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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^fe; für den Kreis Hersfeld

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Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 '

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

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Nr. 371

Mittwoch, den 18. November

1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Gedeutet allzeit des Roten Kreuzer!

Zum Bub- und Bettag.

Gott voll Güt und Gnade, Herr voll Heil und Huld, Lenker unsrer Pfade, Tilger unsrer Schuld, Der in Sturm und Wetter

Machtvoll zu uns sprach, Herr Gott, unser Retter, Licht am dunklen Tag!

Seit zuerst wir riefen

In der Kriegesnot

Aus den tiefsten Tiefen

Zu dir, Herre Gott,

Immer wieder nahten

Wir in Buß und Reu,

Flehten, schrien, baten:

Hilf Herr, steh uns bei!"

Tilge unsre Sünde^

Wie -er Nebel flieht.

Neu -ich uns verbünde,

Daß uns wohl geschieht.

Aus -er Wetterwolke,

Aus -es Krieges Graun

Laß doch unserm Volke Heil und Frieden tau'u! F. St.

3«m »Mag.

Dumpf läuten heute die Glocken in deutschen Landen Bußtag, und wieder wird allenthalben in den Gotteshäusern das Bekenntnis laut: Meine Schuld, meine große Schuld. So haben wirs gehört so manches Jahr und haben gehofft und gewartet, daß der große Gott im Himmel droben, der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, auch Wege linden werde, unser liebes deutsches Volk zum alten Glauben der Väter zurückzuführen. Und die langer- sehnte Zeit kam, ehe wir es erwartet. Im Sommer dieses Jahres, mitten in der Erntezeit, brach der iangerwartete und lang gefürchtete Weltkrieg aus, sln Kampf, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht ge- b^en, ein Ringen, in dem wir uns Schulter an »chulter mit unserm österreichisch-ungarischen Bundes­genossen gegen eine Welt von Feinden zu wehren haben.

_ , Aber wir haben ein gutes Gewissen in diesem Kriege, denn wir liebten allzeit den Frieden. Unser Kaiser hat mehr als 25 lange Jahre hindurch den »güldenen, werten, edelen Frieden" bewahrt, selbst unter den schwersten politischen Verhältnissen. Aber nun, da uns das Schwert freventlich in die Hand gezwungen, wissen unsere deutschen Helden zu kämpfen gegen die hinterlistigen Störer unseres Frredens.

ist ein gläubiger Kampf, den wir da draußen in §fl und West kämpfen, und deshalb wird, wie es un Nalmwort heißt, ihre rechte Hand, von Gott gesegnet, Wunder vollbringen. . .

Wohl, du teures deutsches Volk, deme «ohne streiten für eine gerechte Sache: aber frage dich, ob der lange, schöne Friede, den du genossen hast, dir auch alle Segnungen des Friedens gebracht hat, du die Güte unsres Gottes erkannt hast und dankbar gewesen bist; ob du in allen Standen das Deutschtum un alten, wohlbewährten Sinne gepflegt und die Tugenden deiner Vorfahren behütet hast.

r Noch in der ersten Hälfte dieses schicksalsschweren wahres mufften wir es bitter beklagen, daß so vtete aus allen Ständen unseres Volkes das religtme u damit das kirchliche Leben so sehr, verachteten oder Wenigstens gering einschätzten. Die ewigen Wahi - Jetten des Christentums verblüfften rhnenüber all dem Licht menschlicher Entdeckungen. Und doch konnte gerade die wachsende Einsicht in den Bau und den Zusammenhang des Weltalls das Slaubensvolle «taunen vor der Größe und Weisheit des Schöpfers hervorrufen, wie es doch auch bet etlichen der größten Astronomen und Naturforscher der Fall war.

®ötiiüt ÄiiTüff bn bcutfAc^ Sol^ f$ TUfcn ungute Bichtagsglocken dieses ^entscheidungsschweren Jahres 1914 zu, zu dem Glauben an Gott und zum Beweis -es Glaubens in -er Nachfolge Christi, dessen

sten Hälfte dieses schicksalsschweren ir es bitter beklagen, daß so viele

" ^ 3 das religiöse und

das glaubensvolle Weisheit des Schöpfers

heilige Gestalt uns das Urbild der Menschlichkeit vor Augen hält, und dessen Erdenwandel zugleich das Vorbild für uns gewesen ist. Es gibt keine Er­neuerung ohne durch den Willen, in der Furcht Gottes und in dem Gehorsam der Apostel zu wandeln. Möge der diesjährige Buß- und Bettag inmitten schwerer Kriegeszeit das Gelübde in uns allen erzeugen und stärken, daß es besser mit uns werden soll, daß wir mit allen Fasern unseres Herzens danach trachten wollen, auf Grund der Errungenschaften dieser herr­lichen Zeit ein neues Leben zu beginnen, dann wird der Segen unseres Gottes auch fürder mit uns sein.

