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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiber

sur den Kreis Hersfeld

ÄreisMatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 367, Freitag, den 13. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Gedenket allzeit

des

Roten Kreuzes!

Hus der Heimat.

* (EtwasüberdieLiebesgaben.) Immer von neuem gehen beim Generalkommando Gesuche ein um Beförderung einer bestimmten Liebesgaben- menge an einen bestimmten Truppenteil. Der Wunsch, den Regimentern spenden zu wollen, die seit langer Zeit mit der Garnison und ihrer Umgebung vertraut sind, ist begreiflich. Die Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung solcher Absicht entgegenstellen, über­wiegen jedoch. Auch ist es wenig bekannt, daß die meisten Regimenter, sei es bei der Mobilmachung, sei es durch die Ergänzungstransporte, eine ver­hältnismäßig große Zahl von Mannschaften zuge­wiesen erhalten mußten, die aus ganz anderen, oft weit entfernten Gegenden stammen. Umgekehrt wird sich zur Zeit der größte Teil des aus einer bestimmten Gegend stammenden Ersatzes nicht bei dem im Frieden dort stehenden Regiment, sondern bei einer der vielen neuen Formationen befinden. Wenn man daher nur für die Angehörigen des aus dem Frieden bekannten Regiments Liebesgaben spenden wollte, so würde die Folge die sein, daß der größte Teil der aus dieser Gegend stammenden Mannschaften leer ausgeht. Das Generalkommando bittet daher, dahin wirken zu wollen, daß möglichst alle für das Feldheer bestimmten Liebesgaben an die Abnahmestelle frei­williger Gaben Nr. 2 des 11. Armeekorps in Cassel, Moritzstraße 29, gerichtet werden. Des Weiteren die Bevölkerung darüber aufzuklären, daß ein Bedürfnis, Liebesgaben aus der Heimat unmittelbar an die Front zu bringen, etwa durch Kraftwagen, nicht mehr be­steht, daß vielmehr die Heeresverwaltung nunmehr die Zuführung der Liebesgaben im Großen eingerichtet und verteilt hat. Einzelsendungen können daher jetzt nicht mehr darauf rechnen, durchgelassen zu werden, sie würden auch nur störend wirken.

* (Bitte an Jäger und Jagdpächter.) Jäger und Jagdpächter werden ersucht, Hasen- und andere Tierfelle der Kriegsfürsorge zuzusenden,, sur die sie von größtem Wert sind. Warme Kleidung,.nach der sich beim nahenden Winter ein immer größeres Bedürfnis herausstellt, kann aus solchen Fellen her­gestellt und unseren Truppen ins Feld gesandt werden.

):( Hersfeld, 11. November. Mit demE i s e r n e n Kreuz" ausgezeichnet wurden: Vizewachtmeister Otto Braun Feld-Art. Rgt. 47. - Dr. med. W. A u e l Res. Jnf. Rgt. 235. Gefr. Matthäus Schöne­wolf, Sohn des Dachdecker Friedrich Wahl, vom Jnf. Rgt. Nr. 83. Dr. med. Schulthe l s aus Gerstungen beim 26 Res. Armeekorps. Feldwebel Adam Bickardt aus Niederaula Jnf.-Ngt. 83. Gefreiter Hans Hofmann Bodes 1 Garderegiment, Hans v. Osterhausen Proviantamt Jnjpektor bei dem 10 Armeekorps. Amtsrichter Eckhard tn Burghaun.

):( Hersfeld, 12. Nov. Befördert zum Rittmeister Oberleutnant L u d e w i g im Drag.-Rgt. Nr. 9, zum Hauptmann Oberleutnant Brück im Inf.-Rgt. 148 beide Jnsp. Offiz. an der hiesigen Kriegschule.

8 Hersfeld, 12. November. (Kriegsfrei­willige.) Für Fernsprech-Abteilungen werden wieder eingestellt. Bevorzugt werden Berulr-- telegraphisten, Ingenieurs, Techniker, Mechanlter, Telegraphenarbeiter und einige Schuchmacher, Schneider und Sattler. Persönliche Meldungen mit selbstge­schriebenem Lebenslauf für in Berlin und Umgegend wohnende Freiwillige am Sonnabend, den 14 No­vember 3 Uhr nachmittags, für außerhalb wohnende schriftlich mit selbstgeschriebenem Lebenslauf bis 1b. November an Ersatzkompagme Telegraphen Batl. Nr. 1 Berlin S. O. 33 am Treptower Park 19.

