Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
ß ; << h Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ,
amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder
Amtlicher Anzeiger ^5
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * .
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^Pt5lUU^T
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. *
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 278.
Freitag, den 37. November
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* (M itwirkung der Schule bei der Brotversorgung.) An der Regelung der Brotversorgung wird sich jetzt auch die Schnle beteiligen. Der preußische Unterrichtsminister hat eine Mitwirkung der Lehrpersonen bei der Durchführung der Anordnungen des Bundesrats angeordnet. Unsere Feinde, insbesondere die Engländer, hoffen, sagt er, Deutschland trotz aller Waffenerfolge durch Abschneiden der Weizenzufuhr auszuhungern und so zu einem ungünstigem Frieden zwingen zu können. Diese Hoffnung wird mit Sicherheit vereitelt werden, ohne daß die Brotpreise im Jnlande eine drückende Höhe erreichen wenn die Verordnungen zur Versorgung mit Brot allgemein befolgt werden. Die Anordnungen müssen aber im ganzen Volke volles Verständnis finden. Alle Kreise müssen ihre Lebens- und Wirtschaftsführung danach einrichten. Besonders zur Durchführung des Verbotes der Getreidefütterung in den landwirtschaftlichen Kreisen bedars man dabei auch der Mitwirkung der Lehrer. Ständige Hinweise und Belehrungen im Schulunterrichte können das Ihre tun. Durch die nahe Berührung, in der die Lehrer auf dem Lande mit der Bevölkerung stehen, wird es ihnen möglich, Verständnis für die Notwendigkeit der Maßregel zu erwecken und der Bevölkerung einzuprägen, daß es vaterländische Pflicht ist, das Verbot gewissenhaft zu befolgen. Die Kreisschul- inspektoren und die Schuldeputationen erhalten Merkblätter zur Verteilung an die Lehrer und Lehrerinnen.
* (V 0 m E i s e r n e n K r e u z.) Nach behördlichen Anordnungen soll mit dem Eisernen Kreuz und seinen Nachbildnngen kein Mißbrauch getrieben werden. So sollen Eiserne Kreuze in den Zeitungen nur zum Schmuck der Anzeigen im Felde Gefallener, nicht aber für andere Anzeigen Verwendung finden. Nachbildungen des Eisernen Kreuzes mit Band aus Pappe und dergleichen werden neuerdings in den Handel gebracht und von Kindern und selbst von Erwachsenen getragen. Die Polizeibeamten sind indessen angewiesen worden, gegen alle Personen, die diese Nachbildung tragen, einzuschreiten.
»(Füttert d i e V ö g e l!) Der rauhe Winter ist herangekommen und mit ihm beginnt jetzt eine traurige Zeit für die armen Vögel. Viele mitleidige und barmherzige Vogelfreunde, die sie sonst fütterten und so ihre stete Abnahme verhinderten, sind jetzt ins Feld gezogen, um für ihr Vaterland zu sümpfen und können die Vögel deshalb nicht füttern. Um jene nun zu ersetzen, ergeht an Euch, Groß und Klein, die Mahnung: „Füttert die hungernden Vögel!" — Welch eine Freude ist es doch, diese niedlichen Geschöpfe ihren Hunger stillen zu sehen, und das gewährt zugleich die Belehrung, gar viele Arten in ihrem Wesen näher kennen zu lernen.
):( Hersfeld, 26. November. Von militärischer Seite ist Klage darüber geführt worden, daß deutsche Flieger wiederholt durch Schüsse und Sternwurse gefährdet worden sind. Zur Vermeidung von Strafen wird wiederholt vor solchen Ausschreitungen gewarnt.
):( Hersfeld, 27. November. Mit dem Eisernen Kreuz wurde ausgezeichnet Leutnant und Kompagnieführer Walther Eckhhardt Regierungslandmesser zu Frankenberg, früher Hersfeld.
Friedewald, 24. Nov. Dem Reservist George Schütrumpf von hier vom Reserve-Bataillon Nr. wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
Heimboldshausen, 24. Nov. Dem Feldwebel- Lektnant Mühlroth im Landw.-Jnf.-Regt. 63, früher Feldwebel im Jnf.-Regt. 97, wurde das Er ferne Kreuz verliehen. Er machte mit seinem Zuge am 20. September in Frankreich 50 Gefangene und eroberte - Maschineu-Gewehre.
