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tzersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^8^, für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * * « zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)tT5luO(T

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7

r ( n Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

«mn n amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 363. Sonntag, den 8. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

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auf das Bersfelder Tageblatt werden für die Monate

November und Dezember von allen KaiferB^en Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat

* (Amtliche Be nachrichtigung der An­gehörigen von Gefallenen.) DieDeutsche Parlaments-Correspondenz" berichtet: Der Minister des Innern hat folgenden Erlaß an die Oberpräsidenten gerichtet: Da es im staatlichen Interesse liegt, daß die Angehörigen aller Kriegsteilnehmer, welche im Felde fallen oder in Lazaretten sterben, eine amtliche Nach­richt von dem Todesfälle seitens des Standesamts erhalten, welches den Todesfall beurkundet hat, be­stimme ich, daß die Standesämter von allen derartigen, während der Dauer des Krieges erfolgenden Ein­tragungen den Angehörigen einen beglaubigten Aus­zug kostenfrei zusenden. Als Angehörige im Sinne dieser Anordnung kommen in Betracht 1. bei unver­heirateten Personen der Vater bezw. die Mutter, 2. bei Verheirateten die Ehefrau, sofern sie noch lebt, andern­falls ebenfalls die Eltern des Verstorbenen, sofern sie noch am Leben sind. In allen Fällen erfolgt die Zusendung des Auszuges nur, wenn die Angehörigen aus dem Inhalte der standesamtlichen Eintragung ersichtlich sind.

* (Vorsicht beimAnkauf vo n Lastkraft­wagen.) Dem Vernehmen nach versuchen Händler Lastkraftwagen ausländischen Ursprungs zu verhält­nismäßig hohen Preisen in Deutschland zu verkaufen. Es wird darauf hingewiesen, daß alle derartigen Wagen auf Grund des Kriegsleistungsgesetzes ausge- hohen und für Heereszwecke nutzhar gemacht werden können. Der Abschätzung wird keinesfalls der ge­zahlte Preis, sondern lediglich der reine Zeitwert zu­grunde gelegt.

*(Felöwebelleutnants. Eine Verordnung des Kriegsministeriums besagt:Nach Ziffer 4 der Allerhöchsten Kabinettsorder oom 15. Oktober 1877 gehören die Feldwebelleutnants zu den Subaltern- offizieren im Range der Leutnants, hinter denen sie folgen. Auf sie finden ferner alle auf die Offiziere bezüglichen gesetzlichen oder sonstigen Vorschriften Anwendung mit Ausnahme der Bestimmungen über die Ehrengerichte und über die Offizierwahl. Hier­nach sind die Felöwebelleutnants, wie zur Behebung von Zweifeln bemerkt wird, auch hinsichtlich der Frage der Zuständigkeit von Ehrenbezeigungen, Burschen­gestellung usw. wie Offiziere zu behandeln."

* Der Lehrermangel macht sich seit Kriegs­ausbruch von Tag zu Tag mehr fühlbar. In manchen kleinen Landgemeinden sind alle Lehrer zum Waffen­dienst abberufen. Man hat sich vielfach damit be- holfen, daß man einzelne Klassen auflöste und die Kinder in andere Klasse verteilte. Auch sind letzt die weiblichen Lehrkräfte in weit stärkerem Maße als bisher für den Volksschuldienst herangezogen worden. Um genügend Lehrerinnen zur Verfügung stellen zu können, wurden bereits in vielen Orten die Schüler­innen in obersten Klassen der Lehrerinnen-Semmare früher als sonst zur Abschlußprüfung zugelassen und auch sofort im Schuldienst verwendet.

