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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger jjjs für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * . zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5Pt5lnD^T

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 274

Sonntag, den 22. November

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Zum Totenfest.

Die ersten weißschimmernden Flocken Senkten sich lautlos herab Auf liebend geschmückte Hügel, Manch ein verfallenes Grab.

Die schneeübersponnenen Stätten

Kränzt heute ein blumiger Flor, Draus grüßen des Jahres letzte, Rotleuchtende Rosen hervor.

Auf Schlachtfeldes weiten Gefilden,

Im eisigen Ost und West,

Da breitet sich aus ein Bahrtuch Weißschimmernö am Totenfest.

Und auf dieser schneeigen Hülle,

Da leuchtet's wie Rosen so rot,

Da fließet des Vaterlands Herzblut

In Strömen, im Heldentod.

Die Schläfer auf heimischem Boden,

_ Und jene im fernen Land

Verbindet am heutgen Tage

Ein heiliges Ewigkeitsband.

Sie alle, sie litten und sümpften

Und überwanden die Welt,

Drum ist auch ein jeder der Schläfer,

Der stillen, der großen ein Held.

Dem Andenken an unsre Toten hat die katholische Kirche den Allerseelentag, die evangelische das Toten­fest geweiht. So wie in diesen großen Tagen ist seit dem November des Jahres 1870 das Gedächtnis unsrer Toten nicht gefeiert worden, so allgemein, so erschütternd und doch erhebenden Trostes so voll. Sein teuerstes und treustes Blut muß das deutsche Volk auf dem Altar des Vaterlandes opfern. Unsäglich schmerzlich ist das Herzeleid über die Opfer, die der Krieg fordert, laut und gerecht die Klage, die allerwärts in den deutschen Landen sich erhebt. Sie läßt kein deutsches Herz unbewegt. Kaum gibt es wohl noch eine deutsche Familie, die nicht frisches Leid in unsern todesschweren Tagen zu tragen hat, die nicht von den unermeßlichen Verlusten an Menschenleben berührt wird. Nur die wenigsten wissen, unter welchen Hügeln in fremder Erde die Ihrigen zur letzten Ruhe ge­bettet sind. Sie kennen die Gräber ihrer Lieben nicht. Sie können am Totensonntage nicht an der Stätte der Heimgegangenen weilen und weinen und ste schmücken.

Fern und einsam ruhen die meisten Toten des Krieges. Und doch nicht einsam und verlassen. All­deutschland, zur großen Trauergemeinde geeint, steht an den Gräbern seiner Helden, ergriffen zwar von tiefstem Weh, aber auch stark im Troste und des Segens gewärtig, der aus diesen frischen Gräbern emporsteigen muß. Unvergessen leben die Toten in den Herzen der Zurückgebliebenen, und wenn je Totenfestgedanken Balsam denen zu spenden vermögen, die ihr Letztes, Unersetzliches für das Vaterland hin­geben mußten, so die heurigen. Sterben bleibt aller Sterblichen unabwendbares Los. Aber von jeher, so lange es tapfre Völker gibt, die sich für Ehre und Freiheit begeistern und dafür Todesverachtung be­wiesen haben, gelten die für geadelt, geweiht, gesegnet, für alle Zeiten als ehrwürdig gepriesen, die des heiligen Retter- und Erlösertodes für das heißgeliebte Vaterland sterben. Ste sterben nicht. Ewig leben sie : im Gedächtnis und in der Geschichte ihrer Heimat, ihres Volkes, des höchsten Ruhmes würdig.

