Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Wider Sreisdlott
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" §ernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 266» Donnerstag, den 12* November 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bus der Heimat.
* (UnsereKriegsfreiwilligen.) Es sind, leider auch in Deutschland, ungünstige Nachrichten über den militärischen Geist unserer Kriegsfreiwilligen verbreitet worden. In Anlehnung an französischenglische Ausstreuungen von der geringeren Leistungsfähigkeit der Ersatzmannschaften gegenüber der Elite, welche die glänzenden Waffentaten der ersten Kriegswochen vollbrachten, ist behauptet worden, daß unsere vor Erlangung ihrer vollen männlichen Reife in den Krieg gezogene Jugend, enttäuscht durch dessen ihre Erwartungen übertreffenden Ansprüche an körperliche und geistige Wetterfestigkeit, ihre freiwillig übernommenen Pflichten bereits nicht mehr mit jener Begeisterung erfülle, deren Zeugen wir bet ihrem Auszuge waren. Gegen solche höchst nachteiligen Schwätze- reien wenden sich amtliche Auslassungen; insbesondere tritt das stellvertretende Generalkommando des 7. Armeekorps mit kräftigen Worten für die militärische Ehre der Braven ein, denen ihr freiwilliges Eintreten für das Vaterland doch in keinem Augenblicke vergessen werden sollte. Aber auch für ihre Leistungen im Felde bezeugt jene Erklärung ihnen ihr „wackeres, teilweise geradezu heldenhaftes Verhalten". Erkundigungen haben ergeben, daß auch durchschnittlich die Leistungen der Freiwilligen genau jenes Maß erreichen, das ihre kürzere Ausbildungszeit erwarten ließ. Mängel, wie sie von einer solchen „Notreife" untrennbar sind, werden unter der eisernen Zuchtrute ernster Kriegserlebnisse und in dem kameradschaftlichen Zusammenarbeiten mit den länger gedienten Kriegsteilnehmern schon gegenwärtig von Tag zu Tag in höherem Grade behoben.
* (Zwangsverwaltung in Kriegszeit.) Eine allgemeine Verfügung des preußischen Justizministers, vom 3. November, betrifft die Bestellung von Zwangsverwaltern und lautet: In der gegenwärtigen Zeit hat wegen der rechtlichen und wirtschaftlichen Hindernisse, die der Zwangsversteigerung eines Grundstückes in vielen Fällen entgegenstehen, die Zwangsverwaltung erhöhte Bedeutung gewonnen. Infolgedessen ist es besonders wichtig, auf eine zweckmäßige Gestaltung des Zwangsverwaltungsverfahrens Bedacht zu nehmen. Insbesondere ist es für alle Beteiligten von großem Werte, daß die Zwangsverwaltungskosten nach Möglichkeit herabgemindert werden. Zur Erreichung dieses Zieles wollen auch die Hypothekenbanken beitragen, indem sie bei den auf ihren Antrag eingeleiteten Zwangsverwaltungen einen ihrer unter der Aufsicht der Bank bleibenden Beamten als Zwangsverwalter unter Verzicht auf me Gewährung einer Vergütung zur Verfügung stellen. Den Amtsgerichten wird empfohlen, bei der Auswahl von Zwangsverwaltern auch vorstehende Gesichtspunkte in Erwägung zu ziehen.