):( Hersfeld, 12. November. Die gestern im Hotel Stern stattgefundene Hauptvereinsver lamm- ln n g d e s l a nd w i r t s ch. K r e r s v e r e r n s wurde vom stellv. Vorsitzenden He^rn Bürgermeister Groß- kurth, Unterhaun gegen 2 Uhr 30 eröffnet. Nachdem er Herrn Dr. Sprenger von der LandnnrUchaftskammer Cassel und Herrn Reg.-Asseffor v. Hedemann als Gaste begrüßt hatte, gedachte er in kurzen Worten des

kürzlich verstorbenen Amtsrat Vaupel, worauf sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Weiter bat er um die Erlaubnis dem Herrn Vorsitzenden Grüße von der Hanptvereinsversammlung übermitteln zu dürfen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde beschlossen den angesetzten Vortrag vor Punkt 1 zu setzeu. Hie­rauf wurde Herrn Dr. Sprenger zu seinem Vortrag: Maßnahmen der Landwirtschaft während des Krieges" das Wort erteilt. Der hier nicht unbekannte Redner entledigte sich seines Auftrages in bekannter Weise und betonte dabei, daß der Erfolg und Ausgang des jetzigen Krieges davon abhänge wie es unser Volk und Landwirtschaft verstände sich einzuschränken um ohne die vom Ausland sonst eingeführten Produkte aus- zukommen. Die Deutsche Landwirtschaft sei ja immer darauf hingewiesen worden im Falle eines Krieges die Ernährung unseres Volkes durchzusetzen. Der Durch­schnitt der letzten Jahre habe bewiesen, daß in Deutsch­land mehr Roggen gebaut als verbraucht wurde und somit.einen kleiner Teil noch ausgeführt werden konnte. Nicht'so günstig sei es mit Weizen; da der Verbrauch ein solchen Umfang angenommen, (daß der inländische Weizenbau nicht im Stande sei den Bedarf zu decken und 30% etwa 21/2 Million Tonnen aus dem Aus­

