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Belgische Erbitterung gegen die Engländer

Große französische Verluste. Ein Lob unserer 42 er. Oesterreichische Siege gegen Serben und Montenegriner.

o,* Großes Hauptquartier, 27. Oktober, vormittags. Mitteilung der obersten Heeresleitung.) Die Kämpfe am Abschnitt des Yser-Ypres-Kanals bei Apres und südwestlich Liste werden mit gleicher Hartnäckigkeit fort­gesetzt. Die deutschen Truppen haben auch gestern Fort­schritte gemacht. Auf den übrigen Teilen der Kampf­front im Westen haben sich wesentliche Ereignisse nicht

zngetragen.

Westlich Augustow ist der Angriff der Deutschen in langsamem Fortschreiten. Südwestlich Warschau sind alle Angriffe starker russischer Kräfte von unseren Truppen zurückgerviesen worden. Nördlich Jwangorod haben neue russische Armeekorps die Weichsel über­schritten. (WTB.)

quart

Wie derBerl. Lok.-Anz." aus Rosendaal erfahrt, geht aus den Mitteilungen belgischer Entwaffneter her­vor, daß die dem König Albert zugesagte Unterstützung -er Englän-er ausgeblieben sei. Wie dem belgischen Kriegsminister aus dem französisch-englischen Haupt­quartier gemeldet worden war, sollten 30 000 Mann der verbündeten Truppen zu dem belgischen Heere stoßen und an der Wiedereroberung Mittelflanderns teilneh- men. Die angebotene Hilfe ließ ötßi Tage auf sich war­ten. Es war den unter König Alberts Führung stehen­den Belgiern nicht möglich, den wichtigen Punkt Rousse- laere zu halten. Sie verloren dort an 3000 Mann. Kaum hatten sie den Rückzug angetreten, da rückten französische Dragoner an. Es war zu spät. Den Deut­schen, die ihre Geschütze in sehr vorteilhafte Stellungen gebracht hatten, gelang es nach einstündigem Kampf, an dem sich auch Franktireure beteiligten, den Franzosen eine elende Schlappe beizubringen und sie zum schleu­nigen Verlassen des Ortes zu bringen, tags darauf lie­ferten die belgischen Truppen kleine Gefechte auf der Linie Thouront-Thielt. Einer Verabredung gemäß er­warteten die Anführer einen starken Nachschub engli­scher Truppen aus der Richtung von Dixmuiden. Z»m zweiten Mal ließ man den König im Stich. Trotz ihrer tapferen Haltung mußten die belgischen Truppen wei­chen. Ein belgischer Offizier, der die Nutzlosigkeit des Kampfes einsah, brächte einige Kompagnien auf hollän­disches Gebiet. Die Berichte der Entwaffneten, deren Zorn über den lügenhaften Engländer keine Grenzen kennt, sind für den Stand der deutschen Operationen sehr günstig. Die -eutschen Marinesoldaten leisten Uevermenschliches, so äußerte sich ein Leutnant.

Die mörderische Schlacht am letzten Rande des belgischen Bodens.

^ Berlin, 28. Oktober. (WTB.) Die Mailänder- Gazette del Popolo meldet aus Nieuport: Die mör­derische Schlacht am letzten Rande -es belgischen Bodens bringt nicht einmal nachts einen Waffenstillstand. Das schreckliche Kanonen-uell dauert Tag und Nacht zu Lande und znr See an. Die deutschen Truppen haben Verstärkungen aus Belgien erhalten. Man sagt, daß in Dünkirchen unausgesetzt an den Befestigungen gearbei­tet werde.

Die Lage der Belgier.

te* Le Havre, 28. Oktober. (WTB.) Nach einem ' Mischen Communiquee war die Lage am o für die Belgier besser als am Sonnabend.

amtlichen -el.

Sonntag a-eni ....... _______ .................

Die Verluste der Belgter in den letzten Tagen betragen laut Daily Mail 10 000 Tote und Verwundete.

Englische Furcht vor einer deutschen Landung.

te* Berlin, 28. Oktober. (WTB.) DieVossische Seitung" berichtet über Genf ans Paris, daß man dort -erzeugt ist, das Ziel -er Deutschen sei jetzt einzig Calais, um England zn bedrohen. In derTimes" werde bereits gefragt, unter welchen Voraussetzungen die englische bürgerliche Bevölkerung sich am Kampfe be­teiligen könne, ohne als Franktireur behandelt zu werden. Ein Beweis, wie stark die Möglichkeit einer deutschen Landung befürchtet wird.

