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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

SreisMalt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im 7 amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- - holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 258. Dienstag, den 3. November 1914

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Strickt Pulswärmer

für unsere Truppen im Felde!

Bestellungen

auf das Bersfelder Tageblatt werden für die Monate November und Dezember von ailen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern un von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat«

* (Auch eine Liebesgabe.) Zu den mancherlei Liebesgaben für unsere Truppen im Felde hat sich noch eine weitere gesellt, und zwar ist dies Fenchelöl. Dieses Oel, zu einigen Tropfen in die Leibwäsche gesprengt, soll wie ein alter 70er Mit­kämpfer aus Erfahrung schreibt die gute Eigenschaft haben, das lästige Ungewisser fern zu halten. Für unsere Soldaten, namentlich die in Rußland kämpfenden, wäre dies Mittel also recht empfehlenswert.

* Zur Frage der Rekruteneinstellung gibt der Landrat des Landskreises Cassel auf Er­suchen des stellvertretenden Generalkommandos folgen­des bekannt: Ein bestimmter Zeitpunkt für die Ein­stellung der Rekruten während des Krieges kann vom Generalkommando nicht festgesetzt werden. Die Ein­stellung erfolgt lediglich nach Bedarf bei den Truppen­teilen. Bis jetzt ist ein solcher nur bei der Infanterie Pionieren und der Fußartillerie eingetreten, ein Teil der für diese Waffen ausgehobenen Rekruten ist daher bereits einberufen worden. Wann und ob der übrige Teil eingestellt wird, hängt lediglich von dem Ersatzbedarf der im Felde stehenden Truppen ab. Bei der Kavallerie und Feldartillerie hat bis jetzt eine Rekruteneinstellung infolge der noch vorhandenen großen Zahl von Kriegsfreiwilligen nicht stattfinden können. Ferner wird bemerkt, daß die Genehmigung von Rekruten zum freiwilligen Eintritt nach einer Verfügung des Kriegsministeriums unzulässig ist

* (Paketbeförderung imFeld.) Von zu­ständiger Stelle werden wir gebeten, das Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß es sich empfiehlt, die Außenadresse der Pakete nochmals im Paket selbst niederzulegen, da es des öftern vorgekommen ist, daß die Außenadresse infolge schlechter Befestigung bereits hier bei der Absendestelle verloren ging, sodaß weder Empfänger noch Absender durch Oeffnen des Pakets festgestellt werden konnten.

* (Bringt Futterkästen an!) Einige Sing­vögel bleiben auch den Winter über hier bei uns im Lande, müssen aber, soweit sie sich nicht von tierischen 'Körpern, wie Maden, Larven u. bergt, nähren, sondern pflanzliche Nahrung gebrauchen, schon jetzt Mangel leiden. Kleine, flache Kästen, auf dem Balkon oder auf einer Stange im Vorgarten angebracht, und hm und wieder mit Brotkrumen, Hirse, Rubsamen u.

und wieder mir «roriruncc«, v^, ^»"'"'""" - bergt gefüllt, werden von diesen Tierchen hoch will­kommen geheißen und bald zum täglichen Tummel- Katz auserkoren. Wenn sich auch hier und da ein recher Spatz dazwischenmischt, so sollte das kein Grund sein, die Fütterung einzustellen. Auch der Spatz will chließlich leben, und sein etwa gar zu dreistes- Vor­gehen kann man durch gelegentliches Verscheuchen bekämpfen. Also nochmals: Laßt unsere Vogelwelt nicht hungern!

Die äußer­

er Kauf von

* (Die Petroleumvorräte, ordentlichen Schwierigkeiten, denen i-

Petroleum gegenwärtig begegnet, hat den,,V^l-Lok.- Anz." zu einer Umfrage unter den hauptsächlichsten Großgeschäften veranlaßt. Das Ergebnis der Au-- kunft ist übereinstimmend und läßt sich wie folgt zu- lammenfassen: Die Ursache der Teuerung und des geringen zur Verfügung stehenden Quantums ist, daß Deutschland in der Hauptsache von amerikanischer Zufuhr abhängig bleibt, und wir mit amerikanischer Ware des Krieges wegen nicht versorgt werden können. Allerdings erhalten wir sonst auch viel Ware aus Galizien; da sich die kriegerischen Ereignisse jetzt dort abspielen, kommt nichts herein. Die österreichischen

Raffinerien sind hauptsächlich für die Regierung mit der Erzeugung von Benzin als des wichtigeren Stoffes von Erdöl beschäftigt. Aber auch Rumänien ist ein großes Produktionsland. Dort liegt sehr viel Ware, doch ist es jetzt nicht möglich, diese nach Deutsch­land zu bekommen, oder überhaupt auszuführen, weil Rumänien ebenfalls mobilisiert hat. Dadurch sind die Bahnen so überlastet, daß man Privatgüter nicht befördern kann. Die Amerikaner, die in Deutschland über große Vorräte verfügen, gehen mit diesem Be­stände sehr haushälterisch um, weil sie nicht wissen, wann neue Ware kommt und sie möglichst lange über Vorrat verfügen wollen. Sie haben Vorräte für eine Reihe von Monaten, und geben jedem Abnehmer nur ungefähr die Hälfte dessen, was er im vergangenen Jahre bezogen hat. Wir müssen solange von dem Vorrat zehren, der in Deutschland vorhanden ist, aber dieser reicht allerdings noch für viele Monate.

