Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^t für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- < । <t
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)t Mluß^I
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage'
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 369
Sonntag, den 15. November
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Bus der Heimat
(„W enn unbestellbar, zur Verfügung des Truppenteils".) Es ist vielfach angeregt worden, Feldpostbriefe mit Wareninhalt, die von den Truppenteilen nicht ausgehändigt werden können, weil die Empfänger abkommanöiert, verwundet, vermißt oder tot sind, nicht an den Aufgabeort zur Rückgabe an den Absender zurückzusenden, sondern den Truppenteilen zur beliebigen Verwendung zu überlassen. Ohne ausdrücklichen Wunsch des Absenders ist dies nicht möglich. Wenn der Absender aber durch einen auf der Sendung — sei es handschriftlich oder durch gedruckten Zettel — anzubringenden Vermerk etwa folgenden Inhalts: „Wenn unbestellbar, zur Verfügung des Truppenteils" zum Ausdrnck bringt, daß er die Preisgabe wünscht, so werden die Postverwaltung und die Truppenteile diesem Wunsche entsprechen. Unbestellbare Sendungen, die einen solchen Vermerk nicht tragen, werden nach wie vor an den Absender zurück
druckten Zettel — folgenden Inhalts:,
geleitet werden.
* (Eine Mahnung an das kaufende Publikum.) Aus Geschäftskreisen wird uns geschrieben : „Wieviel billiger geben Sie mir die Ware? Ich will Sie zu wohltätigen Zwecken verwenden!" Wie oft muß der Kaufmann jetzt diese Frage hören und immer wieder dann die für beide Teile unangenehme Antwort geben, daß er selbst auf das reich- lichfie Liebesgaben spendet und leider nicht in der Lage ist, noch außerdem die jetzt einzig gangbaren Waren billiger abzugeben. Das Publikum sollte doch die schwierige Lage des Kaufmanns nicht verkennen, dessen Absatz während des Krieges ein geringer, dessen Unkosten aber dieselben wie in Friedenszeiten sind, und die Geschenke aus eigener Tasche bestreiten.
* Wer seinen in Rußland kriegsge- fangenenAngehörigenGeldschickenwill, kann dazu die Vermittelung des deutschen Hilfsver- eins in Stockholm, gegenüber dem Zentralbahnhof, oder auch des amerikanischen Konsulats in Petrograd in Anspruch nehmen. An eine dieser Adressen ist das Geld mit der Bitte nm Weiterbeförderung an die möglichst genau zu bezeichnende Adresse des Kriegsgefangenen zu übergeben. Es empfiehlt sich, gleichzeitig dem Gefangenen durch Postkarte mehr als einmal von der für ihn abgegangenen Geldsendung Mitteilung zu machen.
Von neuem auf den kung des Goldbestan
* (Gold heraus!) Der Minister des Innern weist in einem Runderlaß an die Regierungspräsidenten hohen Wert hin den die Verstär- . „ — ,.„..des bei der Reichsbank hat und
öer es zur patriotischen Pflicht jedes einzelnen.macht, seine Goldstücke während des Krieges nicht ängstlich Surückzuhalten, sondern sie schleunigst bet den öfsent- lichen Kassen und Reichsbankstellen oder auch bei den Aeichspostämtern gegen die durchaus vollwertigen Banknoten oder Darlehnskassenscheine umzutauschen. Das Publikum soll hierauf neuerdings hingewiesen und tunlichst auch von den Handelskammern den Kaufleuten und Gewerbetreibenden die Einwechselung der in ihre Vände gelangenden Goldmünzen ans Herz gelegt werden.
