Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 *
für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 255
Freitag, bett 30. Oktober
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Strickt Strümpfe
für unsere Truppen im Felde.
Bus der Heimat.
Die Firma Siemens
* (Kriegsfürsorge.)
Erben in Berlin hat dem Roten Kreuz und den
Kriegslazaretten bis heute insgesamt 33 Eisenbahnwagenladungen von den natürlichen Mineralbrunnen Königl. Fachingen und Königl. Selters gespendet.
* (E i n E rl aß d e s E i s e n b a h n m i n i st e r s.) In Anerkennung der seit Beginn des Krieges von den Beamten, Hilfsbeamten und Arbeitern betätigten opferfreudigen Gesinnung hat der Eisenbahnminister v. Breidenbach angeordnet, daß alle Ordnungsstrafen, Warnungen, Verweise und Geldbußen, die seit dem 1. August d. I. wegen einer vor diesem Zeitpunkt begangenen Verfehlung verhängt worden sind, einschl. der etwa entstandenen Kosten des Verfahrens niedergeschlagen werden. Die Niederschlagung und — bei Geldstrafen — die Rückerstattung der einbehaltenen Beträge ist von der Stelle zu veranlassen, die die Strafe verfügt hat. Den hiervon betroffenen Bediensteten soll von der Maßnahme unter Hinweis auf den Grund des Straferlasses Kenntnis gegeben werden.
§ Hersfeld, 29. Oktober. Referendar Arnold Albrecht aus Hersfeld wurde zum Gerichtsassessor im Bezirke des Oberlandesgerichts Cassel ernannt.
eld, 29. Oktober. Die am 27. ds. Mts., ______ _._ Uhr im „Hotel Stern" stattgefundene Versammlung des hiesigen Gewerbevereins und der Jnnungsvorstände, in welcher Stadtverordneter Herr Belz aus Frankfurt einen Vortrag über das Genossenschaftswesen im Handwerk hielt, hatte den Zweck, darüber zu beraten, wie der, insbesondere durch den Krieg herbeigeführten Kreditnot im Handwerkerstände abzuhelfen sei. Dieser Versammlung wohnte außer einer großen Anzahl Vertreter des Geschäftsund Handwerkerstandes noch Herr Bürgermeister Strauß, der Vorstand des Hersfelder Spar- und Darlehnskassenvereins und der Vorstand des Bürgervereins für städtische Angelegenheiten bei. Nach Beendigung des mit Beifall aufgenommenen Vortrags des Herrn Belz fand eine längere Diskussion statt, welche mit dem Resultat endigte, daß der Vorstand des Spar- und Darlehnskassenvereins eingetr. Genossensch. mit unbeschr. Haftpflicht, sich im Interesse des Geschäfts- und Handwerkerstandes bereit ^klärte, dahin zu wirken, daß der Spar- und Darlehnskassenverein in eine eingetragene Genoffen- schaft mit beschränkter Haftpflicht umgewandelt und dann der Preußischen Zentralgenossenschaft in Berlin angeschlossen werde. Herr Bürgermeister Strauß hielt der Lösung des hier in Hersfeld schon lange bestandenen Bedürfnisses nach einem Geldinstitut, was den früher hier bestandenen Vorschußverein einigermaßen ersetzte, auf diese Weife für eine glückliche und wünschte der Angelegenheit eine recht baldige Verwirklichung. Dieser Ansicht traten auch dre übrigen Redner bei, und die Versammlung beschloß bann einstimmig, den Vorstand des Spar- und Darlehnskassenvereins zu ersuchen, Die nötigen Schritte alsbald einzuleiten. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Lorenz Mohr, versprach Beschleunigung, woraus der Leiter der Versammlung, Herr Kupserschmwde- meister Schüßler, mit Worten des Dankes Die Versammlung schloß.
