Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Dszugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zozen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
Willst
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Zernsprech Anschluß Nr. 8
Nr. 373.
Sonnabend, den 31. November
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Gedenket allzeit
des
Roten Kreuzes!
Bus der Heimat
* (Fünfgaben-Pa kete.) Da über die „Fünf- gaben-Pakete"-Sammlung des Magistrats sowie des Vaterländischen Frauenvereins und der Zweigvereine vom Roten Krenz immer noch Meinungsverschiedenheiten bestehen, bitten uns die Veranstalter folgende Aufklärungen bekannt zu geben: Die als Weihnachtsgeschenke für unsere hessische Division einschließlich der Ersatz-Truppenteile bestimmten Fünfgabenpakete sollen den Soldaten ungeöffnet übergeben werden. Jeder Soldat erhält also — vorausgesetzt, daß die erforderliche Zahl zusammenkommt — ein Paket mit fünf verschiedenen Gaben. Damit ist auch der Zweifel hinsichtlich der Anhängezettel behoben, bei denen es gleichgültig ist, ob sie innen oder außen befestigt werden. Das Gewicht der Pakete ist nicht begrenzt. Besonders dringend möchte die Notwendigkeit einer sorgfältigen Verpackung nochmals empfohlen werden, da die Einzelpakete meist einen starken Druck aus- zuhalten haben.
* (Verwendung von Spiritus zu Beleuchtungszwecken.) Die Bundesregierungen erlassen an die Leitungen der zur hauswirtschaftlichen Ausbildung von Frauen und Mädchen bestimmten Lehranstalten Verfügungen, die Schülerinnen in der Handhabung von Spirituslampen zu unterrichten. Diese Anordnung wird damit begründet, daß bei den vorhandenen Vorräten an Leuchtöl eine sparsame Verwendung angezeigt erscheint und daß es in jedem Falle als zweckmäßig zu erachten ist, die Bevölkerung schon jetzt über die Verwendung von Spiritus für Beleuchtungszwecke anzuleiten.
* (Ausprägung von R e i ch s m ü n z e n.) Um den nicht nachlassenden Bedarf des Publikums an kleinen Zahlungsmitteln zu befriedigen, verlegen sich, die deutschen Münzstätten neuerdings ausschließlich auf Ausprägung kleiner und kleinster Scheide- wünzen. Im Monat Oktober d. I. sind weder Goldmünzen, noch Fünfmarkstücke, noch Dreimarkstucke, noch Zweimarkstücke geprägt worden, sondern lediglich Einmarkstücke, Fünfzigpfennigstücke, Zehn- und tziinfpfennigstücke, Zweipfennigstücke und Einpfenmg-
, * (Kriegsfreiwillige vor!) Bis zum 21. d. M., abends 6 Uhr, werden beim Ersatz-Bataillon 83 (Hohenzollernstratze) Cassel wieder Kriegssrer- willige angenommen.
, »Handlungsgehilfen als Eisenbahnbeamte. Nach einem Erlaß des Eisenbahmmnisters loKen von den Eisenbahndirektionen im Bedarfsfälle stellenlose Handlungsgehilfen für die Kriegsdauer em- gestellt werden. Diese wohlgemeinte Anordnung laßt sich jedoch nicht so glatt durchführen, wie es anf den ersten Blick erscheint. Im Gegensatz zu anderen Behörden finden sich gerade bei der Eisenbahnverwaltuung sehr wenige Fälle, die mit Personen anderer Berrtts- klassen ohne weiteres ersetzt werden können. Die meisten Tätigkeiten bedürfen einer längeren eingehenden und auch vielseitigen Vorbildung im Eisenbahnbetriebe selbst. Trotzdem sind die einzelnen Direktionen bemüht, stellenlose Kaufleute nach Niöglichkett unterzubringen. Jüngere haben aus dem Wege des Anwärterdienst gute Aussichten wahrend ältere Personen im Abfertigungsdienst usw. beschäftig: werden. So hat z. B. die ^Eisenbahndirektion Franksurt eine Anzahl Handlungsgehilfen angestellt, doch find noch über 200 Handlungsgehilfen vorgemerkt Im allgemeinen sind die Aussichten für stellenlose Kaufleute bei der Eisenbahnverwaltung gering.
* Dem Reichstage wird in seiner neuen Kriegs- tagungam2.Dezember eine Vorlagewegen Bewilligung neuer Kriegskredite vorgelegt werden. Die Hohe des von der Regierung beanspruchten Kredites wird ungefähr auf der Höhe des ersten Kredites sich bewegen, also etwa 5 Milliarden Mark betragen. Mit der Zustimmung des Reichstages zu dieser Kredit- vorlage will sich die Regierung nur die Ermächtigung verschaffen, den Bedarf des Reiches bis zum Ende des Etatsjahres 1914—15, das ist bis Ende März 1915,
zu sichern. Damit ist durchaus nicht gesagt, daß das Reich von diesem Kredit ganz oder zu einem Teil Gebrauch machen muß, sondern es handelt sich, wie gesagt lediglich um eine Vorsorge. Daher ist auch von einer neuen Anleihe zurzeit nicht die Rede, das Reich dürfte vielmehr unter Umständen zu dem Mittel greifenReichsfchatzscheine zu diskontieren. Die ordentliche finanzielle Regelung des Kriegsbedarfes wird dann in dem neuen Etat erfolgen, der dem Reichstage voraussichtlich im Februar vorgelegt werden wird.
