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in das feindliche Lager, wo die Bengalen die Deutsch mit ihren Lanzen aufspießen sollen. Pardon würd, diese Bestien niemals geben. Ueber

die Schlacht bei Dünkirchen

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endlich schreibt der Korrespondent: Ein paar Kilometer des Vorrückens würden für die Deutschen genügen, um uns ins Meer zu treiben. Wir sind an der Spitze der großen Feuerlinie, die bei Belfort endigt. Würde diese hier durchbrochen, so müßte die Linie der Verbündeten vielleicht geändert werden und die Schlacht gewänne ein ganz anderes Aussehen.

Reims unter deutschem Granatfeuer.

Der Korrespondent derTimes" meldet aus Eper- nay: Nach Erzählung von Flüchtlingen ist die Lage in Reiurs schrecklich. 6000 bis 7000 Personen würben -nrch Granate» getötet; eine große Anzahl verwundet. 30 Häuser sind vollständig zerstört. Manche Familien leben tagelang in Kellern von Kleie. Sie sind tatsächlich zu Höhlenbewohnern geworden.

Dreißig neue französische Generale.

DasJournal Office" in Paris veröffentlicht die Ernennung von 30 neuen Generalen. Diese Ernen­nungen waren dadurch notwendig geworden, daß viele Generale gefallen oder in Gefangenschaft geraten waren oder wegen ihres Alters und körperlicher Gebrechen aus dem aktiven Dienst ausscheiden mußten.

Schlechte Ergebnisse der englischen Rekrntiernng.

Der Korrespondent desNieuwe Rotterdamsche Courant" meldet seinem Blatte aus London, daß die Meldungen für den Heeresdienst in England immer ge­ringer werden. Diese Wahrnehmung eines unbefan­genen Zeugen sagt mehr als alle Aufschneidereien der englischen Presse über die Erfolge der Rekrutierung. Auch die Begeisterung der Iren, sich für ihren alten Unterdrücker England zu schlagen, scheint nicht über­mäßig groß zu sein. Wenigstens führt dieTimes" Klage darüber, daß sich so wenig Iren als Freiwillige zum Heeresdienst melden.

Die Fliegertätigkeit an der Küste.

t-#= Rotterdam, 4. November. (T.-U.) Aus Aarden- burg wird demRotterdamschen Courant" gemeldet: Seit dreizehn Tagen wird bei West-Rosebeke hartnäckig gekämpft. Täglich krenzen deutsche, französische und englische Flieger über Westrosebeke. Es wird berichtet, daß die deutschen Flieger ein große Rauchwolken ent­wickelndes Material mit sich führen, mit dessen Hilfe sie sich dem Feinde unsichtbar machten.

Der öffentliche Dienst in AntwerHen wieder hergestellt.

o^ Antwerpen, 4. November. (WTB.) Hier ist der öffentliche Dienst fast völlig wieder hergestellt. Lebens­mittel sind genug vorhanden und znm Teil billiger als vor dem Kriege. . -

In Paris erkennt mau die Lage.

Nach einer Genfer Meldung desBerl. Lokalanz." läßt man sich in Paris durch die amtlichen Berichte nicht mehr über die deutschen Erfolge, namentlich bei dem heftig beschossenen Arvas und längs der ganzen Linie von Reims bis zu den Maashöhen, hinwegtäuschen. Sehr verstimmend wirken auch die Meldungen über die kräftige Ausnutzung des neu eroberten Stützpunk­tes Vailly in dem Aisne-Gebiet, sowie die weniger günstigen Nachrichten aus Flandern. Für den Verlust der dortigen Ortschaft Messines, die jetzt in deutschem Besitz ist und die gegnerischen Bewegungen stark hem­men kann, bedeutet der angeblich französische kleine Ge­ländegewinn südlich Gelnvelt bei Dixmude nur ein schwacher Trost. Der Militärkritiker Rousset, übelge­launt, daß die andauernde dentsche Angriffslnst ans der ganzen Front seine Voraussagen entkräftet, schließt seine Betrachtungen wie folgt:Irgendein Tor wollen die Deutschen einschlagen, gleichviel welches, wenns ihnen nur den Weg nach Dünkirchen öffnet."

