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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * . zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5^151^10^1

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

-ver Anzecgmprers oeiragr sur ote emipainge ^ene lu -pfennig, im ; amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- '

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 365.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

BaterlSndilche Pflicht eines jeden Deutschen ist es, auf der Reichsbank, der Post oder den Sparkassen aller Gold einruliesern.

Bus der Heimat.

* (Martini.) Der 10. Nov., der St. Marttns- tag, erfreut sich seit Jahrhunderten einer besonderen Beachtung namentlich auf dem flachen Lande. Die katholische Kirche feiert den Martinstag zur Erinne­rung an den Hl. Martin von Tours, der noch heute der Schutzpatron Frankreichs, wie auch der deutschen Städte Mainz und Würzburg ist. Nach der Ueber­lieferung wurde er im Jahre 316 auf dem Martins­berge in Ungarn geboren, kam über Italien nach Gallien, dem heutigen Frankreich, und gründete dort um das Jahr 370 in Poitiers das erste christliche Kloster. 371 wurde er zum Bischof von Tours gewählt, wo er im Jahre 400 starb. In wieweit der Begriff der Martinsgans und des Martinstrunkes, den unsere Landbevölkerung noch heute kennt, mit dem Hl. Martin in Verbindung zu bringen sind, entzieht sich der "Forschung. Unsere Gelehrten neigen der Annahme zu, daß in damaliger Zeit, wie bei vielen anderen christlichen Gedenktagen, auch beim Martinstage das Bestreben verfolgt worden sei, altheidnische Gebräuche unmerklich zu christlichen Feiern überzuleiten. Um die ersten Novembertage fiel damals auch das heid­nische Herbstdankfest, und es ist nicht ausgeschlossen, daß bei diesem ein Gänse- und Weinopfer dargebracht wurde, das man später dann eine Zeitlang bei der christlichen Gedenkfeier bestehen ließ und das sich da­durch einbürgern konnte. Nach einer alten Sage soll zwar das WortMartinsgans" daher stammen, daß der Hl. Martin bei seiner Wahl zum Bischof von Tours sich aus Furcht vor der Schwere dieses Amtes und um ihm zu entgehen, in einem Gänsestall ver­borgen hielt, durch das Geschrei und Geschnatter der Gänse jedoch verraten wurde. Diese Erzählung gehört jedoch, wie viele andere, vermutlich in den Bereich der Fabel. Dagegen wird allen Lesern noch aus der Schulzeit her eine andere Sage vom Hl. Martin be­kannt geblieben sein, wie er nämlich am Stadttore von Amiens einem frierenden Soldaten die Halste seines Mantels reichte, da er weiter nichts besaß.

* (Die Not im Zeitungsgewerbe.) Laut Nachtrag zur amtlichen Postzeitungsliste vom 8. Okt. haben 593 Zeitungen und Zeitschriften wahend des Krieges ihr Erscheinen eingestellt. Darunter befinden sich 40 Tageszeitungen.

* (Schont die Säcke!) Von allen Seiten ist darauf hingewiesen worden, daß Säcke infolge des Mangels an Rohmaterial und des großen Verbrauchs für Heereszwecke außerordentlich teuer geworden sind, und daß man infolgedessen mit den gebranchten Sacken sehr sparsam umgehen muß. Die Thomasphosphat­fabriken kaufen schon jetzt jeden Posten einmal ge­brauchter, lochfreier, gut erhaltener Thomasmehlsacke in Größe von mindestens 50 mal 90 cm zu 25 PlS- und von 44 mal 90 cm zu 20 Pfg. bei frachtfreier Einsendung. Bei Berechnung der Fracht wird aus sämtlichen deutschen Eisenbahnen für leere Sacke nur die Hälfte des Gewichts, mindestens jedoch 20 k? tn Anrechnung gebracht. Auch die Superphosphatfabriken sind bereit, einmal gebrauchte, aber sonst noch heile Säcke zu einem entsprechenden Preise zuruckzunehmen. Es ist bereits betont worden, daß es erforderlich ist, Superphosphat oder Ammoniaksuperphosphat lose auf einen Spitzhaufen geschüttet, aufzubewahren, weil die Säcke sonst von der Säure zerfressen werden. Dabei schont man gleichzeitig die Säcke, die gut^aus- zuklopfen und in schwachem Sodawasser zu spulen sind. Auch in solchen Säcken ist die Landwirtschafts­kammer zur Vermittlung des Verkaufs bereit.

*(Der militärische Rang derZivil- a r z t e.) Durch Bestimmung des Kriegsministeriums haben die in keinem militärischen Verhältnis stehenden, aber vertraglich verpflichteten Zivilärzte wahrend der Dauer des Vertragsverhältnisses allgemein den militärischen Rang als Sanitätsoffiziere.

m § Hersfeld, 10. November. (Eine Einpfund- Paket-Woche.) Amtlich wird mitgeteilt: Vom 15. bis einschließlich 21. November werden wieder Feld­postbriefe nach dem Feldheere im Gewicht von 250, bis 500 Gramm zngelafsen.

