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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- - holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. [

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Zernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 268. Sonnabend, den 14. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Baterlöndifche Pflicht eines jeden Deutschen ist es, auf der Reichsbank, der Post oder den Sparkassen alles Gold einznllefern.

Bus der Heimat

* DieJagdverordnung, wonach die Schon­zeit der Rehkälber im Regierungsbezirk Cassel bis auf weiteres auf das ganze Jahr ausgedehnt ist, wird in Erinnerung gebracht.

* Ueber Brandstiftungen an Getreide­lagern, Kornhäusern ete., die sich in letzter Zeit in bedenklichem Grade gezeigt hatten, äußert sich eine Anzahl Blätter und wird hierzu der Vorschlag ge­macht, daß es sich wohl empfehle, diese Gebäude ebenso wie die Fabriken, in denen Militärlieferungen hergestellt würden, durch Ortseingesessene Tag und Nacht bewachen zu lassen. Bereits seien viele Tausend Zentner Fruchtgetreiöes jenen Bränden zu Opfer gefallen, und der Niederträchtigkeit unserer Feinde dürfte wohl zugetraut werden, daß sie Jndividien suchen nnd finden, welche sich zu solch schändlichen Verbrechen für schnöden Mammon bereit finden lassen.

* Am 22. September 1914 ist durch Beschluß des schweizerischen Bundesrates ein Büro für Heim­schaffung internierter Zivilpersonen in Bern geschaffen worden, das sich mit dem Rücktransport von in den benachbarten Ländern zurückgehaltenen Privaten (Frauen, Kinder, Gebrechliche, nicht waffenfähige Leute) durch die Schweiz befaßt, sofern die Internierten den der Schweiz benachbarten Ländern angehören. Bis jetzt beanspruchen nur Deutschland und Frankreich die Dienste des Büros; es kommen also nur Deutsche, die in Frankreich, und Franzosen, die in Deutschland interniert sind, für einen solchen Rücktransport in Frage. Das Büro übernimmt es auch, offene Briefe, die mit Adressenangabe an internierte Zivilpersonen gerichtet werden, weiterzuleiten. Dagegen befaßt es sich nicht mit der Uebermittlung von Geldsendungen an solche Personen.

* (D ie Benutzung von Schnellzügen durch Militär-Urlauber.) Mit Zustimmung des Kriegsministers hat der preußische Eisenbahn­minister einen begrüßenswerten Erlaß über die Be­nutzung von Schnellzügen durch Militär-Urlauber herausgegeben. Während bisher Militärpersonen bei Reisen bis zu 800 Kilometer nur Personenzüge benutzen durften, dürfen die Beurlanbten fortan gegen Lösung einer Militärfahrkarte und Zahlung des Schnellzugs-Zuschlags auch dann Schnellzüge benutzen, wenn nur eine Mindestentfernung von 100 Kilometern erreicht wird. Die Bahnhofskommandanten usw. sind angewiesen, von dieser Ermächtigung nur bei dringen­den Fällen und soweit es die Besetzung des Zuges zuläßt, Gebrauch zu machen. Mit Ausnahme von Bayern haben sich die übrigen Bundesregierungen dieser Anordnung bereits angeschlossen.

§ Hersfeld, 13. November. In Feindesland dringend erforderlich ist die Remus-Armee- laterne in b mit Farbenlicht, kenntlich an den praktischen Befestigungs-Vorrichtungen für Lanze, Gewehr, Säbel etc. Daß dieselbe im Kriege bereits sehr gute Dienste geleistet haben muß, bezeugt laufend geforderter Nachschub. Für militärische Zwecke kann nur ein Spezial-Fabrikat in Frage kommen, welches mit allen erdenklichen Vorrichtungen für den Feld­gebrauch versehen ist, das ist R. A. L. in b. Man verlange bei seinem gewohnten Lieferanten diese Marke, keine gewöhnliche Marktware. Durch Ein­schaltung einer Farbstaffel kann das Licht beliebig geändert werden- das rote, grüne, gelbe oder blaue Llcht zeigt dem Ueberfallenen oder Versprengten zu­verlässig den Standort des Führers an, wodurch das Sammeln erleichtert wird. Jeder Soldat wird sich mittelst der Armeelaterne und seiner Waffe den Weg zum Führer schon zu bahnen wissen. Ein Abschreßen bes Führer's wird durch eigenartige Vorrichtungen an der Rückseite der R. A. L. sehr erschwert, bezw. verhindert. Wohl kanu die R. A. L. als gutes Ziel beschossen werden (der Preis beträgt nur 6 Mk. »0 Pfg. complett) aber der Zweck,Unzählige Soldaten dem Untergänge, der Gefangenschaft zu entziehen, wird zuvor erreicht. Nach Einzahlung von 6 Mk. 50 I

Pfg. folgt III b porto und kostenfrei. Postschein dient als Quittung. Wird ein Doppelscheinwerfer anfge- schraubt, das Gesicht des Franktireurs bestrahlt, so ist Wehrlosigkeit die Folge, er ist zunächst geblendet. Jnterressenten setzen sich, falls die R. A. L. am Platze nicht zu haben, mit dem Konstrukteur Remus Halle a. S., direkt in Verbindung, geliefert werden dort zugleich die berühmten Kästchen fürdas Eiserne Kreuz."

