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- (Kjssenjt liest hart an der Grenze des Kongo- staats auf deutsche Gebiet. Offenbar hat eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unserer Truppen ist der Einfall aber siegreich zurückgewiesen worden.)

Nach einem Bericht derBofs. Ztg." aus Rom vorn 29. Oktober machen Londoner Meldungen zufolge die deutsche» Streitkräfte in Kamerun den französischen und englischen Kräfte» fortdauernd z« schaffen. In der Zeit vom 26. August bis 19. Oktober verloren die Franzosen allein zehn Offiziere.

Die Deutschen in Hongkong ansgewiesen.

DemBerl. Lok.-Anz." zufolge müssen nach einem Telegramm, das das Exporthaus Arnhold Karberg u. Co. von seinem Vertreter in Hongkong erhielt, unsere Landsleute innerhalb acht Tagen die Insel verlassen. Es werden von diesem hartherzigen Befehle der eng­lischen Regierung etwa 400 Personen und zahlreiche Firmen betroffen, die sich in der Handelswelt ganz Ost­asiens eines großen Ansehens erfreuten und darum schon lange die Mißgunst der Engländer erregt hatten. Die Geschäftshäuser werden wahrscheinlich zwangsweise liquidieren müssen.

Der Kampf um Tsingtau.

Paris, 30. Oktober. (WTB.) Laut Meldungen aus Tokio hat der japanische geschützte KreuzerTschi-; tose" am 18. und 19. Oktober die Angriffe zweier deut­scher Fahrzeuge abgewiesen und sie in die Bucht von Kiautschou zurückgedrängt. Das Wetter verhinderte einen sofortigen Angriff auf Tstngtan. Die fortwäh­rende Beschießung von der Land- un- Seeseite vernr- sachte in der Festung schwere Verluste. Mehrere los­gerissene Minen verhindern die Schfffahrt im großen Ozean.

Zehntausend aufständische Buren.

Berlin, 30. Oktober. (WTB.) Nach derDeut­schen Tageszeitung" beträgt die Zahl der aufständischen Buren bereits 10 000 Mann. Die ganze Oranjeflnß- kolonie befindet sich im Aufruhr.

Londoner Blättermeldungen zufolge soll sich Botha bereits nach der Front begeben haben. Ob unter dem AusdruckZur Front begeben" eine Aktion gegen deut­sche Kolonialtruppen oder gegen Burenstreitkräfte zu verstehen ist, ist aus der Meldung nicht ersichtlich. Die Times" schreibt, daß die Maßnahmen der Generale Maritz, Dewet, Beyers und Kemp, alles bekannte und die besten Führer aus dem Burenkriege, zweifellos auf einen gemeinsamen Plan deuteten, und daß sowohl im Oranjefreistaat wie im westlichen Transvaal der A«f- stand von langer Hand vorbereitet scheine.

Trotz der nicht zu verkennenden Besorgnis, die die Lage in Südafrika in London hervorgerufen hat, ver­sucht die englische Presse noch immer, gegenüber dem Auslande die Burenerhebung als bedeutungslos hin­zustellen. Besonders versucht dieTimes" sich zu stellen, als könne die Sache auf die leichte Schulter genommen werden.

Ein russischer Kreuzer und ein französischer

Torpedojäger von derEmden" vernichtet.

Leipzig, 30. Oktober (WTB.) DieLeipziger

Neuesten Nachrichten" verbreiten folgendes Extrablatt aus Kopenhagen: Nach einer amtlichen Petersburger Meldung ans Tokio mnrde der russische Kreuzer Schamtschng" und ein französischer Torpedojäger auf der Reede von Pnlopjnag durch Torpedoschüsse des deut­schen KreuzersEmden" znm Sinken gebracht. Der KreuzerEmden" hatte sich durch Anbringung eines salschen Schornsteins unkenntlich gemacht und konnte sich auf diese Weise den vernichteten Schiffen unerkannt nähern.

