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regung. Eine große Anzahl von Einwohnern in der Umgebung der Stadt wurden in Furcht und Schrecken versetzt. Die Bevölkerung flüchtete nach Mesched. Die Kosaken weigerten sich sogar, den Ratschlägen des russischen Konsuls zu entsprechen. Ein in Teheran abge- haltener außerordentlicher Ministerrat beschloß, ' Petersburg Vorstellungen zu erheben und in Me eine Kommission einzusetzen, zu der der russische K^..- sul beigezogen werden soll. Da Mesched eine heilige Stadt der Perser ist, werden die russischen Grausamkeiten in ganz Persien eine Erregung zur Folge haben, und es wrrd hierdurch neben der Frage von Aserbeid- schan als neue bedeutsame Frage die Chorassanfrage aufgeworfen werden. '
Offiziermangel in Rußland.
Ein Petersburger Telegramm des „Corriere della sera" meldet: Ein Ukas vom 13. Oktober (alten Stils) beruft alle Studenten, die bisher zurückgestellt waren, zum Heeresdienst ein; sie sollen in die höheren Militär- schulen eintreten und nach vier Monaten Offiziere werden.
Gefangene Serben danken für die gute Behandluug.
ob* Serajewo, 28. Oktober. WTB.) Zwei gefangene serbische Ossizere danken im Namen mchrerer hnn- öert Kriegsgefangener für die gute Behandlung, besonders der Verwundeten.
Ein französischer Flüchtlingsdampser gesunken.
Nach Meldungen aus Folkestone ist das Dampfschiff „Queen" dort angekommen mit 2500 Franzosen an Bord, Männer, Frauen und Kinder (größtenteils aus der Strecke am Aermelkanal), die sich an Bord des französischen Schisses „Admiral Gantenme" befanden, um von Calais nach Havre zu flüchten. Das Schiff war in der Nähe von Bonlogne auf eine Mine gestoßen, worauf eine Panik entstand und ungefähr 30 Paffagiere bei der Ueberbringung nach dem englischen Schiff Queen ertranken.
Ueber die Katastrophe des „Admiral Gauteume" berichtet der „Telegraph" aus London noch folgende Einzelheiten: Das Schiff hatte ungefähr 2600 französische und belgische Flüchtlinge an Bord und begann sofort, nachdem die Explosion stattgefunden hatte, z« sinken. Ohne einen Augenblick zu verlieren, kamen zwei Torpedoboote, die Zeugen des Unfalls waren, dem auf eine Mine gelaufenen Schiff zu Hilfe. Als das Schiff „Queen" sich dem Schiff näherte, spielten sich jammervolle Szenen vor den Augen aller ab. Das Deck stand
«voll mit Flüchtlingen, die weinten und schrien, nzösischen Torpedoboote und ein Fischerboot, das auch in der Nähe war, konnten ihren Versuch, Boote auszusetzen, wegen des enormen Andranges der Leute, die gerettet werden wollten, nicht ausführen. Die „Queen" manövrierte dann so lange, bis sie längsseits des sinkenden Schiffes zu stehen kam, worauf mit übermenschlicher Anstrengung die Flüchtlinge an Bord der „Queen" gebracht werden konnten. Da die See sehr stürmisch war, kamen jedoch eine Anzahl Unglücksfälle vor. Ungefähr dreißig Männer, Frauen und Kinder ertranken oder wurden zwischen den Wänden der dicht aneinanderliegenden Schiffe zerquetscht.
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Kriegsallerlei.
König Ludwig Ritter -es Eisernen Krenzes.
, Die Korrespondenz „Hoffmann" meldet: Der Kaiser bat, veranlaßt durch die hervorragenden Waffentaten der bayerischen Truppen in dem großen Kampfe um Deutschlands Zukunft und Ehre dem König mit Handschreiben das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse übersandt.
Rückkehr deutscher Zivilgesaugener aus Frankreich.
