Einzelbild herunterladen
 

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld JttsWier ÄreisMott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. ÄS6. Sonnabend, den 31. Oktober 1914

3um Resormationsseft 1914.

Mitten hineingestellt sind wir in das Wirken und Schaffen der Weltgeschichte. Eisern istunsere Zeit und stählern unser Wille; durchhalten und siegen wollen und müssen mir; unsere Zukunft muß sich so ge­stalten, wie sie eines großen, um Leben und Geltung in der Welt ringenden Volkes würdig ist. Kann da wirklich einer mit kleinlichen Bedenken kommen und kann dem evangelischen Deutschen raten, Martin Luthers in solcher Zeit nicht zu gedenken? Und wär's uur, um inne zu werden, daß in des deutschen Volkes gewaltigsten Schicksalstagen immer vaterländische Kraft und religiöse Inbrunst zusammenklangen, so haben wir im deutschen Protestantismus keine bessere Stunde und Gelegenheit dazu als in der Feier des Refor­mationsfestes.

Gewiß, wir wollen den Frieden im Innern so ernst so genau wahren, daß alle konfessionelle Polemik schweigen muß. Sie ist auch, um das Andenken Luthers und der Reformation zu ehren, nicht nötig. In Luther und seinem Werk liegtvielGroßes, dessen wir uns freuen unddas wir uns immeraufs Neue verdeutlichen können, ohne ein WortgegendieAndersdenkenden zusagen. Das ganze Deutschland kann seine Freude an Luthers heißer Liebe zu seinem deutschen Volk und Vaterland, an seinem reichen Gemüt, seinem männlichen Mut haben. Wieviel hat der Mann, bei dem wir lesen, der rechte Prediger müsse beides sein, ein Kriegsmann und ein Hirte, uns allen gerade für diese Kriegszeit zu sagen! Es wäre in seinem Sinn das Wort zu erweitern: jeder rechtschaffene Christ ist sowohl Kriegsmann wie Hirte. Hirte er soll Fürsorge Hingebung zeigen, wahre Liebe üben; Kriegsmann er soll kämpfen gegen alles Unrecht, alles Wiüergöttliche, kämpfen für Wahrheit und Recht, für Gottes R^ich auf Erden.

Unlängst hat der Straßburger Professor und Philosoph Dr. Theobald Ziegler in seinem Buch Menschen und Probleme" gesagt, daß Luthers Bibel­übersetzung damit, daß sie den Deutschen die Einheit der Sprache gab, ihnen die Einheit des ganzen geistigen Lebens gab. Zwischen Nord und Süd ward ein unzerreißbares Band geschaffen, ein Band, ohne das im achtzehnten Jahrhundert keine ideale, geistig geeinte Nation werden konnte, die dann im neunzehnten das Deutsche Reich errichtete. Und noch mehr! Wer hat nicht mit Sorgen gesehen, daß vor dem Krieg, in dem wir nun stehen, ein gefährlicher Riß durch unser Volk ging? Gebildete und Ungebildete, um diese allgemein üblichen Ausdrücke zu gebrauchen, ver­standen sich nicht mehr, die Sprache der ersteren war dem Volke immer unverständlicher geworden. Mit einem Schlage hat der Krieg uns von dieser Sorge befreit. Wir haben es erlebt, und erleben es immer wieder, daß jetzt das alte Lutherlied vom ganzen Volk, von allen seinen Ständen gesungen wird. Im Felde draußen, in den Schützengräben ist es erklungen, vor dem Kaiserschloß in Berlin und beim Siegeseinzug in Antwerpen. Dies Lied, in dem der Vers steht:Und wenn die Welt voll Teufel wär'" und das anhebt mit dem unerschütterlichenEin feste Burg ist unser Gott" es ist ein Vaterlandslied geworden. Mit Recht konnte Professor Ziegler schreiben:

Solange das Volk seinen Gefühlen und Ge­danken in den erhabenen Lutherworten Ausdruck zu geben vermag, solange werden wir Fühlung mit ihm behalten, weil ihm mit der Form auch der gute Geist des lutherischen Gemüts, die Herrlichkeit seines kindlichen Idealismus nicht verloren gehen kann.'

Am Tage des Reformationsfestes 1914 haben wir allen Anlaß Dank zu sagen, daß diese Sätze sich bewahrheitet haben. In der Novembernummer des Monatsblatts" für die Mitglieder des Evangelischen Bundes schreibt Direktor Everling:

Als unsere braven Kämpfer mit der heiligen Selbstverständlichkeit ins Feld und in den Tod fuhren, da las man Dutzende Male mit Kreide auf den Wagentüren neben Worten derben Humors den deutschen zuversichtlichen Heldenton:Ein feste Burg ist unser Gott." Das ist die Stimmung unseres kampfumtobten Volkes:Und wenn die Welt voll Teufel wär'". Und das ist das Geheimnis der urwüchsigen Kraft dieses deutschesten Mannes: wie Schwertgeklirr und Wogenprall trifft sein Wort dre deutsche Seele. Er, in dessen Hand einst das deutsche Gemüt wie die Leier in der Hand des Künstlers war, er hat auch heute nach all dem Weichen und Weichlichen, nach all dem Gewundenen und Ge- säuselten, nach all dem Ueberstiegenen, und Gekün­stelten, das uns umgab, erfrischende Klänge, dre befreiend durch die beladenen und belasteten Menschenseelen brausen. Ein frommer, von Nerven gequälter Musiker hat gesagt:Ich konnte nur noch Bach spielen und Luther lesen." Unserem Volk, dem eine furchtbare Spannung auf den Nerven liegt, wird es Heil und Segen sein, wenn esLuther lesen" kann."