Raboldshansen, 20. November. Der Sohn des Jakob Zinn hier, Musketier Hemrrch Zmn vom Fnf.-Regt. 138, 11. Kompagnie, erhielt das Eiferne Kreuz.
Melsnngen, 23. November. Dem Leiter der hiesigen Vilmarschen Lehr- und Erziehungsanstalt, berrn Direktor Kauffmann, wurde die seit längeren Fahren mit unerschütterlicher Beharrlichkeit erstrebte Berechtigung zur Ausstellung von Befähigungszeug- U'ssen zum Einjährig-Freiwilligen erteilt.
. Gaffel, 25. Nov. DerLandesausschuß für die Provinz Hessen Nassau beschloßinciner am Montagstattgehabten Sitzung, beim Kommunallandtag die Wahl des bisherigen Oberarztes der Irren-Heil- und Pflegeanstalt, Professor Dr. Iahrmaerker-Marburg zum Direktor
der Anstalt mit Wirkung vom 1. April 1915 zu beantragen.
Gaffel, 25. Nov. Ein Unglücksfall hat sich am gestrigen Dienstag vormittag Ecke der Obersten Gasse und obere Entengasse zugetragen. Ein schwer bc= ladenes dreiräderiges Postautomobil, welches im scharfen Fahrtempo vom Königsplatz her die Straße an der Garnisonkirche herabgesaust kam, schlug plötzlich um, sodaß der Führer und der begleitende Schaffner herausgeschleudert wurden. Der Führer kam dabei unglücklicherweise mit der rechten Hand unter das schwere Kraftfahrzeug zu liegen und wurden ihm zwei Finger vollständig abgequetscht. Nachdem ihm ein Arzt ein Verband angelegt hatte, wurde er ins Krankenhaus überführt Der Schaffner kam mitgeringfügigenHautabschürfungenundQuetschnngen davon.
Fritzlar, 22. Nov. Nun sind schon 7 der Kriegshelden, die in unseren Lazaretten Heilung suchten, dahingegangen, vorgestern starb der Unteroffizier Hocker aus Erzenrtcht in der bayerischen Oberpialz an seinen schweren Verletzungen. Selbstverständlich wurde er mit allen militärischen Ehren beerdigt, wobei der Kriegerverein mit Fahne und die Kapelle Hiege aus Gudensberg mitwirkten.
Kleinsasse», 24. Nov. Nachdem dem Schneider und Kirchendiener Aloy Hohmann am 29. Oktober das Eiserne Krenz zweiter Klasse verliehen worden ist, wurde er nunmehr auch für wiederholte wichtige Patrouillengänge mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet.
Deuuhaufen, 24. Nov Ein mehr als 70jähriger früherer Lehrer, der an Geistesschwäche leidet, war bei Guntershausen von Soldaten aus der Fulda gezogen worden. Er war seit einigen Tagen von feinen Angehörigen vermißt worden, die ihn im Auto abholten.
Gotha, 23. Nov. An der Spitze seines Regiments siel im Osten Oberst v. Berg, der Kommandeur des hier garnisonierenden Infanterie-Regiments.
Gotha, 24. November. Herzog Karl Ednard von Koburg-Gotha kehrte am Sonntag, vom östlichen Kriegsschauplatz kommend, nach hier zurück. Der Herzog ist, wie der „Berl. Lok.-Anz:" meldet, auf dem Kriegsschauplatz wie durch ein Wunder einer schweren Gefahr entgangen. Eine Granate schlug in der Nahe des Staudortes des Stabes vom Infanterie-Regiment, dessen Chef der Herzog ist, ein. Der Kommandeur des Regiments wurde getötet.
Arnstadt, 24. Nov. In der Schloßstraße stürzte ein Bretterzaun ein in dem Augenblick als der Gutsbesitzer Max Hauschild aus Liebenstein ein 32ja(jriger kräftiger Mann, vorbeiging. Dieser wurde umgeworfen und erlitt schwere Kopfverletzungen, die seinen Tod alsbald herbetführten.
