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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Kersselder

fiir den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- i holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 360. Donnerstag, den 5. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Beitellungen

auf das bersfelder Tageblatt

werden für die Monate

November und Dezember

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern un von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat

* (Prüfunstermin für Lehrer und Lehrerinnen an Hilfsschulen.) Das Königl. Provinzial-Schulkollegium für Hessen-Nassau hicr- selbst hat Termin zur Abhaltung der Prüfung für Lehrer und Lehrerinnen an Hilfsschulen auf den 9. Dezember 1915 in Cassel festgesetzt.

* (DeutscheKriegskarte 1914.) Auf Befehl Sr. Maj. des Kaisers ist zugunsten des Roten Kreuzes eineDeutsche Kriegskarte 1914"herausgegeben worden, die das Brustbild des Kaisers in großer Generals­uniform zeigt und darunter in den markigen Schrift­zügen des Kaisers die Worte, die der Kaiser vom Balkon des Berliner Schlosses seinem Volk zurief: Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche." Dann folgt die charakteristische Unterschrift des Kaisers. Die Karte trägt als DatumKoblenz, 26. August 1914." Im Interesse des guten Zweckes ist eine möglichst große Verbreitung zu wünschen.

§ Hersseld, 4. November. Im Jahre 1913 wurde von dem Präsidenten des Deutschen Luftfahrerver­bandes, Exzellenz Generalleutnant z. D. Freiherrn von der Goltz der Luftfahrerdank ins Leben gerufen. Zwecks dieser, unter einem Kuratorium namhafter Persönlichkeiten stehenden Gründung ist die Unter­stützung verunglückter Flieger und Luftschiffer, sowie deren Hinterbliebenen. Ueberfall fanden biete Fürsorgebestrebungen Anklang. Von Reichs- und Staatsbehörden, Komunalverwaltungen und allen Schichten des deutschen Volkes flossen dem Luftfahrer­dank Mittel zu. Neben derUnfallversiche- rungvonFliegern, wurdedieLuftfahrer- sursorge getätigt durch freie Verflegung der Verunglückten in Krankenhäusern bezw. Unter st ützuugvon Hinterbliebenen mit Barmitteln. Wenn schon die Gelder für einmalige und laufende Unterstützungen vornehmlich der Hinterbliebenen unserer Flieger und Luftschiffer lm Frieden Bedeutende sein mußten, wievielmehr be­darf es solcher in der jetzigen schweren Zeit, zumal die bisher ausgeübte wirtschaftliche Betätigung des Luftfahrerdank fast vollständig ruht. Unseren deutschen Piloten sind Aufgaben gestellt, die sie im Feindes­land in allererster Linie den Gefahren des Krieges aussetzen. Der Luftfahrerdank wendet sich daher an alle Kreiise Deutschlands und bittet, ein Scherflern, sei es noch so gering, beizusteuern zum Besten der Fürsorge für Flieger und Luftschiffer, auf deren brs- herige Erfolge jeder Deutsche stolz sein kann, und dre während des Krieges sicher ihre volle Pflicht und Schuldigkeit tun werden. Beiträge werden auf das Konto des Luftfahrerdank, bei der Nationalbank für Deutschland, in deren Depositenkassen oder an die Zentral-Geschäftsstelle des Luftfahrerdank, Berlin- Charlottenburg, Joachimsthalerstraße 1 erbeten.

):( Hersfeld, 3. Nov. (Das unverständliche K i a u t f ch a u.) Steht dieser Tage eine biedere Bauers­frau vor dem Schaufenster eines hiesigen Geschäftes und liest ein dort ausgehängtes Extrablatt. Als sie hierbei etwas von den Japanern liest, fragte sie einen dabeistehenden Kaufmannslehrling was die Japaner von uns wollten, worauf dieser antwortet uns Kiotschau abnehmen. Hierauf ging die Bauersfrau unter Kopfschütteln fort und sagte:Na, na fetzt han (haben) sie uns erst die pär (Pferde) weggenommen nun wollen die auch noch die Küh und Sau (Schwerne) han."

Rotenburg, 3. November. Die Bürgermeisterver­einigung des Kreises Rotenburg stellt ihren Gesamt- kassenbestand in Höhe von 102 Mk. zur Hälfte dem Roten Kreuz und den Rest dem Komitee für dre Notleidenden in Ostpreußen zur Verfügung.

Caffel, 4. Oktober. Wegen Diebstahls und Unter­schlagung hatte sich der oftmals vorbestrafte Arberter

Wilhelm T. von hier zu verantworten. Der Ange­klagte hatte im Juli in Weimar bei Cassel eine Baubude erbrochen und hier einige Gegenstände ent­wendet, dann in Melsungen seinem Arbeitgeber 15 Mk. und in Hersfeld einem Soldaten ein Fahrrad gestohlen. In Hannover wurde der Angeklagte er­griffen und gestern wegen seiner Streiche von der Strafkammer zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.