Die Furcht vor unseren Unterseebooten.

DieTimes" schreiben: Die bezeichnendste Epi­sode in den Nachrichten des Wochenendes ist, daß der KreuzerHermes" am Sonnabend in der Straße von Dover von einem deutschen Unterseeboot tor^diert wurde. Das ist an sich keine sehr ernste Sache, aber es ist ein gewisser Verlust, und es ist besser, es zuzugestehen. Es ist bemerkenswert, daß derHermes" wie schon der Hawke" während der Fahrt torpediert wurde. Von wirklicher Bedeutung ist, daß sich die feindlichen Unter­seeboote in der Straße von Dover befinde«, daß das Minenfeld ihr Kommen und Gehen nicht hmdert, und datz wir auf ihre fortgesetzte Anwesenheit in der Meer­enge rechnen müsse». Feindliche Unterseeboote er­scheinen jetzt an neuen Orten. Sie werden mit großem Geschick und Mut geführt. Der Feind hat durch Unter­seeboote und Minen in gewissem Maße, obwohl nicht in vitalem Umfange, die sichere» Bedingungen verrin­gert, die wir znr See zu erhalte» strebe». Unsere Stra­tegie zwingt uns, Schiffe auf See zu behalten, wo sie in größerer Gefahr sich befinden als wir anzunehmen pflegten.

Die Nordsee als Kriegsgebiet erklärt.

Die «Köln. Ztg." meldet von der holländischen Grenze: Die britische Admiralität teilt mit:

Da die Deutschen willkürlich durch Hanüelsschlffe mit neutraler Flagge in der Nordsee Minen gelegt haben, muß die gesamte Nordsee als militärisches Gebiet betrachtet werden. Vom 5. November ab werden alle Schiffe, die die Linie überschreiten, welche vom Nordpunkt der Hebriden über Farrer nach Island gezogen wird, dies auf eigene Gefahr tun; es sei denn, sie handeln auf besondere Weisung der^ Admiralität. Den Handels­schiffen aller Nationen, die nach Norwegen, der Ostsee, Dänemark und Holland fahren wollen, wird angeraten, durch den Kanal «ach Dover zu fahren. Hier werden ihnen die Wege bezeichnet, die sie, soweit es Großbritan­nien angeht, sicher nach Fam-Jsland dringem von wo aus, soweit möglich, ein sicherer Weg nach Feuerschlft Lindesnaes an der norwegischen Küste angegeben wird. Von hier aus ist möglichst nahe an der Küste entlang zu fahren.

DieKöln. Ztg." bemerkt hierzu: Damit versucht England unter Zuhilfenahme einer Verleumdung Deutschlands alle Handelsschiffe, welche die Nordsee be­fahren zunächst in seinen Hafen Dover zu treiben, na­türlich,' um sie dort zu untersuchen und, wenn möglich, chre Ladung mit Beschlag zu legen.

[ Vom österr.-ungar. Generalstab ]

Wie«, 3. November. WTB.) Amtlich. In Rus- sisch-Polen brachen unsere Streitkrafte, als fie eine starre feindliche Armee zur Entwickelung «ezwvngen hatte«, die Gefechte ans der Lysa-Gora ab, «m die nach den Kämpfe« vor Jwangorod befohlenen Bewegungen sort- zu setze«. Die Lage in Galizie» ist «uverandttt. Aus ben Kämpfe« der letzten Tage südlich Star^Sambor nnd nordwestlich Tnrka wurden Mh« Mb «f«M0& «81«

sen etugevracht. Gestern frith »verfielen Husaren bei Rybnik im Stryltale eine feindliche Mnnitionskolonne und erbeuteten viele Wagen mit Artilleriemunition.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, von H ö f e r, Gneralmajor.

