Erfolgreiche Kämpfe im Westen und Osten.
Schloß Chatillon im Sturm genommen. Neue Kämpfe bei Reims. Die Niederlage der russischen Warschauarmee. Belgrad vor dem Fall.
[ Aus dem großen Hauptquartier j
^ Großes Hauptquartier, 17. November, vormittags (Amtlich. WTB.) Auch der gestrige Tag verlief auf dem westlichen Kriegsschauplätze im allgemeinen ruhig. Südlich Verdun und nordöstlich Cirey griffen die Franzosen erfolglos an.
Die Operationen auf dem östlichen Kriegsschauplatze nahmen weiter einen günstigen Fortgang. Nähere Nachrichten liegen noch nicht vor.
Oberste Heeresleitung.
* * *
^ Großes Hauptquartier, 18. November, vormittags. (Amtlich. WTB.) Die Kämpfe in Westflandern dauern fort. Die Lage ist in Nordflandern unverändert.
Im Argonnerwald wurde unser Angriff erfolgreich vorgetragen. Französische Angriffe südlich Verdun wurden abgewiesen. Ein Angriff gegen unsere bei St. Mi- hiel auf das westliche Maasufer geschobenen Kräfte brach nach anfänglichem Erfolg gänzlich zusammen.
Unsere Angriffe südöstlich Cirey veranlaßten die Franzosen, ihre Stellungen aufzugeben. Schloß Cha- tillon wurde von unseren Truppen im Sturm genommen.
In Polen haben sich in der Gegend nördlich Lodz neue Kämpfe entsponnen, deren Entscheidung nach ans- steht.
Südöstlich Soldan wurde der Feind zum Rückzüge auf Mlawa gezwungen.
Auf dem äußersten Nordflügel ist starke russische Kavallerie am 16. und 17. November geschlagen und über Pillkallen zurückgeworfen worden.
Oberste Heeresleitung.
Der Gouverneur von Warschau kriegsgefangen.
te* Berlin, 17. November. (WTB.) Unter den in^ der Schlacht bei Kutno Gefangenen befindet sich auch der Gouverneur von Warschau von Korff mit seinem Stäbe.
Diese Nachricht erhöht die Freude über den neuen großen Sieg Hindenburgs. Warschaus Gouverneur befindet sich unter den 23 000 Russen, die bei Kutno in deutsche Gefangenschaft geraten sind. Wenn es dem Warschauer Gouverneur mit seinem Stäbe nicht mehr geglückt ist, sich in Sicherheit zu bringen, so muß sich der Rückzug der Russen in höchster Eile vollzogen haben. Unsere braven Truppen werden so wuchtig und so überraschend auf den Feind eingedrungen sein, daß dieser Hals über Kopf weichen mußte. Die großen Verluste der Russen werden übrigens zweifellos noch eine Steigerung erfahren, denn Hindenburg ist schars in der Verfolgung, wie seine Gegner wohl wissen.
Neue Kämpfe bei Reims.
Die Londoner „Morningpost" meldet: Seit Freitag herrscht große Tätigkeit in der Champagne. Reims und Umgebung werden wieder heftig beschossen. Die deutschen Linien erstrecken sich in einem Halbkreis um die Stadt: die Deutschen haben verschiedene Forts in ihrem Besitz. In den letzten 48 Stunden wurden heftige Angriffe des Feindes auf die wichtigsten Punkte ausgeführt, wobei der größte Druck in der Richtung auf Berry-au- Bac und Thiel geübt wurde. Die Deutschen erhielten offenbar große Verstärkungen an Artillerie, ihre schweren Belagerungsgeschütze sind wieder von den Höhen abgefahren. Die deutschen Laufgräben sind ein gutes Ende vorgeschoben. Die nächtlichen Angriffe dauern ständig fort. Dienstag früh wurden die Schlachthäuser in die Luft gesprengt. _ „
Die „Nordd. Allg. Ztg." erzählt in einem Bericht über
die Beschießung von Reims:
„Neunundvierzigster Tag der Beschietzmm!" — das ist die neue Zeitrechnung der Bewohner von Reims. Jeden Morgen, noch ehe es dämmert, kriechen sie aus ihren durch Sandsäcke geschützten Kellern hervor und eilen, Männer, Frauen und Kinder, mit einigen Flaschen Wein, Brot und kaltem Fleisch unter dem Arm, auf die umliegenden Höhen der Stadt, von wo sie dem Artillerie- duell der französischen Batterien mit den auf den er- oberteW-Forts aufgestellten deutschen Geschützen zusehen.