Die Kaperfahrten derEmden".

Die römischeTribuna" bringt von der kühnen Kaperfahrt verEmden" folgende lebendige Schilderung ihres Mitarbeiters in Kalkutta: t .. .

An einem Sonntagnachmittag fiel dieEmden den Diplomat" an. Der Kreuzer war von derMarco- mannia", einem Dampfer der Hamburg-Amerita-Ltnie, sowie von dem SchiffContoporus" begleitet. Der Kreuzer führte das englische SchiffCarbinga im Schlepptau, an dessen Bord die Mannschaften der bereits versenkten DanwferJudas",Lowat" undKillin md befanden. Wenige Stunden später wurde auch der DampferLaruano" angehalten. Man befand sich 40 Seemeilen von Kalkutta entfernt. Ein deutscher Offi- yer kam in Begleitung eines Soldaten an Bord des Schiffes und erzählte, nachdem er die Visitation beendet hatte, daß sie von Japan herkämen, von wo sie nach Ausbruch des Krieges abgefahren feien. Der Offizier sagte/schließlich noch, daß man auf dem Kreuzer über den Verlauf des Krieges vollständig unterrichtet sei. Englische Kriegsschiffe seien in der Bucht bisher nicht sichtbar gewesen, und im übrigen sei man auf jeden Fall für einen Kampf gerüstet. t a

Der Berichterstatter konnte im Bureau des Gouver­neurs von Bengalen noch Einzelheiten erfahren. Als dieEmden" den Verfolgungen der Japaner entging und sich nach Singapore wandte, nahmen englische, rus­sische, französische und japanische Kriegsschiffe die Ver­folgung auf. Als man in der Nähe von Colombo der Emden" den Garaus machen wollte, gelang es ihr, die Funkensprüche der sie verfolgenden Schüfe aufzusangen und mehrmals zu entwischen. Durch dieses Jnfor- mationsmanöver erfuhr auch dieEmden die Namen und die Route der zwischen Colombo und Kalkutta fahrenden Handelsdampfer. Die Funkensprüche sollten den englischen HandelsdaurpferSmila" erreichen, da­mit dieser in Colombo die Information weiter gebe. DieEmden" ließ dieSmila" unbehelligt. In Colombo gab die letztere falsche Information, und so konnte der deutsche Kreuzer unbehindert das Vernichtungswerk aufnehmen. Die Zahl der von ihm versenkten franzö­sischen, russischen und englischen Schiffe ist nach der Verteilung des Berichterstatters weit größer als man annimmt.

Verzweifelte Lage in Serbien.

Nach einer Meldung desB. T." aus Sofia Wert eine aus Nisch dort eingetroffene unterrichtete Persön­lichkeit die Lage in Nisch wie folgt: ausgesuchtester Liebenswürdigkeit begegne. Vor einigen Tagen erregte die Meldung eines Extrablattes, daß Bul­garien mobilisiere, große Erregung. Das Extrablatt wurde sofort beschlagnahmt. Offen sprechen selbst die Offiziere von dem wüten Untergang, wenn nicht rasch ausgiebige Hilfe komme. Es fehlt an Geschützen, be­sonders weittragenden. Die Oesterreicher griffen oft mit Kartätschen an, und die Serben erwidern, indem

Die Russen führen Serbien Munition auf der Donau zu.

** Berlin, 30. Oktober. (WTB.) Nach Blätter­meldungen beschossen die Bulgaren ein russisches Kano­nenboot, das der serbischen Armee auf der Donau Mu- nitionsvorräte zuführen wollte.

^ krlegrallerlel.

Englands Jagd auf deutsche Reservisten.

Berlin, 30. Oktober. (WTB.) Die englische Regieruna soll die Verordnung zurückgezogen haben, daß deutsche und österreichische Reservisten auf der Fahrt von und nach neutralen Häfen auf neutralen Schiffen nicht verhaftet werden sollen.