»-^ Berlin, 28. Oktober. (WTB.) Die „Boffische Zeitung" meldet aus Karlsruhe, dem Zentralausschutz des Roten Kreuzes sei mitgeteilt worden, daß etwa 20 000 deutsche Reichsangehörige, die in Frankreich als Zivil- gefangene zurückgehalten wurden, die Rückwanderungs- erlaubnis erhalten haben und demnächst in Basel eintreffen werden.
Deutsche Reservisten sollen auf neutralen Schiffen nicht mehr gefangen genommen werden.
^ Berlin, 28. Oktober. (WTB.) Die englische Admiralität hat befohlen, deutsche und österreichische Reservisten auf neutralen Schiffen nicht mehr gefangen zu nehmen. Die Morningpost deutet an, daß dieser Befehl noch nicht vom Parlament bestätigt sei. Etwa 1 Million Reservisten aus Amerika werden so Deutschland erreichen können.
Französische Flüchtlinge in Folkestone eingetroffen.
ob* Folkestone, 28. Oktober. (WTB.) Auf einem Dampfer trafen hier 2500 französische Flüchtlinge aus dem Bezirk Calais ein, die an Bord des „Admiral Ganteume" von Calais nach Havre reisen wollten. Als dieser auf der Höhe von Bonlogne auf eine Mine stneß, entstand eine Panik nnb es ertranken 30 Passagiere.
Nahrungsmangel in Belgien.
ob* Berlin, 28. Oktober. (WTB.) Nach Blätter- melbungen fehlt es in Belgien in mehreren Städten der Gegend von Luik an Brot und Kartoffeln. In Hersal, einem Orte von 20 000 Einwohnern, werden täglich 14 800 Portionen Suppe ausgeteilt.
Ein französisches Spionagebüro in Basel ausgehoben.
ob* Berlin, 28. Oktober. (WTB.) Nach der „Bos- sischen Zeitung" wurde in Basel ein französisches Spionagebüro ausgehoben, das Nachrichten über Truppenbewegungen aus dem Oberelsaß nach Belfort weitergab.
Die italienische Legion in Frankreich vollständig aufgerieben.
Die Mailänder „Stampa" erfahrt aus Ancona: Von tausend Italienern, die sich in Frankreich in die italienische Legion einreihen ließen, sind aus der Feuerlinie nur acht zurückgekehrt.
Die Trauung aus dem Kriegsschauplatz.
m Von einer Trauung auf dem Kriegsschauplatz wissen Wiener Blätter zu erzählen. Ein junges Mädchen, Fräulein Marie Gerosch, war mit einem Tiroler Ober- täger seit längerem verlobt. Sie lebte in Wien, er in Tirol, und im Wirbel der Mobilmachung konnten sie nicht einmal zur Nottrauung zusammenkommen. Da entschloß sich die tapfere, junge Braut, den Bräutigam suchen zu gehen. Sie fuhr mit ihrer Schwägern, nach Galizien und war den Kämpfen sehr nahe. Und dann kamen Stunden, wo die beiden Frauen verzweffelten. der Bahnverkehr war eingestellt, und keine Fahrgelegenheit wollte sich zeigen. Unaufhörlich zogen singende Regimenter an den Frauen vorbei. Niemand konnte sagen, wo das Jägerregiment zu linden sei. Endlich fand um -------- der Braut rührte.
ein Oberleutnant, den die Erzählung i— -r—.—^ Er führte sie zu dem damaligen Oberkommandanten, General Auffenberg, und dieser gab dem Mädchen zweihundert Kronen und das Wichtigste, einen Leiterwagen, den ein rutüenischer Bauer zum Standort des Jägerregiments führen sollte. Man Hatte den beiden Frauen geraten, die Revolver nicht aus der Hand zu lassen.
Gefahren lauerten auf dem Wege, in der Nähe ginge eine große Schlacht. Aber man erreichte das Ziel, und der Oberjäger war nicht wenig erstaunt, seine Baut hier zu sehen. Ein Feldgeistlicher nahm im Beisein des Regiments die Trauung vor. Die Offiziere spendeten das Hochzettsmabl. Einige Stunden später wurde zum Aufbruch geblasen: das Regiment zog in die Schlacht!...
