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türkische Angelegenheit abgehalten. Man ist nicht zum Abschluß gekommen und würde in einer für den 5. No­vember angesetzten außerordentlichen Mintsterrats- sitzung voraussichtlich die formelle Kriegserklärung an die Türkei beschließen. Der türkische Gesandte verläßt Donnerstag London, nachdem er Mittwoch seine Pässe erhalten hat.

Eine Kosakenabteilung von den Türken aufgerieben.

Aus Konstantinopel wird derFranks. Ztg." be­richtet: An der türkisch-russische« Grenze in der Nähe von Ordulia brach eine Abteilung Kosaken in mehrere türkische Ortschaften ein und plünderte sie. Eine ReSif- abtetlung stellte die Kosaken, als sie auf der Flucht einen stark angeschwollenen Fluß überschreiten mußten, un­lieb sie vollständig auf. Die Türken überschritten dann die Grenze und nahmen auf russischem Boden eine gün­stige Stellung ein.

Die Vorbereitung des Wüstenfeldzuges.

Ein Schweizer, der dieser Tage aus der Türkei zu­rückgekehrt ist, schreibt derNeuen Zürcher Zeitung," über die türkischen Rüstungen, daß die Eisenbahnen in Asien in den letzten Monaten ununterbrochen in An­spruch genommen waren, Truppen nach Syrien zu füh­ren. Die im östlichen Syrien an der Bahnlinie südlich von Damaskus zusammengezogenen Truppen seien vollständig für einen Wüstenfeldzug ausgerüstet ge­wesen. Neuartig erschienen die Einrichtungen zum Transport von Trinkwasser und zur Beförderung schwerer Geschütze in sandigem Gelände. Zahlreiche Truppen seien weiter als bis Maan geführt worden, so daß auch eine Ueberführung der Truppen über das Rote Meer zum Einmarsch in Oberägypten geplant er­scheine. Nach der Zahl der sechs Wochen lang von Da­maskus nach Süden abgefertigten Eisenbahnzüge Mätze man die gegen Aegypten operierenden türkischen Trup­pen auf 250 000 Mann. Dazu sollen noch die regulären Beduinen treten.

Die englischen Gegenmatzregeln werden, wie der italienische DampferRoma" auf der Durchfahrt durch den Suezkanal bemerkt hat, eifrig ge­fördert. Auf der ägyptischen Seite sind englische und indische Truppen dabei, Stacheldrahtverhaue anzulegen. In je 100 Meter Abstand befinden sich starke Forts mit starker Artillerie. In Port Said sprachen Offiziere der Roma" mit einem englischen Ingenieur, der ihnen mit- teilte, daß die Türken am anderen Ufer 80 000 Mann zusammengezogen haben.

Wie die Beziehungen mit Rußland abgebrochen wurden.

Entgegen allerlei Gerüchten und tendenziösen Nach­richten wird von amtlicher türkischer Seite mitgeteit, daß von einer nachgiebigen Haltung der türkischen Diplo­matie in den letzten Verhandlungen mit Rußland nicht die Rede sein kann. Die Pforte erklärte Rußland, eS sei selbst schuld daran, daß seine Schiffe in den Grund gebohrt und die Festungen im Schwarzen Meer beschossen wurden. Sie verlangte die Bestrafung des Komman­danten der russischen Flotte als Genugtuung. Darauf­hin wurden die Beziehungen abgebrochen.

Bulgarien meist ein russisches Anerbieten znrück.

Aus Wien meldet der Draht: Der russische Gesandte in Sofia, Sawinski, hat der bulgarischen Regierung den Abschluß eines serbisch - bulgarischen Defensivbündnisses vorgeschlagen. Dieses Bündnis soll nach russischer Auf­fassung sowohl gegen Oesterreich-Ungarn als auch gegen die Türkei gerichtet sein und schließlich zu einer Schmiilerung Rumäniens an Gebiet führen. Die bul­garische Regierung hat diesen Borschlag als unvereinbar mit ihrer Würde znrückgemiesen und die rumänische Re­gierung von dem russischen Anerbieten bezüglich der Dobrudscha, die wieder an Bulgarien fallen sollte, in Kenntnis gesetzt. Gegenwärtig findet ein lebhafter Notenaustausch zmischen Sofia und Bukarest statt.