Der Opfertod der Vaterlandshelden verklärt: die, die ihn erlitten, und die, die darob klagen. Lasten wir die Thränen fließen, aber beugen wir uns in Demut unter Gottes unerforschlichen Willen und heben wir, im Vertrauen auf den allerhöchsten ^enter der Menschen- und Völkergeschicke, die Herzen zu der Zuversicht empor, daß unsrer Helden Blut nicht um­sonst fließt, daß, so groß der Verlust, der uns trifft, so groß auch die Ehre und der heilende Trost ^ m" dem Besten zu des Vaterlandes Heil beigetragen zu haben und so ein Blatt in dem unverwelklichen Kranze deutschen Ruhmes unser eigen nennen zu dürfen! Denn das sagen uns, mahnend und an- teuernd, unsre Toten zum Totenfest, day die Op er, die sie uns mit ihrem Leben gebracht haben, ni« vergeblich sein sollen, daß sich der Kranz eines unbe­streitbaren Sieges, der ringsum unsre Feinde zu Boden streckt, um unsrer Heere Fahnen Minden mune, daß der Tod aus blutigem Schoß neues Leben im Vaterland gebären wird. -

_ Drum sei, was einer unsrer Dichter aus den Schlachtfeldern um Metz vor 44 Jahren zur Be- hrrzigung gesungen hat, des diesjährigen Toten­sonntags Gelübde :Nimmer soll, das ihr vergossen,

Euer Blut umsonst geflossen, nimmer sollls ver­gessen sein!"

Durch die Nacht des Todes zum Licht des Lebens! Dem Totenfest soll nach sieggekröntem ehrenreichem Frieden im herrlicher noch als zuvor erblühenden, an Macht, Größe und Gesittung wachsenden Dentsch- land ein Lebensfest folgen. Die der Tod auf dem Felde der Ehre uns entrissen hat, sie haben den wahren, ewigen Frieden, und uns, die mir ihr An­denken als heilig ehren, wird und muß auf Erden ein Frieden und eine neue Friedenszeit beschteden sein, die derer würdig ist, die dafür ihr Herzblut ge­geben haben. Drum, so rief den um die Toten des Jahres 1870 Trauernden ein Dichter zu:Weinet nicht, ob Ihr das Teuerste auch habt verloren! Ge­waltig schon die neuen Zeiten kreisen, und Großes wird in Schmerzen nur geboren. Der Lorbeer reicht der Palme schon die Hand, und herrlich, neugestählt durch Blut und Eisen, ersteht zum höchsten Glanz das Vaterland. Drum weinet nicht, denn die für solchen Preis sich hingeben, sie sterben nicht, sie werden ewig leben!"

Bus der Heimat«

»Den Einlieferern von Gold an die Reichsbank werden die Portokosten und Bestell­gebühren, die durch Einsendung der Goldmünzen durch die Post und Uebersendung des Gegenwertes in Papiergeld entstehen, von der Reichsbank zurück­erstattet.

* (Einstellung von Kriegs-Frei- willigen!) In Arolsen, Eisenach, Sondershausen, Coburg, Rudolstadt und Hildburghausen werden z. Zt. wieder Kriegs-Freiwillige für die Infanterie an­genommen. Meldungen werden möglichst sofort, spätestens bis zum 23. d. Mts., in den Kasernen der vorgenannten Garnisonorte entgegengenommen.

