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" Die Neuförmätionen unserer Feinde.

Ueber die Möglichkeit von Neuformationen in Eng­land, Frankreich und Rußland und über deren Größe und Leistungsfähigkeit enthält die letzte Nummer des Militärischen Wochenblattes folgende bemerkenswerte Auslassungen:

England hat sein ganzes Expeditionskorps in Stärke von 162 000 Mann nach dem Festlande geworfen. Die bei Antwerpen aufgetretenen Marinetruppen, die etwa unserem Seebataillon entsprechen, haben sich als höchst mangelhaft erwiesen. Die Territorialtruppen be­laufen sich auf 9366 Offiziere und 239 819 Mann. Sie besitzen keine gründliche Ausbildung, sind daher nicht als vollwertige Truppen für einen europäischen Krieg zu betrachten. Die Spezialreserve beträgt 63 000 Mann, dies gibt zusammen 312 000 Mann. Wenn die Eng­länder jetzt eine neue Armee von 1200 000 Mann auf­stellen wollen, so fehlen ihnen daran 888 000 Mann. Sehr zweifelhaft ist es, ob es ihnen gelingen wird, diese Zahl aus Kolonialtruppen und Rekruten zusammen- zubringen. Um bet der Mobilmachung plötzlich große Neuformationen aufzustellen, gehören dazu sorgfältige Friedensvorbereitungen, namentlich hinsichtlich Beklei­dung, Bewaffnung und Ausrüstung, ferner das not­wendige Ausbildungs- und Führerpersonal. Alle diese Vorbedingungen fehlen bei der englischen Armee. Wenn alle Waffen usw. vorhanden sind, so können solche Im­provisationen, wie sie die Engländer beabsichtigen, erst m etwa dreiviertel Jahren einigermaßen verwendungs- fähig sein.

Die Franzosen müssen bereits nach dem Jahr­gang 1915 auch den Jahrgang 1916 einstellen, also 16= bis 17jährige Knaben. Ihre Ausbildung vor dem Früh­jahr 1915 erscheint ausgeschlossen, wenn anders diese Leute nicht als Kanonenfutter dahingeopfert werden sollen. Auch von den Kolonialtruppen wird sich wegen ihrer Ungeeignetheit für das europäische Klima wenig erwarten lassen. Eine Reserve an Mannschaften ist, da die Dienstgrenze bereits auf 50 Jahre heraufgeschraubt ist, nicht mehr vorhanden.

In Rußland ist zwar reiches Menschenmaterial vorhanden, aber es fehlt ebenso wie in England an Of­fizieren und Unteroffizieren, außerdem fallt der bis­herige Verlust an Geschützen erschwerend ins Gewicht. Ihr Ersatz ist sehr schwierig, da die eigenen Fabriken wenig leistungsfähig, die Dardanellen gesperrt, und der einzig offene Weg von England über Archangelsk bald durch Eis gesperrt sein wird.

Vom deutschen Kampfesmute.

Der große Andrang von Freiwilligen zum Kriegs­dienst, der zu Beginn des Krieges eine der schönsten Er­scheinungen der deutschen Erhebung bildete, dauert heute noch fort. Noch erhebender aber wirkt der oft unge­duldige Drang aller, die schon gekämpft und geblutet haben, zur Front zurückzukehre«. Es gibt in Berlin sogenannteGeheilten-Sammelstellen", in denen täglich viele Hunderte gemustert werden, die von den Laza­retten entlassen sind. Kaum geheilt, versuchen die mei­sten, ja fast alle, ihren Zustand möglichst günstig hin­zustellen, und bestürmen die Aerzte oder, wenn diese noch zur Geduld mahnen, die aufsichtführenden Offiziere, sie bald wieder ins Feld zu schicken. Die wirklich selbe dienstfähig Wieöerhergestellten werden natürlich so schnell wie möglich ihren Truppenteilen wieder zuge­schickt, ein kleiner Prozentsatz muß als öienstunbrauch- bar entlassen werden; alle übrigen finden zunächst bei den Ersatztruppenteilen als Ausbildungspersonal Ver­wendung. Bon einer der Berliner Geheilten-Sammel- stelle konnten seit ihrer Errichtung am 30. August be­reits 5073 Mann entlassen werden. Von diesen gingen 1899 (37,5 Prozent) sofort wieder zur Front, 2856 (56 Prozent) wurden zunächst Ersatztruppenteilen überwie- sen und nur 322 (6,5 Prozent) waren dienstunbrauch- bar. Da die Ersatztruppenteile die Mehrzahl der ihnen Urberwiesenen natürlich sehr bald auch wieder zur Front abgehen lassen und die angegebenen Zahlen sich nur auf eine der vielen Leichtverwundeten-Sammelstellen be­ziehen, kann man ungefähr ermessen, in welch gewaltiger Zahl wtederheraesteme verwundete Krieger schon jetzt wieder in den Reihen des Heeres kämpfen.