_ ):( Hersfeld, 7. November. Der Bund deutscher p f f i z i e r f r a u e n ist bereits nach kurzem Bestehen in der Lage, einer größeren Anzahl Offrzierwaiien eme weitere unentgeltliche standesgemäße Erziehung nachzuwetsen u. älteren bedürftigen Töchtern gefallener Offiziere eine kostenlose berufliche Ausbildung zuteil werden zu lassen. Außerdem hat er in den meisten größeren Städten Auskunfts- und Beratungsstellen euigerid)tet Der Gebrauch dieser Einrichtungen ist nicht von einer Mitgliedschaft abhängig, sie können von allen Angehörigen desOffizierstanöes,des Sanitats-, Reserve- und Veterinär-Offizierkorps benutzt werden. Die Mitgliedschaft selbst wird durch eine Zahlung von Mindestens Mark 3.- halbjährlich und Mark 1-Ein­trittsgeld erworben. Zuschriften sind an den Bund beutscher Offizierfrauen, Berlin SW 11, Halleschestr. 20. Su richten.

):( Hersfeld, 7. November. (Gemeinnützige Krieg st erbekasse.) Vom Deutschen Kriegerbund geht uns folgender, höchst beachtenswerter Aufruf zu: Um eine wirksame, umfassende Fürsorge für die Hinter­bliebenen aller deutschen Kriegsteilnehmer zu schaffen, hat der Deutsche Kriegerbund dieFriedrich Wilhelm Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft" veranlaßt, eine Kriegsterbekasse auf gemeinnützige Grundlage zu er­richten. Der Beitritt zur Kasse steht nicht bloß Mit­gliedern des Kriegerbundes, sondern jedem Kriegs­teilnehmer offen. Der Beitritt kann von Angehörigen, Freunden, Arbeitgebern und Vereinen des Kriegsteil­nehmers erklärt werden, auch wenn dieser nichts davon weiß. Schon durch Zahlung von Mk. 5. wird die Mitgliedschaft erworben, und zwar mit einem Anteil. Zulässig ist der Erwerb von höchstens 40 Anteilen zu Mk. 5. Die gesamten Beiträge einschließlich der er­sparten Zinsen sowie etwaiger wohltätiger Zuwen­dungen werden unverkürzt und ohne jeden Abzug nach dem Friedensschlüsse je nach der Höhe der Beteiligung unter die Hinterbliebenen der versicherten Kriegsteil­nehmer verteilt. Wenn unsere Verluste prozentual nicht größer werden als in dem Kriege 1870'71 haben die Hinterbliebenen das 25fache ihrer Beteiligung zu erwarten, also für 5 Mk. 125 Mk., für 200 Mk. 5000 Mk. Frauen, Väter, Mütter, Schwestern, versichert Eure Männer, Söhne, Brüder, die unter Waffen stehen! Arbeitgeber, versichert Eure Angestellte, Ge­hilfen, Arbeiter, die des Kaisers Ruf gefolgt sind! Der Erwerb der Mitgliedschaft steht allen Arten von Kriegsteilnehmer offen, Offizieren und Mannschaften, Kombattenten und Nichtkombatt-'Ken, insbesondere Aerzten, Apothekern, Feldgeistlichen, dem gesamten Personal des Roten Kreuzes usw. Anmeldescheine sind hier zu haben bei Jakob Horn, Obere Frauenstr. Anfragen und Anmeldungen nimmt außerdem entgegen die Hauptverwaltung der Kriegsterbekasse, sowie Lebensversicherungsanstalt nnd Sterbekasse des Deut­schen Kriegerbundes Berlin w 50, Geisbergstr. 2M., Postscheckkonto: Berlin Nr. 1745.

):( Hersfeld, 7. November. Auf die am Mittwoch den 11. d. M. nachmittags 2 Uhr im Hotel Stern hier stattfindenden Hauptvereinsversammlung des Hersfelder landwirtschaftlichen Kreisvereins sei auch an dieser Stelle nochmals hingewiesen.