land bezogen werden mußten. Die Gesamtproduktion an Weizen und Roggen, sei jedoch derart, daß die Brotversorgung unseres Volkes sicher gestellt sei. An Hülsenfrüchten seien durchschnittlich 230 Doppelzentner besonders aus Rußland eingeführt worden. Die Fleischversorgung wäre bis auf einen kleinen Prozent­satz gedeckt worden. Um jedoch die Fleischversorgung decken zu können, sei man angewiesen Futterartikel aus dem Ausland zu beziehen, besonders Futtergerste sei von Rußland etwa 6 Millionen Tonnen eingeführt worden. Bei Ausbruch des Krieges seien deshalb gleich Maßnahmen getroffen, so das Ausfuhrverbot auf Vieh und Futterartikel, sowie aller Stoffe die zur Ernährung des Volkes in Frage kommen. Mit dem Ausfuhrverbot ging Hand in Hand die Aufhebung der Schutzzölle. Die ersten Wochen des Krieges galten der Einbringnng der Ernte. Hier hat die Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung einen erhebenden Erfolg gezeigt. Für die Versorgung unseresHeeres seien von den Landwirtschaftskammern Zentralstellen für Ver­mittlung des Bedarfes der Proviantämter errichtet worden. Die Anfuhr sei jedoch derart, daß die Proviant­ämter dieZentralstellen nicht anzurufeu brauchten. Hier habe sich auch der große Nutzen der Kornhanser sur die Heeresversorgung gezeigt. Die Fleischversorgung war derart, daß ein Ueberangebvt zu verzeichnen war. Die Festsetzung der Getreidehöchstpreise wäre für die Volksernährungeine Notwendigkeit. Die nachträgliche Festsetzung der Höchstpreise für Hafer habe allerdings eine unliebsame Erscheinung hervorgerufen da viel­fach schon zu höheren Preisen eingekauft gewesen sei. Das Verbot für die Berfütterung von Roggen und Weizen sei für die Brotversorgung eine Notwendig­keit gewesen. Um die Brotvorräte noch langer hinhalten ru können sei vom 1.Dezember ab gestattetdemRoggen- -brot M/a Kartoffelmehl zuzusetzen das bis auf M/. er- höbt werben können. Dem Weizenbrot soHIO"/« Roggen ^uaesetzt werden. Die Durchschnittlich gute Kartopel- ernte soll zur Volksernährung mehr Herangezogen werden. Bei Ausbruch des Krieges habe der Staat erhebliche Mittel bewilligt:um.Kartoffe rockenapparate bauen zu lassen. Durch die Auspressung des Wa,sers würde ein Stoff von unbegrenzter Haltbarkeit erzeugt. Auch die Brennereieinschränkung, die nur gegen früher 60% betragen dürfe, seien dazu erlagen, ^as anfang- Hdhe Kuckerausfuhrverbot sei dahin abgeandert, daß ein gewisser Bedarf zu/Ausfuhr freigegebeu sei.. Eine Er­leichterung sei auch in der Flelscheinfuhr riiigetreten. weitere Maßnahmen die getroffen werden muffen fei RS* ®elmö=. M- AusstMuugs-i teilweise durch den Pserdemangel noch im Ruckstand. Bei der Pferdebesorgung seidie Landwirtschastskammer bebilflick. Auch jetzt ständen noch tragende olden- buraische Stuten, die durch brauchbare Militarpferde umaetauscht würden. Dieser Umtausch läge sowohl im Interesse des Heeres wie in der Landwirtschaft und könrw dieser jeden Mittwoch vorm. 11 Uhr in der Artillerie-Kaserne in Cassel erfolgen. Die gute Produktion von Hänge natürlich von einer auten Dünauna ab. Die vom Ausland bezogenen unb AuraeÄ vorhandenen Düngermittel könnten wobt burdi einheimische ersetzt werden, da Tomas- Lckacke Kali und Kalk reichlich vorhanden sei. Der Ankauf der Düngmittel sei jetzt sehr zu empfehlen, da die Preise wesentlich steigen wurden. Die Fütter­ung und Haltung der Viehbestände. Um den an= scheinend zu weit gehenden Verkauf von unreifen Vieh vorzubeugen sei das Schlachtverbot gekommen, daß Kälber unter IM Pfb und weibl. Rindvieh unter 7 Jahren nicht geschlachtet werden dürfen. Zur FüUerung käme uns die sehr gute Qualität in Heu Krümmet und Stroh zu Gute. Für die zu taufende Kleie sei ein Höchstpreis für den Müller auf 13 Mk. festgesetzt Hierzu noch die nicht zu teuer