Riesige französische Verluste.

Tiefe Trauer und Niedergeschlagenheit verbreiten in Mrris sehr ungünstige, aus schweizerischen Grenz- orten kommende Meldungen über die schrecklichen fran­zösischen Verluste im Woevregebiet. Seit der Eroberung von St. Mibiel und des Camps des Romains durch die Deutschen fielen auf Grund dieser Meldungen in der Schlachtlinie ToulVerdun über 40 000 Mann, ohne daß ein befriedigendes Resultat erzielt wurde. Beun­ruhigend ist der Verlust an moderner Artillerie, die ge­rade in den heißumstrittenen Höhenzügen des Raumes entscheidenden Wert besitzt. Der Generalissimus Joffre

$m fernen Osten.

Roman von O. Elster.

8) (Nachdruck verboten.)

Fredersdorff scheint mir zwar ein etwas leicht­sinniger Vogel zu sein aber das gibt sich im üb­rigen patzt Ihr sehr gut zueinander. Auch Du liebst ein flottes, vornehmes Leben, in dem es nicht allzuviel schwere Pflichten zu erfüllen gibt. Für einen Ge­schäftsmann patzt Du ganz und gar nicht, also nimm nur den Lebemann der vornehmen Welt als Ba­ronin Fredersdorff wirst Du Deine Rolle schon spielen. Und nun komm, wir wollen in den Salon gehen, wo Dich Dein Verlobter erwartet."

Aber, lieber Papa ... ich kann doch nicht..."

Was kannst Du nicht? Ist Fredersdorff Dir unsympathisch? Davon habe ich in Eurem Verkehr nichts bemerkt. Ihr wart ja stets ein Herz und eine Seele. Also was ist?"

Unter seinem forschenden Blick erbleichte sie. Ihr ichlug wild. Ein Schauer rieselte ihr durch die Girier. Konnte sie ihrem Vater gestehen, datz sie Heinz Errchsen Uebte? Daß sie versprochen hatte, auf ihn zu eine Stellung in der Welt erobert hatte? ^te kannte ihren Vater - er würde sie aus- 6^/acht haben, er würde ihre Liebe zu Heinz als kin- bische Sprelerer verspottet haben, und vor diesem Spotte sUrchtete sie sich fast mehr als vor seinem Zorn. Sie fand nicht die Kraft, ihm zu widersprechen.

«,. ^h wenn sie alles bedachte, so mutzte sie zugeben,

An den letzten Wochen hatte sie selbst sich schon mit dem Gedanken einer Ver­bindung mit Willy Fredersdorff vertraut gemacht, und wenn sie Heinz nicht wiedergesehen hätte, würde sie freudig ihre Hand in die des jungen Offiziers gelegt haben. Er war ihr von jeher sympathisch gewesen.

ließ die Lücken der Kampffront durch gute Truppen aus- fitnen. Heute ist das nicht mehr möglich. Die Qualität des Nachschubes ist so minderwertig, daß die Klagen der Kommandierenden bei der Heeresleitung kein Ende nehmen. Man zeigt sich in der Bevölkerung gegen den Generalissimus sehr aufgebracht, weil er die schlechten Resultate im Woevregcbiete durch belanglose Meldungen verschleierte.

Ostende unter dem Feuer der Engländer.

DerNieuwe Rotterdamsche Courant" meldet über

die Beschießung Ostendes folgende Einzelheiten:

Am Freitag voriger Woche bombardierte ein eng­lisches Kriegsschiff Ostende, was eine Panik zur Folge hatte. Die Bürger flüchteten in die Keller, obwohl die Beschießung nur einige Minuten dauerte. In drei Gast- böfe am Boulevard wurden einige Löcher gerissen. Am meisten wurde dasHotel Majestic" beschädigt. Zwei Offiziere, ein Stabsoffizier und ein Marineoffizier, sollen dabei getötet wordei ' ' ~ Meerüeich ist verboten, obgleich die Beschießung Sonntag nicht wieder ausgenommen wurde. Die Stim­mung der deutschen Soldaten kennzeichnet sich durch das

n sein. Der Zutritt zum

höchste Vertrauen zu der Führnng und durch Sieges- gewitzheit. Noch immer wird blutig gekämpft, besonders in Cortemarck, nördlich der User, wo das sumpfige Ge­lände große Schwierigkeiten bereitet."

