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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Zllisel-tt WM MzM

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage §ernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 373. Freitag, den 30. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Hus der Heimat.

* (EinRat fürAngehörigevonKriegs- gefangenen.) Von einem in französische Kriegs­gefangenschaft geratenen preußischen Dragonerleutnant erhält derBerliner Lokal-Anzeiger" aus Blaye in der Gironde folgende Zuschrift:Blaye, 4. Nov. 1914. Die Zahl der für die in Frankreich befindlichen deut­schen Gefangenen einlaufenden Briefe ist ständig im Wachsen begriffen. Die Angehörigen schreiben oft Briefe von acht und zwölf Seiten, dazu in unleser­licher und gedrängter Schrift. Diese Briefsendungen bilden für die mit Mer Uebersetzung betrauten Dol­metscher eine Arbeitslast, die sie kaum oder nur mit oft bedeutender Verzögerung zu leisten imstande sind. Wenn die Angehörigen wünschen, daß ihre Briefe schnell und sicher in die Hände der Gefangenen ge­langen, tun sie gut, nur deutlich geschriebene, kurze Briefe oder noch besser Postkarten zu senden. Die Laufzeit der Briefe beträgt in der Regel acht bis zwölf Tage. In Paketen keine verzollbaren Sachen (Tabak, Zigarren, Zigaretten, Spielkarten) senden.

* (Strafe für einen ausgebliebenen Zeugen.) Ein ordnungsmäßig geladener Zeuge, der ohne Entschuldigung in einer Strafkammersitzung fehlte, wurde auf Antrag der Königlichen Staatsan­waltschaft zu einer Ordnungsstrafe von 20 Mark und zur Tragung der Kosten des Gerichtsbeschlusses ver­urteilt.

§ Hersfeld, 19. Nov. (Frachtermäßigung r Kartoffeln.) Der aus Anlaß des Krieges Ende August eingeführte Ausnahmetarif für Kartoffeln, frisch, gedörrt oder getrocknet in Wagenladungen von mindestens 10 000 kg. ist neuerdings auf Kartoffeln bei Aufgabe als Stückgut und auf Kartoffelstärkemehl, zur Brotbereitung bestimmt ausgedehnt worden. Bei Aufgabe als Stückgut wird die Fracht für das halbe wirkliche Gewicht, mindestens für 20 kg. nach den Sätzen des Spezialtarifs für bestimmte Stückgüter berechnet. Die Anwendung des Ausnahmetarifs auf Kartoffelstärkemehl ist an die Bedingung gebunden, daß als Empfängerin im Frachtbriefe die Trocken- kartoffel-Verwertungsgesellschaft m. b. H. ange­geben ist.

-l- Hersfeld, 19. November. In weiten Kreisen des deutschen Volkes besteht der berechtigte Wunsch, über die Ereignisse des gegenwärtigen Krieges Einzel­heiten zu erfahren, die ein lebensvolleres Bild von den Ruhmestaten unserer Heere darbieten, als es die kurzen, amtlichen Berichte geben können. Es lst des­halb die Sammlung des Stoffes angeregt worden, der in privaten A u f z e i ch n u n g e n von K r i e gs - teilnehmern aller Dienstgrade enthalten tit. Nicht nur die Feldpostbriefe, sondern auch die von Ver­wundeten und Kranken während ihrer Genesungszelt niedergeschriebenen Erinnerungen kommen habet tu Betracht. Für den Regierungsbezirk Cassel hat sich die Hochschule in Marburg bereit erklärt, alle wahren und anschaulichen Kriegsnachrichten zu sammeln, um solche der Bevölkerung durch die Presse zuzufuhren sowie gleichzeitig eine zuverlässige Grundlage für dre spätere Geschichtschreibung zu gewinnen. Dre Be­völkerung wird daher gebeten, etwalge, sich in ihren Händen befindende Berichte und Feldpostbriefe der genannten Art der Hochschule in Marburg zur Ver­fügung zu stellen.

§ Hersfeld, 17. November. Ein entsetzliches Vor­kommnis hat sich heute morgen in dem Dorfe Klernen­de im Amtsgerichtsbezirk Friedewald zugetragem Der Arbeiter-Invalide Johann Hemrrch George, ein etwas kränklicher Bursche von kaum 20 Jahren, hat beim Spatzenschießen mittels eines Teschins aus Un­vorsichtigkeit seinen Bruder, den erst 8 Jahre alten ^chulknaben Wilhelm George, erschossen.

, ):( Hersfeld, 19. November. Aus den Ver­lust l i st e n: Musketier Karl Heß, Philippsthal, L v- - Reservist Johann Szczott, Heddersdorf l. v^-- ®efr. Konrad Ernst, Friedewald, schw. v. Unter­offizier Friedr. Hops, Heringen, bisher verwundet, gestorben Feldlazarett Achtet le Petit am 8. 10. 14.

