Hers seid er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
HerrWn WW Kreizblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage” Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 868 Sonnabend, den 7. November 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
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Bersfelder Tageblatt
werden für die Monate
November und Dezember
von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Hus der Heimat
*(TaktvolleBehandlung der Trauerbotschaften durch die Feldpo st.) Wiederholt ist es bei Rücksendung von Feldpostsachen vorgekommen, daß zurückkommendeFeldpostbriefe den Vermerk trugen: „Adressat gefallen", ohne daß die Angehörigen bis dahin die geringste Ahnung hiervon gehabt hatten. Es ist daher besonders dankbar zu begrüßen, daß der Große Generalstab an die Verwaltung der Feldpost eine Anordnung hat ergehen lassen, wonach die Briefträger bei Ueberreichung derartiger Trauerbotschaften besonders rücksichtsvoll vorgehen sollen. Keineswegs darfi-etn solcher Brief einfach bind) den Briefkasten an der Wohnungstür geworfen, sondern er soll nach aller Möglichkeit nur dem Familienoberhaupt ausgeliefert werden. In den ländlichen Postbezirken sind die Briefträger sogar angewiesen worden, derartige Feldpostsendnngen nur an den Geistlichen der Ortsgemeinde auszuliefern, damit dieser die Angehörigen schonend vorbereiten könne. Man hat zweifellos angenommen, da sich dies rücksichtsvolle Vorgehen in den großen Städten nicht werde durchführen lassen. Um so erfreulicher ist, daß in einigen großen Städten sich bereits seit Anfang des Krieges die Pastoren gern diesen ernsten Postbotendienstaufihre Bitte haben übertragen lassen. Feldpostbriefe und Karten, die als unbestellbar mit dem harten Vermerk „tot", „gefallen", „vermißt" von den Schlachtfeldern zurückkommen, werden dort von der Postverwaltung an die Stadt übergeben,' auf dem Meldeamt wird die Konfession sestgestellt, und nun werden die Postsachen von den zuständigen Pfarrern den Absendern persönlich über- bracht. Dieses Beispiel verdient in allen Städten nachgeahmt zu werden. Der Geistlichen harrt hier eine schwere, aber große Aufgabe.
* (P f l a n z t O b st b ä u m e!) Der gewaltig gestiegene Obstverbrauch kann lange nicht durch die Erzeugung im Jnlande gedeckt werden, für rund 100 Millionen Mark sind in den letzten Jahren durchschnittlich alljährlich an Obst und Obstprodukten aus dem Ausland zu uns gekommen. Der Krieg wird hier hoffentlich Wandel schaffen und zu vermehrtem Obstbau im Jnlande anregen, um diesen vielen Millionen dem Vaterland zu erhalten, besonders da fast alle Gegenden und Orte, wo nachhaltig Obstbau getrieben wird, sich durch Wohlhabenheit auszeichnen. Man soll aber nicht warten mit der Anpflanzung, bis der Krieg beendet ist. „Jetzt diesen Herbst noch gepflanzt", damit bald geerntet werden kann, besonders da gerade der Herbst die beste Pflanzzeit ist. Der Grundbesitzer, der Obstbäume pflanzt, legt sein Geld gut an, schafft sich eine sichere Einnahmequelle und tut ein gutes, echt nationales Werk.
* (Kein Rauchmaterial an jugendliche Personen!) Für die Dauer des Kriegszustandes ist, wie wir in Caffeler Blättern lesen, für den Be- zirküesll. Armeekorps verboten,jugendlichen Personen unter 16. Jahren Streichhölzer, Feuerwerkskörper, Zigarren und Zigarreten zu verkaufen oder zur-Benutzung ohne Ueoerwachung zu^überlaffen; fernerhin in Ställen und Scheunen, sowie in der Nähe von Scheunen, Feldscheunen und Schobern zu rauchen, Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft.
§ Hersfeld, 6. November. (Zur Beobachtung!) Es sei darauf hingewiesen, daß die Steuern für das 2. Vierteljahr 1914 bis zum 15. d. Mts. bezahlt werden müssen. Von der Steuerpflicht find für die Dauer des Krieges lediglich die an demselben teilnehmenden Personen befreit.
