Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * . «
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei DtlSluOd* Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
C I, Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im
MttlSD amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 261. Freitag, den 6. November 1614
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bestellungen
auf das
Bersfelder Tageblatt
werden für die Monate
November und Dezember von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern un von der Expedition angenommen.
Bus der Heimat«
* (Wiederzulassung von 500 Gramm- Feldpostb riefen.) Wie aus industriellen Kreisen verlautet, ist nach einer im Reichspostamt erhaltenen Auskunft mit der Wiederzulassung von Feldpostbriefen im Gewicht bis zu 500 Gramm für Mitte November d. J. zu rechnen. Auch bezüglich der an die Truppen zu sendenden Weihnachtspakete wird das Reichspostamt, falls die Heeresverwaltung nicht besondere Bestimmungen trifft, rechtzeitig bekannt geben, von welchem Termin an deren Versand zulässig ist.
*(KraftwagenfahrtenzurFrontnicht erwünscht.) Von zuständiger Stelle geht die Mitteilung zu, daß Kraftmagenfahrten aus dem Lande unmittelbar an die Front zur Zeit nicht mehr gewünscht werden. Dies gilt auch für die, welche Liebesgaben an unsere Truppen befördern wollen.
* (Der Pfadfinder im Kriege.) Auf Grund einiger Schilderungen in der Presse über die Tätigkeit von Pfadpftndern usw. teilt das Kriegsministerium mit, daß Weisungen an die Armee ergangen sind, wonach die Verwendung von Pfadfindern und sonstigen nicht im Heeresdienst stehenden Jugendlichen bei den kämpfenden Truppen unzulässig t|L Insbesondere ist eine Begleitung von Truppen ms Operationsgebiet oder in Feindesland, Hilfeleistung bei Verpflegungs-, Munitions- und Verwundeten- Transporten außerhalb des Heimatsgebiets, Heranschaffung von Lebensmitteln und Munition an die in Schützengräben liegenden Truppen und Verrichtung von Kundschafterdiensten nicht zu gestatten.
* Die Königliche stellvertretende Intendantur des XL Armeekorps z u Waffel gibt bekannt, daß Angebote auf Lieferung von Geräten, Geschirren, Wäsche usw. wie Tische, Schränke, Schemel, Bettstellen, Lampen, Eßbestecke, Eßnäpfe, Schüsseln, Kochapparate, Matratzen- und Strohsackfüllungen (Roßhaar, Kapok, Holzwolle usw.), Bettwäsche, wollene Decken, Handtücher usw. für den Kasernen- und Lazarett-Haushalt nicht an das König- Kche Kriegsministerium zu Berlin, an das Generalkommando oder an die Intendantur zu richten sind, sondern unmittelbar an die örtlichen Garnisonverwaltungen und Lazarette.
* (Die Hinterbliebenenfürsorge.) Die Auszahlung von Witwen- und Waisengeldern beginnt mit Ablauf der Zeit, für die Gnadengebührnisse gezahlt werden oder mit dem dem Sterbetage folgenden Tage. Für die zwei ersten Monate des Bezuges wrrd den Hinterbliebenen der im aktiven Dienst verstorbenen Personen des Soldatenstandes, einschließlich derwieder- verwendeten pensonierten Offiziere in gewissen Fallen ein Zuschuß insoweit gewährt, daß der Betrag des Gnadenmonats oder die Gnadenlöhnung erreicht wird. Haben die Hinterbliebenen keinen Anspruch auf Wltwen- und Waisengeld, so ist gegebenenfalls der zweifache Betrag der Gnadengebührnisse als einmalige Zuwendung zu gewähren. Läßt der Verstorbene Verwandte aufsteigender Linie, Geschwister, Geschwisterlinder oder Pflegekinder, deren Ernährer er ganz oder überwiegend war, in Bedürftigkeit zurück, so kann, falls auch Gnadengebührnisse bewilligt sind, ebenfalls eine einmalige Zuwendung bis zum zweifachen Betrage dreier gewahrt werden. Witwen- und Waisengeld und Kriegsversorgung werden monatlich im voraus gezahlt. Ge- bührnisse der allgemeinen und der Krregsversorgung werden nebeneinander gewährt. Das Recht aus Witwen- uud Waisengeld und Kriegsversorgung erlrscht: 1. für jeden Berechtigten mit Ablauf des Monats, tn dem er stirbt oder sich verheiratet, 2. für Waisen außerdem mit Ablauf des Monats, in dem sie das 18. Lebensjahr vollenden. Das Recht ruht bei Verlust der deutschen Reichsangehärigkeit.