):( Hersfeld, 19. November. Am Dienstag abend gegen 8 Uhr brach in dem an der Breitenstraße-Kaiser- stratze Ecke belegenen Laden des Herrn Bock nach Schluß des Geschäftes plötzlich Feuer aus, welches rasend um sich griff. Mächtige Flammen schlugen aus den Schaufenstern und setzten die Bewohner des Hauses in Angst und Schrecken. Die herbeigeeilte Feuerwehr beschränkte den Brand auf seinen Herd, jedoch wurden die reichlichen Lagerbestände ein Raub der Flammen. Der Schaden ist recht beträchtlich. Ueber die Ent­stehungsursache ist noch nichts bestimmtes ermittelt. In einem Hause im Schlippenthal entstand am Dienstag ein S ch o rn st e i n b ran d, der rechtzeitig bemerkt und gelöscht werden konnte.

Cassel, 18. November. Gestern vormittag 6 Uhr ist, wie die Königliche Eisenbahndirektion amtlich mitteilt, oon dem militärischen Bahnschutzdoppelposten an der Berliner Brücke bei Kirchditmold der Land­wehrmann Demmer aus Kirchditmold von einer Lokomotive überfahren worden und nach Einlieferung in das Rote Kreuz um 8 Uhr verstorben. Die Unter­suchung ist eingeleitet.

Eisenberg, 17. November. Am Sonntag hatte der Förster Wuttke von hier bei Ausübung des Forst­schutzes auf Lindauer Flur einen Zusammenstoß mit einem Wilderer. In der Notwehr schoß Wuttke, der tätlich angegriffen worden war, den Wilddieb mit einem Revolver nieder.

Marburg, 17. November. Das hiesige Schöffenge­richt verurteilte einen Arbeiter, der in den Ortschaften der Umgegend unwahre Sensationsgerüchte über die Kriegslage verbreitet hatte, zu vierzig Mk. Geldstrafe.

Eisevach, 17. November. Aus Winterstein wird derEis. Tagespost" geschrieben: Ein schweres Ge­schick traf die hiesige Familie Weiß. Durch Spielen mit dem Feuer verbrannte sich das 2jährige Kind der Familie derart, daß es gestern seinen Wunden erlegen ist. Die Mutter, welche zur Hilfe eilte, er­litt schwere Brandwunden.

Eisenach, 16. November. In einem Thüringer Dorfe kam vorige Woche an die Posthilfsstelle die amtliche Kriegsnachricht, daß die Deutschen mehrere Blockhäuser und Stützpunkte genommen hatten. Die Frau, die das Gespräch angenommen, hatte es aber verhört, und das zum Aushang gelangende Sonder- blatt hatte lautZiegenrücker.Kreisanzeiger" folgenden Wortlaut: Von den Deutschen wurden mehrere Wirtshäuser und Stinkbuden genommen. Der Tele­phonteufel treibt zuweilen doch ein böses Spiel.

Hammelburg (Rhön), 14. November. Vor einigen Tagen entwichen vom hiesigen Truppenübungsplatz zwei französische Gefangenen. Eine hiesige Wanhfrau wurde unter dem Verdacht verhaftet, den beiden Franzosen Zivilkleidung verschafft zu haben. D,e Flüchtlinge konnten noch nicht festgenommen werden.

Frankfurt a. M., 15. November. (Die Kriegs- spende der Frankfurter Lehrerschaft.) Die Lehrerschaft in Frankfurt, Rektoren, Mittelschullehrer, Lehrei, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, hat im Oktober eine Sammlung zu Gunsten der allgemeinen Kriegs- fürso S S und jetzt mehr als 30 000 Mark der Zentrale am Theaterplatz ubernnesen.

Frankfurt a. M., 16. November. Wie dieFrkf. Kta" meldet traf ein Mann in Uniform der eng­lischen Sanitätsleute unter sicherer Bedeckung hier ein Man hatte bei ihm zwei Dutzend abgeschntttene B?i,stbeutel mit Inhalt gefunden, die der Ehrenmann Gefallenen oder verwundeten deutschen Soldaten ge­raubt hatte. Er kam zunächst auf eine suddeutiche

Festung. _________________

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Fern in südlichen Gewässern, wo so vieles ihm aelana fand der brave KreuzerEmden" - nun- meh? doch den Untergang. - Mutig tapfer bis zum Schlüsse hat er sich des Fernds erwehrt, ehe stine Feuerschlünde - ihm des Feindes Schuß zer- ftört, ehe durch des Panzers Wundengierig sich die Woge schlang, und der Kreuzer tn die Tiefe -stabend noch ein Held versank. Mag man auch das Los betrauern, das den stolzen Kreuzer traf, - mag man um die Toten weinen, -welche jetzt zum ew'gen Schlaf - unter grünen Meeres- wogön ftta unb sanft gebettet sind. Weih man doch, daß sie unsterblich - langst für uns geworden «nd daß in Deutschlands Ruhmesblattern über «eit und Ewigkeit ihre Namen glänzen werden, - ihre stolze Tapferkeit. - Und mit Dankbarkeit und Freude, die aus jedem Herzen quoll, lasen wir des Führers Rettung, welchen von Bewund- rung voll selbst die Feinde hoch verehren. Grau­