Caffel, 8. November. Der Kaufmannslehrling K. M. hatte am 31. Juli dieses Jahres einen Geldbetrag von 1469 Mark, den er für seine Firma bet der Bank einwechseln sollte, unterschlagen und war mit dem Gelde durchgebrannt. Dann hatte er am 7. September an der Hauptpost in Cassel ein fast neues Rad ge­stohlen und in Hannoversch-Münden für 20 Mark verkauft. Kurz darauf wurde er verhaftet. Bor der Caffeler Strafkammer legte er gestern ein volles Ge­ständnis ab. Am Tage der Unterschlagung drohte der Ausbruch des Krieges und M. wollte nach seinen Angaben sich freiwillig stellen und von dem Gelde Ausrüstung kaufen. Er reiste nach verschiedenen Städten, stellte sich auch, wurde aber nicht ange­nommen. Er geriet dann in schlechte Gesellschaft und verjubelte etwa tausend Mark. Das Rad will er aus Not gestohlen haben. Der Staatsanwalt beantragte sieben Monate Gefängnis. Der Gerichtshof war der Meinung, daß ein grober Vertrauensbruch vorliege, erkannte im Hinblick auf die Jugendlichkeit des An­geklagten aber nur auf sechs Monate Gefängnis. Außerdem kommt bei gutem Verhalten bedingte Be­gnadigung in Frage.

Bad Wildungen, 1. Nov. DieWild. Ztg." schreibt: Auch in unserer Gegend sind, wie das anderwärts be­reits gemeldet werden, Personen an der Arbeit, die deutsches Gold mit einem Aufschlag zu kaufen suchen. Man bietet 20 Pfg. für jedes Goldstück als Aufgeld. Wir warnen vor solchen Geschäften, die das Gold in die Taschen unserer Feinde abführen wollen. Viel­leicht widmete die Polizei mehr wie bisher geschehen ihre Aufmerksamkeit solchen Patrioten, die um eines schnöden Gewinnes willen unsere Feinde stärken.

Hofgeismar, 3. November. Die 10jährige Tochter zum Diebstahl verleitet hattedie Klempnersfrau Helene M. Sie hatte sich deshalb vor der Strafkammer in Cassel zu verantworten. Wie sestgestellt wurde, hatte sie am 17. Mai ihr 10jähriges Töchterchen aufgefordert, ihr von einer Hausgenossin Geld zu beschaffen. Sie habe unbedingt Geld nötig, da sie eine Zahlung zu leisten habe. Auf die Frage des Kindes, wo es das Geld herbekommen sollte, ob es dasselbe den stehlen solle, antwortete die gewissenlose Mutter:Sieh, daß du es bekommst." Das Kind nahm einen falschen Schlüssel, öffnete damit in Abwesenheit der Hausge- noff in den Schreibtisch und entwendete einen Zwanzig­markschein. Der Vater -der Bestohlenen überraschte wenige Tage danach das Kind in der Wohnung teiner Tochter, wie es sich wieder an den Behältnipen zu schaffen machte. Er führte es zur Bürgermeisterei, wo es ein volles Geständnis ablegte. Auch soll es im Nebenhause kleinere Beträge gestohlen haben, doch konnten die Fälle nicht bewiesen werden. Die Straf­kammer verurteilte die Mutter wegen Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis. Sie habe das Kmd zu ihrem willenlosen Werkzeug gemacht.

Nordhausen, 3. November. Vor längerer Zeit erhielt der Bäckermeister Mers in Walkenried von einem Kameraden seines Sohnes, des Unteroffiziers Willi Mers, die Nachricht, daß dieser in den Kämpfen bei Reims gefallen sei. 14 Tage schon trauerten Eltern Freunde und der ganze Ort um den trefflichen Menschen Am 1. November erhielten die Eltern einen Brief, der des Sohnes Wohlbefinden kündet. Die Verwechselung war geschehen durch den Tod eines Kameraden, der des Unteroffiziers Tornister

^Fulda, 3. November. Kaum, daß sich die Gräber Über zwei Eisenbahnern geschloffen haben, ine zwischen den Gleisen iah ums Leben, gekommen und, ereignete sich gestern Abend um halb 5 Uhr schon wieder ein Todes all aus dem hiesigen Bahnhof durch Ueber- fahren. Nach der Erzählung von Augenzeugen ge- chah das Miglück auf folgende -Weise: Aus einem Zug von Hamburg mit Pferdetransport nach Frank­reich trat ein etwa 44jährrger Landsturmer aus der Gegend von Ludwigsburg (Württemberg) aus; er verspätete sich etwas und hatte es eilig, auf den be­reits angefahrenen Zug noch zu springen. Unglück­licherweise rannte er mit dem Kopf an einen eisernen Trägerpfosten, taumelte dadurch,siel mitdemOberkörper auf die Schienen und die Räder gingen über ihn hin­weg, obwohl der Zug fast sofort zum Stehen gebracht wurde. °Die Verletzungen war schrecklich; der Tod des Unglücklichen muß augenblicklich eingetreten sein. Von welchem Regiment er ist und wie er heißt konnte man trotz aller Bemühungen nicht-erfahren. Dagegen will man wissen, daß der Mann eine Frau mit mit 56 Kindern hinterläßt.