Verluste auf einem englischen Minenzerftörer.

»-* Berlin, 31. Oktober. (WTB.) LantBosf. Zig." hat der englische Gesandte im Haag mitgeteilt, daß anf dem englischen MinenzerftörerFalcon" aus Ostende 1 Offizier und 8 Mann durch eine Granate getötet wurden. Deutsche Unterseeboote seien immer noch an der belgischen Küste tätig.

Vier englische Kriegsschiffe beschädigt.

6-* Berlin, 31. .Oktober. (WTB.) LautBosf. Ztg." meldet der Triester Piccolo aus Rotterdam, ant 29. Oktober seien im Hafen von Harwich vier kleine eng­lische Kriegsschiffe eingelaufen, die durch feindliche Ge­schosse beschädigt waren.

Wieder Kanonendonner an der belgischen Küste.

e* Berlin, 81. Oktober. (WTB.) DerLokalan- ^r" meldet aus Vlissingen, daß der schwere Kanonen- er an der belgischen Küste neuerdings wieder ein­gesetzt hat.

Die englische« Kriegskosten.

es* London, 81. Oktober. (WTB.) Laut Morning- post wird die Regierung beim Wiederzusammentritt des Parlaments am 11. November wieder 100 Millionen Pfund Sterling für den Krieg fordern.

Wiederinstandsetzung der Antwerpener Forts.

es* Antwerpen, 31. Oktober. (Hbg. Nachr.) Alle Forts werden von deutschen Genietruppen instandgesetzt und stark befestigt.

Vor der Entscheidung in Polen.

Der militärische Mitarbeiter desNeuen Wiener Tageblattes" schreibt: Die Besorgnis um Warschau ver- anlatzte das russische Oberkommando, mit allen verfüg­baren Kräften im Raume Jwaugorod eine Entscheidung zu erziele». Die üeutsch-österreichisch-ungariscken Ar­meen hatten sich daher zu entschließen, die Schlachtfront anzunehmen oder aber die Truppen etwas zurückzu- nehmen, um später in einem ihnen selbst mehr zusagen­den Gebiet den Feind z«r Schlacht zu zwingen. Sie entschieden sich zu letzterer Maßnahme.

6s* Berlin, 81. Oktober. (WTB.) In Ostpreußen herrscht bei scharfem Norbostwind Frost. Im Gouver­nement Warschau ist nach russischen Blattern der Land­sturm einberufen worden.

Deutschfeindliche Knndgebunge« in Moskau.

** Frankfurt a. M., 31. Oktober (WTB.) Die »Frankfurter Zeitung" meldet aus Stockholm: Nach der Nowoje Wremia fanden am 24. Oktober genau nach dem Londoner Muster in Moskau deutschfeindliche Kmrdge- Londoner Muster in Moskau deutschseindliche Kund« se-nnge» statt. Der Pöbel wandte sich gegen die deut­sche» Läden, ritz zuerst die Firmenschilder herunter, Hing die S&au! tnngey und ram

chen Lei- k-e au».

