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100 Zugpferde und Artilleriemumtiou sowie viel Dyna­mit erbeutet.

Herzliche türkisch-bulgarische Beziehungen.

. Der türkische Gesandte in Sofia, Feti Bei, der seit einigen Tagen in besonderer Misston in Konstantinopel weilt, hat türkischen Journalisten die Versicherung ge­geben, daß die Beziehungen zwischen der Türkei und Bnlgarien sehr herzu» seien. In offiziellen türkischen .Kreisen ist man über die Haltung Bulgariens sehr zu- versichtlich gestimmt. Es verlautet, daß Feti Bei auf der Pforte sehr zufriedenstellende Mitteilungen über die Haltung Bulgariens gemacht hat.

Die Vorgänge in Persien.

»-* Konstantinopel, 26. November. (WTB.) Wie verlautet, haben Stämme der Schachsewennen Tübris besetzt.

Kriegserklärung des Emirs von Afghanistan.

** Konstantinopel, 26. November. lT.-U.) Der halbamtlicheTanin" erfährt nach einer Meldung der Dt. Tgztg.", daß der Emir von Afghanistan an England und Rußland den Krieg erklärt hat und an den Sultan eine Depesche richtete, m welcher er ihm mitteilte, daß die Bevölkerung von Afghanistan dem Rufe des Kalifen gefolgt ist und die Waffen gegen die Feinde des Islams ergreifen werde. Diese Meldung hat in Konstantinopel große Begeisterung hervorgerufen und es wurden freu­dige Kundgebungen veranstaltet.

Kriegszustand in Indien?

M: Kopenhagen, 26. November. (T.-U.) Nach einer Londoner Drahtmeldung hat der englische Ministerrat den Bizekönig von Indien ermächtigt, über das Kaiser­reich nach Erfordernis den Kriegszustand zn verhängen.

Die französische Schlappe in Marokko.

ts* Madrid, 26. November. (T. u.) DerMund" nennt den letzten Kampf der Franzosen gegen die Ma­rokkaner die schwerste Schlappe, die Frankreich in den letzten Jahrzehnten ans kolonialem Boden erlitten habe.

Spanien hegt Befürchtungen wegen Marokko.

oa* Madrid, 26. November. (T.-U.) Da man hier der Ansicht ist, daß durch militärische Operationen der islamitischen Bewegung nur schwer beizukommen wäre, vertritt man hier vielfach die Ansicht, daß es besser wäre, sich mit den Kabylen-Stämmen gütlich zu einigen, um ein Hinübergreifen der Bewegung auf spanisches Gebiet zu vermeiden. Die Sozialdemokraten wollen von irgend­welchen kriegerischen Operationen nichts wissen, sie wün­schen keine Wiederholung des marokkanischen Aben­teuers.

Der Seekrieg.

Auf der Jagd nach dem deutschen Geschwader.

Nach einer Meldung derFrkf. Ztg." aus Tokio sind gegen das deutsche Geschwader unter Graf Spee seit dem 21. d. M. in drei Geschwadern 22 Kriegsschiffe der Ver­bündeten unterwegs.

8 124" nicht gesunken.

Nach dem Zusammenstoß des deutschen Torpedoboots 8 124" mit einem dänischen Dampfer in der Ostsee war in einigen Zeitungen die Vermutung ausgeiprochen worden, daß das Torpedoboot gesunken sei. Wie jetzt feststeht, ist es nicht gesunken, sondern es schwimmt und man darf Hoffnung hegen, daß es gut zurückkommt.

Bei den Verlusten der englischen Kriegsmarine ist der Prozentsatz der Getöteten auffallend groß. Nach der offiziellen Statistik belauft sich, wie gemeldet, der Verlust auf 264 Offiziere und 3884 Mann. Hiervon wer­den als tot gemeldet 222 Offiziere und 8454 Mann.

Vom HilfskreuzerKronprinz Wilhelm" versenkt.

Die LondonerTimes" melden aus Montevideo: Der deutsche DampferSierra Cordoba" ist mit den Passagieren und Mannschaften des Houlder-Dampfers La Correntina" und der französischen BarkeUnion eingetroffen, die der deutsche KreuzerKronprinz Wil­helm" erbeutet und versenkt hatte. Die Passagiere und Mannschaften wurden auf dieSierra Cordoba" ge­bracht, die den Kreuzer begleitet. Der Kapitän,und drei Mann derUnion" weigerten sich, eine Erklärung M unterzeichnen, und werden als Gefangene auf dem Kreuzer zurückbehalten. Alle anderen unterzeichneten und sind jetzt in Freiheit.