Der deutsche Admiral v. Schröder in Ostende er­ließ eine Proklamation, in der es heißt:

Das Beschießen eines englischen Hotels und eng- licker Untertanen, die sich an der belgischen Küste be­finden, legt mir die menschliche Pflicht auf, anch die Engländer zu schützen und darum zu befehlen, Ostende und andere Küstenorte baldigst zu verlassen."

Die Engländer wurden unter sicherem Geleit nach der holländischen Grenze gebracht. Die Proklamation des Admirals von Schröder schließt:Ich kann keiner­lei Verantwortung übernehmen für das Elend, das die zwecklose Beschießung anf diese Weise über die bisher unter deutschem Schutz stehenden Frauen und Kinder bringt."

Die Rückkehr der belgischen Flüchtlinge.

Von der holländischen Grenze meldet dieKölnische Ztg.": Der Auszug der belgischen Flüchtlinge dauert an. Am Montag kehrten von Rosendaal 1300 heim. Die Zeitungen enthalten beruhigende Berichte aus Ant­werpen und der Umgegend. Besonders günstig dürfte ein Bericht wirken, den heute derNieuwe Rotterdam- sche Courant" bringt, worin das friedliche Leben der Hafenstadt recht anschaulich geschildert wird. Die erste Sendung von Lebensmitteln aus England für Belgien wird am Mittwoch nach Rotterdam mit 1000 Tonnen Lebensrnitteln in dem niederländischen DampferKob­lenz" stattfinden.

Der belgische Postminister hat einen Aufruf an alle belgischen Postbeamten erlassen, auf ihre Posten znriickznkehren.

Die Mitwirkung englischer Schiffe für die Folgezeit ausgeschlossen.

Am Montag wurden in den Hafen von Harwich vier englische Kriegsschiffe kleineren Typs, augenschein­lich leichte Kreuzer, eingeschleppt, die sämtlich mehr oder minder schwer havariert waren. Man vermutet, daß es sich um jene Kriegsschiffe handelt, die bei den Kämpfen in Westflandern Volltreffer von schweren deutschen Ge­schützen erhielten. Die Kriegsberichterstatter der hollän­dischen Blätter bestätigen, daß die englischen und fran­zösischen Kriegsschiffe sich auf die hohe See zurückgezogen haben, soöaß man von ihnen nur die Rauchwolken der Schornsteine sieht. Die schweren Batterien, die die Deutschen zwischen Ostende und Westende gegen die feindliche Flotte ins Feuer brachten, sind so geschickt aufgestellt worden und tragen so wett, daß ein weiteres Eingreifen feindlicher Kriegsschiffe in die Kämpfe in Westflandern ausgeschlossen erscheint, es sei denn, daß die Engländer große Kampfschiffe heranziehen, um de­ren großkalibrige Geschütze zu gebrauchen, was sie aber angesichts ihrer Furcht vor deutschen Unterseebooten und der verhältnismäßig geringen Schutzzahl, die ihre groß­kalibrigen Kanonen abschietzen können, kaum tun werden.

Die englische Flottille wieder in Tätigkeit?

»-» Rotterdam, 28. Oktober. (Voss. Ztg.) Der Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus Oosburg datz heftiger Kanonendonner im Westen Belgiens ge­stern wieder einsetzte. Man vermutet, datz die englischk Flottille wieder zurückgekehrt ist.

Aus Maastricht wurde demselben Blatte be­richtet: Gestern trafen in Lüttich 400 englische Seesol-

Das Leben an seiner Seite, in der großen, vornehmen Welt, umringt von Reichtum und Glanz, winkte gar zu verlockend was konnte ihr dagegen Heinz Erichsen bieten, der einfache Seemann, der es höchstens einmal bis zum Handelsmarine-Kapitän bringen wurde?

Nun?" fragte ihr Vater ungeduldig.Hast Du Dir die Sache überlegt? Ich denke, Du läßt alle kin­dischen Träumereien beiseite und nimmst den Antrag eines Mannes an, der Dir eine Stellung in der Welt gibt. Heinz Erichsen wird das niemals können."

