Generaloberslv.Hindenburg über den Kamps gegen die Russen. „Die Russen sind mürbe". Allerlei aus dem Westen. Oesterreichische Erfolge in Russisch-Polen. Türkisches Vorrücken im Kaukasus. I* Aus dem großen Hauptquartier ]
«-«> Großes Hauptquartier, 19. November. (Amtlich. WTB.) In Westflandern und in Nordfrankreich ist Sie Lage unverändert. Ein deutsches Flngzeuggeschwader zwang bei einem Erknnönngsfluge zwei feindliche Kampfflugzeuge zum Landen und brächte ein feindliches znm Absturz. Von unseren Flugzeugen wird eins vermißt.
Ein heftiger französischer Angriff in der Gegend Ser- von am Westrande der Argonnen wurde unter schweren Verlusten für die Franzosen znriickgeschlagen. Unsere Verluste waren gering.
Auf dem östlichen Kriegsschauplätze sind die erneut eingeleiteten Kämpfe noch im Gange.
Oberste Heeresleitung.
Libau von deutschen Schissen blockiert.
w> Berlin, 19. November. (Amtlich. WTB.) Am
17. November haben Teile unserer Ostseestreitkräfte die
Einfahrten des Libauer Hafens durch versenkte Schiffe gesperrt und die militärisch wichtigen Anlagen beschossen.
Torpedoboote, die in den Junenhafen eindrangen, stellten fest, daß feindliche Kriegsschiffe nicht im Hafen waren.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabes.
B e h n ck e.
„Die Russen sind mürbe".
Hindenburg über den Krieg mit Rußland.
Der Berliner Korrespondent der „Neuen Freien Presse" berichtet über einen Besuch bei Hindenburg, der ihn im Hauptquartier zum Speisen einlud und sich lange mit ihm über die Kriegsverhältnisse unterhielt. Auf die Frage nach seinen Erfahrungen bet dem Zusammenwirken mit der österreichisch-ungarischen Armee sagt Hin- öenburg:
Die Oesterreicher und Ungarn sind ausgezeichnete Soldaten. Die Mannschaften und Offiziere sind mutig und tapfer. Wir kämpfen Schulter an Schulter und setzen in den Fortgang dieser gemeinsamen Kämpfe die besten Hoffnungen. Wir schätzen die Oesterreicher und die Ungarn als vortreffliche Kameraden. Der Verkehr zwischen den Oberkommandos der verbündeten Armeen vollzieht sich in angenehmsten Formen. Gegenwärtig stehen wir namentlich in regen Beziehungen mit General Dankt, dem Führer der ersten Armee, mit der wir Fühlung haben.
Ueber die Russen sagt Hindenburg im wesentlichen folgendes:
„Auch die Russen sind gute Soldaten. Sie halten Disziplin, und die Disziplin wird schließlich diesen Feld- zug entscheiden. Aber die russische Diszipin ist etwas anders als die deutsche und österreichisch-ungarische. In unserem Heer war diese Disziplin ein Resultat des Geistes und der Moral, im russischen Heere ist sie mehr stummer und stumpfer Gehorsam. Der Russe steht, weil man ihm befohlen hat, stehen zu bleiben. Die Russen haben viel gelernt seit dem Kriege mit Japan. Ihre Stärke sind die Feldbefestignngen. Sie verstehen es glänzend, sich einzugraben. Kaum haben sie eine Stellung eingenommen, so verschwinden sie 10 Minuten später in der Erde wie die Maulwürfe. Unsere Sol- daten haben dies jetzt freilich auch gelernt. Sie haben es nicht gerne getan, aber sie haben es tun müssen. Nun wird es mit dem Eingraben bald ein Ende haben, weil der Winter kommt und die Erde hart gefriert. Das ist einer der Vorteile, der uns der Winterfeldzng gegen die Russen bringt. Wenn sie nicht mehr in die Erde Mechen können, wird es ihnen schlecht ergehen. Wer gegen Russen kämpft, sümpft gegen Uebermacht. Diese Ueber- macht ist bei langem nicht so gefährlich, wie sie aussieht. Die Zahl, auch die Ueberzahl ist nicht entscheidend, und im gegenwärtigen Stadinm des Krieges noch weniger als bischer. Im Gegenteil, de Russen sind mürbe, sie mögen sagen und tun was sie wollen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß sie bald fertig sind. An Waffen und Munition beginnt es ihnen zu fehlen. Die Gefangenen kommen und zeigen mit der Hand auf den Mund. Das will heißen, daß sie hungern. Selbst den Offizieren mangelt ine Nahrung. Sluch das Land leitet Not. Lodz hungert nnd das ist bedauerlich, und doch ist es gut so. Mit Sentimentalität kann man keine Kriege führen. Je unbarmherziger die Kriegführung ist, um so barmherziger ist sie in Wirklichkeit, denn um so schneller ist der
Krieg zu Ende. Die menschenfreundliche Kriegführung ist und bleibt diejenige, die den Frieden am raschesten herbeiführt. Man merkt es auch in der Art, wie russische Truppen sich schlagen, daß sie nicht mehr weiter können. Der Krieg mit Rußland ist ein Krieg vor allem an Nerven. Wenn Deutschland und Oesterreich die stärkeren Nerven haben, und sie werden sie haben und werden önrchhalten, so werden sie siegen.