Der Stabsarzt als Zngkommandant.
Einem Schreiben eines bekannten Berliner Chirurgen, der als Stabsarzt im Westen hn Felde steht, entnimmt das „B. T." folgendes: „. . . Wir haben recht ichwere Zeiten durchgemacht. Wir sind seit dem 10. Mobilmachungstage unterwegs und tarnen bereits am 22. und 23. August in die erste Schlacht. Abgesehen von den Marschanstrengungen zu Fuß und zu Pferde, die mir im Auto in Berlin immer ungewohnter geworden lind, die ich aber trotzdem bei bestem Wohlbefinden absolviert habe, waren die seelischen Eindrücke bei weitem angretfender und nachhaltiger. Ich wurde später mit dem „Zuge" des Feldlazaretts als Chefarzt abgezweigt, um in ... . Verwundete zu versorgen. Ein solcher Zug besteht aus 2 Aerzten, 15 Mann und 2 Wagen. Nachdem ich Tag und Nacht gearbeitet hatte, machte ich wieder meinem Korps nach, das inzwischen in Eilmärschen den Feind verfolgt hatte: wohin, wußte ich nicht, ich hatte keine Karte, nur einen Kompaß, und so mußte ich, gänzlich ohne Schutz, ganz auf mich angewiesen und den Leuten mit gutem Beispiel voran, zirka 160 Kilometer durch feindliches Land marschieren, bis ich durch Nachfragen usw. nach fünf Tagen mein Lazarett wieder erreicht hatte. In der letzten Zeit des Marsches waren wir mehrfach gewarnt worden, durch Waldungen zu ziehen, da dort feindliche Kavallerie versteckt läge und die besten Quartiere aus. Für die Führung des Zuges zu unserm Korps, und wir sind unbehelligt durchgekommen. Ernähren mußten wir uns durch Vieh, das wir selbst schlachteten, durch Kartoffeln, die wir selbst gruben usw. Dafür suchten wir uns in den Ortschaften die besten Quartiere ars. Für die Führung des Zuges wurde mir das Eiserne Kreuz verliehen .. ."
Eine „höchst patiotische" Uniform.
Einer der Kriegsberichterstatter der „Times" meldet, daß es jetzt nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die französische Armee in Uniformen einer neuen Farbe gekleidet sein wird. Die Wahl dieser Farbe soll nicht durch den Krieg entschieden werden, sondern war schon Monate vorher beschlossen, doch mußte erst das alte Ma- terial aufgebraucht werden. In Zukunft werden wir aber den französischen Soldaten in einer blaugrauen Uniform sehen, aus blauem Stoff bestehend, mit weißen und roten Fäden durchweht. Von der neuen Uniform wird gesagt, daß sie nicht nur durch ihre Farbenkombi- nation höchst patriotisch sei, sondern noch unsichtbarer, als die englischen Khaki-Uniformen.
Der Tod eines russischen Wohltäters.
Der „Deutsche Kurier" berichtet: Zu Beginn des Krieges stiftete der Petersburger Grotzkaufmann Petri- koff 100 000 Rubel für das Rote Kreuz und wurde darauf nach Zarskoje Sselo zur Audienz geladen, um den Dank des Zaren entgegenzunehmen. Mit ihm war noch eine Reihe anderer Herren zur Audienz versammelt. Der Zar sprach in leutseliger Weise mit jedem Einzelnen, dankte Petrikoff für „die 50 000 Rubel". Petrikoff erschrak und dachte sogleich an eine der in seinem Vaterland üblichen Unterschlagungen. Er erlaubte sich daher zu entgegnen, daß er 100 000 Rubel gestiftet habe. Der Zar zeigte seinen Unwillen über diesen Widerspruch und wandte sich ungnädig dem nächsten der Geladenen zu. Petrikoff wurde einige Tage später in Gewahrsam genommen wegen Widerspruchs gegen die oberste Staatsgewalt. Man schickte ihn in die Verbannung nach Sibirien, wo er kurz darauf an einer durch einen Knutenhieb erhaltenen Verwundung starb.