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Im fernen Osten.
Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
In diesem Augenblick krachte eine Granate nieder, krepierte und streute ihre Sprengstücke weit umher — Heinz empsand einen stechenden Schmerz — er sank in die Knie — raffte sich wieder empor — doch es dunkelte ihm vor den Augen — er verlor das Bewußtsein — man trug ihn in das Lazarett hinunter — wie im Traume hörte er das Hurra der Matrosen, die das Hissen der deutschen und britischen Flaggen auf dem eroberten Forts begrüßten.
Die Geschütze schwiegen. Gegen 7 Uhr morgens fiel der letzte Schutz. Ein heller, lichter Sonntag ruhte aus Meer und Land. Rings auf den jetzt stummen Forts wehten die Flaggen der Sieger. Ein voller Sieg war erfochten, die Chinesen eilten in wilder Flucht landeinwärts. Aber volle sechs Stunden waren nötig gewesen, um den tapseren Gegner niederzukämpfen. Ueberall aus den Schiffen erschallte das freudige Hurra der Sieger. „ Sieg enthielt auch seine Bitterkeit. Da lag die Reche der verwundeten Kameraden, so zahlreich, daß vorerst nur notdürftig verbunden werden konnte. Die 120 Mann starke Besamung des „Iltis" zählte allein 14- mehr oder minder schwer Verwundete.
. ^b dann die Toten! Sieben Tote allein beklagte Kameraden, die treu zusammen, jeder gewirkt und auf ihren Posten den Heldentod gefunden hatten.
2^ fiteren Sommertages strahlte meder auf ein Bild der Trauer und der Zeritöruna — Ehre denen, die des Krieges Donner niedergeschmettert hatte im Kampf für des Vaterlandes Ruhm und Ehre!
Am Abend, wenn das Artilleriefeuer nachlätzt, kehren sie dann in die Stadt zurück, und die beiden noch erscheinenden Lokalblätter teilen ihnen mit. welchen Schaden die Deutschen am 49. Tage der Beschießung angerichtet haben. Ein Mitarbeiter des „Daily Graphic" erzählt, daß besonders die älteren Stadtteile schwer gelitten haben. Was die Geschosse der deutschen Artillerie nicht zerstören, vernichten ihre „mit brennendem Petroleum gefüllten Handgranaten". (!!) Nach Ansicht der Reimser haben es die Deutschen besonders auf die großen Sektbrennereien von Pommery unweit des Marnekanals abgesehen, deren elektrische Station gleich zu Anbeginn der Beschießung zerstört wurde. Auch die übrigen Gebäude sind schwer beschädigt. Von den 120 000 Bewohnern der Stadt sind höchstens 40 000 zurückgeblieben. Obgleich sie sich tagsüber versteckt halten oder auf die Berge flüchten, sind doch gegen 700 Opfer des Artilleriekampfes geworden, und über tausend mußten, schwerer oder leichter verwundet, fortgeschafft werden. Die meisten Verletzungen sind auf herabfallende Mauerstücke oder eiustürzeude Häuser zurückzuführen. Erst recht zeigt sich am Abend, wie verlassen die alte Krönungsstadt der französischen Könige jetzt sei. Kein Licht darf gebrannt werden: weder auf der Straßen och aus den Fenstern der Häuser darf ein heller Strahl leuchten. In den Gasthöfen ziehen die Angestellten doppelte dunkle Vorhänge vor die Fenster, ehe sie Licht anzünden. Auf der Straße herrscht ägyptische Finsteruis. Von Zeit zu Zeit erklingt der Schritt einer Militärpatrouille, die nachprüft, ob auch kein Lichtschein aus irgend einem Hause den deutschen Geschützen ein Ziel zu bieten vermag.
Die Beschießung von Armentiöres.