Wie Hindenburg und feine Offiziere erklären, war das Hauptziel des Vorstoßes nach Warschau und Jwan- gorod, die Eisenbahn nach Warschau zu zerstören. Das haben wir auch gehörig besorgt. Wenn uns bei dieser Gelegenheit Warschau und Jwangorod in die Hände gefallen wären, hätten wir nicht nein gesagt, aber darauf gerechnet haben wir nicht. Aber mit der Eisenbahn haben wir erreicht, was wir wollten. Die ist gründlich kaput. Die Russen verstehen sich vortrefflich darauf, eine zerstörte Eisenbahn wieder herzustellen. Nun, es hat sie doch wochenlang aufgehalten und das war unser Plan.
Die russische Offensive unterbunden.
Der militärische Mitarbeiter des Berner „Bundes" stellt, wie die „Köln. Ztg." berichtet, fest, daß Hindenburg im Begriff stehe, sich die Uebergänge bei Lenschitza und Orlofs zu erkämpfen. Er stehe heute im Rücken des rechten russischen Flügels, beinahe auf der Warschauer Linie: sein Stoß ziele auf Lodz. Bei den gewaltigen Massen des russischen Heeres sei noch nicht abzu- sehen, wie weit sich diese Umfassung geltend mache: jeöcit= falls aber habe dieser Flankenstotz die russische Offensive vollständig unterbunden: es sei tatsächlich gelungen, die Russen zur Annahme einer Schlacht auf dem Gebiete zu zwingen, wo sie nicht gut mehr über gute Quer- und Längsverbindungen verfügen und ihre Massen operativ nicht mehr hinreichend bewegen können.
Die Verluste der Russen bei Kutno.
e^ Berlin, 20. November. (WTB.) Der „L.-A." meldet nach den „Times", daß die Russen bei ihrer letzten Niederlage 40—50 000 Mann verloren.
Die Lage der Russen außerordentlich nugünstig.
»^ Berlin, 20. November. (WTB.) Die „Voss. Ztg." nennt die Lage der Rnssen außerordentlich ungünstig. Sie seien auf sehr engen Raum zusammengedrängt und würden gleichzeitig von drei Seiten konzentrisch angegriffen, ihre rückwärtige Verbindung sei bedroht.
Die Kriegslage im Osten.
»-^ Rotterdam, 20. November. (T.-U. Der „Nieuwe Notterdamsche Conrant" sagt in einer Besprechung des Krregsstandes im Osten: Die rnssischen Berichte melden einen weit größeren Verlust an Terrain, als die Deutschen in ihrem Bericht angeben. Ferner besagen die russischen Berichte, daß die strategische Lage der Deutschen weit vorteilhafter ist, als deutscherseits über die Erfolge am Sonnabend nnd Sonntag angegeben wurde. Der Kampf ist also zugunsten der Deutschen ausgefallen.
Der Generalgouverneur von Warschau in einer deutschen Festung.