Die Kämpfe an der Deichsel und San beurteilt Major a. D. E. Moraht im „B. T." wie folgt:
Der Herbst ist eine Jahreszeit, welche auf die Kriegführung in russischen Landesteilen einen erheblichen Einfluß ausübt. Die nicht regulierten zahlreichen Flußläufe, die durch die Regengüffe der letzten Wochen angeschwollen sind, und die zahlreichen Moräste und Wälder erschweren die Operationen angreifeuder Heeresmassen. Dazu kommt, daß ein spärliches Wegenetz durch die starke Inanspruchnahme für Nachschub und Rücktransport im Gebrauchswert stark reduziert ist. So läßt sich zum Teil erklären, daß die deutschösterreichisch-ungarischen Angriffsbewegungen vor der Weichsel Zeit verlangen. In breiter Frontausdehnung von über 240 Kilometern stehen die verbündeten Truppen von dem Weichsel-Narew-Zusammenfluß bei Nowo- georgiewsk über Jwangorod bis zum Einfluß des San in die Weichsel bei Sandomir, und die Nachrichten der letzten Tage ergeben, daß die Russen sich mit dem Festhalten des rechten östlichen Weichselufers nicht begnügen. Sie unternahmen Vorstöße über den Weichselbrückenkopf Jwangorod auf das linke (westliche) Ufer des Stromes, kamen jedoch nicht weit.
Eine Nachricht aus dem Großen Hauptquartier laßt sogar erkennen, daß neue russische Armeekorps, welche bisher noch nicht im Kampfe standen, nördlich der Festung sich zu einem neuen Angriff auf die verbündeten Truppen formieren. Wir wollen hier nicht erörtern, ob dieses russische Vorgehen Aussicht auf Erfolg haben kann, bemerken jedoch, daß die Notwendigkeit zu siegen für Sie Russen vorliegt, wenn sie nicht ihre Stellung vor dem Fluß zu einem Verhängnis werden lassen wollen. offiziöse Pretzstimmen suchen die verbündeten Engländer und Franzosen über bte defensive
der Leichfei zu trösten: Man habe geopfert, was nur sekundäre Bedeutung habe. Wir sehen in der Konzentrier»«« des russischen Hauptheeres hinter einem Flußlauf, der durch BrückenköRe und Waffenvlätze gesichert ist, weniger eine aussichtsvolle Strategie als^ein Gebot des.Zwang.es .Mögen die Gründe für den Verzicht auf eine grogzugige Oifenuve in der Erkenntnis einer gewissen Lockerung des inneren Gefüges liegen oder auf der Erfahrung beruhen, daß die Führung mrd die Truppen der Verbündeten an kriege- rischem Wert die kaukasischen, turkestanischen und sibirischen Armeekorps überragen — uns ist die Hauptsache, daß wir jetzt das Gesetz des Ringens diktieren.
Die Kampfe südlich der Weichsel längs des San, über Przemysl längs der Karpathen sind hartnäckige Stellungskämpfe geworden. Die Rüsten werden m ihren Feldbefestigungen angegriffen, sind aber noch nicht überall über den San-Fluß hinüber getrieben. Jedoch ist uns amtlich mitgeteilt, daß der Feind dicht an das westliche Ufer des Flusses herangedrangt ist. Die österreichisch-ungarischen Kolonnen, welche die Karpathen säuberten, rücken nach und nach weiter gegen den Dnjestrlauf in nordöstlicher Richtung vor. Jedenfalls haben die Operationen unserer Verbündeten längs der Karpathen erhebliche russische Kräfte gefesselt, welche bei der Entscheidung an San und Weichsel fehlen werden.