* (Keine Pferdeseuche im Regierungs­bezirk Cassel.) Wie aus der neuesten, über die so gefürchtete und ansteckende Perdekrankheit Rotz aufgenommenen Statistik für das Deutsche Reich her- vorgeht, ist an dieser Seuche im Regierungsbezirk Cassel kein einziger Fall zu verzeichnen. Auch der Regierungsbezirk Wiesbaden ist von der Seuche ver­schont, so daß also die gesamte Provinz Hessen-Nassau in dieser Hinsicht frei ist.

* (Der Paketverkehr nach Ungarn ist von jetzt ab auch nach den in den Komitaten Abauj- Torna, Borsod, Hadju, Heves und Zemplen gelegenen Orten zugelassen.

ans Herz

):( Hersfeld, 2. November. (St. Hubertustag.) Der 3. November ist dem Schutzpatron des edlen Weidwerks, dem hl. Hubertus geweiht und ein allen Jägern ans Herz gewachsener Gedenktag. Große Jagden werden mit Vorliebe auf diesen Tag verlegt, und schon früh am Morgen, ehe noch die Sonne sieg­reich durch den Novembernebel bricht, schallen Feld und Wald vom lustigen Klang der Hörner wieder. Der 6t Hubertus soll nach der Chronik ein zum Christentum bekehrter Stammesfürst des heidnischen Aquitaniens jetzigen Südfrankreichs gewesen fein, der von den heidnischen Gewohnheiten ferner Väter nicht lassen konnte, bis ihm eines Tages, als er während der Messe jagte, ein Hirsch mit einem goldenen Kreuz zwischen den Geweihen erschien, an dem sein Pfeil wirkungslos abprallte. Erschüttert durch dieses Zeichen entsagte er seiner Leidenschaft, wandte sich dem geistlichen Stande zu mnd gründete ein Kloster. Er starb im Jahre 727 n. Chr. als Bischof von Lüttich, desselben Lüttich, daß in diesen Tagen jedem unserer Leser durch die kriegerischen Er­eignisse so plötzlich wieder in die Erinnerung gerufen.

):( Hersfeld, 2. November. DasEiserne Kreuz" erhielten: Leutnant Hermann Braun Jnf--Rgt. 32 Pionier W. Jacob Pionier Bat. 9, Dietrich Schütz ler Jnf.-Rgt. 167.

Hersfeld, 2. November. Eine wohl e i n z l g - a r t i g e Zeitung erscheint zur Zeit in Feindesland und zwar in Vouziers. Dort haben Angehörige der 3. Kompagnie des Königl. Sächsischen Landsturms-Ba- taillons Nr. 1, Leipzig eine Feldzeitung, betiteltDer Landsturm", herausgegeben, von der luns die beiden ersten Nummern von befreundeter Seite zugefandt wurden. Die Jünger Gutenbergs, die eine 1 ebenfalls in Vouziers verlassene Druckerei benutzen, zeichneten die Zeitung mit Satz und Druck von der Landsturm­firma Berger Rauch Vogt und Ludwig sämtlich aus "eivzia" Die beiden vorliegenden Nummern ent­halten neben ernsten Kriegsberichten auch einige recht heitere Sachen, die von dem frischen Humor unseres Landsturms zeugen. So lautet z. B. eine Anzeige : Buchdruckerei- m. b. H. mit Hand und FußbetReb

Nuckdruckerei- G. m. b. H. mit Hano uno ^upverrreo Vouziers me Chancy Herstellung der WochenschriftDer Landsturm" unter schmierigen ^^^E^^n Anferti­gung von Massenauflagen deutscher Siegesbotschaften und aller Drucksachen für den Armeebedarf Spezialität. Geschmackvolle Offerten für Zigarrren, Delrkatenen usw lusw. (Die Druckerei garantiert für riesigen Ab­satz dieser Artikel, wenn vorher ern Muster einge- sandt und der Preis verschwiegen wird.)Limparfrai de Vouziers hat sein Erscheinen durch Herausgabe der WochenschriftDer Landsturm" entgegenkommender­weise eingestellt.