Martin Luther, der Mann von Wittenberg und Worms, hat vor Kaiser und Reich gestanden und hat sich nicht gebeugt; er hat gehandelt nach dem Zwang des Wortes; es ist nicht geraten etwas wider das Gewissen zu tun; er hat das Wort gesprochen:Mich dünket, daß kein schändliches Laster auf Erden sei denn Lüge und Untreue beweisen, welches alle Gemeinschaft der Menschen zertrennet." Auch Deutsch­lands Volk konnte sich seinen Feinden und Wider­sachern nicht beugen, und wenn Lüge und Untreue alle Gemeinschaft der Menschen zertrennt hat, so steht Deutschland nun als der Michael der Vergeltung mit blankem Schwert und gutem Gewissen auf dem Felde der Ehre.

Und wenn die Welt voll Teufel wär, Es muß uns doch gelingen!" Am Tage des Reformativnsfestes darf sich der deutsche Protestant, der den Geburtstag seines Bekenntnisses begeht, aus ganzer Seele dessen freuen, der einer der deutschesten Männer und größten Helden gewesen ist. Ihm nachzueifern, ihm der unter den andern deutschen Helden, gleichviel welcher Kon­fession, unserm Heer vorangeht, ist auch eine Kraft, die sieghaft und stark macht, um den Anprall der Feinde zu bestehen, und niederzuwerfen.

Bus der Heimat.

* (Sparsam mit Benzin und Gummi umgehen!) Wie wir hören, wird eine Verfügung vom Ministerium herauskommen, die auf sparsamsten Verbrauch der Gummireifen und Brennstoffe bei den Kraftwagen hinweist. Bei der Truppe ist ein sehr großer Bedarf von Kraftwagen und namentlich von Gummi uub Brennstoffen unvermeidlich; es muß daher der unnötige Verbrauch aufhören, da die Dauer des Krieges noch nicht vorauszusehen ist. Auch das übermäßig schnelle Fahren ist zu vermeiden, da hier­durch die Reisen sehr abgenutzt werden. Dre Wagen die den Lazaretten zur Verfügung gestellt sind, sollten für den Verwundetentransport und für den not­wendigen Dienst der Aerzte reserviert bleiben.

* (Ehrenzulagen für Inhaber des Eisernen Kreuzes. Die verfassungsmäßige Regelung einer Ehrenznlage für Inhaber des Eisernen Kreuzes aus dem Kriege von 1914 wird demnächst er- folaen. Nach den bisherigen Bestimmungen erhalten die Inhaber des Eisernen Krenzes von 1870/71 vom Feldwebel abwärts, und zwar wenn sie die erste Klasse erworben haben, eine Ehrenzulage von monat­lich 3 Mk., wenn sie die zweite Klasse besitzen, dieselbe Ehrenzulage, sofern sie daneben das preußriche Mrli- tärehrenzeichen zweiter Klasse, das in den letzten Jahren hauptsächlich in den Kolonralseldzugen ver­liehen worden ist, oder eine diesem gleich zu achtende militärische Dienstauszeichnung besitzen. Es werden außerdem noch für eine Reihe anderer Mrlrtarehren- zeichen Ehrenzulagen gewährt. Die Ehrenzlilagen für das Jahr 1914 erreichen tu Preußen die summe von 68 000 Mk. Ueber den Umfang der Ehrenzulagen, die an die Inhaber des Eisernen Kreuzes von 1914, aewährt werden sollen, sind noch keine Festsetzungen getroffen. Es ist bisher nur bestimmt, daß alle mit dem Besitz des Militärehrenzeichens erster und 2. Klasse verbundenen Vorzüge auf das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klaffe übergehen. Zu diesen Vor­zügen gehören auch die Ehrenbezeugungen der Wacht­posten.

* (ZurWarnung.) In verschiedenen Zeitungen bieten fieb neucTÖinflS 6Uö bem ^nlnnb unb nu^ bent ÄS Ausland die Ver- mittelung von Nachrichten .^ngeiwriger deut cher Familien im Felde oder in feindlicher Gesangemchaft zu übernehmen. Da die Annahme begründet ist daß diese Persönlichkeiten nicht durchweg von selbstlosen Absichten geleitet sind, daß sie vielmehr sich gelegent ich ihre Vermittlung unverhältn smaßrg hoch bezahlen lassen, ist dringend Vorsicht bei ihrer Inanspruchnahme geboten. Es sollen stets vorher an geeigneter Stelle, insbesondere bei Polizeibehörden, Erkundigungen da­rüber eingezogen werden, ob die betreffende Persön­lichkeit Vertrauen verdient.