_ ):( Hersfeld, 14. November. Viele verwund e t e Krieger begegnen uns jetzt täglich auf der Straße. Ich kann mich beim Anblick derselben, besonders, wenn sie sich mit Krücken oder Stöcken nur mühsam wrtbewegen können, kaum einer Rührung erwehren.
möchte auf sie zugehen, ihnen die Hand drucken und ihnen danken, denn diese Helden haben auch für Ullch gekämpft, für mich und mein Heim. „Helden find sie alle und verdienten den Himmel auf der ^söe!„ sagte neulich ein Wachtmeister zu mir. Wollen wlr nun diesen Helden nicht eine kleine Ehre erweisen und ihnen einen Gruß bieten? Ein feder von uns hat wohl dies Gefühl in sich und er bedarf vielleicht nur dieser Anregung. Wie gerne wurde unsere Jugend, wenn sie darauf aufmerksam gemacht würde, ihre Mütze ziehen. Oder wollen wir ferner wrt flüchtigem Blick an ihnen vorbei eilen?
« ):( Hersfeld, 14. November. Mitdem Eisern en Are uz ausgezeichnet wurde der Vizefeldwebel der -Keferve im Jnf.-Regt. Nr. 87 Heinrich Altvater von hier.
, § Hersfeld, 14. November. Der Silberne Preis zuerkannt wurde Herrn Hofphotograph Oscar Tellg - wann von Eschwege für Beteiligung an der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914.
q ):( Hersfeld, 14. November. In einem an die andwirtschaftskammer gerichteten Erlasse des Herrn
Ministers für L a n d w i r t s ch a f t, Domänen und
F 0 r st e n vom 24. September d. I. ist den Kammern empfohlen, in ihren Bezirken den Verkauf von Zuchtvieh und von nicht schlachtreifem Magervieh an Züchter und Mäster in den Fällen, in denen der Verkäufer zur Durchfütterung des Viehes nicht imstande ist, zu vermitteln und, soweit das abzunehmende Vieh nicht innerhalb des Kammerbezirks untergebracht werden könne, es für eigene Rechnung zum Weiterverkauf an Züchter und Mäster aufzukaufen. Die Landwirtschaftskammer Cassel hat auf Anfrage mitgeteilt, daß sie die Vermittlung von Zucht- und Magervieh, soweit sich hinzu ein Bedürfnis heraus- stelle, übernehmen werde, nicht aber den direkten Ankauf. Diesbezügliche Anträge können bei der Landwirtschaftskammer Cassel gestellt werden.
§ Friedewald, 14. November. Mit'dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde Amtsgerichtssekretär R 0 t t e n b a ch von hier.
Homberg, 10. November. Ein unendlich langer Leichenzug bewegte sich heute nach dem Friedhof. Es galt einem Sohn unserer Stadt, dem Kriegsfreiwilligen Rudolf Zischka, die letzte Ehre zu erweisen. Als Seminarist war er der allgemeinen Begeisterung gefolgt und als Freiwilliger mit in den heiligen Krieg gezogen. Nur kurze Zeit kämpfte er, als ein feindliches Geschoß ihn schwer verletzte. Im Lazarett zu Münster Heilung suchend starb er dort. Seine sehr betrübten Eltern ließen die Leiche hierher überführen. Mit militärischen Ehren wurde der junge Held der Erde übergeben.
Marburg, 1„. November. Bis zum Schlüsse der ordnungsmäßigen Immatrikulation sind au Studierendeu vorhanden gewesen einschl. der im Felde stehenden: 221 Theologen, 260 Juristen, 597 Mediziner (barunter 30 Damen), 954 Philologen (darunter 135 Damen), zusammen also 2032 Studierende.
Cassel, 13. November. (Ein verfehltes Mittel.) In die Einhornapotheke sind in den letzten Tagen vielfach Angehörige der im Felde stehenden Soldaten gekommen und haben flüssiges Quecksielber verlangt. Nach ihrer Angabe sollte dies Quecksielber in Lein- wandsäckchen genäht werden und den Soldaten auf dem Körper befestigt werden,- dies solle gut (ein gegen Ungeziefer. Hiervor wird aber gewarnt! Das Quecksilber verdampft, und diese Dämpfe kommen durch die Hautporen ins Blut und rufen dort schwere Gesundheitsstörungen hervor.
