Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ■ holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«. :
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 270. Dienstag, den 17. November 1014
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Gedenket allzeit des Roten Kreuzes!
Bus der Heimat«
*Zur Entgegennahme der W e i h n ach ts pa k e t e werden die Paketdepots in der Zeit vom 23.—30. November geöffnet. Es wird darauf hingewiesen, daß es sich nur um die Sendung von Paketen für die im Felde stehenden Truppen handelt. Die Aufgabe von Paketen für die im Jnlande stehenden Truppen (Be- satzungs- und Ersatz-Truppen) ist bei den Paketdepots nicht gestattet. Für diese Truppen nehmen alle Postanstalten Pakete nach den üblichen Postvorschriften an. Weihnachtspakete können als solche dadurch besonders kenntlich gemacht werden, daß sie mit einem grellroten Zettel beklebt oder mit einem roten Farb- strich versehen werden.
* (Keine Abkürzungen auf den Feldpo st sendungen!) Trotz der wiederholten Hinweise auf die Wichtigkeit der richtigen und deutlichen Adressierung der Feldpostsendungen hat die Zahl der unzulänglichen Aufschriften bisher keine Abnahme erfahren. Neben unrichtigen und unvollständigen Bezeichnungen der Truppenteile kommen namentlich auch zahlreiche Adressen vor, in denen der Absender diese Angaben nicht ausgeschrieben, sondern Abkürzungen dafür angewandt hat, die dem Postpersonal unverständlich sind. Hierher gehören z. B. Abkürzungen wie „H. K. K." für „Höherer Kavallerie- Kommandeur", „R. E. B. K." für „Reserve-Eisenbahn- Bau-Kompagnie", „F. A. R", was „Feld"- und „Fuß-Artillerie-Regiment" heißen kann, usw. Derartig unverständlich adressierte Sendungen geben Anlaß zu beklagenswerten Fehlleitungen. Die auf ihre Entzifferung meist ohne Erfolg verwandte Zeit und Mühe hält die Bearbeitung der Sendungen mit ordnungsmäßiger Aufschrift auf. Die Postverwaltung hat sich daher genötigt gesehen, die Aufgabe-Postan- stalten anzuweisen, Feldpostsendungen mit unverständlichen Abkürzungen des Truppenteils in der Adresse von der Beförderung auszuschließen und an oen Absender unter entsprechender Verständigung Surückzugeben.
. *Zur Rechtfertigung der Feldpo st hat das Retchspostamt eine kleine Schrift „Weshalb hören dre Klagen über die Feldpost nicht auf?" erscheinen lassen. Diese wird, wie wir hören, vom Reichspostamt lastenfrei unmittelbar an die Interessenten abgegeben. Diese haben nur den Wunsch durch eine Postkarte der Geheimen Kanzlei des Reichspostamtes Berlin w- 66 mitzuteilen.
. * (Fortfall der billigen Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amertfa.) Seit dem Ausbruche des Krieges führen die deutschen Dampfer die Fahrten zwischen Bremen oder Hamburg und den Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr aus, sodaß der direkte Weg für die sogenannten willigen Briefe zum Satze von 10 Pfg. für je 20 Aramm vorläufig nicht mehr in Frage kommt. Die Amerikapost wird nur noch auf dem -foege über neu* träte Staaten mit neutralen Dampfern roeitergefcbicit. Die Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika müssen daher bis zur Wiedereinrichtung des Verkehrs mit den deutschen Dampfern nach den Sätzen des Weltpostvereins frankiert werden.
e * (Bucheckern.) - Krieges werden wir zweifellos
Bei längerer Dauer des lucluul »^ ^eifellos Mangelan besseren Selen haben, da Oelsamen, die gewöhnlich eingefichrt werden, nicht zu haben sind. Ein ganz vorzügliches Del wird aus den Bucheckern gewonnen, und es wäre An größter Wichtigkeit, die Bucheckern tn unseren Buchenwäldern zu sammeln. Man wird zunächst ein vutes Oel daraus schlagen können, und dann geben auch die Rückstände ein ausgezeichnetes Viehfutter ab Die Bucheckern sind in allen Teilen Deutschlands sehr öut geraten, sodaß ihr Sammeln sehr gewinnbringend ^in könnte. Je besser und sorgfältiger die von der ^atur zur Verfügung stehenden Schätze ausgenutzt werden, desto eher sind wir in der Lage, diese schweren Werten zu überwinden.