Belästigung der Deutschen in Kanada.

w> Ottawa, 30. Oktober. (WTB.) Hier wurden alle Sauser, in denen Deutsche und Oesterreicher wohnen, von -er Polizei durchsucht.

Erbitterung -es Islams gegen England.

** Konstantinopel, 30. Oktober. (WTB.) Unter dem Borwand der Ueberhäufung der Verkehrsstraßen haben die Engländer in Aegypten die Pilgerfahrt nach den heiligen Stätten des Islams verboten, um die ägyptische Bevölkerung der übrigen islamitischen Welt fern zu halten. Die Erbitterung der Bevölkerung gegen England wächst.

Der Kommandant von Maubenge in Arrest.

DerHallischen Zeitung" zufolge wurde der Kom­mandant der Festung Maubeuge, der in Torgau im Offiziersgefangenenlager untergebracht war, aus Grün­den, die geheimgehalten werden, in die dortige Arrest­anstalt in Einzelhaft gebracht.

Beim Liebesgabentransport von einer Granate getötet.

Auf tragische Weise ist der aus Recklinghausen stam­mende Tiefbauunternehmer Franz Karl auf dem Schlachtfelde ums Leben gekommen. Karl hatte einen Liebesgabentransport nach Frankreich gebracht und be­sichtigte unter Führung eines Offiziers einen Teil des erst vor einigen Tagen vorn Feinde geräumten Schlacht­feldes. Mehrere Herren standen in einer Gruppe zu­sammen, als plötzlich eine französische Granate heran­gesaust kam und den Unternehmer auf der Stelle tötete. Nur dem Umstände, daß das Geschoß nicht explodierte, ist es zu verdanken, daß die übrigen Herren mit dem Leben davonkamen. Karl wurde am Orte des Unfalls bestattet.

Mit Liebesgabe» bei -er Armee von Hindenburg.

DieDanziger Nachrichten" bringen einen Bericht über den Empfang einer Liebesgabenspende beim Gene­ralobersten von Hindenburg, dem wir folgendes ent­nehmen: Ein großer Raum im Hauptquartier ist als Kasino eingerichtet, in dem der General mit seiner Um­gebung speist. Es gibt nur eine Hauptmahlzeit. In der Regel ist dies 8 Uhr abends. Mittags gibt es nur ein Frühstück. Generaloberst von Hindenburg sprach seine Freude darüber aus, daß es ihm vergönnt sei, seine Heimat von den Russen zu befreien. Der General­oberst fah frisch und gesund aus. Herzlich lachte er über die Leute, die ihm ein Gallensteinleiden zuschreiben. Er bat die Herren, doch diese Gerüchte, die ihm ein Leiden andichten, aus der Welt zu schaffen. Nicht we­niger als 82 Mittel gegen Gallensteine seien ihm empfoh­len worden, doch könne er sie nicht anwenden, weil er nichts fpüre. Kein Wort sei daran wahr, daß er nicht zu Pferde steigen könne. Er ist von gutem Humor, und Herr von Hindenburg erzählte, er könne sich vor Zu- chriften nicht retten, die ihm Vorschläge für die Krieg- ührung machten. Jemand habe ihm einen Plan ge- andt, wie die Russen zu schlagen sind und er recht bald nach Petersburg gelangen könne. Freilich könne er von diesem Plan keinen Gebrauch machen, da er seinen eige­nen schon fertig habe.

Russische Hospitäler überfüllt.

»,*- Hamburg, 30. Oktober. (Hbg. Nachr.) Der Konstanttnopeler Korrespondent erfährt aus zuver­lässiger Quelle, daß sämtliche Hospitäler im Kaukasus, besonders tu Tiflis, Batum und Baku mit russischen Verwundeten überfüllt sind. Es wurde aus dem Kau­kasus eine große Anzahl nach dem Westen des Kriegs­schauplatzes transportiert.