Mittwoch, den 11. November

):( Hersfeld, 10. Nov. Wir machen Interessenten darauf aufmerksam, daß der Verbrauch an Reifen für Kraftfahrzeuge im Felde sehr groß ist und daß es deshalb unbedingt geboten ist, den Reifenverbrauch im Heimatgebiete in jeder Weise einzuschränkeu.

-n- Mengshausen, 8. November. Am vorigen Donnerstag abend fand dahier im Gottesdienst eine Gedenkfeier statt zum Gedächtnis des Hornisten Valentin Becker, der in Rußland den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Zuerst hat er mutig in Belgien gekämpft, sodann tapfer in Ostpreußen. Er war ein unverzagter, pflichttreuer Soldat, für den dasEiserne Kreuz" bereits beantragt worden war. In der Fülle der Jugendkraft ist er voll Begeisterung in den Tod gegangen. Für die Familie des Zimmer­meisters Adam Becker, ist das ein schwerer Schlag, zumal auch der andere einzige Bruder zur Marine eingezogen ist. Möge der wackere Kämpfer in fremder Erde sanft und in Frieden ruhen.

Caffel, 8. November. (Zum Heldentod des Prinzen Wolrad zu Waldeck und Pyrmont.) Ueber die näheren Umstände des Heldentodes Sr. Durchlaucht des Prinzen Wolrad zu Waldeck und Pyrmont ist aus einem Feldpostbriefe eines Mitkämpfers, Kameraden und Augenzeugen noch das folgende Nähere mitzu- teilen: Prinz Wolrad ist als Führer der Spitze einer Aufklärungs-Eskadron nördöstlich von Lille gefallen und zwar gerade in dem Moment, als er im Begriffe war, einen Kameraden, einen schwer verwundeten Dragoner des 1. Großherzogl. Hess. Dragoner-Regts. Nr. 23, auf sein Pferd zu heben. Eine feindliche Kugel traf ihn in den Kopf, und er sank lautlos zu Boden. In einem kleinen französischen Dorfe wurde eine ergreifende Leichenfeier für den Prinzen abge­halten. Die Leiche wurde auf dem Hofe eines Bauern­gutes aufgebahrt und mit Blumen über und über bedeckt. Das Offizierkorps des Regiments, zum Lei! aus weiter Entfernung aus den Quartieren herbei­geeilt, mit den Mannschaften der Eskadron umstand die Leichenbahre. Der Divisionspfarrer hielt eine ergreifende Gedächtnisrede, die viele zu Tränen rührte. Die Mannschaften der Eskadron präsentierten und jeder einzelne Husar trat unter dem Geläute der Kirchenglocken des nächsten Dorfes heran, um dem gefallenen Heldenprinzen ein letztes Lebewohl zu sagen. Mit Gebet und Segen endete die erhebende Trauerfeier.

Caffel, 8. November. Das Eiserne Kreuz erster Klasse wurde dem Fliegerleutnant Caspar von hier verliehen, der mit seinem Begleitoffizier Roos in voriger Woche, wie gemeldet, nach Dover geflogen war und dort mehrere Bomben abgeworfen hatte.

Hann. Münden, 8. November. Oberforstmeister und Akademtedtrektor Fricke, der als Hauptmann der Landwehr am Kriege teilnahm, ist bei den Kämpfen um Antwerpen fürs Vaterland gefallen. Sein Tod erweckt hier allgemeine Teilnahme.

Kirchhain, 8. Nov. In letzter Woche brach wieder im nahen Langenstein ein größerer Brand aus. Es brannte wieder in demselben Gehöft (Klingelhöfer) wie vor ewa acht Tagen. Eine große mit Stroh an- aesüllte Scheune wurde ein Raub der Flammen. Man vermutet, daß ein sich in hiesiger Gegend herum­treibendes Individuum, das hier festgenommen wurde der Brandstifter ist.

Nenerode, 9.

Sonnabend in der 1 Treibjagd wurde durch

Nov. Bei einer am vergangenen hiesigen Gemarkung stattgefundenen ,vutvv durch einen Treiber die Leiche einer unbekannten männlichen Person in einem feit längerer aeit nicht mehr im Betriebe befindlichen Sandstem- brucke in der Nähe des Dietrichgrabenwegs aufge­funden. Die von Herrn Bürgermeister Krause-Neuerode und Herrn Gendarmeriewachtmeister Pendler Greben- dorf an Ort und Stelle vorgenommenen Feststellungen ergaben hast es sich um eine männliche Person im Sittem etwa 20%«n tau Seit. Die Leiche war bereits stark in Verwesung ubergegangen, der Kopf und andere Körperteile vollstängig fleischlos. Jugend- weich^Papiere^ die über die Person des Toten AuS, kunft hätten geben können wurden nicht vorgefunden, dabinaeaen ein Geldbentel mit 7,50 Mark Inhalt, e?ne silberne Taschenuhr und ein noch gut erhaltener Reaenschirm Die Leiche war uur mit Hose und Hemd

«w bilmackunaszeit Selbstmord begangen hat. Die Leiche wurde heute nachmittag in aller Stille auf dem Stengen Friedhofe beerdigt. .