):( Hersfeld, 18. November. Mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden die Brüder Vizefeld­webel Karl Stück Jnf.-Rgt. 82 und Unteroffizier d. R. Justus Stück Jnf.-Rgt. 52 - ferner der Vizefeldwebel Eduard Heer Jnf.-Rgt. 125. und Vizewachtmeister W. Richter Feld.-Art. Rgt. 47.

Caffel, 12. November. (Der Saatenstand im Land­kreise Cassel.) Die landwirtschaftlichen Vertrauens­männer haben ihre Gutachten über den Saatenstand im Landkreise Cassel für den Anfang dieses Monats abgegeben, und zwar für die Fruchtarten Winter­weizen, Winterroggen, Wintergerste, Winterraps und Winterrübsen, sowie Klee, auch mit Beimischung von Gräsern. Die Noten lauten fast nur gut und gut bis Mittel. Nur für Winterroggen wurde eine Note mittet bis gering und für Wintergerste, Winterraps und Rübsen je eine auf Mittel abgegeben.

Caffel, 12. November. (Vom Deck geweht.) Durch einen Orkan vom Deck des Schiffes geweht und in die Nordsee geschleudert wurde der Marine-Reservist Mohrmann von hier. Mohrmann, der eine Witwe und zwei Kinder hinterläßt, wurde ein Opfer des Meeres und seine Leiche wurde bei Wilhelmshaven gelandet und auf dem dortigen Friedhvfe beerdigt. Der Beerdigung wohnten die Hinterbliebenen bei. Herr Mohrmann war 12 Jahre lang beim Kgl. Lotterie­einnehmer Mende Buchhalter.

Cassel, 12. November. Das Opfer einer Bluttat ist der Bahnwärter Justus Döring in Rengershausen geworden, der im hiesigen Landkrankenhause verstorben ist. D. war am Sonntag abend in R. mit einem anderen Bahnbeamten namens Freytag in Streit ge­raten und dieser hatte ihn mit einem Taschenmesser in den Unterleib gestochen, wodurch D. schwer ver­letzt wurde. Der Täter wurde verhaftet. Die Leiche wurde beschlagnahmt.

Caffel, 13. Nov. (D i e M i l ö e r u n g d e r A r - beitslosigkeit.) Ein erfreuliches Verständnis zur Milderung der großen Arbeitslosigkeit im Hand­werker-Gewerbe bezeugt die Firma Leonhard Tietz A. G. hierselbst. Um der großen Arbeitslosigkeit im Malergewerbe ein wenig zu steuern, hat sich die Firma bereit finden lassen, die in ihrem Haushaltungs­plane für nächstes Jahr vorgesehenen Maler- und Anstreicherarbetten wie Neuanstrich der gesamten äußeren Fenster des Kaufhauses und die Neulackierung der Personenfahrstühle usw. sofort ausfuhren zu lassen. Es wäre wünschenswert, wenn dieses gute Vorbild auchinanderenPrivatkreisenNachahmungyndenwurde.

Münden 11. November. Sonntag nachmittag kam auf unserem Bahnhof ein Trupp deutscher, französischer und englischer Verwundeter durch, die Verpflegung erhielten. Die Deutschen bekamen be- leate Butterbrote, die anderen nur Schmalzbrot. Darob geriet aber ein Engländer dermaßen in Zorn, er einem das Butterbrot entriß. Da stieg aber auch den umstehenden Bahnbeamten die Galle hoch und der freche Brite bekam eine derbe Zurechtweisung.

Bischhansen, 10. November. (Der Zug des _Un= alücks I Dem dreizehnjährigen Sohn eines hiesigen Einwohners" der sich an einer Runkelrübenmaschine zu tun machte wniden vier Finger der rechten Hand glatt abgeschnitten.

Ottrau, 9. November. Am hiesigen Bahnhof ent­gleiste die Lokomotive nebst einigen Wagen des von Hersfeld nach Treysa fahrenden Guterzuaes. Während zwei Wagen stark beschädigt wurden, bohrte sich die Lokomotive tief in die Erde ein. Der Material- Schaden ist beträchtlich.