*sWethnachtpakete für unsere Truppen. -Die P a k e t n o t.) Wie bekannt wird, ist die Feldpostpaketwoche vom 19. bis 26. Oktober einge- ^schtet worden, um einen Anhalt zu gewinnen für die Bewältigung des Weihnachtspaketverkehrs, der zu erwarten ist. Es sind in der Woche über zwei Millionen Pakete angenommen worden, zu deren Beförderung 500 Eisenbahnwagen nötig waren. Es soll nun auch die rechtzeitige Zuleitung der Weih- Uachtspakete sichergestellt werden. Jeder Soldat soll am Weihnachtsabend in den Besitz der Gaben seiner Angehörigen kommen. Der Termin der Auflieferung, der früh gewählt werden soll, wird noch bekannt gegeben werden. Die Pakete sollen als Weihnachtspakete äußerlich kenntlich gemacht sein. Während die Feldpostpakete bisher nur Bekleidungs- und Au^ rustungsstücke enthalten sollten, dürften natürlich den Weihnachtspaketen auch andere Gaben bergesugt werden, doch ist dabei zu beachten, daß die Pakete längere Zeit unterwegs sein, und daß daher leicht verderbliche Eßwaren zu vermeiden sein werden, um zu vermeiden, daß etwaige weiche Gegenstände zerdrückt werden, empfiehlt es sich, zur Versendung grundsätzlich kleine feste Kisten sowie zur Verpackung Holzwolle oder ähnliche Packstoffe zu verwenden. , ^nurß dringend davor gewarnt werden, Glasflaschen wit Flüssigkeiten in Pappkartons zu versenden; Die
"hr, daß derartig verpackte Flaschen zerbrechen, groß. Der Inhalt einer zerbrochenen Flasche kann aber nicht nur das eigene Paket beschädigen, Ludern auch fremde. Es ist zu beachten, daß die Urschriften genau inne gehalten werden sollen. Die «tadt Berlin hat 100 000 Mk. für Liebesgaben l rr bte Garderegimenter zum Weihnachtsfest bereits ^wendet und 25 000 Mk. zu Händen des Nationalen Frauendienstes zur Unterstützung für Liebesgaben-
pakete an die Wehrmänner, deren Frauen Kriegsunterstützung beziehen. — Es ist zu erwarten, daß die Städte sich im allgemeinen an dieser Liebestätigkeit beteiligen.
):( Hersfeld, 11. November. Auszug aus dem „Hanuöverscheu Kurier" vom 4. November 1914. Deutsche Militärdienst- und Lebens- versicherungs-Anstalt a. G. in Hannover. Vom 15. Oktober bis einschl. 4. d. M. gelangten an ins Heer eingestellte Versicherte bezw. deren Angehörige M. 5.869.000. — zur Auszahlung, d. t. täglich eine Summe vonJund.M. 300.000. —. Die Auszahlungen erreichten ihren Höhepunkt am 26. Oktober. An diesem Tage wurden 709 Posten mit M. 441.000. — erledigt. Damit stieg die Summe der seit Kriegsausbruch gezahlten Versicherungskapitalien auf rund 15Millionen Mark. Nachdem inzwischen die durch die Mobil- machungveralaßten starken Auszahlungsanmeldungen ihre Erledigung gefunden haben, werden die jetzt noch nachträglich zur Anmeldung kommenden Auszahlungen prompt nach Eingang der bedingungsgemäß erforderlichen Unterlagen reguliert. (Generalvertreter für einen Teil des Reg.-Bez.-Cassel, Heinrich Zickendraht, Hersfeld, Gerwigstraße Nr. 18.
):( Hersfeld, 11. November. Von jetzt ab gelten neue Einzahlungskurse Po st an Weisungen- nach Niederland 100 Gulden = 188 Mk. Nach Vereinigten Staaten von Amerika 100 Dollar = 458 Mk.
§ Schenklengsfeld, 11. Nov. Mit dem „Eisernen Kreuz" ausgezeichnet wurde der Unteroffizier d. R. H a n s i u s.
8 Widdershausen, 11. Nov. Mit dem „Eisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden vom Res. Ins. Rgt. 71 10 Comp. Offizier-Stellv. Otto Schenk, Konrad Hartmann Schäfer und von Res.-Pionier-Rgt. 11 Frw. Konrad Ruch.
Efchwege, 9. November. Lehrer Aulepp an der hiesigen Bürger-Mädchenschule ist zum Lehrer an der neuen Militärvorbereitungs-Anstalt in Jena ernannt worden. Herr Aulepp, der als Unteroffizier ^des Landsturms bei der Bewachung der Gefangenen in Niederzwehren bis jetzt tätig war, hat die neue Stelle heute angetreten.