Französisch-englische Uebergriffe gegen Italien.

DieFranks. Ztg." meldet aus Rom: Im Mittel­meer ist ein dritter italienischer Dampfer, der der ,^rzt- lianisch-Amertkanischen Schiffahrtsgesellschaft gehörige San Giovanni" durch die englisch-französische Flotte beschlagnahmt und ebenfalls nach Gibraltar gebracht worden. Die Ladung bestand aus Kupfer.

.San Giovanni" durch die e

England hält sich nicht mehr an die Londoner Seerechtserklärnng.

Das

DieFranks. Ztg." meldet aus Amsterdam: Der marinetechnische Mitarbeiter derMorningpost" berich­tet, daß die englische Regierung nach Unterhandlung mit den Verbündeten und den Neutralen beschlossen hat, sich nicht mehr an die Londoner Erklärung des inter­nationalen Seerechts zu halten.

Der gestohlene Kanonendeckel.

Zuweilen hört man jetzt von Leuten, die sich auf eine ebenso eifrige wie abenteuerliche Weise mit dem Sam­meln von Kriegsandenken beschäftigen. Ein kleiner ,yall dieser Art beschäftigte jetzt das Schöffengericht Verlm- Mitte. Da stehen, wie man weiß, vor dem Berliner Schloß, verstummt und friedlich nach ihver todbringen­den Arbeit, die Zeugen einer deutschen Ruhmestat, die eroberten russischen Geschütze. Solch eine Kanone, die einst im Feuer gestanden, viel Pulver und Schrapnells aewien hat, ist für alle sammelivlitigen Leute ein. be- aebrenswertes Objekt. Es geht nun nicht gut an, einen Kbstabl zu waaen und das räderbewehrte Eisenrohr w mir niKs öi? nichts nach Hause zu karren. Aber aenua bewegliche Teile besitzt das Kriegsinstrument: Hebe?, Sch! und Verschlußdeckel, die man mit einiger Mübe loslöse» und bequem in die Tasche stecken kann. D»s tat öenn^uch ein jugendlicher Berliner Schlosser­geselle. Am 20. September zog er, mit einem, Schrau­benschlüssel bewaffnet, gegen die Geschützl und schraubte solange, bis er den Berschlr

benschl'üssel bewaffnet, gegen die Geschütze los, drehte und schraubte solange, bis er den Berschlußdeckel eines Rohrrücklaufs in Händen hielt, und war gerade dabei, beglückt mit seiner Eroberung das Weite zu suchen, als ein Schutzmann erschien und. ihm seinen Schatz mieder abnahm. Da gab es nun eine Anklage wegen Dieb­stahls, die das Gericht aber von der mildesten Seite be­trachtete. Man zog in Erwägung, daß der Angeklagte, der sich aus jenem Derschlußstück einen Aschenbecher ver­fertigen wollte, aus übertriebenem Patriotismus und einer weit verbreiteten Kriegsandenkensammelwut ge­handelt habe. Das Gericht erkamrte, auf die geringste zulässige Strafe von einem Tag Gefängnis.' Bei guter Führung soll selbst diese geringe Strafe aus dem Gnaden­wege erlassen werden.

Das Eiserne Kreuz jetzt und früher.

Wie mitgeteilt, sind bis vor kurzem rund 38 000 Eiserne Kreuze 2. und 1. Klasse verteilt worden. Es dürste von Interesse sein, diese Ziffer, die nur einen

