Die Beschießung der belgischen Küste.
Neue Kämpfe bei Bpern. Die Kriegsbeute der Oesterreicher. Russische Niederlagen in den Karpathen. Der Seekrieg.
[ Aus dem großen Hauptquartier ]
x Großes Hauptquartier, 25. November. (Amtlich. WTB.) Die englischen Schiffe wiederholten gestern ihre Unternehmungen gegen die Küste nicht. Die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatze ist unverändert. Bei Arras machten wir kleine Fortschritte.
In Ostpreußen wiesen unsere Truppen sämtliche russischen Angriffe zurück.
Die Gegenoffensive der Russen aus Richtung Warschau ist in Gegend Lowicz-Strykor-Brzeziny gescheitert.
Auch in Gegend östlich Czenstochan brachen sämtliche russische« Angriffe vor unserer Front zusammen.
Oberste Heeresleitung.
* * *
Ueber die Beschießung der belgischen Küste wird nach holländischen Berichten dem „Berl. Lok.-Anz." gemeldet:
nai
Schon am Montag früh waren die von den Deutschen verstärkten Küstenorte und namentlich die deutsche Artillerie in den Dünen wiederholt das Ziel der Geschütze einer englisch-französischen Flotte. Kaum war der Tag angebrochen, als englische Flieger die Küsten- gegend rekognoszierten, wo die deutschen Kanonen äußerst geschickt verborgen sind und zum Teil an den Abhängen der Dünen, mit dem Mund nach der Seeseite, eingegraben sind. Nachdem die Flieger nach den Linien der Bundesgenossen zurückgekehrt waren, unternahmen letztere Angriffe gegen die deutsche Infanterie bet Nieu- port, indem sie mit einem französisch-englischen Geschwader zusammenarbeiteten, das sich der Küste näherte und augenscheinlich Mitteilungen erhielt, die von der Landseite durch Funkspruch gegeben wurden. Die Deutschen unterhielten ein ununterbrochenes Geschützfeuer gegen die vorrückenden Truppen der Verbündeten und das aus drei kleinen Kreuzern und zahlreichen Torpedobooten und Zerstörern bestehende Geschwader. Schon vormittags erschien eine zweite kleine Flotte, die die Gegend zwischen Ostenöe und Westduyne unter Feuer ihm. Weder hier noch bei Nieuport gelang es einer der beiden Parteien, entscheidende Vorteile zu erringen. Zwei Batterien der Deutschen bei Westende wurden zum Schweigen gebracht, aber das dort operierende Geschwader mußte doch vor dem gutgezielten Artilleriefeuer der Deutschen zurückiveichen. Ein Torpedobootszerstörer wurde ziemlich schwer beschädigt. Das zweite Geschwader wandte sich darauf nach Zeebrügge mit der augenscheinlichen Absicht, den Hafen zu zerstören. Noch vor Herannahen der Nacht wurden die Koksschuppen und die Elektrizitätswerke in Brand geschossen, das Palasthotel und der Kirchturm in Heust schwer beschädigt. Gerüchten zufolge sollen auch die Schleusen von Zeebrügge sehr gelitten haben: die Anlegestege wurden ebenfalls getroffen und die Hafenbauten teilweise zerstört. Das Geschwader zog sich dann unter dem Schutz des Nebels und der Dunkelheit zurück. Einige Teile von Zeebrügge gerieten in Brand, die Bevölkerung floh nach allen Richtungen.
Man muß sich der amtlichen deutschen Berichte über die Vertreibung der Flottillen der Verbündeten von der belgischen Küste erinnern, um die obige holländische Darstellung richtig zu verstehen. Der kombinierte Angriff zu Wasser und zu Lande ist nach deutscher Meldung völlig zusammengebrochen. Unsere Küstenbatterien bei Westende und weiter nördlich haben die feindlichen Kriegsschiffe zur Flucht gezwungen. Der Angriff der Landtruppen wurde mühelos abgeschlagen. Woher will der Berichterstatter der „Tijd", der die Nachricht entstammt, wissen, baß zwei deutsche Batterien zum Schweigen gebracht worden seien? Er kann allerdings wissen, daß sie nach einer Weile geschwiegen haben, weil nämlich der Feind das Weite suchte.