Ziegenhai«, 9. November. In der heutigen Ersatzwahl wurde der Maurermeister Dietzel in der 2. Klasse als Stadtverordneter gewählt.
Marburg, 8. November. Der Reservist Karl Matthäus Schneider der 1. Kompagnie des aktiven Kurheff. Jäger-Bataillons Nr. 11 aus Marburg wurde am 3. September bei Mourmelon le Petit verwundet. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib waren bisher erfolglos. Wenn Kameraden, die an jenem Tag im Gefecht mit ihm standen, etwas berichten können, werden sie dringend gebeten, sich an den Vater, Kaufmann Friedrich Schneider in Schweinfurt a. M., wenden zu wollen. (Um Nachdruck wird gebeten.)
Mellrichstadt (Rhön), 9. November. In Mittelstreu brach in der Scheune des Philipp Steller Feuer aus, dem zwei mit Ernteerträgen gefüllte Scheunen zum Opfer fielen. Das Feuer soll durch Unvorsichtigkeit entstanden sein.
Frankfurt a. M., 9. November. Die Herzogin von Braunschweig ist Sonnabend vormittag von ' ' nkfurt a. M. einge- n Friedrich Wilhelm en Klinik einen Be- ltlich in den Kämpfen und mußte sich einer Uhr 10 Minuten ist rg zum Besuch des
Prinzen^Oskar weitergereist.
Darmstadt, 9. November. Was die Kriegsgefangenen verzehren, kann man aus.einer Anzeige der Küchenverwaltung des Krtegsgesangeuenlagers Darmstadt entnehmen, das Angebote auf Kartoffeln verlangt für einen Tagesbedarf von 140 Zentner.
Braunschweig kommend in Fra troffen und stattete dem Prinze von Hessen in der Dr. Lampeschi such ab. Der Prinz wurde bekanr in Nordfrankreich schwer verletzt Operation unterziehen. Um 10 hip Äeraoatn nach Bad Hombu
Ae Schwierigkkileii Her UdpOchllW.
Die Klagen über langsame oder unzuverlässige Zustellung der Feldpostsendungen mögen mehr oder minder berechtigt sein, jedenfalls aber unterschätzt man im allgemeinen ganz gewaltig die unerhörten Schwierigkeiten, mit denen die Feldpost zu kampfen hat. Mit Dank ist deshalb auch eine neue Auslastung von amtlicher Stelle zu begrüßen, die hier wiederum über wesentliche Punkte Aufklärung jchafft.
Hinsichtlich der von der Heimat nach dem Feldheer gehenden Feldpostsendungen ist dem Publikum bekannt, daß sie bei den heimischen Postsammelstellen für die einzelnen Feldpostanstalten versandfertig gemacht und von dort täglich nach dem Felde abgeschickt werden. In ähnlicher Weise ist eine Reihe großer Postanstalten
(Postverteilungsstellen), die sich nahe der Grenze auf deutschem Boden auf den Etappenstraßen befinden, mit der Bearbeitnng der bei den Feldpostanstalten anfgelieferten Sendungen betraut. Die Feldpostan- stalten senden diese Briefe mit der größten Be- schleunignng, wenn nötig sogar unabgestempelt, an die Postverteilungsstellen. Hier werden sie so bearbeitet, baß sie ohne weiteren Aufenthalt über die Bahnposten den Bestimmungspostanstalten zugehen.
Daß die Feldpostanstalten sich mit diesen Sendungen nicht weiter befassen, erklärt sich daraus, daß sie als mobile Formationen meist nicht vvranssehen können, wann sich die Gelegenheit zn einer Absenbuna bietet, und deshalb von jeder Gelegenheit möglichst ausgiebigen Gebrauch machen müssen. Auch können die Feldpostanstalten die aufgelieferten Sendungen, bei denen es sich um große Mengen handelt, wegen ihres aus militärischen Rücksichten nur beschränkten Parks an Fahrzeugen nicht anf dem Marsche mit sich führen. Da ihnen ferner die an die Etappenstraßen anschließenden heimischen Rückverbindungen, die ja in Kriegszeiten oft wechseln, nicht bekannt sein können, muß anderwärts, nämlich bei den Postvertetlungs- stellen, für eine die rascheste Verbindung mit den Bahnposten sichernde Gelegenheit gesorgt werden.