Die Erfolge gegen Serbien.

r Wien, 3. November. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart: Erst jetzt läßt sich der in der Macsa errungene Erfolg voll überblicken. Die dort gestandene zweite serbische Armee unter General Stcpanooic mit vier bis fünf Divisionen konnte sich nur durch einen übereiligen Rückzug, bei dem sie Borräte aller Art und Train im Stiche lassen mußte nnd zahlreiche Gefangene verlor, aus der bedrohlichen Situation retten. Der Feind ist, ohne in den vorbereiteten rückwärtigen Stel- Inngen neuerdings Widerstand z« leisten, in einem Zuge bis in das Hügelland südlich Sabac zurückgewichen und leistete nur noch bei Sabac, das in der Nacht znm 2. November von unseren tapferen Truppen erstürmt wurde, hartnäckigen aber vergeblichen Widerstand.

P o t i o r e k, Feldzeugmeister.

Deutsche Flieger über Warschan.

Einer Krakauer Meldung derFranks. Ztg." zu- solge berichtet derCzas" über die Beschießung von Warschau durch ein dentsches Flugzeug: Nachmittags 3 Uhr erschien eine Flugmaschine über der Stadt nnd warf 40 Bomben ab, welche in der Marschallkopkastraße explodierten, ohne erheblichen Schaden zu verursachen. Doch wurden in weitem Umkreise sämtliche Fenster­scheiben zertrümmert. Um 5 Uhr verschwand das Flug­zeug wieder.

Die Beschießung von Tsingtau.

o-r Tokio, 4. November. (WTB.) Nach amtlicher Bekanntmachung dauert die Beschießung von Tsingtan fort. Die meisten dentschen Forts sind zum Schweigen gebracht, nur zwei antworten unaufhörlich auf die An­griffe zu Wasser und zu Lande. Das Bombardement verursachte eine Feuersbrust in dem Hafen nnd die Explosion eines Oeltanks. Ein Forts steht in Flam­men. Ein dentsches Kanonenboot, das einen Schoru-

Eine englische Schlappe in Südafrika.

DieKöln. Ztg." berichtet: Reuter meldet aus Pre­toria, daß 410 Mann ans oer Abteilung de Billers, die bei Treurfontain gefangen genommen waren, durch den Obersten Albers wieder befreit worden sind. Das ist eine hübsche Umschreibung für die ohne Zweifel dabei erlittene Schlappe.

Der Aufstand greift immer weiter.

Handelsfirmen in Amsterdam und Rotterdam haben aus London vertrauliche Informationen erhalten, daß die Zahl der aufständischen Bureu bereits über 10 000 erreicht haben soll. Sie sind sämtlich gut bewaffnet und auch im Besitz von Schnellfeuergeschützen. Bestimmten Nachrichten zufolge soll sich die gesamte Oranjeflutz- kolonie im Aufruhr befinden. Am bedenklichsten wird es auf englischer Seite gefunden, daß sich Dewet auf die Seite der Aufständischen gestellt hat. Die Engländer verfügen in der Kapkolonie über etwa 80 000 Mann, deren Zahl bei einem Ulysichgreifen des Aufstandes bet weitem nicht zu seiner Unterdrückung ausreichen würde. Das englische Kriegsmaterial in der Kapkolonie soll ebenfalls unzureichend sein, da England die Kapkolonie wegen seiner Kriegsvorbereitungen für Europa mili­tärisch vernachlässigt hat.

Die Gefahrenzone Englands in Südafrika.

o-r London, 4. November. (WTBö DieMor- ningpost" meldet aus Kapstadt: Die Gefahrenzone ist im Orauiefretstaat, wo Dewet die Eualäuder gezwungen habe, sich feinem Kommando anzuschlietzen.

Krlegsallerlel.

Unerschütterliche Siegeszuversicht.