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"Ud wünschte der Angelegenheit Verwirklichung. Dieser Ansicht
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Bebra, 27. Oktober. Am Sonntag wurde Die erneuerte und erheblich erweiterte evangelische Kirche M festlichem Gottesdienste eingeweiht. Die Weiherede hielt Herr Generalsuperintendent Möller aus Cavel. Das Gotteshaus, das jetzt 1000 Sitzplatze aufweist, wacht in seinem neuen Gewände einen außerordentlich freundlichen, schmucken Eindruck. Der Kostenaufwand beträgt etwa 40 000 Mk. - Auf Veranlagung des hiesigen Ortsausschusses für Jugendpflege wurde auch hier eine Jugendwehr gegründet, der bereits an 60 lunge Leute angehören. Die Leitung haben Drei Beamten bereitwilligst übernommen. Die jeden Sonntag auf dem Turnplatz stattfindenden Uebungen iegen Zeugnis davon ab, daß die Sache mit großem Ernste gehandhabt wird.
_ Rotenburg, 28. Oktober. Wegen hervorragender -'istungen und tapferen Verhaltens mit feiner schweren Feldhaubitzenbatterie im heftigen feindlichen Feuer während der Kämpfe südlich Jvangorod vom 7. bis 9. Oktober wurde Leutnant Sippel, Sohn des Pfarrers Sippel zu Schwarzenhasel, mit dem Eisernen Krenz
Lei
ausgezeichnet. — Mit Dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Gefreiten ernannt 'wurde Der Kanonier Jakob Schmauch (Reg. 44), Sohn des Gastwirts Schmauch von Solz.
Cassel, 28. Oktober. Gestern nachmittag stürzte sich am linken Fuldaufer am Ausgang Der Karlsaue ein Mann in die Fulda. Herbetgeeilten Passanten gelang es, Den Körper des Unglücklichen gegenüber einer Badeanstalt aus dem Wasser zu ziehen, doch blieben die angestellten Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Die Persönlichkeit des Selbstmörders konnte noch nicht festgestellt werden.
Marburg, 27. Oktoaer. Der Unterricht an Der Landwirtschaftlichen Winterschule beginnt mit Dem 3. November 1914.
Rinteln, 27. Oktober. Den hundertsten Geburtstag feierte am 23. d. Mts. in Rodenberg im Kreise ihrer Kinder Frau Kantor Kappmeier, früher in Rinteln. Die Jubilarin erfreut sich noch geistiger Frische, sodaß sie an Den Zeitereignissen regen Anteil nehmen kann.
Alsfeld, 27. Oktober. (Die Wiederherstellung der Walpurgiskirche.) Die Wiederherstellungsarbeiten in der hiesigen Walpurgiskirche nehmen einen guten Fortgang. Die Aufstellung einer neuen Orgel durch die Firma Förster und Nikolaus in Lich erfolgt augenblicklich. Das neue Werk zählt 35 klingende Register und 15 Nebenzüge. Vor einigen Tagen ist das der Kirche gehörige alte Altarbild, das seither im Schlosse zu Darmstadt aufbewahrt wurde, eingetroffen. Es erhält seinen Standort im Chor neben der Sakristei. Die Kirche, die nach künstlerischen Gesichtspunkten würdig und fchön he^gestellt wurde, wird im Lause der nächsten Wochen ihrer Bestimmung übergeben werden.
Kella, 28. Oktober. Beim Sandholeu in Den hiesigen Sandhöhlen wurde gestern Der 13jährige Sohn der Witwe Appel von niederstürzenden Erdmassen verschüttet. Ein in seiner Nähe befindlicher Junge holte aus Dem nahen Dorfe sofort Hilfe herbei, doch war der Verschüttete, als man ihn befreite, bereits tot.
Fulda, 26. Oktober. Bis jetzt sind sehr wenig Anmeldungen zu dem demnächst beginnenden Winterhalbjahr an Der hiesigen Landwirtschaftlichen Winterschule erfolgt. Nehmen Die Anmeldungen nicht zu, so ist mit der Eröffnung in diesem Winter nicht zu rechnen.