):( Hersfeld, 5. Nov. Immer von neuem gehen beim Generalkommando Gesuche ein um Beförderung einer bestimmten Liebesgabenmenge an einen bestimmten Truppenteil. Der Wunsch, den Regimentern spenden
zu wollen, die seit langer Zeit mit der Garnison und ihrer Umgebung vertraut sind ist begreiflich. Die Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung solcher Absicht entgegenstellen, Merwiegen jedoch. Auch ist es wenig bekannt, daß die meisten Regimenter, sei es bet ihrer Mobilmachung, sei es durch die Ergänzungstransporte, eine verhältnismäßig große Zahl von Mannschaften zugewiesen erhalten mußten, die aus ganz anderen, oft weit entfernten Gegenden stammen. Umgekehrt wird sich zur Zeit der größte Teil des aus einer bestimmten Gegend stammenden Ersatzes nicht bei den im Frieden dort stehenden Regiment, sondern bei einer der vielen neuen Formationen befinden. Wenn man daher nur für die Angehörigen des aus dem Frieden bekannten Regiments Liebesgaben spenden wollte, so würde die Folge die sein, daß der größte Teil der aus dieser Gegend stammenden Mannschaften leer ansgeht. Das Generalkommando bittet daher dahin wirken zu wollen, daß möglichst alle für das Feldheer bestimmten Liebesgaben an die Annahmestelle freiwilliger Gaben Nr. II des xi. Armeekorps in Cassel, Moritzstraße 29, gerichtet werden. Des Weiteren wird die Bevölkerung darüber aufzuklären sein, daß ein Bedürfnis, Liebesgaben aus der Heimat unmittelbar bis an die Front zu bringen, etwa durch Kraftmagen, nicht mehr besteht, daß vielmehr die Heeresverwaltung nunmehr die Zuführung der Liebesgaben im Großen eingerichtet und verteilt hat. Einzelsendungen können daher jetzt nicht mehr darauf rechnen, durchgelassen zu werden, sie würden auch nur störend wirken.
):( Hersfeld, 6. November. Dem Feldwebel Konrad Raacke im Landwehr-Jnf.-Regt. Nr 39, Sohn des verstorbenen Schornsteinfegerwzrsters Raacke zu Friedewald, wurde für oewiesene Tapferkeit vor dem Feind in dem Gefecht bei St. Gilles Termonte' und bei der Belagerung von Antwerpen das „Ei se r n e K r e uz" verliehen. Die Auszeichnung, wurde ihm vor ver- sammeltemRegiment durch den Regimentskommandeur überreicht. Feldwebel Raacke hat seinerzeit auch den Chinafeldzug als Freiwilliger beim 2. Seebattaillon mitgemacht.
):( Hersfeld, 6. November. Das Eiserne Kreuz erster Klaffe erhielt Hauptmann Dietrich vom Jnf.-Regt. 82 Göttingen früher Bezirksadjutant in Hersfeld. Ferner wurden mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse ausgezeichnet aus Asbach Vizeseld- webel Kahler Res.-Jnf.-Regt. 71, und Unteroffizier März Jnf.-Regt. 138, Musketier Heller aus Hersfeld, Jnf.-Regt. Nr. 57, Unteroffizier Eschstrut aus Hedders- dorf, Jnf.-Regt. 143.
):( Hersfeld, 6. November. Heute morgen gegen fünf Uhr wurde ein Soldat vorn Regt. 83, der Bahnwache stand, vermutlich von einem Schnellzug überfahren und sofort getötet.
Weißenborn, 5. November. Das Eiserne Kreuz erhielt aus unserer Gemeinde der Reservist Nikolaus Dietrich, Sohn des Adam Dietrich (Bernh. Sohn.)
Cassel, 5. November. Ein tödlicher Unfall ereignete sich auf dem Bahnhof Klosterbuch. Der Unteroffizier H. vom Bezirkskommando Döbeln wollte abends nach Hause zurückkehren. Im Begriffe, sein Fahrrad zum Gepäckwagen zu bringen, wurde er auf bisher unaufgeklärte Weise (vermutlich ist er zu Falle gekommen) von dem einfahrenden Zuge erfaßt und dabei totgefahren. Die Braut des auf so tragische Weue ums Leben Gekommenen war Zeugin des Unglücks.
Büdingen, 5. November. (Der Wunsch des Landsturmmanns.) Humor bei der Musterung zeigte hier ein etwas beleibter älterer Landsturmmann. Auf die Frage, zu welchem Truppenteil er gerne wollte, an^ wortete er: „Zu der dicken Berta". Sein Wunsch wurde erfüllt; er kam zur schweren Artillerie.
Fulda, 4. November. Die Schüler der Molkereischule hier haben für dieses Jahr auf ein Weihnachtsgeschenk zugunsten des Roten Kreuzes verzichtet und aus der Weihnachtskasse und Strafgelderkaffe den Roten Kreuzvereinen den Betrag von 250 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß die Hälfte zur Beschaffung warmer Kleidung für die im Felde stehenden Soldaten und zur anderen Hälfte für die Pflege der Verwundeten Verwendung finden.
Bad Orb, 4. November. Auf dem neuen Truppenübungsplätze soll jetzt auch ein großes Gefangenenlager eingerichtet werden. Die ersten Arbeiten dafür sind dieser Tage vergeben worden. Die Gefangenen sollen mit dem Ausroden der Baumstümpfe und Wurzeln in den bereits abgeholzten Waldungen von Orb, Lettgenbrunn und Villbach verwendet werden.