König Friedrich August hat bet seiner Rückkehr vom westlichen Kriegsschauplatz in Dresden nach einer Be­grüßung durch den Oberbürgermeister eine Ansprache gehalten, in der er u. a. sagte: Wer gesehen hat, wie unsere Truppen unter zum Teil schwierigen Verhält­nissen nicht nur von standhaftem Heldenmut, sondern auch von dem Geist frischer Offensive erfüllt sind, der weiß, daß wir in diesem Kampf siegen werden.

Ordensauszeichnung für Generaloberst von Hausen.

König Friedrich August hat dem Generalobersten Freiherr« von Hausen, der bekanntlich zu Anfang des Krieges bis zn seiner Erkrankung die dritte Armee kommandierte, die Schwerter zum Großkreuz des Ver­dienstordens verliehen. Generaloberst von Hausen wird sich von Wiesbaden zu einer Nachkur nach König- stein im Taunus begeben.

DerPonr le m^rite" für General von Woyrsch.

Dem General der Infanterie von Woyrsch, der a la fuite des 1. Garde-Regiments zn Fuß steht, und Kom­mandierender General des Landwehrkorps ist, ist der OrdenPour le msrite verliehen worden.

Eine Erkranknng des sächsischen Kriegsministers.

Der sächsische Kriegsminister General von Earlo- witz hat sich im Feld ein leichtes Herzleiden zugezogen und sich zur Genesung nach Bad Nauheim begeben.

Antwerpens Verteidiger in Paderborn.

Die , Köln. Ztg." meldet aus Krefeld: Im hiesigen lRekanaenenlaaer sind 200 russische Offiziere angekvm- men General de Guise, der Verteidiger Antwerpens, und'die anderen belgischen Offiziere sind nach Pader­born gebracht worden.

Der 70. Geburtstag des Sultans.

Sultan Muhammed Reschad Chan V., der am 3. No­vember 1844 in Konstansinopel seinen 70. Geburtstag. .^t dem A April ijo.j führt er die Regierung des osmaniichen Reichs.

Des Vaters Rat.

Die folgende niedliche Kriegsgefchichte wird der , Straf b. Post" als verbürgt berichtet: Ein französischer Kriegsgefangener auf dem Hohenasperg erzählte seinem Gelanaenenwärter in gebrochenem Deutsch, wie er un- mitteW ?us den in den französischen Vogesen abge- ^ltenen Manövern in das Feld mußte, ohne vorher in -------- ---- 'önnen. Sein Vater

ausgesucht und ihm beim cht schießen zu lassen. Er

er

seiner ^Heima^Abschied nehmen zu können/ Sein Abschied" empsälen^sich^a nicht schießen zu lassen. Er möae lieber die erste beste Gelegenheit ergreifen und sich gefangen nehmen lassen. So habe er, der Vater, es 1870 auch gemacht und es nicht bereut. Wenn er es machen könnte, sollte er sehen, auf den Hohenasperg in Württemberg zu kommen. Dort habe er gute Tage ver­lebt Diesen väterlichen Rat hat der Franzose, befolgt, und es ist ihm auch gelungen auf den Hohenasperg zu kommen, ja sogar in den gleichen Raum, wo sich einst sein Vater an der Wand verewigt hat. Es scheint also, daß sich bet unsern Feinden im Westen auch in dieier Richtung erbliche Belastungen zeigen,

Wie England die deutsche» ZtvNgefangenen zu Tode martert.

o-t Berlin, 4. November. (WTB.) Ein aus dem Konzentrationslager von Famley befreiter Deutscher be­richtet einem Chemnitzer Blatte, daß infolge schlechter Behandlung in einer Woche 17 Zivilgefangene gestor- ben seien.

Kohlen ans Russisch-Pole».

w= Wien, 4. November. (T.-ll.) Die an die ober- schlesischen Kohlenbezirke angrenzenden Kohlengruben in Russisch-Polen setzten und) demNeuen Wiener Tage­blatt" die Förderung unter deutscher Verwaltung fort. Die Kohlen seien bereits nach Deutschland gelangt und auch nach Oesterreich unterwegs.