An der sonstigen Kampffront
herrscht verhältnismäßige Ruhe. Nach Berichten aus Sluis machten Sturmwehen und Schneewehen die Operationen an der Küste schließlich unmöglich. In dem Kampfe um Ypern hat sich nichts geändert. Der Frost hat aufgehört und der Boden ist wieder in einen Mo- rast verwandelt, umsomehr, als es in den letzten Tagen ziemlich viel geschneit hat. In Rousselaere herrscht Ruhe. Die Truppenbewegungen nach der Front und die stylst Verwundeter dauern fort. Die Laufgräben der feindlichen Armeen liegen an einigen Stellen nur 50 Meter voneinander entfernt. Man hört sich gegenseitig sprechen. Die Soldaten haben in den Laufgräben viel unter dem Wasser und dem Eis zu leiden.
5m fernen Osten.
Roman von O. Elster.
82) (Nachdruck verboten.)
m Im Hotel de Peking ruhte Ellens Mutter krank im Bett. Die Aufregung, der Schrecken, die Todesangst hat- ten ste niedergeworfen, sie fieberte stark und in ihren Fieberphantasien sah sie immer noch die Chinesen mit mordgierigen Blicken auf sich zustürzen, hörte sie ihr wildes Geschrei und vernahm das Knattern der Gewehre .^ Ellen durfte die Mutter nicht verlassen: sie mußte deshalb ihre Tätigkeit in dem Lazarett aufgeben und widmete sich ganz der Pflege der erkrankten Mutter.
^ ME^md Einsamkeit des Krankenzimmers tat mr wohl. Auch sie befand sich in einer seelischen Depres- durch die Nachricht von dem Tode d^ Schrecknisse des Ueberfalls der »Ätf^^ du« das W* SMgr-iI-„
Ämlä^ÄS' die Flammen aus dem Dache meines SerfcK ihr, „und da dachte ich mit
Ete ich einige
S Vm SS eilte nach dem Gesandtschaftshofe und kam ßlucklicheuvecse noch zur rechten Zeit." Ellen^ibm d e Ä^n von ganzem Herzen", entgegnete umfaßte und f^ ^ie " mit warmem Druck
"Wenn Ihnen ein Unglück widerfahren wäre ick SN" "'- °°-g°°-n-, sagte er, und Le SttmÄ .. Älen wollte ihre Hand zurückzieben dock wu 1 iest und sah ihr bittend in die Augen c .. "$$ möchte wohl eine ernste Frage an Sie rickten Fraulein Ellen", fuhr er fort wenn Achten, W passend erscheint. Ab^ver^wei? ob nicht die nächste Stunde schon wieder blutige Känwie bringt, die uns auf immer trennen können "
Ueber neue heftige Kämpfe, die sich in der Front von^Apern-bis Labassee entsponnen haben, wird gemeldet:
»s* Amsterdam, 26. November. (WTB.) „Handels- bladet" meldet aus London: „Daily Chronicle" meldet aus Nordfrankreich, daß die englisch-französische Armee seit 48 Stunden von den Deutschen mit starker Macht an der Front von Ypern bis La Bassee angegriffen wurde. Diese Schlacht gleicht in ihrem Umfange und in ihrer Intensität den Schlachten an der Marne und an der User. Die Deutschen begannen den Kampf mit großen Verstärkungen und neuen Kanonen. Die schwersten Geschütze sind in Aktion.
Die deutschen Laufgräben in Flandern.