Germerode, 13. November. Bon einem tödlichen Unglücksfalle wurde der auf der Zuckerfabrik Gronau in Hannover beschäftigte Arbetter Jakob Hellmuth von hier betroffen. Hellmuth geriet in der Nacht zum Montag in das Getriebe und wurde getötet. Der Getötete ist 33 Jahre alt und war verheiratet.
servist August Schwarz der dritten Res. Jnf.-Rgt. Nr. 83 aus Cafsel
Dörnberg, 12. November. (Wer kann Auskunft geben *?) Der Re' " '
wurde" amC Z^September" leicht "verwundet. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib waren bisher er- olglos. Wenn Kameraden, die an jenem Tage im Gefecht mit ihm waren, etwas berichten können, werden sie dringend gebeten, sich an den Vater, ^and- wirt Carl Heinr. Schwarz in Dörnberg, wenden zu wollen. (Um Nachdruck wird gebeten.)
Fritrlar 13 November. (Deutsche Kameradschaft.) Ein Feldpostbrief von unserer Reitenden Abteilung berichtet • Für die Witwe des am 30. August durch Sturz tödlich verunglückten Trompeters Sohl der Zweiten reitenden Batterie wurden von Offizieren, Unteroffizieren und bemittelten Mannschaften 530 Mk gesammelt und dieser Betrag der Witwe Über- fanbt Ein schönes nachahmenswertes Beifpiel von kameradschaftlichem Opfersinn!
Backa. 13. November. In dieser allgemeinen Opferwilligkeit verdient auch das Beispiel eines >>n- val denrentenempfängers rühmend hervorgehoben zu werden, der der Thüringischen Landesversicherungs- anstalt schrieb: @/ öen 39. 9. 1914.
Obgleich meine Mittel, da ich erwerbsunfähig bin, nur sehr bescheiden sind, möchte ich fetzt auch nicht hierin zurückstehen 'unb -wenn es angängig ist, daß meine Rente zu nachfolgendem Zwecke gleich von dort aus überwiesen werden kann - aus die mir zustehende Invalidenrente vomfl. November d. J. ab, während der Dauer des Krieges zu Gunsten des Roten Kreuzes zu verzichten.
Wenn ich hierbei einen Wunsch äußern kann, so möchte ich diese Beträge den im Osten tm Felde stehenden Kriegern als Liebesgaben zuwenden, usw.
Mit Hochachtung ganz ergebenft
(Unterschrift)
Burghaun, 13. November. Gestern nachmittag brannte dahter die Scheune des Herrn Anselm Weißmüller in der Dimbach ab. Die Entstehungsursache ist noch nicht bestimmt bekannt, doch wird vermutet, daß der Brand durch Kurzschluß entstanden sein kann.
Fulda, 13. November. (Wiuterschule.) DaS Semester der landwirtschaftlichen Winterschule in Fulda, das im November beginnen sollte, wird nicht eröffnet werden. Es waren nur 13 Anmeldungen eingegangen. Der Kreisansschuß hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, der hohen Kosten wegen von der Eröffnung Abstand zu nehmen.
Frankfurt a. M., 18. November. An der Universität Frankfurt a. M. sind für das laufende Wintersemester bis 380 ordentliche Studierende immatrikuliert. Die letzte öffentliche Immatrikulation findet Freitag, den 13. November statt.
Offenfioe im Westen, Defensive im Osten.