* Das Photographieren auf dem Kriegs­schauplatz und in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten ist nur mit Genehmigung des Chefs des Generalstabes des Feldheeres und auf Grund der besonderen, von ihm erlassenen Bestimmungen gestattet. Gesuche um Zulassung sind an die Presse- abteilung des stellvertretenden Generalstabes der Armee zu richten. Zur Aufnahme kinematographischer Bilder ist eine besondere Erlaubnis erforderlich. Photographische und kinematographische Aufnahmen dürfen erst dann vervielfältigt, verbreitet oder ver­öffentlicht werden, wenn sie der militärischen Zensur zur Prüfung vorgelegen haben und von ihr freige­geben sind. Die Tätigkeit von Photographen und

Berichterstattern ohne Ausweis des Generalstabes ist verboten.

):( Hersfeld, 30. Oktober. Am 2. November tritt der n e u e F a h r p l a n in Kraft, aufgrund dessen die größere Anzahl der früher im Frieden gefahrenen Personen- und Schnellzüge wieder eingelegt wird. Der Fahrplan liegt in den Stativnsbüreaus zur Einsichtsnahme offen. DerAmtliche Taschenfahrplan" wird Ende dieser Woche neu erscheinen und im Buch­handel und an den Schaltern unserer Stationen zum Preise von 15 Pfennige für das Stück zum Verkauf gelangen. Er um fast die Strecken des Direktions- bezirks Frankfurt (Main) einschließlich der Klein­bahnen, die Anschlnßstrecken bis Cöln, Cassel, Würz- burg, Eberbach, Heidelberg, Mannheim, Worms, Münster a St. und enthält die Frankfurt berührenden Fernverbindungen.

):( Hersfeld, 30. Oktober. DasEiserne Kreuz" erhielt Oberleutnant d. R. Herr Landrichter R. R u h l vom Jäger-Bataillon Nr. 11.

§ Hersfeld, 30. Oktober. Vor einigen Sagen war berichtet worden, daß nicht alle landwirtschaftlichen Winter schulen im Regierungsbezirk Cassel in diesem Winter eröffnet werden könnten. Jetzt ist nun für die Schule in Fritzlar als Eröffnungstermin der 10. November festgesetzt worden. Die Schale in Melsungen wird bekanntlich am 19. November eröffnet.

Cassel, 29. Oktober. Durch einen Messerstich ver­letzt wurde vorgestern Abend in der Jägerstraße ein 13jähriger Schüler W. Der Täter, ein Schlosser, wurde ermittelt.

Cassel, 29. Oktober. Einen Betrag von 600 Mark für das Rote Kreuz stiftete gestern Mittag ein österreichischer Kaufmann, der auf der Durchreise den Oberstadtbahnhof passierte.

Göttingen, 29. Oktober. Oberarzt Dr. Fromme, derzeitiger Leiter der Königl. chtrurg. Klinik, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Dr. Fromme war.'Abteilungs- arzt im 10. Feldartillerieregiment Hannover.

Göttingen, 29. Oktober. Ein Landwirt aus der Göttinger Gegend, der gestern auf dem Wvchenmarkte Kartoffeln verkaufte, schenkte einer hiesigen Wehrfrau, welche 10 Kinder hat, einen Sack Kartoffeln. Das Beispiel verdient Nachahmung.

Göttingen, 28. Oktober. Gestern morgen 10 Uhr 24 Minuten mitteleuropäischer Zeit wurde auf sämt­lichen Apparaten der hiesigen Erdbebenwarte am Hainberge ein Nahbeben registriert, dessen Herd in einer Entfernung von 750 Kilometer zu suchen ist.

Fulda, 29. Oktober. Der heutige Vieh markt war mit 593 Stück Vieh befahren. Es standen am Platze 1 Bulle, 58 Ochsen, 59 Stiere, 300 Kühe 97 Rinder, 73 Kälber, 5 Pferde. Es kosteteten Ochsen 11501400 Mk. Stiere 400-600 Mk. das Paar, Kühe das Stück 300- 450 Mk. Der nächste Markt findet am 26. November statt. Der Markt steht als Vieh- und Schafmarkt im Kalender; die Bezeichnung Schafmarkt sollte fort­bleiben, denn seit einem Jahrzehnt sind Schafe nicht auf den Markt gebracht worden.

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Kreuz, Seltiou Hersfeld

von Ungenannt (Erlös ans Rebhühnern) M. 4.

Frau Hold Kirchheim...... 6.30

Bestand 21.944.77

heutiger Bestand M. 21.955.97

Für die Krieger im Felde:

von Gemeinde Lengers.......M. 50. Herrn R. de Häeen....... 100. Untersekunda b, für die Marine . . 50. M. 200. Bestand 1.599.86 M. 1.799.86 für Tabak verausgabt...... . 9.50 heutiger Bestand 1.790.36

Für die notleidenden Ostpreußen von Ungenannt Niederjosia......M. 15. Gemeinde Wehrshausen..... 68. 88. Bestand 177.66

heutiger Bestand M 260 66