Englische Sorgen wegen der Flotte.

o-£ London, 26. November. (T.-U.) Hier ist man über das fortdanernde Stillschweigen der englischen Ad­miralität über die Bewegnngen der Heimatflotte sehr beunruhigt. Mit großer Hartnäckigkeit erhält sich das Gerücht, daß das Gros der Flotte von der Nordsee fort­beordert sei und sich zu «ndekannten Zwecken bei den Orkney-Jnsel» konzentriert habe. Die Gründe einer solchen Bewegung sind völlig unklar und rufen die toll­sten Mutmaßungen in der Bevölkerung hAvor. So glaubt man beispielsweise, daß die englischen Panzer zur Bedeckung von Transportschiffen dienen fallen, die besetzt mit russischen Truppen aus Kola in Finnland über Hammerfest zur Verstärkung der verbündeten Truppen nach Nordfrankreich gehen sollen.

Der Burenaufstand in Südafrika.

w Kapstadt, 26. November. (WTB.) Starke Ab­teilungen berittener Buren sollen nördlich Hootstadauf- getaucht sein. Aus Kapstadt sollen erhebliche Verstär­kungen nach Bloemfontein gegangen sein.

Die Neutralen.

Italiens Erregung über die britischen Vergewaltiguuae«.

Mailänder Blätter fordern von der italienischen Re- gieruna energische Vorstellungen bei der englischen Re­gierung wegen der unerechtfertigten Beschlagnahme von Kupfersendungen nach Italien durch englische KrW schiffe.Lombardia" tadelt die frankophilen italrenisch'.n Blätter, die gegen den Durchfuhrsverkehr mit der Schweiz eiferten, während dieser von Frankreich ersrrg

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Eine Vermehrung des Bnndesheeres «m das Dop­pelte hat der Chef des Generalstabes der Armee der Ver-

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des Panamakanals und des anderen amerikanischen Ge­bietes.

Kriegsalierlei.

Die gefangene Besatzung in Tfingtam

o* Berlin, 26. November. ®W Nach den bis heute vorliegenden Nachrichten beträgt die Zahl der bei «nd in Tsingta» gefangene« ««gehörter der Besatzung 4860 einschließlich 600 Verwundeter. Gefallen sollen 17« sei«, darunter 6 Offiziere. Von »erKaiserin Elisabeth find 1 Leutnant und 8 Man« verwundet und 8 Mau« «t. Die Behandln«« »er Gefangene« in Japan soll S»t

fei« Die japanische Regierung soll baldige Übersendung namentlicher Listen der Toten, Verwundeten und Ge­fangenen in Aussicht gestellt haben.

Woher die Feinde ihr Kriegsmaterial beziehen.

_ KopenhagenerNationalidende" erfährt nach der Lprkf. Ztg." aus London, man meine dort, daß in den Vereinigten Staaten schon 500 Mill. Pfund aufgewandt worden seien, um Waren zu Kriegszwecken für die krieg- führen»en Mächte herzustellen. Die Blitz Company in Brooklyn, die Granaten fabriziere, habe mitgeteilt, daß sie außer Stande sei, zurzeit weitere Bestellungen ans- zuführen. Dasselbe soll mit der Thibet Morris Com­pany in Pennsylvanien der Fall sein. Diese Firma habe über zwei Millionen Kisten Granaten für Frankreich fabriziert. Eine weitere Bestellung auf Gerätschaften und Werkzeuge zum Bauen von erschanznngen lautend, beziehe sich auf Waren im Gesamtwerte von 200 000 Pf. Diese Waren seien von Pittsburg abgesandt, Bestim­mungsort unbekannt. Die Rtvership Building Corpora­tion habe den Auftrag erhalten, 20 Unterseeboote zu bau­en. Auch hier wisse man nicht, wer der Besteller sei.

Was die Feldpost zu leisten hat.

In der vergangenen Woche, wo Feldpostbriespäck­chen bis 500 Gramm zugelassen waren, sind allein bei der Berliner Postsammelstelle täglich im Durchschnitt bearbeitet worden: 812500 Feldpostbriefe und Postkarten, 70 000 Zeitungsbündchen, 470 300 Feldpostbriefpäckchen. Das sind zusammen über 1% Millionen Feldpostbrief- sendungen. Außer in Berlin sind noch 30 Feldpvstsamm- melstellen im Deutschen Reiche iwrljaiibett.

Karl Hau will ins Feld.

Aus Karlsruhe wird gemeldet: Der im Jahre 1907 wegen Mordes zum Tode verurteilte und später vom Großherzog zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte Recktsanwalt Karl Hau hat gebeten, ihn zum Dienst im Feld ausrücken zu lassen. Das Gesuch wurde abgelehnt.

