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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

n Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

MulSOlUlI amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 359. Mittwoch, den 4. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Stritt Pulswärmer

für unsere Truppen im Felde!

Bestellungen

auf das

Bersfelder Tageblatt

werden für die Monate

November »vd Dezember von allen Aaiiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern un von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat«

* (Paketsendunngen an ^erre'ichische Heerespflichtige.) Wäschesendungenaus Deutsch­land, die für österreichische Heerespflichtige bestimmt sind, können bei den deutschen Postanstalten zur Be­förderung angenommen werden. Auch können diesen Paketen kleine Liebesgaben (Schokolade usw.) beigepackt werden,. soweit ihre Menge den für den kleinen Grenzverkehr zugelassenen Umfang nicht übersteigt.

* Aus dem Felde wird von einem Offizier darüber Klage geführt, daß es dort an Postkarten, Briefpapier und vor allem auch an Postanweisungsformularen mangele. Viele Soldaten möchten Geld nach Hause senden, könnten es aber nicht, weil sie keine Postan­weisungen bekommen. Es wird daher dringend ge­beten, allen Liebesgabensendungen einige Postkarten, Postanweisungen und Briefpapier beizulegen.

* In einem soeben vom Westheer eingetroffenen Feldpostbrief eines Offiziers findet sich folgende Be­merkung :Wir haben Liebesgaben in schweren Mengen gefahren, aber alles bekommen die fechtenden Truppen, die fast im Ueberfluß leben, wie uns selbst die Leute vorn sagten. Die Kolonnen und einzelne abgezweigte Abteilungen werden leider meist vergessen. Da könnte sich das Rote Kreuz ein Verdienst erwerben, wenn es mal einzelne Kolonnen bedachte. Unsere Leute brauchen gerade für das Fahren (nachts!) warme Sachen. Auch die Radfahrer kommen dabei in Be­tracht. Die meisten sind arme Teufel, die von zu Hause nichts zu erwarten haben. Sie haben noch ote= selbe Wäsche auf dem Leib, die sie bei der Mobrl- machung getragen haben." Den zahlreichen Stellen, die sich mit der Organisation des Liebesgabendienstes befassen, dürfte dieser Hinweis wohl erwünscht sein.

* (600 Millionen Goldzuwachs.) Nach dem letzten Ausweis der Deutschen Reichsbank belauft sich jetzt deren Goldbestand auf 1830 Millonen Mk. Zu Anfang des Krieges war der Goldbestand auf 1250 Millionen Mk. zurückgegangen. In den drei Monaten sind also der Reichsbank etwa 600 Millionen Mk. an Gold zugeflossen, allerdings befinden sich darunter die 200 Millionen des Kriegsschatzes im Juliusturm,die zu Beginn der Mobilmachung der Reichsbank uber- wiesen wurden. Aber auch wenn man diese glimme abrechnet, so flossen immer noch 400 Millionen Goldes in diesen letzten drei Monaten der Reichsbank aus dem freien Verkehr, d. h. dem Umlauf tn unserem Wirtschafts- und Geschäftsleben zu, eine Zahl, die sicher unseren Feinden, die immer wieder auf unsere finanzielle Schwäche rechnen, viel zu denken geben wird, die sich aber noch unschwer vermehren ließ, wenn noch mehr Gold aus dem freien Verkehr an die Reichsbank überführt würde. Zu Anfang des Krieges mögen etwa zwei Milliarden Goldes in Umlaut ge­wesen sein. Bisher sind also 20 Prozent dieses Goldes m die Reichsbank gewandert. Daß sich dieser Prozent­satz noch vermehren würde, wäre ledenfalls sehr zu wünschen. Denn je stärker der Goldbestand der Reichsbank ist, umso stärker ist auch unsere wirtschaft- Uche Stellung. Denn da Zahlungen ans Ausland natürlich in Gold geliefert werden muffen, so wird unsere wirtschaftliche Stellung gerade dem Auslano gegenüber umso stärker, je mehr Gold dre Reichsbank "l ihren Kassen hat.

* (Personenverkehr nach S traßbürg.) Fahrkarten nach Straßburg (Elsaß) werden fortan nur an solche Personen ausgegeben, die sich tm

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Festung befinden. Es werden deshalb Fahrkarten nach Straßburg i. Elf. nur ausgegeben an a) Reichs­deutsche bei Vorlegung eines Passes oder Passier­scheines der zuständigen Behörde ihres Wohnortes,' b) Ausländer bei Vorlegung einer schriftlichen Erlaub­nis, die für die linksrheinischen Ortschaften vom Militärpolizeimeister in Straßburg (Elf.) und für die rechtsrheinischen vom Zivilkommissar in Kehl aus­gestellt sein müssen. Auf Militärpersonen in Uniform finden diese Bestimmungen keine Anwendung.

