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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger n^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * .

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei BftSlnöW

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

ä » r. 11 Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im?

HlvuOlOll amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. I

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschluh Nr. 8

Nr. 264. Dienstag, den 10. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Sternschnuppen.) Der Sternschnuppen- schwarm der Leoniden ist, wie alljährlich, in den Nächten vom 10. bis 14. November zu erwarten. Namentlich am 12. November, dem Tage seiner größten Erdennähe, dürften besonders zahlreiche Stern- schnuppenfälle zu beobachten sein. Es handelt sich bei dieser Naturerscheinung um die Reste eines durch Naturgewalten zertrümmerten Kometen, welche noch heute die ehemalige Kometenbahn einhalten und in­folgedessen alljährlich einmal die Erdbahn kreuzen. Hierbei geraten die kleinsten Teilchen des Schwarmes, etwa faust- bis kopfgroße Stücke, durch die Anziehungs­kraft der Erde in deren Luftbereich, werden durch die ungeheure Reibung glühend und fallen so als leuchtende Sternschnuppen zur Erde nieder. Der weitaus größte Teil, namentlich alle größeren Stücke, durchschneiden jedoch, gleichfalls unter Glühendwerden, nur die obersten Luftschichten und sausen durch das Weltall weiter. In den auf die Erde herabgelangten Stücken, die man dannMeteorsteine" nennt, und die oft tagelang nachher noch glühendheiß sind, findet man vorwiegend Eisen und einige andere Metalle.

»(Umtausch von Gold gegen Papier­geld durch die Po st an st alten.) Die Gold­münzen gehören in den Schatz der Reichsbank! Das beherzige jeder, der Goldmünzen im Besitze hat! Die Postanstalten tauschen Gold gegen Papiergeld um und führen alle Goldmünzen der Reichsbank zu. Dies ist trotz eines Aushanges in den Schaltervor- räumen noch immer nicht hinreichend bekannt. Es wird deshalb erneut darauf hingewiesen, daß die Postanstalten für jedermann eine bequeme Gelegen­heit zum Umtausch der Goldmünzen bieten.

* (Eine ernste Warnung.) In letzter Zeit finden sich in chemischen Zeitschriften Anzeigen, in denen deutsche Chemiker und Techniker für das Aus­land gesucht werden, um in Fabriken zur Herstellung von näher bezeichneten Stoffen tätig zu sein. Aus verschiedenen Anzeigen ergibt sich der dringende Ver­dacht, daß es sich dabei um Unternehmungen im feind­lichen Ausland handelt, in denen gewisse für die Kriegsführung erforderliche Stoffe hergestellt werden sollen. Selbstverständlich darf kein deutscher Chemiker oder Techniker eine derartige Stellung übernehmen, weil er sich dadurch des Landesverrates schuldig machen würde. Nach § 89 des Strafgesetzbuches wird ein Deutscher, welcher vorsätzlich während eines gegen>as Deutsche Reich ausgebrochenen Krieges einer feind­lichen Macht Vorschub leistet, wegen Landesverrats mit Zuchtsaus bis zu 10 Jahren oder, wenn mildernde Umstände vorhanden sind, mit Festungshaft bis zu 10 Jahren bestraft. Alle beteiligten Kreise, die derartige Anzeigen in einemßFachblatte finden, werden gut, tun hiervon der Behörde umgehend Mitteilung zu machen.

§ Hersfeld, 9. November. Der Zweigverein vom Roten Kreuz konnte am vergangenen Freitag wieder eine größere Sammlung von Liebesgaben für unsere Truppen im Felde absenden. Die Sendung enthielt 120 Hemden, 50 Unterhemden, Z Unterjacken, Unterhosen, 100 Leibbinden, 150 Paar Strümpfe, 70 Paar Pulswärmer, 15 Paar Kniewärmer, 12 Knie­binden, 16 gestrickte Kopfschützer, 3 Schals, 12 Brust- schützer, 72 Paar Hosenträger, 24 Taschentücher, 148 Taschenmesser, 132 Pfeifen, 200 Päckchen Tabak, 10 Taschenlampen mit Ersatzelementen, 130 Pfd. Speck und Wurst, außerdem eine große Menge Kaffee, Thee Ehokolade, Seife, Feldpostkarten usw. Wie von vielen Einwohnern unserer Stadt waren zu der Sendung, wie schon öfters auch diesmal, besonders von dem ^rauenverein Lautenhausen und von den Gemeinden Dbergeis, Unterhaun, Tann, Wippershain und Frie- lmgen allerlei Wollsachen gespendet worden. Um möglichst bald wieder eine Sendung ins Feld befördern du können, wird herzlich gebeten, doch durch Zu­wendung von Geldbeträgen für unsere Truppen im Feld, durch Zusendung von Wollsachen und vor allem auch durch Stricken von Strümpfen, Pulswärmer, Kniewärmern und Kopfschützern dem Zweigverein vom Roten Kreuz doch auch weiterhin tatkräftig unter­stützen zu wollen.

_ ):( Hersfeld, 9. November. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, vom Res.-Jnf.-Regt. Nr.