[ Vom österr.-ungar. Generalstab

_ *-^Wien, 31. Oktober. (WTB^ Nach dem amt­lichen Bericht von gestern wurde in Russisch Polen auch am 29. Oktober nicht gekämpft. Starke über den nnteren Sau vorgegangene Kräfte wurden znrückgeworfen. Bei Starysambor sprengte unser Feuer ein feindliches Mu- nitionSdepot in die Luft. Alle Angriffe anf die nahen Höhen wurden abgeschlagen. Nordöstlich Tnrka gewan- ne» wir mehrere wichtige Höhenstellungen. Die Gesamt­zahl der in der Monarchie internierten Kriegsgefangenen vetrng am 28. Oktober 649 Offiziere und 73 179 Mann, nicht eingerechnet die auf beiden Kriegsschauplätzen noch sehr zahlreichen und noch nicht abgeschobenen Gefangenen aus den Kämpfen der letzten Wochen.

Neue Kämpfe in der Bukowina.

Wien, 31. Oktober. (Hbg. Nachr.) Hier wird Semeldet, in der Bukowina, in der Ebene des linken ifers des Pruth finden neue Kämpfe statt.

Wie dieEmden" dieSchemtschug" vernichtete.

** Petersburg, 31. Oktober. tWTB.) Der Admi- ralstab gibt Einzelheiten über den Verlust des Kreuzers Schemtschug" bei Pulopinang bekannt. Am 28. Oktober, b Uhr srüh näherte sich der KreuzerEmden", der einen vierten falschen Schornstein aufgerichtet hatte, in der Dunkelheit den Wachschiffen, die ihn für ein Schiff der verbündeten Flotte hielten. DieEmden" fuhr mit Boll- ?ampf gegen denSchemtschug", eröffnete das Feuer nud schoß ein Torpedo ab, der nahe dem Bug explodierte. DieSchemtschug" erwiderte das Feuer. Darauf schoß dieEmden" einen zweiten Torpedo ab, der denSchcmt- schug" zum Sinken brar te. Von der Besatzung kamen 85 Mann ums Leben, 250 Mann wnrden gerettet, 112 Mann sind verwundet.

Der geschützte KreuzerSchemtschug" ist ein zur russischen Ostseeflotte gehöriges Schiff von 3180 Tonnen mit 24 Knoten Geschwindigkeit und 356 Mann Besatzung, das 1903 in Petersburg vom Stapel gelaufen ist. Es hatte acht Stück 12- und sechs Stück 4,7 Ztm.-Geschütze. Schemtschug" war im japanischen Kriege ein ganz neues Schiff, und die russische Flotte wartete bei ihrer Ost­asienfahrt eigens darauf, damit es am Kampfe teil= nehmen könne. Es nahm auch an der Seeschlacht bei Tsuschima teil und gehörte zu den wenigen übrigge­bliebenen russischen Schiffen, die der Vernichtung ent­gingen. Es flüchtete in einen Hafen auf den Philip­pinen, wo es entwaffnet wurde. Der Name des fran­zösischen Torpedojägers ist nicht genannt; vermutlich handelt es sich um eins der größeren Schiffe dieses Typs.

Die Neutralen.

England ist mit Schwedens Haltung unzufrieden.

In der LondonerDaily Mail" beschreibt der be­kannte englische Journalist Hamilton Sife die in Schwe­den herrschende deutsch-freundliche Stimmung und meint, Schweden habe sich auf das unrichtige Pferd gesetzt. Dem englischen Artikel gegenüber betonen die schwedischen Zeitungen die loyale Neutralitätspolitik ihres Landes und fragen nebenbei, weshalb Deutschland das unrichtige Pferd sein sollte.

Kriezsallerlel.

Die Feindseligkeiten zwischen Rußland und der Türkei.