Türkische Maßnahmen in Konstantinopel.

»e* Konstantinopel, 6. November. (WTB.) Die Franzosen und Engländer, die hohe Beamtenstellen be­gleiteten, sind abgereist. Alle Untertanen derjenigen Staaten, mit denen die diplomatischen Beziehungen ab­gebrochen sind, haben der Polizei ihre Wohnung anzu- geben und dürfen nur mit polizeilicher Ermächtigung ab- retsen. Sämtliche Briefe müssen offen und Telegramme in türkischer, französischer, deutscher oder arabischer Sprache abgefatzt sein.

170 000 Afghanen marschieren an die indische Grenze.

Wien, 6. November. (WTB.) Die sttbslavische Korrespondenz meldet aus Konstantinopel: Der Emir von Afghanistan habe eine Armee von 170 000 Mann mit 135 Geschützen an die indische Grenze marschieren lassen. Die Bahn Herath-Puschk sei zerstört, um den englischen Aufmarsch zu verhindern. Kriegerische in­dische Grenzstämme haben sich dem afghanischen Heere an- geschlossen. An der Grenze herrscht volle Revolution gegen England.

England hat Cypern annektiert.

** London, 6. November. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt, daß England Cypern annektiert hat.

Der Kampf um Tsingtau.

geht bei dem heldenmütigen Widerstände, den die Be­satzung der Werke leistet, unermüdlich weiter. Nach einer Meldung derFranks. Ztg." aus Tokio feuern die Deutschen in Tsingtau täglich 1500 Granaten anf die japanischen Belagerer. Am Sonnabend wurden die Ope­rationen unterbrochen zur Bestattung der japanischen Gefallenen. Der Hafeneingang von Tsingtau ist von den Deutschen durch Versenken von vier Dampfern gesperrt.

Für die Engländer stehen die Dinge in Südafrika sehr schlecht.

®* Berlin, 6. November. ..(WTB.) General Pear- son, Generalanartiermeister wahrend ihres Krieges in England, erklärt einem Vertreter der Cmrtinental Times, Latz die Dinge für die Engländer in Südafrika sehr schlecht ständen. Ganz Südafrika werde die verhaßte englische Herrschaft abmerfen. Eine provisorische Re­gierung sei bereits eingesetzt, ein Beweis, daß die Auf- ständischen nicht die geringste Befürchtung für die Er­reichung ihrer Sache hegen.

Die chinesische Kammer fordert entschlossenes Vorgehen gegen Japan.

Wie amerikanische Blätter berichten, heE M Peking eine ungeheure Aufregung, weil die chmesMe Kammer beschloßen hat, eine Interpellation an die Re­gierung wegen Chinas Neutralität zu erlassen. . D.er Präsident Li-Buana-Hung war der erste Borsitzende in dieser historischen Kammersitzung. Liang-Chi-Chao, der die Interpellation vorschlug, sagte folgendes:

Seit dem Ausbruch des europarschen Krieges hat der Präsident Auanschikai^s öfteren über die Natur unsern diplomatischen Verbindungen und Verpflichtungen sich geäußert, und wir erkennen die schwierige Situation der Regierung an: aber die Bewegungen der letzten 20 Tage fassen uns doch deutlich erkennen, daß seine Aussagen unvollständig find. Wue unsehrüre Empörung Über