Gefreiter Christian Klink von hier.

. ):( Hersfeld, 9. November. Auf Grund der von ver Kgl. Regierung angeordneten Vergeltungs May- üahmen gegen England wurde vor einigen Tagen auch hier ein in Stellung befindlicher englischer Staats­

angehöriger in Haft genommen und heute abtrans­portiert.

8 Hersfeld, 9. November. Zu der vom H e r s - felöer Spar- und Darlehnskassen-Ver- e i n auf den 7. d. Mts. Abends 6 Uhr in den Gasthof zum Stern einberufenen außerordentlichen General­versammlung waren eine Anzahl Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende, Herr L. Mohr, eröffnete die Ver­sammlung und stellte zunächst fest, daß die Versamm­lung, zu welcher mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend sein müsse, beschlußunfähig und es daher nötig sei, eine anderweite Generalversammlung ab- zuhalten. Im Interesse der Angelegenheit bat Herr Mohr jedoch um eine Meinungsäußerung aus der Versammlung heraus. Und diese fand dann auch statt und ergab eine einstimmige Ansicht aller An­wesenden, die dahin ging, daß es im Interesse des Geschäfts- und Handwerkerstandes nur mit Freuden zu begrüßen sei, daß die Hersfelder Spar- und Dar- lehnskasse welche bisher schon so viel Segen habe stiften können, die Hand dazu geboten habe, sich in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht umzu- wandeln und dadurch uns durch Aenderung ihrer Satzungen sich derart zu erweitern, daß sie dem Kreditbedürfniffe des sogenannten Mittelstandes der Stadt und Umgegend in ausreichender Weise zu ent­sprechen vermöge. Von einem günstigen Erfolg des Planes war die Versammlung einstimmig über­zeugt. Eine neue Generalversammlung wird vor­aussichtlich bald stattfinden.

Caffel, 6. November. Der erste deutsche Flieger über England war der aus Cassel gebürtige Referendar und jetzige Leiter der Fliegerschule in Hannover, Caspar, der an seine hier lebenden Eltern eine Karte gerichtet hat, daß er vorgestern glücklich von dem ersten Fluge über England zurückgekehrt sei und über Calais und Dover eine größere Anzahl Bomben mit Erfolg abgeworfen habe. Caspar hat bereits früher für die vorzüglichen Dienste, die er der Heeresleitung geleistet hat, das Eiserne Kreuz bekommen.

Altenburg, 7. November. Der 13jährige Sohn des Tischlers Bollert geriet, als er seiner Mutter beim Wäschemangeln half, zwischen die Rolle und einen Pfeiler, wobei dem Jungen der Kopf zerquetscht wurde. Der Knabe war sofort tot.

Ronneburg, 5. November. Die Frau Härtel aus Kauern fuhr auf dem Heimweg den steilen Schloßberg hinab, verlor dabei die Herrschaft über das Rad und prallte mit dem Kopfe an die Mauer der Steinmühle. Sie war sofort tot. ,

Oberzella, 7. November. Beim Spiel wurde ein Knabe von einem anderen durch einen Schuß tödlich

Burgsinn, 7. Nov. In den hiesigen Gemeinde­waldungen wurden für gesammelte Eicheln über 9000 M" Frankfurt a. M., 7. November. Ein Hauptmann der hessischen Division hat allen Frauen seiner ver­heirateten Unteroffiziere je 200 Mark Kriegsunter­stützung überwiesen, den Hinterbliebenen der gefallenen Unteroffiziere vermachte er 3000 Mark. Das ist wahre Kameradschaft.

Landau, 5. November. Dieser Tage erschien bei der Geschäftsstelle einer Landauer Bank ein nahezu 60 Jahre alter Bauersmann, der mit dem Direktor über die Verwertung seiner Spareinlagen verhandeln wollte. Der Mann erklärtes Einen ^il meines Ver­mögens sollen die Kinder meiner vier im Kriege ge­fallenen Söhne erhalten. Der andere Teil soll meinen beiden Töchtern, deren Männer ebenfalls auf dem Felde der Ehre gefallen sind, zukommen. Meine Frau endlich selbst braucht kein Geld. Denn meine ;Frau ist infolge der Schicksalsschläge geistesgestört worden, ich aber bin als Freiwilliger in das Heer etnge treten mit der Bedingung, an die Front gestellt zu werden, um das mir zugefügte Unheil zu rächen.

Aus einem Feldpostbriefe eines Hersselders.

