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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiher

für den Kreis Hersfeld

Willst

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. -

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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 280. Sonntag, den 20. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Gedentet allzeit

des |

Roten Kreuzes!

Hus der Heimat.

* Weihnachtspakete für i n Konstan - tinopel befindliche Marineangehörige können zur Beförderung an das Reichsmarineamt gesandt werden. Die'Pakete müssen außer der Adresse des Absenders und des Empfängers die Aufschrift tragen: Liebesgaben-Annahmestelle für Könstantinopel, Reichsmarineamt, Berlin, und porto- und bestell- geldfrei bei der letzteren eingehen. Das Gewicht darf fünf Kilogramm nicht überschreiten. Die Weiter- sendung ab Berlin erfolgt für Absender und Em­pfänger kostenfrei. Für Verluste oder Beschädigungen der Pakete übernimmt die Marinebehörde keine Verantwortung.

* (Feldpostbriefe von 250 bis 500 Gramm.) W. T. B. meldet amtlich: Vom 2. bis 8. Dezember werden wieder Feldpostbriefe nach dem Feldheer im Gewicht von 250500 Gramm zugelassem

):( Hersfeld, 28. Nov. Im Jahre 1913 wurden im hiesigen Landkrankenhause 1021 Kranke mit 30290 Verpflegungstagen verpflegt, gegen 1186 Kranke mit 34506 Verpflegungstagen im Jahre 1912.

):(Hersfeld,28. Nov. (Au s d e n V e rlustliste n.) Vom 3. Bataillon (Hersfeld) vom Res.-Jnf.-Regt. 71 führt die 86. Verlustliste folgende Namen aus Stadt und Kreis Hersfeld auf: Res. Andr. Euler, Allendorf (Kr. Hersfeld), l. v., Unteroffz. Philipp Gischler, Nieder- aula, I. v., Res. Heinrich Fischer, Ransbach, gefallen, Res. Adam Eckhardt, Goßmannsrode I. v., Res. Adam Allendorf, Niederjossa, gefallen, Res. Heinrich Redes- hvld, Kerspenhausen, l. v., Res. Joh. Lotz, Kirchhecru, l. v., Res. Joh. Eitzerodt, Widdershausen I. v., Res. Jakob Nickel, Hersfeld, l. v., Res. Joh. Stange, Friedlos, gefallen.

chtzeitig fertig zu stellen, ls Weihnachtsgabe gewiß

-g- Hersfeld, 28. November. Der hiesige Zweig­verein vom Roten Kreuz konnte am gestrigen Tage wieder eine große Sendung Liebesgaben im Werte von über 3000 Mark an die Abnahmestelle 2 in Cassel zur Weiterbeförderung an die im Osten stehenden Truppen des 11. Armeekorps abgehen laßen. Die Sendung bestand aus 350 Paar wollenen Strümpfen, 200 dicken, für die Winterzeit geeigneten Hemden, 200 schweren Unterhosen, 100 guten Strickjacken, 120 gestrickten Kopfschützern, 25 Brustschützern und C^rren für 200 Mk. Dank der opferfreudigen Tätigkeit des Nähvereins und der Damen, die sich demselben in den letzten Wochen angeschlossen haben, dank der treuen Mithilfe beim Stricken, an dem sich tn be­sonders anzuerkennender Weise viele r^auen und junge Mädchen unserer Stadt und benachbarter Ge­meinden freudig beteiligten, war es möglich, diese stattliche Sendung noch so rechtzeitig fertig zu stellen, daß sie unseren Truppen als Weihnachtsgabe gewly sehr gelegen kommen wird. Allen gütigen Spendern, die durch Ueberweisung von Geldmitteln an den Zweigverein des Roten Kreuzes diese Sendung er­möglichen halfen, und allen treuen Mitarbeiterinnen sei hiermit herzlichst Dank gesagt.