^ Küstrin, 20. Novemher. (WTB.) Der gefangene Generalgouverneur von Warschau ist in das Fort Zorndorf eingeliefert worden. '
Rußland mit seinen Verbündeten unzufrieden
, Wie der „Voss. Ztg." gemeldet wird, setzt der englische Schriftsteller Hamilton Fyse seine Betrachtungen aus Petersburg in der „Daily Mail" fort. Daraus geht deutlich hervor, daß die Russen alles andere als zufrieden sind mit ihren Bundesgenossen. „Wir können nicht verstehen, warum die Franzosen nicht mehr Leute stellen," sagte eine hochgestellte Persönlichkeit, „sie haben doch vier Millionen Man« versprochen. Eine Million steht im Felde, wo sind die anderen? Und wir können nicht verstehen, daß England nicht sofort nach Ausbruch des Krieges die Wehrpflicht eingeführt hat." Des weiteren kritisieren die Russen scharf das englische Kriegsmaterial: sie sagen, das Khaki bestehe aus Lumpen, die weder warm, noch trocken halten. Der Rock des russischen Soldaten sei so stark, daß die Leute das Tuch benutzen, um den Fußboden damit zu überziehen. Ein General sagte: „Ich habe oft in den englischen Zeitungen beißende Bemerkungen über die russische Korruption gelesen. Wen hat man in diesem Falle bestochen?"
Die französischen Verluste am Kanal.
Der „Berl. Lok.-Anz." berichtet aus holländischer Quelle: In den Kämpfen zwischen Bixschoote und Dix- muiden haben die Franzosen 20 000 Mann eingebützt. Die Verluste der Zuaven-Regimenter siuö besonders schwer. In der Nacht vom 14. zum 15. November wurde
ein Nachtangriff der Verbündeten auf Dixmuiden von drei Seiten her unternommen. Die Offiziere stießen ihre Truppen ins Feuer. Immer neue Abteilungen wurden nachgeschoben, doch alle opferreichen Anstrengungen scheiterten. Ohne erhebliche Verluste schlugen die Deutschen den Vorstoß der Feinde ab und gingen zu einer scharfen Gegenoffensive über, die aber infolge des ungünstigen Wetters auch nur zu einem Teilerfolg führte. Im Kanal ertranken 2500 Franzosen und Engländer. Man sah unter den Ertrunkenen viele Gurkhas, die in der herrschenden Dunkelheit französische Soldaten mit ihren Messern durchbohrt hatten. Die Franzosen stachen mit dem Seitengewehr los. Im Tode verkrampften sich die Streiter ineinander und einige hundert Franzosen fielen so den wütenden Gurkhas znm Opfer. Es soll jetzt eine Art von Verständigung zwischen den Verbündeten geschaffen werden, um der Wiederholung solcher Vorfälle zu begegnen. — Unter den französischen Truppen greift
eine merkbare Entmutigung
um sich. Die Versorgung der Schützen in der Feuerlinie ist sehr schlecht, und die kalte, anhaltende Feuchtigkeit fordert um so mehr Opfer, als die Ausrüstung der Mannschaften sehr mangelhaft ist. In allen hier vorliegenden Privatberichten wird die vorzügliche deutsche Tritppenverpflegung gepriesen und das Geheimnis des „Germanischen Siegeszuges" bezeichnet. In Paris steigert sich die Unruhe über den schlechten Verlauf der Operationen in Nordfrankreich. Selbst in der Regiernngs- presse macht sich eine gedrückte Stimmung bemerkbar.
Ueber die erneute Beschießung von Reims
wird aus Rotterdam gemeldet: Englischen Meldungen zufolge herrscht seit Freitag eine erneute Tätigkeit in der Champagne. Reims nnd seine Umgebung wurden wiederum heftig beschossen. Die deutschen Linien erstreckten sich im Halbkreis um die Stadt herum. In ßen letzten 48 Stunden wurden gegen die wichtigsten befe- tigten Punkte heftige Angriffe gerichtet. In der Rich- ung Vterry wurde ein starker Druck ansgeübt. Augen- icheinlich erhielten die Deutschen große Artillerieverstär- kungen. Von neuem wurden schwere Geschütze auf den Höhen aufgestellt.
^ Amsterdam, 20. November. (T.-U.) Holländische Zeitungen melden, daß die französische Schlachtsrout von Reims zurückgelegt werden mußte. Reims werde von den Franzosen noch gehalten.
Der französische Mißerfolg bei St. Mihiel.
