Sersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Wlher Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 254. Donnerstag, den ÄS Oktober 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Hus der Heimat«
* (Freie Rückfahrt nach Elsaß-Lo th ringen.) Mittellose Flüchtlinge aus Elsaß-Lothringen werden, falls ihrer Rückkehr nach dem Heimatort im Einzelfall keine Bedenken entgegenstehen, auf allen deutschen Staatseisenbahnen in 4. Wagenklasse frei nach ihrem Heimatort zurückbefördert. Zum Nachweis über die — wenn auch nur vorübergehende — Mittellosigkeit ist eine Bescheinigurg beizubringen, die von dem für den jetzigen Aufenthaltsort zuständigen Landrat, Kreisdirektor, Bezirksamt, Oberbürgermeister Magistrat usw. ausgestellt wird. Anträge auf Gewährung freier Fahrt sind unter Vorlage der Mittellosigkeitsbescheinigung an die Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen in Straßburg zu richten.
* Beim Entladen von Kohlenwagen haben sich, wie Wolffs Bureau mitteilt, an zwei Stellen, von denen eine im Korpsbezirk liegt, je zwei geladene französische bezw. englische Granaten gefunden. Alle Kohleninteressenten werden aufgefordert, ähnlichen Vorkommnissen, denen zweifellos verbrecherische Absichten zu Grunde liegen, durch sorgfältige Instruktion ihrer Auslader usw. ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, damit Unglücksfällen vorgebeugt wird.
* (Schickt keine großen Geldbeträge an Gefangene.) Es wird davor gewarnt, große Geldbeträge an unsere Gefangenen in Frankreich zu schicken. Es liegen hier Karten vor, in denen die Gefangenen um Sendungen von 3—400 Franks bitten. Mehrere Gefangene haben in einer Ecke kurz stenographisch angedeutet, daß sie diese Karten auf Diktat schreiben müssen. Es liegt Verdacht vor, daß die Sendungen gar nicht in die Hände der Gefangenen kommen.
* Wie groß noch immer der Heeresbeöarf an wollener Unterkleidung ist, geht daraus hervor, daß jetzt der Kriegsausschuß für warme Unterkleidung jeden Donnerstag einen Zug nach dem östlichen oder westlichen Kriegsschauplatz abgehen läßt. Am Geburtstage der Kaiserin verließ ein Transport die Mauern Berlins, der Bekleidungsmittel im Werte von etwa 3 Millonen Mk. birgt.
§ Hersfeld, 28. Oktober. (Seid deutsch u n d treu!) Eine Warnung, die eigentlich überflüssig sein sollte, wird, wie folgt, erlassen: Verschiedene Wahrnehmungen in der letzten Zeit lassen es als gewiß erscheinen, daß unsere Gegner auf dem Wege über das neutrale Ausland versuchen, Material und Werkzeuge zur Anfertigung von Munition und anderem Kriegsmaterial in Deutschland anzukaufen. Es läge die Möglichkeit vor, daß in Deutschland ansässige Firmen versuchen, sich dies zunutze zu machen. Ganz abgesehen von der undeutschen Gesinnung, die solche Geschäftshäuser an den Tag legen würden, läge u. a. auch ein schwerer Verstoß gegen das Strafgesetz vor: denn nach § 89 des RStG. wird mit Zuchthaus bestraft, wer vorsätzlich während eines gegen das Deutsche Reich ausgebrochenen Krieges der feindlichen Macht Vorschub leistet.
):( Hersfeld, 28. Oktober. Der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz wird anfangs nächster Woche wieder eine Sendung Liebesgaben an das 11. Armeekorps abgehen lassen. Alle die gewillt sind, sich an dieser Sendung mitzubeteiligen, werden gebeten, ihre Gaben bis spätestens Dienstag Abend auf dem Bureau im Auguste Viktoria Haus abgeben zu wollen.
):( Hersfeld, 28. Oktober. Wie der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz bereits vor vier Wochen vierzehn großeBallenLiebesgaben, Kleidungsstücke, Bettzeug und Leibwäsche, nach Ostpreußen senden konnte, war es demselben Dank der Zuwendungen von Einwohnern unserer Stadt und einiger benachbarten Gemeinden auch heute wieder möglich, eine entsprechende Sendung von 8 Ballen abgehen zu lassen. Besonderer Dank gebührt der Gemeinde Hattenbach für die überaus reiche Zusendung, die durch Fräulein von Lepel veranlaßt und übermittelt wurde.