Engländer hat sich des Volkes bemächtigt, und uns, den Abgeordneten des Landes, liegt es ob, von der Regie­rung eine sofortige Erklärung zu fordern. Als Japan Deutschland den Krieg erklärte, hat man uns gezwungen, eine Kriegszone zu bestimmen: aber trotzdem hat Japan unsere Neutralität nicht beachtet, indem es Weihsien einnahm und sich jetzt vorbereitet, unsere Bahn auf län­gere Strecken mit Beschlag zu belegen. Nun frage ich: Stehen deutsche Soldaten überhaupt westlich von Weih- nen? Nein! Dort befindet sich nicht ein deutscher Sol­dat. Daher ist das Vorwärtsdringen der Japaner in unserem Gebiet nach Westen einfach unverzeihlich. Hat die Regierung gegen diesen unerhörten Bruch Schritte unternommen? Nach den japanischen militärischen Maß- nahmen zu urteilen, ist Tsingtau durchaus nicht ihr Ziel, sondern sie wollen einfach aus der gesamten Pro­vinz Schantnug eine zweite Mandschurei machen. Eng­land operiert gemeinschaftlich mit Japan, ist also an dem Bruch unserer Neutralität genau so schuld. Das- selbe England, das feierlich gegen Neutralitätsbrüche anderer Natronen protestiert, bricht uns gegenüber in aller Seelenruhe die Neutralität. Hat die Regierung bereits an Großbritannien protestiert? Die japanischen Greueltaten sind Tatsache, und die Regierung hat kein Recht, die Leiden unseres Volkes, die ihnen durch Ja- pan zugefügt werden, mit Gleichgültigkeit zu betrachten. Wir müssen die Regierung zwingen, sofort die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.

Die Interpellation wurde darauf von der ganzen Kammer unterzeichnet. Es wurde noch hinzugefügt, daß die Interpellation nicht nur von der Kammer, sondern von der ganzen chinesischen Nation verfochten werden solle.

ärleasallerlel.

Depeschenwechsel zwischen dem deutschen Kronprinzen und Enver Pascha.

. Der deutsche Kronprinz hat an den türkischen Kriegsminister Enver Pascha folgendes Telegramm ge­richtet: Die 5. Armee und ihre Führer entbieten der ollomanischen Armee brüderliche Grüße." Der Kriegsminister Enver Pascha antwortete mit folgendem Telegramm:Die kaiserlich ottomanische Armee dankt Euer kaiserlichen Hoheit sowie der fünften Armee für die brüderlichen Grüße und hofft fest, alle ihre Feinde gemeinsam mit den Armeen Seiner Majestät des Deut­schen Kaisers zu besiegen, deren Tapferkeit weltberühmt

Sebastopol von den Türken bombardiert.

»r* Berlin, 6. November. (WTB.) LautB. T." erschien gestern bei Sebastopol ei» türkisches Kriegsschiff und begann das Bombardement anf die Stadt.

Weitere 50 000 Inder znr Einschiffung nach Frankreich bereit.

»e* Berlin, 6. November. (WTB.) DerKölnischen Bolkszeitung" wird ans Rom gemeldet, daß Reisende in Neapel berichtet hätten, in Bombay würden weitere 50 000 Inder znr Einschiffnng nach Marseille bereit­gehalten.

Der italienische Dampfer Sylvia von den Franzosen beschlagnahmt.

** Mailand, 6. November. (WTB.) LautCorriere della Sera" haben die Franzosen den italienischen Dampfer Sylvia, der 5600 Tonnen Getreide für eine schweizerische Firma an Bord hatte, beschlagnahmt und nach Toulon gebracht.

Heftige Stürme auf dem adriatischen Meere.

«S* Paris, 6. November. (WTB.)Echo de Paris" erfährt aus Mailand, daß heftige Stürme auf dem adriatischen Meere wüten. Etwa 60 Minen seien von der österreichischen Küste abgetrieben, sodaß die Schiff­fahrt unterbrochen werden mußte.

Ein von den Engländern angehaltener Passagierdampfer in Neapel eingetroffen.

e* Zürich, 6. November. (WTB.) Nach einer Meldung der neuen Züricher Zeitung aus Mailand ist der DampferDuka di Genua", der von einem eng­lischen Kriegsschiff nach Gibraltar gebracht worden war, mit 1382 Passagieren aus Neuyork in Neapel einge­troffen. 300 Tonnen amerikanisches Kupfer war, auch wohl für Italien bestimmt, von den Engländern als Kriegskontrebande zurückgehalten worden.