Ein Korrespondent des „Nieuwe Rotterdamsthe Courant" beschreibt die deutschen Laufgräben wie folgt: Längs der ganzen Front in Flandern haben die Deutschen wenigstens zwei Reihen irdener Verstärkungen; die erste ist für die Truppen bestimmt, die wirklich im Feuer sind, die zweite ist der Zufluchtsort der Ablösungstruppen. Jeden Abend, wenn es dunkel wird, werden die Truppen in den vorderen Laufgräben abgelöst. Sie gehen nun nach der zweiten Reihe zurück, wo ein gewisser Komfort herrscht. Diese Laufgräben sind meistens inwendig mit Matten und Decken bekleidet, sind ganz überdeckt und nach der Seite des Feindes hin geschlossen. Die Soldaten sind dort gegen Infanterie- und Maschinengewehrfeuer geschützt, Regen und Schnee können nicht eindringen. Diese Laufgräben sind so gut verborgen, daß die feindliche Artillerie sie nur selten beschießt. Nur dann und wann fällt ein verirrtes Projektil hinein. Die Soldaten fühlen sich dort wohl, sie plaudern und singen. Einige besitzen einen Petroleumkochapparat und bereiten oft ein Extramahl. Manchmal spielen sie Karten. Ganz anders ist es in den Laufgräben der ersten Linie, die je nach den Umständen und nach der Beschaffenheit des Bodens 800 bis 1000 Meter nach vorn liegen. Sie sind natürlich nach der Seite des Feindes nicht geschlossen, und besonders die Deutschen, die in Flandern die Front nach Süden und Südwester! haben, leiden viel durch Regen und Schnee. Die Soldaten müssen Tag und Nacht auf der Hut sein, denn jeden Augenblick kann man eine Ueberraschung erwarten. In den vorderen Laufgräben werden die Truppen alle 24 Stunden abgelöst. Das ist die Regel; aber oft macht es die Entwicklung des Kampfes notwendig, daß sie länger dort bleiben. Die Truppen in den vorderen Laufgräben nehmen immer für 24 Stunden Nahrung mit. Bleiben sie länger, dann versucht man, in der Nacht weitere Nahrungsmittel nachzuführen. Es ist auch immer für alle Fälle ein Vorrat Reserveproviant in den Laufgräben vorhanden. Abends und nachts werden die Verwundeten und Toten aus den ersten Laufgräben abtransportiert.
Die englische Rekrntenanwerbnng.
Die „Times" vertritt die Ansicht, daß die Werbe- mantfeste für die englische Armee gar nicht gelesen würden, weil sie viel zu lang seien. Die „Times" macht den Vorschlag, folgende Fassung zu wählen: „Engländer, der Prmz von Wales ist in der Front; um das Vaterland zu retten, tun uns Männer bitter not. Folgt dem Beispiel Eures Prinzen und laßt Euch anwerben!" Der Korrespondent des Blattes in Dublin meldet, daß 400 junge Männer aus Connaught nach Amerika flüchteten, auf die Gerüchte von der Einführung der allgerneinen Wehrpflicht.
Mißerfolg der Rekrutenaushebung in Frankreich.
Die Einberufung des französischen Rekrutenjahrganges 1915 bedeutet nach zuverlässigen Pariser Meldungen einen großen Mißerfolg. Von den 150 000 Einberufenen haben sich bloß 80 000 bei den Behörden gemeldet. Der Rest soll mit seinen Angehörigen zum größten Teil ins Ausland geflohen sein.
' Dom österr.-ungar. Generalstab '
ob* Wien, 25. November. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: Das gemaltigt. Ringen in Russisch-Polen dauert fort. Bisher machten unsere Truppen in dieser Schlacht 29 000 Gefangene, erbeuteten 49 Maschinenge- wchre sowie viel sonstiges Kriegsmaterial.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalsiabes. v. H ö f e r, Generalmajor.
Auch die Kämpfe in Polen finden, wie gemeldet wird, bei bitterer Kälte statt; der Winter trat dort, ebenso wie in Flandern und Nordfrankreich, ungewöhn
„Sie sind verwundet, Herr von Wittkoven", entgegnete Ellen, auf seinen linken Arm zeigend, den er in einer Binde trug. „Sie können dem Kampfe fern- bleiben. . . ."
„Ich darf ihm nicht fernbleiben, Fräulein Ellen; Alle Mann an Bord, heißt es, wenn dem Schiffe Gefahr droht. Und die leichte Verwundung darf mich nicht an der Erfüllung meinerPflicht hindern. Aber ich möchte die Gewißheit mit in den Kampf nehmen, ein liebevolles Gedenken bei Ihnen zu finden. . . ."
„Sie wissen, Herr von Wittkoven", sagte Ellen in leichter Verlegenheit, „daß wir Ihnen nie vergessen werden, was Sie für uns getan."
„Und ich kann nicht auf mehr hoffen, Ellen?" fragte er. „Darf ich nicht hoffen, daß Sie mich ein wenig lieb gewinnen können und mir die Erlaubnis geben, um Ihr Herz und Ihre Hand zu werben?"
Ellenerrötete leicht. Schmerzlich durchzuckte es ihr Herz, und ihre Lippen bebten. Sie vermied den bittenden, fragenden Blick seiner Augen und sah nachdenklich in die Ferne.