6s* Berlin, 31. Oktober. (WTB.) Vor der türki­schen Botschaft in Berlin fand gestern eine große Zuftim- mnngsknndgebnng statt. Verschiedene Blätter melden, die Feindseligkeiten zwischen Rußland nnd der Türkei hätten damit begonnen, daß ein russischer Minenleger unter dem Schutze von Kanonenbooten unter dem Bos­porus Minen zu legen versuchte.

Die Massenverhaftungen in England.

6s* Berlin, 31. Oktober. (WTB.) LautBerliner Tageblatt" dauern die Massenverhaftungen Deutscher in England an. 6000 Naturalisierte wurden denatu­ralisiert.

Deutsche und Oesterreicher aus den britischen

Besitzungen in China ausgewiesen.

k* Peking, 31. Oktober. (WTB.) Die Behörden von Honkong nnd anderen britischen Besitzungen in China haben die Ausweisung aller deutschen und öster- reich-nngarischen Untertanen verfügt. Die Wehrpflichti­gen wurden verhaftet.

400 000 Belgier nach Frankreich geflohen.

^ Paris, 31. Oktober. (WTB.) Nach amtlicher Zählung beträgt die Zahl der nach Frankreich geflüchte- ten Belgier 400 000 Personen.

England befürchtet Einfälle in Kanada.

6>* London, 31. Oktober. (WTB.) Die Times mel­den aus Toronto: An der kanadischen Grenze besteht die Besorgnis vor Einfällen der in den Vereinigten Staaten lebenden Deutschen und Oesterreichern. Man bildet hier zum Schutze Bürgerwehren.

Caranza will zurücktreten.

es* Mexiko, 31. Oktober. (WTB.) Caranza will von der Präsidentschaft zurücktreten, wenn Villa sich ins Privatleben zurückzieht.

Vom Feldgericht verurteilt.

Drei Männer und zwei Frauen, sämtlich Franzosen, wurden vom Feldgericht zu zusammen 57 Jahren Zucht­haus verurteilt, weil sie englische Soldaten mr Keller verborgen hatten und dies trotz dringenden Befraaens durch deutsche Truppen bestritten. Die Verurteilten wurden über Lüttich der Strafanstalt in Aachen zur Weiterbeförderung zugeführt.

Ei« englisches Artilleriegeschotz zwischen den Kohlen.

DasAmtsblatt" der Eisenbahndirektion Berlin enthält folgende interessante und bezeichnende Mittei­lung: Bei Entladung eines von einer deutschen Zeche an eine Geschoßfabrik abgesandten Wagens Kohlen ist mitten zwischen den Kohlen versteckt ein geladenes eng­lisches Artilleriegeschotz vorgefunden worden. Vermut­lich war ein Anschlag beabsichtigt. Dieser Fall mahnt zur größten Vorsicht. Das beteiligte Personal ist zu unterrichten. Die Güterabfertigungen haben auch die von ihnen bedienten wichtigen privaten Betriebe zu warnen.

Gin llebecfall.

Aus einem Feldpostbrief.

... Es war am 27. August, als ich mit meiner Kolonne über . . ., der Höhe von . . ., Hinaufritt,- auf der Paßhöhe schloß ich mich einem Teil der Divisions­Bagage an, die die letzten Fahrzeuge einer langen Mu- nitwnskolonne, sowie des Sanitätszuges bildete.

Die durch den Regen durchnäßte Straße hatte sehr starkes Gefäll. Auf beiden Seiten hatten wir anstei­gende Wiesen und Felder, die in Entfernung von etwa oreihundert Metern von dem tiefen Hochwald einge­rahmt waren. Vor unsern Augen tobte in Entfernung von 3 Kilometern das Gefecht bei. . . . als plötzlich der Befehl von vorne durchging:Kehrend Wahrscheinlich kamen wir zu nahe an feindliches Artilleriefeuer. Meine

Fahrzeuge waren nun die ersten der laugen Kolonne; nur mit Mühe konnten wir den steilen Berg uns Meter für Meter abringen, trotzdem alle verfügbaren Mann- schaften an den Rädern waren. Die Steigung war enorm und der Boden vollständig durchweicht. Die schäumenden Pferde konnten die schwere Last kaum mehr aus dem Morast herausbringen.