Darmstadt, 5. Nov. Der dreifache Raubmörder glörsch, der im Frühjahr in Hochheim bei Worms den äckermeister Back, dessen Ehefrau und Tochter ermordete, und vom Schwurgericht dreimal zum Tode verurteilt worden war, wurde im Hofe des Provinztal- arresthauses hingerichtet.
Der Krieg und unsere Industrie in Dftdeutschland.
Der Krieg dürfte auch unserer Industrie einen gewissen Aufschwung geben. Die Spuren der Russen- Herrschaft in Ostpreußen müssen beseitigt werden. Dazu braucht man Ziegeln. Aber in Ostpreußen sind auch viele Ziegeleien zerstört und die Städte denken daran, für ihren eigenen Bedarf selbst Ziegeleien zu bauen. So das fast ganz zerstörte Gerdauen. Die Holzindustrie war auf den Bezug russischer Hölzer angewiesen, nun kann sie ihren Bedarf nur aus dcu Wäldern Ostpreußens decken. Die Bautätigkeit wird im nächsten Frühjahr auch viel Holz brauchen und groß ist auch der Bedarf für die Heeresverwaltung. Die west« preußische Zuckerindustrie verfügt über eine Ernte mit gutem Zuckergehalt, demnach wird des zweifelhaften Absatzes wegen der Betrieb eingeschränkt. Die beiden ostpreußischen Zuckerfabriken bleiben für diese Kampagnegeschloffen. Die Brauereien und die Mühlen- industrie, die Schiffswerften und die Maschinenfabriken sind ganz zufrieden. Letzteren blühen große Aufträge, da auch hier von den Russen viel vernichtet worden ist. Auch die Tabakindustrie hat vorn Kriege Nutzen, wenn auch ihre Erzeugnisse nur langsam in die Hände unserer sie sehnsüchtig erwartenden Soldaten kommen. Die Zündholzindustrie war schon immer in mißlicher Lage, die noch mißlicher geworden ist durch den höheren Preis für Chemikalien. Daß die ganze Industrie unter den schwierigen Verkehrsverhältnissen leidet, braucht nicht erst gesagt zu werden.
Der Reichrtaazler über die Arbeitr. loseakürsorge
Die weite Kreise der Sozialpolitik, der Gemeindeverwaltungen und der Arbeiterschaft bewegende Frage, mit welchen Mitteln der Not der Arbeitslosen gesteuert werden kann, hat die Vorsitzenden der Gesellschaft für Soziale Reform, Staatsminister Dr. Frei- herrn v. Berlepsch und Prof. Dr. E. Francke, zu einer Eingabe an den Reichskanzler veranlaßt, in der um Förderung der bisher wesentlich von den Gemeinden und Berufsorganisationen getragenen Arbeitslosenunterstützung durch das Reich gebeten wird. Auf diese Eingabe hat der Reichskanzler folgende Antwort erteilt:
„Euer Exzellenz geneigtes Schreiben, daß Sie gemeinschaftlich mit Herrn Prof. Francke an mich gerichtet haben, ist in meine Hände gelangt. Ich bin ebenso wie Sie davon durchdrungen, daß alles geschehen muß, um diejenigen unserer Volksgenossen, die der Krieg erwerbslos gemacht hat, vor Not zu schützen. In erster Linie werden, wie Sie zutreffend hervorheben, die Gemeinden dafür zu sorgen haben, daß diese Unterstützung in ausreichendem Maße und unter Formen gewährt wird, die dem Umstände Rechnung tragen, daß es sich nicht um eine Armenunterstützung im landläufigen Sinne handelt. Dabei rechne ich darauf, daß die Bundesstaaten bestrebt sein werden, den Gemeinden, soweit die Geldbeschaffung Schwierigkeiten macht, mit ihrem Kredit beizuspringen, zumal sich meines Erachtens das Reich nach beendetem Kriege der Prüfung nicht wird entziehen können, inwieweit es sich etwa seinerseits an der Unterstützung beitragsschwacher Gemeinden beteiligen muß."
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Settion hersfeld
Fa. A. u. S. Katz, Schenkleugsfeld (Erlös aus verk.
Feldpostkarten u.Feldversandkästch. M. 10.— Gesangverein Heimatlied Heimboldshausen .............„ 30.—
Bestand „ 21.983.57 heutiger Bestand M. 22.023.57
Für die Krieger im Felde:
Fräulein Franke, hier.......M. 20.— Best« nd___„ 3.597.10 heutiger Bestand M. 3.617.16
Für die notleidenden Ostpreußen Ungenannt...........M. 20.— Herrn Wetterau, Oberthalhausen . . . „ 10.— M. 80.— Bestand „ 315.66
heutiger Bestand M. 345.66