„Verzeihen Sie mir, Herr von Wittkoven", entgegnete sie nach einer Weile, „wenn ich Ihnen jetzt keine Antwort auf Ihre Frage geben kaun. . . "
„Ellen . . . ich verstehe Ihr Zögern sehr wohl . . . und ich achte Ihre Beweggründe. Aber lassen Sie mich es aussprechen, daß Ihnen nicht nur meine höchste Bewunderung gilt, sondern auch meine innigste Liebe . . . und gönnen Sie mir die Hoffnung, daß Sie mir einst, wenn diese schweren Tage hinter uns liegen, eine Antwort geben wollen, die mich zu dem Glücklichste» der Menschen machen wird. Darf ich diese Hoffnung mit hinaus nehmen in den Sumpf, Ellen?"
Sie wandte sich ihm zu und sah ihn ernst, aber nicht unfreundlich an.
„Sie kennen unsere Verhältnisse . . ." sagte sie. Doch er unterbrach sie lebhaft: „Ich weiß — ich habe ja mit ihrem Bruder alles besprochen. Ich bin sicher, daß
lich früh seine Herrschaft an. Um so bewundernswerter ist die Ausdauer und Tapferkeit, mit der unsere Truppen und die unserer Verbündeten die Angriffe der zahlenmäßig so riesenstarken Heere des Feindes jetzt zum Zu- sammenbruch gebracht und sich, wie wir yoffen, damit den Weg zum endgültigen Siege geöffnet haben.
Russische Niederlage in den Karpathen.
o-* Budapest, 26. November. (T. U.) Nach einer Meldnng des „Magyar Orszag" aus dem Zemplener Komitat stand, wie die „Köln. Ztg." berichtet, an der Spitze der in Zemplen und Ung eingedrungenen russischen Truppen General Skolitschew. Unsere Truppen zogen sich zuerst eine Strecke zurück und griffen daranf die Russen an, die in großer Verwirrung flüchteten. Sie wurden verfolgt und zu einem neuen Gefecht gezwungen, das mit einem weiteren Rückzug schloß. Die russische Armee flüchtete gegen die Grenze und wurde ganz zersprengt. Die Russen hatten große Verluste und ließen viele Gefangene zurück. Auch im Ung-Komitat wurden die Russen über die Grenze zurückgeworfen.
Das österreichische Borrücken in Serbien.
Wien, 25. November. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird gemeldet: Unsere Truppen haben unter schweren Kämpfen die versumpfte Kulubara-Niederung bereits überall überschritten und im Angriff auf die östlichen Höhen Raum gewonnen. Mehrere heftige Gegenangriffe der feindlichen Reserven wurden unter großen Verlusten für den Gegner abgewiesen. Zahlreiche Gefangene nnd Ueberläufer. Südöstlich Valjewo haben nn- fere Truppen die schneebedeckten Kämme des Maljen und Snvobor kämpfend überschritten. Dort wurden gestern neuerdings zehn Offiziere und über 800 Mann gefangen genommen und drei Maschinengewehre erbeutet.
Serbiens Politik der Konzessionen.
oe* London, 26. November. (T. U.) Der „Times" wird aus Sofia gemeldet, daß Serbien vor einigen Tagen in Bukarest anfragen ließ, ob Rumänien Beschwerde erheben würde gegen eine Abtretnng serbischen Gebietes an einen benachbarten Staat, mit welchem augenscheinlich Bulgarien gemeint sei. Rumänien antwortete, daß es mit Freuden jeden Konflikt mit einem benachbarten Staat vermeiden werde. Die Regierung von Serbien trage dem Rechnung und sei geneigt, eine Politik der Konzessionen einznleiten. Serbien hoffe, seine Unabhängigkeit wahren zu können, denn sein Bestehen hänge von der Tripleentente ab.
Rußland vom Weltverkehr abgeschnitten.