Eine neue englische Kriegsanleihe.

e-* London, 4. November. (WTB.)Daily Telc- graaf" meldet, eine neue KriegSanleihe von 200 Millio­nen Pfund Sterling werde bald ausgegeben werden.

leilbilöet aus der groben Schlacht

Aus einem Feldpostbrief.

Sonntag den . . . September. Abmarsch morgens 5 Uhr. Ueber 40 Kilometer gab es, dazu bet schlechtem Wetter. Abends gegen 7 Uhr kommen wir ins Quar­tier in einem kleinen französischen Ort. Ein Bett winkte mir nach langer Zeit. Da kommt 8^ Uhr der Befehl: 10 Uhr marschiert alles weiter". Eine kalte stürmische Nacht, strömender Regen. 3n endlosen Zügen wälzte sich die Division mit allen Waffen die Strafte entlang. Am schlimmsten ist die Infanterie dran. Gibt es ein Halt, gleich wirft sich die Mannschaft mtf die nasse Erde. Es gibt keine lange Pause. Der Morgen graut/ es gibt noch keinen Kaffee, immer weiter, weiter. Zum Glück wird das Wetter besser. Die Feldküchen haben abge- kvcht. Es gibt schnell etwas zu essen und weiter geht es, auf den Höhenzug, den wir jetzt im Besitz haben und befestigen.

Wir kamen am späten Nachmittage an. ES galt zwischen den aufmarschierenden Armeen ein Loch zu stopfen. Wir kommen gerade rechtzeitig. Nach not­dürftiger Befestigung brach die Nacht nn; unter einen Strauch habe ich mich gesetzt. Bei kaltem Regen kein besonders behagliches Quartier. Mit den nassen Fü­ßen, die ich schon gar nietji leiden kann, kommen aller­hand dumme Gedanken über die Schönheit des Welt­friedens. Am nächsten Morgen gab es Abwechslung: Artilleriefeuer. Den ganzen Morgen lagen wir m einem kleinen Wäldchen mit 150 Mann, die unseren Abschnitt mit besetzen sollten, platt auf dem Bauch. Es gab keinen Schutz außer deu Bäumen, und doch erwies sich der Schutz als nicht schlecht. ES prasselte nicht übel in den Bäumen, aber auf dem Boden ließ es sich aus­halten. Wir hatten 4 Tote und 17 Verwundete, als auch dieses Intermezzo für uns vorüber war.

. .. Oktober. Bon Montag den .. . Sept. nn liegen wir in unserer jetzigen Stellung, rechts uns Armee an Armee. Tag mit) Nacht bald hier, bald da ein Kampf. Einmal

am Btorgen, dann ein Versuch bei Nacht, »en hin und her. Maschinengewehre, kanonen. Leuchtkugeln tn der Nacht,

und links von tu Spannung, gehts früh los Flieger kreu- Ballonabwehr- Scheinwerfer,

brennende Häuser, ja ganze Ortschaften, vor uns Br., zum Teil von uns besetzt, brennend. Kriegsbilder in einer Fülle von Variation, die zu schildern zn wett führen würde. Uns gegenüber sind nur Engländer mtb französische Artillerie. Lyddil-Granaten und Dum- Dum. Die Lyddit-Granaten sind ekelhaft, färben alles gelb und stinken. SRtr hat anch mal eine mein Mittag­brot verdorben. Unser Platz hier bekomini pro Tag 20 Stück herüber gesandt. Es muß eine Marinebatterie sein, die weit steht hinter einem Berg, wir wissen noch nicht, von wo der Segen kommt. Tote haben wir in den 3 Wochen durch Lyddit-Granaten erst 5 Mann. Eine schlug direkt auf unsern Schützengraben. 4 Soldaten lagen begraben unter einem Erdhaufen: sie wurden alle wieder hervorgezogen, schauten etwas dumm ins Ge­lände, waren gelb und grün, aber keiner war nennens­wert verwundet. Immerhin hat man gerne, sie bleiben etwas weiter ab. Von den französischen Geschossen (auch eine französische Batterie widmet sich uns) explo­dieren viele nicht. Ich möchte unsere Stellung nicht gegen deutsche Haubitzen halten.