Aus der Heimat

und -

* (Das Versenden von va seien nach dem Felde wird künftighin jeden Monat einmal eine Woche hindurch gestattet sein. Die Paketdepots sind jedesmal vom 23.30. jeden Monats geöffnet. Die Pakete dürfen ein Gewicht von 5 Kilo nicht überschreiten.

* (Schickt keine ungewaschenen Svcken ins Feld.) Man schreibt: Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß von den im Felde stehenden Soldaten gebeten wurde, keine neuen Socken unge­waschen ins Feld zu schicken, da solche leicht wunde Füße, teilweise sogar nesselartigen Ausschlag verur­sachen. Das sicherste ist auch um das Einlaufen der Socken zu verhindern - die Wolle vor dem Stricken zu brühen. Man übergießt die Stränge mit heißem Wasser, läßt sie darin erkalten, rollt die Wolle leicht aus, schwenkt sie nochmals in warmem Wasser und läßt sie dann möglichst schnell in warmem Pflaum trocknen. Diese Wolle bleibt weich und läuft nicht ein.

8 Hersfeld, 17. Novbr. (Personenverkehr nach Metz.) Der erweiterte Befehlsbereich der Festung Metz darf bis auf weiteres nur uoch von solchen Personen betreten werden, die einen Erlaub­nisschein mit der Unterschrift des Militärpolizeimeisters der Festung Metz, Generalleutnants von Jngersleben, besitzen. Reisende ohne solchen Erlaubnisschein werden vor Metz aus den Zügen ausgesetzt. Fahr­karten nach den Metzer Bahnhöfen und nach den am Schluße aufgeführten Stationen innerhalb des er­weiterten Befehlsbereichs sind nur an Reisende mit solchem Erlaubnisschein abzugeben. Reisende, die den Festungsbereich durchfahren, brauchen keinen Erlaub­nisschein. Zum erweiterten Befehlsbereich der Festung Metz gehören folgende Stationen: Amanweiler, Anen (Mosel), Ars (Mosel), Bolchen, EHLtel-St. Ger- main, Coin-Cuvry, Coin (Seille), Contchen, Courcelles (Nied). Failly, Falkenberg (Lothr.) Hagendmgen, Her- linaen (Sotbr.h Kürzel, Landonvillers, Longeville, Maizieres, Maiweiler, Marly (Lothr.), Moulins, Novkant, Nouilly, Pange, PeltreRemilly, Rombach, St Hubert (Lothr.), Sanry bei Vigy, Sanry Nied.), Nterchen Vantoux-Valli^res, Vigy (Lothr.), Vol- meringen und Woippy.

Heringen (Werra), 16. November. Herrn Direktor Willing von der Gewerkschaft Wtntershall Kompagnie- führer einer Ersatztruppe im Westen, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

lKr. Eschwege), 16. November. Töd- h* Eunalücktitin der vergangenen Woche der im In ÄS stehende Landwirt Christoph Heidericb Sohn des früheren Bürgermeisters aus dem benachbarten Rambach. Derselbe war in der Graburg mit Bäumefällen befchaftrgt und wurde fv glücklich von einem Baum getroffen, daß er be- wufftlos nach Hause gebracht werden mußte. In der hnrinRDlaeiiben^ gab der Bedauernswerte seinen Geist auf. Gestern fand unter zahlreicher Beteiligung die Bestattung der Leiche statt.

Ram Meiffner 12. November. Die verflossene Nacht brächte bei orkanartigem Sturm unserem hessischen Bergkönig die erste Schneedecke.

bauet 16 November. Am gestrigen Nachmittage ereigne e sich in einer Genußmittelfabrik in Betten- hausen ein Unglücksfall. Der hoch in den 50er Jahren stebende Maurer Jonas Reinbold aus Dennhaufen Lar beim Ausladen von Baumaterialien im Fabrik- anschlußgleis behilflich, als infolge des starken Windes sich ein andrer Eisenbahntranspotwagen loslvste und m schnellen Laufe auf R. einsturmte, ohne daß dreier "n Ö? bemerkt hatte R. wurde °°n dem d-raa. sausenden Wagen erfaßt, soday er zwischen die Puffer der beiden Eisenbahnwagen geriet und ihm der Brust­kasten vollständig eingedrückt wurde. Der schwer Ver­letzte verstarb trotz ärztlicher Hilfe an den Folgen des Unfalles nach kaum einer «tunde. Er hinterlaßt Frau und Kinder.

S««». Münde«, 11. November. Eine neue 18 Mann starke Kapelle hat unser Ersatzpionierbataillon

U.

un

unter Leitung seines Musikmeisters Cellarins er­halten, der bisher als Dolmetscher in den Lazaretten für Kriegsgefangene tätig war. Die Kapelle ist aus den verschiedensten-Elementen zusammengesetzt und enthält Vertreter aus allen Teilen des Vaterlandes. Es finden sich in ihr ehemalige ©umnafiaften mit dem Kriegsexamen, Handwerker, aber auch ein Dr. der Musikwissenschaft. So erklingen nunmehr wieder muntere Marschweisen beim Aus- nnö Einrücken der Garnison.