stehenden Sesam- und Rübsamkuchen. Reismehl und Mais seien zu teuer. Dagegen müsse mehr Melasse Verwendung finden. Die Melasse könne flitssig be­zogen und durch Zugabe von guten Häcksel; Weizen­spreu und bergt selbst zur Fütterung zubereitet werden. Wenn die Gesamtfütterung etwas weniger intensiv erfolge, so könne man mit dem vorhandenen Futter gut durchkorumen. Keineufalls dürfe mit der Viehzüchtung nachgelassen werden. Die zurzeit billigen Viehpreise sei ein gutes Zeichen dafür, daß noch viel Vieh vorhanden sei. Die Schweiuepreise würden wieder steigen, weshalb mit der Schweinefütterung nicht nachgelassen werden dürfe. Mit der Griin- und Hackfruchtfütterung könne bie (Schweinefütterung auch ohne die russ. Gerste gut auskommen. Der stellv. Vors. dankte dem Redner für seine gut verständlichen Ausführungen und stellte den Vortrag zur Diskussion. Herr Franz Noll brächte die Eichelfütterung in Er­wähnung, worauf Herr Dr. Sprenger erwiderte, daß er dieses vergessen habe. Das Ministerium habe an­geordnet, daß die Erlaubnis zum Einsammeln der Eicheln in reichen Maße gegeben werden sollte, desgl. auch die Erlaubnis zum mögl. langen Weidengang des Viehes. Nachdem einige Herren sich für und gegen das Schlachtverbot ausgesprochen hatten und Herr Licht, Oberlengsfeld, dagegen Verwahrung ein- legte, daß in Zeitungen die Meinung zum Ausdruck komme als treiben die Landwirte Getreide- und Kartoffelwucher,- auch ferner der Wunsch geäußert wurde, daß auch für Futter- und Düngmittel Höchst­preise festgesetzt werden möchten, erklärte Herr Dr. Sprenger, daß er den Eindruck gewonnen habe, daß die Einrichtung des Schlachtverbots eine gute sei. Wenn es dadurch vorkomme, daß Kälber in die gute Stube gestellt werden müßten, sei dies ein gutes Zeichen über den vorhandenen Viehbestand und England könne dann noch lange warten, daß Deutsch­land in Nahrungssorge gerate. Wenn in einigen Wirtschaften sich tatsächlich wirtschaftliche Schädigung zeigte, dann könne durch den Bürgermeister die Be­scheinigung zur Schlachtung erlangt werden. Im übrigen stehe and) er auf dem Standpunkt, daß das Verlangen auf Festsetzung von Höchstpreisen für Futter- und Düngmittel berechtigt sei. Auf Vorschlag des stellv. Vorsitzenden wurde beschlossen die Land­wirtschaftskammer zu ersuchen für die Festsetzung der fragt Höchstpreise einzutreten. Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurde an Stelle des verstorbenen Peter Steinweg Herr Start Bürger als Revisor ge­wählt. Weiter wurden mehrere neue Mitglieder aus verschiedenen Ortschaften ausgenommen. Einigen er­forderlichen Nachbewilligungen wurden zugestimmt. Die Feldprämiierung soll für das kommende Jahr im Amtsgerichtsbezirk Hersfeld vorgenommen und müssen die Anträge dazu rechtzeitig bei dem Vorstand angemeldet werden. Da weiteres nicht vorlag, wurde die Versammlung gegen 5 Uhr geschlossen.

-n- Asbach, 12. November. Der hiesige Gesang­verein beschloß in seiner letzten Generalversammlung 20 seiner im Feld stehenden Mitglieder mit je einem Anteil bei der Kriegssterbekasse zu versichern." Auch hat derselbe schon 50 Mk. dem Roten Kreuz über- wiesen.

Cassel, 9. November. Der Dachdeckermeister H. rutschte an einem Neubau im Stadtteil Nothenditmold aus und stürzte aus der vierten Etage in die Tiefe. Bei dem Sturz erlitt er einen schweren Schädelbruch und innere Verletzungen. Er starb auf dem Wege zum Landkrankenhaus.

Cassel, 10. November. Mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: Major Eduard Hupfeld im 151. Jnf.-Regt. (Sensburg i. Ostpr.), Sohn des ver­storbenen Casseler Ehrenbürgers und langjährigen Stadtverordnetenvorstehers Geh. Iustizrat Hupfeld, schwer verwundet am 23 August bet Orlau.

Frankfurt, 10. November. (Ein kleines Mißver­ständnis.) Als in Camenz während der Truppen- durchfahrten ein Landsturm-Bataillon auf dem Bahn­steig hielt, befand sich unter den Damen der Ver- pflegungsstation des Bahnhofs auch die Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen aus Schloß Camenz. Durch kein Abzeichen kenntlich, verteilte sie, mitten unter den Landsturmleuten stehend, Liebesgaben. Im Vollgefühl echt deutscher Dankbarkeit klopfte ihr ein Krieger, ohne sie zu kennen, treuherzig auf die Schulter mit den gutgemeinten Worten:Fräulein, wenn wir wiederkommen, heiraten wir."

Bei der Äreiskommnnalkasse hier sind für Zwecke des Roten Kreuzes ferner eingegangen:

am 8. 9. 14. v. b. Kriegerverein in Kathus 20 M. 4. 10. 14. der Gemeinde Unterneurobe 35

11. 11. 14. Ungenannt .... 50

Hierzu der frühere Bestand mit 3162 M. Summa im Ganzen 3257 Allen Gebern herzlichen Dank.