Anfang darstellt, mit der Zahl ver Eisernen Kreuze zu vergleichen, die im Befreiungskriege von 1813 und 1814 sowie im Feldzuge von 1870 und 1871 verliehen wur­den. Im Befreiungskriege gab es 16131 Eiserne Kreuze. Dabei siud diejenigen mitgerechnet, die sich, wie damals üblich, vererbten, indem nach dem Tode von Inhabern des Eisernen Kreuzes andere Mitkämpfer an deren Stelle traten. Für den Feldzug von 1870 und 1871 wurden bis zum Juli 1871 44 489 eiserne Kreuze verliehen. Vom Juli 1871 bis zum März 1872 erfolgten einige weitere Verleihungen und im März 1872 ver­teilte Kaiser Wilhelm l. infolge nachträglicher Ermitte- ungen noch mehrere Tausend Eiserne Kreuze 2. und 1. Kasse. Im Befreiungskriege war auf ungefähr 20 Mann ein Eisernes Kreuz entfallen, für den Krieg von 1870 und 1871, in dem dreimal mehr Menschen im Felde ge­standen hatten, ist ungefähr dasselbe Verhältnis fest­zustellen. Soll es auch in dem gegen drei Fronten ge- führteu Weltkriege von 1914 erreicht werden, so muß die Zahl von 38 000 noch vervielfacht werden.

Aus österreichischen Feldpostbriefen.

Ein Bergarbeiter an seine Frau.

Aus dem österreichischen Bergwerksrevier Wolfs- egg-Thvmasrvith-Hvlzleitheu wird der LinzerWahr­heit" folgender Feldpostbrief eines Bergarbeiters an fehte Frau zur Verfügung gestellt:Meilie allerliebste Gattin! Endlich komme ich dazu, an Dich, meine Liebste, zu schreiben. Schicke Dir die herzlichsten Grütze und Küsse vom Felde. Hab' Dir schon einmal einen Brief geschrieben, weist aber nicht, ob Du meine Sachen erhältst. Ich hatte sehr großes Glück, denn wo wir mit der stürbe waren, sind Schrapnells eingefallen. Bet unserer Küche hat die Hlilse von einem solchen Geschoß den Kamin getroffen. Es wurden mehrere verwundet, zwei Mann waren tot und zwei Pferde wurden getötet. Also für mich ist's diesmal sehr glücklich abgelaufen. Einige Tage war jetzt ein sehr grostes Gefecht. Wir trieben die Russen mehr als vierzig Kilometer zurück. Gefangene Russen erzählten später, daß bet töne» das reinste Blut­bad war. Der Russe wollte drei Tage Waffenstillstand, weil die alte Kaiserin gestorben sehr fon; Munition braucht er halt! Der Feind glaubt, wir lassen ihm Zeit zum Weiterrüsten. Die russischen Infanteristen schienen schlecht und ergeben sich viele, auch ganz freiwillig. Un­sere Stellungen sind gut. Wir habe» den Russen ganz im kleinen. Heute wird er vielleicht noch in den Sumpf getagt. Heute um ^9 Uhr habe« wir schou ein Feuer eröffnet, so was könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Der Russe ist wieder zurückgeworfen worden. Wo wir sind, ist der ^etnd am stärksten. Es dürfte die Entscheidung sein. Wir haben alle Tage hungrige Russen bet uns zum Füttern: die sind bei uns wirklich gut gehalten. Ferner kommen zu uns 109 Mann und 30 Offiziere, das ist der Kavallertestabszug, zur Menage. Wer zu uns kommt, der bekommt zu essen, solange es reicht. Was ich da für eine Freude habe, wenn ich sehe, daß sie alle satt sind, könnt Ihr Euch denken. Besonders wenn ich gar einen Bekannten sehe. Ich habe sehr wenig Zeit zum Schreiben, aber jede Minute will ich ausnützen, um Dir, meine Liebe, zu schreiben. Fannt, das wird eine Freude werden beim Wiederseheu. Vor­gestern hast Du mich geweckt, ich hörte Dich rufen und hörte Dich weinen. Immer und immer sind meine Ge­danken bei Dir. Nur den Kopf hoch! Alles opfern wir wieder mit Freude, unsere ganze Kraft, um den Feind in den Grund zu schlagen. Geld schicke mir keines: wenn Du brauchst, ich schicke Dir welches. Ich schließe mein Schreiben mit den herzlichsten Grüßen au Euch.