):( Hersfeld, 5. November. (V o n derJngend- w e h r.) Die Jugendwehr Kompagnie Hersfeld unternimmt am nächsten Sonntage einen größeren Uebungs- marsch zu einem Gefechte mit den Jugendwehren Niederaula und Umgebung. Damit alle zur Kompagnie gehörigen Mannschaften sich an der Uebung beteiligen können, werden die Herren Geschäftsinhaber hierdurch gebeten, ihren jungen Leuten den kommenden Sonntag frei zu geben, da schon um 10 Uhr vorm. vom Kurpark aus abgerückt werden muß. Bon den Jungmannschaften wird ganz bestimmt erwartet, daß sie sich vollzählig an dieser Uebung beteiligen. Etwas gemahlener Kaffee, einige Stück Zucker, Trinkbecher und Mundvorrat für den Tag sind nur im Rucksack verpackt mitzunehmen. Wenn man auf der einen Seite sieht, mit welcher Lust nnd mit welchem sichtlichen Erfolgen die Mannschaften, welche seit Gründung der Kompagnie regelmäßig an allen Uebungen und Unterweisungen teilnehmen, ihre Pflicht gegen das Vaterland erfüllen, so muß es auf der anderen Seite aufs schmerzlichste bedauert werden, daß in Hersfeld, leider noch junge Leute Herumzugehen wagen, welche der Sache teilnahmlos gegenüberstehen und damit bekunden, daß sie dem Ernst unserer Zeit noch nicht haben begreifen wollen. Deutsche Art ist das auf keinen Fall. Alle hiesigen Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen sollten sich von solchen jungen Leuten, die in dieser so ernsten Zeit allein keine Pflichten gegen das Vaterland zu haben glauben, mit Verachtung abwenden. In jetziger Zeit in der Jugendwehr seine volle Pflicht tuen zu dürfen, muß eines jeden Deutschen Jünglings Stolz nnd Ehre sein. Die hiesige Jugendwehr könnte ca. 400 Mann stark sein, kann aber in Wirklichkeit noch nicht 200 Teilnehmer aufweisen von denen bei den Uebungen ea. 25°/o durch Abwesenheit glänzen. Wegen gänzlich unregelmäßigen Besuches der Uebungen mußten daher vor einigen Tagen fast 50 junge Leute von der Konpagnie ausgestoßen werden, gewiß ein äußerst beschämendes Zeugnis von dem geringen Pflichtgefühl dieser jungen Leute. Alle hiesigen Jünglingen vorn 16. Lebensjahre ab, die ihrer militärischen Pflicht noch nicht genügen können, sollten es als ihre unbedingte Pflicht und Schuldigkeit halten sich durch regelmäßigen Besuch der Uebungen in der hiesigen Jugendwehr auf ihren einstigen milctarrschen Beruf vorzubereite«.
w Hersfeld, 5. November. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet sind vom Res.-Jnf.-Regt. Nr. 71. Zahlmeister Reisig, Unteroffizier Hoffmann, Wehrmann Pfaff Reservist Freund, Vizefeldwebel Poßecker, Re- servi t Schütrumpf, Wehrmann Jakob,. Untcronlzrer Heß, Reservist Limburg, Gefreiter L-chluter, Vlzejeld- webel Reime, Gefreiter Laudemann, Reservist Wegehenkel und Reservist Münzel.