Hersfeld, 2. November. (Vom Monat November.) Die Witterung im November wird wie folgt prophezeit: Vollmond den 3. ist regnerisch und kalt. Letztes Viertel den 11. hält mit nasser Witterung an. Neumond den 17. deutete auf klaren Himmel und Wind. Erstes Viertel den 24. tritt mit Frost und Schnee ein. Obwohl der Tag bis zum Beginn dieses Monats schon stark abgenommen hat, verkürzt sich die Tagesspanne in den 30 Tagen noch immer um 1 Stunde 31 Minuten.

):( Hersfeld, 3. November. Da die landwirtschaft­liche Winterschulen in H e r s f e l d, E s ch w e g e, Hof - g e i s m a r und Z i e g e n h a i n im Winter 191415 nicht eröffnet werden, so werden die jungen Land­wirte aus diesen Bezirken dringend aufgefordert, in diesem Winter eine andere Anstalt aufzusuchen. Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an die Herren:

1. Winterschuldirektor Kohorst in Fitzlar,

2. Landwirtschaftslehrer Amling in Fulda,

3. Winterschuldirektor Wagner in Gelnhausen,

4. Landwirtschastslehrer Müller in Marburg,

5. Winterschuldirektor Reinsch in Melsungen,

6. Winterschuldirektor Honold in Rodenberg.

§ Hersfeld, 3. Nov. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet eine Hauptvereinsversammlung des Hersfelder Landwirtschaftlichen Kreis­vereins am Mittwoch, den 11. November, nach­mittags 2 Uhr im Hotel zum Stern statt. Aus der Tagesordnung ist hervorzuheben: Vortrag des Ge­schäftsführers der Landwirtschaftskammer in Cassel, Herrn Dr. Sprenger über das Thema: Maßnahmen der Landwirtschaft während des Krieges.

):( Hersfeld, 3. November. Der stellvertretende Generalstab beabsichtigt, dokumentarisches Material über den Krieg zu sammeln, wie z. B. Bekannt­machungen der Gouvernements m Brüffel undLüttich, Maueranschläge, aufgefangene Befehle und Meldungen der Gegner, besonders interessante Auszeichnungen von Kriegsteilnehmern, Photographien usw. Wir machen darauf aufmerksam, daß diejenigen Kreis­eingesessenen, welche derartige Urkunden besitzen, die­selben auf dem hiesigen Landratsamte abliefern können.

kruten.) Am

8 Hersfeld, 3. November. Mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet siud, Unteroffizier Heinrich Schreiner Jnf.-Regt. 118 aus Meckbach. Leut­nant Degenhardt Res.Feld-Art -Regt 22 - Offizier Stellvert. H. Dieterich Res.-Jns.-Regt. 87 Leutnant Wilhelm Braun, ferner Emil Vogel Feld-Art.-Regt. 47 Moritz N u ß b a u m Res -Fnf -Regt. 71. Vom Feld-Art.-Regt. 47 Johann Lo tz aus Rhina Georg Kropp Fulda.

):( H e r s f e l d, 3. Nov. (Einstellung der Re­kruten ) Am 5. d. M. werden alle in der Friedens- multernna ausgehobenen Rekruten und die beiden ältesten Jahrgänge der Kriegsanshebung eingestellt.

Nieder^wehren. 2. November. Auch am gestrigen Sonntag pilgerte wieder eine stattliche Anzahl Kasseler

nacli Renaershausen, um das Leben hu < ji= «ferne bc°bacht°u zu können. Wie 3 in! t mor öi gestrigen Sonntag bis an die Landstraße abgesperrt. Wie wir hören,.istdiese Maß- rpael nur erariffen worden, weil den cyesangenen, zur Zeit als die Besucher noch bis ans erste Gitter heran konnten, Sachen zugesteckt wurden. Während bisher die Gefangenen nach Nationen getrennt waren sollen sie jetzt gemischt werden, damit sie sich untereinander besser kennen lernen. Sie Gesungenen treiben untereinander einen schwunghaften Handel mit allem Entbehrlichen, wobei sich besonders die

Russen hervortun.

Caffel. 2. November. Der hiesigen Polizei gelang es, eine Rotte jugendlicher Personen im Alter von 15 bis 18 Jahren, darunter mehrere entsprungene

Fürsorgezöglinge, festzunehmen und dem Gericht zu- zuführen. Die jugendlichen Tangenichtse, die sich bis­her in Gärten, leerstehenden Gehäusen und Wagen vor den Toren der Stadt, sowie in den benachbarten Vororten herumgetrieben hatten, haben bisher haupt­sächlich vou Diebstählen und Mundraub gelebt und Feld und Wald unsicher gemacht. Auch eineRäuber- braut", ein Mädchen von 18 Jahren, hatte sich ihnen zugesellt und konnte gleichfalls dingfest gemacht werden.