8 Hersfeld, 2. November. Der Tod des jungen Prinzen Max von Hessen auf dem Felde der Ehre erweckt allgemeine Teilnahme. War der Prinz doch eben erst von der K r i e g s s ch u l e i n H e r s f e I d in die Armee eingetreten. Es ist am 20. Oktober 1894 auf dem Schlosse Rumpenheim bei Frankfurt a. M. geboren, also nur 20 Jahre alt geworden. Sein Tod, den offenbar eine englische Kugel herbeiführte, versetzt abermals ein deutsches Fürstenhaus in tiefe Trauer. Er ist das siebente land regierenden Familie, helfen Leben die,er Krieg zum Opfer gefordert hat.

ches Fürstenhaus in tiefe Mitglied einer in Deutsch-

8 Scheuklengsfeld, 2. November. Mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet wurden die beiden Äriider Johannes und I u st P f a f f.

Cassel, 2. November. Gestern nachmittag reisten 22 Schwestern des roten Kreuz und 50 Sanitäter nach dem Kriegsschauplatz ab.

Marburg, 1. November. Nunmehr ist auch für die hiesige landwirtschaftliche Winterschnle der Er- öffnungstermin festgesetzt worden. Am 3. November wird die Schule ihre Pforten öffnen.

Willingshausen, 30. Oktober. Wie überall, sind natürlich auch in hiesiger Gegend die Kirmessen aus­gefallen. Da kam nun die Gemeindeschwester in Merzhausen auf den Gedanken, bei der Dorfjugend die ersparten Kirmeßgelder für das Rote Kreuz zu sammeln. Die Idee fand Beifall, und es kamen auf diese Weise 83 Mk. zusammen.

Stadtlengsfeld, 29. Oktober. Gestern nachmittag brannte die von Mosengeilsche Notscheune im Eben- tal am Weilarer Weg vollständig nieder. Für ca. 22 000 Mark Roggen und Hafer fielen,dem verheerenden Element zum Opfer.

Göttingen, 30. Oktober. Die Blätter melden: Infolge des Krieges hat das Großh. Staatsministerium verfügt, daß die Vorlesungen an der hiesigen staat­lichen Forstakademie int Winterhalbjahr ausfallen.

Ellefeld, 29. Oktober. Dieser Tage traf der Soldat Albin Morgner ein, dem es gelungen war, der französischen Gefangenschaft auf eine listige Weise zu entgehen. Er hörte während der Eisenbahnfahrt, daß in E. die deutschen Sanitäter ausgeliefert würden. Sofort machte er sich aus einem Stück weißer Lein­wand und einem Flicken einer roten Hose eine Arm­binde, so daß er wie ein Sanitätsgehilfe aussah. Auf der betreffenden Station mischte er sich unter die Sanitätsmannschaft und entkam auf diese Weise ohne große Schwierigkeiten.

Jena, 30. Oktober. Zum Leiter der Militär- vorbereitungsanstalt für den Bereich des 11. Armee­korps, die demnächst in Jena eröffnet wird, ist der Direktor der Oberrealschule in Marburg, Hauptmann der Landwehr Knabe, der bereits in Jena ein­getroffen ist, berufen.

Fulda, 31. Oktober. Als gestern abend ein von Bebra kommender Güterzug das Stellwerk Nr. 1 auf dem hiesigen Güterbahnhof passierte, wurden die Rangierer Guhral und Mohr, die seit Jahren auf dem hiesigen Rangierbahnhof beschäftigt sind, vor der Rangiergleisanlage vom ^uge überrannt und beide sofort getötet. Mohr hinterläßt eine Witwe und Kinder,- Guhral war unverheiratet.

Gießen, 28. Oktober. Auf den beiden letzten Märkten waren Kartoffeln nicht angefahren. Die Verkäufer blieben Gießen fern und erklärten der Stadt den Krieg, weil die Bürgermeisterei einen Höchstpreis von 3 Pfg. pro Pfd. angesetzt hat. Sie bringen ihre Kartoffeln in Frenkfurt zum Verkauf.

Frankfurt a. M., 31. Oktober. Beim Entladen von Kohlenwagen haben sich an zwei Stellen, von denen eine im Korpsbeztrk liegt, je zwei geladene französische bezw. englische Granaten gefunden.

Frankfurt, 1. November. (Es is halt Krieg!") Verschiedene Soldaten, die in einem Frankfurter Privatlazarett untergebracht sind, besuchten, als es ihnen besser ging, den Palmengarten, der ihnen un- gemein gefiel. Als wieder Ausgehtag war, erschien eine sehr wohltätige Dame und brächte Konzertbillette für ein Wohltätigkeitskonzert. Aus die Frage einer Helferin:Nun, gehen Sie heute wieder in den Palmengarten 2" erwiderte ein Soldat ziemlich nieder­geschlagen :Nein, mir gehen in ein Konzert; no, was kann mer mache, . . . es is halt Krieg!"

Strickt Strümpfe

für unsere Truppen im Felde.