Die türkische Armee.

Schneller als mancher dachte, ist nun auch die Türkei in die Reihe der kriegsführenden Mächte eingetreten. Die dreisten Versuche Englands und Rußlands machten es unmöglich, länger die Neutralität zu wahren, auf der See ist der Kampf entbrannt und zwar zum Schaden der Russen. Die Hauptstärke der Türkei liegt aber in der Armee. Es ist wenig über ein Jahr her, als die große deutsche Militärmission mit General Liman von Sanders an der Spitze nach Konstanttnovel berufen wurde. Damals war das türkische Heerwesen tief erschüttert. Die durch die Revolution von 1908 emporgekommenen Machthaber hatten es vernachlässigt und die Folge war der niederschmetternde Feldzug gegen die vereinigten Balkanstaaten. Aber noch tzr demselben Feldzug begann man mit dem Aufbau. Der Name Enver Bey sagt alles. Auf ihn geht auch die Berufung Limans zurück. Diese deutschen Offiziere traten direkt in türkische Dienste, während in früheren Fällen sie zwar Offiziere ausbilden durften, ohne je­doch auf deren Tätigkeit weiteren Einfluß zu haben. So war z. B. auch die Stellung des Marschalls v. d. Goltz gewesen. In der letzten Zeit ist nun kolossal gearbeitet worden. Immerhin ist noch nicht die ganze Armee neu ausgebildet, aber auch schon der Teil, der preußische Erziehung genossen hat, stellt doch mehrere Armeekorps dar. Die Armee zählt im ganzen 13 Armeekorps, sowie zwei einzelne Divisionen. Jedes Armeekorps zerfällt in drei Divisionen zu je drei Regimentern nebst je einem Bataillon Schützen und einem Regiment Artillerie, jedes Armeekorps hat ein bis zwei Regimenter Kavallerie. Die Ausrüstung besteht aus Mausergewehren (7,65 mm) und Kruppschen Geschützen verschiedener Art. Die Reform mußte sich besonders auch aus die Verpflegung und den Munitionsnachschub erstrecken. Am Versagen dieser beiden wichtigen Faktoren lag ganz besonders der Zusammenbruch der Armee im Kriege von 1912. Als Soldat ist der Türke sehr tüchtig, tapfer, bedürfnislos, doch besteht seit der Revolution von 1908 die Armee nicht mehr wie früher nur aus Türken oder Moha- medanern. Die allgemeine Wehrpflicht ist eingeführt, 13 Jahre stehendes Heer, 6 Jahr Reserve, 9 Jahre Landwehr, 7 Jahr Landsturm, und jeder Untertan« des Osmanischen Reiches ist ihr unterworfen. Im letzten Kriege waren diese Fremden eine Last für die Armee, diese Griechen, Serben und Bulgaren im türkischen Heere dachten nur an Verrat. Standen doch auf der anderen Seite ihre eigenen Landsleute. Jetzt im Kriege gegen Rußland ist das Moment nicht so entscheidend, wenngleich unter den türkischen Soldaten griechisch-orthodoxen Glaubens mancher sein mag, der Rußland nicht gern besiegt sehen möchte. Aber viel­leicht marschiert er gar nicht gegen die Russen, sondern gegen die Engländer, die Aegypten werden verteidigen müssen und mit ihm den Suezkanal, den Weg nach Indien.

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Kreuz, Sektion hersseld

Herrn Johannes Hofmann, Niederaula M. 10 Gutti Pforr, hier, gesammelt für Adieu- sagen....... 8.50

Frau Metzgermeister Maria Otto, hier 15.

Bestand 21.955.07

heutiger Bestand M. 21.983.57

Für die Krieger im Felde:

Herrn Alwin Bürger.....M. 5.

Gästen der Brauerei F. L. Steinweg . 1.80

Herrn Kommerzienrat Fritz Rechberg hier, 4. Rate....... 1000. Herrn Ludwig Braun, hier, 3. Rate . 300. Frau Eduard Braun, hier, 3. Rate . . 500. M. 1806.80 Bestand 1790.36 heutiger Bestand M." :iMA0

Für die notleidenden Ostpreußen Ungenannt.......M. 15.

Herrn Wilhelm Schäfer, Friedewald . 10. 4 Einwohnern aus Friedewald . . 21.

Herrn Kantor Köhler, gesammelt von den Schülern der Oberklasse der Schule zu Wölsershausen . . . . 9.- M 55. Bestand 260.66

heutiger Bestand M. &16.Ö6