Kopenhagener „Politiken" erfährt aus Paris: Ar- mentt^res wird beschossen. Mehrere Fabriken gingen in Flammen aus. Der Schaden ist bedeutend. Stadt und Hospital sind geräumt worden.
Armentiäres liegt nordwestlich von Lille. Dieser Ort bildet einen wichtigen Stützpunkt in der französisch- englischen Verteidigungslinie, um den schon seit längerer Zeit heftig gekämpft wird. Die beherrschenden Höhen nördlich der Stadt befinden sich schon seit einigen Tagen in deutschem Besitz, sodatz die Eroberung der Stadt nahe
bevorzustehen scheint.
Das französische Blatt „Nord Maritime" meldet, daß niemand seit dem 13. Oktober, dem Tage des Bombarde- ments, die Stadt Litte betreten oder verlassen habe. Daraus muß man schließen, daß die Deutschen die Forts Stadt herum besetzt halten.
um die
Die Verluste der Engländer.
Schwere der englischen Verluste in den letzten
Die Wochen
.. , läßt sich schließen aus den amtlichen Angaben der Londoner Blätter. Sie erwähnen die Namen von dreinndsiebzig gefallenen und zweihundert verwundeten oder vermißten Offizieren.
Die Osfiziersverlustliste der indisch«, Truppen für die Kämpfe an den flandrischen Kanälen weist 138 eingeborene Offiziere und sechs englische Obersten auf.
Im Unwetter bei Bpern.
Der „Times"-Korrespondent in Nordfrankreich mel- det nach einem Telegramm des „B. T." vom 17. November:
Es bat jetzt 36 Stunden ununterbrochen geregnet. Die Landstraßen in Westslandern, die meist nur in der Mitte gepflastert sind, bieten auf beiden Seiten nur schlüpfrige Lehmbahnen. Es besteht große Gefahr, daß die Truppen ihre Laufgräben räumen müssen. Man tut alles mögliche, die Lage der Soldaten zu erleichtern. Die Schützengräben werden mit Pfählen gestützt, Rinnen zur Wasserabfnhr hergestellt, die Gräben mit Stroh und Holz anögelegt. Inzwischen regnet es unaufhörlich Granaten und Schrapnells. Die französischen Truppen kämpften Schulter an Schulter mit den Engländern, um Npern zu verteidigen.
Kanonendonner über der Nordsee.
w> Christiania, 19. November. (T.-U.) Von Laers- Leuchtturm an der Nordseite von Gotland wird gemeldet, daß man dort gestern nachmittag vom Meere in nördlicher Richtung eine Kanonade gehört habe, zuerst von schweren, dann von leichten Geschützen. Nach einer Viertelstunde Pause begann die Kanonade von neuem. Es herrscht starke Nordwest und man meint, der Kanonendonner könne weit über das Meer getragen worden sein.
Die Not macht sich in Frankreich fühlbar.
»e* Cöln, 18. November. Aus Basel wird der „Köln. Ztg." gemeldet: Ueber die französische Grenze dringen Klagen der Einwohnerschaft in dem vom Kriege verheerten Provinzen Frankreichs. Mangel an Lebensmitteln macht sich mehr und mehr fühlbar und droht, einen großen Notstand hervorzurufen. Die deutschen
Fred nahm nach seinem Eintreffen in Peking mit Mutter und Schwester in dem „Hotel de Peking" Wohnung, welches in der Nähe der dentschen Gesandtschaft lag. In ruhigen Zeiten würde der Aufenthalt in dem ganz modern eingerichteten Hotel, das von einem Franzosen Monsieur Chamot geleitet wurde, sehr angenehm gewesen sein, da sich ein großer, schöner Garten an das Haus anschloß und ringsum die fremdländischen Gesandtschaften lagen, die wiederum von grünen Gärten umgeben waren. Eine breite, schöne Straße, die „Ge- sandtenstratze", lief durch dieses sonst ganz moderne, europäische Viertel, das im Norden an die Mauer der kaiserliche« Stadt, die keines Fremden Fuß betreten durfte, grenzte, während im Süden die 7 Meter breite und 18 Meter hohe Mauer vorüber lief, welche die Tatarenstadt gegen die Chinesenstadt abgrenzte. Drei Tore durchbrachen diese gewaltige Mauer, die in mäßigen Zwischenräu- men von Wachttürmen besetzt war.