Ein Unfall des Feldmarschalls French.

Ein aus Holland nach Berlin zurückgekehrter Deut­scher teilt demBerliner Lokalanzeiger" mit, daß nach zuverlässigen Meldungen der Oberkommandierende der engischen Armee von Frankreich, Feldmarschall French, vor einiger Zeit bei einem Automobilunfall schwer ver­unglückte und noch z. Zt. an der persönlichen Ausübung des Oberkommandos verhindert ist.

Im Schützengraben zum Amtsrichter ernannt.

Der Gerichtsassessor Leutnant d. R. Lommel hat einer Meldung aus Frankfurt a. M. zufolge im Schützen­graben an der Maas seine Ernennung zum Amtsrichter in Ragnit bei Memel erhalten.

Ein englischer Soldat über unsere Artillerie.

Ueber die Vernichtung des größten Teils der 1. Bat­terie der Royal Horse Artillery (Königl. Reitenden Ar­tillerie) machte einer der etwa 40 Ueberlebenden An­gaben, die einen neuen Beweis dafür liefern, daß unsere Artillerie ihr Handwerk ganz vorzüglich versteht. Der Manchester Guardian" vom 22. Oktober bringt die schlichte Erzählung des englischen Kanoniers. Danach tötete die erste deutsche Artilleriesalve sofort nahezu alle Zugpferde. Zwar gelang es den Engländern auch, deut­sche Geschütze zum Schweigen zu bringen: das Feuer der Deutschen war aber doch von so fürchterlicher Wir­kung und Treffsicherheit, daß schließlich nur noch ein Ge­schütz von der ganzen Batterie schußfähig blieb: nur drei Mann waren unverletzt geblieben.

Vermischtes.

Ein zweifacher Raubmörder gefaßt. Die Leipziger Kriminalpolizei verhaftete auf der Straße in Leipzig den 26jährigen, aus Dommmtzsch gebürtigen Dienst­knecht Friedrich Ernst Meißner, der von der Hamburger Polizei wegen des gemeldeten Doppelraubmordes ver­folgt wurde. Der Verhaftete gestand reuelos ein, daß er am 3. November seine Dienstherrin Steffens und deren Dienstmagd Schuhr mit einem Beil erschlagen habe, um stcheirresim Geldschrank aufbewahrten Geldbetrages von 7000 Mark zu bemächtigen. Er konnte den Geld- schrank nicht erbrechen und ist mit 100 Mark nach Lerp- zig geflüchtet.

In französischer Gefangenschaft.

Feldbrief eines gefangenen Stabsarztes.

Straßburg, den 24. Oktober 1914.

Liebe Eltern!

Wie ihr aus dem Aufdruck des Briefbogens seht, befinde ich mich jetzt in Straßburg, wo ich mich wieder ausrüsten konnte. Ich hatte keine Strümpfe, blos

Fetzen an, mein Hemv, seit acht Wochen nicht gewech- selt, bestand auch nur noch aus Fetzen, meine Stiefel- sohlen waren durchgelaufen. Ich habe mich hier in Straßburg neu ausgerüstet: Geld hatte ich reichlich. Nun will ich schnell über meine Gefangenschaft berichten.