Eine Warnung des französischen Militärgouverneurs.

^ Paris, 26. November. (WTB.) Der Militär­gouverneur will gegen die Verbreitung falscher Gerüchte wie z. B. die Räumung nordfranzösischer Städte, mit äußerster Schärfe Vorgehen.

Ein ritterlicher französischer Offizier.

Eine rührende Episode spielte sich nach einem der Bpern ab, die

letzten äußerst heftigen Nachtkämpse nm A.

französische Blätter nach der Erzählung eines Soldaten wie folgt wiedergeben:Die Nacht verstrich, die Mor­gendämmerung brach an und wir konnten das Gelände sehen wo wir gekämpft hatten. Ohne Zweifel waren die Deutschen nach der Schlacht zurückgekommen, "um ihre Kameraden zu holen. Das Gelände war leer, keine To­ten, keine Verwundeten waren zu sehen, nur ein einziger Verwundeter lag ans halbem Wege zwischen den beiden Schützengräben im Kugelregen. Unsere Lente schollen noch immer, doch keiner zielte ans ben Unglücklichen. Auf einmal sahen wir eine« Mann aus den deutschen Grä­ben herauskommen unb auf den Verwundeten zuschre:- ten, dem er offenbar helfen wollte. Eine Salve von uns streckte ihn nieder.Feuer einstellen!" befahl plötzlich unser Offizier. Wir gehorchten und sahen nun zu un­serer großen Ueberraschuug, wie der Offizier den Graben verließ. Von den Dentschen traf ihn eine Kugel; aber er raffte sich mit ungeheure Kraftanstrengung auf und marschierte festen Schrittes zu dem deutschen Graben. Jetzt hob sich der Beifall aus beiden Gräben, und fast während einer Stunde wurde weder hüben noch drüben ein Schutz abgegeben. Unser Offizier ging bis zu dem Verwundeten hin und, obwohl er selbst verwundet, hob er ihn anf, stützte nnb führte ihn bis zu den deutschen Gräben, wo er ihn vorsichtig auf einen Erdhugel absetzte und sicher, als wäre er zu Hause, zu uns zuriickkehrte. Aber er kam nicht ohne Belohnung wieder. Ein deutscher Offizier stürzte aus seinen Graben, und indem er von seinem Waffenrock das Eiserne Kreuz herunterrttz, heftete er es an die Brust unseres Helden. Aus beiden Graben ertönten stürmische Bravorufe. Langsam kam unser Of­fizier zurück und von unseren Beifallsrufen begrüßt, fiel er ermattet und bewußtlos in unsere Arme. Die Deut­schen aber ließen uns Zeit, ihn aufzunehmen mtd ihm Hilfe zu spenden. Dann setzte der erbitterte Kampf von neuem ein." _______ .

Vermischtes.

Das Ende zweier Familientragödie«. Vor dem Dortmunder Schwurgericht wurde der Bergmann Brummel wegen Totschlags an seiner Frau zu einem cvghr Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte schon mit 17 Jahren geheiratet. In den letzten Jahren ge­staltete sich seine Ehe sehr unglücklich, weil seine Frau sich dem Trunke ergab. Am 1. Juli griff Brummel in der Erregung zum Revolver und tötete die sinnlos Be­trunkene zu Bett liegende Frau durch mehrere «schüsse. - Der ÄrbeiLr Rudolf Wördler in Dortnncnd kam am- 8. September nachts betrunken nach Hause und begann mit seiner 60 Jahre alten Mutter Streit, m messen Ver­laufe er die alte Frau durch einen Faustschlag zu Boden streckte. Bet dem Falle explodierte die Petroleumlampe, deren Inhalt sich über die Frau ergoß, bie bei leben» E A be verbrannte. Wördler wurde von der Straf­kammer wegen faM Tötung zu einem Jahr Ge- ^"E- -ie^Französtn sich heute kleidet. Die Französin irz. P|MC Uuaenzeugin demFranks. Generalanz. & uaGrÄ zeitaemätz. Die russischen Soldaten, die sie lebend oder airs Abbildungen kennt, scheinen es

Pelzmütze, die sie hoch auf dem einen dunkelbraunen Mantel

X ©nfäfen Denn die Franzium tragt am Livptoe- decknna eine langtaarige Pelzmütze, die sie hoch auf dem Kufe 6bafan^ Thau einen dunkelbraunen Mantel m der FE Soldatenmäntel. Auch die Schnüre, 1 g^rUermtnen b Soldaten, sind außerordentlich mo- Lsn und man sieht vielfach die reichgeschnürten Jacken. ® die Straße ist das Kleid mit dem schottischen Fal en- W L^HEa!!d^ ßre-l ch

löA?^pn Und darüber Wickel- Sama cken Es loll SS schwer sei», einen ßartloHn Hochländer von einer reizenden Franzoim zu