Waldkappel, 2. November. Der Oberleutnant Georg Köbrich aus Waldkappel, Adjutant der 87. Jnf.- Brig., Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, hat nun auch das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten.

Frankfurt, 2. Nov. Auf Ersuchen auswärtiger Polizeibehörden verhaftete man hier einen als lästigen Ausländer bekannt gegebenen 58jährigen Mann, der sich Herzog de la Chartres nannte. Als die Polizei weitere Ermittelungen über die Persön­lichkeit und die Vergangenheit des Mannes an stellte, entdeckte sie in ihm einen abgefeimten Schwindler, der die Mittel zu seinem Unterhalt durch Betrügereien bestritt. Die Untersuchung ergab, daß es dem Herzog gelungen ist, von Berliner Geldmännern bedeutende Summen zu erschwindeln. Unter den Geldgebern befand sich auch der Pfarrer Mirbt aus Berlin, der kürzlich wegen Unterschlagung einer Million Mark flüchtete und in Dresden verhaftet wurde. DerDux de la Chartres" betrieb auch einen einträglichen Ordens- und Titelschacher. Sein hochklingender Name hatte ihm schon seit Jahr und Tag Zutritt zu den ersten Kreisen Wiesbadens, Berlins, Münchens, Frankfurts usw. verschafft. Wie der Schwindler in Wirklichkeit heißt, konnte noch nicht ermittelt werden.

Gmünd, 2. Nov. (Tragisches Schicksal eines Re­serveoffiziers.) Der Oveneallehrer August Wieland vom Realgymnasium Gmünd, Reservelentnant im Infanterie-Regiment Nr. 120, hatte die Kämpfe an der Maas mitgemacht und erlitt dabei einen nicht unbedenklichen Kopfstreifschuß. Er weilte in der letzten Zeit zur Erholung in Gmünd und mußte sich im städtischen Spital einer Nachoperation unterziehen. Dieser Tage nun wollte er zu Besuch nach Reutlingen. Bei Plochingen aber geriet er auf noch unaufgeklärte Weise unter den Zug, wobei int ein Fuß abgefahren und der Kopf zerdrückt wurde, so daß bald der Tod eintrat. Wieland war Ritter des Eisernen Kreuzes.

Auszug aus einem Feldpostbrief des J. H. von Hersfeld.

Der Kampf hier oben ist ein sehr erbitterter. Wir kämpfen fast nur gegen Engländer und ohren­betäubend ist das Geknatter der Geschütze und Ge­wehre Tag und Nacht. Nachts werden Sturmangriffe, Vormärsche usw. ausgeführt und am Tage alles heftig beschossen. Flieger gibt es eine Unmasse und sie richten auch viel Schaden an. Außer Bomben werden noch stählerne Pfeile geworfen, die mitunter 20 Centimeter in den Körper eindringen. So büßte gestern wieder eine Kolonne 3 Pferde und 5 Mann ein. In der Nacht vom 21. zum 22. Oktober wurden die englischen neuen Armeen sozusagen niedergemäht, und die englischen Kriegsfreiwilligen hatten da einen Begriff von Krieg bekommen. Sie warfen ihre Gewehre fort und liefen davon, verfolgt von Hau- bitzen-Feuer unserer Kanonen. Tag und Nacht werden diese Knallbonbons in großen Maßen an die Truppen befördert und die Verbündeten erhalten sie als Liebesgaben aus 6 Kilometer (Entfernung. In . . . ., wo wir 8 Tage eingebuttelt lagen, machte sich unsere Artillerie in der freien Zeit den Spaß, holte Wagen und Ofenrohre bei, markierte Kanonen, warfen Schützengräben aus und besetzten sie mit Zuckerrüben. Eiu Flieger erkundete die Stellung und wenige Zeit darauf griffen die Engländer an und eröffneten ein wahnsinniges Feuer, sodass die alten Ofenrohre in der Luft herumflogen. Jedenfalls hatten sie Spaß daran, denn das Feuer dauerte ununterbrochen mehrere Stunden.

Eingesandt.

(Unter Verantwortung des Einsenders.)

Betreffs der Einquartierungs-Gelder wäre es sehr erwünscht, wenn von feiten der Stadt der Betrag doch ausbezahlt würde, es betrifft viel kleine Geschäfts­leute, Fabrik-Arbeiter, die doch das Geld schon vorgelegt haben und alle bei den heutigen Verhält­nissen nicht in der Lage sind, länger warten zu können, zumahl der kleine Geschäftsmann heut nur noch Material bekommt gegen Baar-Casse und würde da gerade der Betrag dieses Geldes zur rechten Zeit kommen; wir bitten daher nochmals die Stadt um möglichste Beschleunigung diese Angelegenheit, wofür die Bürgerschaft der Stadt recht dankbar sein wird.

Mehrere Bürger.