Ruhla, 23. November. Zu dem großen Schafdieb- stahl auf dem Vorwerk Hucherode wird nntgeteilt, daß als Täter der 30 Jahre alte Schäfer. Wilhelm Krämpe in Betracht kommt. Inzwischen ist es der Gendarmerie gelungen, des Diebes habhaft zu werden. Sämtliche 133 Schafe wurden bet Hannover beschlagnahmt und dem Besitzer wieder übereignet. Die Tiere waren bis Treffurt getrieben und dort verladen worden.
Halle 23. November. Gestern abeud gegen 9 Uhr mürbe der Landsturmman Lehrer Georg Lananer, der an der Eisenbahnüberführung an der alten Leipziger Chaussee Posten stand, von einem Güterzuge uberfahren und sofort getötet.
ßireU 24 Nov. (Beim Hantieren mit einem Revolver'tödlich verunglückt.). Auf entsetzliche Weise ums Leben gekommen, ist hier die 18 Jahre alte Tockter des Stuhlmeisters Seifert aus der Hertel- straste sie woll e ihrer verheirateten Schwester, deren Mann im Felde steht, den Revolver zeigen, den der Vate? in seinem Pul aufbewahrte. Plötzlich krachte ^n Schuß und das junge Mädchen stürzte cn, den Kopf getroffen blutüberströmt zu Boden und starb bald darauf.
Kvlda 24 Nov. (Sendungen an das Feld- n r filierte-Regtment Nr. 47.) Etwaige Paket- sendnnaeu zu Weihnachten an Angehörige des Feld- ^ illerie Reaiment Rr. 47 nebst den zugehörigen Formationen sowie der mobilen Ersatzabteilung werden^soweit solche nicht den Paketdepots übermittelt werden, unter Angabe der genauen Adreye der Smufänaer bis zum 5. Dezember hierher erbeten, kamit si? den Ersatztransporten angeschlossen werden können. ... ....
^ranffurt 23. Nov. Im Bereich der preußlsch- heffifcbcH Eisen bahngemeinschaft dürfen die Bahnhofs- KÄSS in frwiifWr Sprach- »ich, me»r X« Ä »Wen in »euttoer Sprach- ausgedrückt sein.
Gießen, 25. Nov. Kürzlich kam, wie die „Fuld' Ztg." berichtet, ein Handwerksmeister in das Ein- quartterungsbureau der Bürgermeisterei und bat, man möge ihm doch seine Einquartierung abnehmen, er könnte für Geld und gute Worte keine Kartoffeln auftreiben und wisse nicht, womit er die Leute, die einen gesunden Hunger haben, satt machen solle. Der Mann erklärte, er habe einen Kartoffelhändler, der ganze Keller voll dieses Nahrungsmittel liegen habe, um Lieferung gebeten und 9 Mark für das Malter geboten. Der Ständler aber habe bestimmt erklärt, er verkaufe jetzt keine Kartoffeln. Man quartierte die beiden Leute wegen der Kartorsfeluvt des Quartier- wirtes einfach um.
Hersfeld. In welch dankenswerter Weise sich die Arbeiter und Meister hiesiger Betriebe an dem Liebeswerk, unsere braven Truppen im Felde mit Liebesgaben zu befdicnfeu, beteiligen geht aus Folgendem hervor: Die Arbeiter der Betriebe A. N e ch b e r g, Georg Bran n, R e h n & Co. und Ad. W e v e r haben unter sich eine Vereinigung gebildet, welche es sich znr Pflicht machte, von dem verdienten Lohn nach Kräften zu dem Liebeswerke betzusteuern. — Bereits ist über 484 Mk. quittiert. Heute kann mitgeteilt werden, daß diese Vereinigung seit Oktober bis zum 22. ds. Mts. eine Einnahme von 1523 Mark 33 Pfg.
hat, zu der die Arbeiter der A. Rechberg 617,09 Georg Brauu 550,14 Rehn & Co. 62,70 Ad. Wever 61,40 Hierzu Bestand 14,10 Beigesteuert 17,00 Einen Betrag von 24,50 Gestiftet 70,00 „ 50,00 „ 25,00 „ 20,00 „ 10,00 Erlös 1,40
innen Rf.