«ardbanlen 9 November. Der 15ja6rige Kupser- ^n^delebrttna Franz Hackethal, beschäftigt bei der ^tmna Gebr. Dietzel, wurde in der Rohrwerkstatt am

1914

Boden im Blute liegend aufgefunden und starb bald darauf, vermutlich war er auf einen in der Werkstatt stehenden Holzblock gestiegen, mit diesem abgestürzt und mit dem Kopse auf einen stumpfen Gegenstand aufge- schlagen, wobei er sich mehrere Wunden an der linken Stirnseite und einen Schädelbruch zuzog.

Heiligenstadt, 8. November. Die Kaiserin hat der Generaloberin der Genossenschaft der Schwestern der christlichen Schulen von der Barmherzigkeit, Ordens­schwester Aloysia Hartmann in Heiligenstadt, aus An­laß des am 16. September stattgefundenen 50jährigen Jubiläums ihrer Zugehörigkeit zur Genossenschaft ein Kruzifix mit Widmung verliehen.

Fulda, 7. November. In hiesiger Stadt warben 3 Engländer durch die Kriminalpolizei verhaftet und nach Gießen in das Gefangenenlager überführt. Die Ausländer hatten sich bei Bekannten hier zu Besuch aufgehalten.

Bad Homburg v. d. H., 6. November. Die Herzogin Viktoria Luise von Braunschweig ist heute vormittag zu einem kurzen Besuch bet dem Prinzenpaar Oskar von Preußen hier eingetroffen und hat im Kgl. Schlosse Wohnung genommen. Die Kaiserin traf abends von Metz kommend hier ein und fuhr nach Besuch des Prinzenpaares Oskar und der Herzogin von Braunschweig um 8 Uhr nach Berlin weiter.

Spurt mit dem Brot.

Der Minister für Handel und Gewerbe nnb der Minister des Innern haben an die Oberpräsidenten einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt:

Wie wenig bisher die unter den heutigen Verhält­nissen selbstverständliche Pflicht, mit dem täglichen Brot hauszuhalten und nicht zu vergeuden, die ganze Lebens­führung unseres Volkes beetuflußt hat, zeigt die Tat­sache, daß an vielen Orten, namentlich Nvrdddeutsch- lands, auch heute noch in Gast- nnd Speisewirtschaften jeder Art den Gästen Brot und anderes Gebäck zum beliebigen Genuß zur Verfügung gestellt wird. Der Brotverbrauch der Gäste wird zwar in den Preisen der Speisen und Getränke mitbezahlt. Diese Ge­pflogenheit ist aber geeignet, den verschwenderischen und gedankenlosen Verbrauch des Brotes zu fördern. Wird für das genossene Brot besondere Bezahlung verlangt, so wird ein solcher überflüssiger Verbrauch des Brotes alsbald eingeschränkt werden. Dies mag in der Menge wenig ausmachen. Es handelt sich aber jetzt darum, das Gebot, eine verständige Sparsamkeit mit dem Brote walten zn lassen, täglich möglichst weiten Kreisen der Bevölkerung in Erinnerung zn bringen. Dazu wird auch dieses Mittel beitragen."

Selbstverständlich wäre es grundfalsch, auf Grund dieses Erlasses etwa die Befürchtung zu hegen, daß in Deutschland ein Mangel an Brot zu erwarten sei. Die Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide ist ebenso wie mit Fleischnahrung dank den zweckdienlichen Maßnahmen und Vorkehrungen derRegierung durchaus gesichert, aber es ist klar, daß dieser günstige Umstand noch lange nicht zu sinnloser Verschwendung verleiten darf. Je haushälterischer wir mit unsern wirtschaft­lichen Gütern, vor allem den Nahrungsmitteln, um­gehen, desto besser und kraftvoller werden wir die Schwere der Kriegszeit überwinden.

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für dar Rote Kreuz, Sektion Hersjeld

von Schlachthofverwaltung Hersfeld, Er­

lös aus Goldschlägerhäutchen . M. 16. Herrn Forstmeister Mantels hier,Er­

lös aus einem gestifteten Rehbock ig.

Bestand 22.023.57

22.058.57 davon verausgabt , 880.50

heutiger Bestand M. 22.Wi9.07

Für die Krieger im Felde:

von Vergütung vom Roten Kreuz für Tabak..........M. 100. Besta n d__ 3.617.16 heutiger Bestand M. 3.717.10

Für die notleidenden Ostpreußen von Schulkindern zu Asbach.....M. 3.28 Bestaud 345.60

heutiger Bestand M. 348.94