* (Die Steigerung desGasverbranchs
— eine nationalePflicht.) Man schreibt uns: Wer in dieser Zeit des Weltkrieges, der die wirtschaftlichen Kräfte des Reiches im höchsten Grade in Anspruch nimmt, den nationalen Wohlstand fördern will, der trage dazu bei, unsere Kohlenerzeugung in möglichst großem Umfange zur trockenen Destillation zu bringen, indem er seinen Verbrauch an Gas und Koks soweit ausdehnt, wie seine Wirtschaft es gestattet. Hierzu liegt um so mehr Veranlassung vor, als unsere Vorräte an Petroleum, auf dessen Bezug aus dem Auslande wir angewiesen sind, schon erheblich abgenommen haben. Die bei der Kohlenförderung gewonnene Stückkohle benötigt die Marine und die Eisenbahn, während die Klein- und Feinkohle für die Destillation Verwendung findet. Dabei werden als Nebenprodukte Teer und Ammoniak gewonnen. Teer siefert 'das für die Marine unentbehrliche Teeröl, ferner Benzol, zum Betriebe unserer Kraftwagen und andere für die chemische Industrie notwendigen Stoffe. Ammoniak liefert als Ersatz für den fehlenden Chili- salpeter Stickstoffdüngemittel für unsere Landwirtschaft und außerdem ein zur Herstellung von Sprengstoffen erforderliches Erzeugnis. Die Steigerung des Gas- und Koksverbrauchs ist also eine nationale Pflicht von weittragender Bedeutung.
):( Hersfeld, 16. November. Die Firma H. Under- berg-Albrecht in Rheinberg spendete als Liebesgabe 100,000 Fläschchen ihres bekannten Bttterlikörs „U n d e r b e r g - B o o n e k a m p." Derselbe hat bereits im Kriege 1870 71 vorzügliche Dienste geleistet, und dürfte auch jetzt den im Felde stehenden Truppen eine besonders willkommene Gabe sein.
):( Hersfeld, 16. Nov. Dem Publikum ist bereits bekannt gegeben, daß es sich bei Zweifeln, an welchen Ersatz-Truppenteil Pakete für die Angehörigen des Feldheeres zu senden sind, an die stellvertretenden Generalkommandos wenden soll. Zur Erleichterung hat die Reichspostverwaltung an den Postschaltern erhältliche hellgrüne Postkarten mit Antwort und Vordruck anfertigen lassen, die 1 Pfg. das Stück kosten und portofrei befördert werden. In anderer Form an die stellvertretenden Generalkommandos gerichtete Anfragen oder solche, die über den Vordruck hinaus- gehen, können nicht beantwortet werden. Damit die Arbeit bei den schon stark belasteten stellvertretenden Generalkommandos nicht zu sehr anschwillt, hat das Publikum folgendes zu beachten: 1. Jeder richtet ferne Anfrage an dasjenige stellvertretende Generalkommando, in dessen Geschäftsbezirk er wohn^ Für Berlin gilt Gardekorps, für die übrige Provinz Brandenburg III. Armeekorps, für Lothringen XXI. Armeekorps (Saarbrücken). 2. Eine Liste der Ersatzverbände der Linientruppenteile, die allgemein veröffentlicht werden kann, wird in den Paket-Schalterraumen der Postanstalten ausgehängt. Ueber diese Formationen erteilen die stellvertretenden Generalkommandos keine
Auskunft.
8 Heenes, 16. November. Gestern fand hier, da die Amtszeit verstrichen war, die Wahl des Bürgermeisters statt. In welch ein Vertrauen der bisherige Bürgermeister He e r in seiner 8jährigen Tätigkeit es verstanden hat, sich die Achtung der Gemeinde zu erwerben, beweist das schöne Wahlergebnis, da derselbe von allen erschienen Mitgliedern einstimmig w te berge w ä h l t worden ist. Möge nun auch seine fernere Tätigkeit zum Wohleder Gememdeeine gesegnete sein.
Bebra, 14. November. Ein Feind der Landwirtschaft hat sich auf dem Hof Welüa eingefunden, indem unter dem ziemlich ansehnlichen Schweinebestaude der Gebr. Reckert die Schweineseuche ausgebrochen ist. Ein Teil des Bestandes hat bereits abgeschlachtet werden müssen.
Caffel, 15. Nov. Der Geschäftsreisende L. aus der Rheinpfalz ist am vorgestrigen Abend bei Nreder- zwehren von drei Strolchen übersatten und derart mit scharfen Werkzeugen mißhandelt worden, daß er eine schwere, stark blutende Kopfwunde davontrug. Als er aus seiner Besinnungslosigkeit wieder erwacht war, machte er die Entdeckung, daß seine Reisetasche die Musterkollektionen enthielt, und seine Börse mit mehreren hundert Mark gestohlen worden waren. Der Schwerverletzte mußte in ärztliche Behandlung treten. Von den Straßenräubern hat man noch keine Spur.
Großburschla. 14. Nov. Oberleutnant Cornelius im Art.-Rgt. 47 erhielt das Eiserne Kreuz. Herr Cornelius ist Pächter des Gutes in unserem Dorfe.
Gras Haeseler in der Front.