Null iroch etwas von unserem Leben: Schlecht fing es an unter einem Strauch im Regelt. Dann ein Licht­blick,' etwas Speck, aber nur wenige Tage. Wir fangen an, Höhlen zu bauen. Nur Heu war zu haben, Bäcke­reien, Metzgereien tun sich auf. Jeden Tag eine Besse­rung. Immer wächst ein neues Bedürfnis nach Kom­fort. ältester, Teller, Tasseu, Gabel, Glaser. Die Ent­wicklung vom Höhlenmenschen zum Kultnrdandy, von den primitivsten Anfängen bis zur Vollettdung des 20. Jahrhunderts, die die Menschheit in Zeiträumen, um deren Größe sich heute noch die Gelehrten streiten, durch- gemacht hat, haben wir in 14 Tagen schnell nochmal re­kapituliert. Wie sieht es jetzt aus in unserer Höhle! Aus einem Dorfe, das die Einwohner verlassen, wird jeden Tag etwas mehr beigeschleppt. Schon haben wir einen Holzfußboden heute gelegt. Wellblechdach, ein Fenster eingebaut mit Gardine. Tagelang hat man nur an des Lebens äußerste Notdurft gedacht, jeden Tag aber meldet sich jetzt ein neues Bedürfnis nach Luxus. Man wäscht sich sogar, rasiert wird man, schon zirkuliert eine Nagelschere. Die Bagage liegt 25 Kilometer hinter uns. Die Burschen bringen Wäsche zum Wechseln. Ein Lllft- kopfkissen schickt mir mein Schreiber. Und gar unsere Vorräte. Täglich hinter der Front wird frisch geschlachtet: frisches Fleisch, frische Wurst, Zunge schickt man uns. Im Lande reist der Verpflegungsoffizier. Mein Wein­keller zn Hause in der besten Zeit hielte den Vergleich nicht aus mit dem Loch in der Erde, das wir uns für französischen Sekt, Rot- und Weißwein, Benediktiner, Kognak gegraben haben. Ich trinke auf Euer Wohl. Könnte ich Euch doch mal auf einen Tag hier einladen.

Französische Gefangene haben ausgesagt, daß Eng­länder und Franzoien bei jeder Kompagnie 6 Mann, die besten Schützen, bestimmen, die nur auf Offiziere schießen. Man soll sich mehr schonen, aber ohne Offi­ziere geht es nicht. Das Gros bedarf des Führers. Und daran ist der Offizier schon kenntlich, obwohl die Uni­form ziemlich gleich ist. Bisher sind wir meist die An­greifer gewesen, der Gegner lag verschanzt. Wo er sich vorwagte, ist er blutig zurückgeschlagen worden. Ge­fangene Engländer (meist Patrouillen), die ich sprach, erzählen, sie hätten bei einzelnen Regimentertl enorme Verluste. Wie schnell gewöhnt man sich daran, Kame­raden fallen zu sehen. Der letzte Verlust war ein Haupt- mann meines Bataillons. Am Abend noch bei Wein und Sekt war er so fidel,' jung verheiratet, zwei Kinder, er sprach von seiner Sehnsucht, sie wieder zu sehen. Bei Morgengrauen schaute er ins Gelände, um seiner Kom­pagnie einen neuen Platz, wie befohlen, anzuweisen, und schon sinkt er um, tot. Mir geht es, nebenbei gesagt, körperlich sehr gut. Und an die Tatsache, daß man direkt vor dem Feind sein Leben unter einigermaßen erhöhten Gefahrsumstanden fristet, gewöhnt man sich.

Lebt wohl und herzliche Grüße N. N.

(Frkf. Ztg.)