DieTante".

Aus einem Brief, den dieArbeiter-Zeitung" wie» -ergibt:. . . . Aus der Ferne hörte man noch das leise, lebhafte Knattern der Gewehrschüsse. Dazwischen, wie das Rollen eines fernen Donners, den dumpfen Schall der Geschütze. Bum . . bum . . bum . . bum, ab­gehackt nach den Schlägen der Uhr das österreichische Geschützfeuer, bum . . . bum, dum, rascher das russische Feuer. Hin und wieder ein dumpfer Schall, dann ein Singen in den Lüften und nach einigen Sekunden eine dumpfe Detonation der Schuß der 15-Ztm.-Haubitzen. Welchen Schrecken hatte uns anfangs dieTante", so nennen wir die Haubitzen, eilige jagt; wo sie auf die Erde traf, schlug sie ein drei Meter breites und ebenso tiefes Loch. Jetzt haben wir uns an den Schall gewöhnt. Schrecken jagt uns dieTante" feinen mehr ein. Wo sie etnfchlägt, haut sie wohl alles in Frauseu, aber es trifft nicht so häufig zu. Die meterhoch aufspritzende Erde ist nur ein Schrecken für Nichtkenner. Oft schlug so ein Geschoß in nächster Nähe einer Abteilung ein und umbüUfe alles mit einer Rauch- und Staubwolke. War die verschwunden, so sah man, daß die Nächststehen­den unversehrt geblieben waren. Im weichen Erdreich versinkt die Granate . . ."

Die Gans.

Ein österreichischer Offizier erzählt nach derFrank­furter Zeitung" in einem Brief an Familienangehörige in Frankfurt:

. . . . Unsere Leute sind schon verfluchte Kerle. Da wurden wir einmal in einem Dorf von feindlichem Artilleriefeuer überrascht, das wir nicht erwidern konn­ten,' alles drückte sich, so gut es ging, in den Straßen­graben, hinter Häusern usw.,' nur von denRainern" (59. Infanterieregiment) gingen eine Anzahl Leute in die Obstgärten und schüttelten sich Obst von den Bäumen!

einmal hatte sich ein Mann meiner Kompagnie ir­gendwo eine Gans requiriert. Es war während eines Angriffs, wobei wir eine Ortschaft passieren mußten. Bei jedem Sprung vorwärts, den wir machten, nahm er die schnatternde Gans unter den Arm und stürmte zur nächsten Deckung vorwärts: dort legte er sie zu Boden und warf sich am sie, damit sie ihm nicht durchgehe, kam aber, durch das feindliche Feuer irritiert, nicht auf den Gedanken, ihr einfach den Kragen umzudrehen, um sie vollkommen gefügig zu machen. Ich mußte trotz des großen Elends um mich herum herzlich über ihn lachen. Es war ihm übrigens nicht mehr vergönnt, seine Gans zu essen. Bei einem allgemeinen Sprung stand er nicht mehr auf. Wie es der Gans weiter er­ging, weiß ich nicht . . . ."

Der glückhafte Regen.

Przemusler Feldpostbriefen ist zu entnehmen, daß es während der dreiwöchigen Zernierung der Festung mit unhecmlrcher Regelmäßigkeit Tag für Tag und zu­meist in Strömen regnete, was die Stimmung der Be­satzung nicht gerade erhöhte, da sie doch überwiegend im Freien auf Wallen und vorgeschobenen Forts ihren Dienst zu verrichten hatte. Der unerbittliche Jupiter Pluvtus bekam denn auch so manche kernige Flüche zu hören,' sie wurden ihm aöer nach dem Entsatze rei mütig wieder abgebeten, da der Dauerregen auch fc Gutes hatte, da die Russen infolge der grundlosen W und des aufgeweichten glitschigen Bodens an vi: Stellen ihre schweren Geschütze nicht hatten in Post bringen können.