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^ Der Zar lobt die russische Ostseeflotte.

Aus Petersburg meldet der Draht: Der Kaiser bat dem Kommandanten der baltischen Flotte den Dank oft die anstrengende Tätigkeit -er Marine während der Herbstzeit unter den Gefahren von Torpedo- und Unter­seebooten durch den Marlneminister aussprechen lassen. . Trotz seiner zahlenmäßigen Ueberlegenheit habe der kühne Feind keine wirnichen Ergebnisse erzielt.

Unter welchem Namen will man in Rußland die Vernichtung des PanzerkreuzersPallada^ buchen, wenn bisher keinewirklichen Ereignisse" zu verzeichnen

Ein türkisch-afghanischer Vertrag.

Dem türkisch-persischen Vertrag folgt jetzt ein zweiter mit Afghanistan:

^ Konstantinopel, 27. Oktober. (WTB.) Ein einflußreiches Mitglied des jungtürkischen Komitees wurde vom Emir von Afghanistan empfangen, der einen Vertrauensmann nach Konstantinopel entsandte. Der Abschluß eines Vertrags zwischen den beiden Ländern scheint gesichert.

Der Zusammenschluß der drei mohammedanischen Reiche ist für die antirussische Bewegung gegenwärtig von besonderer Bedeutung.

Entschädigungsansprüche Atttwerpener Handelshäuser an England.

fe* Berlin, 27. Oktober. (WTB.) Einige 50 Ant­werpener Handelshäuser sollen wegen der Vernichtung ihrer Warenvorräte vom amerikanischen Gesandten im Haag Entschädigungsansprüche gegen England im Werte von 230 Millionen Franks angemeldet haben.

Das ist, die Bestätigung vorausgesetzt, eine recht interessante Meldung. Aus allem, was man schon bis­her über das Verhalten der Engländer in Antwerpen erfuhr, ging hervor, da sie sich dort als Herren, nicht als Helfer auffnhrten. Es ging daraus hervor, daß sie ihre Aufgabe nicht dahin auffatzten, in belgischem Interesse Antwerpen verteidigen zu helfen, sondern vielmehr in englischem Interesse die Stadt mit ihren Anlagen und Vorräten möglichst zu zerstören, damit Antwerpen nicht den Deutschen ein Hilfsmittel und Sprungbrett gegen England werde. Daß sie dabei belgisches Eigentum, belgische Werte schädigten, verschlug den Engländern nichts: hat es doch von jeher einem Grundsatz englischer Politik entsprochen, Verbündete für sich bluten und opfern zu lassen. Die Klage der oben genannten Ant­werpener Handelshäuser läßt einigermaßen übersehen, welche ungeheuerliche Gestalt der englische Zerstörungs- trieb dort auf Kosten verbündeter Belgier gehabt hat. Gleichzeitig liefert sie aber den Beweis, daß nun auch in belgischen Köpfen mehr und mehr die Erkenntnis aufdämmert, wer Belgiens größter Feind in Wirklich­keit ist.

- Kriegsallerlei.

Das Eiserne Kreuz für den König von Württemberg.

9-* Stuttgart, 27. Oktober. (WTB.) Dem König ist vom Kaiser das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen worden.

Stillegung englischer Fabriken wegen Arbeitsmangel.

«3 Berlin, 27. Oktober. (WTB.) Holländische Zeitungen berichten aus London: Arbeitgebervereini­gungen in Liverpool und Manchester beschlossen wegen Arbeitsmangels die Stillegung ihrer Betriebe um 33 ü Prozent.

Ein Anfstand in Aegypten?

^ Konstantinopel» 27. Oktober. (WTB.) Ein ägyptilches Blatt meldet aus Kairo die Aufdeckung der Vorbereitungen eines Aufstandes in Aegypten.

Türkische Jnstrnktionsoffiziere für Persin.

'»g* Konstantinopel, 27. Oktober. (WTB.) Auf die Bitte Persiens wurden 7 türkische Jnstrnktionsoffiziere «-gesandt. Es heißt, -atz zwischen -er Türkei und Per- sie« ei« Bündnisvertrag abgeschlossen ist.

Die Engländer überwachen das Rote Meer.

9-* Konstantinopel, 27. Oktober. (WTB.) Meh­rere englische Kreuzer überwachen die türkische Küste des Roten Meeres.

Die Kämpfe in Albanien.

9g* Athen, 27. Oktober. (WTB.) Die Abanesen griffen vergeblich das epirotische Korps Moschopolis an, dessen Führer im Kampfe fiel.

Die Inder weigern sich nach Frankreich zn gehen.