Weisungen, 25. Oktober. Die Landwirtschaftliche Winterschule eröffnet ihren diesjährigen Lehrgang am 19. November. — Die Feuerwehr-Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hat beschlossen, ihren einberufenen Mitgliedern öfters Liebesgaben zu senden.
Herleshause», 27. Okt. („Eine Hessen-Prinzessin".) Ein freudiges Ereignis ist auf dem landgräflrchen Hofe zu Herleshausen, dem Sitz des Landgrafen Chlodwig, eingetroffen. Ihre Hoheit, die Gemahlin
des Landgrafen, die Frau Landgräfin genas von einer Prinzessin. Ihre Hoheit ist bekanntlich eine geborene Prinzessin zu Bentheim-Steinfurt, Landgraf Clodwig ist Chef der Linie Philippsthal-Barchfeld des land- gräflich-hessischen Hauses. Der Ehe sind bereits vier Kinder entsprossen.
Arolsen, 27. Oktober. Die Trauerfeier für den im Kriege gefallenen Prinzen Wolrad zu Waldeck und Pyrmvnt fand gestern mittag im Arolser Schlosse in Gegenwart der Prinzen und Grafen von Waldeck- Pyrmont, der Spitzen der Behörden und eines zahlreichen Trauergefolges statt. Nach der Feier erfolgte die Ueberführung der Leiche zum Erbbegräbnis Rhoden.
Obersuhl, 26. Oktober. Der Arbeiter Baum von hier wurde in diesem Frühjahr von einem schweren Holzwagen überfahren und mußte monatelang im Krankenhause zu Hersfeld liegen. Kaum hatte er seine gewohnte Arbeit wieder übernommen, so verunglückte er von neuem. Beim Holzabladen auf dem Güterbahnhof Gerstungen wurde ihm von einem herabrutschenden schweren Baumstamm der rechte Unterschenkel zweimal gebrochen. Die Gerstunger Sanitätskolonne legte einen Notverband an und brächte ihn in seine Wohnung. Von hier aus über- führte ihn dann die hiesige Sanitätskolonne wieder in das Hersfelder Krankenhaus.
Marburg, 26. Oktober. Die Leiche des seit dem 5. d. Mts. vermißten Oberlehrers N. aus Durham (England), der sich vom letzten Ferienkursus hier noch aufhalten mußte und der aus Schwermut den Tod suchte, wurde bei Wehrda aus der Lahn gelandet.
Vom Eichsfelde, 27. Oktober. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in der Walterschen Spinnerei in Dachrieden. Der 17jährige Schlosser Hermann Vogler geriet beim Auflegen eines Treibriemens in das Getriebe. Beide Beine und ein Arm wurden dem Unglücklichen abgerissen. Der Tod trat auf der Stelle ein.
Duderstadt, 27. Oktober. Der Infanterist Ahrend von hier, der erst vor kurzem mit dem Eisernen Kreuz 2. Klaffe ausgezeichnet wurde, erhielt jetzt auch das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Er hat mit noch einem Kameraden mit dem Maschinengewehr eine ganze Kompagnie Franzosen niedergemäht.
Fulda, 27. Oktober. Auf dem letzten Schweinemarkt waren die Preise besonders für Ferkel abermals in die Höhe gegangen. Der Handel setzte Anfangs schleppend ein, gestaltete sich aber später recht lebhaft. Die Landwirte wurden große Posten der zu Markt gebrachten Ferkel los. Die erzielten Preise waren wie folgt: Ferkel bis 6 Wochen alt 15—18 Mk. von 6—8 Wochen alt 20—24 Mk., von 8—13 Wochen alt 24—30 Mk. per Paar, je nach Qualität. Läuferschweine wurden mit 22, 35 und 40 Mk. per Stück je nach Qualität bezahlt. Der Ueberstand war diesmal ein ganz minimaler und der Markt gegen 1/2IO Uhr schon geräumt.
Sanau 27. Oktober. (Der älteste 83 er gestorben.)
Mister von fast 95 Jahren starb in Hanau der Vostickaffner a. D. Konrad Kaufmann, der älteste Anaeböriae des ehemaligen 3. Kurhessischen Jnfanterie- Reaiments (jetzigen kurhess. Infanterie-Regiments von Wittich Nr 83). Er genügte seiner Militärpflicht von 1841 bis 1846. Als das Regiment im vorigen Jahre das 100 jährige Regimentsjubiläum beging, da hielt es den alten Soldaten nicht zu.Hause, und er ließ es sich nicht nehmen, an der tn Caßel statt- gefundenen Feier teilzunehmen.
