu ver­sehen, während die Adresse des Empfängers der Geld­sendung auf der Rückseite des Abschnitts genau an- zugeben ist. Au der Stelle, die sonst für die Freimarken zu dienen hat, ist die BemerkungKriegsgefangenen- sendung-Taxfret" anzubringen. In s'Gravenhage werden die deutsch-niederländischen Anweisungen in niederländisch-englische umgeschrieben. In der Richtung aus Großbritannien nach Deutschland pnd Postan­weisungen der Kriegsgefangenen noch nicht zugelayen.

8 Hersfeld, 26. November. Der Kommandeur des beim Beginn des Krieges hier zusammengestellten Reserve-Bataillons Nr. 71, Major Ka r l Sa ckso fs ky zuletztBataillons-KommandeurimReserve-Jnfanterie- Regt. Nr. 215, ist am 30. Oktober bei einem Sturm­angriff in Belgien an der Spitze seines Bataillons gefallen. Sein Tod wird von den Angehörigen des Bataillons 71 aufs tiefste bedauert. Er hatte als Bataillons-Kommandeur der 71er das (Stieme Kreuz zweiter Klasse erhalten und war eingegeben zu der gleichen Auszeichnung erster Klasse.

ssen Erträgnis für die Krieger im Mwe ve- ist. Die Besucher konnten in den weitenRaumen r^ imh mfttirher mufttc unver-

h Hersfeld, 30. November. Unter außerordentlich starkem Andrange fand gestern abend in den Räumen der neuen Turnhalle der vom Turnverein Hers­feld veranstaltete Volksunterhaltungsabend statt, dessen Erträgnis für bk^ nicht alle unterkommen und mancher mußte unver- rickteter Sache vor der Türe wieder umkehren. Nach­dem der Vorsitzende des Vereins, Herr Lehrer He t Ne­man n die Besucher mit einer Ansprache begrüßt hatte, in welcher er auch u. a. darauf hinwies, daß von den Mitgliedern 115 als Krieger im Felde stehen, begann die reiche Vortragsfolge des Abends. Turnerische Vorführungen wechselten mit gemeinsamen Melangen, Liedervorträgen und Ansprachen ab. Ein vaterländisches Spiel,Das Heldenmädchen von Lemberg, wurde vorzüglich zur Darstellung gebracht und erregte gleich den anderen Darbietungen stürmischen Beifall.

In Anbetracht dessen, daß zahlreiche Personen am Eingang des Saales wegen Ueberfüllung zuruckge- wiesen werden mußten, wäre es lehr E.rwumcht, wenn der ant gelungene Abend nochmals wiederholt wurde. Der Vorstand des Turnvereins Hersfeld kann ver­sichert sein, daß dies mit Freuden begrüßt wurde, zumal der Reinertrag für die im Felde kampfenden Krieger bestimmt ist.

Elckweae 27. November. Von den 700 ins Feld gezogenen kurhessischen Lehrern sind bis jetzt 53 den Heldentod gestorben. In ganz Deutschland beträgt der Verlust an Lehrern in den Schlachten 900, wahrend 800 verwundet und 400 mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet wurden.

Uuterriedeu, 25. Nov. Das viereinhalbjährige Töchterchen des Gastwirts Ludwig in Unterrieden kam dem Feuer zu nahe und verbrannte so schwer, daß es unter furchtbaren Schmerzen starb.

Hofgeismar, 28. November. Was eine gute Lbst- baumpflege einbringt, ergibt sich wieder einmal aus

1914

den Einnahmen, die die Gemeinden unseres Kreises im Jahre 1914 zn verzeichnen hatten. Während in 1913 die Gesamteinnahme nur 15 499 Mk. betrug, haben in diesem Jahr 51 Gemeinden 40 971 Mk. ein­genommen. Die Kreisstadt hatte in 1913 2204 Mark, in diesem Jahre 3519 Mk. und steht damit an der Spitze.