Die Sommerung war unterdessen bereits herein­gebrochen, als plötzlich aus dem Wald Truppen in lang­samem Laufschritt über die abfallenden Wiesen sich un­serer stehenden Kolonne näherten. Es wurde von uns sofort das Feuer darauf eröffnet, doch unverzüglich wieder eingestellt, da es nicht erwidert wurde und diese Truppen fortwährendHulla, Kameraden Hulla, Ka­meraden" riefen. Wir waren der Meinung, Deutsche Truppen vor uns zu haben. In Entfernung von zirka 50 Metern eröffneten plötzlich diese Truppen das Feuer es waren Franzosen, Chasseurs, wie ich später erfuhr. Das Feuer dauerte 20 Minuten. Ich sah nach­her auf den Wiesenhängeu zahlreiche Lichter und hörte von dort kommend französische Kommandos. Die tief= finstere Nacht war unterdessen hereingebrochen und mir waren in eine höchst gefährliche Lage gekommen. Ich schärfte jedem ein, sich uoliftänbtg still zu verhalten, bet den Pferden zu bleiben und kein Licht zu machen.

Plötzlich kamen zwei Infanteristen zu mir mit der Meldung, daß wir nun vollständig von feindlicher In­fanterie eingeschlvssen seien und ein französischer Offi­zier in deutscher Sprache ausgerufen haben soll:Alles ist in französischer Gefangenschaft, alles hat die Waffen abzuliefern!" Um die Nähe des Feindes zu erkunden, schob ich unverzüglich 45 Posten vor. Sie berichteten mir, daß sie in Entfernung von etwa 200 bis 300 Metern am Waldrande französische Kommandos vernehmen konnten. Es war nun kein Zweifel mehr, daß wir lum auch vor uns feindliche Truppen hatten, die die steile Waldstratze besetzt hielten. Der Weg war nun auf allen Seiten für uns versperrt. Die Mannschaften bewahrten trotz der bangen Stunden lieben den Pferden eine mu­stergültige Ruhe und auf 100 Meter Entfernung hätte niemand ahnen sönnen, daß 35 Mann und etwa 40 Pferde auf der Straße standen.

Um %5 Uhr morgens zeigte sich endlich die Däm­merung Ulld ich kroch dem Buschwerk entlang, um nach unserem Kolonnenanschlutz zu schell und weitere Be­fehle entgegenzunehmen. Von den Offiztereil lvie Mann­schaften der Munttionskolonne, sowie des Sallitätszuges war nichts mehr zu entdecken, lieben der Straße standen einige französisch fpredjenöe Militärs, brennende Ta­schenlampen haltend. So entschloß ich mich unverzüg­lich, noch unter dem Schutze der Dämmerung aufzu- brechen. Ich ging von Wagell zu Wagen und schärfte in leisem Tone allen ein, sich möglichst still mtb rasch mit den ausgespannten Pferden nur anzuschließen. Ich schlug gleich einen von der Straße abzweigenden Wte- senpfad ein, um den von den Feindell besetzten Wald zu umgehen. Wir hatten fast die Höhe ivteder erreicht, als wir vom Walde sowie von einem Bauernhof aus unter Feuer genommen würben. In großer Hast ging es, sämtliche Pferde führend, einem Buschwerk entlang über die Stoppelfelder immer aufwärts. Plötzlich be­gannen Gewehre zu tnattern und die Kugeln pfiffen uns über die Köpfe. Ich erhielt einen unbedeutenden Streifschuß am linken Handgelenk.

Wir erreichten die Höhe und abwärts gings, unseren deutschen Truppen wieder entgegen. Wohlbehalten trafen wir alle in.....ein. Sämtliche Mannschaften und Pferde waren durch die Umgehung der Waldstraße der fast sichererr Gefangennahme entrissen worden. Am 28. August morgens 6 Uhr 45 Minuten konnte ich be­reits dem General darüber Meldung erstatten. _____________________________________(Mli. N. N."