Aber die Gärung der Gemüter, der religiöse Fanatismus, der Haß gegen die Fremden hatte auch schon die Bevölkerung dieser Riesenstadt ergriffen. Bewaffnete Räuberhaufen durchzogen die Straßen, mit mordgierigen Blicken nach den Gesandtschaften schielend. Die regulären Truppen der Regierung fraternisierten mit dem mordluftigen Pöbel, und die Kaiserin selbst mit dem Prinzen Tuan stand an der Spitze dieser Bewegung, welche gleich der sizilianischen Vesper oder der BartolS- mäusnacht die Fremden von dem geheiligten Boden Chinas vertreiben sollte. Die Höfe und Gürten der Gesandtschaft glichen Truppenbiwaks: hier lagerten die verschiedenen Schutzdetachements, Wachen waren ausgestellt und Patrouillen durchstreiften die anliegenden Straßen. Das tonst so friedliche Gesandtschaftsviertel mit feinen
Militärbehörden tun das ihrige, um den dringendsten Bedürfnissen abzuhelfen, und ziehen dafür auch militärische Vorräte heran, doch kann diese Aushilfe auf die Dauer nicht genügen, zumal da die militärischen Vorräte für die Verpflegung der deutschen Truppen nötig
sind.
England braucht neue Milliarden.
6-^ Christiania, 19. November. (T.-U.) Im englischen Unterhause erstattete gestern der Schatzsekretär Lloyd George einen eingehenden Bericht über die englischen Finanzen. Er sagte, er müsse einen Betrag von 535 Millionen Pfund für die Zeit bis zum 31. März zur Verfügung haben, wovon 339 575 000 Pfund Sterling für Kriegsausgaben bestimmt seien. Er schlug eine Erhöhung der Einkommensteuer vor, die tatsächlich einer Verdoppelung nahekommt und 12^ Millionen Pfund Sterling mehr einbringen soll. Ferner beantragte er eine höhere Belastung des Bieres und eine besondere Besteuernng des Tees. Lloyd George schlug die Ausgabe einer Anleihe von 350 Millionen Pfund Sterling Z^prozentiger Rente zum Kurse von 95 Prozent vor, die im Jahre 1928 zu Pari einlösbar ist. Er teilte dabei mit, daß die Regierung bereits ein Angebot zur Uebernahme von 100 Millionen Pfund empfangen hat. Das Unterhaus nahm die gesamten Vorschläge der Regierung an.
Der russische Generalstabsbericht.
Hindenburgs Sieg wird verschwiegen.
Aus Petersburg meldet WTB.: Der Große Generalstab veröffentlicht folgenden Bericht: Nach den Kämpfen im Oktober auf den Straßen nach Warschau und Jwangorod, die durch unsere Siege gekrönt wurden, begann der Feind den Rückzug zu seiner Grenze, wobei er schonungslos die Eisenbahnen und die Chausseen zerstörte. Längs der Eisenbahnen sprengten die Deutschen
die Bahnhöfe und die dazu gehörenden Gebäude in die Luft oder steckten sie in Brand und vernichteten alle Wassertürme und Weichen. An gewissen Kreuzungen sprengte der Feind die Schienen so vollständig, daß für die Wiederherstellung der zerstörten Strecke und das Legen neuer Schienen längere Zeit erforderlich sein wird. Ebenso sprengten die Deutschen alle Brücken und Wasserleitungen, selbst die kleinsten, von Grund aus, um dadurch ihre Wiederherstellung unmöglich und einen Notbau notwendig zu machen. Auf den Chausseen wurden sämtliche Brücken zerstört, die Straße selbst schachbrettartig auf der rechten und linken Seite ausgegraben oder gesprengt. Der Feind schlug die Telegra- phenstangen um, zertrümmerte die Isolatoren und zerschnitt die Drähte. Alles dies hielt unsere Verfolgung ernstlich auf, wodurch es dem Feinde gelang, auf linken Weichsel usw. allmählich aus unserem Aktrons- gebiete herauszukommen und sich seinem Gebiete zu
der
nähern. Nachdem die Deutschen diese Aufgabe erfüllt hatten, benutzten sie ihr ausgedehntes Eisenbahnnetz, ihre Truppen auf dem schnellsten Wege mach Norden zu schaffen, um gegen unseren linken Flügel starke Streitkräfte znsammenzuziehen. Mitte November machte sich die deutsche Offensive in der Gegend zwischen Weichsel und Warthe bemerkbar, die zu den Kämpfen führte, die sich gegenwärtig auf der Front Plozk—Lentchits—Pu- neioff entwickeln. In Ostpreußen, in der Gegend von Stallupönen und Pofesfern versuchte der Feind durch gesonderte Abteilungen unsere Offensive aufzuhalten, zog sich aber zurück, nachdem dieser Versuch mißglückt war. In der Gegend Solöau—Neidenburg dauert die Aktion ah; unsere Offensive gegen Krakau und die gali- zische Front wird fortgesetzt. Die Versuche der Oester-
angaben au!