Fulda, 28. November. Das Oberverwaltung^ aericht hatte einen recht beachtenswerten Rechtsstreit zu erledigen, den der Bischöfliche Stuhl in Fulda gegen den Magistrat von Frankfurt a. M. wegen Kanalgebühren erhoben hatte. In Eschersheim steht die katholische St. Josephskirche. Im Hinblick auf diese Kirche forderte der Magistrat von dem Bischöf­lichen Stuhl eine Kanalgebühr. Nach der in Frage kommenden Gebührenordnung wird die Gebühr nach zwei Maßstäben erhoben. Zuerst wird eine Gebühr nach der Frontlänge und dann nach dem Mietswert verlangt, sobald ein Mietswert nicht vorhanden ist, wird die Gebühr nach dem Bauwert bemessen. Dem­gemäß forderte der Magistrat von Frankfurt a. M. 94 Mark nach der Frontlage und 108 Mark nach dem Bauwert, das heißt zusammen 202 Mk. Der Bischöfliche Stuhl wollte aber nur 94 Mk. entrichten, weil nur das Dachwasser der Kirche in die Kanalisationsanlage geführt werde. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab und erachtete die Steuerordnung für gültig. Die Revision gegen diese Entscheidung wurde vom Ober­verwaltungsgericht abgewiesen.

Frankfurt a. M., 26. November. Die Erdbeben­warte auf dem Kleinen Feldberg bezeichnete gestern mittag ein Erdbeben, das um 1 Uhr 6 Minuten 42 Sekunden einsetzte. Um 1 Uhr 6 Minuten 58 Sekunden traf der zweite Vorläufer ein. Nach 3 Uhr kamen die Instrumente wieder zur Ruhe. Die erste Entfernung betrug 9100 Kilometer.

Offenbach a M, 27. November. Vor kurzem teilte der hier wohnende Hausbursche Funk der Polizei mit, seine Frau habe sich ant 10. November heimlich aus der Wohnung entfernt, nach einem hinterlassenen Zettel, den er vorlegte, in der Absicht, sich das Leben zu nehmen. Jetzt hat sich nun ein Zeuge bei der Polizei gemeldet und dort mitgeteilt, am fraglichen Abend zwischen 11V- und 12 Uhr am Main in der Nähe des Gaswerks Hilferufe gehört zu haben. In unmittelbarer Nähe der Pumpstation, am AuSlauf des Kanals sei ihm ein Mann entgegengekommen, der auf seine Frage, ob er die Hilferufe gehört habe, eine ausweichende Antwort gegeben habe. Auf diese Bekundungen hin wurde Funk unter dem Verdacht, seine Frau umgebracht zu haben, festgenommen. Nach anfänglichem Leugnen gestand er schließlich, seine Frau getötet und alsdann in den Main geworfen zu haben. Die Leiche konnte bis jetzt noch nicht geborgen werden. Die näheren Tatumstände bedürfen noch der Untersuchung.

Wöchentlicher Saatenstandsbericht

der Berichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats.

Berlin, 28. Nov. Der gegen Ende der vorigen Woche im größten Teile Deutschlands eingetretene Frost nahm in den folgenden Tagen derart an Strenge zu, daß die Feldarbeiten gänzlich eingestellt werden mußten. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, ist man mit dem Pflügen infolge Mangels an Gespannen und an Betriebsmaterial für die Dampf- und Motor­pflüge vielfach noch im Nüctftanbe, es wäre daher er­wünscht, wenn das inzwischen wieder milder gewordene Wetter noch einige Zeit anhalten würde. Auch für die spät bestellten Saaten kam der Frost zu früh, denn diese sind noch wenig entwickelt. Dagegen sind die frühzeitig untergebrachten Saaten im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, sie haben sich meist gut bestockt und kommen genügend gekräftigt in den Winter. Klagen über dünnen Stand des Roggens liegen nur vereinzelt aus Bayern und Württemberg vor. Der durch Mäuse und Schnecken angerichtete Schaden ist stellenweise recht erheblich, doch dürften wenigstens die Schnecken durch den Frost nunmehr vernichtet sein. Zu den Hauptschwierigkeiten, mit denen die Landwirte in diesem Herbst zu rechnen hatten, gehörte die Beschaffung von Kunstdünger, der hauptsächlich aus Mangel an Beförderungsmitteln weniger als im Vorjahre dem Acker zugeführt worden ist. Es ist deshalb für die nächstjährige Ernte dringend erforderlich, daß das Fehlende, insbesondere die Kopf­düngung mit Stickstoff im Laufe des Winters und Frühjahrs noch eingeholt wird. Die Anbaufläche der Wintersaat ist glücklicherweise, abgesehen von der Provinz Ostpreußen, überall so groß wie im Vorjahre; häufig wird sogar gemeldet, daß eher etwas mehr Wintergetreide als sonst bestellt worden sei.

Die Preisberichtsstelle schließt hiermit ihre dies­jährige Saatenberichterstattung und wird dieselbe voraussichtlich Anfang März 1915 wieder aufnehmen.