In den nächsten Tagen dürfte Rußland von der übrigen Welt abgeschlossen werden. In A r ch a n g e l s k, dem einzigen Einsuhr- und Ausfuhrhafen seit der Beherrschung der Ostsee durch die Deutschen und der Schließung der Dardanellen durch die Türken, ist nach einer Meloung der „Köln. Ztq." heftige Kälte eingetreten. Alle Bemühungen der Engländer, den Russen gegen die Na- turgewalt zu helfen, bleiben erfolglos. Das Weiße Meer, wird den Versuchen der stärksten Eisbrecher, das Fahrwasser offenzuhalten, spotten. Viele Dampfer dürstem bei dem starken Verkehr in Archangelsk eingeschlossen werden. England hat über Archangelsk namentlich Getreide, Holz und Eier bezogen und für sein 44 Volk einen erheblichen Teil seines Bedarfes am Weißen^ Meer gedeckt. Für Rußland war dieser Warenabsatz eine Lebensfrage. Mit der Sperrung von Archangelsk hört der Warenverkauf Rußlands nach dem Auslande auf. Den südlichsten Ostseehafen Rußlands, Libau, haben unsere Seestrettkräfte jüngst rechtzeitig völlig gesperrt: von dort kann kein Schiff, auch nicht bei Nacht und Nebel, auslaufen. Aus dem Ausland kommt somit kein Geld für Warenkäufe mehr nach Rußland.
Ein Zeppelin über Warschau.
Ein deutsches Luftfahrzeug erschien nach Londoner Meldungen am Dienstag über Warschau. Es warf eine Bombe ab, die auf das amerikanische Konsulat fiel und einigen Materialschaden verursachte. Menschen wurden von der Bombe nicht getroffen.
Große Furcht in Odessa vor einer neuen Beschießung.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: In Rußland befürchtet man, dem Mailänder „Seeolo" zufolge immer noch eine Beschießung von Odessa. Dort sei die Lage sehr traurig, die Schiffahrt auf dem Schwarzen Meere ist eingestellt, die Kanffahrieiflotte liegt im Hafen und das geschäftliche Leben stock:.
Aus dem türkischen Hauptquartier.
>-£ Konstantinopel, 26. November. (WTB) Das schlechte Wetter an der kaukasischen Grenze hält noch unsere Bewegungen in der gebirgigen Gegend anf. Wir
ihm für seine Verluste die chinesische Regierung volle Entschädigung leisten muß. Doch wenn auch das nicht wäre, ich bin reich genug, Ellen, um Jhuen ein sorgenfreies Leben bieten u können. Sie glücklich zu machen, soll meine stete Sorge sein."
„Ich danke Ihnen — aber Sie wissen so wenig von meinem früheren Leben. . ."
„Das sicherlich in schönster Harmonie verflossen ist." Ein bitteres Lächeln umzuckte ihre Lippen.
„Nicht immer, Herr von Wittkoven", entgegnete sie. „Das Leben hat auch mir Schmerz und Enttäuschung gebracht. Ich war nicht immer so ernst wie jetzt —"
„Ihre Heiterkeit wird zurückkehren."
„Wer weiß? Noch letzter Tage habe ich einen tiefen . Schmerz erfahren, der stets seine Schatten über mein Leben werfen wird. Ein Freund, der Gefährte meiner j glücklichen Jugend, ist im Kampf um die Taku-Forts ge- - fallen. . . ."
Die Tränen traten ihr wieder in die Augen. Sie i wandte sich ab. Voll Mitgefühl ruhte das Auge Witt- kovens auf ihr. Erst nach einer Weile fragte er leise und ; zaghaft
„Sie lieben diesen Freund, Ellen?"
Sie nickte, die Tränen erstickten ihre Worte.
„Verzeihen Sie mir, Ellen," fuhr Wittkoven fort, ! „wenn ich Sie an diesen Verlust erinnert habe. Ich achte i und ehre Ihren Schmerz und den toten Freund Ihrer i Jugend. Und ich kann nicht hoffen, daß Sie sein Andenken so rasche vergessen werden. Meine Worte von vorhin ' wären nicht gesprochen worden, hatte ich Ihren Schmerz ! gekannt. Aber, meine teure Ellen, ich will und kann die : Hoffnung nicht aufgeben, daß der Schmerz um den toten i Freund sich nicht in stilles, wehmütiges Erinnern wan- : delt, daß die Freude des Lebens auch in Ihnen wieder ; die Oberhaud gewinnt und daß Sie nicht ungern die Worte der Treue und der Liebe ans dem Munde eines ; anderen Mannes hören werden. Nicht jetzt, Ellen, sollen Sie mir antworten)" (Fortsetzung folgt-