* Von militärischer Seite ist Klage darüber geführt worden, daß deutsche Flieger wiederholt durch Schüsse und Steinwürfe gefährdet worden sind. Die Bevölkerung wird vor solchen Ausschreitungen gewarnt und auf die Strafbarkeit einer derartigen unbesonnenen Handlungsweise hingewiesen.
* (D e r u n g e d i e n t e L a n d st n r m.) Mit der Einstellung eines Teiles des kürzlich gemusterten ungedienten Landsturmes (Jahrgänge zwischen 20 und 30 Jahren) kann, wie Frankfurter Blätter melden, für November gerechnet werden. — Noch sieben Millionen waffenfähiger Männer besitzt Deutschland, deren Ausbildung erfolgen kann. Dieses Ergebnis wurde infolge des Aufrufs des ungedienten Landsturms festgestellt.
):( Hersfeld, 20. Nov. Der Offizierstellvertreter Alfons Reuß vom 13. Reserve-Jnfanterie-Regiment und der Unteroffizier Fritz Ziems vom Infanterie- Regiment Nr. 71 und Willi Nußbaum Jnf.-Rgt. 213 wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
):( Hersfeld, 20. November. In der gestern abend im Hotel Stern unter dem Vorsitze des Herrn Lorenz Mohr abgehaltenen anderweiten Generalversammlung des Hersfelder Spar-unüDarlehns- kassenvereins, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, wurde die Umwandlung der Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haft- flicht einstimmig genehmigt. — Das bisherige Genossenschaftsstatut wurde aufgehoben und die Einführung eines neuen Statuts beschlossen. Im Weiteren wurde auch dem Anschluß der neuen Genossenschaft an die Preußische Zentral-Genoffenschaftskasse :n Berlin zugestimmt. Die Umwandlung der Genossenschaft soll uunmehr dem Königlichen Amtsgericht unterbreitet und alles andere so vorbereitet werden, daß der neue Geschäftsbetrieb am 1 Januar 1915 begonnen werden kann. Herr Lorenz Mohr schloß die Versammlung mit den besten Wünschen für das neue Unternehmen, das hoffentlich eine recht gedeihliche Zukunft haben und dazu berufen sein werde, zum Segen der Stadt und Umgegend in noch weit größerem Maße zu wirken als solches das bisherige Institut vermocht habe.
8 Hersfeld, 20. Nov. Nächsten Montag nachmittag 4 Uhr wird eine Sitzung derStadtverord- neten-Versammlung im Rathaussaale abgehalten werden. Tagesordnung. Verpflichtung des Herrn Lederfabrikanten Jean Rechberg als Maaistratsmitglied. — Ersatzwahlen für verschiedene Kommissionen - Beschlußfassung über die Vornahme einer Ersatzwahl zur. Stadtoerordnetenversammlung aus Anlaß des Ausscheidens des Herrn Jean Rech- bera - Kostenbewilligung. - Satzungen der städtischen &Ä^
ung folgt eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung.
Cassel, 19. November. (Vermißt.) Der Gefreite d R Pbilivv Franke von der 8. Kompagnie des 78. Jüsilier?Regim1nts (Hannover), ist seit dem 29. August verwundet und vermißt. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib waren bis jetzt erfolglos. ^benn Kameraden die an jenem -tog mit ihm im Gefecht flaLn eLas berichten können werden sie gebeten sich an den Vater Karl Franke, Heckershausen tn.i Cassel, zu wenden. (Um Nachdruck wird gebeten.)
Münden, 19. November. Eine sinnige Sitte pflegt unsere Stadt seit mehreren Sonntagen zum Gedächtnis der aus dem Lrte stammenden gefallenen Krieger. Von sämtlichen Kirchen ertönt gleichzeitig Sonntag uvrmittaas ein Ehrengeläut. Dabei sei an einen anderen schönen Brauch einer mitteldeutschen Kleinstadt erinnert Dort schmückten Angehörige, Freunde und Bekannte nach Eintreffen der Todesnachricht eines aus^enerStadtstammenden Feldzugsteilnehmers das Kriegerdenkmal mit Kränzen, und verbinden ,o .ualeick mit dem Gedenken des Gefallenen eine Ehrung für die früheren Vaterlandsverteidiger.
Göttinnen 19. November. Zum dritten Male tienr Rufe desKönigs gefolgt ist der 70jährige Amts- r^fsnnntmcmn des Landsturms Rohde in Göttingen. 1866 nahm er an der Schlacht bei^Königgrätz»und> dem /Kote*! Blumenau teil. 1870 erwarb er sich bei IW°M ^s Eiserne «reu» und focht ferner uor
Metz, Orleans und Le Mans. Jetzt stellte sich der immer noch jugendfrische Greis abermals in die Reihen der Streiter für das Vaterland. Er traf in seinem Garnisonort ein, um die Führung einer Kompagnie in einem Landsturm-Ersatzbataillon zu übernehmen.