ES ist erfreulich, daß unsere Grenzvertetdiauna von
Ostpreußen aus angriffsweise Vorgehen konnte. Schon durch mehrere Mitteilungen des Großen Hauptquartiers ist bestätigt worden, daß das Vorfragen des Angriffs gegen die Bobr-Narew-Linie im Fortschreiten geblieben ist. Für eine spätere Entscheidung an der Weichsel ist die Stellung unserer Norövstarmee im Gouvernement Suwalki von großer Bedeutung.
Vermischtes.
Silberhochzeit des griechischen Königspaares. Am 27. Oktober beging das griechische Königspaar sein silbernes Ehejubiläum, zu dem auch unser Kaiser seinen Besuch in Athen in Aussicht gestellt hatte. In dem schicksalsschweren Jahre 1888 hatte sich die jüngste Schwester des Kaisers, Prinzessin Sophie von Preußen, mit dem damaligen Kronprinzen Konstantin von Griechenland, der seine Leutnantsjahre in der preußischen Garde verbrachte, verlobt, und ein Jahr später, am 27. Oktober 1889, fand in Athen die Vermählung statt. Der Ehe des Königspaares sind außer dem am. 19. Juli 1890 geborenen Kronprinzen Georg noch zwei Prinzen und drei Prinzessinnen entsprossen.
Hinter der Front.
Aus eine m Feldpostbrief.
Mein Tagewerk ist einmal wieder vollbracht, und da habe ich ein Weilchen aus dem Fenster geschaut und mich an den nachfolgenden Bildern des Kriegslebens erfreut. Die Dorfstraße ist blitzsauber gefegt, wie sie unter Franzvsenherrschaft sicher nie gewesen ist. Die vor jeder Tür lagernden Misthaufen sind viereckig ge- macl)t und gerade ausgerichtet. Vom Hause hat man Abfluß in die Rinnsteine geschaffen, so daß man auch in niedrigen Schuhen über die Straße gehen kann. Mir gegenüber liegt die Kirche, Hauptwache, in deren Tür ich gerade hineinschen kann. Die Straße hinauf kommt ein deutscher Soldat, der wie ein Vater ein etwa zwölfjähriges Franzosenmädel auf den Armen trägt, das einen verbundenen Fuß hat. Die Mutter weimud hinterher. Sie steuern in unsere OrtskrankeuMbe im Schulhause rechts gegenüber, wo Oberarzt M. vom 2. Bataillon gerade Dieust hat. Dort in der großen Küche bei offenem Kaminfeuer, an dem den ganzen Tag gekocht, geschmort lind gebraten wird, ist auch unser Kasino, der geistige Mittelpunkt der ganzen Umgebung. Hier kehrt alles an Offizieren, Aerzten, Rvßürzten usw. ein, was vorbei rettet oder fährt. Momentan fahren minbestens 40 Fuhrwerke aller Art gleichzeitig durch den Ort. Es ist unglaublich, wie findig sich unsere Leute deu Verkehr der Ortschaften untereinander eingerichtet haben. Da geht kaum ein Musketier zu Fuß. Alle kutschieren sie, oder reiten auf Beutepferden. Die zwet- räderigen französischen Karren siud am beliebtesten. Ein französisches Pferd davor, .und Hetti geht's. Aus der ganzen Umgegend schleppen sie Wagen und Pferde zusammen und allerlei nötigen Hausrat dazu....