):( Hersfeld, 7. November. Von einem Freunde unseres Blattes geht uns folgende an ihn gerichtete F e l d p o st k a r t e mit der Bitte umVeröffentlichuug zu: Sende Ihnen sowie Ihrer ganzen Familie die besten Grüße aus Feindesland. Die Hersfelder 44. find in alle Winde zerstreut, haben ein Gebiet von über 30 Kilometer zu bewachen. Die 1. Komp. liegt m Kor- trück. Die 2. in Melle. Die 3. in in Lotteggem Bahn­linie BrüsselLille. Die 4. in Eugen. Die Bevölkerung ist ziemlich ruhig. Am Montag erzählte mir ein Herr, der gut Deutsch konnte, daß die Belgier vor uns mehr Furcht hätten als vor Löwen die aus einem Käfig ge- lassen ^nrdem November. Heute Nacht kam wieder ein größerer Transport, zirka 90 Ver­wundete nach hier. Es waren zum Teil schwer Verwundete welche im Res.-LazarettBerein und Kriegs­schule untergebracht wurden. .

w Hersfeld, 7. November. Dem Dienstmädchen Anna Elisabeth Weppler hier, bei Herrn Fabrikdirektor Friedrich Koch in Diensten, ist für 30jährige treue Dienste in, gleicher Familie, die b r o n z e n e D e n k - münze von Ihrer Majestät der Kaiserin und Köniain Allerhöchst verliehen worden.

^Cassel 6. NEmber. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vormittag am Wall, wo ein etwa 11 Jahre altes,^in der Moritzstmße wohnendes Mädchen an einem Eisenaitter spielte. Hierbei hatte das Mädchen das Unglück sich ton einer Spitze des Geländers auszu- svießen indem ihm die Spitze unterhalb des Kinnes in das Gesicht drang. Nachdem die Sanitätskolonne,die erste Hilfe geleistet hatte, wurde das schwerverletzte Kind mittelst Autombils in das Landkrankenhaus Iieförbert ? November. Mit dem Eisernen q r e n a ausgezeichnet wurden der Kommandeur des LandLehr3°» 65 L bet st Gr°u». b=r frühere Direktor unserer Kriegsi^le und aus Eiterfeld Res.-Unteroffizier Caeselitz, Res. Jnf.-Rgt. 71.

Sann -Münde«, 5. November. Wahrend das Riesenwerk der Edertalsperre, die bekanntlich 202 Millionen Kubikmeter Wasser faßt und zur Speisung des Mittellandkanals und Regulierung der Weser dient, nahezu vollendet ist, konnte ihre für den August angesetzte feierliche Einweihung infolge des Kriegs­ausbruches nicht stattsinden. Die Elektrizitätsabgabe der angeschlossenen Ueberlandzentralen wird natur­gemäß ebenfalls hinausgeschoben werden müssen, denn wenn auch die Weiterarbeiten nicht ruhen, so erleiden sie doch begreifliche Unterbrechungen und Verzögerungen. In Südhannover schreitet die Auf­stellung der Masten vor und zwar in der Verbinds- richtung MündenHofgeismar. Die Stadt Münden,

die auf elektrisches Licht im letzten Viertel dieses Jahres gezählt hatte, wird sich bis weit hinein ins Jahr 1915 gedulden müssen. Noch ist von der großen Transformattonsstation in der Nähe des Altmttndener Hafens nichts zu sehen, obwohl hier ein mehrstöckiger Bau benötigt wird. Wenigstens äußerlich ganz ruht das im Zusammenhänge mit der Edertalsperre ge- plante andere Millionenprojekt der Weserstauanlage. Man hört nicht mehr: Hier Projekt Meyer hier Regierungsvorlage, und nur im Stillen arbeitet man wohl fort, während die Leiter der bedeutsamen An­lagen im Felde stehen. Die Weserschiffahrt wird viel­leicht den ungewollten Aufschub gar nicht ungern be­grüßen, weil es sich bei dieser die gesamte Wasser­wirtschaft beeinflussenden Anlage um eine Lebensfrage für sie handelt, die sie gern in aller Ruhe verhandelt sehen möchte.