Tann a. d. Rhön, 27. Oktober. Den Heldentod auf Dem Schlachtfeld in Rußland fand am 15. Oktober der Fähnrich und Offizier-Stellvertreter im Garde- Grenadier-Regiment Nr. 5 Kurt Freiherr von und zu Der Tann, Der einzige Sohn des kgl. b. Kämmerers Karl Freiherr von und zu der Tann in Ausbach.
Stimmungsumschwung in Italien.
Die angesehene Florentiner Zeitschrift Marzocco hat aus der Feoer Lueiauo Zucevlis eine interessante Studie gebracht. Der Verfasser tut zunächst dar, daß die gebildeten Klassen Italiens heute über die Dinge ganz anders urteilen als in den ersten Wochen des Krieges, wo sie unter Dem frische» Eindrücke des internationalen Lügenfeldzuges staudeu. Heute verfangen die Lügen nicht mehr. Das Publikum sei kritisch geworden und wisse, was die Anklagen der „Barbarei usw." auf sich haben.
„Es läßt sich nicht leugnen," schreibt Zuecoli, „daß die Geschichte dieser drei Monate für Deutschland aus-
gezeichnet ist. Kein Feind hat deutsches Gebiet inne; dagegen hat Deutschland Belgien besetzt, ist in Frankreich eingedrungen und hat die Russengrenze überschritten. Was Englands Seemacht anbetrifft, so hat diese gar keine Gelegenheit, sich zu betätigen, aus Furcht vor Deutschlands Unterseeboten. Gewiß, England ist Herr des Meeres, aber nur auf der Oberfläche des Wasserspiegels,- ein paar Meter tiefer ist der Herr Deutschland, und Deutschland handelt mit Ruhe und Methode, je nach Gelegenheit. Deutschland zwingt alle seine Feinde zum Defensivkrieg,- was aber ein Defensivkrieg heißt, ist aus jedem Leitfaden der Strategie und Taktik zu ersehen. Es ist ein Krieg, der ohne Aussicht auf Sieg zermürbt. So ist Belgien nach heldenhafter Verteidigung vernichtet, Frankreich hat nach ebenso heldenhafter Defensive den Feind im Hause und Paris wird von obenher bombardiert. Sogar England mit seiner übermächtigen Flotte muß seine Kreuzer versenken und die feindlichen Unterseeboote unversehrt davonfahren sehen. Den wahren, den guten Offensivkrieg hat Deutschland für sich selbst aufgespart. Warum? Weil es seit Friedrich dem Großen niemals an etwas anderes gedacht und sich in unvergleichlicher Weise vorbereitet hat. Bei diesem st Deutschland also so viel wert wie seine
Spiele t, .
Gegner, und seine Kraft wird durch die Methode
verstärkt."
Zum Schlüsse zerpflückt Zuccoli deu lächerlichen Vorwurf gegen die deutsche Barbarei. In jedem Kriege galt der Sieger als Barbar, und der Besiegte spielte sich als Ankläger auf.
Sachsenhausen, 28. Oktober. Auf einem kleinen Plätzchen sind fünf kleine Linksmainer im Alter von 8 bis 10 Jahren beim Kriegsspiel mit dem Verteilen der Rollen beschäftigt. „Ich bin der Deutsche, erklärte im Bewußtsein seiner Ueberlegenheit stolz der Größte, und, zum Nächstältesten, der schon an feiner Seite steht, gewandt: „Du bist der Oesterrelcher". „Du bist der Franzos und Du bist der Ruß." Zwei resignierte lange Gesichter. „Und Du bist der^ Eng- länDi
i bist der Eng-
«r" - „Des leiht mer grad uff! Do werd nix draus!' Ich hab vergangene Woch erscht, wo mer Räuwer und Schandarm gespielt hawwe, den Jlaub=
Mörder gemacht."
Frankfurt a. M., 28. Oktober. Auf dem Frankfurter Hauptviehmarkt am Montag machte sich der den Kälbern ein Preisrückgang in der dritten Oualital von 95-100 auf 85 -90 Pfennig pro Pfund Schlacht- aervickt aeltend. Von der 2. Qualität, fernste Mast- war kein StM getrieben Sie »reife für Schweine fielen durchgängig um - pig. pro Pfund Schlachtgewicht gegen die Vorwoche.