Frankfurt a. M-, 27. Oktober. Gestern mittag 12 Uhr fand in der Aula der neugegründeten Frank- fnrter Universität der Eröffnungsakt statt. Schlicht und ohne allen äußeren Prunk verlief die feierliche Stunde. Das gesamte Dozentenkolleglum und das Häuflein noch in Frankfurts Mauern weilender Studierender hatte sich eingefunden.
Höchst a M., 26. Oktober. Der Landwehrmann Schulten von hier kehrte vor einigen Tagen plötzlich aus dem Felde heim und wollte feine Familie mit seiner Ankunft überraschen. Doch der Aermste fand seine Wohnung leer. Seine Gattin war vor etwa zwei Wochen bei der Geburt eines Kindes gestorben und seinen drei kleinen Kinderchen hatten mitleidige Leute ein vorläufiges Heim gegeben.
Gedenket allzeit des Roten Kreuzes!
Zur Kriegssamilien-Anterklützung.
Einzelne Fälle haben dem preußischen Minister des Innern Veranlassung gegeben, in einem an die Oberpräsidentengerichteten Erlasse darauf hinzuweisen, daß die auf Grund gesetzlicher Bestimmungen an die Familien der in den Dienst eingetretenen Mannschaften zu zahlenden Unterstützungen dadurch nicht unterbrochen werden, 'daß die in den 'Dienst Eingetretenen als krank oder verwundet zeitweilig in die Heimat beurlaubt worden sind. Handelt es sich um Kriegsteilnehmer, die nicht wieder felddienstfähig geworden sind, so unterliegt es keinem Bedenken, die Familienunterstützungen im Falle des Bedürfnisses solange weiterzahlen zu lassen, bis die Kriegsteilnehmer in den Genuß einer Militärrente treten, d. h. bis zu dem Zeitpunkte, zu welchem sie den ersten Betrag der Militärrente tatsächlich abheben.
In gleicher Weise sind auch den Hinterbliebenen der im Striege gebliebenen oder infolge einer Verwundung oder Kriegsdienstbeschädigung verstorbenen Personen die Kriegs-Familtenuntersttttzungen solange weiter zu gewähren, bis die Bewilligungen auf Grund des Militär-Hinterbliebenengesetzes tatsächlich zur Hebung gelangen.
Bei einer verspäteten Zahlung der Militärbezüge ist von einer Rückforderung der Familienunter- stützungen abzusehen.
Man ersieht aus diesem Erlasse von neuem, daß die Staatsverwaltung nach Kräften bestrebt ist, die Not der durch den Krieg ihres Ernährers zeitweilig oder dauernd beraubten Familien zu lindern. Sie kann aber nicht alles leisten, mib deshalb ist es dringend erforderlich, daß ihr die Unterstützung durch Kommunen, Verbände und die private Wohltätigkeit nach wie vor helfend zur Seite steht.
Verzeichnis
der bei L. P f e i f f e r, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz, Settion hersfeld
von Ungenannt..........M. 20.—
„ für„Adieu"-sagen gesammeltinZimmer
Nr. 63, Lazarett Kriegsschule. . „ 5.—
„ Herrn Carl W. Otto hier.....„ 10.—
„ „ Kaufmann Alfred Neumann,
Leipzig, Verzicht auf Sachverst.-Geb. „ 10.— „ Ungenannt..........„ 10.— „ Israelitische Gemeinde Raboldshausen „ 20.— „ Herrn Magnus Becker, Friedhofs- gärtner a. D.........„ 50.—
M 125^
Bestand „ 21.819.77 heutiger Bestand M. 21.944.^7
Für die Krieger im Felde:
von Herrn Hegemeister Küch, Ettra . . . M. 10.— „ Ungenannt...........„ 10.— „ Gemeinde Meckbach.......„ 100.—
„ Herrn Magnus Becker, Friedhofs- gärtner a. D........„ 50.—
„ „ Magnus Becker, Friedhofsgärtner a. D. für die Marine . . . . „ 50.— „ Fräulein Anna Hesse hier.....„ 3.— M. 223.— Bestand „ 1574.46
1797.46 davon verausgabt ,, 197.60 heutiger Bestand M. 1599.86
Für die notleidenden Hinterbliebenen
von Herrn Magnus Becker, Friedhoss- gärtner a. D..........M. 50.—
Bestand „ 96.35 heutiger Bestand M. 146.35
Für die notleidenden Ostpreußen von Ungenannt...........M. 20.— „ 6 Schülerinnen der Kleinbahn Hersfeld-Treysa........„ 7.50 „ P. H. hier.........
Bestand „ 100.16 heutiger Bestand M. 177.66
Strickt Pulswärmer
für unsere Truppen im Felde!