samkeit nach Feindes Art bleibt dem tapf'ren Kapitän Müller somit hoffentlich erspart. Tief jedoch im deutschen Herzen wird nur ein Wunsch noch gespürt: daß das Lebenswerk derEmden" bald ein and'rer weiterführt, daß ein andrer tapf'rer Kreuzer in derEmden" Bahnen lenkt und des Feindes Handelsschiffahrt weiter hart und ernst bedrängt. Denn noch immer auf den Meeren glaubt der Brite Herr zu sein, engt nach eigenem Belieben die neutralen Staaten ein, pfeift auf Klagen und Proteste, wenn es seinem Vorteil gilt, darum ist die Zeit gekommen, wo sein Schicksal sich erfüllt. -- Uns re tapfren blauen Jungen drängen alle, Mann für Mann, kaum vor Kampfesmnt zu zügeln, an den Briten­feind heran, nm im Kampf für Deutschlands Größe jetzt auch diesen Feind zu finden und derKönigin der Meere" einst das Szepter zu entwinden. Walter-Walter.

Kurzer Getreide-Wochenbericht vom 10. bis 16. Nov. 1914.

Die Ausführungsanweisung zu der Verordnung über die Höchstpreise hat die in den Kreisen des Ge­treidehandels bestehenden Zweifel leider nicht ganz zu beseitigen vermocht. Am meisten erörtert wird die Frage, ob es erlaubt ist, die zum Höchstpreise ge­kaufte Ware an einen zweiten Ort zu bringen, wenn durch Fracht und Einkaufsprovision der am Ver­brauchsorte geltende Höchstpreis überschritten wird. Es sind in den letzten Tagen mehrfach Geschäfte aus dieser Grundlage zustande gekommen, nachdem das Handelsministerium auf eine telegraphische Anfrage die Zulässigkeit dieses Vorgehens bestätigt haben soll. Es ist klar, daß diese den Höchstpreis überschreitenden Einkaufspreise von den Müllern einkalknliert und dadurch in den Mehrpreisen zum Ausdruck kommen müssen. Sollen die Verbraucher nicht nm den Vorteil gebracht werden, der ihnen mit der Einführung von Höchstpreisen zngedacht war, dann wird man nicht umhin können, auch für Mehl Höchstpreise festzusetzen, wie wir dies stets als notwendiges Korrelat der Höchstpreise für Getreide befürwortet haben. Nicht ganz geklärt ist ferner die den Haferhandel inte­ressierende Frage, was unter Kleinhandel zu verstehen ist. Unhaltbare Zustände haben sich im Gerstegeschäft heransgebildet. Ware unter 68 Kilo wird überhaupt nicht mehr auf den Markt gebracht, und die Folge davon ist, daß die Preise für schwere Qualitäten weiter erheblich angezogen haben. Es ist dringend nötig, hier Abhilfe zu schaffen. Will man die Ber- fütterung von Brotgetreide wirksam verhindern, dann wird auch die Verordnung betr. Kleie eine Er­gänzung erfahren müssen. Seit Einführung der Höchstpreise ist Kleie beim Hersteller überhaupt nicht mehr zn kaufen, weil die Müller meist ihre ganze Produktion an Händler verschlossen haben. Soll alles Brotgetreide für die menschliche Nahrung gesichert werden, dann ist darauf hinzuwirken, daß dem Land­wirt andererseits zu erschwinglichen Preisen Futter­mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Landwirte sind jetzt allmählich mit den Feldarbeiten fertig, und es ist zu hoffen, daß in nächster Zeit mehr Angebot herauskommen wird. Ein Abwarten mit dem Verkauf bietet diesmal ohnehin keine Aussichten auf Gewinn, wohl aber sind auf Grund des Gesetzes vom 4. August die Behörden ermäch­tigt, die unter die Höchstpreise gestellten Waren mit Beschlag zu belegen, wobei der Ueber­nahmepreis natürlich unter den Höchstpreis zu stehen kommt. Ueber das Geschäft selbst ist nicht viel zu sagen. In der ersten Wochenhälfte waren es außer den Unklarheiten über die Höchstpleise auch mancherlei Verkehrsschwierigkeiten, die das Geschäft behinderten, und erst zuletzt mehrten sich die Umsätze, wobei es sich meist um Abschlüsse zu Höchstpreisen ab Stationen handelte. Es stellten sich die Preise am letzten Markttage in Mk. für 1000 Klg. wie folgt: (Die in Klammern beigefügten Preise sind die gesetz­lichen Höchstpreise): Berlin Weizen 260, Roggen 220 (220), Gerste über 68 Klg. 240 200, Hafer (212) Danzig Weizen 250 (252), Roggen 210 (212), Gerste 220255. Hafer 205 (207), Hamburg Weizen 264 268 (268). Roggen 226-228 (228), Gerste 263-271, Hafer 217 (217), Düsseldorf Weizen 276-280, Roggen 236 -240, Gerste, Hafer 223-226, Frankfurt a. M. Weizen 272275 (275), Roggen (235), Gerste Hafer (221).