Am 27. September »nachte unsere Brigade einen Vorstoß. Hierbei stießen wir auf feindliche Schützen­gräben, die sehr stark besetzt waren. Wir erwarteten einen feindlichen Gegenstoß, der aber wegen vorgeschrit­tener Dunkelheit nicht erfolgte. Nun kam Nebel und hielt die ganze Nacht an, sodaß man nicht drei Schritt vor sich sehen konnte. In dem dichten Buschwerk ohne Weg und Steg war es ganz unmöglich, Verwundete zu suchen. Als sich am 28. gegen 5 Uhr morgens der Ne- bel lichtete, ging ich mit 20 Krankenträgern etwa 2000 Nieter vor, um die Verwundeten zu suchen. Daß ich dabei beschossen wurde, war ja selbstverständlich, man kann der» Franzosen deshalb keinen Vorwurf machen, denn in dem Gestrüpp war es unmöglich, die Genfer Binde am linken Arm zu erkennen. Ich kam bis in die Linie, wo die meisten unserer Leute lagen. Außer To­ter» fand ich noch eine Anzahl Schwerverwundeter, von denen ich vier verbinden und zurückschicken konnte. Mit neun Krankenträgern vorwärtsgehend, trat ich plötzlich auf einen kleinen Fußweg und sah mich unvermutet fünf Schritt vor dem feindlicher» Schützengraben. Gleich­zeitig hörte ich, wie ein französischer Oberleutnant rief: Nicht schieße»», rotes Kreuz!" Ich wollte sofort zurück, erhielt aber die Aufforderung, stehen zu bleiben, sonst würde auf uns sofort Schnellfeuer eröffnet.

Ich wurde nun von den Franzosen mit wehten Leute nach rückwärts geschafft, mußte einen Tag in einem Dorf zubringen und wurde am selben Abend int Auto nach Verdau gefahren. Hier wurde ich ins Laza­rett gebracht, und zwar, wie ich später erfuhr, zum Zwecke einer Prüfung durch die französischen Militär­ärzte. Die Franzose»» prüfen nämlich jeden gefangene»» Arzt oder Krankenträger selbst, besteht er die Prüfung nicht, so wird er wegen Mißbrauchs der roten Kreuzbinde erschossen. Sie behaupten was erstunken und erlogen ist daß die deutschen Offiziere, wenn sie sähen, daß sie gefangen würden, schnell eine Rotekreuzbinde aus der Tasche nähmen und sich mit den Arm legten, um auf diese Weise der Gefaugeuschast zu entgehen. Säbel und Revolver wurden mir natürlich abgenommen. In Berduil bekam ich sofort gutes Essen, konnte »nich waschen und erhielt seit drei Woche»» wieder zun» ersten Male ein Bett. An» 29. und 30. war ich in Verdun, wo ich vom französische»» Chefarzt des Lazaretts sehr an­ständig und zuvorkommend behandelt wurde. Von mct= nett Leuten war ich getrennt worden. Ich wurde in den Operations- und Krantensaal mitgenommen, mußte deutsche Gefangene und Verwundete verbinden und sah den Operationen zu. Dabei wurde ich unauffällig fort» während geprüft. Da ich jetzt fertig französisch spreche, war die Sache nicht schwierig. Als sie sich überzeugt hatten, daß ich wirklich Arzt und nicht Front-Offizier sei, wurde ich am 30. September abends nach Bar-le?Duc mit einem Sanitätszug abgeschoben. Während die Offi­ziere und Soldaten sich anständig benahmen, war das Prrblikum um so gemeiner. Ich wurde von zwei Gen- barmcn bewacht. Ich kam nachts in Barle-Duc an und wurde in eine Art Scheune gesperrt, erhielt Brot und kaltes Fleisch zur Nahrmm, »vas sehr gut war.