Bebra, 27. November. Die Arbeiten an der Um­gehungsbahn bei Bebra, durch die eine wesent iche Fahrtverkürzung der Strecke Berlin-Frankfurt a. M. ermöglicht wird, werden auch wahrend des Krieges fortgesetzt.

Gaffel, 27. November. Ein schweres Automobil­unglück hat sich gestern abend kurz nach tUhr kurz vor Ochshausen zugetragen. Der P^"dehandler Emanuel S. von hier und der Kaufmann ^legfr . aus Melsungen hatten eine-» Geschäftsreise unter­nommen. Dabei stieß das Auto mit einem -astwag zusammen. Das Pferd des Wagens wurde sofort ge­tötet. Der Pferdehändler ®. erlitt schwe^ V tz ungen. Dem Kaufmann A. wurde eine schwere Kops­

Verletzung zugefügt.

Hofgeismar, 26. November. Durch einen seltsamen tragischen Zufall ist der General von Meyer, 1903 bis 1907 Kommandeur des Dragoner-Regim^cts Nr. 5, vor dem Feinde gefallen. Er war im Begriff, ein Auto zu besteigen, als ein feindlicher Flieger in be­

deutender Höhe erschien. Im Wagen sinkt der General zusammen und stirbt bald darauf. Der spitze Stahl­pfeil des Fliegers, der durch die Höhe des Falles eine besondere Durchschlagskraft hatte, war ihm in die Schulter gefahren und tief in den Leib gedrungen.

Marburg, 26. November. Das Schwurgericht ver­urteilte gestern den Landwirt B. aus Niederklein im Kreise Kirchhaiu wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Jahre Zuchthaus. Am heutigen letzten Ver­handlungstage wurde der Arbeiter Wladislam S. aus Lublin in Rußland, der am 3. November auf der Domäne Marienrode eine Scheune anzündete, den Gutsherr mit der Mistgabel bedrohte und in Borken einen Betrug verübte, zu vier Jahren und zwei Wochen Gefängnis und vier Wochen Haft verurteilt.

Hann. Münden, 26. November. In Siechenberg ist der Holzhauer Fehsel aus Sichelnstein beim Holz­fällen verunglückt, indem ihm ein schwerer Stamm auf die Brust siel. Der Verunglückte wurde durch einige Knaben mittels ihres Handwagens ins hiesige Krankenhaus gebracht, wo er bald darauf seinen schweren Verletzungen erlegen ist.

Langensalza, 25. Nov. In dem neu errichteten' Gefangenenlager zu Laugensalza wurden jetzt die ersten Gefangenen, und zwar Russen untergebracht. Es sind meist in der Schlacht bei Kutno gefangene Infanteristen, darunter auch solche von sibirischen Regimentern, die mit ihren Pelzmützen besonders auffallen. Das Schuhwerk der Gefangenen befand sich größtenteils noch in gutem Zustande, auch die Uni­formen waren in leidlicher Verfassung. Deutsch ver­stehen meist nur die aus den Grenzbezirken stam­menden Juden, die (wie sie sagten) froh waren, daß sie nicht weiter für Rußland zu kämpfen brauchten. Alle Altersklassen sind unter den Russen vertreten, junge Burschen von 18 und Männer bis zu 45 Jahren, ja, es war sogar ein Kriegsfreiwilliger von 65 Jahren darunter, der bereits gegen die Japaner als Frei­williger gekämpft hatte und dessen Brust ein Ordens­band schmückte.

den

Friedberg, 26. Nov. Ein Geschwisterpaar, das auf Räumung verklagt war, betrauten den ehemaligen Staatsanwaltschaftsbeamten Krause aus Frankfurt mit der Führung des Prozesses. Krause ieß sich vor allem erst mal Geld und nochmals Geld von den Schwestern geben, dann fälschte er zahlreiche Schrift­stücke undbewies den Frauen damit, daß er für sie