Unsere unvergl<üchlichen Krieger gehören zn jenen beneidenswerten Männern, die stets des Zügels, aber nie des Sporns bedürfen. Zu Wasser wie zu Lande find sie sich darin gleich. Gerade unseren Blaujacken wird es nicht leicht gemacht. Ihr edler Eifer und jener tief empfundene Zorn und Haß, der jedem Deutschen, dem Bewaffueten wie dem Daheimgebliebenen, zur zweiten Natur geworden ist, läßt sie alle heiße, harte Kämpfe ersehnen. Aber der eiserne Wille ihrer Führer, deren Umsicht und Besonnenheit geduldig auf die rechte Zeit und den rechten Ort zum Messen ungleicher Kräfte wartet, und die höchste Tugend des Kriegers die Manneszuchtz lehrt sie immer wieder sich selbst überwinden nud harren, harren auf das Flaggenzeichen zum Angriff. Und wenn kühne Handstreiche, kecke Seeulanenfahrten zwecks Minierens oder Torpedierens befohlen werden, dann möchte jedesmal die Mannschaft eines jeden kleinen Kreuzers, Torpedo- oder Unterseeboots mit dabei sein. Schneidige liebe und doch willig-gehorsame Leute sind doch unsere Helden zur See. Offensive im Herzen, üben sie sich in der Defensive aus Gründen der Vernunft.
Auch den Scharen Hindenburgs ist die Defensive, die augenblicklich aus strategischen Gründen geboten erscheint, sicherlich gegen ihre Art und Neigung. Aber sie wissen, daß ihr ruhmgekrönter Feldherr planbewußt vorgeht. In zwei großen Schlachten hat er zwei russische Armeen aufs Haupt geschlagen. In schneidiger Offensive trieb er sodann die Russen im ehemaligen Königreiche Polen zu Paaren. Als aber das menschen- reiche Zarenreich eine gewaltige Uebermacht gegen ihn versammelte, wich er ihr aus, um nicht Unmögliches von denen zu verlanger, die an ihm, dem Ritter ohne
Furcht und Tadel, hängen wie die Kinder am treusorgenden Vater. An der Grenze Ostpreußens, Posens unb Schlesiens halten nun wieder seine Scharen in starker Defensive treue Wacht. Zunächst stehen im Norstosten bedeutsame Ereignisse bevor,- denn der Tagesbericht der Obersten Heeresleitung besagt: An der ostpreußischeu Grenze bei Eydkuhnen und südlich davon, östlich des Seeabschnittes, haben sich neue Kämpfe entwickelt,- eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Daß alle diese Defensiv-Maßnahmen auf dem östlichen Schauplatze von Weisheit und Energie diktiert sind, betont in einleuchtender Weise die Stockholmer Zeitung Svenska Daagbladet, indem sie Feinden wie Freunden zuruft: „Die meisterliche Kautsch uck-Strategie in Ostpreußen, ein elastisches Zurückweichen bei jedem russischen Vorstoß, immer von einer kräftigen und erfolgreichen Gegenoffensive begleitet, wenn die Kraft- anspannung groß genug ist, ist in ihrer Art einzig und wird sicherlich zu den am fleißigsten studierten Seiten der Kriegsgeschichte von 1014 ge fören.
Im Westen trägt unsere stetige Offensive ständig neue Früchte. Am Aser-Abschnitt bei Nieuport so meldet die oberste Heeresleitung, brachten unsere
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Marinetruppen dem Feinde schwere Verluste bei unb nahmen 700 Franzosen gefangen. Bei den gut fortschreitenden Angriffen bei Apern wurden weitere 1100 Mann gefangen genommen. So gewinnt unser rechter Flügel täglich an Boden und rückt langsam, aber unaufhaltsam seinem Ziele: Düntirchen-Calais näher, ganz abgesehen davon, daß dort für den Feind die Gefahr des Aufgerolltwerdens immer größer wird. Vergebens haben die Franzosen ihrem bedrängten linken Flügel durch Vorstöße im Zentrum Luft machen wollen. Aber ihre heftigen Angriffe westlich und östlich Soissons wurden unter empfindlichen Verlusten für sie selbst zurückaeschlageu.
In Ost und West steht es also gut. Lieb Vaterland magst ruhig sein.
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!