Northeim, 10. November. Eine silberne Taschen­uhr mit Widmung als Gefchenk der Kaiserin erhielt der Feldwebel Helmold von hier. Helmold hatte das Glück, als er mit der Kompagnie unweit des Dorfes M an der russischen Grenze sich im Gefecht mit den Ruffen befand, durch einen Granatsplitter verwundeten Kaisersohn Prinz Joachim von Preußen die erste Hilfe angedeihen zu lassen. Vom Prinzen wurde ihm ein Dankschreiben zugesandt, dem nun von der Kaiserin die Uhr als Geschenk folgte.

Bad Nenndorf, 10. November. (Freie Kurmittel für Kriegsverwundete.) Die Königliche Regierung in Cassel hat genehmigt, daß Kriegsverwundete, die zur Erholung in Bad-, Groß- oder Klein-Nenndorf, sowie in der Umgebung Wohnung nehmen, diejenigen Kur­

mittel des Bades, die im Winter verabfolgt werden können (Schwefelbäder, Sühwasserbädcr, Benutzung des Zanderhauses), nnentgeltlich erhalten. Die Offiziere nnd Mannschaften müßten bei der König­lichen Badeverwaltung den Nachweis führen, daß sie Kriegsverwnndete sind.

Ludwigsstadt, 9. November. Im benachbarten Lauenhain brannte das Anwesen des zurzeit im Felde stehenden Einwohners Heinrich Großmann zum größten Teil nieder. Das Feuer soll durch spielende Kinder entstanden sein.

Bad Salzschlirf, 9. November. In unserem Bade­orte wurde ein englischer Hauptmann verhaftet und dem Gefangenenlager zngeführt.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte iu Fersen.)

Noch bis heute unentschieden tobt der Stampf in Ost und West, ob sich gleich für unsre Fahnen schon Erfolg erhoffen läßt. Langsam zwar, doch unaufhörlich rücken wir im Westen vor, wo der Franzmann jetzt seit Wochen täglich an Terrain verlor. Frankreichs Truppen, liest man ständig, sind am Ende ihrer Kraft, weil der kalte Winter ihnen gar zuviel Beschwerden schafft, die für unser eig'nes Heer noch nicht fühlbar allzusehr. Denn die braven deutschen Truppen achten Frost und Kälte nicht, wenn sie gegen Englands Scharen wütend auf den Kampf verpicht, wenn sie Indern und Zuaven, die der Franzmann vorgeschickt, zeigen können, daß die Rechnung wieder einmal nicht geglückt, daß wir höchstens allen diesen gegen uns geschleppten Scharen einen Rückweg in die Heimat gleich für alle Zeit ersparen, und daß alle diese Horden sich für Frankreich selber morden, ohne daß man in Paris je dafür er­kenntlich ist.---Unterdes im Oriente regt sich kraftvoll die Türkei, allerorten gährt der Aufruhr gegen Englands Tyrannei. Englands Herrschaft auf der Erde wackelt täglich mehr und mehr, an Erfolg in diesem Kriege glaubt es längst schon selbst nicht mehr.--Schmerzlich war die Trauer­kunde, daß im Osten Tsingtau fiel, wenig Ehre war für Japan wohl bei solchem Kriegesspiel. Tapfer bis zur letzten Stunde wehrte sich die stellte Schar, bis das Heer der Widersacher zehnfach überlegen war. Sicherlich wird nicht zu lange Japan sich des Raubs erfren'n, und vielleicht in kurzer Zeit schon sieht man auch in Tockio ein, daß dem LTod verfallen ist, [roer aus Englands Schüssel ißt. Walter-Walter.

Das Mütterchen.

Recht wandermüde der Weg war lang - Setzt' ich mich nieder auf eine Bank.

Und dorten gebückt schon ein Mütterchen saß,

Das strickte Strümpfe ohn' Unterlaß.

Und über mir neigte die Weide sich- Ringsum so herbstlich, so feierlich.

Lieb Mütterchen, sage, du strickst so geschwind,

Jst's für den Sohn, für dein Enkelkind?"

Da glitt ein Leutchen, so eigen und licht,

Leicht über's ernste, gefurchte Gesicht.

Fünf Söhnen reicht' ich zum Abschied die Haud,

Ich schenkte sie alle dem Vaterland.

Des Alters Stütze, mein ganzer Stolz, Wie Eichen so kräftig, aus kernigem Holz.

Sie fielen draußen auf blutigem Feld,

Ein jeder so mutig, ein jeder ein Held.

Ich konnte nicht klagen; ich gab sie ja hin.

Ich hieß sie selber zum Kampfe ziehn.

Doch ich mich tröstend im stillen freu,

Sie blieben tapfer, sie blieben treu!

Nun strick ich weiter weiß nicht für wen Für and're, die noch im Felde stehn." A. Sch.

Gedenket allzeit

des

Roten Kreuzes!