Ein holländisches Blatt bringt einen interessanten Bericht, worin der Bildhauer Arnold Rechberg, gegenwärtig Ordonnanzoffizier des Grafen Haeseler, das I
Leben des greifen Feldmarschalls in der Front schildert Generalfeldmarschall Graf Haeseler hat eine tlner* schrockenheit, so heißt es da, die erstaunlich ist. Beinahe hat es den Anschein, als wollte der Marschall den Beweis liefern, daß das Geschlecht von 1864'66 und 1870 71 an Unerschrockenheit und Todesverachtung wohl erreicht, aber nicht übertroffen werden könne. Es ist wiederholt vorgekommen, daß er zu Pferde Zeuge von Jufanterteangriffen war. Während rechts und links die Schützenlinien von einer Deckung zur anderen sprungweise und in geblickter Haltung vor- ßen und dabei doch noch ziemliche schwere Verhalten, blieben der Marschall und seine Begleiter, deren Silhouetten dem Feind aus der Ferne deutlich sichtbar waren, wie durch ein Wunder unversehrt, obwohl die Franzosen mit Maschinengewehren auf sie schössen. Er ist auch an den Laufgräben, in denen die Infanterie tief eingegraben in Deckung liegt, öfters im Schritt entlang geritten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Haltung eines hohen Offiziers bei den Truppen Begeisterung erweckt. In der ganzen Front ist es ein allgemein verbreiteter Aberglaube, der Graf sei kugelfest, wie es die Heere des 17. Jahrhunderts häufig von ihren Führern glaubten. Man könnte beinahe sagen, die Truppen sähen den Grafen als eine Art Talisman an, dessen Anwesenheit allein schon den Erfolg verbürgt.
In den ersten Tagen des Krieges war Graf Haeseler übrigens Gegenstand eines raffinierten Angriffs. Ein Dorf lag mitten in der Gefechtslinie. Rechts und links davon marschierten starke Infanteriekolonnen auf, auf die der Feind mit Geschützen feuerte, während das Dorf selbst nicht im Feuer lag. Graf Haeseler hatte auf der dem Feinde zugekehrten Dorfseite unter einem prächtigen alten Nußbaum im Schatten auf einem Stuhl Platz genommen, den man aus dem nächsten Hause geholt hatte, und von da beobachtete er das Gefecht. Plötzlich bemerkten die Offiziere seiner Umgebung eine Granate, die grades- wegs auf den Nußbaum zuflog und in 200 Metern Abstand einschlug. Kurz darauf kam ein zweites Geschoß, aber diesmal nur um 100 Metern zu kurz. Graf Haeseler, den man hierauf aufmerksam machte, glaubte die Zieländerung einem Zufall zuschreiben zu können. Als nun aber eine dritte Granate in kaum 50 Metern Abstand krepierte, sagte er: „Meine Herren, die übernächste wird den Nußbaum treffen." Als die nächste tatsächlich ganz in der Nähe einschlug, stand er auf und ging langsam zur Seite. Unmittelbar darauf schlug ein Treffer dicht bei dem Baum ein. Tags drauf stellte sich heraus, daß der Maire der Ortschaft eine Telephonverbindung mit den französischen Linien gehabt hatte. Er gab zu, daß er der feindlichen Artillerie mitgeteilt habe, daß „te eeeleebre mareechal" unter dem Baume saß.
So wenig Graf Haeseler sich um sich selbst bekümmert, so sehr ist er auf das Wohlsein anderer bedacht. Bei einem der ersten Gefechte wollte er durch ein Dorf reiten, das die Franzosen verlassen hatten und durch das bereits deutsche Schützen hindurchgezogen waren. Vor dem Dorseingange machte ihn ein verwundeter Offizier darauf aufmerksam, daß die Dorfbewohner aus Kellern und hinter Fenstern hervor mit Schrot schössen. Der Marschall bedankte sich, ließ sich aber nicht davon zurückhalten, durch das Dorf hindurchzureiten, und kam auch wunderbarer* weise unbeschosien zu dem anderen Ausgange. Darauf begegnete Graf Haeseler einer von der anderen Seite kommenden Ulanenpatrouille. Er ging grades- wegs auf den führenden jungen Leutnant zu nnd sagte ihm: „Kamerad, bitte nicht hindurch, sondern um das Dorf herum zu reiten. Der Umweg ist unbedeutend. Die Bewohner des Dorfes schießen und Sie würden in Gefahr geraten." Wenn ihm nicht die Zeit dazu fehlt, bemüht sich der Graf mit besonderer Sorge und Güte um die Verwundeten. Er hat selbst mehrere Male auf dem Schlachtfelde mitten im Feuer dafür gesorgt, daß Schwerverwundete durch Krankenträger abgeholt, verbunden und gelabt wurden. Mehrere Male hat er seine Offiziere ausgesandt, um ärztliche Hilfe zu holen. Es erregt Bewunderung, wenn man sieht, wie der Marschall trotz seiner bet* nähme 80 Jahre noch unermüdlich zu Pferd sitzt, wie der jüngste Offizier. An manchen Tagen hat er nicht weniger als 14 Stunden zu Pferde zugebracht. Er reitet fast immer Schritt oder Galopp, Trab nur in seltenen Ausnahmefällen. Seine Nahrung besteht wie früher aus fast nichts als etwas Milch und Eiern; Fleisch ißt er kaum, und Alkohol nimmt er überhaupt nicht zu sich. Seine Forderungen sind, was die Verpflegung angelst, so einfach wie möglich. Nur einmal, als ihm und seinen Offizieren ein allzu zähes Huhn vorgesetzt wurde, sagte er lächelnd: „Meine Herren, ich hätte doch besser getan, dies Hühnchen schon 1870 aufzuknabbern." (N. A. Z.)