Ueberrascht und über und über errötend sah Ellen ihren Vater an.

Dieser lächelte sarkastisch.Ja, glaubst Du denn, Kindskopf, wir hätten Deinen Verkehr mit dem Sohn des alten Kapitäns nicht bemerkt? Mama wollte heftig dazwischenfahren, aber ich verhinderte es. Jedes junge Mädchen will mal seinen Herzensroman erleben das ist wie eine Kinderkrankheit, die jeder durchwachen muß. Wenn es vorüber ist, ist man um so gesünder und gegen die Gefahr neuer Ansteckung gefeit. Hab' ich nicht recht, mein Kind?"

Ellen senkte beschämt den Kopf. Sie kam sich so kindisch vor, und ihre Liebe zu Heinz dünkte ihr jetzt wahrhaftig eine Kinderei, eine Fortsetzung ihrer Kinder­spiele, die nicht ernst zu nehmen war.

Der Kommerzienrat überließ sie eine Weile ihren Gedanken und schritt einige Male im Zimmer auf und ab. Er wußte, daß seine Worte nicht ohne Einfluß bleiben würden. Dann blieb er vor Ellen stehen und fragte lächelnd:Nun, wollen wir gehen? Ich habe wirklich nicht lange Zeit, Ellen ich muß in die Fabrik."

Da raffte sich Ellen empor.

Du hast recht, Papa Fredersdorff soll mir will­kommen sein . . . ."

Na, endlich," meinte der Kommerzienrat.Wir wollen Dich ja nicht zu einer Dir unsympathischen Heirat

daten ein, die in den Gefechten bei Nieuport gefangen genommen worden waren.

Den 42ern kann keine Festung widerstehen."

Ein Korrespondent derTribuna", der mit einem hohen belgischen Offizier das Dünkirchener Neber- schwemmungsgebiet besuchte, telegraphiert aus Dün­kirchen:

Der belgische Offizier konnte seinen Zorn nicht ver­hehlen. Die von dem Kommando verfügte Ueberschwem- mung sei ganz und gar unnütz gewesen:Auch wir Belgier hatten bei Antwerpen das Land überschwemmt. Aber was taten die Deutschen? Sie stellten einfach Uebergänge aus Zementsäcken her. Jeder Versuch, öc» deutschen Vormarsch aufzuhalten, ist vergeblich. SSenn die Deutschen sich einmal in den Kopf gesetzt haben, irgendwohin zu gelangen, so gelangen sie auch hin, das st totsicher." Der Offizier fuhr dann resigniert fort: Den42ern" kann keine Festung widerstehen. Wer bätte deren Existenz jemals ahnen können? Wir vom belgischen Generalstab glaubten immer, das deutsche Heer besitze nur die im Katalog von Krupp angeführten Kanonen. Die Befestigungen Antwerpens wurden auf Grund dieser Kenntnisse hergestellt und sind die modern­sten, die es heute gibt. So oft wir erfuhren, daß Deutschland Geschütze größeren Kalibers baute, verstärk­ten wir die dicken Zementmauern unserer Forts. Aber ach, mit diesen verdammten42ern" geht alles in Trüm­mer. Wenn uns die Deutschen erst mit diesen Geschützen angreifen, wäre es Wahnsinn, die Besatzung im Fort zu lassen. Sie würde bis zum letzten Mann hinge­schlachtet." .,

Man braucht auf derartige Aeußerungen nicht all­zuviel Gewicht zu legen, da sie zumeist als Entschuldi­gungsgrund für andere Mängel dienen sollen. Immer­hin muß es für die Besatzungen französischer Festungen ein unangenehmes Gefühl sein, wenn ein in ihren Reihen kämpfender befreundeter Offizier derart schwarz- seherisch sich aus drückt.

Ein österreichisches Korps

macht 10000 Gefangene.

s-r- Wien, 27. Oktober. Amtliche Mitteilung vom 27., mittags. Die Situation in Mittelgalizien ist un­verändert. Südwestlich Jwangorod stehen unsere bra­vourös fechteuden Korps, von denen eins allein zehn­tausend Gefangene machte, in Kämpfen gegen über­legene Kräfte. (WTB.)

Oesterreichische Siege gegen Serben und Montenegriner.