Göttingen, 1. November. Ein deutscher Buren­kämpfer, der im gegenwärtigen Feldzuge das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten hat, nachdem er kurz vorher sich die 2. Klasse verdiente, ist der Göttinger Gymnasial- professor Franz Henkel, der im Alter von 45 Jahren als Hauptmann irgendwo auf dem westlichen Kriegs­schauplatze steht. Henkel zog, seiner Oberlehrerstelle in Jever den Rücken kehrend, als Freiwilliger in den Heldenkampf der Buren, wo ihm das deutsche Frei­willigenkorps einen Erfolg insofern verdankt, als er ihm einen gelungenen Rückzug ermöglichte, der es vor der Vernichtung bewahrte. Als Geschichtslehrer war er dann in Göttingen erst an der Oberrealschule und dann am Gymnasium tätig, wo man den von glühendem Idealismus Beseelten einen begeisternden Unterricht nachrühmt. Als Leiter eines der Wander­vogelbünde ist er bekannt, auch hat er einmal zum Landtag und zum Reichstag kandidiert.

Meininge«, 5. November. Ein Sohn unserer Stadt, Herr Ernst Korn in Newyork, hat dem Magistrat viertausend Mk. überwiesen zur Verteilung an Witwen und Waisen, die durch den gegenwärtigen Krieg solche geworden sind. Er bemerkt dazu: Er versuche, in dieser Weise seinen Teil zu tun, die Wunden zu heilen, die der Krieg geschlagen hat und wohl noch schlagen wird.

Frankfurt a. M., 6. November. Unter den un­zähligen Liebesgaben, die vor etlichen Wochen aus Frankfurt unseren tapferen Kriegern zugesandt wurden, befand sich auch ein Paar selbstgestrickter Strümpfe, das eine junge Kriegerfrau zur Verfügung gestellt hatte. Die Spenderin hatte an die Strümpfe ein Zettelchen mit ihrem Namen ehängt. Die Sachen kamen an und wurden wahllos in den Schützengräben verteilt. Auch ein Frankfurter Soldat war so glück­lich, ein Paar Strümpfe zu ergattern. Wer aber be­schreibt sein Erstaunen, als er in den Strümpfen den Namen seiner Frau entdeckte? Der Zufall hatte wieder einmal sein seltsam Spiel getrieben.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Fersen.)

Immer neue Kriegeskunde läßt uns gar zu deutlich sehn, daß wir scheinbar noch im Anfang eines harten Weltkriegs steh'n, daß noch längst nicht abzusehen dieses Völkerringens Schluß, daß noch mancher Staat der Erde zu den Waffen greifen muß. Allerdings mit stolzer Freude sieht schon heut' der Deutsche ein, kaum noch kann ein neuer Feind uns hierdurch wohl beschieden sein. Ob mit Lug und Trug und Tücke Brit' und Franzmann auch bisher das neutrale Ausland täuschten, dieses Mittel wirkt nicht mehr. Allzudeutlich ist die Sprache, welche Deutschlands Waffe spricht, - auf dem ganzen Erdball, scheint es, - dringt die Wahrheit durch zum Licht. Grollend über Englands Ketten regen rings sich in der Welt alle Staaten, die der Brite kaum noch fest am Zügel hält. Englands einst so stolzes Weltreich zeigt sich rissig, morsch und faul, nur sich selbst belügt der Brite noch mit ungestraftem Maul. Unterdes im fernen Osten reckt sich drohend eine Faust, die noch nie mit voller Stärke je bisher Herabgesaust, die noch nie die Glaubensfreunde je so laut als dies­mal rief, wo den ew'gen Haß sie weckte, welcher tausend Jahr nicht schlief. Rußlands, Englands, Frankreichs Lenker starren bleich und angsterfüllt auf den Türken, der die Fahne eines Glanbens- kriegs enthüllt. Heil Dir, tapfres Volk der Türken, Heil und Ehre deinem Mut, - der zu neuem Kampf schon rüstet, während noch das alte Blut aus dem letzten Deiner Kriege auf der Heimatflur ver­dampft, über die schon jetzt von neuem mutig­stolz Dein Schlachtroß stampft. Deines Glaubens tapf're Streiter, millionenstark an Zahl, trafen in der Wahl der Gegner just das rechte dieses mal. Eher noch verdient den Lorbeer Deines Islams alter Ruhm, als zur Zeit im Abendlande un'srer GegnerChristentum". Walter-Walter.