9-* Konstantinopel, 27. Oktober. (WTB.) In Alexandrien kam es zu blutigen Zusammenstößen »wischen nach Frankreich bestimmten Indern und der englischen Garnison. Die Inder wollten nicht nach Frankreich. 7 englische Soldaten wurden getöte t, 30 indische Soldaten empsingen das Todesurteil.

Deutsche Bersicherungsgelder in Frankreich

** Gent, 27. Oktober. (Hbg. Fröbl.) Der frühere Bürgermeister von Colmar, Daniel Blumenthal, hat den Vorsitz der nationalen Liga zur Verteidigung des französischen Handels übernommen. Auf Veranlaffung dieser Liga und in Anordnung des Dekrets vom 30. September wurde auf die in Frankreich hinterlegten Summen -er größten deutschen Versicherungsgesellschaf­ten, die in Frankreich Geschäfte machen und 52 000 Ver­träge mit 100 Millionen Franks abgeschlossen haben, Beschlag gelegt.

Der Fernsprecher für -ie Deutschen in London gesperrt.

** Cöln, 27. Oktober. (Hbg. Fröbl.) Die englische Telegraphenverwaltung hat in London alle Fernsprecher für deutsche Teilnehmer sperren lassen unter dem Vor- wand -er Vorsichtsmaßregel gegen deutsche Spione.

Der englische Generalstabschef gestorben.

DieVoss. Ztg." erhält aus dem Haag die Nachricht, daß -er Chef des englischen Generalstabes, Sir Charles Douglas, in London gestorben ist.

Wie sichKarlsruhe" mit Kohle« versorgt.

Aus dem Haag wird derVoss. Ztg." gemeldet: Un­ter den von -erKarlsruhe" in -en Grund gebohrten Schiffen hatten zwei große Kohlenladungen von zu- sannnen 10 000 Tonnen an Bord. Dadurch hatte die Karlsruhe" Gelegenheit gehabt, sich reichlich mit Kohlen zu versorgen.

Englische Phantasten.

Aus London wird gemeldet, die Phantasie der Be­völkerung beschäftigte sich mit den abenteuerlichsten Ge­schichten neue deutsche Luftschiffe, die zur Beschießung Londons gebaut werden sollen. Sie seien mit Gas, wel­ches fünfzehnmal leichter als Wasserstoff und mitMetall, welches stahlhart, aber dreimal leichter als Aluminium sei, ausgerüstet. Eine Autorität wie Sir William Rarm lag muß diesen Unsinn dementieren, um das Publikum zu beruhigen.

Erkrankung der Königin Elisavech von Rumänien.

, DasNeue Wiener Tageblatt" meldet aus Buka­rest: Die Erschütterungen, denen die Königin Elisabeth ausgesetzt war, beeinflussen ihre Gesundheit so, daß sie das Bett hüten muß. Vorerst bleibt die Königin noch in Bukarest.

Eine englische Verleumderin deutscher Soldaten in England verurteilt.

Die englische Lehrerin Hume, die in Belgien als barmherzige Schwester wirkte, sollte von deutschen Sol­daten übersatten und mißhandelt worden sein. Halbtot sei sie von Nonnen aufgelesen worden und hätte nur noch die Möglichkeit gehabt, ihre Anklage gegen die Deutschen schriftlich niederzulegen. Dem Dokument wa­ren zwei Unterschriften beigegeben. In England wurde eine besondere Kommission eingesetzt, die die Sache wei­ter untersuchen sollte. Was aber geschah? Man ver­haftete Käthe Hume, ein hysterisches Fräulein. Diese hat sich die ganze Geschichte in ihrer Phantasie erdichtet und ging sogar so weit, daß sie jenes Dokument mit sämtlichen belgischen Unterschriften selbst herstellte. Die Richter haben Käthe Hume wegen Urkundenfälschung zrc 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen ihres, geisti­gen Zustandes erhielt sie für den Fall guter Führung Strafaufschub auf die Dauer von 2 Jahren. Die Lüge wurde s. Z. über die ganze Welt verbreitet ob die Wahrheit nun auch die weite Reise machen wird?

Wie 1500 Engländer gefangen wurden.

Dem Landmehroffizier Holzgroßhändler Heinrich Vetter in München gelang es, bei -er Verfolgung der Engländer auf dem Wege von Antwerpen nach Ostende mit 32 Militärradfahrern eine größere englische Trup- penabteilung zu stellen, sie solange aufzuhalten, bis Infanterie herbeikam und sie, 1500 Mann stark, ge­fangen genommen werden konnten.

Wie General Hamilton fiel.