Hann. Münden, 14. November. Auf dem hiesigen Bahnhof trug sich gestern ein trauriger Unfall zu. Der im Beamtenhaus bei der Löwenau wohnende Rangierer Susebach glitt auf dem Gleise aus und kam unter eine Maschine, die ihm das rechte Bein abfuhr. Es konnte ihm noch ein Notverband ange­legt werden, doch ist Susebach im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Er hinterläßt eine Frau und 4 unmündige Kinder.

Göttingen, 16. November. In: benachbarten Orte Wöllmershausen war der Landwirt Jünemann mit Strohabladen bei der Dreschmaschine beschäftigt. Hier­bei geriet er so unglücklich unter die Räder seines Fuhrwerks, daß der Tod sofort eintrat.

Fulda, 15. Nov. Die Maul- und Klauenseuche greift in unserm Kreise immer mehr um sich. Nicht nur, daß sie in den Gemeinden Flieden und Hatmbach ausgebrochen, ist sie gestern auch in der Gemeinde Edelzell amtlich festgestellt worden und ist damit zu rechnen, daß sie an Ausbruch immer mehr zunimmt. Der Kreistierarzt ersucht die Landwirte, selbst auf der Hut zu fein, daß ihnen die Seuche nicht in ihre Vieh­bestände eingeschleppt wird.

Fulda, 16. November. Während gestern abend und auch währerro der ganzen Nacht hier ein orkan­artiger Sturm herrschte, der Regengüsse hin und her- peitschte, hat es in der Vorderrhön heftig geschneit. Sämtliche Berge zeigten sich heute früh von oben bis unten in weißem Gewände.

Gersfeld (Rhön), 16. November. Der im Felde stehende Herr Landrat Nirrnheim hat auf seinem Jagdgebiete eine Treibjagd abgehalten und die er­legten 23 Hasen dem Roten Kreuz überweisen lassen.

Frankfurt a. M., 16. November. Nachdem erst vor etwa zwei Wochen von der Frankfurter Zweigstelle desDeutschen Vereins für Sanitätshunde" 16 Mann­schaften mit Hunden zur Verfügung des Kriegsmini­steriums gestellt werden konnten, werden bei der vergangenen Freitag erfolgten Abnahmeprüfung wiederum 19 Führer mit Hunden für den Felddienst reif befunden. Auch diese Abteilung wird verschiedenen Armeekorps zugeteilt werden, während die Ausbildung weiterer Gruppen auf dem Uebungsplatz an der Tiroler Schneise beim Forsthaus raschesten Fortgang nimmt. Die Berichte über die Verwendbarkeit der Hunde im Felde mehren sich täglich.

Kopsdüngung der Wintersaaten

Wiesendüngung Frühjahrsdüngung.

Die ordnungsmäßige Düngung der Wiesen, Weiden s. w. wie auch der Winter- und Frühjahrsjaaten ist in diesen schweren Zeiten mehr als sonst eine Maß­nahme, nicht nur für den eigenen Nutzen, sondern eine Pflicht für das Wohlergehen des Vaterlandes.

Bei der Knappheit einzelner Düngemittel müssen wir mit den vorhandenen Mengen Haushalten und sie

an rechter Stelle anwenden. Heute gilt es besonders weniger mit dem Geldbeutel, dafür umsomehr mit dem Kopse düngen.

Am wenigsten Sorge brauchen wir uns hinsichtlich der so nötigen Kalidüngung zu machen. Die Förderung der Salze geht ununterbrochen weiter. Eine Ein­schränkung der Kalidüngung ist nirgend zu empfehlen, stellt sie sich doch verhältnißmäßig am billigsten. Den Wintersaaten, welche im Herbst keine Kalidüngung erhalten konnten, ebenso den Wiesen und Weiden kann sie unbedenklich im Laufe des Winters gegeben werden. Das Gleiche gilt von der Düngung mit Thomasmehl. Es ist kein bemerkbarer Unterschied in der Wirkung dieser Düngemittel ob dieselben bei Frost, leichter Schneedecke oder offenenen Wetter aus­gestreut werden. Bei einer hohen Schneedecke ver­bietet sich das Ausstreuen von selbst. Am bequemsten streut es sich bei leichten Frost, auch mit der Maschine. Nur auf sandigen Acker, wie er in unserer Gegend, hier die Regel bildet ist es besser 40°,, Kalisalz, Thomasmehl, Kainit pp. auf offenes Land zu streuen da hier die Gefahr nicht ausgeschlossen istMdaß die Düngemittel abgeschwemmt werden, sobald sie aus ge­frorenes Land gesät werden und plötzlich Tauwetter mit Regen eintritt. Sehr wichtig ist es, das Kali und auch das Thomasmehl zeitig genug ausgestreut werden damit sie in den Boden gewaschen und den Wurzeln zugänglich gemacht sind, wenn das Wachstum beginnt. Mitte Februar sollte das Streuen beendet sein.

H. Dn.