* (Amtliche Wa rnungen.) In einer Zeitungs­Annonce erbot sich ein Unternehmen, über das Schick­sal der im Felde stehenden Soldaten eingehende Be­richte zu erstatten. Der Annonce war eine Fassung gegeben, daß man zu der Ansicht verleitet werden konnte, die Auskunft würde unentgeltlich erteilt werden. Eine Anfrage bei der betreffenden Firma hatte zur Folge, daß diese die Ausfüllung eines »Fragebogens über die Zugehörigkeit zur Kompagnie, Bataillon, Regiment usw. und die Vorauszahlung von 2,50 Mk. fürBemühungen" verlangte, die nach Mitteilung der Firma in der Kontrollealler amt­lichen Belege" und Verlustlisten sowie Bescheiderteilung bestanden. Hiernach wäre die betreffende Firma nicht in der Lage, mehr mitzuteilen als die amtliche Stelle, das Zentral-Nachweise-Büro des Kriegsministeriums, das die Auskunft außerdem schneller und unentgelt ich erteilt. Vor derartigen Unternehmungen kann daher nur gewarnt werden. Dem Kriegsminlsterulm sind Anzeigen zugegangen, daß sich zweifelhafte Personen als Dolmetscher gemeldet und versucht haben, die ihnen für die Anerbietung ihrer Dienste zugegangenen Dankschreiben des Kriegsministeriums zu mißbrauchen. Es wird dringend davor gewarnt, diesen Personen deshalb zu vertrauen, weil sie sich im Besitze einer Mitteilung vom Kriegsministerium befinden, wonach sie dort vorgemerkt worden sind. Diese Vormerkung ist bei einer sehr großen Zahl von Personen erfolgt, die sich bei Kriegsbeginn zur Verfügung stellten. Eine Prüfung der Verhältnisse der einzelnen Persön­lichkeiten konnte natürlich nicht stattfinden, hat bezw. üätte aber vor ihrer Verwendung im Heeresdienste stets stattgefunden.^^Die Mitteilung, die diese.Leute in Länden haben, entspricht der Gepflogenheit des Kriegsministeriums, jedem Antragsteller eine Antwort zu erteilen.

* /> n jedes Weihnachtspaket eine Weihnachtspredigt!) In diesen Tagen sind überall große Aufrufe zu lesen, die um Weihnachts­gaben für unsere vor dem Feinde stehenden Truppen bitten und dabei eine Reihe von Geschenkgegenstanden aufzählen, die besonders erwünscht sind. Für alle er­denkliche Bedürfnisse wird gewissenhaft Sorge getragen, auch die geistigen Interessen unserer Krieger und nicht vergessen, wie der Wunsch nachllnterhaltungslekture beweist. Und doch wird mancher in diesem Zusammen­hänge eines vermissen, was den draußen von stetem Tod umlauerten Söhnen .unseres Volkes besonders wertvoll und erquickend iein mußte, das ist eine der Feit angepaßte Weihnachtspredigt. Mitten hinein tn eine von Haß und Streit erfüllte Welt erklingt dieses- mal die Botschaft von Gottes Liebe; wie wohl muß es da unseren Kriegern tun, wenn ihre Seelen einmal einen Augenblick rasten können an der Friedenskrippe des Gotteskinöes von Nazareth! Aber nur wenig werden sich an einem regelrechten Ehrist- gottesdienste erbauen können; sehr viele stehen zerstreut

in weit aus einandergezogenen Trnppenverbänden oder auf einsamen Vorposten und haben keine Gc- egenheit dazu. Da muß das gedruckte Wort aus- -elfen und den Herzen die Höhenrichtung geben, wonach ie gerade an diesem heiligsten Tage der Christenheit o sehnlich verlangen. Trefflich für diesen Zweck ge­eignet ist eine Predigt, die soeben von dem Verlage: Pillardy und Ananstin, Cassel, in der Reihe ihrer regelmäßig jede Woche erscheinenden Kriegspredigten heransgegeben wird. Am Kopf mit einem schönen sinnigen Bilde geziert, umfaßt sie nur vier Seiten und trifft in Wort und Gedanken vorzüglich das, was unsere Soldaten gerade brauchen. Der Preis beträgt bei Einzelbezug nur 1 Pfg. mit Porto bei größeren Bezügen nur/2 Pfg. Sofern die Pakete bereits ge­packt sein sollten, lassen sich die Weihnachtspredigten jederzeit noch portofrei als Feldpostbrief nachsenden.