„ steuerten
„ vom 27. Sept. d. Is.
„ von den Arbeitern der Lederfab. Jean Rechberg „ der nicht verausgabt „ von Herrn Kommer- zienrat Rechberg
„ v. Herrn Ludw. Braun
„ „ „ Alex Rehn
„ „ „ Wilh. Wever
„ „ „ Bararach
für Anstecknadel
Summa 1523,33 Mk.
Die Ausgabe beträgt bis zum 22. d. Mts. 1452,34 Mk. Folgende Liebesgaben wurden gekauft und weiter gegeben. An 18 Landsturmleute je 1 Hemd, 1 Paar Strümpfe, 1 Paar Hosenträger 1 Kopfschützer, 1 Leibbinde, 1 Pfeifchen 10 Feldpostkarten und Tabak. Diese 18. Landsturmleute sind Arbeiter aus obigen Fabriken. — Bei der Abreise des Landsturmbatatllons wurden am Bahnhöfe 650 Cigarren und 1000 Feldpostkarten verteilt. — An Verwundete 200 Cigaretten. — In den hiesigen Lazaretten 3000 Ansichtskarten von Hersfeld und Cigaretten. — An 2 Verwundete bei ihrer Abreise von hier je 1 Hemd, 1 Paar Strümpfe, 1 Paar Hosenträger, 1 Kopfschützer, 1 Leibbinde, 10 Cigaretten und 10 Feldpostkarten. Ferner an 2 Mann je 1 Hemd 1 Paar Strümpfe, 1 Paar Hosenträger, 10 Feld- postkarten und Cigaretten. — Ins Feld wurde an 7 Mann geschickt je 1Hemd, 1 Unterhose, 1 Paar Strümpfe, 1 Paar Hosenträger, 1 Kopfschützer, 1 Leibbinde, 1 Paar Stauchen, 50 Cigaretten und 30 Feldpostkarten. — An 1 Mann der Marine wurde dasselbe gesandt. — Nach Metz wurde beigelegt in eine Kiste des Roten Kreuzes 10 Hemden, 8 Leibbinden, 10 Kopf- schützer, 7 Paar Strümpfe, 5 Paar Stauchen, 2 Paar Kniewärmer, 300 Feldpostkarten und 300 Cigarren. — Bei der Depositenkasse hier wurden 50 Mark für die Krieger im Felde eingezahlt. — An die Adresse Seiner Exellenz Generaloberst von Hindenburg wurden folgende Liebesgaben gesandt: 96 Paar Strümpfe, 29 Paar Stauchen, 6 Paar Kniewärmer, 33 Leibbinden, 49 Kopfschützer, 22 Normalhemden, 17 Barchendhemden, 14 Paar Hosenträger, 30 Paar Unterhosen, 1000 Feldpostkarten, 2 Kisten Cigarren, 28 Stück Seife, 18 Unterjacken und 20 gestrickte Jacken. Hierzu wurde noch gestiftet: Ungenannt 300 Cigarren, Ungenant 100 Cigarren, Bal. Scelig 100 Cigarren, H. Sauer 200 Cigarren, Ungenannt 100 Cigarren, Ungenannt 100 Cigaretten, 24 Taschentücher und 1 Paar Stauchen. Familie Ph. Altenburg 100 Cigarren, 3 Barchendhemden, 1 Paar Stauchen, 1 Kopfschützer, 1 Lungenschützer, 1 Leibbinde, 2 Paar Strümpfe und 12 Pakete Taback. Von Frau Amly Rechberg und Frau Thekla Koch je 30 Pakete Taback. Ungenannt 300 Cigaretten und 2 Paar Strümpfe. Herr Postdirektor Gies 6 Lungenschützer und von Ungenannt 10 Mk. Allen Geber und Spender herzlichen Tank und vergelts Gott!, mit der Bitte sich auch fernerhin an diesem Liebeswerk zn beteiligen.
Die Vertreter der Arbeiterocreinigung.
Folgendes Dankschreiben ist an uns eingegangen: Seine Exzellenz Herr Generaloberst von Hinden- burg lassen der Arbeitervereinigung Hersfeld und Umgegend für die freundliche Sendung vielmals danken.