reicher, auf unseren Angriffsstratzen feste Stellungen einzunehmen, blieben ohne Erfolg. In den Kämpfen am 13. November südlich von Lyck machten wir 10 Offiziere und Tausende von Soldaten zu Gefaugenen.
Man weiß, mit welcher Vorsicht russische Zahlen- angaben aufzufassen sind, und braucht infolgedessen auch diese Mitteilungen nicht tragisch zu nehmen. Um so weniger, als wir ja hier wieder einmal sehen, wie groß der Petersburger Generalstab in der Kunst des Ver- schweigens ist: nichts von der Niederlage an der ost- preußischen Grenze, nichts, nicht einmal eine Andeutung von den furchtbaren Verlusten an der Weichsel. So kann dieser russische Bericht mit seiner unfreiwilligen Anerkennung der deutschen Gründlichkeit nur lediglich als eine Beschönigung des Scheiterns auch der zweiten russischen Offensive gegen Deutschland dienen.
Die Niederlage der russischen Warschauarmee.
In Besprechung der Kriegslage bemerkt das Wiener Fremdenblatt", der glänzende deutsche Sieg bei Kutno
schönen Villen und Gärten war in ein kriegerisches Lager umgewandelt, in dem Kommandorufe ertönten, Trommeln rasselten und Hörner gellten.
Zitternd saß Frau Melanie in ihrem Hotelzimmer, während Ellen am Fenster stehend mit großen Augen in die ihr so fremd erscheinende Welt blickte und Fred im Zimmer auf und ab ging, die Stirn in düstere Falten gezogen.
„Da sind wir in eine richtige Mausesalle geraten," sagte er nach einer Weile, indem er seine Zigarette fort- schleuderte. „An Geschäfte ist gar nicht zu denken in dem allgemeinen Wirrwarr, man muß froh sein, wenn man i mit heiler Haut wieder herauskommt. Diese Reise hätten ’ wir uns sparen können."
! „Glaubst Du wirklich, ^datz die Gefahr so groß ist, Fred?" fragte seine Mutter mit bebender Stimme. „Da hätten wir doch lieber in Tientsin bleiben sollen."
„Dort sieht es nicht besser aus wie hier," brummte Fred ärgerlich. „Tientsin ist ebenfalls von Boxerbanden umzingelt, es sollen dort schon verschiedene Mordtaten i vorgekommen sein. Frauen und sogar Kinder sind auf i scheußliche Art gemordet worden."
„O, mein Gott!" jammerte Frau Melanie angsterfüllt. Ellen wandte sich um.
„Ich glaube," sprach sie mit ruhiger Stimme, „wir haben hier nichts zu befürchten. Die zahlreichen Detache- ■ ments werden genügen, um die Pöbelhaufen in Schach zu I halten. Außerdem rückt ja ein Korps unter Admiral Sey- ! mour heran, wie mir gestern der Gesanötschaftssekretär i von Wittkoven sagte."
„Wenn es nur rechtzeitig ankommt," meinte Fred ! zweifelnd. „Sonst trifft es die Gesandtschaft in Trüm- ! wer und alle Europäer als Leichen."
„Fred — wie kannst Du so scheußlich sprechen!" klagte | die geängsttgte Frau Melanie.
I (Vsrtietzuna WU