Ein höherer englischer Offizier schildert im Lon­donerGlobe" den Tod des englischen Generalmajors Hamilton, der, wie gemeldet, in den letzten Kämpfen gefallen ist. General Hamilton stand in einer gedeckten Stellung inmitten einer Gruppe von Offizieren, als eine Granate in kurzer Entfernung platzte. Ein Splitter traf Hamilton, der auf der Stelle tot war. Die anderen blieben unverletzt. Das Begräbnis konnte erst in der Nacht erfolgen, da es wegen des heftigen deut­schen Feuers unmöglich war, zu der Leiche des Generals zu gelangen. Während eines Infanterie- und Ma­schinengewehrfeuers, das so heftig war, daß man die Stimme des Feldgeistlichen nicht vernehmen konnte, wurde Hamilton bestattet.

Mutterwitz.

Unsere ostpreußischen Bauern sind doch außeror­dentlich pfiffige Leute. Davon konnte ich mich, so schreibt uns em Leser, in diesen Tagen wieder einmal überzeugen. Ich lag in einem kleinen Dörfchen im Quartier bei einem Bäuerlein, das vor den Russell geflüchtet war. Ein paar Tage vor der Einnahme des Dorfes durch die Russen hatten dort schon kleinere Ge­fechte stattgefunden. Niedrige Hügel bezeichneten die letzte Ruhestatt der Opfer. Dicht neben dem Haus meines nach dem Abzug der Russell wieder zurückge­kehrten Quartierwirtes befand sich ein recht anseHn- licher Hügel, der ein großes Kreuz mit der Aufschrift: Hier liegen drei Russen" trug. Auf meine Frage, wieso die Toten so llahe an seinem Hause bestattet waren, erwiderte er mit schlauem Schmunzeln: Das sind keine Russen, da habe ich bloß meine Sachen ver­graben, sonst hätten die Kröten sie noch gefunden!

Die französische« Fliegerpfeile.

Ein im Feld stehender Reserveleutuant berichtet in einem Brief eingehend über die französischen Flieger­pfeile. Ein derartiger Pfeil ist einem Pferde in den Rücken gedrungen und an der Bauchseite wieder her­ausgekommen. Einem anderen Pferd ging ein Flieger- pfeil in den Schädelknochen und er mußte dort mit einer Zange entfernt werden, so fest hatte er sich in den Knochen eingebohrt.

Wie ein Eisernes Kreuz erworben wird.

DieFranks. Ztg." teilt folgendes KriegserleSnis mit:

In dem an der Bayerstratze gelegenen Gase Jm- perial gab es jüngst ein großes Aufsehen. Humpelt da an Krücken ein etwa 24jähriger österreichischer Feld­webel herein, dessen Brust mit dem Eisernen Kreuz und mehreren anderen Orden geschmückt war. Bald war der junge Krieger von zahlreichen Gästen umringt, die ihn lebhaft befragten, wie er zu diesen Auszeichnungen gekommen sei. Und er erzählte: Seines Zeichens Elek­trotechniker, sei er bei Kriegsausbruch als Gemeiner mit einer österreichischen Motorbatterie ausgeruckt. Eines Abends steht er auf Vorposten und hört aus etni= ger En sernung verdächtiges Geräusch. Dein geht.er behutsam nach und entdeckt feindliche Artillerie, die im Rear fie t schweres Geschütz einzubetonieren. Zur Truvve zurückgekehrt, bittet er seinen Batteriechef, ihm äne Extratour" zu erlauben und 25 Mann nutzugeben. Die Bitte wurde gewährt, und mit 25 Freiwilligen -

Oesierreichern und vier Bayern schleicht unser Mann nachts 1 Uhr in weit ausgeschwärmter Schützen­de dem Feind entgegen. Der hatte drei Vorposten aufaestellt die lautlos überrumpelt und erdrosselt wer­den Dann ging's auf die feindliche Truppe, die - es waren 86 Mann aus tiefem Schlafe aufgeschreckt, niedergemacht wird. Dank der in seinem Zivilberufe erworbenen Kenntnisse gelang es dem Führer dann in kwzer Ze t, die eindlichen Geschütze flott zu machen und als willkommene Beute dem eigenen Lager zuzu- fübren Als erste Auszeichnung für diesen kühnen Handstreich erhielt er andern Tags das Eiserne Kreuz, das Prinz Oskar von Preußen von der eigenen Brust nahm und dem jungeil Oesterretcher anbeftete. Dann folgte die Ernennung zum «veldwebel, die Verleihung eines sächsischen und eines Hessischen Verdienstkreuzes sowie eines Ordens noch eines dritten Bundesstaates. Endlich ward der junge Held nach Wien befohlen, um aus des Kaisers eigener Hand die goldene Tapferkeits­medaille zu empfangen. Erhebliche Verletzungen, die der iunae Feldwebel bet einem alsbald folgenden Ge­fecht erNtt machten indes seinen Aufenthalt in einer Münchener chirurgischen Klinik notwendig, sodaß sich die Reise nach Wien verzögerte.