Prozeß vor dem hiesigen Gericht führe. Auch einRechtsanwalt Dr. Hermann", den es in Wirk­lichkeit gar nicht gab, mußte mit mancherlei Doku­menten herhalten. So lebten die Schwestern monate­lang in dem Wahn, daß der Eugen Krause ihren Prozeß würdig und siegreich zu Ende bringen wurde. Als des Streites aber kein Ende^ward, erkundigten sich die Schwestern mal persönlich auf dem Gerichte und erfuhren, daß ein Prozeß gar nicht anhängig gemacht sei. Krause hatte den Prozeß nur fingiert. Die Frankfurter Strafkammer verurteilte ihn wegen dieser groben Straftat zu einem Jahre Gefängnis.

^ulda, 27. November. Der gestrige Viehmarkt, der letzte im Jahre, war nur sehr schwach beschickt und nur mit 377 Stück Vieh befahren. Es standen am Platze 31 Ochsen, 30 Stiere und Kühe, 63 Rinder, 48 Eälber und 10 Pferde. Es kosteten Ochsen 8001100 Mk^ Stiere 500800 Mk. das Paar, Kühe das Stück '300500 Mk , Rinder150-300 Mk, Kälber das Pfund41-45 Pfg.

3m Schützengraben auf dem westlichen

Kriegsschauplatz.

Von Pionier L i e b o l d.

Im Schützengraben auf der Höh,

Da standen auf der Lauer

Vier brave elfer Pionier Aus Hersfelds starker Mauer. Bis daß der Franzmann kommt heraus

Mit seiner blauen Jacke, Die klopfen wir ihm gerne aus Besonders auf die Backe.

Ruhe, jetzt ists mäuschenstill Der Franzmann kommt gekrochen, Nun mag es gehen wie es will, Er hat noch nichts gerochen Und merkt erst dann auf seinem Rücken Wie vier Spaten ihn beglücken, Denn an den Spaten ist gut Holz, Wir vier Hersfelder aber rufenBruder Lolls"!

Moniere Hugo Liebold, Fritz Sauer, Heinrich Serfltng Ptoni Unteroffizier Schönewolf.

Glückliche Jagd aus ein franzöfischesFlugzeug.

Einem Feldpostbrief eines Kölner Soldaten ent­nimmt dieKöln. Volksztg." folgende Schilderung:

Tag für Tag überfliegen feindliche Flugzeuge, eins nach dem anderen, unsere Gefechtslinie. Auch am 5. d. M. kreiste wieder ein Flieger über uns. Es war der tüchtige, bei uns schon bekannte französische Flieger, den wir hier mit dein SpiOnanienLouis der Bomben- schmeißer" bezeichneten. Derselbe fliegt nämlich mit einer solchen Sicherheit, daß man oft in großes Staunen versetzt wird. Sein Flugzeug soll mit einem Motor von 300 Pferdestärken ausgerüstet sein. Wenn der Flieger ein Ziel erblickt hat, bleibt er stehen, wirft flugs einige Bomben ab und saust, von dem Feuer unserer Artillerie verfolgt, in sehr schnellem Fluge davon. Am Morgen des 5. November flog er wieder über der Linie. Ich war gerade in S. an der Bahn und konnte ihn genau beobachten. Denganzen Morgen flog er hin und her. Fortwährend wurde er von unserer Artillerie beschossen, aber zunächst erfolglos. Einige Bomben hatte er schon geworfen. Gegen 12 Uhr mittags begannen auch zwei schwere Feldhaubitzen auf das Flugzeug zu feuern. Es fielen ein, zwei und drei Schuß. Ich konnte genau beobachten, wie der Flieger, immer mehr durch unser Feuer bedroht, stets seine Flugbahn änderte. Da, beim achten Schuß war sein Schicksal besiegelt. Ein Volltreffer riß einen Flügel des Flugzeugs ab. Es überschlug sich nach der Seite und sauste dann zur Erde. Einige Kavallerie­patrouillen nahmen sofort ihren Weg zur Absturzstelle und fanden einen brennenden Trümmerhaufen vor. Ein Insasse war ganz verstümmelt, der andere durch einen Granatsplitter ins Herz getroffen. Etwas später fand man auch eine mit Blut bespritzte Karte auf der man ganz deutlich sehen, sonnte, welche Aufklärungs­arbeit die Flieger leisten. Auf der Karte war unsere ganze Linie aufskizziert. Bei uns herrscht natürlich große Freude über den Abschuß.