* (L t e b e s g a b e n.) Man schreibt: Es soll vor­gekommen sein, daß aus dem Felde Strümpfe und andere Liebesgaben an die Angehörigen in der Heimat geschickt worden sind. Angebracht erscheint deshalb, gerade jetzt Vorkehrungen zu treffen, die eine der­artige, doch von niemandem gewünschte Verwendung der Liebesgaben verhüten könnten. Empfehlen würde es sich vielleicht, auf den den Fünfgahen-Paketen bei- zufügenden Kärtchen kurz zu vermerken:Nicht mehr unterzubringende Gaben bitte andern Kriegern zu geben, aber nicht nach Hause zu senden!"

):( Hersfeld, 21. Nov.Gesuche um Zubilligung der Zinsen der Elise H u p f e l d Stiftung, welche nach dem Willen des Stifters alljährlich an zwei kinderreiche Tuchsabrikarbeiter Witwen geborene Hersfelderinnen zur Verteilung ge­langen sollen, sind bis zum I.-Lezember d.. an die Armenverwaltnng hier etnzurcichen.Spätere eingehende Gesuche können keine Berücksichtigung finden."

):( Hersfeld, 21. November. Der Turnverein Hersfelde. V. veranstaltet am Sonntag den 29. N 0 v e m b e r seinen 2. B 0 l k u n t er h a lt u ng s - abend, der der Zeit entsprechend alsVater- l ä n d t s ch e r A b e n d" gedacht ist. Neben turnerischen Vorführungen aller Abteilungen, Gesangsvorträgen des Mädchenchors der Bürgerschule, einer Ansprache des Herrn Pfarrer Scheffer, werden zwei vater- ländischeSpiele aus dem jetzigen großen Kriege geboten werden. Wie wir hören ist der Reinertrag des Abends für unsere Krieger im Felde bestimmt. Mit Rücksicht auf das Gebotene intb den guten Zweck der Veranstaltung möchten wir unseren Lesern den Besuch des Abends wärmstens empfehlen. Alles Nähere wird in nächster Nummer durch Anzeige bekannt gegeben.

Herleshause», 20. November. Reservist Jos. Ber- ger, Diener Sr. Hoheit des Landgrafen, wurde am 1. Nov. mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Am 2. Nov. erhielt er eine Zugabe in Gestalt eines Schrap­nellstückes, das ihm die Engländer in den Unterschenkel schössen. Er schreibt dazu: Ich befinde mich nun im Lazarett Schloß Schwetzingen in Baden. Die Verpflegung ist ganz ausgezeichnet. Aber schöner wäre es jetzt, auf nach Dünkirchen und Calais zu weiteren schönen Siegen eilen zu können.

Unterrieden, 17. November. Von einem schweren Unglücksfall wurde die Familie des Gastwirts Adolf Ludwig hier heimgesucht. Das 4'Ljährige Töchterchen derselben kam gestern morgen dem Feuer zu nahe und verbrannte sich so schwer, daß es heute nach­mittag unter den größten Schmerzen verstorben ist.

Gotha, 17. November. Das ca. fünfjährige Söhn- chen einer Familie in Boilstädt spielte in Abwesenheit der Mutter (der Vater ist zum Heeresdienst einbe­rufen) mit anderen Kindern im Hause. Durch Ent­zünden eines Streichholzes geriet auf dem Boden liegendes Heu in Brand. Während die übrigen Kinder davon liefen, trug der Junge erhebliche Brandwunden davon, die den Tod in kurzer Zeit herbeiführten. Der Brand konnte durch die Feuer­wehr gelöscht werden, bevor er größeren Umfang annahm.

Gera (Reuß), 20. November. Aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis entsprang gestern Nacht der be­rüchtigte Einbrecher Musikus Hermann Zorn, der kürzlich in mehreren Orten bei Weida Einbrüche ver­übt hatte und gestern vor der Strafkammer abge- urteilt werden sollte. Zorn, der aus Münchenberns­dorf stammt, hat bereits schwere Vorstrafen erlitten

Vaterländische Pflicht eines jeden Deutschen ist es, auf der Reichsbank, der Post oder den Sparkassen alles Gold einzuliefern.