Eine englischeHeldentat" gegen wehrlose

Frauen und Kinder.

Als es in Tsingtau klar wurde, daß die Belagerung Tsingtaus unvermeidlich wurde, wurden Frauen und Kinder zum Teil mit der Bahn nach Schanghai, zürn Teil per Schiff nach Tientsin abgeschtctt. Ueber die Er­lebnisse dieser Schiffsreise wird nun aus vstasiatischeu Zeitungen manches bekannt, was ein höchst eigentüm­liches Licht aus die Ritterlichkeit und den Austaud der Engländer wirft und was in schroffem Gegensatz zu der bekannten Ritterlichkeit des deutschen Hilfskreuzers Wilhelm der Große" steht.

Die deutschen Flüchtlinge, 240 Frauen und Kinder, fuhren von Tsingtau mit dem deutschen DampferPak- lat" ab. Dieser Dampfer wurde aber von den Eng­ländern angehalten. Er wurde, obgleich sofort mitgeteilt wurde, daß er Flüchtlinge enthalte, von einem Torpedo­boot umkreist und schließlich gerammt, so daß eine Pa­nik entstand. Der Dampfer mußte dann ganz zwecklos hin und her fahren, bis er endlich nach Wetyaiwei herein- gebracht wurde. Die Passagiere wurden in völliger Un­kenntnis über ihr Schicksal gehalten. In Schanghai wurde die Besatzung des Schiffes bei Wasser und Brot gefangen gesetzt und mußte auf dem Steinfußboden ihres Gefängnisses schlafen. Nur ein Schiffsarzt wurde auf demPaklat" belassen. Die englische Wache betrank sich und belästigte die Frauen in gemeiner Weise. Die chi­nesische Schiffsmannschaft begann zu stehlen und zu ma­rodieren. Endlich ließ man die Frauen und Kinder auf dem chinesischen DampferSheng-King", der für achtzig Personen eingerichtet ist, überführen, wobei sie nur einen TMl ihres Gepäcks mitnehmen durften. Obwohl ein Taifun gemeldet war, wurde das überlastete Schiff ohne Begleitung auf die See geschickt, während der englische Kommandant von Weihaiwet nach Tsingtau mitteilte, es sei für die Passagiereauf das zuvorkommendste ge­sorgt" wurden. Als derScheng-Kcng" endlich nach Tt- entsin kam, war es jammervoll zu seyen, wir die armen Menschen mit ihrer geringen Habe und durch die ausge­standenen Strapatzen geschwächt vom Dampfer Herunter- kamen. Der Dampfer hat nur 24 Kabinen, in denen Kranke mit Frauen und Säuglingen untergebracht waren. Die große Menge von über 200 Menschen mußte auf offenem Deck und im Packraum Tag und Nacht zu­bringen und auf dem Fußboden schlafen. Der Dampfer Paklat" ist von den Briten genommen und der Kapi­tän mit Offizieren und Besatzung gefangen genommen und nach Hongkong transportiert worden.

Das Kapern dieses Dampfers ist eine schnöde Ver­letzung des Völkerrecht. Nach internationalem Seerecht sind Dampfer der feindlichen Macht, wenn sie Passagiere oder Ladung haben, die aus sanitären oder menschlichen Gründen befördert werden, geschützt; darüber haben sich die Führer der britischen Torpedoboote hinweggesetzt. Ihr Gewinn ist ein alter Dampfer von geringern Wert. Sogar den für mehrere Wochen vorgesehenen Vorrat an Lebensmitteln haben sie mitgenommen. Das war die erste britische Heldentat im jetzigen Kampfe in Ostasien.

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Weitere Drahtnachrichten«

Grubenkatastrophe in Amerika.

Neuyork, 31. Oktober. (Hbg, Nachr.) In einer Kohlengrube in Illinois sind 150 Bergleute verschüttet worden und wahrscheinlich alle tot.