Gestern hat der Franz mir eine richtige Messtiig- lampe mit Glocke und Zylinder mitgebracht. Petro- lenm dazu wird täglich geliefert. Svebeu erscheint er hoch zu Rotz — auf meinem Fuchs — auf der Straße, über das ganze Gesicht örtnfenb, die Gefreitenknöpfe blitzend auf dem Kragen und eine lange Zigarre im Munde. Er reitet nach dem 2 Kilometer entfernten D., um meine Post zu holen. Der Postbetrieb ist folgendermaßen eingerichtet: Das Postamt ist links nebenan bei mir. Der Schalter an der Straße ist eine eingeschlagene Fensterscheibe, vor die innen ein Brett gestellt wird. Jeden Morgen um 10 Uhr fahren zwei bis drei hoch mit Postsäckeu beladeue Wagen nach dem 20 Kilometer entfernten M. Hier ist Sammelstelle und Bahnstation. Die Post gibt hier die Sachen ab und nimmt die Sachen für die . .Division in Empfang, die zum Teil schon für die einzelnen Bataillone geordnet sind. Die drei Wagen fommen gegen 4—5 Uhr nachmittags wieder in W. an. Hier halten nun schon andere Wagen, Radfahrer usw. aller Bataillone, um die Post in Empfang zu nehmen. Die Bataittvlle liegen natiirlicy weit auseinander. Einige 50 bis 60 Kilometer von hier zum Teil jenseits der M. und jenseits von B. Die Leute, die die Post abholen, meist ein Unteroffizier und ein Marin, bringen die Säcke nun auf die Bataillons- schreibstuben, wo die Briefe nach den vier Kompagnien verteilt werben. Diese liegen aber auch vier Kilometer weit auseinander. Spät abends oder am nächsten Morgen werden die Postsachen dann vom Feldwebel verteilt.
Zwischen all diesen einzelne,! Truppenteilen ist ein unausgesetzter Verkehr nötig. Du kannst Dir denken, was für ein Hin und Her es ist und wie schwierig z. B. auch die Verpflegung. Das Vieh wird von weither nach D. getrieben. Hier schlachten die Feldküchen, kochen das Essen und fahren es breimal täglich zu den Kompagnien. Wenn die Franzosen schießen, kann es nur bei Dunkelheit geschehen. Morgens um 5 Uhr gibt's schwarzen Kaffee, dann, wenn die Franzosen Ruhe lassen, mittags durcheinander gekochtes Essen, sehr gut und schinackhaft, aber für unseren Magen zu fett. Brot müssen alle Kompagnien sich selber holen lassen. Da kommen ans den Wäldern yerniedergestiegen bärtige Gestalten, Brotkommandos, etwa 40 Mann, mit langen Bergstöcken. Jeder bindet sich 5 bis 6 Kommisbrote mit einem Bindfaden zusammen, steckt seinen Knüppel durch, und dann marschieren sie wieder zu ihren Kompagnien. Ein Brot muß für zwei Tage reichen.
Heute ist wegen Antwerpens geflaggt. Das war gestern abend ein Jubel, als die Depesche vom Divi- sionskommaudeur verlesen wurde. Das ganze Dorf strömte zusammen und „Deutschland, Deutschland über alles" und „Heil dir im Stegerkranz" schallten durch die dunklen Gassen. Man jnbelt in erster Linie übu- den Sieg und dann, weil er wieder einen Schritt näher ist zum Frieden und zur Heimat. Und doch sind die Massen durchdrungen von dem Bewußtsein, daß wir nicht eher aufhören dürfen, bis die Feinde zerschmettert sind. Wenn es ins Gefecht geht, gibt es für unsere Infanterie kein Halten mehr. Ist sie einmal angesetzt gegen den Feind, dann brennt sie durch, aber nach vorn! Die Franzosen halten mit ihren Nerven nie aus, wenn unsere großen, starken Wehrmänner ihnen unaufhaltsam auf den Leib rücken. („Bert. Lok.-Anz.")
Weitere Drahtnachrichten.
Landgerichtsdirektor Dr. Obkircher in Heidelberg gewählt.
ob* Heidelberg, 28. Oktober. (WTB.) Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im 12. Badischen Reichstags- wahlkreis Heidelberg-Eberbach wurde Landgerichts- direktor Dr. Obkircher (natlib.) bei schwacher Beteiligung mit 4438 Stimmen gewählt.
Erdbeben in Italien.
ob* Rom, 28. Oktober. (WTB.) Depeschen aus Florenz und vielen anderen Orten melden ein Erdbeben, das gestern vormittag 10,20 Uhr Aufregung unter der Bevölkerung hervorrief, aber keinen Schaden anrich- tete. Nur aus Lucan und Mefsan werden leichte Be- schWgüNsen gemeldet.