Das Sortiergeschäft bei den Postverteilungsstellen ist außerordenlich schmierig, da das Sortierpersonal auf das genaueste mit der postalischen Geographie von ganz Deutschland und zum Teil auch des Auslandes vertraut sein muß. Dazu kommt die auf vielen Feldpostsendungen, namentlich Postkarten, vorhandene schlechte Schrift, hervorgerufen durch die besonderen Umstände, unter denen die Sendungen von den Truppen vielfach geschrieben worden sind (mit Bleistift, ohne Unterlage). - Die Schwierigkeit der Geschäfte dieser Postverteilungsstellen wird noch erhöht durch den außerordentlichen Umfang der vom Felde täglich eingehenden Korrespondenz und die notwendige Schnelligkeit der Abwickelung. Dauernd sind deshalb Personalverstärkungen bei den Postverteilungsstellen erforderlich. Hierfür kommen nur bewährte Sortierbeamte in Frage. Sie werden aus ganz Deutschland herangezogen und müssen an ihren seitherigen Amtsorten durch junges Aushilfspersonal ersetzt werden.
Den Postverteilungsstellen werden von den Feld- postanstalten auch alle von den Truppenteilen zurückgegebenen unanbringlichen Feldpostsendungen an Gefallene, Verwundete und Vermißte zugeführt. Wenn diese Sendungen den Absendern in der Heimat oft erst nach Wochen zugehen, so erleiden sie diesen Aufschub nicht etwa bei der Feldpost oder bei der Reichspost, sondern dadurch, daß der Truppenteil, wie für die Aufstellung der Verlustlisten, entsprechende Zeit braucht, bis nach einem Gefecht der Verbleib der Briefempfänger feststeht und nunmehr mit Zuverlässigkeit die Vermerke „Gefallen", „Vermißt" usw. militärischerseits auf den Feldpostsendungen nieder- geschrieben werden können. Es ist also auch nicht etwa die Feldpostanstalt, die diese Angaben aus den Rück- briefen macht.
Auch des „Eisernen Kreuzer" wert!
Unverhofft kam er wieder aus Sturm und Drang, Und hell seine jauchzende Stimme klang! „Bin wieder da, du all meine Lust! — Das Eiserne Kreuz an der treuen Brust! — Verwundet zwar — doch am Leben noch!
Und du bist so schweigsam — so jub'le doch!" „Ich kann nicht Jubeln, es war zu viel Zu grausam war das furchtbare Spiel! — Eine Nachricht kam, du wärest tot!
Ich klagte nur Gottt allein meine Not!"
„Und unsere Kinder?" — „Sie wußten es nicht, Ich zeigte allen ein frohes Gesicht!
Sie lachten nnd sprangen — hat keines gesehn, Wie mein zuckendes Herz wollte stillestehn!" „Und trugst du es lange ?" — „Nur wenig Wochen, Doch wäre mein Dasein zusammengebrochen Hoffte ich nicht und flehte allein:
Er kann — er darf nicht gefallen sein!
Mein Gebet ist erhört — und du bist da!
Weiß Gott alleine, wie es geschah!
Denn kein „Warum" kennt sein heiliger Wille — Nun macht mich die tiefe Freude so stille! — Deine liebe Hand — o, gib sie her — Fühlst du? Da ist fast kein Leben mehr!
Da riß er sie an sich in wehester Lust!
In Andacht nahm er das Kreuz von der Brust. „Nicht ich" sprach er leise, „du trag' es allein! Was ist mein Stampf gegen all deine Pein!
Du herrliches Weib, trage du es allzeit
Für deine unsagbare Tapferkeit!
Nicht mir alleine sei es beschert:
Auch du bist des „Eisernen Kreuzes" wert!"
Alfred Kase-Letpzig.