Von einem Kriegsteilnehmer, welcher schon einige Wochen im Schützengraben zubringt, erhalten wir folgenden Brief: Seit ca. 3 Wochen haben wir im Anschluß an unsern Schützengraben ^bropbnungen gebaut, in welchen es gemütlich eingerichtet ist. Ich wohne bei dem Kompagnie-Stab. Wir haben 2 Räume mit 2 Fenstern, Türe, Tische und Stühle nebst Strohlager. Der Bau liegt 1,8 Meter unter der Erde, und ist mit einer einem Meter dicken Erddecke versehen, nötigenfalls werden im Winter noch Oefen aufgestellt. Die Soldaten liegen in ebensolchen Höhlen, welche alle untereinander und mit dem Schützengraben durch Laufgänge verbunden sind, wie in einem.Dachs- bau. Im Schützengraben sind Schießscharten mit einzelnen Posten besetzt, nachts stehen die meisten der Kompagnie unter Gewehr an ihren Plätzen für einen evtl. Angriff bereit. Große Drahthindernisse befinden

sich außerdem noch davor. Der ganze Schützengraben ist durch einen ungefähr 800 Meter langen Lauf­graben mit dem nächsten Dorf verbunden. In letzterem können die Leute Kaffee kochen und abends kommen die Feldküchen in das Dorf gefahren, von wo dann das warme Essen an die Kompagnien verteilt wird, alles durch die Gräben und im Schutze der Dunkel­heit. Die Franzofen liegen uns jetzt in ihren Schützen­gräben bis auf 300 Meter gegenüber, sie arbeiten sich immer näher ran, riskiren aber seit drei Wochen keinen Angriff mehr. Sie hatten sich bei zwei An­griffen zu blutige Köpfe geholt. Tagsüber beschießt sich die feindliche und unsere Artillerie gegenseitig, auch nimmt die französische Artillerie unsere Schützen­gräben unter Feuer. Im allgemeinen haben wir hierbei wenig Verluste, da wir gegen Artillerieseuer in unseren Deckungen ziemlich gesichert sind, solange nicht eine Granate genau anf einen Bau schlägt. Die Infanterie beschießt sich tagsiiber nur wenig aus den Schützengräben, dagegen kommen nachts immer die zahlreichen Patrouillen aneinander. Augenblicklich beim Schreiben dleses Briefes tobt ein heftiger Ar- tilteriekampf um uns, der Feind beschießt uns seit gestern mit schwerer Artillerie, da wirds gefährlicher. Seit einigen Tagen besuchen uns noch feindliche Flieger, welche Bomben auf unsere Schützengräben werfen, bis jetzt haben sie aber noch nicht viel Schaden angericht. Wir sind also seit dem 5. September täg­lich im Feuer, wenn auch nicht gerade im Gefecht. Wahrscheinlich werden wir aber nun nicht mehr lauge hier liegen bleiben, demnächst geht es wieder vor­wärts. Ich könnte noch viel schreiben, doch ich muß Schluß machen, da sich scheinbar draußen ein größerer Kampf abspielen wird._____________________________

Ireundestrokt.

Saß ein alter Bauersmann Tränentrüb auf seinem Pfluge, Dacht' an seinen lieben Sohn, Der beim ersten Stegeszuge,

Wie sein Kamerad geschrieben,

Fern vor Lüttich gleich geblieben.

Doch nicht ruh'n ließ ihn sein Roß,

Schaut sich um mit klugen Blicken,

Wiehernd sprachs: Das Feld ist groß,

Und ich soll's allein beschicken?

Schau nicht rückwärts, nicht an Pein,

Denke an den Sieg allein!

Und er faßte seinen Pflug

Wie zwei alte Freundeshände-

Und ihm war's, als wenn auch der

Trost- und Mahnungsworte fände:

Auf zum Werk, du alter Streiter,

Folg' dem Tiere pflüge weiter!

Laß mich lockern deutsche Erde,

Daß die Saat in ihrem Schoße

Hoffnungsvoll geborgen werde

Für die Ernte, für die große,

Die da wiederbringt die Freude,

Die ein Ende macht dem Leide.

Und der Gaul lag in den Sielen

Und der Pflug ging knarrend mit,

Legte heil'ge Muttererde

Auf die Tränen, Schritt für Schritt,

Und vergrub des Bauern Pein,

Lehrt' ihn wieder, stark zu sein.

W. v. d. Aue

WM m linst, mit tief bist Hu gefundn!..

England von einst, wie tief bist Du gesunken!

War noch in Dir ein Hauch von Stolz und Scham, Von weißem Rassengeiste noch ein Funken, Als Deine Hand des Krieges Waffen nahm?

Kannst Du das selbstgewählte Los ertragen, Europas Henker vor der Weltgeschichte

Zu heißen, dem noch in den fernsten Tagen Des Weltalls Speichel klebt im Angesichte? England, gibt acht! Des Himmels Rache trifft! Schon hilft Dir nirgends mehr das feile Gift, Das Du verspritzst, erlogen und erstunden; England von einst, wie tief bist Du gesunken!

England von einst, wie tief bist Du gesunken!

Riß jener Todesschrei Dir nicht das Hirn,

Als Deines Landes Kinder hingesunken,

Die Du betört mit falschem Ruhmesgtrrn? Drang nicht aus blutgefärbtem Ruhmesgirrn? Ein Röcheln, bleich und gurgelnd, bis zu Dir Von jenen, die für Deine Schande starben AufCreffy",Hawke",Hogue" undAboukir"? Nicht für des Britenvolkes Ruhmesdrang, Nicht für des einst so stolzen Namens Klang, Für Deinen Krämergeist sind sie ertrunken - England von einst, wie tief bist Du gesunken!

Walter Profit.