Frankfurt a. M., 28. Oktober. Der früher in Friedberg in Hessen in längere Jahre stationiert gewesene Lokomotivheizer Heinz Kremer, der kurz vor Kriegsausbruch nach der Station Frankfurt a. M. versetzt worden war, wurde bei der Mobilmachung als Reserve-Unteroffizier in die 3 Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 81 eingestellt und hat aus dem westlichen Kriegsschauplatz in dieser Kompagnie elf Gefechte mitgemacht und, nachdem sämtliche Opr- ziere der Kompagnie gefallen, das Kommando übernommen. Trotz zweimaliger Verwundung in der Gefechtsfront verblieb Kremer bei seiner Kompagnie und ist überall, wie der Regimentsführer Major Freiherr v. Schleinitz in einem Regimentsbefehl bekannt gibt, ein leuchtendes Beispiel an Umsichten und Tapferkeit für alle Unteroffiziere und Mannschaften gewesen. Kremer, der, zum Vizefeldwebel befördert, mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse dekoriert worden war, hat nunmehr für seinen seltenen Mut und Tapferkeit das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten und den Grad als Feldwebel-Leutnant, (ctr. Frkft.)
Höchstpreise.
Berlin, 28. Oktober. Zu den mitgeteilten Höchstpreisen ist zu bemerken, daß der Roggenpreis von 220 Mark sich.loeo Berlin versteht. Für die übrigen Hauptorte des Reiches wurden Preise festgesetzt, die je nachdem sie östlich oder westlich von Berlin liegen, höher oder niedriger sind: Aachen 237, Braunschweig 227, Bremen 231, Breslau 212, Bromberg 209, Cassel 231, Cöln 236, Danzig 212, Dortmund 235, Dresden 225, Duisburg 236, Emden 232, Erfurt 229, Frankfurt a. M. 225, Gleiwitz 218, Hamburg 228, Hannover 228, Kiel 226, Königsberg 209, Leipzig 225, Magdeburg 224, Mannheim 236, München 237, Posen 210, Rostock 218, Saarbrücken 237, Schwerin 219, Stettin 216, Straßburg 237, Stuttgart 237, Zwickau 227. Die Weizenpreise sind immer vierzig Mark höher als diese Sätze. Die festgesetzten Höchstpreise verstehen sich nur für inländisches Getreide. Beträgt das Gewicht des Hektoliters Roggen mehr als 70 Ktlgr. und das des Hektoliters Weizen mehr als 75 Kilvgr. so steigt bei beiden Getreidearten der Höchstpreis für jedes volle Ktlogr. um 1,50 Mk. Der Höchstpreis für die Tonne inländischer Gerste, deren Hektolitergewicht nicht mehr als 68 Kilogr. beträgt ist in den preußischen Provinzen, Schleswig-Holstein, Hannover und Westfalen sowie in Oldenburg, Braunschweig,Waldeck, Schaumburg-Lippe, Lübeck, Bremen und Hamburg 10 Mk., in dem rechtsrheinischen Bayern 13 Mk., andererorts 15 Mk. niedriger als der Höchstpreis für die Tonne Roggen. Der Preis für den Doppelzentner Roggen- oder Weizenkleie darf bei Verkauf durch den Hersteller 18 Mk. nicht übersteigen.
Die Höchstpreise bleiben bis zum 81. Dezember ds. Js. unverändert. Von da ab erhöhen sie sich vom 1. und 15. jeden Monats auf Getreide um 1,50 für die Tonne, bei Kleie um 5 Pfennige für den Doppelzentner. Die Höchstpreise gelten für Lieferung ohne Sack und für Barzahlung bei Empfang. Die Verordnung tritt, am 4. November d. Js. in Kraft-
Gedenket allzeit
des
Roten Kreuzes!