Die oberste Heeresleitung hat, wie erinnerlich, am Mittwoch berichtet, daß bei den Kämpfen südlich Verdun ein französischer Angriff gegen unsere bei St. Mihiel auf das westliche Maasufer vorgeschobenen Kräfte nach anfänglichem Erfolg gänzlich zusammenbrach. Auf diese Vorgänge bezieht sich offenbar eine nähere französische Meldung, über die dem „Lokalanz." aus Genf berichtet wird:
Der am linken Maasufer kommandierende frauzo- sische General hatte um 3 Uhr nachmittags die Meldung erhalten, der deutsche Angriff gegen den französisch gebliebenen Teil des bei St. Mihiel gelegenen Dorfes Chauvoncourt scheine nachzulasse«, als eine furchtbare' Erploston, eine Folge der unter den Laufgraben gelegten deutschen Minen, die ganze französische Stellung zerstörte. Die Zahl der Opfer ist sehr bedeutend. Die Deutschen besetzten mit lantem Hurra auch die Chanvonconrt benachbarten Punkte.
Der französische Generalstab gibt einen deutschen Erfolg zu.
«> Berlin, 20. Nov. (WTB.) Dem „Seeolo" zufolge gibt der gestrige französische Generalstabsbericht zum ersten mal einen deutschen Erfolg zu, die tteberschreitnng der Maas dnrch die Bayern und die Besetzung der Stellungen von Chauvoncourt.
Die deutschen Angriffe in Flandern.
»-* Kopenhagen, 20. November. (T.-U.) Wie eine Londoner Blättermeldung besagt, setzen die Deutschen ihre Angriffe in Flandern mutig fort. Nieuport leidet schwer unter der deutschen Beschießung. Die historische Kirche in der Vorstadt wurde aber geschont.
Der Jahrgang 1315 in Frankreich.
Nach verläßlichen Pariser Nachrichten ergab die Einberufung des französischen Rekrutenjahrganges 1915 eine arge Enttäuschung, da sich von 150 000 SteünngöPflich- tigen bloß 80 000 anmeldeten. Der Ausfall wird mit der deutschen Okkupation des Nordens und Ostens miß mit dem Umstände begründet, daß die jungen Leute mit ißren Eltern vielfach ins Ausland geflohen sind und nicht zu- rückkehren können oder wollen.
3m fernen Osten.
Roman von O. Elster.
27) (Nachdruck verboten.)
In diesem Augenblick klopfte es an die Tür, und hastig und aufgeregt trat Monsieur Chamot, der Besitzer des Hotels de Peking, ein. Das biedere rote Gesicht des lebhaften Franzosen zeigte den Ausdruck des Schreckens, seine dunklen Augen waren weit geöffnet, als hätten sie eben etwas furchtbares gesehen.
„Monsieur Diesterweg — Madame — ich bitte um Entschuldigung, daß ich hier so unangemeldet eindringe," sagte er hastig. Aber eine schreckliche Tat ist geschehen, die furchtbare Folgen nach sich ziehen wird. Haben Sie das Schießen in der Stadt gehört?"
„Freilich, Monsieur Chamot — das ist doch nichts Außergewöhnliches," entgegnete Fred.
„Aber dieles Mal bedeutet es etwas Schreckliches! cOn Bettler und sein Dolmetscher sind auf of- fenerLtratze ermordet worden . . ."
sov §1»^ erschrak nun doch. Wenn schon die Gesandten rmVr ™1™ dachte auf den Straßen Pikings nicht mehr S Waren, dann durften sich andere Fremde überhaupt nicht mehr auf den Straßen sehen lassen.
Soldat hat den Gesandten erschossen," suhl. 9J?oitficitT G^^tnout uuföcxcöt fort 9ßTittA Ö ö°zu angestiftet ha^
Menge da draußen brüllt und tobt!"
Jii der Tat zog ein Pöbelhanfen, unter deil sich auch S“ ,»W»im «mü Jolle, mit ÄS t::^ durch die kratzen. Einzelne Schlisse fielen, 8 Ä ^egen die Häuser der Gesandten geworfelt, die Laden einiget fremdländischen Kaufleute demo- Die Gesandtschaftswachen traten ™r <°as Gewehr und vor der entschlossenen Haltung K2Ä ^ die Pöbelhaufen in das Inner?
„Mein Gott, was sollen wir beginnen?" wehklagte Frau Melanie)' während auch Ellens Wangen blaß geworden waren und Fred ernst vor sich hinblickte.