Demselben Blatte wird aus Dessau geschrieben:

Unter den Verwundeten, die dieser Tage eingeliefert wurden, befand sich auch ein mit dem Eisernen Kreuze " Klaffe geschmückter Unteroffizier. Es ist der beim 102. Reserveregiment eingetretene Unterofftäter Siewon, aus Oberglogau in Schlesien gebürtig. Siewon, von Beruf Maschinenschloffer, hat sich diese höbe Auszeich­nung durch sein todesmutiges Verhalten in mehreren Schlachten in Belgien und Frankreich erworben. Nur eine Episode sei hier wiedergegeben:

Im Hexentak rei M., das wegen der starken Veü Inffe, die dort namentlich die sächsischen Regimenter er­litten haben, von den Soldaten in ^Hexenkessel" umge« tauft worden ist, bedrängten französische Schnellfeuer- Batterien die Deutschen, ohne daß es gelang, ihre Stand­orte ausfindig zu machen. Siewon, der immer einer der ersten war, wenn es galt, sein Leben für das Vaterland und seine Kameraden in die Schanze zu schlagen, unter- nahm mit noch einigen Kameraden den Versuch, die feindliche Stellung zu erspähen. Es glückte ihm auch: dagegen wurden seine Kameraden von feindlichen Gra­naten zerrissen. Um nun die eigene Fußartillerie tu die Lage zu versetzen, die feindlichen Batterien unter wirksames Feuer zu nehmen, war es nötig, die in aus­gezeichneter gedeckter Stellung stehenden Franzosen zu beobachten und das eigene Feuer zu dirigieren. Ste- won und ein anderer Soldat versuchten unter einem Hagel feindlicher Geschosse, eine Telephonverbindung von der Batterie nach einem guten, Beobachtungs- posten zu legen, damit das Fener der sächsischen Artil­lerie wirksam gestaltet werden konnte. Kaum war die Leitung hergestellt, so wurde sie auch wieder von Gra­naten zerrissen. Es mußte also ein anderer Weg ge­sucht werden. Unter unausgesetztem feindlichen Feuer näherte sich Siewon sprungweise einem Wald und er­klomm einen hohen Baum, der ihm eine prächtige Uebersicht über die feindlichen Batterien bot. Doch bald war er bemerkt worden. Ein Geschoßhagel ttber- goß ihn, so daß seine Kleidung mehrfach zerfetzt wurde. Die Aeste zerbrachen, und die Bäume stürzten, von Granatsplittern zerrissen er selbst aber blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Er meldete seine Be­obachtungen dem Kommandeur einer Batterie, die bald den ersten Schuß dem Feinde sandte. Kaum fünfzig Meter vom ersten feindlichen Geschütz sanfte die Granate in die Erde. Der zweite zerschmetterte ein Geschütz, der dritte ein weiteres, und kaum war eine halbe Stuude vergangen, da machten sich die noch ganz gebliebenen Geschütze der Franzosen aus dem Staube. Siemon aber hatte von seinem gefährlichen Beobach- tungsposten aus das Feuer geleitet und war mehrere Male heruntergestiegen, um dem Batteriekommandan- ten von dem Einschlägen der Geschosse Nachricht zu ge­ben. Seine Nerven sind freilich in dieser kurzen Spanne Zeit, während welcher er dem feindlichen Granatenha- gel unausgesetzt preisgegeben war, derart zerrüttet worden, daß er ständig am ganzen Körper zittert und nachts stets den Feind vor Augen sieht. Nur in Schutz- begleitung darf er das Lazarett, in dem er liebevoll ge­pflegt wird, verlassen.

Kriegsbilder aus Frankreich.