Wien, 28. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Die in der Romanja Slavina geschlagenen serbisch-montenegri­nischen Kräfte wurden nach viertägiger unausgesetzter Verfolgung über die Drina zurückgedrängt. Unsere Truppen erbeuteten hierbei viel Infanterie- und Ar­tillerie-Munition und eroberten in -en Nachhulkämpfen Maschinengewehre und Gebirgsgeschütze. Ostbosnien ist hiermit bis an die Drina vom Gegner gesäubert. An demselben Tage, an welchem die Serben und Montene­griner über die Drina zurückgedrängt wurden, haben auch unsere in Serbien stehenden Truppen einen nam­haften Erfolg errungen. Zwei feindliche Stellungen wurden im Sturm genommen. Hierbei wurden 4 Ma- schinengewhere, 600 Gewehre und Bomben erbentei^Md mele Gefangene gemacht.

P o t i o r e k, Felözeugmeister.

Der dritte Teil eines sibirischen Armeekorps ertrunken.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet: Nach sicherer Quelle ertranken bei dem ersten Kampfe südlich von Warschau rund der dritte Teil eines sibirischen Armee­korps, das damals die Stadt besetzt hielt, bei der Flucht über die Weichsel.

Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, hat­ten darnach 1215 000 Russen das Schicksal ihrer bei den Schlachten bei Tannenberg und an den Masurischen Seen in die Gewässer und Sümpfe getriebenen Kame­raden geteilt.

Ein russisch-japanisches Danerbündnis?

o-* Wien, 28. Oktober. (T.-U.) Ans Petersburx wird über Umwegen gemeldet: Die in Tokio erscheinend« ZeitungTani" schreibt, daß zwischen Rntzland und Ja­pan sämtliche Gegensätze beseitigt seien und daß infolge­dessen ein 38jähriges Bündnis zustandegekommen sei.

Die Erregung in Persien gegen Rußland.

Wie ein türkisches Blatt Teheraner Zeitungen ent­nimmt, herrscht in der ganzen Provinz Chorassan in­folge von Grausamkeiten, die von russischen Kosaken in verschiedenen Ortschaften und namentlich im Gebiete der Stadt Mesched begangen worden sind, große Auf­

zwingen, mein Kind, aber wir sind der Ueberzeugung, daß Du mit Fredersdorff glücklich werden wirst. . . ."

Ich glaube es auch, Papa .. ."

Na, dann komm! . . ."

Frau Melanie schloß ihre Tochter gerührt in die Arme, um sie dann Willy Fredersdorff zuzuführen, der ihr zärtlich die Hände küßte. Ellen lächelte zu ihm auf. Willy Fredersdorff, derschöne Willy", wie ihn seine Kameraden nannten, sah in der Tat in der Parade­uniform der Husaren gar stattlich und vornehm aus. Dabei blinkte ihm das Johaniter-Kreuz auf der Brust, und mehrere Orden schmückten den Attila, die er sich alsBärenführer" im Manöver und Ordonnanz-Offizier bei hohen Persönlichkeiten erworben hatte. Und seine braunen Augen blitzten so lustig in das Leben hinein, und das kleine dunkle Schnurrbärtchen verlieh seinem hübschen Gesicht einen solch kecken Ausdruck, daß Ellen nicht achtzehn Jahre hätte zählen dürfen, um all diese Vorzüge nicht angenehm zu empfinden. Dazu kam seine zarte, etwas zurückhaltende Galanterie,- seine Zärtlich­keit war nicht stürmisch, sie hielt sich stets in den Formen der guten Gesellschaft, und er forderte auch von Ellen keine Zärtlichkeiten, die sie in Verlegenheit gesetzt haben würden.

Der Bräutigam blieb natürlich heute als Gast in der Villa. Im kleinen Kreise der Familie trank man ein Glas Champagner auf das Glück des Brautpaares, und nun zum ersten Male küßte der Bräutigam die Braut auf die bebenden Lippen.

Ach, und da erinnerte es sie an einen Kuß, den sie einst einem anderen gegeben, und es zuckte schmerzhaft durch ihr Herz!

Aber nur einen Augenblick dann versank alle Er­innerung wieder in der Freude dieser Stunde und der Genugtuung ihres törichten, eitlen Herzens, daß sie öi« Braut des ersten und des schönsten Kavaliers der vor­nehmen Gesellschaft war. Wie würbe sie von den an­deren jungen Damen beneidet werden! (Forts. folgt.)