):( Hersfeld, 5. November. Dem heutigen V i e h - markt waren 87 Stück Rindvieh und 48b Stuck Schweine zugetrieben. Wenn der Handel bei den Schweinen trotz erhöhten Preisen flott ging, stockte derselbe bei dem Rindvieh vollständig, da bet einer von Baumbach aufgetriebenen Kuh Maul- und Klauen- seuchenverdacht festgestellt wurde. Der Auftrieb von Rindvieh wäre gut geworden wenn nicht die größere Zahl des noch nicht aufgetriebenen Viehes, nach sta £ gehabter Untersuchung wieder abgezogen waren. Auch der Handel wäre sicher gnt geworden da viele:amtier erschienen waren.
Schenklengsfeld, 2. November. Vor kurzem wurde hier eine Jugendwehr ins Leben gerufen, zu der bereits eine beträchtliche Anzahl junger Leute aus der hiesigen sowohl, als aus den benachbarten Gemeinden beiaetreten sind Die Jugendwehr steht unter der Leitung der Herren: Lehrer Wepler, Wachtmeister Ackermann von hier, Förster Radecke aus Hilmes und Förster Lotz aus Ronsbach.Erfrenlicherweise ftellte der kleine Ort Ronsbach bis jetzt die meisten Teilnehmer. Gestern wurden die ersten Uebungen ant dem Gemeindespielsplatz vorgenommen. Zuvor hielt Herr Lehrer Wepler eine kernige Ansprache. Sodann wurde die Einteilung der Wehr m einzelne Kompagnien
vorgenommen.
Niederzwehren, 4. November. Am gestrigen Nachmittage wurde in der Nahe des Gefangenenlagers bei Niederzwehren ein unbekannter Herr, anscheinend ein Ausländer, angehalten, und da er sich nicht genügend ausweisen konnte, tu Haft genommen und unter sicherer Bedeckung nach Capel zum Polizeipräsidium gefahren. Der Unbekannte, ein Herr in den dreißiger Jahren, war von kräftiger, untersetzter Statur, fein gekleidet und beherrscht verschiedene Sprachen. Er war dadurch aufgefallen, daß er sich in unerlaubter Weise an das Drahtgitter des Gefangenenlagers herangedrängt hatte und den Versuch gemacht haben soll, entgegen dem Verbot, mit den Gefangenen in Verbindung zu treten.
Göttingen, 2. November. Im benachbarten Fürstenhagen wurde am Sonnabend der Landwirt Thies von
seinem beladenen Langholzwaren, an dem die Bremse abgerissen war, überfahren und auf der Stelle getötet. Thies war 50 Jahre alt und unverheiratet.
Satzungen, 1. Noveinber. Der hiesige Domänen- pächter Otto Suhren schenkte der Salzunger Kriegs-' Hilfe einen Plan Kartoffeln, der etwa 1000 Zentner ergab. Weiter überließ er der Stadt weitere 1000 Zentner für den Preis von 2 Mk. pro Zentner. Hierdurch ist es der Stadt möglich gemacht, die bedürftigen Hinterbliebenen der im Felde stehenden Krieger auf eit mit Kartoffeln zu versehen.
mar, 4. November. Eine exemplarische Strafe
lange Z Wei
erhielt der Arbeiter Willn Munck in Jena, der als Posthilfsbote dort beim Leeren der Stadtbriefkasten in mindestens zwölf Fällen Feldpostsendungen mit Zigarren und Schokolade entwendete. Er wurde von der Strafkammer mit einem Jahr sechs Monaten Gefängnis bestraft,' wegen der ehrlosen Gesinnung der Handlung wurde ihm, trotz seines Geständnisses, die Untersuchungshaft nicht angerechnet.