SSÄn S Wr modern die lange Troddel, und n$ neM^ die blonden Haare. Nicht das Wnnh her^entE sondern das helle Blond ^ «£ ««£ ' Die Friseurinnen - die Männer

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fMnnMrn^f damit noch mehr, als seine Vaterlands- s^i^ngt' tut 1 ^L^eu hat nämlich, wie der liebe bewetien-t DMesy Zinn. Wer den öfinfifnoDf trägt verpflichtet nch, bis zum Friedens- Ewk niemandem ein Glas Bier ober Swnao« «n Ji<«

dieren", aber auch von niemandem einen solchen Liebes« dienst anzunehmen. Damit soll den zahlreichen Ver- suchungen, die an den englischen Soldaten in dieser Be­ziehung herantreten, gesteuert werden. Man scheint also den englischen Söldnern zur Ermunterung ihrer vater­ländischen Begeisterung nnb Kriegslust bisher erheblich zugeprostet zu haben.

Deutscher Song und deutsche Treue.

Mit einer, in einem italienischen Blatt besonders beachtenswerten Begeisterung spricht Cabasino-Renda, der Berichterstatter desGiornale d'Jtalia", über die unerschütterliche Moral und die Begeisterungsfreude, die sich unsere Soldaten inmitten all der Widrigkeitell und Gefahren des nmcbcnlnngeu Lebens im Schützen­graben bewahrt haben.Hier in diesen Schützengräben vor Tvnl," erzählte er,habe ich etwas Großartiges, etwas wahrhaft Heldenhaftes erlebt, das die Moral des deutschen Soldcsien in hellste Beleuchtung rückt. Es war ein Erlebnis, das nicht nur mich, den Südländer ergriff, sondern auch den nüchternen Soldaten ans dem Norden, der sich in meiner Begleitung befand, den schwedischen Oberstleutnailt Bouwing, den Kommandanten der schwe­dischen Militärakademie.

Wir beide machten staunend die Wahrnehmung, daß die Deutschen selbst hier, in der Feuerlittie, wo der Kampf am heftigsten tobt, einen Gesangverein gegrlindet haben. Wir waren natürlich begierig, die Säuger zu hören; aber unser Wunsch konnte nicht sofort erfüllt werben, da die singenden Krieger des Vereins in ben verschiedenen Schützengräben zerstreut oder int benach­barten Dorf in Quartier lagen. Aber der den Chor öt- rigtereiide Sergeant in Friedensseiten war er Ka­pellmeister in einer kleinen britischen Stadt versprach dem uns begleitenden Geueralstabsoffizter, die Leute zu- samnlenzurufen und abcubS um 6 Uhr zu versammeln, wenn der Divisivuskommalldenr die Erlaubnis geben würde. Die Erlaubnis wurde telephonisch erbeten und erteilt, und nicht lauge nachher sahen wir in der kleinen Kirche einen nach dem andern alle die Grenadiere und Füsiliere ehtlreten, die von den fern llegenben Schützen­gräben auf den Eittberufutrgsbefehl in Dauerlauf her- angeeilt waren, an der Kirchentür die Flinte ablegten und etwas schüchtern in die Kirche traten, um dann vor­dem Sergeanten und Chordirigenten sich militärisch in jener eisernen Haltung zu melden, die dem Nichtdeut- schen so unerklärlich erscheint.

Als die Mitglieder alle zur Stelle waren, stieg her Chor, unter Vvrantritt des Sergeanten, die Treppe zur Orgelempore hinaus, ulid kurz nachher begannen die A eapella-Borträge dieses Soldatenvereins. Die Leute sangen drei Chöre, die drei alten Vaterlandsgesätige: Das ist der Tag des Herrn",Heilnatsliebe" undMor­genrot". DiesesMorgenrot, Morgenrot" ist wohl das schwermütigste aller Soldatenlieder, die ich je gehört habe.

Das kleine Kirchlein hatte sich unterdessen fchweigeub mit Soldaten, mit Frauen nnd Kindern gefüllt, die staunend dem so wehmütigen und gleichzeitig so stolzen Sstttge lauschten. Und als das Lied verklangen war, gingen die Lente stumm, in tiefernstem Sinnen aus der Kirche; die Säuger kletterten langsam die Orgeltreppe herunter, erwiesen ihrem militärischen und musikalischen Vorgesetzten die militärische Ehrenbezeugung, nähmet! die Flinte an der Kirchentür und schritten hinaus, um

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wieder zu ihren Schützengräben zurückzukehren.