Ein Teilnehmer am Kriege, der vor öem Aus­bruch der Feindseligkeiten in hoher Stellung in Bern lebte, schildert in einem schweizerischen Blatt in feffeln- der Weise allerlei Kriegseindrücke aus Frankreich:

Ueberall, wohin wir im nördlichen Frankreich kamen" schreibt er,sahen wir grenzenloses Elend: barfüßige schmutzige Kinder, vor Kälte zitternde, meist nur notdürftig bekleidete Frauen, düster -reinblickende Männer: allen konnte man den Hunger und die Angst, die sie ausgestanden hatten, vom Gesicht ablesen. Alle Lebensrnittel hatten die Franzosen auf ihrem Rückzüge mitgenommen und, wo sie dies nicht konnten, schonungs­los vernichtet. So sah die Wand eines Hauses von da­gegen geschleuderten rohen Eiern wie tapeziert und um« herliegende Brote mit Petroleum übergossen. Die deut­schen Solöaten gaben -en hungernden Armen bereitwil­ligst alles, was sie nur entbehren konnte«: Brot, Zwie- back, mit Kaffee gefüllte Büchsen, ««ö selbst manche Rotweinflasche, die bis dahin sorgsam aufbewahrt wor­den war, wanderte hinüber. Dafür empfingen sie aber auch manchen aufrichtig gemeinten Hänöedruck, und dankbaren Blickes riefen uns Frauen, Kinder und Greise ihren Dank nach.

Auf unserem Vormarsch überraschten wir dann eine englische Kavallerieschwaöron Beim Abkochen. Sie schienen uns wohl nicht so nahe nermutet zu haben, an­ders kann ich mir ihre Sorglosigkeit nicht erklären: denn sie bemerkten uns erst, als sie vollständig umzingelt waren. Es waren lauter stramme Burschen, -ie in ihrer Khakiuniform recht schmuck aussahen. Jedes der gut gepflegten Pferde führte unter öem Sattel rechts und links Preßheu, das sicher für einige Tage ausreichte, mit. Während der Offizier, ruhig eine Zigarette weiter­rauchend, die Hände in den Hosentaschen unö verbind­lichst lächelnd, dabei übrigens in ziemlich gutem Deutsch dieses unerfreuliche Zusammentreffen be­dauernd, sich in sein Schicksal ergab, zeigten sich die Sol­daten recht widerspenstig. So verwundete ein Englän­der einen unserer Unteroffiziere hinterrücks mit einem Dolche, den er verborgen gehalten hatte. Die Strafe folgte auf dem Fuße: ein Kolbenschlag streckte den Mann zu Boden. Bei näherer Durchsuchung fanöen wir nun, daß alle Engländer solche Dolche mit sich tru­gen: sie ließen an -er einen Seite eine gewöhnliche Messerklinge, an -er anöeren Seite aber ein richtiges Dolchmesser aufklappen und wuröen an einer durch den Rockärmel geleiteten Schnur, die oben an -er Achsel befestigt war, im Aermel verborgen getragen. Wie wir hörten, waren diese Engländer erst vor wenigen Tagen angekommen und hatten noch keinen Feind ge­sehen. Sie konnten also gleich ihre Reise nach Deutsch­land fortsetzen wenn auch als Gefangene.

Ein grasses Gegenstück zu den Engläudern bilde­ten etwa zwanzig Franzosen, die wir später hinter einem Getreidehaufen, wo sie sich versteckt hielten, gefangen nahmen. Viele von ihnen lagen auf den Knien und beteten in ihrer Not. Sie zitterten wie Espenlaub. Nachher erfuhren wir auch den Grund für dieses sonder­bare Verhalten. Man hatte ihnen gesagt, die Deutschen erschössen alle Gefangenen. Bet unserem Erscheinen riefen sie kniend und fanunernö: Pardon, Monsieur, vollst!" wobei sie ihren Ehering zeigten, um so kund- zutun, daß sie verheiratet seien und deshalb Schonung verdienten. Einen recht würdig aussehenden Franzosen fragte ich aus und vernahm von ihm, daß sie versprengt worden seien. Auch erzählte er, daß er sieben Kinder habe und fünfzig Jahre alt sei. Auf meine erstaunte Frage, ob denn schon so alte Leute in der Front seien, antwortete er, daß es in seinem Regiment noch viel äl­tere gäbe. In den Tornistern der Franzosen fanden wir Flugblätter, in denen zu lesen stand, daß die fran­zösischen Truppen die illyeinbrücken bei Köln unö Mainz zerstört hätten. Eine französische Armee habe den Rhein überschritten und bereite die Belagerung von Magdeburg vor. Die Russen hätten die deutschen Heere vollständig vernichtet und rückten in Eilmärschen auf Berlin zu. Uebrigens mußten wir die Franzosen, die zwei Tage lang nichts zu essen bekommen hatten unö ganz entkräftet waren, zuerst gründlich füttern: nach« öem wir ihnen mehrmals versichert hatten, daß ihnen kein Leid geschehen würde, zogen sie anscheinend zu- Meden in ihre Gefangenschaft... .."