Als ich am anderen Vormittag weiter fuhr, wollte das Publikum »nich umbringen, drang mit Stöcken, Schirmen usw. auf mich ein, sodaß die Gendarmen Mitve hatten, die Leute zurückzuhalten. So ging es überall, auch in Ghanmont, wo ich einen Tag blieb und im Wartesaal in einem reservierten Raum saß und in Dijou, wo ich von einem Gendarmeriekapitän gemein beschimpft wurde. Er behauptete allen Ernstes, die deutsche»» Aerzte und Lkrankenträger brächten alle Verwundeten um! Am 3. Oktober kam ich in Lyon an und wurde drei­viertel Stunde lang von acht Man»» bewacht und nach der Zitadelle gebracht. In Lyvi» wurde ich nun sehr genau untersucht, sogar das Futter meines Rockes wurde aufgetrennt, um zu sehen, ob ich irgend etwas Ver­fängliches bet mir hätte. In Lyon wurde ich noch zwei­mal sehr genau verhört, ob ich etwas über unsere Stel­lungen aussagen konnte, aber ich sagte natürlich nichts. In Lyon wurden wir sehr scharf bewacht und es wurde uns eröffnet, jeder Arzt müsse vierzehn Tage dort blei­ben. Es tarnen immer mehr zu, ein garizes Kriegs- lazarett, 31 Aerzte und Apotheker, sowie Inspektoren, 200 Krankenpfleger, 60 Schwestern kamen am 5. Oktober zu. Wir wurden in geräumigen Kasernenstuben unter­gebracht, hatten jeder ein Bett und besamen auch zwei­mal täglich je % Stunde Ausgeherlaubnis im Hof. Sonst mußten wir im Zimmer bleiben. Selbst wenn man aus's Klosett ging, wurde man stets von einer Schildwache mit aufgepfla»»zten» Bajonett begleitet. Das Essen war entsetzlich schlecht und zu wenig, acht Tage hintereinander Hainmelfett (fein Fleisch daran) dann acht Tage Rinderfleisch, so hart, daß man es nicht tauen konnte. Allerdings durften wir uns aus der Kantine taufen und sie pumpte auch. Ich habe mir alles Not­wendige getauft, Zigarren, Zigaretten, Käse, Schokolade, Butter usw., auch betam man für 2,00 Franken ein sehr gutes Mittagessen. Die Franzosen zahlten nämlich jeden» von uns 3,40 Franker» täglich Gefangenensold aus. Die Oberstabsärzte besamen sogar 6,00 Franker» täglich. Es war auch ein Amerikaner dabei, der sich dauernd be­schwerte und Briefe an den amerikanischen Botschafter schrieb, die aber jedenfalls nicht befördert wurden.

Am 14. Oktober wurde ein Teil der Herren und Krankenpfleger nach der Schweiz abgeschoben, am 20. kamen wir daran. Eine große Anzahl ist noch zurück­geblieben, wird wohl aber auch bald nachgeschickt werden. Das schlimmste war unser Marsch am 20. abends zum Bahnhof in Lyon. Tausende von Menschen drangen auf uns ein, spukten, riefen die gemeinsten Schimpfwörter, warfen mit Steinen usw. Am schlimmsten waren die Weiber, die mit Schirmen trotz der starten Bewachung auf uns eindrangen und unter den RufenMörder, Banditen, Kühe" (Baches", sehr beliebter Schimpfname für die Deutschen) immer nach unseren Augen stachen. Besonders die Samen der sogenannten besseren Stände. Selbst als wir im Eisenbahnwage,» saßen, versuchte die Menge nachzudrängen, sodaß Fenster und Vorhänge ge­schlossen werden mußten. Wir fuhren bis zur Schweizer Grenze, wo wir Schweizer Bewachung erhielten, famose freundliche Leute. In Geirf, wo wir am Vormittage des 21. antamen, war ein großes Essen mit Wein für uns bereitgestellt und wir ließen es uns gut schmecken.

In Basel, wo wir abends gegen 7 Uhr nach einer herrlichen Fahrt durch die Schweiz antamen, wurden wir von der deutschen Kolonie rührend empfangen, im besten Hotel erhielt jeder ein Zimmer, ein Bad, die Da­men hatten jedem ein Paar Strümpfe, ein Hemd und ein Taschentuch zurechtgelegt, was sehr nötig war, da, wie gesagt, meine Sachen nur noch Fetzen waren. Wir ichliefen köstlich, nachdem wir ein herrliches Festessen eingenommen und zum ersten Male wieder Bier getrun­ken hatten. Natürlich war eine große Menschenmenge vorm Bahrrhof gewesen, die die Tücher schwenkte, die Hüte abnahm und uns Schokolade, Zigarren, Zigaretten usw. zusteckte. Am 22. morgens 9 Uhr wurden wir über die deutsche Grenze gebracht und fuhren dann aus­einander, jeder an seinen Bestimmungsort. ngc.