„Die Gesandten sind zu einer Beratung zusammen- getreten," fuhr Monsieur Chamot fort. „Es ergeht an alle Fremden die Weisung, sich in die Gesandtschaften zu begeben, die zur Verteidigung eingerichtet werden sollen. Die zerstreut wohnenden Landsleute können nicht geschützt werden . . ."
Frau Melanie sprang auf. „Ja, ja," rief sie. „Latz uns sogleich rrach der deutschen Gesandtschaft eilen, Fred! Dort sind wir sicher. Hier bleibe ich keine Stunde länger."
„Mein Hotel liegt mitten im Gesandtschaftsviertel, Madame," sagte der Hotelier würdevoll. „Es wird den Schutz der Truppen genießen."
„Nein, Nein, ich bleibe nicht länger! Fred, Ellen, ich bitte Euch, laßt uns eilen . .
Ellen suchte vergebens die Aufgeregte zu beruhige«. Aber auch Fred sah ein, daß es das Beste sei, sich in die deutsche Gesandtschaft zu begeben, wo man unter dem unmittelbarem Schutz der deutschen Marine-Soldaten stand.
In den Gesandtschaftsgebäuden befand sich alles in größter Erregung. Jeder beeilte sich, in den sicheren Schutz der Truppen zu gelangen. Die Gesandtschaftsgebäude vermochten die Menge nicht zu fassen. Auch waren sie in keiner Weise zu einer nachhaltigen Verteidigung eingerichtet. Eine Ausnahme machte die englische Gesandtschaft, ein ehemaliger Prinzenpalast, die inmitten eines weiten, durch eine feste Mauer umgebene« Grundstücks lag. Hier drängte sich alles zusammen: die I Professoren der Universität, die Beanrten der Zollverwaltung, die Geistlichen, Kaufleute, Baukbeamte und eine Menge Chinesen-Christen, die sonst von ihren Landsleuten unbarmherzig niedergemetzelt worden wären.
Am Tor des Grundstücks der deutschen Gesandtschaft beaeaneten Fred und seinen Damen dem Leaationssekre-
tär von Wittkoven, einem fcßianfen Herrn mit hübschem, glattrasiertem Gesicht mld großen dunklet! Augen. Man hatte seine Bekanntschaft gleich in den ersten Tagen gemacht, und Herr von Wittkoven hatte sich der Familie eng angeschlossen. Die Erscheinung Ellens schien Eindruck auf ihn gemacht zu haben, und Frau Melattie gab sich schon wieder der Hoffnung hin, Ellen könne hier Ersatz für den treulosen Fredersdorff finden.
Sie streckte dem jungen Herrn die Hand entgegen.
„Gott sei Dank, daß wir Sie treffen, Herr von Wittkoven!" rief sie ihm zu.
„Ich war eben anf dem Wege zu Ihnen, gnädige Frau," entgegnete er, „um Sie in die Gesandtschaft zu holen. Außerhalb derselben ist keine Sicherheit meßr."
„Aber wo sollen wir hier bleiben?"
„Das Haus des Gesandten ist bereits überfüllt," erwiderte Wittkoven. „Aber ich stelle Ihnen mein Häuschen zur Verfügung, fehen Sie, dort liegt es, ganz im Grünen — neben dem chinesischen Tenipel nnd der Hongkong- Bank. Eine hohe Mauer schließt es gegen die Straße ab. Dort sind Sie ganz sicher."
„Wie können wir Ihnen danken . . ."
„Keine Ursache, gnädige Frau — ich erfülle nur meine Pflicht."
Er führte sie zu dem kleinen, fcßmucten, villeu- artigen Hause, an dessen Veranda tropische Schlingpflanzen üppig emporranften. Ein reizender Aufenthalt, und im Innern mit durchaus modernem Komfort ausgestattet. Herr von Wittkoven war ein künstlerisch empfindender Mensch und hatte seine Zimmer in höchst geschmackvoller Weise eingerichtet.
Aufatmend sank Frau Melanie in einen Stuhl. ' Hier fühlte sie sich geborgen, wenn auch von drautze« das i Getöse der Menge wie das Brause« des ferneren Meeres | hereindrang.
Ellen reichte Wittkoveri die Hand.
1 (Fortsetzung folgt.)