Oberst, ich habe ein Geschäft...

Ein kürzlich aus Rußland heimgekehrter Deutscher erzählt die folgende hübsche Begebenheit, für deren Wahrheit er sich verbürgt:

Es war kurz vor Beginn des Krieges, als ich am Hafen von Libau, der wenige Tage später von den deutschen Kriegsschiffen beschossen wurde, zu tun hatte. Ich muß den Eindruck eines Neuangekommenen ge­macht haben, denn ein junger Russe steuert ohne weiteres auf mich zu und fragt ohne Umschweife: Kommen der Herr aus Deutschland'?" Für mich lag kein Grund vor, das abzustreiten, also:Ja! Warum denn?" Er schritt neben mir her:Nun, viel­leicht kann ich dem Herrn in etwas nützlich sein!" Ich brauchte einige Menschen, um meine Geschäfte schnell zu erledigen und fragte daher:Ja, was sind Sie benn?"Grad bin ich entlassen von den Soldaten." Da wüßte ich nicht, wie Sie mir nützen wollen!" Das sagen Sie nicht, Herr Herr - bei den Husaren habe ich auch verdient viel Geld, 4000 Rubel, nur durch Tüchtigkeit." Ich wurde neugierig. Dieser Mensch begann mich zu interessieren. Er sollte mir also seine Tüchtigkeit beweisen, verlangte ich. Nun erzählte er: Sehn Sie, Herr, die Sache war eigentlich nicht schwer. Bei den Husaren hab ich nicht viel zu tun gehabt. Bin ich deshalb in den Hasen gegangen, habe ich gesehen, wie Getreide wurde hier ausgeladen, hier eingeladen. Kam mir da Gedanke. Hab ich gefragt: wieviel Männer verdienen. 55 Kopeken! Bin ich da gegangen zu den Arbeitgebern, habe gefragt, ob es wäre ihnen recht, wenn sie künftig billiger Arbeiter erhalten. Meinten sie ja! Habe ich versprochen, 400 Arbeiter zu stellen, jeder zu 35 Kopeken. Bin ich ge­gangen dann zum Herrn Oberst, und hab ihm gesagt: Herr Oberst, ich hab ein Geschäft, da kann der Herr Oberst viel Geld verdienen, und der Herr Major auch, und der Herr Hauptmann und ich auch. Gut, sagt der Herr Oberst, gut wie denn'? Werden im Hasen 400 Mann gebraucht zu verladen. Stellen wir ihnen 400 Mann und geben jedem Husar pro Tag 10 Kopeken. Bring ich dann für jeden Mann dem Herrn Oberst 20 Kopeken. Der Herr Oberst war zufrieden. Hab ich ihm aber noch klar gemacht, daß, wenn die Husaren arbeiten im Hafen, was brauchen sie noch Pferde. Gut, sagt er: Verkauf die Pferde! Hab ich dem Herrn Oberst weiter klar gemacht: Der Staat wird aber weiter liefern den Hafer. Fiel er mir ins Wort: Verkauf den Hafer. War der Herr Oberst ein kluger Mann, aber er war auch ein Pechvogel. Hat er durch mich ein schönes Stück Geld verdient, da kam der Herr General und revidierte. Mußte er die Hälften abgeben. Haben Sie aber beide nicht gewußt, daß ich hatte am meisten verdient. Nun, brauchen Sie mich, Herr?" Leider mußte ich auf die Hilfe dieses klugen Husaren verzichten!