Der Sergeant war an uns herangetreten, um unser Urteil über seine Sänger zu hören. Oberstleutnant Bouwing drückte ihm seine Bewurlderung für die Lei­stung in begeisterten Worten aus, in denen die Rührutlg leise nachzitterte. Ich selbst war zu ergriffen, um zu sprechen, und der Sergeant muß dieses Schweigen, das meiner tiefen Erregung entsprang, ivohl falsch gedeutet haben, denn er sagte etwas Hcimnütig:Ja, man darf nicht zu große Ansprüche stellen. Mit den Tetlören und ersten Bässen geht es ja noch,- aber die tiefen Bässe sind leider, wie ich wohl weiß, durchaus unzulänglich. Und zum Unglück haben sie mir gestern erst noch zwei meiner Bassisten totgeschossen."--

Nicht minder ergriffen hat mich der Vorfall, beffi Augenzeuge ich ein paar Tage später wurde. Es hand< sich darum, die Stellung einer französischen Batterie zu erkunden, die auch die Flieger bisher nicht hatten mif= klären können. Für die waghalsige Aufgabe, die hier zu lösen war, forderte man freiwillige Pioniere. Der unter der Menge der sich freiwillig Meldenden ausge- wühlte Pionier wurde von seinem Obersten über die mit der Aufklärungsaufgabe verbundene Gefahr eingehend belehrt. Ich hatte Gelegenheit, dem Schluss dieser Jn- struktionsszene, die mir unvergeßlich bleiben wird, bei- zuwohnen.

Sie haben mich verstanden?" fragte der Oberst. Jawohl!" antwortete der Soldat, der stramm wie auf dem Paradeplatz vor dem Borgcsetzteu staud.Wenll Sie Ihre Aufgabe befriedigend lösen, werden Sie bei Ihrer Rückkehr das Eiserne Kreuz erhalten."Zu Befehl!"Haben Sie Familie? Haben Sie Kinder?"

Schön!" schloß der Oberst die Unterhaltung.Wenn Sie" und hier wurde die Stimme des Obersten ein klein wenig unsicherwenn Sie nicht zurückkehren sollten, so wird Ihrer Familie die Summe von 5000 ,ä überwiesen werden."Danke schön, Herr Oberst," rief der Soldat in erregtem Tone in unveränderter strammer Haltung und mit einem Ausdruck im Gesicht, der sagen wollte, daß der Fall des Todes wohl wahr­scheinlicher wäre, als der der Rückkehr.

Die Unterredung war zu Ende. Da trat aus der Gruppe der Offiziere, die deu Oberst umgaben, ein Herr in Uniform mit der Binde des Roten Kreuzes, entledigte sich seines feldgrauen Mantels und trat dem Pionier zur Seite. Es war der protestantische Feldprediger des Regiments. Einen Augenblick noch stand der Soldat in strammer Haltung, baun ließ er sich langsani auf die Knie nieder. Der Geistliche legte ihm die Hände segnend auf das Hanpt unb reichte dem vor ihm tnieenben Sol= baten das Abendmahl. Der Soldat erhob sich, verneigte sich tief und ging langsam von bannen.

Noch mehrere Stunden nach diesem Vorgang ver­mochte ich an nichts anderes zu denken. Zu meiner Schande muß ich bekennen, daß sich in mein Gehirn ein nichtswürdiger Gedanke eingeschtichen hatte. Da dem Soldaten, wenn er nicht zurückkehrte, versprochen wor­den war, daß seine Familie 5000 Mark erhalten sollte, so war ja nichts einfacher, als daß er sich vom Feinde gefangen nehmen ließ. Damit sicherte er sich gegen jede Gefahr und verhalf gleichzeitig den Seinen zu einem kleinen Vermögen.

Der Zweifel an der Ehrlichkeit des Mannes schien mir aber bald ein Frevel, je mehr ich mich an dieses verklärte, ruhige und in überirdischer Freude leuch­tende Gesicht erinnerte, das der Soldat zeigte, als ihm der Geistliche das Abendmahl gereicht hatte. Und als ich am nächsten Tage nach Saint-Mihiel zurück­kehrte, galt mein erstes Wort der Frage nach dem Aus- i gang des kübnen Wagestücks des Ploniers. Er war l heil zurückgekehrt, erfuhr ich mit Freude, und er hatte * den ihm übertragenen Austrag aufs Beste erledigt."