Fulda, 4. November. (Hotelbeschietzung durch englische Kriegsschiffe.) In Ostende weilte bekanntlich Ende Oktober die Fuldaer Landsturmkompagnie. In einem ersten Hotel am Strande waren etwa 150 Offiziere beim Mittagessen versammelt, darunter Herr Oberleutnant Otto Müller-Fulda. Durch Verrat wurde die Anwesenheit der Deutschen den englischen Kriegsschiffen funkentelegraphisch mitgeteilt und sofort wurde das Hotel unter starkes Feuer genommen. Herr Oberleutnant Müller, der soeben den Speisesaal verlassen und sein Zimmer ausgesucht hatte, wurde durch den Luftdruck einer durch sein Zimmer fliegenden Granate zu Boden geworfen, während im Speisesaal zwei Offiziere getötet wurden. Später konnte Herr Otto Müller noch eine Anzahl Gefangene machen.
Frankfurt, 4. November. Der Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät, Herr Prof. Schoenflies, teilt mit, daß gestern der erste Kandidat in der naturwissenschaftlichen Fakultät seine Doktorprüfung bestanden hat. Der junge Doktor ist gleichzeitig der erste Doktor der Frankfurter Uuiversiät. Vivant sequentes!
Darmfiadt, 4. November. Nach Blättermeldungen entstanden im Gefangenenlager in Darmstadt zwischen zweihundert Engländern und etlichen Franzosen Streitigkeiten wegen gegenseitiger Vorwürfe. Diese nahmen einen so ernsten Charakter an, daß die Kommandantur am Samstag die Engländer nach einer norddeutschen Festung überführen ließ.
Bad Homburg, 4. November. (Generalstabschef Moltke in Homburg.) Generaloberst von Moltke, Chef des Generalstabs des Feldheeres, ist, im Automobil vam Großen.Hauptquartier kommend, in Homburg zum Erholungsurlaub eingetroffen. Der Kaiser hat dem erkrankten Generalstabschef einen Flügel des Hamburger Schlosses, die sogenannten Hirschgangzimmer, die sonst nur von kaiserlichen Prinzen bewohnt werden, als Wohnung zur Verfügung gestellt.
Köln, 4. November. Der letzte Fall in einer Sitzung des Kölner Jugendgerichtshofes endete mit einer kleinen Ueberraschung. Wegen fortgesetzter Versäumnis des Fortbildungsschulunterrichts sollte sich hier ein 15jähriger Junge verantworten. Wie erstaunten Richter und Schöffen, als bei dem Aufruf ein schmucker - Unteroffizier sich vorstellte, der am 3. August den Eltern und den Lehrern durchgegangen war und sich den 35ern angeschlossen hatte. Er war in der Pfadfinder-Uniform,' wegen seiner Tapferkeit bei der Erstürmung von Lüttich und Namur ist er inzwischen zum Unteroffizier befördert worden. Jetzt steht er bet Lille und war für die Verhandlung beurlaubt worden, die natürlich ohne Urteilsspruch erledigt wurde. Richter und Schöffen gaben dem tapferen jungen Krieger außer herzlichen Segenswünschen noch ein hübsches Handgeld mit aus den Weg, denn er hat natürlich sofort in die Front zurückzukehren.
Ein Erich.
Von treuer Freundeshand gepflückt,
Ein Blätterstrauß ward mir geschickt,
Rot, brann und gelb, der Blätter drei
Ein Fichtenzweig war auch dabei. — Sorgsam gebunden, doch ohne Band, Aus herbstlichem Walde im Feindesland.
Er liegt vor mir in Farbenpracht, Manch' Träne fiel darauf ganz sacht--
Hat er gepflückt ihn auf der Wacht?
An Heimat, Lieb' dabei gedacht?
Ob er, wenn Friedensfahnen wehn,
Er darf die Heimat wiedersehn? —
Nnr Mut, du Tapfrer, trau auf Gott,
Er schirmte dich bisher vor Not —
9tur dem Gerechten leiht er Sieg
In diesem aufgezwung'nen Krieg.
Nur mutig voran, das Schwert in der Hand, Mit Gott für König und Vaterland!
Lilly L., P. (Kan.-Zücht.)