Ein Patrouillengang in den Bogelen.
Ein hessischer Offizier erzählt der „Cassl. A. Ztg." folgende Episoden aus den Kämpfen in den Vogesen :
Die13. Kompagnie unseres Reserve-Regiments war vom kommandierenden General als Artillertedeckung einer schweren Batterie eines Fnßartillerieregiments zugeteilt worden. Mit dem 6. September war diese über dem westlichen Meurtheufer bei dem (leinen Dörchen Les Feignes am Fuße der beiden Cltmonts aufgefahren und nahm die französischen Batterien in den Wäldern von Kaffee du renard und westlich von La Bourgonce unter Feuer. Die Jnfanteriekompagnie hatte einen Zug links seitwärts in den fast an das Dorf heranreichenden Wald vorgeschoben und einen halben Zug dem Batterteführer zur Bedeckung des weit vorgeschobenen Beobachtungsstandes auf den Climont mitgegeben. Der Rest der Kompagnie lag gedeckt hinter einem Haus in unmittelbarer Nähe der feuernden Batterie.
Da französische Gebtrasbatterien die Stellung der schweren Artillerie und dadurch auch die Infanterie- bedeckung mehrere Tage lang sehr stark beschossen, ohne daß ihr Standort entdeckt und von unseren so außerordentlich bewährten, schweren Feldhaubitzen zum Schweigen gebracht werden konnten, die Verluste unserer Artillerie auch nicht gering waren, fragte ich in meiner Kompagnie an, ob sich Leute freiwillig zur Patrouille melden wollten zur Erkundung der feindlichen Stellung. Es war eine stattliche Zahl, die hervortrat. Unter diesen suchte ich einen gut französisch sprechenden Unteroffizier aus Straßburg aus und 2 Gefreite, westfälische Jungens. Mit Absicht wurde die Patrouille so schwach genommen, da die ge Zahl der Leute am leisesten im waldigen Ge- vordrtngen konnte.
Am Abend des 8. September gegen Vag Uhr rückten die drei, begleitet von unseren besten Wünsche««, ab. Es war eine dunkle, stürmische Nacht mit Blitz und Donner, wie geschaffen zu Patrouillengang und Ueberfall. Angetan mit zurückgelassenen französischen Alpenjägerumhängen, blauen Kragen mit Kapuzen, die gut die deutsche Kleidung deckten, legten sich unsere Braven im Dickicht auf die Lauer, das französische Feldgeschrei auszuhorchen, der Schlüssel zu ihrem Marsch durch die feindlichen Vorpostenreihen. Unans- baltsam strömte der Regen herab. Ab und zu krachte in der Ferne ein Schuß. Lautlose Stille sonst. Regungslos vor Spannung lagen die Unsern. Da — endlich ein Knacken- und Knistern, als ob jemand auf dürres Reis tritt. Unsere drei lauschen, spähen. Eine Gestalt kommt näher. Richtig, der Feind! „Qui vive" ruft unser Deutscher. „Straßbourg" ist die feindliche Antwort. „Passez" der erste. — Gott sei Dank! sie haben die Losung. Der Feind ist überlistet, sie sind nicht erkannt und „Straßbourg" ist die Parole. Nun geht es flink vorwärts. Ein französischer Vorposten nach dem andern hält sie an: Qui vive? — „Straßbourg" ist ihr Bescheid. So gelangen ie glücklich durch die ganze Borpostenkette und Jn- anterielinie bis 200 Meter vor die feindliche Ar- illeriestellung.
Die Nacht ist hingegangen, und der neue Tag fängt an zu dämmern. Schnell werden im Morgen- graueu genaue Geläudezeichnungen gemacht und sorgsam verborgen.
Nun tommt das Schwierigste: die Rückkehr. Was in Dunkel und Dämmern sich gut machen ließ, ist nun beim Hellen Tageslicht kaum zu bewerkstelligen. Kriechend, rutschend, dann wieder von Baum zu Baun« springend, arbeiten sie sich langsam rückwärts. Grup- pensalven, so beliebt bei den Franzosen, krachen über ihnen. Selbst mit Schrapnell und Granaten versuchen es die jetzt auf die Huschende«: Gestalten aufmerksam gewordenen Gegner. Herrgott! wenn nur einer die Meldung glücklich zurückbringen kann! — Endlich, endlich nach stundenlangem, mühevollern Zurückarbeiten erreichen sie die deutschen Linien wieder und ihre Kompagnie und Artillerie, von ihnen aufs Freudigste und Neugierigste empfangen. Nach Meldung ihrer Erlebnisse werden die drei rasch durch Speise und Trank gestärkt und eilen sofort zum Beobachtungsstand, der Seele der ganzen Batterie. Die Aufzeichnungen, noch mündlich erläutert, werden sofort artilleristisch verwertet, d. h. die Gebirgsbatterien unter wirksames Feuer genommen und zum Schweigen gebracht.
Den Dreien ward das Eiserne Krenz.